Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Quifanu Dunkles Herz

GeschichteDrama / P16 Slash
05.09.2006
14.10.2009
36
192.727
 
Alle Kapitel
48 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.09.2006 7.485
 
Und während in Cauldron das Grauen Einzug fand, gab es einen Ort, an dem Ruhe herrschte, an dem die Panik nicht reichte. Niemand kam auf die Idee Fürst Mondflüstern zu rufen, dachten sie doch alle er sei schlimmer erkrankt, oder dachten sei, wenn man Acharn Zephyr und Rothillion hieß, dass Gift täte sein Werk und so gab keiner von ihnen acht auf jenen Ort, an dem die Ruhe half Wunden zu lecken und aufgebrachte Seelen zu heilen.

Knisterndes Feuer, war das erste was er vernahm, welch Unterschied zu dem plätschernden Wasser und leicht kräuselte der Sonnenelf seine Nase, als der Geruch brennender Holzscheite an jene drang. Nur träge klärten sich seine trüb gewordenen Augen und die Trance glitt stetig von ihm ab. Doch erheben wollte sich der schlanke Sonnenelf nicht gleich. Viel zu sehr genoss er das Gefühl der Trockenheit, der wohltuenden Wärme und so blieb er liegen, während Schemen Einzug fanden in die Dunkelheit, gedämpftes Licht ihn blinzeln ließ.
Seine erste Vermutung war gewesen, dass er zurück im Tempel des Tyr war. Doch es dauerte nur einige Augenblicke, bis er feststellen musste, dass dem nicht so war und nun stützte er sich doch auf seine Ellbogen auf.
Jemand hatte eine alte Wolldecke über ihn ausgebreitet und die Hitze des Kaminfeuers wurde fast überwältigend, so dass er ein Stück auf dem alten Sofa zurück rutschte, um dieser zu entgehen. Dankbar musste er feststellen, dass sein Rücken kaum noch schmerzte, auch wenn er immer noch die zerrissene Tunika trug, deren Farbe schon längst nicht mehr weiß war, viel zu viel Blut und Schleim hatte an ihr gehaftet. Da war noch eine kleine Erinnerung und heftig riss er die Decke beiseite, ließ sie unachtsam auf den Boden fallen, während er seufzend den langen Riss in seiner dunklen Hose begutachtete.
Es tut mir leid, so schlecht mit deinem Geschenk umgegangen zu sein Albaraen.
Verloren strichen schlanke Finger über den einst edlen Stoff, zupften hilflos an dem aufklaffenden Riss, bis er den Kopf schüttelte. Diese Stadt war verflucht. Innerhalb kürzester Zeit, hatte er zweimal die Besinnung verloren, nur um jedes Mal an einem Ort zu erwachen, von dem er nicht wusste, wo er war. So schenkte er seiner Umwelt nun Beachtung, vergas für einen Moment seine Hose um sich aufmerksam umzusehen und leicht die Nase zu rümpfen. Eindeutig war der Tempel einladender gewesen und kurz klopfte er auf eines der Kissen, um erneut den Kopf zu schütteln. Uralt, sowie Alles an diesem Ort.
Nicht dass er sich beschweren sollte. Schließlich waren in seiner Heimat alte Dinge weit verbreitet, doch diese waren eindeutig besser gepflegt und kunstvoller. Nur schwer war die Farbe des verblichenen Stoffes zu erkennen und wenn seine Augen ihn nicht ganz betrogen, so musste sie einst ein tiefes, schwarzes Blau gewesen sein. Hin und wieder konnte er noch eine der feinen, verspielten Stickereien erkennen und angestrengt versuchte er deren Herkunft zu erkennen. War es etwa elfisch?
Von neuer Neugierde gepackt griff er nach der Decke um sie zurück zu sich zu ziehen und diese genau zu untersuchen, doch hier verriet nichts die Herkunft, nur wieder diese schwarzblaue Farbe und er seufzte lang. Den Blick kurz ins Feuer gerichtet, versuchte der Sonnenelf sich zu erinnern, zu verstehen, was geschehen war. Irgendwo hatte ihn dieser Tiefling, Kelsey war sein Name, hingetragen. Dann erinnerte er sich nur an weißen Stein, eine lustige Wasserfontäne, die auf ihn hinab gesprudelt war und diese Stimme. Kurz berührte er seien Schulter, so wie es die fremde Hand getan hatte, neigte leicht den Kopf zur Seite um die Augen zu schließen. Beruhigende Worte, deren Sinn er in seinem Zustand einfach nicht mehr verstanden hatte und so blieben ihm auch nun ihre Bedeutung verwehrt. Doch konnte er sich an die Sanftheit in jener Stimme erinnern, das leichte Zittern, als drohte sie zu brechen und trotz dem hatte sie eine gewisse Melodie aufgewiesen. Aber gesehen hatte er niemand, nur Schemen von weiß, ein Schatten, der sich gegen die Sonne abgehoben hatte. Und dann, ja dann hatte man ihn hier her gebracht und danach war das Dunkel des Schlafes über ihn gekommen.
Er musste aufstehen, wollte er wissen, wem er seine Rettung verdankte und es interessierte ihn auch wo der Tiefling war. Leicht bildeten sich kleine Falten auf seiner Stirn, als er in dessen Armen versunken war, hatte er eindeutig das schwere Leder um seinen Hals gesehen und er glaubte nicht daran, dass es sich hier um Schmuck handelte. Missgunst trat in seine Augen, wer auch immer sein Retter war, hatte er etwas mit diesem Halsband zu tun, würde er keinen Dank erhalten, soviel stand für Loririon fest.
Noch schwankend erhob er sich, um erneut sich in diesem Raum umzusehen. Eine Art Kaminzimmer, wenn auch nicht wirklich gemütlich. Die Zeit hatte ihre Spuren tief in die Einrichtung gegraben und er glaubte sogar, dass der Staub, der sich an der Regalwand gebildet hatte, dort wohl schon lange ruhte, den Blick auf das einst helle Holz, so verbarg und leicht wanderte seine goldene Augenbraue in die Höhe. Wie konnte man solch einen Ort so verkommen lassen? Langsam waren seine Schritte über den Holzboden, dessen Bretter hin und wieder unter seinem Gewicht knarrten und dieses Geräusch zusammen mit dem Knistern der Holzscheite, kam ihn störend vor. Es war als wäre er ein Räuber in einer finsteren Ruine, der mit jedem noch so kleinen Laut die unfreundlichen Wächter aufscheuchen würde, doch es erschien Niemand, selbst als er endlich an der Regalwand stehen blieb.
Finger die Staub beiseite wuschen, so dass einst edle Holz zum Vorschein brachten und jede kleine Kante, schien mit verträumten Schnörkeln verziert, an einigen der Stützen wandten sich kunstvolle Rankenmotive und hier und dort konnte er die eingeschnitzten Bilder von Vögeln entdecken. Der Staub lies ihn niesen und so sehr er sich auch umsah, so etwas wie Bücher oder andere Aufzeichnungen vermochte er nicht zu finden, kein einziges Bild, kein persönlicher Gegenstand der Aufschluss darauf gab, wer sich hier als Hausbesitzer herausstellen würde.

Es hatte eine ganze Zeit gedauert, bis Fürst Mondflüstern wieder erwacht war, es war das Klopfen des Botenjungen gewesen, welches ihn geweckt hatte. Jeden Vormittag kam dieser, um die Aufgaben des Tages in den Weg zu leiten, den Fürsten dort anzukündigen, wo er hinwollte und hin und wieder tätigte er noch einige Besorgungen für diesen. Doch an diesem Tage war er fortgeschickt worden, sollte nur den hohen Herrschaften von der fortgeschrittenen Krankheit verkünden und Gedanken, dass es unwahr sein könnte, hatte er sich nicht darüber gemacht. Denn die Haltung des verborgenen Fürsten hatte Bände gesprochen und der Bote hatte sich allein in Gedanken darüber geworfen, ob er doch die Priesterin vorbei schicken sollte, egal ob der Fürst nun dies verboten hatte oder nicht, schien es doch mehr als schlecht um jenen zu stehen.
Nun war es an Fürst Mondflüstern unruhig durch das haus zu wandern, immer noch den schlafenden Tiefling in seinem Bett, sein eigener Körper steif vom Schlafe auf dem harten Boden. Nur ein wenig Zeit hatte er sich so erkauft und als er an einem der Fenster vorbei schritt blickte er hinaus in den verwilderten Garten, als würde er jeden Moment das Auftauchen des Unbekannten erwarten. Doch alles war friedlich und er seufzte leise. Er glaubte nicht daran, dass so schnell irgendwer auftauchen würde. Nein, nicht vor Einbruch der Nacht und bis dahin musste er genug Kraft gesammelt haben, um den wahnsinnigen Plan, der seinen Kopf entsprungen war, zu vollziehen.
Seine Schritte führten ihn weiter durch den schmalen Flur, hin in jenen Raum der ihm als eine Art Labor diente. Noch nie hatte er solch eines benutzt und die letzten Monate, hatte er mehr als einmal befürchtet, sich samt seinem haus dort in Flammen aufgehen zu lassen, doch nichts dergleichen war geschehen und nun türmten sich dort auf den Regalen und Tischen all die geklauten Dinge, die Dinge die er hatte heimlich besorgen lassen. Knarrend öffnete sich die Tür, hin zu diesem Raum der wohl noch am lebendigsten wirkte. Denn Ordnung war Vorraussetzung in diesem Labor und er hielt sie.
Der kräftige Geruch von Kräutern stach seine empfindliche Nase, ließ den Kater, der ihm wie ein zweiter Schatten folgte, laut und protestierend Niesen, verärgert den Kopf schütteln, so dass die Katzenohren laut schlackerten. Ein leichtes Lächeln flog über die schmalen Lippen, auch wenn es verborgen war und leicht zupfte eine zitternde Hand an einem der sandfarbenen Ohren, bevor der Elf tiefer in den Raum trat. Das Licht der Sonne war an sich hell genug, doch glimmten, an den Wänden befestigt, magische Sonnenstäbe, sorgten so auch Nachts für Licht, wenn er es denn wollte. Viele Phiolen warfen ihr glitzerndes Licht, da die Sonnenstrahlen sie durchbrachen, bunt und schillernd an die gegenüberliegende Wand, dort wo fein säuberlich die getrockneten Kräuter ruhten. Einzelne Pflanzen, die in kleinen Töpfen auf den ersten Blick wirkten als seien sie eine Verzierung des Raumes, hatten besondere Fähigkeiten, die es zu erkunden galt. Und immer wieder lagen hier und dort die Pergamente, Aufzeichnungen, alle in altelfischer Schrift gehalten, dass ein ungewünschter Gast, sie nicht gleich zu lesen vermochte.
Und auf einem der Tische thronte die Beute seines letzten Einbruches, nicht nur all die arkanen Gegenstände, die Substanzen und Reagenzien, nein auch sein Siegelring ruhte dort und allein dieser Anblick ließ sein Herz höher schlagen. Immer wieder glaubte er seinen Namen in der Luft zu hören, seinen wirklichen Namen, nicht den Rang und den Titel, die er sich angeeignet hatte. Kein Fürst Mondflüstern wurde gerufen, sondern der, der er schon von Geburt an war, den er nie vergessen hatte. Sicher, der Name Hasuvar blieb bestehen, doch alles andere war Vergangenheit, schon lange bevor er das erste Mal nach Cauldron gekommen war und einzig noch der Ring erinnerte an diese. Schwermütig hinkte er in Richtung des Tisches, während der Kater an seiner Seite sich löste und mit einem geschmeidigen Satz auf den Sessel in diesem Raum sprang. Einige Momente auf den Kissen herumtrampelte bis er sich niedersetzte und von hier oben aus den Mondelfen beobachtete.

Mehr als heftig versuchte Loririon den Ring von seinem Finger zu ziehen. Nein er hatte nicht wieder vergessen, was dieser Ring mit ihm anstellte und er hatte auch nicht den fremden Menschen vergessen, der ihn mit einem Zauber belegt hatte. Doch so sehr er sich auch bemühte, er vermochte den Ring nicht mehr von seinem Finger zu lösen, egal wie er daran zerrte und drehte, selbst als er glaubte sich schon selbst seinen Finger gebrochen zu haben, saß das Metall fest, als wäre es mit seiner Haut verwachsen. Und irgendwann siegte Loririons Vernunft, so dass er ab ließ von dem kleinen Schmuckstück, es mit einem strafenden Blick betrachtete.
„Ich soll dich einsetzen, wenn mein Leben gefährdet ist. Kann es nicht sein, dass du erst mein Leben gefährden wirst?“ Keine Antwort wie denn auch? Und kurz ließ er die Schultern sinken. Nein er würde diesen Ring noch loswerden und mit diesem aufmunternden Gedanken verließ er den Raum endlich durch die einzige Tür, die zu einem Flur führte.
Aufmerksam wanderte Loririon durch den langen, dunklen Flur, waren hier wenigstens die Spuren von Staub und Zeit zum größten Teil beseitigt, auch wenn er immer noch keine Anzeichen auf den Besitzer des Hauses fand. Trist und leer, wie alles zuvor, für einen Barden wirklich kein Ort, an dem er sich aufhalten wollte. Immer noch knarrten hier und dort Bretter, egal wie geschickt er versuchte sich zu bewegen. Sein Ziel in einer Ferne, die er nicht kannte, genauso wenig wohl wie sein Ziel.
Doch die eine offene Tür lies ihn hoffen und schließlich auf jene zu steuern. Zu gerne würde er wissen wo sein Rapier sich befand, seine Dolche lagen noch in der Höhle des Abolethen, doch sein Rapier, er war sicher es noch bis hin zum Brunnen, bei sich gehabt zu haben. Ohne Waffen fühlte er sich wehrlos, nach all den Angriffen wohl verständlich. Nun gut, leicht straffte er die Schultern, ihm blieben seine Lieder und seine Zauber und wieso sollte ihn Jemand heilen, nur um ihn dann doch noch sein Leben nehmen zu wollen?
Erstaunt nahm Loririon das kleine Labor war, ließ den Blick über die spärliche, aber äußerst praktische Einrichtung huschen und hier fand er endlich die Anzeichen von Leben. Konnte es sein, dass er in dem Hause eines Magiers oder Alchemisten war. Doch bisher hatte er nur einen Magier kennen gelernt, diesen Rothillion und dessen Gemächer befanden sich im Anwesen des Fürsten Cauldrons, so dass er nun doch nicht wusste in wessen Reich er sich befand. Es sollte sich ändern, denn hörte er Schritte und erspähte schließlich die Gestalt, die weiße Kleidung, die ihm vertraut vorkam und schließlich klang das Klirren eines Glases an sein Ohr.

Fürst Mondflüstern war viel zu sehr in seiner Arbeit versunken, betrachtete nachdenklich einige der Phiolen um diese abschätzend in seiner Hand zu drehen und schließlich laut zu seufzen. Was er zu tun hatte war mehr als klar, der Plan strahlte hell erleuchtet in seinen Gedanken und doch war das kleine Gefühl von Furcht nicht beseitigt. Erst als der Kater, welcher immer noch auf dem Sessel thronte leicht den Kopf zur Seite drehte, die Ohren bedrohlich an den Kopf zog, wurde er sich gewahr, dass er nicht länger allein sein konnte. Kelsey? War er doch erwacht, trotz des Schlaftrankes? Nein, dies konnte nicht sein und ein leichtes Zittern durchlief ihn. Er ahnte, wer sich dort befand, an der Tür, ihm so die Fluchtmöglichkeit raubte und wie am Morgen, war es Panik, die sich seiner bemächtigen wollte.
Nur schwer konnte er sich zusammenreißen, den Blick langsam wenden, hin zum Türrahmen, dort wo er die Gestalt des Sonnenelfen ausmachen konnte und heftig pressten sich seine Kiefer aufeinander. Wie von allein rutschte die Phiole aus seiner Hand und mit lautem Klirren zerbrach das Glas. Unheilvoll die rote Flüssigkeit, die sich schnell ausbreitete und bald schien der Tisch in Drachenblut zu schwimmen. Zu spät die Versuche, das Unheil wegzuwischen und so ließ es Fürst Mondflüstern auch bleiben.
Nein viel mehr beobachtete wie sich die Gestalt der Bergkatze streckte und schließlich fast provozierend langsam erhob. Ähnelte der Kater einem schwarzen Panther, nur sein Fell glänzte wie warmer Sand in der Sonne und geschmeidig umrundete das Tier, dass ihm bis zur Hüfte ging, den Sonnenelf, den Kopf prüfend schief gelegt. Oh wie verraten fühlte er sich, als sein Freund, sein Begleiter den Kopf leicht gegen eines der Knie des Elfen stieß, so als wolle er ihn willkommen heißen.

Fasziniert, nichts anderes war er. Hatte er eben noch den erstarrten Fremden gemustert, sah er nun auf die große Raubkatze, die auf ihn zukam. Sicher ein anderer hätte versucht abstand zu waren, hätte Furcht gespürt, doch um die Lippen des Sonnenelfen zuckte ein leichtes Lächeln. Viel zu sehr erinnerte ihn die Raubkatze an seine Vergangenheit. Und so ließ er es schweigend zu, dass ihn der Kater umrundete, ihn von allen Seiten zu betrachten schien.
Schaue einem Tier nie in die Augen!
Der Rat seines Vaters hallte durch seine Gedanken, wurde hinfort gespült. An Albaraens Seite hatte er mehr Zeit gehabt, als sein Vater je haben würde, um diese faszinierende Wesen zu beobachten. Ihre Anmut und Geschmeidigkeit, die er so sehr bewunderte. Weiches Fell, welches die starken Muskeln verbarg, manchmal täuschte, was die Kraft eines solchen Jägers anging. Ein weiteres Mal ging jeder Ratschlag unter, als er sich an die Stunden erinnerte, die er damit verbracht hatte, mit solch einem Wesen zu balgen und wenn es eben der Tiergefährte des Waldelfen gewesen war, der diesem Kater hier so ähnlich sah. Intelligente Augen, die ihn musterten, den seinen Blick auffingen, ihn durchdrangen, als könnten sie tief hinab in seine Seele sehen und fast biss sich der Barde auf die Unterlippe. Das Grün der Wälder mochte er in den Augen des Katers finden und hier unterschied er sich wesentlich von dem Tiergefährten Albaraens, dessen Augen bernsteinfarben gewesen waren. Nein, grüne Augen hatte nur der Waldelf gehabt und ein schmerzliches Ziehen ging durch ihn, raubte ihm fast den Atem.
Schließlich stieß der Kopf des Katers sacht gegen sein Knie und leises tadelndes Brummen erklang, fast so als wolle es ihn zur Ordnung rufen, da er sich wieder dem Schmerz der Vergangenheit ergab. Und wie von selbst wanderte seine Hand in das samtweiche Fell, welches sich spielerisch an seine Haut schmiegte, ihm das Gefühl von Wärme und Geborgenheit gab.
So gern er auch weiter sich mit diesem Tier beschäftigt hätte, er konnte es nicht. Seine Gedanken waren beruhigt, glatt wie die Glasfläche eines Spiegels und doch hatte er nicht alles vergessen und von ganz allein wanderte seine eine Hand, an der sich der verfluchte Ring befand, hinter seinen Rücken, so als müsse er den Ring verbergen und erst dann hob er den Kopf an, um hin zu dem Fremden in der weißen Gewandung zu blicken.

Immer noch blieb der kleine bittersüße Geschmack des Neides, der Eifersucht, denn bisher hatte Cairlyn keinen so nah an sich gelassen, wie ihn und nun brauchte es nur einen Sonnenelfen und schon änderte sich dies. Hinzu zu diesem Geschmack blieb die lauernde Panik, die wie ein wildes Tier nur darauf wartete wieder ihre Pranken tief in sein Herz zu graben, ihn zu verjagen. Noch konnte er sie auf Abstand halten und wenn es nur eben wegen seines Neides war, denn so sehr er sich auch verraten fühlte, er kannte die Bergkatze, die nie etwas Böses akzeptieren würde, nie Jemanden, der ihm schaden wollte, dermaßen begrüßen würde.
Mit zitternden Händen beseitigte er einige der Glasscherben vom Tisch, bedachte den roten See aus Blut nur abfälligen Blickes, denn spürte er die neuen Blicke auf sich und beinahe wäre er wohl zusammengefahren, doch schließlich straffte sich sein Körper, die Schultern leicht erhoben, während er mit den blutbenetzten Fingern das Tuch vor seinen Gesichtszügen auf seinen Sitz prüfte. Es war nicht an ihm zu sprechen, dies war dem Sonnenelf überlassen und irgendwo in Fürst Mondflüstern keimten die Erinnerungen an frühere Etikette, an die üblichen Umgangsformen zwischen Elfen auf, so dass er missbilligend eine der blauschwarzen Augenbrauen anhob, schließlich war das Schweigen zwischen ihnen mehr als unhöflich.
Ein leises Räuspern zerriss die Stille und schließlich konnte Hasuvar eine leichte Verneigung des Sonnenelfen erkennen, bevor die Stimme mit festen, melodischen Worten an sein Ohr drang: „Ich grüße euch. Wie es scheint habe ich den Herr dieses Hauses vor mir?“ Die Gestalt des Sonnenelfen richtete sich wieder auf und schneller als es dem Mondelf lieb war, überbrückten einige Schritte die Distanz zwischen ihnen, verringerte sie. „Mein Name lautete Loririon Drachenatem, reisender Barde aus der Stadt Evereska, aus dem Hause Immershofer stammend und nun sagt mir, mit wem habe ich das Vergnügen?“
Aus Evereska, diese Stadt der Elfen sagte ihm etwas, auch wenn er sie nie oft besucht hatte und misstrauisch glitt sein Blick über den jungen Elfen, auch der Name Immershofer war dem Mondelfen geläufig und ein freudloses Lächeln huschte über seine schmalen Lippen. Selbst das Verhalten erinnerte ihn entfernt an den Fürsten Immershofer und immerhin genügte diese Ähnlichkeit um seine Panik weiter zu bekämpfen. Er rannte nicht sinnlos aus dem Raum sondern umrundete nur den schweren Holztisch um eine neue Distanz aufzubauen.
„Hasuvar Mondflüstern.“ Kein Rang, kein Titel, keines davon gab es zu nennen. Und so schwieg er.

Hasuvar.
Endlich, ja endlich hatte der Name ein Gesicht erhalten und ein Funkeln ging durch seine Augen, verstärkt vom goldenen Glanz. Er erinnerte sich an die Faszination, die er gespürt hatte, als er die Einträge in dem gestohlenen Buch gelesen hatte und doch wusste er nicht, ob diese Faszination noch anhalten sollte. Immer wieder versuchte er etwas mehr zu erspähen als den weißen Stoff, wurde aber enttäuscht, selbst die Augen blieben in den Schatten verborgen. Genauso wenig kam er damit zurecht, dass der Andere anfing auszuweichen für jeden Schritt, den er näher kam, zwei zurückwich.
Wie Katz und Maus verhielten sie sich, wobei dem Sonnenelf sicher nicht entging, dass Hasuvar mehr hinkte, als dass sein Schritt sicher und geschmeidig war und so lehnte er sich schließlich gegen einen der Tische.
Ich bekomme noch heraus was du verbergen willst.
Doch nun gab es etwas, das um einiges wichtiger war. Sicher das Gefühl wurde von dem Ring, den er immer noch trug verstärkt und dennoch, er war sich recht sicher zwischen eingeflüsterten Gefühlen und seinen eigenen Unterscheiden zu können und so hob er leicht das Kinn an um den fremden Elfen nur fast schon spöttisch anzublicken, ein leichtes höhnisches Lächeln zu zeigen, um anzudeuten, dass er die Flucht sehr wohl verstand und dass er sie unterbinden konnte, wann er wollte. Er bereute diese Geste schon beinahe, als er die kleinere Gestalt zusammenfahren sah und vor allem als er den Blick des Katers auf sich liegen fühlte. Diese grünen Augen, welche ihn förmlich durchbohrten.
„Ich möchte euch nicht zu nahe treten.“ Leise Worte, mit einem schon fast entschuldigenden Klang, der so gar nicht zu seinen Gesten passen mochte. Selbst sein Aussehen passte nicht zu seinem Auftreten, die zerrissene Hose, die zerstörte Tunika, er wollte nicht wissen wie sein Haar aussehen mochte und so schwieg er einen Moment, um schließlich leicht den Kopf zu neigen. „Ich danke euch, denn es scheint als würde ich mein Wohlergehen euch zu verdanken haben.“

Erleichtert stellte Fürst Mondflüstern fest, wie der Sonnenelf sein Ansinnen aufgab, ihn nicht weiter durch dem Raum folgte und bald spürte er die Wärme des Katers an seinem Bein. Die Wärme, die ein wenig den pochenden Schmerz in seinem Knie verdrängte. Wie gern hätte er sich einfach auf dem Sessel niedergelassen, um es zu entlasten und doch traute er Loririon nicht. Immer wieder schossen alte Bilder, Erinnerungen flackernd in seinen Gedanken umher, sorgten für das Chaos in seinen Gefühlen, dem er nicht gewachsen schien.
Den Spott kannte er, den Hohn ebenso und sie ließen ihn zwar zusammenzucken, sorgten aber nicht für neue Furcht, nein viel mehr entkam ein leises Knurren seinen Lippen, nicht hörbar für den jungen Barden. Besänftigt durch die Worte nickte er schließlich doch und hob nur langsam die zitternde Hand. „Ihr müsst mir nicht danken.“ Nein falschen Dank konnte er sich ersparen, alles was er wollte, war dass dieser Sonnenelf bald sein Haus verließ. Er wollte weiter seine Vergangenheit verdrängen, nicht mit ihr konfrontiert werden. Nun der junge Elf mochte nichts damit zu tun haben, aber allein sein Aussehen war mehr Erinnerung als Fürst Mondflüstern ertrug.
„Was ist mit dem Tiefling. Wo ist Kelsey?“
Die Sorge in der Stimme war ehrlich, soweit man es eben bei einem Barden beurteilen konnte und doch konnte er nicht zweifeln, so dass er schließlich seufzend nachgab und in Richtung der Tür hinkte. „Ich zeige es euch.“ So schnell würde er den Elfen wohl doch nicht loswerden und  Zeigen war immerhin noch besser als zu Reden, denn jeden Moment fürchtete er aus Angst seine Stimme zu verlieren.
Das Schweigen, welches sie bei dem Gang durch den Flur hätte begleiten sollen, wurde erfolgreich von dem Barden in die Flucht geschlagen. Loririon hatte beschlossen vorerst dem Fremden zu vertrauen, nun er hatte kaum mehr als einige Erzählungen, als die Schriften dieses Hasuvars und doch so leicht ließ er seine Faszination nicht fallen. Selbst das Hinken hinderte ihn nicht daran, denn hier war etwas geschehen, das man endlich aufklären musste. Flüchtig hatte er einen Blick in die hellen Augen erhaschen können, hatte wie gebannt das feine Türkis von Silber umrahmt betrachtet.
So war Hasuvar Mondflüstern sehr bald über die vergangenen Geschehnisse im Bilde, soweit Loririon es wagte sie zu erzählen. Berichtete er doch wirklich von dem Abend im Gasthaus, wie er zum ersten Mal auf Kelsey getroffen war und auch von seinen kleinen Meinungsverschiedenheiten mit Acharn Zephyr. Doch verschwieg er seinen Einbruch, die kleinen Details, die er schon selbst herausgefunden hatte und vor allem erzählte er nicht von dem Ring an seinem Finger. Dafür bekam Hasuvar eine genaue Vorstellung vom gemeinsamen Kampf der beiden ungleichen Wesen und ein oder das andere Mal wäre ihm wohl fast der Atem gestockt.
Wäre seine Furcht nicht immer noch anwesend, so hätte er wohl einige Fragen gestellt, doch er schwieg. Es war schon lange seine Art geworden zu lauschen, zu beobachten und sich so ein Bild zu machen. Dieser Loririon Drachenatem ließ sich in keines seiner Bilder einordnen, war für ihn nicht einschätzbar und doch eine kleine Stimme wisperte stetig gegen seine Panik, umschmeichelte ihn. Kelsey hatte sein Leben riskiert um den Elf zu retten, genau wie der Elf wohl das gleiche getan hatte, als er den Abolethen erledigt hatte. Vielleicht konnte er doch etwas in diesem Elfen finden, was er solange gescheut hatte. Jemanden dem er vertrauen konnte, durfte. Er wusste es nicht und noch war es besser Abstand zu halten, bevor er nur wieder verletzt wurde.

Knarrend ließ sich die Tür in seine privaten Gemächer öffnen und ein leichtes erleichtertes Lächeln huschte über die schmalen Lippen. Für einen Moment vermochte er die Anwesenheit Loririons zu vergessen, immerhin war Cairlyn bei ihm und würde Acht geben, so dass er seinen Blick auf den ruhig schlafenden Tiefling lenken konnte. Die Decke war ein wenig verrutscht und noch bevor er überhaupt nach dachte war er mit einigen Schritten nahe am Bettrand, eine zitternde Hand um die schlichte Decke gelegt, zog er jene mit großer Sorgfalt zurecht, konnte den Blick nicht von den Gesichtszügen nehmen.
Was Loririon dort beobachten konnte, verscheuchte den kleinen Gedanken daran, dass der fremde, verschleierte Elf etwas mit dem Halsband um Kelseys Hals zu tun hatte. Nein die wenigen Gesten, die er beobachten konnte, erinnerten ihn viel mehr an einen besorgten Vater als an einen Sklavenhalter. Und noch dazu es handelte sich hier um einen Elf, auch wenn dieser sein Gesicht verbarg.
Die Lippen aufeinander gedrückt beobachtete er weiter, als Barde hatte er gelernt zu beobachten, aus Gesten zu lernen, auf dass er sie später vollständig imitieren konnte und zwar so, dass sie echt wirkten. Doch diese kleinen Gesten waren nicht gespielt, wenigsten zweifelte er daran, denn die weiße wallende Kleidung ließ ihn kaum etwas erkennen. Sicher war sie genau dafür geschaffen worden und wie gerne hätte er geseufzt.
Leise Schritte führten ihn näher, die Augen auf den Kater gerichtet, der sich anspannte sich schließlich aber zurückzog. Fast hätte Loririon darauf geschworen, den Kater nicken zu sehen, aber so etwas konnte doch gar nicht sein. Einige Herzschläge lang betrachtete er jenes Tier, dessen Fell im fahlen Sonnenlicht sandfarben leuchtete, von Wärme und Geborgenheit sprach und wieder war der Blick aus den grünen Augen so durchbohrend, als wolle er ihm etwas mitteilen. Ein leises Wispern, doch er vermochte es nicht zu deuten, konnte es nicht verstehen, so dass er schließlich den Blick auf den kleinen Elfen richtete und ein weiterer Schritt ihn an dessen Rücken brachte.
„Was verbergt ihr Hasuvar Mondflüstern.“

Atem, der seinen Nacken streifte, leise Worte sanft umschmeichelnd an sein Ohr gedrungen und wie erstarrt richtete sich Fürst Mondflüstern auf. Ein Beben ging durch seinen Körper, war er unfähig sich zu bewegen und nur zaghaft wagte er es den Blick zu wenden, seinen Kopf anzuheben und in die funkelnden Augen zu blicken. Blau in schimmerndes Gold getaucht erwartete ihn, erzählte von Wärme und doch lag die Kühle auf den Gesichtszügen, die wie in Marmor gemeißelt wirkten. Es war diese Kühle, die Arroganz die ihn schließlich schaudern ließ, sein Herzschlag beschleunigte und mit einem hektischen Schritt zur Seite war er ausgebrochen, entfloh der Nähe.
„Was sollte ich wohl verbergen, außer einen Sonnenelfen und einen Tiefling, die Ärger am Hals haben.“ Immerhin fand er irgendwie die Stärke seine Stimme fest klingen zu lassen, seine Schultern leicht gestrafft, folgte er mit den blicken der Hand die auf Kelsey deutete: „Ich rede nicht von mir sondern ihm, ihr habt ihn an diesen Ort gebracht. Doch wieso? Ihr seid ein Elf, egal wie sehr ihr versucht euer Gesicht zu verbergen.“ Und wieder rückte Loririon näher, nutzte die kleine Überlegenheit, da er eindeutig das Beben des Anderen fühlte. Er würde das Warum hinterfragen, vielleicht verstehen, doch nun nutzte er es einfach aus. Ohne Probleme schaffte er es den Mondelfen gegen die Wand zu drängen, stützte beide Hände rechts und links neben dessen Gesicht ab.
„Ich warte auf eure Geschichte, eure Augen verraten euch.“ Das leise Grollen Cairlyns ließ ihn schließlich innehalten, es war nicht nötig, dass der Kater einschritt, denn noch mehr Schmerz wollte er nicht in die geweiteten Augen rufen, viel mehr trat er mit einigen geschmeidigen Schritten zurück an das Bett des Tieflings um lange zu Seufzen. „Ich stehe in seiner Schuld, wie in der Euren und zum einem Möchte ich helfen und zum Anderen möchte ich begreifen in was ich geraten bin, wieso man mir nach meinem Leben trachtet. Und ihr Hasuvar seid die Lösung, oder der Weg zur Lösung, denn mit euch begann die Geschichte in dieser Stadt.“
Und tatsächlich der Mondelf fing an zu reden, all die Jahre hatte er geschwiegen, doch nun erklang die leise Stimme, erfüllte den Raum mit Worten.




Regen übergoss sie, so dicht so stark, dass die einzelnen Tropfen kaum zu unterscheiden waren. Hasuvar glaubte schon, der Himmel hätte sich aufgetan um sie Beiden einfach hinfort zu spülen. Regen der die beiden Elfen mit sich riss, bis nichts mehr von ihnen übrig bleiben würde, doch diese düstren Gedanken schob er beiseite, genau wie den kleinen Gedanken, dass das Wetter in Tay um einiges freundlicher zu ihnen gewesen waren. Den einen Arm hatte der zierliche Elf um die weibliche Elfe geschlungen, die gut einen Kopf größer als er war und deren Gewicht zwar gering war, ihn dazu aber brachte immer wieder auf dem schlammigen Boden fast den Halt zu verlieren.
Viel zu weit waren sie fort von Silbrigmond, sicher die Stadt war gegen Teleportationszauber geschützt, doch zu seiner Schande hatte er mehr als kläglich versagt und sie waren irgendwo in der tiefsten Wildnis gelangt. Ob es nun daran gelegen hatte, dass er schlicht und einfach kein Magier war, dass er am Ende seiner eigenen Kräfte stand, da ihm diese Reise aller Kraft beraubt hatte und ihm einzig einige üble Wunden hinterlassen hatte, die nun seinen Körper zierten, oder dass er im Angesicht seines Erzfeindes der sich ihm offenbart hatte, als er den Spruch gesprochen hatte, einen Moment die Fassung verloren hatte, konnte er er nicht sagen.

Ja er hatte Cauldron verlassen gehabt, als der Siegelring an seinem Finger ihn dazu angetrieben hatte ihm das kleine Gefühl beschert hatte, dass Jemand seiner Familie sich in Gefahr befunden hatte. Und es hatte nur noch eine Person gegeben, die zu den Seinen zählte und nicht auf Evermeet weilte. Seine Reise nach Silbrigmond hatte er mit bangen Herzen angetreten, hatte sich keine Pause gegönnt, nur um feststellen zu müssen, dass seine jüngste Schwester schon lang nicht mehr dort geweilt hatte.
Der Ring war es gewesen, der ihn nach Tay geführt hatte. Hin bis in die tiefsten der Enklaven der roten Magier. Bilder alter Erinnerungen hervorgerufen worden, eine schmerzlicher als die andere gewesen und auch nun ließen sie sich kaum verdrängen. Hätte nicht das Leben seiner Schwester am seidenen Faden gehangen, oh er wäre dort geblieben, hätte sie Einen nach dem Anderen zur Strecke gebracht und wenn er dabei gestorben wäre.

Doch es war nicht sein Leben, welches zählte, seiner Familie, seiner Aufgabe. Ihr Leben war um so bedeutender als das seine, er mochte der Erbe eines schon längste vergangenen Hauses sein und dennoch war er als Hüter der Erinnerungen nicht so wertvoll wie sonst eine Person. Schon lange hatte er diese Vorstellung aufgegeben, damals in Tay.
Nein denke nicht daran!
Einige Male musste er blinzeln, bis er sich endlich wieder in der Gegenwart fand, wieder das Gewicht ihres Körpers auf ihrer Schulter spürte und fast wieder wären ihm die Füße auf dem Schlamm davon gerutscht. Die Götter hatten sich gegen sie verschworen, so mochte es scheinen und mehr als Einmal flehte er um Sonnenschein, dass sie Menschen trafen, die ihr zu Helfen vermochten. Das leise Stöhnen von ihr drang an sein Ohr und er hielt inne, wollte sie zu Atem kommen lassen.
Ihr Aussehen hatte sich kaum geändert, seid dem er sie aus der dunklen, stickigen Zelle befreit hatte und hätte er nicht ihren gewölbten Leib gesehen, ihren Zustand erkannt, er wollte nicht daran denken, welche Dummheiten er begangen hätte. Ihr Gesicht war nicht mehr weißlich, eher ungesund grau und der Atem ging flach, so flach, dass man ihn kaum noch bemerkte. Die sonst wunderschönen Augen geschlossen und zaghaft berührte er ihre Wange, flehte stumm um Vergebung, kam er sich doch vor als hätte er versagt.
Flatternd öffneten sich die matten blauen Augen, verschleiert von Schmerz und Erschöpfung und dennoch zierte ein Lächeln ihre eingefallenen Gesichtszüge, wanderte ihr Blick doch über die Gestalt Hasuvars und schließlich erlöste sie seinen schmerzenden Leib ein wenig von ihrem Gewicht, beugte sich hinab um einen Kuss auf seine Stirn zu hauchen. „Es wird mir bald besser gehen.“ Erschreckende Entschlossenheit, die den Mondelfen zittern ließ, denn fürchtete er, dass sie nichts Gutes zu heißen hatte und dennoch nickte er langsam. „Es wird dir besser gehen, sobald wir Silbrigmond erreicht haben. Nun komm ein wenig wollen wir weiter, solange bis ich einen Rastplatz für uns gefunden habe.“ Bisher hatte er kaum mehr tun können, als ihr seinen Umhang und all seine wärmende Kleidung als weiteren Schutz anzubieten.
„Es wird mir besser gehen, sobald ich um Vergebung gefleht habe.“ Hasuvar erstarrte und kopfschüttelnd schlang er die Arme um die Mondelfe, strich mit zitternden Fingern die nassen Haare aus ihrem Gesicht. „Amberle, es gibt Nichts zu verzeihen. Wenn du meinst ich hätte mich wegen dir in Gefahr gebracht, dann sei unbesorgt, ich würde mein Leben für dich geben.“ Und nun war er es, der ihr einen Kuss auf die Stirn hauchte, die Hand kurz auf ihrem Bauch ruhen ließ. Für sie und das ungeborene Kind, wäre er bereit noch viel mehr zu geben.
Zaghaft legte sich die Hand von Amberle um sein Handgelenk, schob seine Hand beiseite. Er war schon immer der ruhigste der Familie gewesen. Ein ungeschliffener Diamant, so bezeichnete ihr Vater einst ihren Bruder, voller ungenutztem Potential, unfähig es zu entfalten. Und doch in diesem Punkt hatte er sich geirrt. Hasuvar war ein sanftes Wesen, aber genauso zielstrebig und Tränen traten in ihre Augen. Wie sollte sie ihm nur die Scham gestehen, die Schande, die sie über ihn nun bringen würde?
„Töte es!“ Leise Worte, davon gerissen vom Wind, so dass er sie nicht verstand und fragend blinzelte er sie an. „Was hast du gesagt Amberle?“ Sie wollte dieses Kind der Sünde nicht zur Welt bringen, dieses Wesen, dass in ihrem Leib hauste und so suchte sie seinen Blick, wollte er erneut fordern, es zu töten, kaum wäre es auf der Welt, doch stattdessen verzerrte sich ihr Gesicht und ihr ganzer Körper verkrampfte sich vor Schmerzen. „Amberle?“
Ihr Bruder so unwissend und schwer ließ sie den Kopf sinken, gepackt von einem Neuen Krampf, konnte sie es nicht ein weiteres Mal aussprechen. Einzig die leisen Worte kamen über ihre Lippen: „Es ist soweit!“

Nur bei einer Geburt war Hasuvar bisher dabei gewesen und dies auch nur in den ersten Minuten, bis zu jenem Augenblick,an dem er recht unsanft von einigen Heilern nach draußen befördert wurde. Er erinnerte sich an die bangen Minuten, die er ausgestanden hatte. Die Zeit, die so zäh gewesen war, die Furcht um seine Frau, bis jener Schrei an seien Ohren drang, der Schrei eines Neugeborenen und das glückliche Lachen seiner Frau. Solange war es her und nun verfluchte er jene Heiler, die ihn unsanft hinaus befördert hatten. Nicht nur, dass er seiner Frau keinen Beistand geleistet hatte, nein ihre Erklärung, er würde nie selbst Geburtshelfer werden, war nun lächerlich geworden.

Ihre Schritte sollten stocken, er konnte die Mondelfe nicht weiter durch den Regen tragen, den Schutz, den sie unter einem mächtigen Baum fanden, konnte er nur als lächerlich bezeichnen und auf jede ihrer Wehe stieß er mehr als eine Entschuldigung von sich. Der bittere Geschmack der Furcht belegte seine Zunge, ließ seinen Mund taub werden und immer noch prasselte der Regen auf sie nieder und er konnte es sich nicht mehr vorstellen, wie das Gefühl war trocken zu sein. Ihr Griff quetschte immer wieder seine Hand und er empfand es als Wunder, dass er noch keine Knochen hatte splittern hören. Fast wäre ein Schmunzeln über seine Lippen gehuscht und doch viel zu Ernst war es, sie könnten gemeinsam Lachen, dann wenn alles hinter ihnen war.
Ein neuer Schrei brachte ihn dazu, zusammenzufahren und die Welt um sie herum zu verfluchen, denn Donner gesellte sich zu ihnen. Blitze erhellten die düstere Gegend, denn schon lange war der Abend eingebrochen und seien Hoffnung, dass sie jemand finden würde war verloren.
„Wir schaffen es, atme. Bald ist es vorbei!“
Wie oft hatte er diese Worte nun von sich gegeben? Wieso konnte er sie selbst nicht mehr glauben? Ihre Hand die seine umklammert und bei ihrem nächsten Schrei zuckte er zusammen, wie er es unter einem Peitschenschlag wohl getan hätte. Erst Jahre später würde er den Unterschied kennen lernen.
„Du musst es töten!“
Ungläubig konnte er nicht anders als den Kopf zu schütteln. „Amberle, nein.“ So ungern er ihr auch widersprach, er hatte es noch nie getan, so konnte er nun ihre Bitte nicht verstehen, konnte nicht nachgeben, auch wenn bei jedem neuen Donnergrollen, ihre Stimme erklang, ihn anflehte das Kind zu töten, jenes Wesen, das nicht mal das Welt der Licht erblickt hatte und nicht nur der Regen benetzte die fahlen Wangen der Elfe, nein denn Regen schmeckte nicht nach Salz und sie konnte einfach nicht das Warum ihm gestehen.

Irgendwann waren es Schreie, neue Schreie die die Stille durchbrachen. Neues Leben hatte das Licht der Welt erblickt und Hasuvar konnte kaum glaube, dass er daran Anteil genommen hatte. Erleichterung durchflutete den schmalen Mondelfen, sorgte für Tränen in seinen Augen. Tränen, die bald aus einem ganz anderen Grund fließen würden.

Hasuvars Atem stockte, konnte er nicht glauben was er da sah, dieses kleine Bündel Leben in seinen Händen, in den Händen voller Blut. Das Schreien, welches in seinen Ohren wiederhallte, immer lauter zu werden schien und die Augen des Mondelfen waren geweitet. Ein Tiefling? Nein aber, das durfte nicht wahr sein. Es würde nur eines bedeuten können und diese Qual, die seine Schwester erlebt haben musste, war unvorstellbar für ihn, ließ den Mondelfen fast aufschreien.
Die Hand, die seinen Arm berührte nahm er im ersten Moment nicht war, doch wieder erklang die leise Bitte, hervor getragen von schwachen Worten: „Wirf es in den Fluss.“ Und die glasigen Augen der Mondelfe glitten in jene Richtung, in der er rauschende Fluss lag, alles mit sich hinfort riss, so wie er auch dieses Kind hinfort spülen sollte.
„Nein das kann ich nicht.“ Es war ein Kind, egal wie gezeugt, egal warum, es war doch nur ein Kind. Ein kleines Lebewesen, dessen Geburt er miterleben durfte. Genauso schutzlos wie es sein Sohn gewesen war. Er würde es fortbringen, konnte er doch verstehen, wenn sie sich nicht an diese Tat erinnern wollte und jenes Kind war die lebende Erinnerung, aber bei Corellon er konnte kein unschuldiges Kind töten. „Amberle, bitte verlang dies nicht von mir.“
Unfähig sich zu wehren ließ er zu, dass sie ihn zu sich hinab zog. Kühler Atem der zitternd sein Ohr streichte, ihm einen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagte. „Es ist das Kind des Bösen, es wird dein Tod bedeuten, ich habe es gesehen, so wirf es endlich in den Fluss.“ Endlich ließ sie ab von ihn, sank ihr zierlicher Leib zurück auf den schlammigen Boden, der sich trotz des Regens um sie herum rot verfärbte. Ihre Bitte, ihr Wille, es waren wohl die letzten und sie hatte es erkannt, während Hasuvar dieser Wahrheit nicht in das Angesicht sehen wollte.
Während er noch versuchte ihr Leben zu retten, hatte sie aufgegeben. Das Kind in Stoff gewickelt, ruhte ebenso auf dem nassen Boden, während das Leben der Mondelfe entglitt. War ihr Lebensfaden schon längst durchtrennt. „lass mich nicht alleine nicht auch noch du.“ Sie waren alle gegangen und alleine blieb er, Hasuvar, die letzte Erinnerung an eine einst glorreiche Zeit, die schon so lange fern war, dass er selbst sie manchmal kaum noch vor seinen Augen sah. Vor allem nicht nun, in der Finsternis im Anblick des Todes. Einsamkeit, die sich seiner bemächtigte, als ihr Händedruck schwacher wurde, der Atem anfing zu stocken und immer noch stand ihr Wille, wartete sie, dass er zustimmen würde. Er konnte das Drängen in den mattwerdenden Augen sehen. Wer war er schon, dass er ihr auf dem Totenbett ihren Wunsch ausschlagen konnte? Und doch klammerte er sich an einen kleinen Halm, der kaum sein Gewicht zu halten vermochte.
„Du musst ihm einen Namen geben. Amberle ich kann kein namenloses Wesen dem Tod übergeben, wo soll seine Seele Frieden finden?“

Sie hatte es geahnt, sein Blick hatte ihn verraten. Der Schmerz in seinen Augen war mehr als greifbar und so schluckte sie. Nie würde er ihren letzten Willen erfüllen und kurz richtete sie ihre Augen auf das Bündel. Schreie, lag es doch ungeschützt im Regen, unter ihm der kalte Boden und nie würde das kleine Wesen die Warme Umarmung einer Mutter spüren.
Das Schicksal wird ihm Einen zur Seite stellen, der immer ein guter Vater war.

Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen, die blutleer geworden waren, sich anfingen bläulich zu verfärben, erkaltete ihr Körper und doch spürte sie nichts als Erlösung. Nur die Schuld würde sie begleiten. Sie zweifelte nicht an der Aufrichtigkeit ihres Bruders, an seiner Fähigkeit ein Kind zu erziehen, allein die Zweifel gehörtem dem Kind. Immer wieder spuckten die Erinnerungen an jenes abscheuliche Wesen durch ihre Gedanken, das sie mit diesem Kind versehen hatte. Der Schmerz, der Ekel, alles was sie gefühlt hatte, der Wunsch zu sterben, der nun gewährt wurde.
„Wasser, du musst es fortbringen,“ leise Worte, glitten kraftlos über ihre Lippen, als seine Arme sich schützend um sie schlangen. Sie spürte sein Beben, hörte das unterdrückte Schluchzen und wie gerne hätte sie ihm gesagt, dass alles wieder gut werden würde. Eines Tages wären sie wieder vereint, er wäre wieder mit seiner Familie vereint, gleich dass er sich nun verlassen fühlte, dass der Schmerz seine Brust sprengte.
Immer wieder drang sein Flehen an ihr Ohr, nicht zu gehen und doch würde sie den Weg beschreiten. Sie würde Liasanya grüßen und auch Belatir, wie gerne hätte sie es ihm gesagt und doch kein Laut wollte über ihre Lippen kommen nur ein lautes Seufzen. Immer noch hörte sie seine Stimme, wenn auch weiterentfernt und da waren sie wieder die Schreie des Kindes, vermischt mit dem Flehen, doch diesem Kind einen Namen zu geben.
„Kelsey.“
Ein letztes Wort und dann war ihr Atem versiegt, konnte sie ihre Warnungen nie wieder aussprechen und zurück blieben ein schreiendes Neugeborenes und ein Mondelf, der anfing an seinem Glauben zu zweifeln.

Seine Schritte unsicher und wankend hatten ihn hin bis zu dem reißenden Fluten des Flusses geführt und nur ungenau sah er durch den Schleier aus Regen und Tränen den Abgrund. Immer noch waren es Schreie des Kindes die, die Luft erfüllten, einfach nicht verstummen wollten und einige Momente starrte er einfach hinab in den Abgrund um schließlich seine Arme zu heben, das Kind über diesen Abgrund zu halten.
Vielleicht hätte er es geschafft, doch hob er seinen Blick, schaute fort von den Fluten in das Gesicht jenes Wesens, dem er den Tod bringen wollte. Pechschwarze Augen und doch waren sie so unschuldig und voller Tränen, erinnerten ihn doch an die seinen und ein neues Schluchzen erfüllte die Luft, stammte es diesmal nicht von dem kleinen Wesen, sondern von dem Mondelf, der kraftlos auf die Knie sank, beschützend das Kind an sich drückte.
„Verzeih mir Amberle, oh verzeih mir.“ Er war sicher, sie würde ihm nie verzeihen, dennoch würde er ihrem letzten Wunsch nicht nachkommen können und immer noch drückte er das Kind gegen sich, die Schreie verstummt, so dass allein die Schmerzen des Mondelfen zu hören waren, vom Wind fortgetragenes Weinen. Solange bis sich kleine Kinderhände in seinen Haaren vergruben, sein Flehen nach Verzeihung sich mit verzweifelten Lachen vermischte und er kniete wohl Stunden dort am Abgrund zu dem Fluss, der statt ein weiteres leben die Tränen mit sich fort trug, hin dort wo eine blutrote Sonne anfing sich gen Horizont zu schieben und langsam den Regen verdrängte. Erst nun fand er die Kraft wieder sich aufzurichten, zurück zum leblosen Leib seiner Schwester zu stolpern. So bemerkte er nicht die Gestalt an der anderen Seite des Ufers, sah die grünen Augen in der Ferne nicht funkeln, die sich auf ihn hefteten und ihn aufmerksam beobachteten.

Meine letzten Atemzüge,

mein letztes Kämpfen,

schon lang nicht mehr für mich.

Gefallen in Schuld, geweiht der Dunkelheit.


Angst vor Enttäuschung,

Angst vor meiner eigenen Furcht,

Angst Schmerz immer wieder zu erfahren.

All diese Nagst nur weil ich selbst die Enttäuschung bin


Bin nicht mehr glücklich in dieser Welt aus Hass,

umgekommen in Verzweiflung, Wut und Enttäuschung.

Verloren


Und doch werde ich leben,

meine Atemzüge werden länger.

Du ließt mich allein,

gestorben in meiner Schuld

Und nie wird mir verzeiht


Doch ich werde Leben,

werde Leben hüten.

Dieses leben, das ich nicht beenden konnte.


Verzeih mir,...
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast