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Quifanu Dunkles Herz

GeschichteDrama / P16 Slash
05.09.2006
14.10.2009
36
192.727
 
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05.09.2006 6.859
 
„Ihr seid unfähig, mehr als unfähig!“ Acharn Zephyr schleuderte diese Worte nun schon zum dritten, oder war es sogar das vierte Mal, dem Magier entgegen. Kein Wimper zucken Rothillions starrte dieser nur ins Feuer, des einfachen Kamins, sah nicht einmal auf, als er sich einen weiteren Schluck aus dem Kelch, gefüllt mit Wein genehmigte. Die Worte perlten schlicht an ihn ab, erreichten seine Gedanken nicht, denn diese waren Weit fort. Schürten Wut und Feuer. Das erste Mal hatte er solch einen herben Rückschlag erlangt, fühlte sich aus dem bisher wagen Gleichgewicht zwischen der Schattengilde und der Gilde des Letzten Lachers gerissen. Und Schuld daran hatten seine eigenen Männer, deren Leichen die Straßen schmückten.
Wie konnte es sich als so schwer erstellen, einen aufgeblasenen Pfau von Elfen zu töten? Und warum war dieser spurlos verschwunden, wie vom Erdboden verschlungen? Erneut erklangen die aufgebrachten Worte des Hauptmannes, erreichten diesmal sein Ohr und ruckartig warf der Magier den Kelch mit Wein ins Feuer, um sich aufzurichten, zu seiner Größe völlig aufzubäumen. Es wurde Zeit, dass dieser Mensch sich seiner Grenzen bewusst wurde, er hatte nicht solch einen steinigen Weg hinter sich gebracht nur um sich nun endlos beschimpfen zu lassen.
„Schweigt!“ Ein einziges Wort und doch lag genug Macht in diesem kleinen Wort, um den Hauptmann wirklich zum Schweigen zu bringen und nicht nur dies, auch seine Bewegungen erstarrten, war er wie eingefroren, unfähig auch nur einen Finger zu rühren. „Acharn nun hört mir genau zu, ich habe euch schon einmal gesagt, dass ihr eure Grenzen überschreitet und ihr solltet dies nicht weiter tun. Ihr reizt mich und dies wollt ihr nicht.“ Eine harsche Handbewegung des Magiers unterdrückte jedes weitere Wort, das nun aufkeimen wollte. Viel mehr schritt er gemächlich um den erstarrten Hauptmann herum schritt, eine Schlange, die sich nach und nach um ihr Opfer wand, kurz davor es zu verschlingen.
„Unfähigkeit ist es was sich mir bietet, sehe ich euch an.“ Ein tadelndes Kopfschütteln, bevor der Magier sich zurück in den Sessel sinken ließ, dem prasseln des Feuers lauschend. „Jemand hat unserem Goldkehlchen geholfen, denn alleine hätte er es nie überstanden und wie es der Zufall so will, gab es Überlebende, die berichten konnten. Es war unser Freund der Tiefling, was wohl nur eines schließen lässt Rash`net hat den Elfen.“
Dass er eine stumme Unterhaltung führte, störte Rothillion gar wenig, die Worte klangen nur für ihn selbst, dumpf, hohl und voller Berechnung. Doch ahnte er nicht wie falsch er mit ihnen lag. Immer noch starrte er in die tanzenden Lichter des Kaminfeuers. Es gab nur einen Weg und erneut richtete er seinen Blick auf den unglücklichen Hauptmann. „Ihr werdet euren Männern befehlen den Tiefling zu jagen, ihn zu fangen, auf dass er uns zu Rash`net führt und wir auch wissen was mit dem Barden geschah.“
Der stumme Protest blieb zwar ungehört, doch Acharn Zephyrs Blick sprach Bände, entlockten Rothillion ein verächtliches Lächeln, während er in aller Ruhe sich erhob, um einen neuen Kelch mit köstlichen, süßen Wein zu füllen. „Ihr fürchtet immer noch den alten Krüppel? Ihr nennt ihn selbst Krüppel Acharn und doch fürchtet ihr den Schatten eines Elfen, erwartet förmlich, dass jener euch richtet. Nein, ich brauche euch und dies wird nicht geschehen. Doch wartet.“ Die Gesichtszüge des Dämonenpaktierers verzogen sich zu einer wolfsähnlichen Grimasse. Schließlich wusste er von Hasuvars Vergangenheit, noch bevor der Mondelf verschwunden war und wenn dieser noch immer an jener Vergangenheit festhielt, wieso sollte es nicht so sein, dass er das kleine Stückchen in dem Mosaik war, welches er bisher übersehen hatte?
Hasuvar Mondflüstern, ein weiteres Mal sollst du unser Werkzeug werden.
Doch all diese Gedanken sprach er nicht aus. Sollte der Hauptmann sie nicht wissen, denn würdig, die Pläne des Herzlosen zu kennen, war er bei Weitem nicht. Es war Zeit nachzudenken, mit bedacht zu handeln, wo er selbst doch nicht das Haus des Elfen betreten konnte. Dass der Elf an diesem Tage nicht am Fürstenhofe erschienen war, wies eindeutig darauf hin, dass Gift und der Angriff in der Nacht ihr Werk taten. Auch wenn seine beiden Männer noch nicht von ihrem Auftrag zurück gekehrt waren, vielleicht waren sie nach ihrer Tat ebenso Opfer des Tieflings oder des Goldelfen geworden. Und doch schien es immer noch nicht genug, schien nun falsch, denn nun wollte er den Elfen an diesem Ort haben, ihn zwischen seinen kalten Fingern spüren.
Eine weitere geschmeidige Geste, von langen dürren Fingern geführt und der Bann über Acharn Zephyr fiel hinab, auf dass sich jener wieder regen konnte, auch wenn er es kaum tat, viel mehr blickte er abschätzend zu dem Magier, schien erraten zu wollen, welche Gedanken er spann, seine eigene Lage zu erkennen, ja das war sein Wunsch. Er war schon zu weit seinen Weg voran geschritten, als dass er den Pakt noch zu brechen mochte und doch irgendwo musste es einen Ausweg geben, etwas, dass ihm mehr versprach als dieser momentane Irrsinn, in dem der Magier sein eigenes Fehl nicht sah. Er wollte Macht keinen Untergang, doch behielt er jene Gedanken für sich und es war besser so.
„Es wird Zeit, dass wir mit Rondec in Verbindung treten, ihr Acharn werdet es arrangieren. Und macht unserem kleinen klar, wie sehr das Leben seiner Schwester davon abhängt, dass ich die Informationen erhalte, die ich wünsche. Nur deswegen hält er sich in dieser Gilde auf.“ Ein steifes Nicken des Hauptmannes, bevor er sich abwendete aus den Gemächern des Magiers schritt.
„Wie schön, wie schön. Mädchen und Elf beide liegen so nah aneinander, vielleicht sollte ich ihnen ein wenig Besuch schicken.“ Es mochte sein, dass kein Lebewesen in dem Raum schien, nur die Schatten dem Dämonenpaktierer lauschten, doch dies war mehr als Genüge.




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Sekunden, Minuten verstrichen, in denen der Goldelf einfach sitzen blieb, sich nicht bewegte und die Nähe, die wohltuende Wärme des Katers genoss. Doch er konnte doch nicht einfach untätig bleiben und abwarten. Es lag ihm nicht, die Dinge so zu lassen wie sie waren, abzuwarten und die Fügung oder gar das Schicksal walten zu lassen. Schlanke Finger, die spielerisch an dem sandfarbenen Fell zupften. Bei Corellon, zu gerne wäre er dem Mondelf nachgeeilt, hätte ihn weiter zur Rede gestellt. Und doch besaß auch er genug Feingefühl, um zu erkennen wie sinnlos diese Idee war, dass sie alles nur noch schlimmer machen würde.

Neue Müdigkeit hatte den Mondelfen übermannt und schmerzlich wurde ihm bewusst wie sehr er seine Grenzen überschritten hatte in der Nacht. Zweifelte er an seinen eigenen Kräften, jene Kraft die er benötigte um seinen letzten Plan in die Tat umzusetzen. Nun es war nicht unbedingt sein letzter Plan, doch es war das allerwichtigste. Selbst der Einbruch bei Acharn Zephyr und seine Rache an Rothillion rutschen in Anbetracht seines Vorhabens völlig nichtig.
Schritte die ihn zurück dorthin führten, wo er Kelsey zurückgelassen hatte. Immer noch schlafend der Tiefling und erschöpft ließ er sich auf der Bettkante nieder, versuchte den Schmerz und die Steife in seinem Leib zu verdrängen, sie wenigstens noch ein wenig solange zu unterdrücken, bis sein Körper unweigerlich nachgeben musste. Trotz dieser finsteren Gedanken, trotz der Angst, die der junge Sonnenelf unwissentlich geweckt hatte, zauberte der Anblick des schlafenden Tieflings ein leichtes Lächeln auf die dünnen Lippen des Mondelfen.
Schlanke Hände, die vorsichtig die Decke zurecht zogen. Wie lange war es her, dass er an dem Bett des Jungen geruht hatte? Eines Jungen, der schon längst erwachsen geworden war. Wie sehr es schmerzte nicht Anteil daran genommen zu haben, zu sehen was geschehen war und wehmütig strich er eine der schwarzblauen Haarsträhnen aus dem blassen Gesicht. Eingefallene Gesichtszüge, sicher der Schlaf würde Kelsey gut tun, doch würde der Tiefling bald Nahrung benötigen, Wasser um nicht zu verdursten, Essen um nicht zu verhungern und vor allem um mehr Gewicht wieder zu erlangen, denn er war eindeutig zu dünn.
Bald!
Mehr konnte er sich nicht sagen, mehr konnte er nicht Versprechen und ein weiteres mal fuhr seine Hand über das Bettlaken. Er würde nicht mehr Versprechen können, als jene kleinen Schwur, den er einst gegeben hatte. Den er kaum wagte zu denken und so erhob er sich, hinkte langsam aus dem Raum, ließ ihn hinter sich. Dieses verdammte Hinken, diese Unwürde, die ihn peinigte und kurz knirschten strahlend weiße Zähne aufeinander. Bevor die Schritte ihn dorthin führten, wo zuvor ihn der Sonnenelf aufgespürt hatte, hin in sein Labor. Sicher er musste nachdenken, musste sich irgendwann auch Loririon Drachenatem und seinen Fragen stellen, aber auch dies war von geringer Bedeutung, denn mit Einbruch der Nacht würde eine Entscheidung fallen. Und bis dahin musste er Ruhe finden, Zauber vorbereiten. Er mochte kein Magier sein, mochte aus keinen Büchern lernen, doch es war auch keine Intuitive Magie, die er beherrschte, die ihn durchströmte.
Die Anwesenheit der Katze war es, die er misste. Und doch versprach es ebenso Sicherheit. Denn der Kater würde den Sonnenelfen, nicht in diesen Momenten hier in diesen Raum lassen. Fürst Mondflüstern wusste es, er vertraute dem Kater, wie keinem anderen Wesen auf Faerûn. So dass er sich zu einem der Regale begab, um nach einem der dort verweilenden Tränke zu greifen, diesen trotz des bitteren Geschmackes hinunter zu schlucken, bevor er sich in einen der Sessel sinken ließ. Nur einige Momente in der Traumruhe der Elfen. In der Hoffnung die Nähe zu Corellon zu spüren, zu labelas, denn nie hatte er seinen glauben an die beiden verleugnet. Der eine als Führung zu seiner Magie, wie arkan sie auch sein mochte, wirkte er sie nur in Namen Corellons und war der festen Überzeugung, dass der Schöpfer in sie gewährte, solange er noch an die alten Pfade hielt, so sehr es eben noch vermochte, der andere sein Patron, stand er für alles was einst seine Prinzipien verkörperte.
Erst wenn du völlig vergisst, wenn du den letzten Glauben verlierst, wirst du fallen in Dunkelheit.
Fürst Mondflüstern mochte geflucht haben, mochte die Menschheit, sein eigenes Volk verwünscht haben, doch nie hatte er verleugnet woran er glaubte. Sturheit oder einfach Dummheit, er war sich nicht mehr sicher, wusste nicht Einmal Vertrauen in einem seines Volkes zu finden. Und doch, konnte er es wagen zu hoffen? War das Auftauchen des Sonnenelfen vielleicht ein Zeichen? Ein Zeichen, auf dass er schon so lange wartete?

Ein Rauschen, trotz der geschlossenen Fenster. Loririon war sich sicher, genau solch eines vernommen zu haben, so als würde der Wind sacht durch die Blätter streichen, dort Lieder erklingen  lassen und beinahe wäre der Sonnenelf geschmeidig aufgesprungen, hätte sich suchend umgeblickt. Ein leichtes Kopfschütteln, bevor er sich eine der goldfarbenen Augenbrauen anhob, es hätte nichts gebracht. Woher er diese Gewissheit hatte, dies konnte er kaum sagen.
Grüne Augen, die ihn beinahe durchbohrten und leicht schlang er seine Arme um seinen eigenen Leib, bemerkte in diesem Moment, wie zerrissen doch seien Tunika war und missmutig strich er mit seinen Fingern über den Stoff, versuchte ihn zurecht zu rücken, wobei ihn doch noch immer der Blick des Katers gefangen hielt. „Was willst du mir sagen?“ Er musste zu viel Wasser geschluckt haben, nun wo er mit einem Kater redete und doch schien das leise Wispern zurück zu kehren, die Erinnerung an den Geruch des Waldes. Etwas so vertrautes und doch fernes, dass er es nicht benennen konnte.
Wie ein flatternder Schmetterling, unbeständig im Wind umher gewirbelt sein Herzschlag, trug ihn davon. Und als sich der Kater geschmeidig erhob, seinen Blick aus den strahlend blauen Augen des Elfen löste, da war es an dem Barden ebenfalls aufzustehen. Der Riss in der feinen Hose mehr als unangenehm, waren seine Gedanken verwirrt und wie benommen schüttelte sich sein kopf, sorgte dafür, dass die goldenen haare wirr vor sein Gesicht fielen.
Mit langen Schritten die ihn lautlos über den Boden führten, folgte Loririon Drachenatem dem Kater. Dorthin wo Staub in einer dicken, dichten Schicht auf dem Boden sich niedergelassen hatte. Weiche Pfoten der Bergkatze, tiefe klare Spuren in den Flusen des Staubes hinterließ und dieser anfing im Fell zu haften. Doch neben den Spuren Cairlyns, waren dort noch andere. Fußabdrücke, zwei Unterschiedlich große Füße, waren dort gegangen und keines der Paare schien dem Mondelfen gehört zu haben. Die Stirn gekräuselt konnte der Barde nur diese Fährten wahrnehmen, aber nicht ahnen was sie bedeuteten, wusste er doch nichts von den beiden Schattendieben, die in der letzten Nacht versucht hatten dem Mondelfen Hasuvar Mondflüstern zu schaden.
Spuren im Staub, so unlesbar wie das Geschehen an diesem Ort, so schwer zu deuten, wie die verworrene Geschichte in die Loririon Drachenatem da hineingeraten war. Und siehe da, er der Barde war nicht länger Erzähler von reiner Vergangenheit, er schrieb nun sein eigenes Leben, sein eigenes Abenteuer. Doch war dieser Ruhm, denn er vielleicht erringen sollte, das Leid der Anwesenden wert?
Leise knarrend lies sich die nur angelehnte Tür wieder öffnen und Dank des geöffneten Fensters drang Licht in diesen Raum, erhellte ihn genug für die empfindlichen Augen des Sonnenelfen. Als aller Erstes lockte der einfache, kreisförmige  Tisch Loririons Blick auf sich. Trotz des Staubes, erkannte er die leeren Papiere, Kohlestifte und einiges an anderen Farben, schon längst wohl nicht mehr brauchbar. Ein Künstler? Mochte dieser Hasuvar Mondflüstern ein Künstler sein, so wie es der Barde ebenso war? Es dauerte nur einen kleinen Herzschlag, bis er die zitternden Hände, verborgen unter weißen Stoff vor seien Augen sah. Welch Qual für einen Künstler, dem beraubt zu werden, was sein Leben bedeutete. Unvorstellbar, konnte sich der Goldelf kaum vorstellen, wie es wohl sein mochte, würde ihm Jemand seiner stimme berauben.
Er konnte nicht anders als leicht zu schaudern, Kraft zu suchen, die ihm geboten wurde in Form des Raubkaters, der sich an sein Bein lehnte, ihm nicht viel Zeit ließ um weiter die alten Werkzeuge zu betrachteten, denn bald stieß der Kopf Cairlyns auffordernd gegen das Knie, Brummen welches erklang und fragend hob sich eine der goldenen Augenbrauen an. „was willst du mir zeigen?“ Er wusste immer noch nicht, warum er mit diesem Tier sprach. Vielleicht hatte er in seiner Vergangenheit zu viel Zeit mit dem Waldelfen verbracht. Vielleicht hatte dieser es einfach geschafft ihm die Natur so nahe zu legen, ihn diese ans Herz zu bringen. Aber vielleicht lag es auch wieder an dem leisen Rascheln von Blättern, das er glaubte zu hören. Eine leise Melodie, ohne Ursprung, unergründlich.
Viele Bilder schmückten diesen Raum und doch war es eines, welches ihn besonders anzog. Nicht jenes Bild, der wunderschönen Elfenfrau, die verborgen unter all den Staubschichten immer noch im See ruhte, nein dieses nahm er nicht wahr. Es war eines in der rechten Ecke, umrahmt von edlen, dunklen Holz. Er kannte diesen Ort, der dort dargestellt wurde. Wunderschön und Sehnsucht erweckend, von alten Zeiten träumend. Und mit einigen Handbewegungen war der Staub verbannt. Ascalhorn, er kannte Gemälde jener Zitadelle der Mondelfen und doch hatte keine ihn bisher so gefesselt. Es war als würde er selbst in dem Sonnenuntergang der stehen der dort auf dem Gemälde herrschte, die letzten warmen Strahlen auf seiner Haut spüren.
Ascalhorn, in den Tagen Earlanns war die Stadt die Zitadelle der Mondelfen gewesen, doch bald nach dem Sturz der Nesserils besetzt von Menschen. Infiltriert von Dämonen, die in einer Schlacht die einst prachtvolle Stadt in Schutt und Asche legten. So ward die Höllentorfeste geboren, ein Ort der fast ein halbes Jahrtausend bestand bis die Elfen den Scheusalen Einhalt boten, in einer letzten Schlacht die Magie der Harfner, fast alles dunkle Getier vernichtete, So berichtete wenigstens die Geschichte, so war das Wissen des Barden und doch konnte er bei dem Anblick dieses Gemäldes nicht die Dunkelheit der Stadt sehen. Nein nur die damalige Hoffnung, den Stolz der Elfen und mit vorsichtigen Fingern zog er einige Linien der geschwungenen Türme nach. Bis hin zu den Schatten, die dort vor der untergehenden Sonne standen. Nur Schemen, doch mit Liebe gezeichnet, ein Mann und eine Frau, eine beginnende Liebe, so mochte er es erkennen und das unbeschreibliche Gefühl zu Hause zu sein, Glück zu spüren durchflutete ihn.
Der Zauber des Gemälde hielt ihn gebannt, glaubte er Lachen zu hören und doch lockte ihn eine neue Melodie hinfort, hin zum nächsten Bild. Rote Flammen, lauernd, als wollen sie ihn verschlingen. Konnte er ihre Hitze spüren, glaubte in ihnen zu verbrennen. Nichts mehr zu ahnen von jener Stadt, doch erkannte er die Türme, die Gebäude, die dort untergingen in Rauch und Feuer, die letzte Schlacht der Höllentorfeste, als die Elfen die Dämonen vertrieben. Dem Untergang geweiht, aber keine Verzweiflung, stiller Wille zu stehen, zu kämpfen und leicht weiteten sich seine Augen bei dem Anblick des Kriegers. Fürst Mondflüstern so ähnlich, aber kein Abbild dessen, ein junger Krieger, der umschlossen seine beiden Schwerter hielt, sich der Finsternis entgegenstemmte, Einhalt dort gebat. Funkelndes Silber, die Rüstung und nochmals musste Loririon dieses Bild mustern, versuchte sich den Mondelfen ohne Narben vorzustellen, jünger und vor allem stolzer. Doch die Augen waren es, die sie unterschieden. Waren die des Kriegers strahlend blau, nicht so türkis wie die Hasuvars.
Es war das wunderschöne Blau, jener Frau, die er auf einem anderen Bild fand. Die Mondelfe im See, die einst so oft von Abysitor bewundert wurde und langsam verstand Loririon. Ein letzter Blick hin zu dem Bild, dort wo die Schatten der beiden Liebenden im Sonnenuntergang ruhten, weiter über die nächsten Bilder und aus Liebe ward eine Familie geboren.

Oh mein Sohn, sei stärker als des Feuers greifende Hand

Einsam versinkt der Mond unter des blutgetränkten Horizontes Rand

versunken, verloren in der Finsternis Weiten

wo uns nicht mehr güldne Strahlen der Sonne begleiten

Sei stärker als das Dunkel, leuchte auf

Sei der ewige Stern in der Welten Lauf





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Lange hatte Galdor Glitzerstein gezögert, einfach Ausgehart und gewartet, selbst dann als sich die Sonne begann über die steinigen Felsabhänge Cauldrons zu schieben, Stück für Stück höher, die roten Strahlen, sich ein wenig durch den Nebel drängten, ihn färbten als würde man in einen Blut getränkten See sehen. Hoffte der alte Felsengnom doch mit jedem Moment, das ungehobelte Klopfen an der hölzernen Tür zu vernehmen, ein eindeutiges Zeichen der Rückkehr des Tieflings, selbst dessen Beleidigungen, sein ungebührliches Verhalten wäre nun willkommen. Doch nichts geschah in dieser zeit und irgendwann, als die Sonne schon längst nicht mehr den Horizont berührte, das Rot sich färbte in golden, welches nicht gegen den Nebel bestand, kam jener posten, der ihn abzulösen hatte, auf dass Galdor Glitzerstein wieder seine Rolle als Händler Cauldrons einnahm. Es war ihm bewusst gewesen, dass alles Wartens vergebens war und nun hatte er es einzusehen und damit umzugehen. Kelsey würde von dieser Nacht nicht mehr zurück kehren, egal wie lange er noch warten würde.
Und die Sorge, die bisher sich gesät hatte, keimte, fasste Triebe und entfachte schließlich, wie ein unbändiges Feuer, alles verzerrend. Keine Furcht um den jungen Tiefling, mit den müden schwarzen Augen, die so gequält geblickt hatten, als es hieß schon wieder hinaus auf die Gassen zu gehen, ohne Ruhe , ohne etwas zu Essen. Denn jener Tiefling war nicht mehr als ein lästiges Haustier für Galdor, einen alten Hund, den man wegtrat, wenn er im Weg stand, nur dass dieser sich in solchen Situationen als gefährlich herausstellen konnte, seine Zähne zeigte, völlig unberechenbar. Nein es war das Bangen, um sein eigenes Leben, die Angst vor dem Zorne Rash`nets, die ihn solange davon abgehalten hatte, die Wahrheit zu begreifen.
Furcht, die nicht gemildert war, die immer weiter wuchs und dennoch trat er seiner Pflicht entgegen, stieg mit schwerfälligen Schritten die lange verborgene Treppe in seinem Haus hinab. Viele Treppenstufen hinunter in die verschlingende Finsternis, vorbei an den versteckten Halblingen, die da lauerten, bereit ihre Armbrüste zu spannen, jeden Eindringling niederzustrecken.
Auch sie waren aufmerksame Beobachter, merkten sich jedes einzelne Gesicht, wussten wer da ging und vor allem wer wiederkehrte. Und so wussten auch sie von dem Fehlen des Tieflinges, verstanden, dass Galdor selbst jenen aufgegeben hatte. Ja und so manch einer von ihnen musste schlucken, auch wenn es aus anderen Gründen geschah, andere wie die, die Galdor bewegten. Die Halblinge mochten fast alle egoistisch sein, auf ihr Wohl bedacht, denn sonst würden sie in so einer Gilde nie bestehen, ihr sich nie anschließen und trotzdem war der junge Tiefling bei ihnen gerne gesehen. War er es, der so manch einen das Leben gerettet hatte. Viele Gefahren verbargen sich in der alten, verschollen geglaubten Stadt der Gnome Yudirune und schon so manch alte, abscheuliche Maschine, erschaffen aus Gnomenhand, hatte sich gegen die Plünderer gerichtet. Konstrukte, die sich unbeeindruckt zeigten, von Schwertern und Dolchen, gar von Magie und die doch unter der Wildheit und Stärke des Tieflings geborsten waren.
So erfüllte leises Getuschel den gang der Treppe, kaum hatte Galdor Glitzerstein ihn hinter sich gelassen. Flüstern in den Schatten, wie vom Wind davon getragen, immer weiter durch die langen, finstren Gänge der unterirdischen Stadt, bis es an des Ohr des Einen drang, der kurz seinen Spaten sinken ließ.
Wo du auch sein magst, bleib fern. Auch der Tod mag besser für dich sein!
Und doch verflog der Gedanke wieder während er zusammenzuckte, als ein Peitschenknall ertönte, Schreie. Die peitsche nicht für ihn bestimmt, war sie es noch nie gewesen, allein für die neuen Sklaven. Geschenke Orbaks an Rash`net. Verdammte Seelen unter peinigender Arbeit ihren Tod zu finden. Und doch hatte der Knall genügt dem Halbling aus seinen Gedanken zu reißen, sah er noch wie der Bote der Nachricht davon huschte.

Lautes Gepolter, als Steine nachgaben, nicht länger den Spaten und Piken standhielten und der nächste geheimgang nicht mehr geheim war. Staub, der trockenen Kehlen so manch Husten entlockte, sich zum Ziel machte die Atemwege zu blockieren. Selbst der junge Halbling, vor dessen Gesicht schützend ein Tuch lag, so Mund und Nase verbarg, glaubte an den Massen bestehend aus Dreck und Staub zu ersticken und er konnte einen kurzen bedauernden Gedanken an die unfreiwilligen Arbeiter, die sich nicht schützen konnten, nicht verwerfen.
Und doch verschwendete der Halbling nicht all zu viel seiner Mitgefühle an sie, er wäre nur daran verzweifelt, dass er nicht in der Lage war ihnen zu helfen, denn immer noch war es, der ihm hier unten am Wichtigsten war. So überprüfte er viel mehr mit geschickten Händen den Sitz des Stoffes, ebenso wie den seines Werkzeuges, bevor er den Spaten sinken ließ und sich mit selbstbewussten Schritten vorwärts bewegte. Es benötigte nicht die auffordernden Worte des Enklavenmitgliedes, welches hier die Anweisungen gab, um ihn in Bewegung zu versetzen.
Denn der Halbling dessen Locken ihm trotz des vermummten Gesichtes, immer noch eine unschuldigen, gar engelsgleichen Anblick gaben, wusste wie ungeduldig die Plünderer aus Tay in letzter Zeit geworden waren. Profit und Macht, um mehr ging es hier nicht. Auch wenn der junge Halbling nicht verstand, was dort in den Tiefen Yudirunes noch verborgen ruhen sollte. Hatten sie doch Gold gefunden, Mengen von diesen, die so manchen König hatten neiden lassen. Edelsteine, von denen ein Drache mit gefüllten Hort nur zu träumen vermochte. Ganz zu schweigen von den wenigen magischen Artefakten, sie mochten selten sein, hier wo die Magie nach und nach einfach erlosch und doch waren sie sicher wertvoll. Und doch war all dies nicht zufrieden stellend gewesen. Den meisten Halblingen hätte es wohl gereicht, bekamen sie immer einen großen Anteil, für ihre Mitarbeit, doch vor allem für ihr Schweigen. Aber den Magiern aus Tay war es nie genug und so ging die unerbittliche Suche weiter. Tag ein, Tag aus, ohne Unterlass, als würde sich dort irgendwo ein unermesslicher Schatz befinden. Wohl seit Jahren mochte es so gehen, auch wenn der Halbling noch solch lange Zeit noch nicht bei der Gilde „Des Letzten Lachers“ verbracht hatte.

Hindurch durch die dichten Staubwolken, die sich nicht beruhigen wollten, trugen ihn die Füße, über Geröll, dort hin wo der Spalt in der wand gerade groß genug schien, auf dass er sich hindurch zwängen konnte. Ein wenige Winden hier und dort und er hatte sich durch das Loch bemüht, hörte hinter sich eine leise Stimme erklingen. „Achte auf deine Schritte!“ Irgend einer der anderen Halblinge hatte sie ausgesprochen, nicht dass diese Warnung überhaupt noch von Nöten war und doch protestierte er nicht, nickte nur knapp, ein kleines Zeichen für sein Verständnis und sicher würde er diese Worte nicht einfach so vergessen.
Mit fahrigen Bewegungen klopfte er den Staub aus seiner Kleidung, begab sich hinein in den finsteren Raum, um ein wenig fort von der Spalte zu kommen, dort wo die Luft reiner war, auch wenn er einen abgestanden Geschmack in seinem Mund nicht zu leugnen vermochte, kaum hatte er das Tuch gelöst. Ein leichtes Blinzeln in die Dunkelheit, während flinke Finger einen einfach wirkenden Holzstecken von seinem Gürtel lösten, feines Holz, das sich ein wenig rau anfühlte und doch benötigte es nicht mehr als leise gesprochene Worte, um die Magie in dem Stecken auszulösen, so dass der Raum in sanftes Licht getaucht wurde, welches sich auf dem Stecken fokussiert hatte, so als würde dieser Glühen.
Jetzt erst stellte er fest, wie sehr er sich getäuscht hatte, in der Annahme er befände sich einfach in einem weiteren Raum, den sie hier aufgebrochen hatten. Fehle Vorstellung, war es doch ein Gang, lang und breit, der sich dort vor ihm auftat. Gewunden und gebogen schien der Weg, erfüllt von düsterer Dunkelheit, die kaum zu vertreiben war, trotz des fröhlich leuchtenden Sonnenstabes in seiner Hand und nur mit Vorsicht und Bedacht wählte er seine Schritte. Viele der magischen Fallen mochten zwar nicht mehr wirken, da das netz der Magie an manchen Orten schlicht unterbrochen war, wenigstens Beschrieben es so die Magiekundigen, aber an anderen Stellen war sie immer noch vorhanden und aktiv, so wie die lange Eingangshalle, in der die einsame Gnomenillusion immer noch ihre Begrüßung von sich gab.
„Was siehst du?“ Dumpfe Worte drangen an sein Ohr, die von sich von den Wänden widerhallten, ihn sich ducken ließen, fürchtete er doch, die Decke könnte schlicht über seinen kopf einstürzen, oder eine der Apparateionen der Gnome würde sich von diesen Lauten angelockt fühlen. Doch keines  von beiden geschah. Ein leises Räuspern, bevor der Halbling gewissenhaft antwortete: „Ein langer Gang. Vergrößert das Loch, ich werde mich derweil umsehen.“ Mehr gab es da nicht zu sagen, wenigstens seiner Meinung nach und das anhaltende Schweigen verriet, dass auch wirklich nicht mehr von ihm verlangt wurde. Nun gut würde er warten, so gäbe es wohl auch kaum Widerworte, doch war der Halbling gepackt von Neugierde, sodass er sich nach kurzem Zögern weiter bewegte, tiefer in die Schatten wagte.

Stille. Nichts als Stille. Seine Schritte geschickt gesetzt, war das Einzige, was er zu hören glaubte, das unruhige Pochen seines Herzens, der leise Atem, der sich immer wieder über seine Lippen stahl. Immer begleitet von dem Licht, das dunkler schien je weiter er sich vor wagte, so als würden Schatten nach ihm greifen, sich erstickend und verzerrend um die kleine Lichtquelle legen. Das Poltern, die Geräusche von Hacken und Spaten, drangen schon längst nicht mehr an sein Ohr. Wie gerne hätte er diesen finstren Gang in einem Spurt hinter sich gebracht, doch wagte er dies nicht. Viel zu nah die Gefahr durch unüberlegtes Handeln in einer Falle zu enden und dieses Ende sah er nun wirklich nicht für sich.
So setzte er seine Schritte langsam, immer mit bedacht und tatsächlich hatte er zweimal alten, mechanischen Fallen auszuweichen. Ob sie nun noch funktionierten, konnte er auf den ersten Blick nicht sagen, doch markierte er die beiden Stellen auf dem Boden mit heller Kreide, die er immer bei sich trug. Die Nachhut würde sich um diese kümmern, so waren die Aufgaben verteilt und er beschwerte sich nicht darüber. So gelang er immer tiefer in die nach ihm greifende Finsternis.
Endlich, ja endlich endete der Gang und beinahe hätte er erleichtert geseufzt, als sich nach einer leichten Linkskurve die Wände von ihm entfernten, der Gang sich in einem breiten Raum wandelte. Staunend erkannte der Halbling, dass soviel Licht der Sonnenstab gar nicht von sich gab, wie es von Nöten gewesen wäre, um diesen Raum der mehr einem riesigen Saal gar einer Halle glich, zum Erleuchten zu bringen. Wie ein einsames Glühwürmchen in der Weite der unendlichen Nacht, ein blasses Licht, das nicht ausreichte um die umgebenden Wände oder die Decke zu sehen.
Das Echo von fallenden Wassertropfen, einzeln und klar, war es , welches ihn voran trieb, erneut seine Neugierde schürte. Die eine schlanke Hand fest um den schmalen Stecken geschlungen, während die andere sich förmlich an den Griff seines Kurzschwertes klammerte. Schritt, für Schritt. Lauteres tropfen, immer lauter und doch beständig, immer im selben Takt, in jenem Takt in dem sein herz gegen seine Brust hämmerte, oder hatte sich sogar sein Herzschlag diesem Tropfen angepasst Der Halbling vermochte es nicht zu sagen und obwohl der Hall immer lauter wurde, immer fordernder Klang, so konnte er im spärlichen Licht dessen Ursprung einfach nicht erkennen.
Erschrocken zuckte er zusammen, als er glaubte eine Bewegung gesehen zu haben. Ein Schatten, der sich in die Nähe seiner Lichtquelle getraute und fast panisch schlug der Halbling mit jener Hand, in der sich der Sonnenstab befand, um sich, so als könne er die Schatten erstechen, sie wenigstens verscheuchen. Auf Widerstand sollte er nie treffen und Erfolg sah er keinen, war doch wohl alles ein Hirngespenst gewesen, Einbildung seiner schwacher werdenden Nerven und irgendwann beruhigte er sich, schnappte keuchend nach Atem.
Was für ein Narr ich doch bin!
Doch hätte er sich nicht in diesem Moment selbst geschallt, so wäre ihm eine Kleinigkeit längst aufgefallen. Außer seinem eigenem Keuchen, gab es keine Geräusche mehr. Das bisher ihn vorantreibende Tropfen war verschwunden und nichts blieb als die anhaltende Stille. Es sollte ihm auch noch auffallen und als die Erkenntnis ihn traf strauchelte der sonst so gewandte Halbling, stolperte wild mit den Armen rudernd vorwärts, solange bis die Finger seiner freien Hand halt fanden, sich um hartes Gestein schlossen. Der schmale Sonnenstab war ihm dabei aus der Hand gefallen, kullerte nun lustig über den glatten Boden davon und bald war das Licht völlig erloschen.
Zurückgelassen der Halbling in der abscheulichen Finsternis, dessen Hand immer noch den Stein berührte, die Finger krampfhaft um den kühlen Fels gekrallt. Ein wenig wagte er sich schließlich zu tasten, über die Oberfläche zu streichen und so bemerkte er wie glatt dieser Stein war. Eindeutig nicht natürlich, sondern von kundiger Hand bearbeitet, geformt in Mühe und während er weiter griff und tastete, sich voran fühlte, spürte er bald einen kleinen Widerstand, der sich mit einem leisen Klicken weiterschieben lies.
War es eben noch zu finster, so musste er nun die Augen fest zusammenkneifen, geblendet von hellem strahlenden Licht, welches Weiß erschien. Und ihm war so als würde er gequältes Zischen und Fauchen aus den Tiefen der Finsternis vernehmen, huschende Bewegungen, die davon eilten, solange bis es wieder still war und das Licht ihn nicht mehr trotz der geschlossenen Lider in die Augen stach.
Das kleine Herz des Halbling überschlug sich, doch ewig konnte er so nicht stehen bleiben, auch wenn er hoffte, dass bald die Anderen ihm folgen würden. Immer noch herrschte die Stille und so wage er es irgendwann doch wieder zu blinzeln, sich mit den Fingern die Tränen aus den Augen zu reiben, auf dass er doch wieder etwas sehen konnte. Einige Momente ging es so, bis er doch die Augen wirklich öffnete, bereit sich nun im Schein des goldenen Lichtes umzusehen, nur um ungläubig die Augen wieder zu schließen, sie nochmals aufzureißen.
Bei Brandobaris!
Er konnte nicht anders, als sich staunend umzusehen. Die Pracht des Saales war einmalig, wunderschön und doch Ehrfurcht gebietend, war er wahrhaftig im Saale des Königs angelangt und erschrocken riss er seine Hand hinfort, als er bemerkte, was er da berührte. War der stein gar kein Stein, sondern ein aus hellen Edelsteinen zusammen gesetzter Thron, auf dessen Lehne ein großes Goldstück eingearbeitet war.
Große Augen, die dieses Goldstück anstarrten, war es größer als der Kopf des Halblings, streckten sich schon seine flinken Finger danach aus. Und doch hielt er inne, machte noch einen entschlossenen Schritt zurück. War ihm doch eingefallen, dass genau solch ein Zeichen es war, das für Garl Glittergold dem Gott der Gnom stand und ehrfurchtsvoll senkte der Halbling seinen Kopf, vergessen der Gedanke an Diebstahl. Keinen Moment zu früh.

„Willkommen Fremder. Der, der die Weisheit suchet. Sei willkommen, um diese zu erfahren. Doch sei gewarnt. Plünderer. Dieb. Denn nichts als Verderben, erwartet jene, die da kamen um zu stehlen. Werden sie die Schatten verschlingen, wie sie es einst mit meinem Volke getan haben.“

Der Halbling konnte allein nur seinen Mund öffnen , ohne dass Worte seine Lippen verließen. Die gewaltige Illusion des Gnomenkönigs, vor sich anstarrend, konnte er nur hoffen, dass es sich um eine Illusion handelte. Alle Gnome außer Galdor waren hier Illusion und doch konnte er es nicht sagen denn sie war zu perfekt erschaffen. Kluge Augen, die auf ihm ruhten, in ihrer Weisheit ihn zu durchbohren schienen.
Und eines war sich Rondec Hüpfling bewusst, er würde sicherlich nichts plündern, zu stechend lagen die Augen des Gnomes auf ihn, beobachteten jeden seiner Schritte und als er erneut zurückwich, so tat es die edel gewandete Illusion ihm nach, nur dass sie ihm folgte, statt ebenso zurückzuweichen. Rondec schüttelte den Kopf, sachte als wolle er zeigen, dass er nie in seinem Leben diesen Ort plündern würde. Nicht wenn man ihm die Wahl ließe und erneut stieß er ein Gebet an Brandobaris, dem Gott der Halblinge hervor.
Das Lächeln auf den fülligen Lippen des Königs war das letzte was er zu Gesicht bekam, bevor erneut das Licht erstrahlte, ein Schrei, wohl von seinen Lippen stammend, doch darüber konnte er nicht mehr nachdenken, denn schon schwanden ihm die Sinne und die Welt wurde Dunkel.




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Kalte Dunkelheit floss um ihn während er danieder lag auf dem eisigen marmornen Boden, nicht fähig seine Beine zu rühren und doch bereit einen Fluchtversuch zu starten, kriechend über kaltes Gestein, verfolgt, verhöhnt von ihnen. Sie betrachteten ihn mit harten, ausdruckslosen Augen, während er sich windend vor Schmerz über den Marmorboden zog. Der Boden war klebrig von geronnen Blut und immer mehr verklebte die rote Flüssigkeit ihn, stank bitter in seinem Verstand und schmeckte süßlich im Mund. Er rang keuchend nach Atem, in der Hoffnung der nächste Atemzug würde unweigerlich sein letzter sein, versuchte verzweifelt den Körper aufzugeben und auf bluterkauften Schwingen zu entfliehen, denn noch nie war er so hilflos dem Willen eines Wesens ausgeliefert gewesen.
Doch je länger diese Prozedur dauerte, um so mehr bemerkte er die fremden Gefühle, fing an zu verstehen was sie empfanden, war erschrocken über ihre Gedanken.
Last mich doch gehen, lasst mich verschwinden, meinen unscheinbaren Vorstellungen in den nachtschwarzen Himmel folgend, zurück in die Heimat, fern von hier, zurück zu dem, der auf mich wartet.
Verzweifelt, dass er nicht entfliehen vermochte, denn in ihm brannte ein Schwur, schrie immer wieder ´Lebe, du hast geschworen zurück zu kehren` und grub seine Klauen tief in sein gebrochenes Herz, drängte es weiter zu schlagen, hielt die Seele fest. Bleiern stieg die Angst in ihm, kein Entkommen, keine Gnade zu erwarten.
Hilflosigkeit trieb eine vereinzelte Träne aus seinem Geist, dabei dachte er einst nie mehr noch größeres Leid, nie noch gewaltigeren Schmerz als an dem Tage an dem er nur hilflos zusehen konnte wie sein Sohn starb, zu empfinden, konnte sich einst nicht vorstellen je wieder zu weinen, nach Amberles Tod. Wieder kamen sie heran um sein begonnenes Werk zu beenden, hofften, dass durch den Schmerz er endlich aufgeben würde, sich fügen, denn dann erst würde es alles ende,n er wusste es und doch fügte er sich nicht, gab nicht nach, ließ sich nicht verdrängen wie Wasser, sein Trotz hart wie Stein.
Jeder Traum verlief so, brachte alte Erinnerungen, sollte es nicht so sein, denn er war es, der seine Träume wählte und doch quälte sein Unterbewusstsein ihn, immer nach außen gelassen scheinen, eine Maske aufrecht erhalten. So dass ihn das Leid verfolgte, ihn dann heimsuchte wenn er wehrlos war, er im Traum nicht erwachen konnte, bis das Leid und der Schmerz ihn neu verbog.
Einsamkeit brannte in dem einst strahlenden Elf und er sah was hinter all den machtvollen Blockaden verborgen blieb, alles was blieb war ein kleines etwas, flehend. Ihn seinen eigenen Augen zu nichts mehr würdig, hatte sein Vater doch recht gehabt, ein falscher Diamant, auf den ersten Blick schön und doch nur aus Glas bestehend.
´Bitte lasst mich doch in Ruhe!`
Nein er wollte so etwas nicht Träumen. Verzweifelt bäumte er sich auf erwachte und sah sich um. Beruhigte seinen Atem, bevor er sich ächzend aus dem Sessel erhob, nur um zu dem einfachen Glasfenster zu schreiten, einen Blick hinaus in seinen Garten zu werfen.
Wie lange man wohl brauchen würden, um die beiden Leichen in seinem Garten zu finden? Ein- zwei Tage, höchstens. Die Verwesung würde schließlich durch die feuchte des Nebels vorangetrieben werden. Außerdem war es nicht gerade unauffällig, wenn sich plötzlich Getier sammelten und begannen, um das Haus zu kreisen, allein angezogen vom Geruch des Todes. Noch ahnte Hasuvar nichts von den Leichen, dort draußen auf den Straßen, nicht einmal fern von seinem Garten, denn hätte er es gewusst, so hätte er die beiden Verbrecher schlicht zu ihnen auf den roten Stein der Gassen geworfen.
Es war egal, denn trotz des Alptraumes fühlte er sich kräftig genug seinen Plan voran schreiten zu lassen, noch an diesem Abend im Schein des Mondes sollte es geschehen nur wollte er dafür den Kater in seiner Nähe wissen, noch dazu sollte er wohl nachsehen , wohin es den Sonnenelfen gezogen hatte, denn eine Störung würde ihn zu viel kosten, würde etwas schief gehen, er wollte nicht wissen welche fatale Folgen es mit sich trug. So dass seine hinkenden Schritte ihn wieder in den Flur brachten, nur noch ein wenig war sein Knie steif, das Hinken fast völlig verschwunden, so wie sein Körper sich weniger mit Schmerz durchzogen anfühlte. Sicher hatte er noch genug schmerzstillende Mittel in diesem hause, solche wie er es vor den Einbruch bei Rothillion genommen hatte, doch verabscheute er sie. Hasste sie fast so sehr, wie den Klang dieses Namens. Rothillion. Seine neue Aufgabe, würde er die Erfüllung der alten überleben.
Wo waren nur Cairlyn und dieser Loririon Drachenatem? Nichts gutes ahnend folgte er dem Flur, dort wo neue Spuren sich durch die Staubschichten zogen und fast hätten ihm die Beine nachgegeben. Seine Galerie, sein Ein und Alles, was er schon solange mied. Nein dorthin würde er nicht gehen und entschlossen schüttelte er den Kopf, war dabei sich abzuwenden. Warum er dann doch bis zu der verfluchten Tür ging, er konnte es nicht sagen, viel mehr öffnete er diese um zögernd in den Raum zu treten, den Blick gesenkt, all dies was einst sein war, fürchtete er nun allein durch seien Anwesenheit zu beschmutzen.

Noch hatte Loririon nicht bemerkt, dass er nicht mehr alleine war. Viel mehr hatte er jedes einzelne Kunstwerk betrachtet, erfuhr so einen weiteren teil über das leben des Mondelfen, denn diese Bilder gaben die wichtigsten Anblicke, die schönsten oder grausamsten Momente im Leben Hasuvar Mondflüsterns wieder. Gerade eben, strichen die bronzenen Finger über einen der fein gearbeiten Holzrahmen, malten schon fast verträumt die weichen Konturen der Pinselstriche nach. Nur um dann leise zu lachen, als er ein schon vergilbtes Blatt Papier fand, auf dem ein Wirrwarr an Farben prangte und lange blickte er dieses einfach an, zog eine der goldenen Augenbrauen nach oben. „Wie eine Melodie,“ wisperte die leise Stimme, die dort wohl mehr als nur ein Chaos erkannte, sogar leise summte.

„Ihr seid der Erste, der nicht behauptet es stamme aus den Abgründen der Hölle, sei genauso verwirrend wie sie.“ Es waren unsichere Worte und doch sprachen sie von Zufriedenheit, denn hatte der Mondelf immer noch ein scharfes Gehör, waren ihm die Worte des Goldenen nicht entgangen, so wie die feien Melodie.

„Und ihr seid der Erste, der sich so nahe an mich schleichen kann:“ leise tadelnd, aufgrund diese Verhaltens, dass so gar nicht der Etikette entsprach und doch zauberten die Worte ein Lächeln auf die Lippen des Sonnenelfen, der mit einer eleganten Bewegung neben sich deutete, einladend, nur um dann wieder auf das Bild zu blicken, nicht das Farbenchaos, nein das Gemälde, welches Kelsey darstellte, den jungen Tiefling als Kind.
Unschuld. Anders war dieses Bild nicht zu beschreiben, der wundervoll eingefangene Blick des Kindes und ein erneutes Lächeln lies die Lippen des Barden sich kräuseln. „Ihr seid ein Künstler, ich neige meinen Kopf vor eurem Talent.“
„Es war einst, es ist vorbei!“ Nein diesen Satz, so unabwendbar wollte er von Hasuvar nicht hören. Doch noch wendete er sich dem Mondelfen nicht zu, viel mehr kniff er leicht die Augen zusammen. „Wenn es vorbei wäre, hättet ihr diese Bilder dem Flammen übergeben, wenn ihr nicht gefangen wäret, irgendwo zwischen der Vergangenheit so wie sie glücklich einst war und der Vergangenheit die grausam euch mitspielte. Beides hat euch geprägt, beides wird man nie vergessen. Es ist ein Teil von euch, eine Geschichte. Eine Geschichte, die ich gerne kennen würde Fürst Mondflüstern, denn ihr seit Älter als es der erste Blick verrät.“
Ja so war es, der Mondelf mochte alt wirken, doch wenn er wirklich in Ascalhorn gelebt hatte, dann war er älter als man es auch nur erraten konnte. Und nun wandte er sich geschmeidig um, vergessen die zerrissene Kleidung, das er nur Gast in diesem Hause war. Viel mehr machte er einen Schritt, vor auf den kleineren Mondelf zu.

„Es wird euch zerbrechen, nach und nach. Wehrt euch dagegen!“
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