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Quifanu Dunkles Herz

GeschichteDrama / P16 Slash
05.09.2006
14.10.2009
36
192.727
 
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05.09.2006 6.149
 
Fürst Mondflüsterns Herz schien für einen kleinen Moment stehen zu bleiben, nur um dann noch schmerzvoller als sonst weiter zu schlagen, es hüpfte auf und ab, wollte sich gar nicht mehr beruhigen. Dass Erste, was er sehen konnte, war der Körper des Tieflings, der über den Rand seines Brunnen hing, der Oberkörper samt Kopf hinab in das Wasser getaucht und langsam fing dieses bizarre Bild an sein Ende zu finden, verschwammen die Züge Kelseys, um sich nach und nach aufzulösen, bald würde er wohl ganz verschwunden sein. „Nein!“ Dieser Zauber durfte nicht fassen, nicht hier in seinem Heim, nicht hier, wo die alte Magie des Elfen noch wirkte. Und als hätte eine stumme Macht ihn erhört, erklang das Klingeln einer hellen Glocke und für einen Moment konnte man den Wall aus Schutzzaubern deutlich um sein Haus, seinen Garten erkennen, bevor wieder Stille einkehrte und immer noch der Tiefling im Brunnen hing.
Schnelle Schritte führten ihn über den unebenen Boden, immer dicht gefolgt von den Tatzen der Raubkatze an seiner Seite. Es wäre mehr als schmerzlich, dass seine Zauber noch wirkten und das Verschwinden Kelseys verhindert hatten, nur auf dass dieser nun in seinem Brunnen ertrank und mit aller Kraft die er aufwenden konnte, riss er diesen an seiner Schulter hinaus aus dem Wasser, nur um im nächsten Moment seine Augen zu weiten und keuchend einen Satz zurück zu machen.
Schließlich hatte das goldene Haar des Sonnenelfen hatte seine Aufmerksamkeit gefangen, während der Oberkörper des Tieflings wieder im Wasser versank und immer wieder schüttelte Fürst Mondflüstern den Kopf, als könne er nicht begreifen, wer oder was sich da in seinem Springbrunnen befand. Ein Zittern durchlief seinen schmächtigen Körper, eine Reaktion, die man sicherlich nicht von einem Mondelfen erwartete und dennoch, wie gerne wäre er nun umgedreht und schlicht zurück in sein Haus geflohen.
Sie haben dich gefunden.
Nur diese Tatsache beherrschte seine von Panik aufgewirbelten Gedanken, ließ ihn rückwärts davon taumeln, bis er über eine Unebenheit des Bodens stolperte und unsanft in das weiche Gras fiel. Doch auch nun endete seine Flucht nicht, egal der grünen feuchten Flecken, die in seiner Kleidung entstanden, egal des Grases, welches er knickte, während er rückwärts davon robbte. Erst als er das weiche Fell Cairlyns in seinem Rücken spürte, endete seine Flucht und ein neues Zittern durchlief ihn. Auch wenn er es widerwillig zuließ, dass der kräftige Leib der Bergkatze ihn zurück in Richtung des Springbrunnen drängte.
Im fahlen Sonnenschein der aufgehenden Sonne waren die Luftblasen, die neben Kelseys Gesicht aufstiegen, eindeutig zu erkennen, sowie deren versiegen und es war klar, dass der Tiefling so langsam aber sicher ertrank und dies konnte Hasuvar nicht zu lassen. So gut es eben ging rappelte er sich auf, erneut schlossen sich schlanke Finger fest um die Schultern und zogen den Tiefling aus dem Wasser. Beinahe wären sie Beide gestürzt, hinaus aus dem Brunnen doch schaffte es der Elf sich gegen diese Wucht zu stemmen und behutsam wandte er den Körper des Tieflings, auch wenn er dabei selbst halb über den Rand des Brunnen glitt und der Stoff seiner Kleidung sich bald voller Wasser getränkt hatte.
Der Anblick von Schleim war schon unangenehm, doch noch dazu die durchsichtige Haut zu sehen, die Knochen und Sehnen unter jener, war mehr als ein Schock und für einen Moment musste der Mondelf die Augen schließen, nur um dann doch einen Moment auf den fremden Sonnenelf zu schielen. Dieser befand sich wohl schon eine ganze Weile unter Wasser und zaghaft streckten sich die schlanken Finger auch nach diesem aus, wollten den Elfen zögernd an die Luft befördern, bis er verstand, dass der Brustkorb des Sonnenelfen sich gleichmäßig hob und wieder senkte, ganz so als würde jener völlig normal an Luft atmen und die Schleimwolke um diesen Elfen, war um einiges größer als die bei Kelsey. Die eine blauschwarze Augenbraue gewölbt, kräuselte sich die Stirn und fassungslos starrte Fürst Mondflüstern auf das bizarre Bild, konnte und wollte nicht begreifen, was da bei Labelas Enoreth vor sich ging.
So blieb er auf dem Brunnenrand starr sitzen, den Kopf des Tieflings auf seine schmerzende Knie gebettet. Dank der lustig vor sich hingluckernden Wasserfontäne waren seine restlichen  Kleider bald völlig durchnässt und ohne, dass es der Mondelf wusste, wurde so dafür gesorgt, dass genug Wasser Kelseys Haut befeuchtete. Sachte wanderten die zittrigen Finger über den Schleimfilm, ihn prüfend betastend um sich dann wieder von Schleim benetzt zurückzuziehen, während die hellen Augen zu der aufgehenden Sonne blickten. Bald bekäme er mehr als ein kleines Problem, noch herrschte in den Straßen Totenstille, doch nicht lange und sie würden sich füllen und Jemand würde unweigerlich das Treiben in seinem Garten bemerken.
Doch beim besten Willen, seine Kraft war nicht ausreichend um Kelsey aus dem Brunnen zu heben und in das Haus zu schaffen und selbst wenn war da noch das kleine Problem mit dem Sonnenelfen, denn eines verstand Fürst Mondflüstern, es würde den Fremden umbringen, ihn  in seinem Zustand ins Trockene zu befördern.

Unter anderen Umständen, zu einer anderen Zeit hätte er es nicht gescheut um Hilfe zu bitten. Einen Bewohner Cauldrons aufzusuchen, doch diese Zeiten waren Vergangenheit. Viel zu schmerzhaft saß der Verrat in seiner Brust, viel zu sehr musste er fürchten, nur noch Schlimmeren zu begegnen. Sie hatten es zu gelassen, dass ihm Schlimmes geschah, mindestens eine Person, die er kannte, hatte ihn schlicht weg verkauft und so scheute er die Hilfe anderer. Schon damals nach der ersten Begegnung mit Kelsey war in seiner Brust ein Feuer entflammt, der Wunsch zu Abysitor zu stürmen, an diesem zu rütteln bis er endlich die Augen aufmachte, ihm half, doch wagte er es nicht. Tyr war in seinen Augen nicht gerade ein toleranter Gott und nun gut Kelsey mochte Böses getan haben, aber immer noch glaubte der Mondelf an etwas gutes in dem Tiefling und so schwieg er.
Wochenlang verbarg er sich und seine gebrochenen Knochen, die er dank einiger Heiltränke wieder zu richten vermochte. Und verbissen hüllte er sich in Schweigen, auf der Suche nach der Wahrheit, die selbst für ihn so fern war, unerreichbar sich hinter dem Horizont verbarg. Er war eine Spielfigur in diesem ganzen Geschehen und dennoch mochte er nicht zu erkennen, wie hoch die Wogen um ihn schlugen, welche Intrigen sich um ihn entwickelt hatten. Kelsey war ihm auch keine Hilfe und ein leichtes Seufzen entwich seinen Lippen, bevor er erneut ein wenig des Schleims aus dem Gesicht des Tieflings entfernte.
Monate waren vergangen, Monate im stummen Schmerz und Unwissenheit und er hätte wohl schon längst aufgegeben, wenn es nicht der Tiefling gewesen wäre, der seine Nähe gesucht hätte. Eines Abends hatte dieser wieder vor seiner Tür gestanden, schweigend und mit der selben Kälte in seinem Herzen, doch endete es nicht erneut mit gebrochenen Knochen, mit einer blutigen Lippe und einer geschwollenen Wange konnte der Mondelf leben. Unregelmäßige Treffen hatten sich durch die Monate gezogen in denen sich der Schmerz und die Gewalt legte und sie beide anfingen sich wieder näher zu kommen.
Natürlich ahnte Hasuvar, dass Kelsey zu einem ganz anderen Unterfangen geschickt wurde, in jeder dieser Nächte und doch hatte der Tiefling es geschafft sich zum Teil von Rash`net zu lösen. Er konnte dem stillen Mondelf kein Leid mehr zu fügen und langsam hatten sie Beide angefangen den anderen zu verstehen. Auch wenn sie beide nicht erzählten was einst geschah. Hasuvar, weil er den Tiefling mit der Dunkelheit seiner Vergangenheit nicht belasten hatte wollen und weil er sich einfach nicht gewagt hatte und Kelsey, weil er es nicht zu tun vermochte. Das Halsband verhinderte Verrat, die Zauber auf ihm verhinderten es, dass er Rash`net auch nur irgendwie in Gefahr brachte und ohne den alten Zauber um das Haus, hätte er es nicht einmal geschafft sich soweit zu lösen können, dass er die Ruhe gefunden hatte, einfach einige Stunden bei dem Elf zu verbringen, ohne dass er zurück in den Trieb aus Hass und Wut gefallen war.

Der Gesang der Vögel erklang im fahlen Schein, kündigte vom Erwachen der Welt um sie herum und unsanft biss er sich auf die Unterlippe. Zu lange schon hatte er einfach nur abgewartet, sich gesagt er würde einen Weg finden und ruckartig errichtete sich Fürst Mondflüstern, ließ den Oberkörper des Tieflings zurück in das klare Wasser sinken. Nachdem er sich sicher war, dass der Kopf nicht auch versank bewegte er sich langsam um den Brunnen, bis er den Sonnenelf erreichen konnte. Kaum mehr hatte er bisher von diesem gesehen als die spitzen Ohren, die langen goldenen Haare und die eine Hand, deren bronzenfarbene Haut aus dem Wasser hing.

Die Welt um ihn herum schien nur noch aus Wasser zu bestehen, sowie seine Lungen wohl völlig mit dieser Substanz gefüllt waren. Etwas in ihm redete ihn ein, es sei gut, er wolle es nicht anders und endlich waren die Schmerzen verschwunden, doch gab es da einen kleinen Funken, der immer wieder aufglimmte ihm zu flüsterte wie falsch doch dieser Zustand sei. Etwas musste geschehen, doch was das vermochte er nicht zu sagen. Träge glitzerte die Oberfläche des Wassers, hörte er das Rauschen und Plätschern und als die ersten Sonnenstrahlen sich auf der Oberfläche über ihn brachen, fragte er sich wo er war. Kühler Stein schmiegte sich an seinen Körper, umgab ihn und grenzte ihn ein. Enge, nicht die Weite Freiheit eines Sees, nach dem es ihm verlangte. Und doch wieder war da das leise Flüstern, welches ihn beruhigte, ihm zu wisperte, ihn anhielt nicht in Panik auszubrechen und leicht kniff er die halbgeöffneten Augen zusammen.
Die Konturen unter Wasser bildeten sich scharf ab, konnte er genau die Unmengen an Schleim sehen, die in Fäden an ihm vorbei schwammen, doch alles jenseits des Nasses war unscharf, für ihn nicht sehbar. Viel zu hell war die glitzernde Oberfläche und nur ein Schemen, bestehend aus schwarzen Schatten zeichnete sich dort oben ab. Verschwommen wirkte etwas langes, das sich nach ihm ausstreckte und irgendwo in ihm erkannte er, dass es sich um eine Hand handeln musste, die ihn zaghaft berührte, durch die Mengen von Schleim fuhr und wie gerne hätte er eine Warnung ausgestoßen, doch als er seinen Mund öffnete war da nicht mehr als Wasser und Unmengen von Luftblasen fanden ihren Weg hin bis zu der glitzernden Oberfläche.
Eine Hand, die ihn berührte, nur zaghaft und doch reichte es aus, um den Schleim aufzunehmen und bald würde das nächste Wesen neben ihm im Wasser ruhen. Er konnte es nicht zu lassen, musste um Hilfe hoffen, nicht befürchten, sich in einem Gefängnis wieder zu finden. Und so bäumte er sich verzweifelt aus, schloss sich seine Hand um den Stoff des weißen Ärmels, bevor sich der Sonnenelf schwungvoll an die gefährliche Luft brachte.
Ein überraschter Laut wich von Fürst Mondflüsterns Lippen und er wäre wohl beinahe über den Rand des Brunnens gestürzt, als sich dass Wasser teilte. Der goldene Schopf zum Vorschein kam und funkelnd in der aufgehende Sonne glänzte. Perlen aus kühlem Nass spritzten in alle Richtungen davon und fest war der Griff des fremden um den Stoff der weißen Tunika, ließ nicht locker, zog daran um den Mondelf, näher zu bringen. Denn mehr als Schemen, von Schatten geformt mochte der Sonnenelf einfach nicht zu sehen, egal wie nah sein gegenüber ihm war, egal wie sehr er wissen wollte, wer ihm da nun begegnete.

Hasuvars Herz machte mehr als einen unregelmäßigen Satz, während er den schmalen Arm wand, sich versuchte aus dem Griff zu befreien. Panik, die wieder die Oberhand gewinnen wollte, es diesmal wohl auch schaffen würde, könnte er sich nicht endlich befreien und er konnte es nicht verhindern, dass er sich näher an die Wasseroberfläche bewegte. Die langen blauschwarzen Haare hinab in das Gewässer tauchten und schließlich sein Gesicht nah an dem des anderen Elfen war.
Im ersten Moment war der Reflex sich loszureißen, ja gar zu zu schlagen überwältigend. Bis sein Blick in die trüben Augen des Sonnenelfen wanderte. Das einstige Blau war milchig und glasig, wirkte gebrochen und der goldene Schleier völlig verdeckt. Augen, die nicht erkannten wo sie waren und die von Furcht sprachen.
Er ist so jung.
Sicher man konnte bei Elfen nie genau sagen wie alt sie waren, außer sie kamen in sein Alter, in dem man es wirklich sah, doch die Züge des Sonnenelfen, mochten zwar verzerrt sein, während Wasser aus dessen Mund quoll und seine Lippen stumm versuchten Worte zu formen. Aber der Mondelf war sich sicher, dass der andere um einiges jünger war als er. Und immer noch waren es diese flehenden Augen, die seine Befürchtungen zerstreuten, ihn langsam den Kopf schütteln ließen. Nein Kelsey hätte keinen zu ihm geführt, der eine Bedrohung wäre und vor allem wäre dieser Sonnenelf nie sonst soweit gelangt. Der Schutzzauber hätte ihn abgehalten.
Fast hätte er erleichtert geseufzt dank dieser Erkenntnis. Doch zwang er sich reglos zu verharren, beruhigend eine Hand auf die bebende Schulter des fremden Elfen zu drücken. Nicht mehr lange würde er sich diesen Kampf schweigend ansehen, nein er würde den Elf zurück unter das Wasser drücken, denn jeder Moment hier oben, raubte ihn sinnlos die Kräfte.

Er musste durchhalten, nur einige Momente noch das Gefühl ertragen, nach und nach zu ersticken. Den fühlte der Sonnenelf, wie sich seien Lungen leerten, das Wasser weniger wurde, welches seinen Hals zu erdrücken schien und verzweifelt versuchte er zu atmen. Es gelang ihm nicht und er wusste es würde ihm nicht gelingen, egal wie oft er es noch versuchen würde.
Welch abscheulichen Anblick musste er nur abgeben und für einen Moment war er dankbar, dass seine Augen versagten, er immer noch nur Schemen, Unterschiede in Licht und Dunkel, sah. Eine schlanke Hand berührte seine bebenden Schultern und wäre er selbst nicht so aufgebracht, so hätte er sicher ihr Zittern gespürt. Doch spürte er einzig ihr Gewicht, wie sie beruhigend auf ihm lag und ein leichtes Kribbeln schien er genau an jener Stelle zu spüren. Ein Kribbeln das recht bald seinen ganzen Körper überzog, das Gefühl von Wärme und einer Macht, die er kaum mit Worten beschreiben konnte, doch so schnell und unerklärlich wie es gekommen war, verging es wieder. Und er bemerkte wie die Hand versuchte ihn sanft, aber bestimmt wieder unter das Wasser zu tauchen. Sicher es war vernünftig, aber in der gepeinigten Welt des Sonnenelf war kein Platz für Vernunft.
Nur ein Wort. Corellon, stehe mir bei!
Erneut durchzog ihn die Wärme, als er sich auflehnend gegen die Hand stemmte und noch ein Schwall von Wasser drang aus seinem Mund. Er hörte die Worte des Anderen, das leise Bitten nachzugeben und doch ertrug er noch diesen nicht vorhandenen Atemzug, spürte wie endlich keine Flüssigkeit mehr seinen Hals belegt, seine Stimmbänder freigegeben wurden. Nur ein kleines Wort, in der Hoffnung, dass der andere ihn verstand. Wer auch immer es war, ihm helfen konnte. Ihm und dem Tiefling und so keuchte er schließlich: „Aboleth!“
Erst dann gab er dem Drängen der Hand nach und ließ sich zurück in die tiefen des Brunnens gleiten und matt schmiegte er sich an den kühlen Stein, lauschte dem Plätschern der Wasserfontäne und endlich beruhigte sich sein Atem, während seine Finger abwesend über den Stein wanderten. Blieb dem Barden nur die kleine Hoffnung, dass der Fremde ihn verstanden hatte. Und kraftlos schloss er die Augen, nach dem er einen letzten Blick auf die Beine des Tieflinges geworfen hatte, die mit ihm zusammen den Platz hier unter Wasser teilten.

„Aboleth!“
Ja doch, dieses eine kleine Wort sagte ihm etwas. Nicht umsonst waren die Jahrhunderte an Fürst Mondflüstern vorbei gestrichen und mit neu geweckten Ekel betrachtete er den Schleim, der sich in seinem Brunnen gesammelt hatte. Seine Fingerspitzen rieben sich prüfend zusammen und angewidert schnickte er mit der Hand, so dass der Schleim von diesen im hohen Bogen davon flog, triefend auf den feuchten Erdboden tropfte. Konnte es sein, dass seine Finger schon anfingen zu brennen und entgeistert starrte er auf diese, doch die gleiche durchsichtige Verfärbung, die Kelsey und dem Sonnenelf anhaftete, konnte er noch nicht entdecken. Dennoch er war sich sicher, es müsste jeden Moment geschehen und wie gebannt starrte er seine Finger an, nur um sich schließlich zusammen zu reißen. Er musste handeln und zwar mehr als flink, bevor ein neugieriger Blick eines Fremden zu viel erspähte und er bald eine aufgeregte Ansammlung von Menschen in seinem Garten hatte.
Mit einer raschen Bewegung, so rasch wie es seien steifen Knochen eben zu ließen, rutschte der Elf, der gerade mal 5 Fuß groß war von dem weißen Stein des Springbrunnens um zurück in sein Haus zu eilen. Wieder knirschte der Kies unter seinen Füßen und Gras knickte, doch auf einen geschmeidigen gang achtete er nun nicht mehr. Verzweifelt sah er sich auf dem einsamen Flur um, irgendwo hier hatte er sie doch abgelegt. Wo waren nur die Schriftrollen, die er von Abysitor erhalten hatte.




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Und das Zwielicht des Morgengrauens wandelte sich in gleißendes Licht. Soweit man den Sonnenschein in Cauldron denn für gleißend halten konnte. Und die ersten Anwohner traten aus ihren Häusern. Denn bald würde das Tagewerk beginnen und schon füllte sich die Straße hin zum Marktplatz.
Sowie auch eine der Händlerinnen ihr Haus verließ, leicht das Gesicht in das Licht der aufgehenden Sonne gereckt, den schweren Weidenkorb unter ihrem Arm geklemmt. Die Tage wurden nach und nach dunkler und bald würde sie ihren Weg schon im Dunklen gehen müssen. Nicht dass sie sich fürchtete, immerhin glaubte die Händlerin kaum an das Geschwätz, an die Geschichten über Dämonen und Monster. Und doch war es beruhigender im Licht der Sonne zu gehen. Doch wer sollte ihr schon auflauern?
Kurz raffte sie den Rock ihres Kleides, überprüfte den Inhalt des Korbes, handelte sie mit feinen, erlesenen Kräutern, deren Duft frisch an ihre Nase drang, der sie beruhigte. Und schließlich erklangen ihre Schritte leise über den steinernen Felsboden. Rote Steine säumten den Wegesrand, vertraut und schon immer da, während sie über den Tag nachsann. Vielleicht würde sie einige Kräuter wieder an den Tempel verkaufen können, seid einiger zeit war auch Fürst Mondflüstern einer ihrer Kunden. Auch wenn die meisten Menschen mittlerweile die Nähe des stillen Mondelfen scheuten, sie ihn als verflucht bezeichneten, so konnte sie nicht davon sprechen. Nein einzig und allein verstand sie nicht, wieso der Mondelf immer sein Gesicht verschleierte und auf die Gerüchte seines entstellten Gesichtes gab sie nichts, nicht so lange sie es mit eigenen Augen erblickt hatte.
Er war ein guter Kunde, immer höflich nie ausfallend und sein Wissen war um so größer als dass ihre. Hatte er ihr gezeigt wie sie selbst in dieser kargen Gegend so manch nützliche Pflanze züchten konnte. Nun gut seien Wünsche waren manchmal ausgefallen und sie hatte schon so einige reisende Händler bemühen müssen, um an die seltenen Kräuter zu gelangen, doch das Gold war die Mühe wert.
Leise raschelte der Stoff ihrer Röcke, als sie um die nächste Ecke begab. Nur auf dass die träumerische Händlerin über etwas auf dem Boden stolperte. Leise klackten die Absätze der Schuhe, während sie ihr Gewicht ausbalancierte, so verhinderte dass sie zu Boden stürzte und missbilligend schüttelte sie den Kopf , schallte sich selbst besser acht zu geben. Erst nun sah sie überhaupt nach über was sie da beinahe gestolpert wäre und der Atem stockte ihr.
In der Nacht waren so manch Kämpfe gefochten. Und es war nicht nur das helle, rote Blut des Barden, welches den ausgezehrten Boden tränkte. Nein dieser hatte jede Verletzung teuer vergolten. Sich seiner Hinterhalte erwehrt und so manch eine Leiche säumte nun die gewundenen Wege, rotes Blut auf rotem Fels, denn die Gilde der Schattendiebe hatte es nicht geschafft alle Leichen zu beseitigen. So auch jene. Ein Mann, dessen leblose Augen auf die geschockte Händlerin gerichtet schienen und dessen Kehle säuberlich durchtrennt aufklaffte. Schon lang floss kein Blut mehr aus dem toten Körper und endlich, nach dem die Händlerin sich gefangen hatte, erklang ein entsetzter Schrei durch die Straßen und dies sollte nicht der einzige Schrei sein, denn noch mehr Leichen würden an diesem Morgen gefunden werden.




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„Kelsey!“ Ein leichtes Rütteln an seiner Schulter ließ ihn zusammenfahren, holte ihn zurück aus der tiefen Dunkelheit, die ihn bisher umgeben hatte und missmutig verzog sich sein Gesicht. Wieso? Er konnte sich nicht erinnern, warum er erneut in die Dunkelheit einer Ohnmacht gefallen war und nur träge versuchte er dem Rütteln an seiner Schulter zu entgehen, doch erneut klang die Stimme, die seinen Namen rief. „Kelsey, komm zu dir!“ Und dann erst wurde es ihm wieder bewusst, flackerten die Erinnerungen an die vergangenen Kämpfe auf, wie er sich zurück in Hasuvars Haus geschleppt hatte und schließlich in den Brunnen gefallen war.
Husten und nach Luft ringend richtete er sich auf. Schließlich hatte er doch verloren und die Besinnung war ihm geraubt worden, dies konnte nur Eines bedeuten, er war zurück in Yudirune. Aber seid wann war es dort so nass? Triefend schüttelte er die schwarzblauen Haare, auf dass die Wassertropfen gerade so um ihn spritzten, er ein missmutiges Brummen erntete und langsam öffneten sich die flatternden Augenlider, nur auf dass er direkt in die aufgehende Sonne starrte. Nein dies hier war nicht Yudirune und sehr zu seiner eigenen Verwunderung befand er sich immer noch in dem plätschernden Springbrunnen, der stetig Wasserfontänen auf ihn hinab prasseln ließ.
Träge blickte er leicht zur Seite, versuchte seine Gedanken zu ordnen, verstand er schließlich nicht, warum er noch immer in dem kühlen Nass des Brunnen verweilte. Und skeptisch beobachtete er den Sonnenelf, der sich gerade mit dem Oberkörper über den Brunnenrand lehnte und sich nicht gerade anmutig übergab. Abgesehen davon, dass nur Wasser seinen Mund verließ, war dieser Anblick dennoch keine Augenweide.
Viel interessanter war da, die völlig in weiß gehüllte Gestalt und mittlerweile wusste Kelsey, wer es war, der sich dort immer hinter all den Stoffschichten verbarg. Und vorsichtig erhob er sich, auch wenn Schwindel es war der ihn erfasste und er einige Momente blinzelte, gegen die schwarzen Punkte vor seinen Augen ankämpfte. Immerhin fand sein Teufelsschwanz zum Leben zurück und aufmerksam kringelte sich dieser, stahl sich aus dem Wasser hinaus, während Kelsey noch misstrauisch sein Gesicht betastete, erleichtert seufzte Dank der kleinen Tatsache, dass er keinen neuen Schleim mehr entdecken konnte, außer jener der wabernd um ihm im Wasser schwamm und angewidert sprang er mit einem Ruck aus dem Brunnen um auf dem feuchten Gras auszurutschen und unsanft auf den Boden zu fallen.

„Atme!“ Sanft klang die Stimme und doch ließ sie keinen Zweifel, dass er genau dies zu tun hatte. Sich sträubend, war der Sonnenelf einige Male wieder unter Wasser geglitten, hatte um sich geschlagen,bis er sich doch fügte, zuließ dass man seinen Oberkörper aus dem Wasser drängte und nun konnte er nicht anders als sich übergeben, während seine Augen sich schärften und die Konturen langsam Gestalt annahmen.
Ein Fremder weilte an seiner Seite, drückte leichte eine schlanke Hand auf seinen Rücken, während eine andere ihn an der Schulter hielt, so dafür sorgte, dass er nicht einfach aus dem Wasser stürzte. Atmen? Wie bitte schön sollte er atmen? Und immer wieder drang die Stimme an sein Ohr, wisperte ihn zu nur ein wenig durchzuhalten.
Matt hob der Sonnenelf den Kopf an, störte sich nicht an den langen goldenen Strähnen, die in seinem Gesicht klebten, die anmutigen Gesichtszüge verbargen. Bald schon musste er feststellen, dass etwa nicht mit ihm stimmte, oder eher dass wieder alles so war wie es sollte Frische Luft füllte die geleerten Lungen, war nicht länger ein Grauen für ihn, auch wenn er sich immer noch übergeben musste.
Als der fremde Sonnenelf endlich wieder nach Atem schnappte, dies auch bekam, konnte Hasuvar von ihm ablassen. Flink zogen seine Hände sich zurück, so als wäre jede zu lange Berührung eine stumme Gefahr. Vor allem jetzt wo sich der Elf erholte. Ein schiefes Lächeln huschte über Hasuvars verborgene Lippen, die Spruchrolle hatte es wirklich geschafft die Beiden zu heilen. Ja auch ihn, denn das Kribbeln in seinen Fingern war vergangen und bald würde er diesen verfluchten Schleim aus seinem Brunnen schaffen und so die letzten Spuren dieser Nacht beseitigen.
Die Nacht war vorbei, doch auch der Morgen brachte keine Ruhe. Ruhe, nach der er sich so sehr sehnte und so blieb ihm nichts als leise zu seufzen. Erschöpfung übermannte ihn und doch war noch lange nicht alles getan, er würde Kelsey nun nicht einfach wieder gehen lassen. Zu nah war die Furcht, die stumme Angst, die er nie aussprach, dass er ihn ein letztes Mal gesehen hatte. Und nach dieser Nacht wuchs ins Unendliche, denn hätte der Fremde, der ihnen dies alles antat, der dessen Namen er nicht kannte, dessen Gesicht verschleiert war, Kelsey geholfen? Schmerzhaft wurde ihm wieder bewusst, wie wenig er doch zu wissen vermochte. Und nun wo er endlich nach langen Wochen, die er mit mühsamen Einbrüchen verbracht hatte, all die Dinge zusammengetragen hatte, die er benötigte, da konnte er Kelsey nicht gehen lassen.
Spürte er den Blick des Tieflings und langsam drehte er den Kopf, wagte es diesem Blick zu begegnen. Ein Blick in schwarze matte Augen und doch meinte er dort etwas schon längst verloren Geglaubtes zu erspähen. Ein kleines Glitzern und dazu Anzeichen von Furcht, Angst, wovor er mochte es nicht zu sagen, aber dies war nicht die eisige Kälte, die er sonst zu sehen bekam. Das schmale Gesicht verzogen, kauerte der Tiefling auf den Boden, die Augen leicht geweitet und er konnte nicht anders als zitternd seine Hand auszustrecken. Vergessen war der fremde Sonnenelf, der sich gerade mühevoll daran machte dem Brunnen zu entsteigen und ihm dabei nahe kam.

Kelsey spürte das Zittern der Hand, als seine Finger sich um die angebotene schlangen. Konnte es sein, dass es schlimmer als sonst war? Er war sich nicht sicher und glaubte er kaum, dass dieser schwacher Griff ihm eine Stütze war. Dennoch ließ er es zu, auch wenn er sich eher allein aufrichtete, sich einfach nur den weg zeigen ließ und als er den Blick in die Augen Hasuvars wandern ließ, bemerkte er zum ersten Mal seid langer zeit, dort wieder das verdächtig feuchte Glitzern.
Wie gerne hätte er dem Mondelf den verfluchten Stoff davon gerissen, auf dass er die Gesichtszüge sehen konnte, in ihnen zu lesen vermochte. Doch beherrschte er sich. Seine Lippen öffneten sich, wollte er doch erklären, dass er endlich zu gehen hatte. Schließlich war er viel zu spät dran und mit jeder Minute würde die Strafe härter ausfallen, so wie er schon glaubte, dass ihm das Band um seinen hals bald die Luft abschnüren würde. Doch Etwas hielt ihn. Der Zauber auf ihm hatte nicht gewirkt. Er hätte doch schon längst in Yudirune sein müssen und war es nicht. Benommen stellte er fest, dass seien Hand immer noch die Hasuvars umschloss und nur widerwillig löste er sich, setzte erneut an, diese kleine Worte zu sagen. „Ich muss gehen.“ Und erneut kam er nicht dazu, deutete die Hand, deren Haut sich unter dem weißen Stoff der Handschuhe verbarg auf den Sonnenelf, der gerade aus dem Brunnen stolperte und dessen Knie weich wurden, so dass er sich am steinernen Rand zu halten hatte.
Die Haut des Barden war wieder dunkel geworden und verblüfft stellte Kelsey fest, dass auch die Wunden am Rücken verheilt waren. Seid wann besaß Hasuvar solch mächtige Magie? Und wieso nutzte er sie dann nicht, um sich selbst zu heilen? Das Zittern in seinen Händen zu unterbinden? Wie auch sollte Kelsey verstehen, dass es mehr dazu benötigte als einige Schriftrollen? Unverständnis zeigte sich auf seinem Gesicht, wurde noch größer als ihm das Verhalten des Mondelfen bewusst wurde, als er den Abstand bemerkte, den Hasuvar förmlich vor dem Sonnenelf suchte. Schweigen, wie lange hatte er schon geschwiegen? Erst an diesem Morgen viel es ihm auf, dass er nie gefragt hatte, was geschehen war. Es war auch soviel einfacher gewesen, sich in seine Wut zu steigern, als unangenehme Fragen zu stellen. Immer noch glaubte er sich aus den Augen eines anderen zu sehen. Und wieder bemerkte er den Ring an seinem Finger nicht, dessen Stein türkis verfärbt war.
Er musste endlich gehen! Und doch lauschte er den leisen Worten des Mondelfen, der verzweifelt seinen Blick in den Himmel wandte, dort hin wo die Sonne sich über den Horizont geschoben hatte. Es war ein Wunder, dass sie noch Niemand bemerkt hatte. Keiner von ihnen wusste, dass die Leichen verteilt auf den Straßen dafür gesorgt hatten, lockten sie die Neugierigen doch fort an ganz andere Orte. Es gab nur sie, den Garten und den Gesang der Vögel, der sie nie verraten würde.
„Bitte, hilf ihm!“

Selbst wenn er es gewollt hätte, so hätte es Fürst Mondflüstern nie vermocht. Er war mindestens einen Kopf kleiner, als der hoch gewachsene Sonnenelf und das Sprechen der Heilzauber hatte ihm einen Teil seiner Selbst gekostet, anders konnte er es nicht erklären was passiert war, als die Spruchrolle sich in helles Licht wandelte und schließlich zu Staub zerfiel. Nun konnte er die Zweifel in Kelseys Gesicht sehen, musste fürchten, dass jener jeden Moment einfach die Flucht antrat und das konnte er nicht zu lassen. Um so erleichterter war er, dass der Tiefling wirklich auf den mitgenommen Sonnenelf zu trat und einen Arm um dessen Hüfte schlang. Das leichte Sträuben ignorierte er einfach, vergalt es mit einem drohenden Knurren und seltsamerweise konnte Fürst Mondflüstern das kleine Lächeln auf den Lippen des Sonnenelf sehen.

Mühsam war der kurze Weg für die Drei, einzig Cairlyn stolzierte erhobenen Kopfes neben dem Mondelf hinter her. War ihm eine stumme Stütze und gleichzeitig ein aufmerksamer Beobachter. So als würde er dem momentanen Frieden nicht trauen. Misstrauisch lag der intelligente Blick auf dem Tiefling, der Kater hatte keine einzige Tat schließlich vergessen. Jedes noch so kleine Vergehen gegen seinen Schützling, prägte das Verhalten des Tieres, das nur missmutig schnaubte, als der Sonnenelf seinen Platz auf den Kissen des Sofas fand. Nahe des Kaminfeuers, hieß Fürst Mondflüstern den Tiefling, Loririon dort abzulegen und es dauerte keine zwei Atemzüge lang, als die Augen des jungen Elfen sich schon wieder trübten. Nichts Anderes hatte Fürst Mondflüstern erwartet, denn nach der Rückverwandlung brauchte der Sonnenelf vor Allem Eines und dies war Schlaf. So konnte er ungehindert den Tiefling in Richtung seines eigenen Schlafzimmers drängen.

„Ich muss gehen!“ Endlich hatte Kelsey die Worte herausgebracht und nun wo Alles getan war, da konnte er selbst nicht anders als zu zittern. Viel zu mitgenommen hatte ihn diese Nacht, deren Spuren sich wohl nie völlig beseitigen ließen und hilflos starrte er hinab in das Gesicht des Mondelfen. Wie viel Unrecht war nur geschehen? Heiße Scham überkam ihn, brannte ihn fast völlig aus und ein kleines „Es tut mir leid“ würde es nie wieder gut machen. Nicht den Schmerz nehmen, den er verursacht hatte.
Und doch verurteilten ihn die Augen seines Gegenübers nicht, konnte er immer noch dort die Wärme von einst finden. Wie konnte er nur? Fast hätte ihn sein Unverständnis zurück in seine Wut gejagt, aber dies konnte er nicht zu lassen und so sah er sich hilflos in dem Raum um. Lies den Blick über die Möbelstücke wandern. Es stank nach Krankheit, überlagert von dem Geruch exotischer Kräuter, die sich auf dem schweren Arbeitstisch ausgebreitet hatten. Das Licht der fahlen Morgensonne, gedämmt vom Nebel drang durch das große Fenster, tauchte den Raum in eine angenehme Helligkeit und doch verscheuchte er nicht alle Düsternis. Kelsey konnte nicht sagen, ob dies an den einzelnen blutgetränkten Tüchern lag, die sich auf dem Boden verstreuten, oder an der kleinen Tatsache, dass der Raum tot wirkte. Trotz der Kräuter, trotz der einzelnen Schriftstücke die sich auf dem Tisch befanden, wirkte es nicht, als ob hier Jemand Leben wollte.
Früher waren hier Bilder, strahlende Kunstwerke, er konnte sich nicht genau an sie erinnern, doch er wusste sie waren einmalig gewesen und nun waren sie verschwunden. Mehr als das Nötigste an Einrichtung war nicht hergestellt und selbst das weiche Bett wirkte uneinladend. Verschwunden waren die Kissenberge, die er kannte, gab es nicht mehr als eine Decke und ein Kissen und entsetzt stellte er auch dort Spuren von Blut fest. Rotes Blut, welches der Mondelf viel zu oft hustete, dessen er nicht mehr Herr wurde.
„Noch nicht,“ sanft war die Stimme, so wie nach jedem ihrer treffen, versuchte ihn vom Gegenteil zu überzeugen und meist hatte er aufbrausend auf diese Ruhe reagiert, ihm war mehr als ein paar mal die Hand ausgerutscht. Wie Bizarr es nun auf ihn wirkte. „Ich kann nicht.“ Die Stimme des Tiefling war flehend, er musste gehen, am ende würde Rash`net nach ihm suchen und was dann geschehen würde, sollte er in dieses Haus eindringen, das wollte er sich nicht ausmalen.
Begreif doch ich will dich schützen!
Sie Beide wollten sich schützen und keiner war bereit es dem Anderen zu gestehen. Es hatte mehr als ein Gespräch nötig um die Mauern zwischen ihnen zu beseitigen, es würde mehr geschehen müssen, als das Kelseys Zorn von einem magischen Ring gedämmt wurde. Und schließlich drehte sich der Tiefling um, bereit zurück zu kehren, dort hin wo er hin gehörte, tief unter die Erde zu seinem Herrn.
„Ich lasse dich gehen, aber nur wenn du noch Etwas trinkst, eine Heiltrank.“ Hasuvars Stimme war tonlos geworden, der Blick leer und zu seinem Glück waren seine Gesichtszüge verborgen, denn was er nun vor hatte, dies konnte er sich nicht verzeihen. Erfreut sah er das leichte Nicken und schon humpelte er in Richtung seines Arbeitstisches, gefolgt vom Blick des Tieflings, dessen Teufelsschwanz zu Boden sank, der die Augen schloss, waren die steifen Schritte des Mondelfen mehr als er ertragen konnte.
Schuld, er war Schuld. Er wusste nicht was geschehen war. Doch genug Gespräche hatte er belauscht, um zu wissen, dass ohne ihn Rash`net sicher nie auf den Mondelf aufmerksam geworden war, dass ohne ihn Rothillion nie den Auftrag von Rash`net erhalten hätte, Fürst Mondflüstern zu beseitigen. Er verstand nicht, was so wichtig an ihm sein sollte, doch eines wusste er, er hätte nie geboren werden sollen.
Hell leuchtete der bräunliche Inhalt der Phiole auf, kaum kam sie aus den Schatten der Schublade zum Vorschein. Zitternde Finger drehten sie leicht im Licht, während mandelförmige Augen den Inhalt betrachteten, der nun im Licht der Sonne schon fast bernsteinfarben wirkte. Es musste einfach das Richtige sein. Und schweren Herzens drehte sich Hasuvar wieder seinem einstigen Schützling zu. Immer noch froh, dass seine Gesichtszüge verborgen waren, denn sie hätten ihn sicher verraten. So gab er sich Mühe, den hölzernen Boden zu seinen Füßen zu betrachten, als er die Phiole an Kelsey reichte und doch konnte er ein kleines schielen nicht verhindern. Beobachtete er so heimlich, wie der Tiefling den Inhalt in einem Schluck trank und schließlich nickte. Unachtsam flog das Glas auf den Boden, denn es ordentlich wegzuräumen hätte Kelsey nur noch mehr Zeit gekostet. Sie würden nie sprechen und er sollte nie wieder zurückkehren, genau diese Gedanken schossen dem Tiefling durch den Kopf. Vielleicht würde Loririon sogar Hasuvar mit sich nehmen, vielleicht hatte der Mondelf deswegen so seltsam auf den Barden reagiert. Und er konnte es nur gut heißen. Cauldron war ein Ort des Verderbens, er Kelsey war das Verderben und schwere Schritte führten ihn vorbei an den schmächtigen Mondelf, hin zu der Tür.

Weit sollte er nicht kommen, als seien Welt wieder anfing zu schwanken und verwundert blieb er stehen. Wände, die auf ihn zu kamen und erschüttert schüttelte er den Kopf, bei dieser Feststellung. Lippen, die versuchten Worte zu formen, doch keine sollten über diese kommen, nur ein unverständliches Gemurmel. Sein kopf so schwer, so träge. Und letztendlich fielen die Lider vor seine Augen, auch wenn er sie sofort wieder aufriss. Die Schritte des Elfen, die diesen neben ihn führten, hörte er schon längst nicht mehr. Und keuchend rang er nach Atem, während er immer noch versuchte gegen die Müdigkeit anzukämpfen.
Doch diesen Kampf sollte er verlieren, war er verdammt dazu und schließlich sank der Körper des Tieflings einfach in sich zusammen. Der halt wurde ihm beraubt, nur dass er neuen in den Armen des Mondelfen fand, die wohl schon auf ihn gewartet hatten, die sich schützend um ihn schlossen. Sicherheit. Doch er hörte das schmerzliche Aufkeuchen, war seien last viel zu schwer für den schmächtigen Elfen, der fast einen halben Schritt kleiner war als er und dennoch als er versuchte sich selbst zu halten konnte er nicht, so dass er es mit sich geschehen ließ, dass man ihn in Richtung des Bettes drang. Noch einmal einen Blick in die schuldbewussten Augen, die mit Silber gesprenkelt waren und dann schlossen sich seine Lider, ohne sich wieder zu öffnen und ein tiefer, traumloser Schlaf hatte ihn in seinem Griff.
So hörte er die leisen Worte nicht, die sanft in den Raum geflüstert wurden: „Es wird Zeit, dass das Blut unserer Familie nicht länger getrennt wird. Verzeih mir.“ Und hörte er nicht den lauten dumpfen Ton, als schließlich der Mondelf zu Boden stürzte, nicht länger in der Lage seiner Erschöpfung nachzugeben und Stille senkte sich über das kleine Haus Fürst Mondflüsterns, in dem einzig eine Bergkatze wache hielt, still sitzend neben dem zusammen gekrümmten Leib des Mondelfen, dessen Turban verrutscht war und auf dessen Lippen, trotz dem Geschehenen ein leichtes Lächeln zu sehen war.
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