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Quifanu Dunkles Herz

GeschichteDrama / P16 Slash
05.09.2006
14.10.2009
36
192.727
 
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05.09.2006 5.919
 
Was hatte er nun vor? Sicher in Hasuvars Adern, floss der Wunsch nach Rache. Mit jedem Herzschlag stetig wachsend jener Wunsch, doch er musste nur auf den Tiefling sehen, um zu wissen, dass es wichtigere Dinge gab. Rothillion mochte ihn verraten haben, ihn verkauft und das Wichtigste genommen, noch dazu war er ein Paktierer, denn mit der Gewissheit des Verrates, kam auch jenes Wissen, keiner hatte es ihm erzählen müssen, denn Hasuvar konnte sich denken, was Rothillion für seinen Verrat erhalten hatte. Unsterblichkeit. Die Ewigkeit in Form eines Untoten, eines herzlosen Untoten. Dieser verdammte Magier war ein Dämonenpaktierer und ein Lich dazu. Jemand hatte ihn zur Rechenschaft zu ziehen, ihn zu bestrafen und dieser Jemand wollte er sein.
Doch davor musste er Kelsey aus Cauldron bringen und wenn dies hieß seinen Feind zu warnen. Fast reflexartig griff er sich an die Schulter, dorthin wo ihn der fliegende Totenkopfschädel erwischt hatte. Die Wunde war verheilt, dank seiner Tränke, doch hatte er einen Vorgeschmack auf Rothillions Macht erhalten und diesmal würde der Magier nicht überrascht sein, aber Hasuvar ebenso nicht. Und mittlerweile fühlte er den Mut wieder ein Schwert zu führen.
„Was ich vorhabe Loririon, nun dies sind genau zwei unterschiedliche Vorhaben. Zum Einem werde ich sobald wie es Kelsey besser geht ihn aus dieser Stadt fortbringen. Dieser Ort ist verflucht und der letzte, an dem er sich aufhalten sollte. Und dann zum anderen werden danach der Magier Rothillion und ich eine kleine Unterredung führen.“ Die Stimme des angeblichen Fürsten war zwar leise und doch schwang ein kalter Unterton in ihr, war die Schärfe in ihr unbestreitbar, so dass Loririon ein Schauder über den Rücken lief, eines war ihm bewusst, er wollte Hasuvar Mondflüstern nie zum Feind haben.
Der Geschmack des Verrates mochte süß und lockend sein, doch Hasuvar würde ihm einen bitteren Beigeschmack geben. So bitter, wie der Hauch des Todes, der unaufhaltsam durch seine Adern kroch. Eine Zeit lang musterte er den Sonnenelfen, der diese Zeit nutzte um nachzudenken, schließlich eine seiner goldenen Augenbrauen anzuheben. „Ihr spracht davon, dass es Kelsey besser gehen soll? Wisst ihr denn was ihm fehlt? Und wie es zu beheben ist?“ Zu seinem Glück war der Barde wortgewandt, wusste wie er die Betonungen seiner fragen legen musste, ohne das Gefühl der Schuld, welches an ihm nagte, zu offenbaren. So verwunderte ihn nicht, dass Hasuvars Gesichtsausdruck freundlich blieb, er keine Anklagen zu hören bekam. Es war auch genug wenn er sie sich selbst machte, auch wenn er sich immer wieder ins Gedächtnis rief, dass allein der unbekannte Händler die Schuld hatte.
„Was genau ihm fehlt, das weiß ich nicht, doch ich schätze es wird eine Nachwirkung der Bannzauber sein, die ich gewirkt habe. Ich bin mir nicht sicher, aber soweit ich es erkennen konnte, wird es nicht von langer Dauer sein.“ Genau dies hatte der Zauber, den er noch am Bett des Tieflings gewirkt hatte, preisgegeben. Nur dies und nichts mehr, es wäre wohl auch einfacher gewesen, wenn er ein Magier wäre und mehr von den arkanen Künsten verstanden hätte.
Ein kleiner Gedanke, der ihn zusammen mit den Worten des Sonnenelfen ein leichtes Schmunzeln über die Mundwinkel gleiten ließ. „Also seid ihr doch ein Magier?“ Dieser anklagende Ton in der Stimme, dieser Aufforderung sich endlich zum Erkennen zu geben, trieb den älteren Elfen fast zu einem schalkhaften Spiel, seine Gesichtszüge voller ernst, als er sich vorlehnte, so als wolle er etwas wichtiges endlich zu geben, würde dazu die vertrauliche Nähe des Barden suchen. Doch schließlich räusperte er sich und schüttelte den Kopf: „Ich muss euch enttäuschen, ich habe nie in meinem Leben ein Zauberbuch geführt.“ Genau dies war damals eines seiner Probleme auf der Akademie der hohen Künste gewesen und wäre er nicht aus einem angesehenen Hause stammend, so hätten sie ihn wohl schlicht verwiesen, doch so hatte es damals keiner gewagt. Am Ende hatte Hasuvar ihnen den Gefallen getan selbst zu gehen.
Sah der Mondelf den empörten Blick des Sonnenelfen, konnte sich vorstellen, dass sich jener auf den Arm genommen fühlte, vor allem nach dem kleinen Spiel der Gesten, die er zu Tage gebracht hatte. Und wirklich war es ein kleiner Spaß gewesen. Spaß, welch ihm so fremd gewordenes Wort. Nun zurückgekehrt, aber doch wieder untergehenden in der Wichtigkeit, in dem Ernst ihrer Lage. „Loririon ich habe keine Gründe euch anzulügen, ich mag zwar in vielen Dingen ein Gelehrter sein, denn ich selbst habe einige Zeit in genau jener Aufgabe eines Gelehrten in Silbrigmond verbracht, doch es betraf nie die arkanen Künste. Ich bin kein Magier und ihr müsst die Frage nicht stellen, ob ich ein Hexenmeister wäre, denn auch diese würde ich verneinen.“ An sich hätte sich der Mondelf nicht rechtfertigen müssen, doch verfiel er in jenes Muster von Handlungen zurück, welches er in dem letzten Jahrzehnt so schmerzhaft erlernt hatte und es erleichterte ihn das verstehende Nicken, den Glauben an seinen Worten in den blauen Augen des Sonnenelfen zu sehen.
„Kommt ich möchte euch zeigen, was meine Waffen sind, meine Kunst.“ Nun wo diese Worte ausgesprochen waren, ja da fühlte der Mondelf ein Sehnen und langsam erhob er sich. Machte sich daran durch den langen Flur zu schreiten und das heiße Verlangen schneller zu gehen, der lockende Ruf, den er all die Monate gefürchtet hatte, der ihn fast in den Wahn getrieben hatte, war erneut hier, lauter und verlangender als je zu vor, doch diesmal wich er diesem nicht aus, viel mehr öffnete er sich diesem.

Er bekam nicht mit wie der Tiefling in seinem Spiel mit der Katze innehielt, einige Momente den Kopf schief legte, so dass ihm die langen schwarzblauen Haare ins Gesicht fielen, das kurze Funkeln in den schwarzen Augen verbargen. Als würde er lauernd blieb Kelsey auf dem Boden sitzen, wehrte halbherzig mit einer Hand den schweren Kopf Cairlyns ab, der sich an seinem Gesicht rieb, auch wenn die feuchte Nase ihn leise zum Lachen brachte, dafür sorgte, dass er sich fast so kringelte, wie es der Teufelsschwanz tat.
„Nein da geschieht etwas Wichtiges.“ Worte so voller ernst gesprochen, denn schließlich war auch der fremde Sonnenelf Hasuvar gefolgt, erwartungsvoll, voller Spannung der schlanke Körper des Elfen und Etwas regte sich in Kelsey. Unheilvoll, verworrene Bilder und alles Kopfschütteln half nicht diese zu vertreiben, wurde ihm nur schwindlig davon und brachte den Bergkater zum Brummen, da diesem die wirren Haare ins Gesicht geworfen wurden. Ein tadelnder Stups mit feuchter Nase beendete das Kopfschütteln und langsam machte sich der Tiefling daran aufzustehen.
„Wir müssen mit.“ Warum das wusste er nicht, doch es war dringend.

Fragend blieb der Sonnenelf in einem der Zimmer stehen, war dieser wie die Galerie des Hauses fast völlig verstaubt, auch wenn er den Staub an diesem Ort nicht so dick einschätzte, und hier und dort entdeckte er Spuren auf dem staubigen, dunklen Holzboden, als wäre hier des Öfteren Jemand ein und aus gegangen. Düster und Finster, ja stickig war es hier und seine Nase rümpfte sich leicht, an sich wirkte es hier so verkommen wie in dem ganzen Haus, sah man von dem Labor ab. Und wieder einmal fragte er sich wie man so leben konnte. Sicher verstand er nach und nach, das dieses heruntergekommene Heim, nur ein Abbild der Seele, der Gefühlswelt Fürst Mondflüsterns war, dennoch konnte er es nicht einfach hinnehmen, konnte nicht mit beiden Augen schlicht wegsehen. Er war nicht so wie die Menschen Cauldrons, denn seiner Meinung nach hatten sie genau dies getan, den Blick abgewendet und ihre Herzen vor der Wahrheit verschlossen.
Kelsey gefolgt von dem Kater Cairlyn lenkten ihn kurz ab, ließen ihn sich umdrehen und das recht ungleiche Gespann betrachten. Nun Hasuvars Aussage über Kelsey, dass alles nur eine Frage der Zeit war, ließ ihn hoffen, doch genauso bereitete es ihn Unbehagen, denn wer wusste schon, wie der Tiefling reagieren würde? Loririon sicher nicht und er hatte wohl mehr Ahnung von der Wut und dem Hass, die dort verborgen lauerten. Seiner Meinung nach hieß es, schlicht Vorsicht zu zeigen. Vielleicht mochte es gut enden und die Familie, die solange entzweit gewesen war, würde wieder vereint sein, aber an Wunder glaubte der Sonnenelf nur, wenn sie ihm vor Gesicht kamen und bisher hatte er seit dem Tod Albaraens kein einziges Wunder mehr gesehen.
Nein so sehr es ihn auch schmerzte, er wollte jetzt nicht an den Waldelfen denken, es würde ihn ablenken, seine Sinne trüben und irgendwie hatte er die Befürchtung, dass sobald er sich selbst in seiner Trauer verlor, der Ring an seinem Finger diese Gelegenheit nutzen würde und er am Ende noch dem Gleichen unterlag wie Kelsey es getan hatte.
Licht, helles Licht, nun so hell wie das Sonnenlicht eben getrübt durch den Schleier des Nebels war, flutete plötzlich den Raum, lies den Barden kurz die Augen zusammenkneifen, bevor er herumwirbelte, um zu sehen woher das Licht kam. Der Mondelf hatte die Vorhänge, bestehend aus schwarzen, dunklem Stoff beiseite geschoben und schon bei seiner Wendung stockte dem jüngeren Elf der Atem. Kelseys lautes Keuchen, getrieben von Unglauben,. War eine angemessene Reaktion, mehr als passend, auch wenn sich Loririon Drachenatem, zu solch einer Gefühlsschwankung niemals herabgelassen hätte. Solcher Blöße gab er sich beim besten Willen nun wirklich nicht hin. Dennoch befürchtete er, dass ihm für einen Moment die edlen, bronzenfarbenen Gesichtszüge entgleist waren.




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Die Schatten wurden länger, immer länger im Schein der untergehenden Sonne. Licht ja genau dies brauchten Schatten um zu existieren, denn in ewiger Finsternis gab es keine Schatten. Es gibt Schatten, deren Spiel fasziniert, so wie in etwa wenn man in einem Wald Stünde, herbstliches Laub von goldener Sonne gebrochen und auf dem Boden bilden sich goldene Sonnenflecken, in denen die Schatten tanzen. Solche Schatten verlocken zum träumen. Doch gibt es auch andere Schatten. Die Schatten der Finsternis, die Schatten die Augen trüben, die ihre Klauen nach Herzen ausstrecken um sie zu erkalten. Sie beherbergen nichts als Böses, verbergen es, um es vor dem Schein der Sonne zu bewahren.
Aufgeregte Stimmen, die sich in den Gassen der Stadt davon tragen ließen. Flüstern im Wind, wie das Rauschen des Blätterdaches. Gespräche, Wortfetzen. Für manche wichtig, doch für den, der in den Schatten wandelte nicht von Belang. Denn er suchte etwas anderes, nicht die Stimmen, nicht die Menschen, nein seine Aufgabe war eine andere und so glitt jenes Wesen dahin.
Angezogen, wie von einer gut sichtbaren Spur, auch wenn nichts seinen Weg einem anderen Auge offenbarte. Nein es waren die Gefühle, das Ziehen und Zerren, welches dem Wesen verriet das es seiner Beute näher kam, immer näher und kurz offenbarte sich eine Reihe weißer, spitzer Zähne, bevor man nichts mehr sah außer den tiefen Schatten, im fahlen Licht der untergehenden Sonne.
Klauen Hände die im nächsten schwächeren Schatten sich zeigten, sich krümmten und hätte nur einer der Menschen acht gegeben, so wäre es ihm eiskalt den Rücken hinab gefahren. Doch so blieb der Schatten unentdeckt, lauscht niemand seinem Schnüffeln, als sich sein schemenhafter Kopf anhob, er witterte wie ein Wolf, der kurz davor war seine beute zu erlegen.
Näher. Ja er kam immer näher. Er fühlte es und leises Kichern, wieder ein Flüstern im Wind erklang, als er weiter glitt.

Dann werde ich einen neuen Pakt eingehen, doch findet diesen Dieb und führt mich zu ihm. Meine Rache an ihm soll ein Geschenk für euch werden. Sein Schmerz, seine Qual, auf das er nach seinem Tod ein Sklave der Euren wird. Der Pakt ist beschlossen


Genau diese Worte trieben den Schatten an, sorgten dafür, dass er vor Freude bebte. In der Klauenhand mit den drei Fingern, das kleine weiße Stück Stoff getränkt voll von köstlichem Blut. Blutjagd. Erbarmungslos, bis sein Opfer zur Streck gebracht wurde und je näher er ihm kam ,um so mehr ahnte er dessen Identität, war es am Anfang nur ein kleiner Verdacht gewesen, so wusste das Schattenwesen nun fast sicher, auf wem seiner Fährte es war und wieder erklang das leise Kichern im Wind.
Welch köstliche Ironie, Rothillion wollte diesen Dieb den Herren des Schattenwesens schenken, dabei war der Dieb doch schon längst das Eigentum, genau jener. Und die Klauenhand ballte sich erneut zur Faust. Leider hielt den Schatten der Pakt und er hatte sicher zu gehen, zu Rothillion zurückzukehren bevor er seine Herren informierte, doch dann würde Schuld endlich gesühnt und der Tod endlich gerächt, den einer von ihnen erfahren hatte.

Du kannst laufen, aber du kannst dich nicht verstecken.





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Hatte er im ersten Moment gedacht, so etwas wie einen einfachen Zweihänder vor sich zu haben, so wurde dieser Eindruck schon beim zweiten Blick zerstreut. Nicht nur dass die Klinge der Waffe geschwungen war, gebogener als es das Stichblatt eines Krummsäbels aufwies, nein viel mehr war diese Waffe ein Stück schmaler, dafür länger und wirkte eleganter als ein einfacher Krummsäbel. Die Art der Biegung, die im Glanz des Lichtes schon fast verspielt wirkte, ließ die Klinge eindeutig elfisch wirken. Und die Vielzahl an eingravierten Runen unterstrichen diesen Eindruck perfekt. Keine Kerbe, kein kleiner Fleck von Dreck war auf dem Blatt zu finden und doch konnte Loririon nicht anders als zu glauben, dass dieses Schwert schon oft gegen Feinde geführt war, es einfach trotz vieler Kämpfe makellos geblieben war.
Der Griff des Schwertes war hell, golden der Glanz und bei genauerem Hinsehen konnte der Sonnenelf die Rankenmotive erkennen die sich um den Griff des Schwertes wanden, bis hin zu dessen Knauf, an dem auf beiden Seiten irgend ein Edelstein eingesetzt war, auf der einen Seiten stellte er einen Halbmond da, auf der anderen des einer aufgehenden Sonne. Die Zeichen Corellon Larethians und Labelas Enoreth.
Für Jemanden wie Loririon Drachenatem, der sein Leben lang nur mit Rapieren gekämpft hatte, jede größere und vor allem schwerere Waffe scheute, da er über sein Geschick kämpfte, nicht über den Einsatz der Kraft wirkte dieses Schwert mehr als beeindruckend. Auch wenn es für ihn als Zweihänder nicht passend gewesen wäre, es war eindeutig auf Hasuvars Größe abgestimmt worden. Aber war er ehrlich, so konnte er sich gar nicht vorstellen, dass der Mondelf solch Stärke besaß oder besessen hatte um eine solche Waffe wie einen Zweihänder zu führen. Es schien einfach nicht zu diesem zu passen. Barbaren, oder seinetwegen Paladine, diese passten in sein Bild von Kriegern mit solchen Waffen, aber nicht der schlanke Mondelf. So konnte er gar nicht anders als leise zu fragen: „Dies ist eure Klinge?“

Das Schmunzeln, auf den Lippen des Mondelfen sprach Bände, seine Klinge, ja seine er hatte sie schließlich mitgenommen bei seiner Flucht. Ein leichtes Nicken und wieder durchfloss seine Adern das sehnen und langsam streckten sich seine Finger auf, umschlossen den aufwendig geschmückten Griff um das Schwert aus seiner Halterung zu lösen. Geschmeidig die Bewegung, auch wenn ein kurzes Zittern durch seinen Körper ging. Das Schwert, das er bei seiner Erkundung in Rothillions Gemächern bei sich gehabt hatte, war ein anderes gewesen. Jenes welches nun in seiner Hand ruhte, hatte die Zeit seit seiner Ankunft in Cauldron unbeachtet in diesem Zimmer verbracht und nun fühlte er die Missgunst der Klinge, Missgunst darüber dass man sie so lange hatte vergessen.
Mit einer Geste die fließend wirkte, anmutig und nicht von Schwerer Globigkeit gebremst, drehte der Mondelf den Zweihänder und reicht ihm dem Barden, neigte leicht den Kopf. Die Besonderheit jenes Schwertes war einfacher zu fühlen, als wenn man versuchte es zu erklären. Sicher duldete jenes Schwert nur von dem angefasst zu werden, der wenigstens ein wenig elfisches Blut in seinen Adern trug, doch da musste man sich bei dem Barden wohl keine Gedanken machen. Selbst Kelsey hätte sie führen können, nun führen wäre wohl nicht zutreffend, denn Fürst Hasuvar Mondflüstern wusste, wie schwer es für einen anderen war solch seltene Schwerter zu führen.
Abwartend verharrend bis der Sonnenelf wirklich seine bronzene Hand um den eleganten Griff legte, das Gold des Griffes fast perfekt harmonierte mit der Haut des Barden und sich die Hand schließlich sicherer um den Griff schloss. Doch dann bewegte sich der Mondelf zur Seite um sich neben Kelsey zu stellen, dessen Gesicht nichts mehr verriet als kindliches Bewundern und vielleicht eine Spur von Faszination. Wieder etwas, das so war wie es einst gewesen schien, denn noch nie hatte der Tiefling anders auf diesen Zweihänder reagiert und wäre Hasuvar die Chance gegeben gewesen, so könnte Kelsey seien Waffe nun auch führen und diese nicht nur bewundern.

„Exotisch.“ Ja ein passendes Wort auf solch eine Klinge, deren Griff sich unter seiner Hand anpassen zu schien. So dass das kühle Metall, es mochte zwar wie Gold schimmern, war aber eindeutig härter als jenes, sich an seien haut schmiegte, ihn lockte ein paar Schwünge mit dem Schwert zu vollführen. Aber genauso erkannte er, dass dieses Schwert ihn grade so duldete, wieso wusste er nicht, aber er fühlte sich nicht wohl es lange zu halten, solange sein wahrer Besitzer neben ihm stand. Und dann fiel ihm da noch etwas aus, egal wie schwer es aussah, es war leicht, fast als wäre es aus Mithral geschmiedet, vielleicht war dem sogar so und noch dazu schien ihre Form perfekt, um sie trotz der Größe ähnlich einem Rapier über das Geschick zu führen.
„Nicht exotisch, nur leider schon längst selten geworden.“ Verbesserte der Mondelf schließlich die Aussage, während er mit den Augen Kelseys Blicken folgte. Ein kurzes Räuspern bevor er noch hinzufügte: „Einst in den Zeiten als Ascalhorn noch blühte und bevor es den Menschen überlassen wurde, war es nicht so unselten, man nennt sie Hofklingen, doch mittlerweile sind es wohl andere Schwerter, die man unter den Elfen bevorzugt.“ Und mit diesen Worten trat er hervor um das Schwert wieder an sich zu nehmen, es zu betrachten, wie ein Vater es wohl mit seinem Kind getan hätte.
Doch schließlich, ließen ein paar Worte ihn plötzlich lachen, vertrieben die Melancholie, die sich drohte um ihn zu legen, ihn in einen dichten Mantel zu hüllen. „Wenn ich groß bin will ich auch ein Schwert.“ „Aber Kelsey du bist groß.“ Leise tadelnde Worte, die den Tiefling erreichten, ihn inne halten ließen und ihn zu erinnern schienen. Denn kurz legte sich der kopf schief und die nachdenkliche Abwesenheit stand in den schwarzen Augen. Ein Blick auf den leicht schmunzelnde Sonnenelf geworfen und dann einen weiteren auf Hasuvar und Kelsey nickte langsam, verstehend wirkend. „Ich bin größer als ihr.“
Erkennen, ja er erkannte diesen Umstand, so wie er den Raum kannte in dem er sich befand, die Klinge, die der Mondelf wieder in der vorgesehenen Halterung befestigte. Was er nicht kannte, nicht so gewohnt war, war die dichte Staubschicht auf den Regalen und seine Schritte trugen ihn weiter, zu den aufgehängten Bögen, die völlig unter dem staube vergingen, die keiner angerührt hatte, seit langem schon nicht mehr.
„Du kannst doch deine Waffen nicht so vernachlässigen. Denn Kampf mag eine Kunst sein, die man nicht all zu oft ausführen sollte, aber die Werkzeuge deiner Kunst müssen vollständig sein, gut gepflegt.“ Anklagend war der Tonfall, immer noch kindlich wirkend und doch auch voller ernst und leicht wand sich der Mondelf unter diesen Worten, verzogen sich die scharfen Gesichtszüge, bevor er Loririon zu raunte: „Genau diese Worte, habe ich ihn mehr als einmal erklärt.“
„Dann hättet ihr euch wohl an eure eigenen Worte halten sollen.“ Eine knappe Antwort und doch steckte Wahrheit in ihr, Man musste nur auf das morsche Holz der Bögen blicken, die zwar immer noch edel waren, aber deren Holz wohl nicht mehr viele Schüsse bestehen würde, bevor es einfach brach.
„Ich konnte nicht.“ Das Zittern kehrte zurück in den Leib des Elfen, dies konnte nicht einmal der weite, weiße Stoff verbergen, der ihn einhüllte. Nicht geboren aus Schmerz, aus Krankheit, nein geboren in der Last der Erinnerung, in jener last die sich mit jedem Moment gemildert hatte, die aber nun vielleicht noch schwerer wiegte als zuvor. Wie sollte er den Beiden erklären, dass jeder Funke seiner Vergangenheit ihm Leid verursacht hatte, ihn mehr gebrochen hatte, als das was mit ihm geschehen war, denn das was aus ihm geworden war, war so anders als Jener, der er einst gewesen war. Und doch kannte der Barde zu mindestens nur den Hasuvar Mondflüstern, der nun vor ihm stand und er hatte ihn akzeptiert, ihn respektiert, also sollte er das auch können. Schließlich war dies seine Lektion gewesen, die man ihn an diesem Tage gelehrt hatte.
Ein heißerer Laut entkam seiner Kehle, da wandelte er förmlich zwischen neu gewonnener Stärke, frischer Zuversicht und doch dem alten Zerfall seines Selbst. Das Letzte was er nun ertrug war Nähe, Verständnis, denn er konnte sich selbst dies nicht eingestehen, denn es würde nur heißen im Mitleid und Selbstleid zu ertrinken. Eine leichte Bewegung auf dem knarrenden Boden, als der Sonnenelf ihm näher kam, ihm wohl genau dies spenden wollte und er hatte sich wieder gefangen.
„Ich wollte euch meine Kunst erklären.“ Neue Zuversicht lag in seinen Worten, denn lehren, gar belehren das konnte er, dies waren seine Stärken und mit einer ausschweifenden Handbewegung, die den Stoff der weißen Robe Rascheln ließ, deutete er um sich. „Nun was seht ihr.“

Was er sah? Nun er sah einen Mondelfen, der für einen Elf recht viele Gemütsschwankungen zeigte, dessen Verhalten schwankte, davon gerissen wie ein kleines Blättchen im Wind. Und dann war da noch der Tiefling, dessen Gesichtszüge ernster wurden, dessen Teufelsschwanz sich nicht mehr ganz so freudig und aufgeregt kringelte, viel mehr schienen die schwarzen Augen alles zu studieren, wie ein Schwamm alles in sich aufzusaugen. Hasuvar hatte wohl recht und dies waren die ersten Zeichen dafür, dass der Tiefling wieder normal wurde. Was Normal in diesem Fall auch immer bedeuten mochte.
Aber er hatte Kelsey sein Leben zu verdanken. Nicht nur, dass dieser in die Schlacht gegen die Diebesgilde, die ihn angegriffen hatte eingeschritten war, nein er hatte ihm auch gegen den Abolethen beigestanden. Zwei Dinge, die vielleicht aus reiner Selbstsucht geschehen waren. Die Diebe konnten Kelsey im Weg gestanden haben und der Aboleth wollte sie beide eindeutig verschlingen, nicht nur ihn, Loririon. Aber die dritte Handlung, dass der Tiefling ihn am Seeufer gepackt hatte, ihn in dieses Haus geschleppt hatte, sprach von keiner Eigennützigen Tat, denn der Barde konnte dort keinen finden. Nun so sehr er auch zögerte, dem zu zustimmen, dass es gut war, dass Kelsey die Auswirkungen des Ringes von sich warf, so sehr wartete er auf diesen Moment, denn dass er Dank schuldete, war ihm nicht entfallen, schließlich vergas er nie. So glaubte er.
Doch all dies meinte der Mondelf nicht. Er meinte die Sammlung von Waffen, denn neben dieser Hofklinge, gab es hier noch eine Menge anderer Schwerter, in allen Formen und Varianten und eines davon zeigte auch Spuren der Benutzung, der Staub war säuberlich entfernt worden, die Schwertscheide gereinigt, auch wenn er den Griff des Schwertes nicht erkennen konnte, da dieser sich unter altem abgenutzten Leder verbarg. Loririon konnte es nicht wissen, aber es war jenes Schwert gewesen, das der Nachtfalke benutzt hatte. Ansonsten kamen ihm noch einige Bögen und andere Fernkampfwaffen in die Augen, genau wie ihn ein Kettenhemd lockte, das wohl aus demselben Material bestand wie der elfische Zweihänder. Doch worauf, wollte Fürst Hasuvar Mondflüstern hinaus?
„Die Kunst die ihr anwendet ist die des Krieges, die des Kampfes?“ Wieso hatte er aber den Mondelfen dann Magie anwenden sehen? Leicht zog sich eine der goldenen Augenbrauen nach oben, bevor er die nächste Vermutung stellte. „Ein Klingentänzer?“ Aber nein kaum hatte er die Worte ausgesprochen, da verwarf er sie wieder. Das leichte Lächeln um die Lippen des Mondelfen veranlasste ihn dazu, zu wissen, dass er auch hier mit der Vermutung falsch lag.
„Nun Loririon es ist nicht ganz falsch, schließlich ist es mir eigen und mein Wunsch den Tanz der Klingen mit dem Gesang der Magie zu verbinden. Beides ist faszinierend zugleich und den Weg, den ich einschlug, ist der einer Dämmerklinge. Nicht viele gab es vor mir, mein Mentor war einer der Letzten, auch wenn meines Wissens nach meine Schüler Taiglin Fair und Gildor die Lehren wieder hinaus trugen in die Weite Faerûns und sie doch mehr Verbreitung fanden unter einigen Auserwählten.
„Taiglin Fair?“ Ja von diesem hatte Loririon schon gehört, auch von dem seltenen Wissen des Elfen, die einzigartige Kampfkünste, die dieser angeblich beherrschte und nun sollte er vor dem Lehrmeister dieses Elfen stehen? Nach und nach entsann sich Loririon, ja wirklich Dämmerklingen, in ihrer Art nicht ganz unterschiedlich von den elfischen Klingentänzern, auch wenn er hörte das sie wohl geübt darin waren Rüstungen zu tragen und diese nicht beim Zaubern behinderten. Schnelligkeit war ein weiterer Punkt der Dämmerklingen, die sich Tag für Tag ihren Lehren ergaben, denn wo viele nur in einem gut waren, so waren ihre Ziele zweierlei, ein Waffenmeister zu sein und gleichzeitig ein guter Magier. Wobei, nein Magier traf es nicht, denn die Zauber mochten gelernt sein, doch mit Hasuvars aussage, dass er nie ein Zauberbuch geführt hatte, gab es doch den Anschein etwas intuitiveren. Wenn Loririon ehrlich war, gab es etwas, dass der Barde nicht wusste, trotz der vielen Sagen die er kannte und dies war das genaues Wissen über Dämmerklingen. Etwas das ihm deutlich machte, wie selten, wie einzigartig sie sein mussten und Neugierde fing an in seinen Augen zu glitzern, denn der Mondelf war ein wahrer Quell an Neuem Wissen, neu für ihn, denn es schien als hätte alles tief vor langer Zeit seinen Ursprung.

Kelsey schwirrte der Kopf. Hofklingen. Magier. Dämmerklingen. All dies schwebte durch seine Gedanken, geisterte umher und da war noch vieles mehr, was auf ihn niederprasselte, je länger er dem Gespräch der beiden Elfen lauschte und er wollte nur eines wieder mit dem Kater spielen, nicht länger nachdenken, egal wie sehr etwas in ihm schrie, das es wichtig war nachzudenken sich wieder zu erinnern. Und dennoch wandte er sich von Hasuvar ab, um mit müden Schritten zu dem Kater zu laufen, der förmlich auf dem Boden thronte, erhaben dasaß und doch ein kleines Stück platz machte, so dass der Tiefling neben ihn rutschen konnte.
Der staub ließ den Kater niesen und einige der dicken Flusen blieben in dem sandfarbenen Fell hängen, ließen Cairlyn laut murren, solange bis der Tiefling schmunzelnd sich daran machte, jene Flusen aus dem Fell zu zupfen und auf den Boden fallen zu lassen. Müde sank der Kopf schließlich gegen den Leib des Katers, stützte sich dort ab, während sich schwarze Augen halb schlossen. Nein er wollte sich nicht erinnern, und doch so viel Wehmut weckten diese Gegenstände in ihm.

Staunend blickte er zu jenem Krieger auf, der sich betrachtend vor dem Spiegel stand, sich hin und wieder drehte, als wolle er sicher gehen, dass seine Kleidung nicht nur perfekt saß, sondern dass sie ebenso zu seinem Aussehen passte. Immer wieder ruckten geschickte Finger am Schwertgurt, überprüften den Sitz der verborgenen Dolche. Sah man ganz genau ihn und wusste wonach man zu suchen hatte, konnte man am Ärmel der langen Tunika, die aus silbernem Blau bestand, eine kleine Ausbeulung erkennen, dort wo der schmale, elfische Dolch eng am Unterarm ruhte.
Endlich drehte sich der Krieger zu ihm um, denn etwas Anderes konnte er nicht mehr in dieser Gestalt sehen. Ein Krieger, wie er ihn nur aus den Geschichten und großen Erzählungen kannte. Schmal geschnittene Hosen, bestehend aus engen, schwarzen Leder, das sich weich der Form der Beine anpasste, endeten in kniehohen taubengrauen  Stiefeln, deren Schäfte mit Rankenmotiven verziert waren und auch hier konnte man beim genauen Hinsehen eine weitere kleine Ausbuchtung erkennen, steckte schließlich in jedem dieser Stiefel ein Wurfdolch.
Arme die sich ausstreckten nach ihm und eilig lief er auf diese zu, angezogen von dem silbernen Glanz des elfischen Kettenhemdes, das aus dem feinsten Mithral geschmiedet worden war. So leicht, dass selbst er es hätte hochheben können und so fein gearbeitet, dass sich perfekt an die schlanke Gestalt seines Trägers schmiegte.
Endlich umschlossen ihn die Arme hoben ihn hoch, als wäre sein Gewicht gar nicht existent, dabei trug der Mondelf schon einen breiten Gürtel über den Kettenhemd, an dem ein weiterer Dolch Platz fand, so wie ein einfaches Kurzschwert, dessen Griff mit schwarzen Leder umwickelt war. Doch all dies lockte nicht Kelseys Aufmerksamkeit, nein viel mehr streckte sich der Junge, um über den Rücken des Mondelfen hinab zusehen. Dort wo die langen schwarzblauen Haare fließend hinab fielen. Mochte der Mondelf die vordersten Strähnen zu Zöpfen geflochten haben, so dass sie ihm nicht die Sicht nahmen und diese Zöpfe mit einigen Spangen und Edelsteinen geschmückt haben, so trug er den Rest der Haarpracht offen. Ein paar der langen Strähnen schob Kelsey beiseite um an den Griff des Zweihänders zu kommen, diesen ehrfurchtsvoll zu um schließen, bevor er nickte. Mit solch einer Waffe an der Seite konnte Hasuvar nichts passieren, so dachte er.
Versonnen zupften die Kinderfinger an dem schwarzen Umhang, der mit silbernen Sternen verziert war und an dessen Rückseite eine lange elfische Rune gestickt worden war. Und schließlich nach ihm viel zu kurzen Momenten wurde er wieder abgesetzt, sah er die Ketten unter dem Kettenhemd hervor rutschen. Schimmerndes Silber, welches einen Halbmond formte und dazu schimmerndes Gold einer aufgehenden Sonne, doch bald schoben geschickte Finger, beides wieder unter das Kettenhemd, nur um dann über seine Haare zu streicheln, leicht gegen eines seiner Teufelshörner zu stoßen, als wollen sie seine Aufmerksamkeit erlangen.
„Du musst brav sein.“ Die Stimme wirkte ruhig und doch seltsam fremd erstickt, als würde dem Mondelf ein Klos im Hals sitzen und er räusperte sich, zauberte ein Lächeln auf die weißen Gesichtszüge, als große Kinderaugen zu ihm aufblickten. „Du kommst doch bald wieder Hasuvar?“
„Ja ich komme bald wieder.“ Genau diese Antwort erklang, ließen Kelsey zufrieden lächeln, wusste er doch nicht, dass sie eine einzige Lüge waren.

„Lügner!“
Ein einziges Wort, leise gesprochen, für menschliches Gehör viel zu leise. Doch die Anwesenden in diesem Raum waren keine Menschen. Nein es handelte sich schließlich um einen Kater, der dicht neben dem Tiefling saß, bei dem Klang des Wortes die Ohren dicht an seinen Kopf presste und seine feuchte Nase gegen die Wange des Tieflings stieß, so als wolle er diesen fragen, ob er dieses Wort nun wirklich ernst gemeint hatte. Des weiteren waren hier noch ein Sonnenelf der leicht eine der goldenen Augenbrauen anhob, nicht ganz verstand, was dieses Wort nun zu bedeuten hatte und schließlich war da noch der Mondelf, der wie vom Blitz getroffen dastand.
„Kelsey, was meinst du.“ Die Worte des Fürsten Mondflüstern waren zögernd, denn er ahnte doch, was sich hinter diesem Wort verbarg und am liebsten würde er wohl schweigen. Doch zu lange hatte Schweigen geherrscht, da wo Worte notwendig gewesen wären und so sprach er nun, so sehr es auch schmerzte, so sehr ein neuer Hustenreiz sich in seiner Kehle formte. „Du hast versprochen wieder zu kommen! Und das bald! Aber das hast du nicht getan. Du bist ein Lügner!“ Worte die sich anklagend in den Mondelfen bohrten, hatte er doch gehofft, dass Kelsey endlich verstanden hatte, vielleicht in der Lage wäre ihm zu verzeihen, doch diese Hoffnung zerbrach, zerplatzte wie eine schillernde Seifenblase.
So konnte er auch nicht reagieren als der Tiefling aufsprang, dabei fast den Kater umgestürmt hätte, der wütend fauchte. „Du denkst du kannst einfach zurückkommen und alles ändern. So tun als wäre nie etwas geschehen? Das geht nicht!“ Nein das hatte Hasuvar sicher nicht vorgehabt, was geschehen war, konnte man nicht rückgängig machen, aber er kämpfte für einen Neuanfang. Für sie beide, doch zum antworten kam er nicht, denn schon war der Tiefling aus dem Raum geflohen. Silberne Tränen auf den bleichen Wangen.
Ihm blieb nur Eines. Mit einer Geste seine Hand auf die Schulter des Sonnenelfen zu legen und leicht den Kopf zu schütteln, erkannte er eindeutig, dass Loririon vor hatte dem Tiefling zu folgen. „Lasst ihn.“ Es war keine Bitte, sondern eine Forderung die keine Widersprüche duldete. „Aber, wollt ihr ihn denn wirklich in diesem Glauben lassen, ihr wisst die Wahrheit und die müsst ihr ihm sagen.“
Vielleicht hatte der Barde ja Recht, aber was sollte er dem Tiefling sagen, sollte er ihm wirklich erzählen was passiert war? Jede Grausamkeit, jeden Hohn, jede Demütigung? War es nicht bessre, es unausgesprochen zu lassen? „er hat das Recht Hasuvar, denn so treibt ihr ihn nur weit von euch fort.“
Tut nicht die Fehler die mein Vater begann.
Bittend war der Blick des Sonnenelfen geworden, denn er wusste genau wie Kelsey sich in diesem Moment fühlte. Hin und her gerissen, zwischen den Wunsch endlich Frieden zu finden, das Zuhause, welches ihm Hasuvar bieten konnte, aber genauso voller Zögern und Verlangen zurück zu seinem Herren zu gelangen. Zu deutlich waren die Gefühle, welche der Sonnenelf, dank des Ringes vernahm. „Ihr habt ja Recht, er muss die Wahrheit wissen.“ Eine Antwort, die den Sonnenelfen nicken ließ, ein leises zufriedenes Brummen Cairlyns entlockte.

Doch nicht lange, denn im nächsten Moment drückten sich die sandfarbenen Ohren, eng an den Kopf des Katers, erklang ein wütendes Fauchen. Beide Elfen eindeutig verwundert, drehten sich in jene Richtung in die der Cairlyn blickte, erneut ein herausforderndes Knurren schickte und es schien als würde nicht viel fehlen und der Kater würde schlicht durch das Glas des Fensters springen,
„Was hat er?“ Während Loririon dort draußen, nicht viel mehr als schemenhafte Schatten, dort wo das Grundstück des Elfen endete, da sah der Mondelf schon mehr und sein Gesicht wurde hals, als er die Klauenhand erkannte, welche sich zum Gruße erhob, das strahlende Lächeln spitzerer Zähne, während drei Finger sich krümmten und eine kratzförmige Geste vollführten.
Reflexartig krümmte sich der Mondelf, wehrte die ihm Halt bietende Hand ab, nur um sich seine eigene über das Kinn zu schlagen, die Gesichtsseite zu bedecken, an der die drei Striemen prangten und das keuchen des Barden verriet ihm, dass auch jener endlich diesen Schatten erblickt hatte, dass es mehr war als eine Illusion, ein Hirngespinst, welches ihm da verfolgte. „Was ist das?“
Eine gute Frage, die der Sonnenelf stellte, doch die Antwort blieb ihm mal wieder verwehrt, viel mehr musste er beobachten wie der Mondelf sein Gesicht verzog, plötzlich knurrte und sich leicht straffte. „Loririon schwört mir eines, ihr bleibt bei Kelsey bis ich zurückkehre, lasst ihn nicht allein.
Was für Worte, erst wollte der Mondelf endlich mit dem Tiefling reden und nun tauchte dieser Schatten auf, schien unbeschreibliche Wut in Hasuvar Mondflüstern geweckt zu haben und protestierend öffnete er seine Lippen. „Nein ich erwarte erst eine Antwort.“ Das Fauchen und Knurren, aus zwei Kehlen, geboren von Cairlyn und Hasuvar ließ ihn erstarren, erschrocken einen geschmeidigen Schritt zurückweichen. Er hatte doch Recht auf Antworten, und doch fühlte er Unbehagen darüber dies ausgesprochen zu haben. Unsicher sein Blick, bevor er sich anspannte, sein Kinn leicht anhob, da der Mondelf auf ihn zu trat.
„Loririon ich flehe euch an, schwört es mir. Ich werde euch die Antworten liefern wenn ich zurückkehre.“ So flehend der Blick aus türkisenen Augen, so verzweifelt und schließlich neigte er leicht den Kopf, so dass goldene haare sein Gesicht einen Moment verbargen, er aufrichtig sprach „Ich schwöre es, ihn nicht aus den Augen zu lassen bis wir uns wieder sehen, doch dann steht ihr in meiner Schuld.“
Ein Kuss, leicht und zögernd, gehaucht auf seine bronzene Haut, ließ ihn die Stirn kräuseln, hatte er dort den Kuss empfangen. Und noch bevor er eine weitere Frage stellen konnte hatten die Hände des älteren Elfen nach dem Zweihänder gegriffen und war die schmale Gestalt schon an dem Fenster um es zu öffnen. Sprangen zwei Gestalten hinaus in die beginnende Dunkelheit des Abends und alles was er noch vernahm waren Hasuvars gemurmelte Worte: „Es wird zeit Cairlyn, Zeit Rothillion zu stellen.“


Falke,

oh Falke, komm lass uns reisen, lass uns fliegen,

auf Schwingen, so hell so leuchtend,

lass uns fliegen um die ganze Welt,

fliegen in die Ewigkeit.


Oh Falke, soweit du auch fliegen magst, ich finde dich am Ende doch.

Du kannst dich nicht verstecken Nachtfalke.
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