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Quifanu Dunkles Herz

GeschichteDrama / P16 Slash
05.09.2006
14.10.2009
36
192.727
 
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05.09.2006 6.268
 
Die Nacht fast schon so Ende, so wie seine Kraft, er hatte die beiden Leichen gerade so hinter das Haus gezerrt, einige Äste über sie geworfen und hoffte nun, dass sie bis zur nächsten Nacht verborgen blieben. Die Chance war recht hoch, denn nur selten wagte es ein Besucher in seinen Garten und selbst wenn, so war der hintere Teil hinter dem Haus gelegen und seine Gäste hatten ihn an sich nicht zu betreten. Er musste einfach hoffen und zu Corellon und Labelas beten, dass sie ausnahmsweise die Hand schützend über ihn hielten. Und selbst wenn diese beiden Schurken entdeckt würden, sie waren Verbrecher er hatte genug Argumente um seine Tat zu erklären, nur wollte er es nicht, denn fürchtete er um sein Schauspiel, dass zu früh bemerkt wurde, dass er das Gift erbrochen hatte.
Kraftlos ließ der Elf sich wieder auf dem weichen Sessel nieder um den Kopf in seine Hände zu stützen. Elfen benötigten wenig Schlaf, schliefen sie nicht einmal wirklich, aber seine Kräfte waren erschöpft und den bald einbrechenden tag würde er Nichts tun, außer sich zu erholen. Es reichte, wenn er in der neuen Nacht wieder hinaus ging. Der Nachtfalke hatte noch eine Aufgabe zu erledigen und ein schiefes Lächeln huschte über die bleichen Lippen. Der Nachtfalke war ein Teil seiner Persönlichkeit, jener Teil, der es schon früh geschafft hatte, sich aus der Asche des Infernos zu erheben. Ein wenig verwundert über dass was sich noch in ihm verbarg, war er gewesen, in jener Nacht, in der zum ersten Mal die schwarze Kleidung anlegte und hinaus eilte, um seinen ersten Einbruch zu vollziehen.
Hasuvar kannte die Erzählungen über Elfen, die bei den Menschen ihren Ursprung hatten. Über den Rückzug seines Volkes, er selbst lebte nun schon so lange, das er mehr als ein Elfenreich hatte erblühen sehen, bis hin zu seinem bitteren Fall. Strahlend hell wie die Sterne und doch verdammt zu verblassen. Nie hatte er selbst die Stimme des Rückzuges vernommen, das Sehnen danach nach Evermeet zu gehen und die Reiche endlich den Menschen zu verlassen. Selbst nun würde er nicht gehen, er würde sich auch nicht mehr wohl fühlen, den Blicken eines anderen Elfen zu begegnen. Die Menschen mochten behaupten, dass jene Elfen, die noch in den Landen weilten selten geworden waren. Edelsteinen gleich, so selten wie sie und auch so wunderschön. Doch nicht nur die Schönheit von Edelsteinen, nein auch die Härte und den kalten Glanz trugen sie nun in ihren Herzen.
Zitternde Hände tasteten über sein weißes Hemd, schoben den Ärmel nach oben, während sie nachdenklich die feinen Narben am Unterarm nachzeichneten. Härte und kalter Glanz, nein er mochte sie nicht bei sich finden. Nur Sehnsucht die ihn vergehen ließ. Und seine Stirn legte sich in Falten während er jene tiefer Narbe nachfuhr, die sich an seinem Handgelenk ihren weg fand, sich über den Unterarm zog und dem verlauf der Ader folgte, in dem sein Blut floss. Sehnsucht, die ihm so manches Mal fast den Verstand geraubt hatte.
„Arvandor, erst dort wird es enden!“
Seine Stimme war leise, doch noch laut genug um die Aufmerksamkeit Cairlyns auf sich zu locken und langsam trugen die weichen Samtpfoten den Körper der Bergkatze auf ihn zu. Schwer war das Gewicht des Kopfes, der sich auf seine Knie sinken ließ und mandelförmige Augen blickten auf zu ihm, fingen seinen Blick ein, bevor die feuchte Nase missmutig gegen seine Finger stieß, diese entschlossen fort von der einen Narben schoben. Der Mondelf konnte gar nichts anders als leise zu lachen und schließlich schob er den Ärmel völlig nach oben, während die wachsamen Augen des Katers ihn beobachteten, die kühle nasse Nase beruhigend über seine weiße Haut strich.
So war es leichter zu ertragen, eine Hand in das sandfarbene Fell geklammert, streichelte er immer wieder durch dieses, ignorierte, dass die einstigen Zeichnungen auf seiner haut, damals elfische Runen, die von seiner Herkunft sprachen fast verblichen waren und auch hier Narben sich erstreckten. Sah es aus als hätte jemand mit einer Klinge Linien mit Blut gemalt, seine Herkunft vernichtet, auf dass die Narben von einer neuen sprachen und genau so war es gewesen.
Doch er schenkte all dem keine Beachtung sondern blickte nachdenklich in die grünen Augen seines Begleiters, so als versuchte er die Intelligenz in jenen zu verstehen, bis er leise seufzte und endlich der Ärmel seinen Oberarm freigab und er so auf die Wunde dort blicken konnte. Noch bevor die beiden Schurken ihn überfallen hatten, war er damit beschäftigt gewesen, genau jene Wunde angemessen zu versorgen. Nicht umsonst war er in Besitz einiger mächtiger Schriftrollen, die so manche Wunden verheilen mochten, in seinem Haus lagerten an verborgenen Stellen Heiltränke, genügend um eine ganze Abenteuergruppe für lange Zeit zu versorgen.
„Was meinst du, was dieser Magier da für einen Zauber gesprochen hat?“ Diese kleine Tatsache, dass der Kater mit dem sandfarbenen Fell noch nie geantwortet hatte, störte ihn schon lang nicht mehr. Nein er unterhielt sich mit jenem wie mit einem alten Freund und immer noch strich seine Hand durch das zarte Fell, entlockte dem Tier einige Schnurrlaute, bevor jener den Kopf schüttelte, den mächtigen Hals streckte und seine Nase nah an die Wunde brachte, fast als wollte es diese mustern.
Wieder entlockte dieses verhalten dem Mondelf ein leises, gedämpftes Lachen, auf dass sein Körper leicht bebte und sanft schüttelte er den Kopf, ließ zu, dass ihm einige der blauschwarzen Haare die Sicht raubten,da sie ihm vor die Augen fielen. „Ich wusste nicht, dass du nun auch Heiler bist.“ Und das leise Niesen des Katers konnte er nur als Protest nehmen, so dass er die Arme um den Hals des Katers schlang leise murmelte. „Du hast aber und aber Mal mein Leben gerettet, du bist mehr als ein Heiler.“
Und war es nicht auch so, denn Cairlyn war mehr als der Retter seines Lebens, war er der Balsam auf der geschundenen Seele und erneut kräuselte der Mondelf, seine sonst doch recht glatte Stirn, so dass die Falten ihn noch älter aussehen ließen. Schon seid Monaten war dieser Kater bei ihm, seit er den Hochwald verlassen hatte und nie hatte er verstanden warum und  woher sein Freund aufgetaucht war, doch auf diese Antworten konnte er verzichten, solange er nur die Anwesenheit nicht missen musste.
Schließlich ließ er sich aus dem Sessel drängen, bewegte sich steif durch den Raum, hin zum Kamin, dort wo eines seiner Verstecke sich befand. Schlanke Finger tasteten zitternd über den warmen stein, schmiegten sich an jene Unebenheit und schließlich hörte er das leise Klacken, öffnete jenes kleine Fach, um eine der gläsernen Phiolen zu entnehmen und diese im Schein des Feuers zu betrachten.
„Der Geschmack ist widerlich!“ Lange hatte er befürchtet, bei den Mengen an Heiltränken die er zu sich nahm, eines Tages abhängig von ihnen zu werden, doch immer noch verabscheute er sie, waren sie ein Zeichen von Schwäche, ganz zu schweigen von dem Geschmack und erst als sich ein weicher Kopf gegen sein Knie drückte, wobei er darauf achtete, nicht neuen Schmerz in den gepeinigten Körper zu verursachen, öffnete er die Phiole, leerte sie mit einem Zug um das Glas in die Flammen zu werfen.
Leises Knirschen, die Flammen färbten sich einige Momente bläulich und das Feuer flackerte heller auf, erstrahlte, um dann wieder fast zu erloschen, einzig die Warme Glut blieb zurück und endlich wohl schien die nacht vorbei. Spürte Fürst Mondflüstern das sanfte Prickeln in seinem Körper, die Erleichterung über die Linderung und bald würde sein Oberarm sicher verheilt sein . So dass er seine Hand wieder in das Fell Cairlyns vergrub, in Richtung der Tür deutete, dorthin wo der Gang zu seinen Schlafgemächern führte und es schien ihm so als würde der Kater nicken.
Schritte durch die Ruhe des Hauses, die Erwartung auf ein weiches Bett, einige Stunden zu ruhen, ließen ihn schlaftrunken werden. Eine leise Melodie erfüllte den Flur, hauchte Leben in das haus, welches immer noch halb wie eine Ruine wirkte, da sich der Fürst noch nie die Mühe gemacht hatte es wieder völlig herzurichten. Immer noch hatte der Staub in den meisten Räumen die Herrschaft und Soviel was einst wichtig war, lag nun unberührt von duzenden Staubschichten und Spinnweben verdeckt danieder.
Es war wie verflucht, denn zu seinem Bett sollte er nie gelangen, nein schon bevor er die Tür zu seinem Zimmer öffnen konnte hob Cairlyn den Kopf an, die Ohren flach an seinen Kopf gedrückt, stieß er ein leises Fauchen aus und schon huschte er davon, dorthin wo die Tür nach draußen führte und wie gerne wäre der Mondelf einfach im Boden versunken, hätte sich in einer der dunklen Ecken verkrochen. Wieso durfte er keine Ruhe finden?

Doch er beklagte sich nicht. Nein viel mehr eilte Fürst Mondflüstern dem Kater hinter her öffnete die Tür nach draußen um in das Zwielicht der Morgendämmerung zu treten. Das laute Platschen des Brunnens ließ ihn kurz stocken, wies ihm den Weg. Knirschender kies dort wo er seine Schritte setzte bis er wie angewurzelt stehen blieb.
„Kelsey!“ Der Tiefling hatte ein zweites Mal für einen Auftritt gesorgt, den der Mondelf so schnell nicht mehr vergessen würde, auch wenn sein Herz vor Angst fast stehen blieb.




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Missmutig starrten Kelsey dunkle Augen den gewaltigen Steinhaufen vor seinen Füßen an, so als würde es genügen ihn einfach anzublicken und er würde verschwinden, ohne die Kraftanstrengung, die dazu wirklich von Nöten, war aufzuwenden. Die Arbeit, die er zu verrichten hatte, war eintönig und keine willkommene Abwechslung von der Finsternis und Einsamkeit an diesem Ort, dennoch zuckte der Tiefling schließlich mit den Schultern und packte fester um den Holzgriff der Hacke in seiner Hand. Einige Momente lang stand er immer noch reglos da, als sei er sich nicht sicher, wie er dieses Werkzeug in seinen Händen zu führen hatte. Lauschte der bisher bestehenden Stille um leicht seine Stirn in Falten zu legen, schließlich ein lang gedehntes Seufzen über seine Lippen zu entlassen. Die Felsbrocken, die eher ein Schutt von Steinen waren, der sich vom Boden bis hin an die Decke des Ganges erstreckte, waren zum größten Teil selbst für ihn zu schwer und mit bloßen Händen, hätte er sie nie davon räumen können. Vielleicht würde sich alles als einfacher herausstellen, wenn ihm Jemand geholfen hätte, aber er war allein, so wie es immer sich gestaltete. Leise fluchend machte er sich nun wirklich an die Arbeit, denn es würde nur Ärger bedeuten, noch länger die wertvolle Zeit zu vergeuden.
Wertvolle Zeit? Es war ein spöttischer Gedanke, seine Zeit war nicht wertvoll, jeder Atemzug eine Verschwendung, genau dies hatte man ihn gelehrt und meist hatte er wirklich Nichts zu tun, streunte so wie in seiner Kindheit haltlos durch die langen, dunklen Gänge, erforschte die ein oder andere Kammer und schwieg in der Finsternis, fragte sich wann er denn wohl endlich völlig verstummen würde. Doch dann gab es natürlich jene Augenblicke, die er noch so viel mehr verachtete, als jene in denen er ohne Aufgabe war. Viel zu oft kam es für ihn vor, dass sein Herr auf die Idee kam, dass es genau jetzt Zeit für eines seiner Experimente war. Und hin und wieder sollte man es kaum glauben, hatte er auch eine Aufgabe zu verrichten, die so unangenehm war, dass sie kaum ein anderer freiwillig übernahm.
So wie in diesem Moment, einige Experimente der Taymagier waren nicht so gelaufen wie sie sollten und nicht nur, dass die Enklave an diesem Tag um eines ihrer Mitglieder beraubt worden war- Nein, der unglückliche Magierlehrling hatte nicht nur sich selbst in einer Flammensäule umgebracht, er hatte auch dafür Sorge getragen, dass ein großer Teil der Decke hinab kam und den Gang verschüttete. Zu Kelseys Dämmerlieds Unglück war dieser Gang aber der einzige, bisher bekannte Weg, zu einige der wichtigen Laboren Rash`nets und so war es dem Tiefling überlassen, dafür zu sorgen, dass der Weg in annehmbarer Zeit wieder frei geräumt wurde. Missmutig machte er sich daran, mit zuckenden Teufelsschwanz auf den Fels einzuhacken, erfüllte den finstren Gang so mit lauten hallenden Geräuschen. Minuten verstrichen, in denen sein Atem schwerer wurde, er einfach keine Vorgehensweise fand, um sich die Arbeit einfacher zu gestalten. Trotz allem,hörte er nicht auf, nahm keine Acht, dass seine Arme unter der ungewohnten Tätigkeiten protestierten. Erst als einige Steine der Decke anfingen sich zu lösen, diese und der Putz der Decke über ihn hinab zu rieseln begannen, schüttelte er nur verzweifelt den Kopf, wobei ihm die wirren Haarsträhnen in das blasse Gesicht fielen. Es konnte auch Nichts sich als einfach gestalten. Misstrauisch schielte er hoch zu der Decke, um leicht die Stirn zu kräuseln, sich dabei etwas Staub aus den langen schwarzblauen Haaren zu streichen.
Stimmen erklangen von einem der anliegenden Räume an sein Ohr und es dauerte nicht lange bis er sie erkannte, gehörten sie doch Rash`net und dem fremden Magier, den er schon öfters hier gesehen hatte. Auf die Idee zu lauschen, was sein Herr da zu besprechen hatte, auf die wäre er nie gekommen, aber er war schon oft unfreiwillig Zeuge solcher Gespräche geworden, auch wenn er nie verstand wobei es ging und selbst wenn, es interessierte ihn nicht. Heute waren die Beiden mal am Streiten, was für Kelsey wirklich nichts Besonderes mehr war, denn schon seit einigen Wochen kochte die Luft zwischen den Beiden erneut, brannte in heißer Glut und ein Wort war unfreundlicher als das Andere.
„Nicht nur dass ihr mich hintergangen habt, nicht nur dass ihr sagtet er käme nie wieder und er nun doch zurückkam. Nein euer Handlanger Zephyr hat ebenso versagt wie ihr, kann dieser Narr von Hauptmann nicht einmal einen Krüppel töten. Und jetzt kommt mir nicht damit, dass er ihn schwer verletzt hat und dass es nur Abysitor zu verdanken ist, dass er überlebt hat. Eure Ausreden stinken Rothillion, sie werden von mal zu mal mehr und nun ist das Geschehen was ich nie wollte. Er ist zurück!“
Das klang nicht angenehm und Kelsey konnte nur hoffen, dass Rash`net Ibn Bar-Hazzat sich noch früh genug abreagierte, am Besten an dem anderen Magier und nicht an ihm und mit neuen Eifer machte sich der Tiefling daran, einige der kleineren Steine wegzurollen, immerhin hatte er doch schon oft genug zu geschlagen, um die größten Brocken zu verkleinern. Die Hände voller Blut, da er sie sich bei diesem Unternehmen aufriss. Blut tropfte weiter auf den staubigen Boden, tränkte den trocknen Stein und fand genauso viel Interesse wie das Gespräch, keine. Vielleicht hätte er genauer hinhören sollen, hinterfragen wer dieser Jemand war, um den es ging, doch der Tiefling hatte wirklich andere Probleme im Form von massiven Fels und aufsteigender Furcht, vor der Wut des Taymagiers.
Die Laute der hinab prasselnden Steine, als er einige von ihnen zur Seite geschoben hatte, rutschte ein großer Teil der Last einfach hinab, wie eine Lawine, die ihn begraben wollte, übertönten das Streitgespräch. Und der Staub ließ ihn die Augen zusammenkneifen, laut husten, bis endlich der Rutsch sich legte und er blinzelnd das neue Desaster anstarrte und wieder die Stimmen bis zu ihm vordrangen.
„Verfluchter Dämonenpaktierer, ihr habt mir versprochen, dass er bis in alle Ewigkeit in den Abgründen des Abysses festsitzen würde, dass sein Schicksal schlimmer sei als der Tod. Und was erfahre ich nun, er war nicht einmal wirklich im Abyss sondern irgendwo im Hochwald. Kein Wunder dass er fliehen konnte Ihr habt mich Enttäuscht!“
Kelsey seufzte stumm, kniff die dunkeln Augen zusammen. An etwas erinnerte ihn dieses Gespräch. Ja, er hatte solche Worte schon vor langer Zeit vernommen, sie waren ähnlich, doch er konnte sich kaum daran erinnern. Nur ging es damals auch in einem Streit der Magier um jemanden, der hätte tot sein sollen und schaudernd erinnerte er sich an seine kopflose Flucht durch die Dunkelheit Yudirunes. Er war noch zu jung gewesen, um sich nun an die genauen Worte zu erinnern, war voll von Furcht und Panik erfüllt und erinnern wollte er sich an diesen Tag nicht. Dennoch kam er nicht daran vorbei sich die kleine Frage zu stellen, ob es sich wohl um ein und die selbe Person handeln mochte.
Er wusste es nicht, viel zu oft starben Menschen in Namen des Taymagiers, Kelsey hatte aufgehört zu zählen, er wusste nicht einmal mehr, wie viele er von diesen Menschen selbst umgebracht hatte. So machte er sich wieder daran Felsen beiseite zu räumen, Staub aufzuwirbeln und wütend den massiven Stein anzuknurren.
„Ihr redet von Enttäuschungen Rash`net. Wie viele Jahre warte ich nun auf Ergebnisse, wie viel des Profites habt ihr für euch behalten? Und immer noch stehen wir vor verschlossener Tür, hinter der angeblich die Artefakte lagern. Und ihr bereichert euch, während ich warte am Sklavenhandel, an dem was euch das Unterreich noch alles bietet und hintergeht mich. Und dann stört ihr euch daran, dass dieser Bastard zurückkehrte. Ich habe nun den Ärger am Hals,  nicht ihr. Glaubt ihr wirklich von diesem ist noch viel übrig geblieben? Sein Stolz ist gebrochen, sonst wäre er schon längst auf der Jagd nach euch.“
Jagd, auf seinen Herren? Vielleicht sollte er doch besser zu hören, denn seit geraumer Zeit, spürte Kelsey den unbändigen Drang diesen mit Leib und Seele zu schützen. Dass es sich dabei um einen Zauber handelte, erkannte er schlicht weg nicht mehr. Viel zu selten machte er sich Gedanken über seine Gefühle, seine Empfindungen, sie waren verblasst und geschickt manipuliert, ihm über Jahre anerzogen. Ein Feind Rash`nets hieß ein neuer Feindfür ihn, doch nein er durfte nicht lauschen, denn der Taymagier würde ihn es schon noch früh genug zur Aufgabe werden lassen einen möglichen Feind zu beseitigen.
Erneut schürfte er sich über die Hände, befleckte Blut den steinigen Gegner und ihm blieb schließlich nichts anderes übrig als wieder zu der Hacke zu greifen, auch wenn deren Laute es verhinderten, weiter zu lauschen. Minuten vergingen und sah er kein vorankommen, blinzelte nur hin und wieder abwesend, doch ablassen konnte und wollte er nicht. Falscher Eifer durchflutete ihn und ließ ihn verzweifelt weiter machen. Bis er doch erschöpft das Werkzeug sinken ließ.
Was der Tiefling in seinem Eifer nicht bekommen hatte, war das Ausarten des Streites, welches sich ihm nun offenbarte, hörte er doch wüste Beschimpfungen, wie sich die beiden Magier Zauber gegenseitig entgegen warfen und entsetzt wirbelte er herum, bereit in Richtung der Gemächer Rash`nets zu eilen, als schon dort mit einem lauten Knall die schwere Holztür Tür aufflog, scheppernd gegen die Wand knallte und ein Magier in roter Robe aus einer Feuersbrunst hinaus taumelte. Eingehüllt von Rauch, doch brannte der Magier nicht, konnte das Feuer keinen Halt an ihm finden. Alles was dieses Feuer bewirkte, war die alte Furcht in Kelsey zu schüren und ihn zögern zu lassen, so dass er sich nicht gleich kopflos auf Rothillion stürzte. Auch der nächste Zauber Rash`nets, von dem der Tiefling überhaupt nichts mitbekam, schien kaum Wirkung zu haben, denn der Taymagier fluchte laut und ungehalten.
„Hab heute sind wir Feinde!“ Laute Worte, die durch den langen Gang hallten. Doch diese waren es nicht, die Kelsey erneut wie erstarrt innehalten ließen, denn es war der Anblick,  die edle Samtrobe des Dämonenpaktierers ein kleines Stück beiseite gerutscht, gab den Anblick auf die freie Brust des Magiers frei. Oder viel mehr konnte man dort das schwarze Loch sehen. Genau an der Stelle, an der das Herz hätte sitzen müssen, klaffte eine offene Finsternis, die so abstoßend und erschreckend war, dass der Tiefling entsetzt auf keuchte und noch bevor sich dieser wieder fangen konnte, war der Dämonenpaktierer schon längst verschwunden und eine neue Stimme erklang dafür, viel zu vertraut, voller Kälte und er konnte nur Schlucken, als der Taymagier am Türrahmen auftauchte, leise wispernd seinen Namen nannte. Wie gerne wäre er davon gelaufen, doch konnte er nicht, bewegten sich seine Füße schon über den staubigen Boden, trugen ihn ohne zu Zögern bis hin zu dem Ort, an dem immer noch Rauch die Luft stickig werden ließ und erst dort wagte er wieder zu atmen, als er sich ohne nachzudenken auf die Knie sinken ließ.
Die nächsten Minuten wurden unerträglich, das stumme Schweigen, die lauernde Wut, die für ihn fassbar war und die seinen Teufelsschwanz antrieb sich unruhig auf dem Boden zu winden. Den Blick starr auf den Boden gerichtet verstand er nicht, was da gerade passiert war. Und als die Stille ihn fast verzerrte öffnete er langsam die Lippen in dem Versuch Worte zu formen. Doch soweit sollte er nicht kommen, eine Hand grub sich unbarmherzig in sein Haar riss seinen Kopf zurück, auf dass ihm nur der Blick in die kalten Augen des haarlosen Magier blieb. So sehr er auch versuchte diesem Auszuweichen, so sehr er versuchte lieber auf eine der Tätowierungen zu blicken, er konnte es nicht, hielten in die kalten Augen doch gefangen und langsam bog ihn der Griff in sein Haar, bis sein Rücken sich krümmte, er glaubte seine Wirbelsäule müsse zerbrechen und ein schmerzvolles Zischen war nicht mehr zu unterdrücken, wandelte sich in einen Schrei als ein Knie den Weg in seinen Rücken fand.
Was hatte er nur falsch gemacht? Wieso musste dies nun geschehen?
Und als hätte Rash`net seine stumme Frage gehört, als könne dieser seine Gedanken vernehmen hielt er inne, um mit einer zärtlichen Geste über die Wange des Tieflings zu streichen, langsam dabei den Kopf zu schütteln, bevor er ausholte und die Faust die Lippen aufplatzen ließen. „Was habe ich dir beigebracht?“
Immer noch überschlugen sich die Emotionen in Kelsey, ließen in keinen klaren Gedanken fassen, während der metallische Geschmack des Blutes seine Mundhöhlen ausfüllte und so kam er auf keine Antwort, auf diese Frage, schwieg nur, den Kopf schüttelnd soweit er es konnte, es ihm der eiserne  Griff erlaubte. Es war sicher der größte Fehler den er hätte machen können, aber Furcht hatte ihn gepackt, sich wie eine kalte Hand um sein Herz gelegt und ließ jeden Herzschlag schmerzvoll werden, so als würde man einen Dolch in genau dieses stoßen.
Endlich löst sich der Griff und dem Halt beraubt, der ihn so gebogen hatte, stürzte er zu Boden um sich aufzustemmen, fast wieder zu stürzen, als er die weiteren Worte vernahm: „Es wird Zeit, dass ich dich wieder lehre. Wenn du so leicht vergisst.“ Heuchlerisches Bedauern, gefüllt mit freudiger Erwartung und Kelseys Bewegungen wurden schneller. Nie hätte er es gewagt Rash`net Anzugreifen, doch schrie alles in ihm nach Flucht und genau dies würde er nun versuchen. Brachte er die Füße unter seinen Körper, bereit um los zu rennen, weg, egal wohin einfach weg. War es auch egal, dass ihm noch nie eine Flucht gelang und Staub wirbelte auf, als er die ersten Schritte machte. Prallte er schon bei ihnen gegen eine unsichtbare Wand, die ihm seinen Ausweg versperrte und als würde er es einfach nicht begreifen wollen, rannte er erneut gegen genau jene, bevor er sich resigniert umdrehte und schwer atmend auf den ihn zukommenden Magier blickte. Die Augen zitternd schloss, als jener ihn umkreiste, wie es ein Raubtier es mit seine Beute tun würde.
Die beiden hätten ungleicher kaum sein können und das Bild war verdreht, denn auf den ersten Blick war es Kelsey, der um einiges größer war als Rash`net, dessen Schultern breiter waren und der wohl die größere körperliche Stärke besaß. Natürlich der Tiefling war nicht kräftig, um einiges zu schlank, doch mehr Stärke besitzen, als ein Magier, der sich nie die Hände schmutzig machte, war nun wirklich keine große Kunst. Und doch, den Teufelshörnern und dem Teufelsschwanz zu trotze, die von dem infernalischen Erbe sprachen, war es nicht der Tiefling der bedrohlich wirkte.
Allein der Magier, die Kälte in seinen Augen, als ein Plan anfing in ihm zu reifen und ein dämonisches Grinsen huschte über seine Lippen, bevor ein Schritt genügte ihn nah an den zitternden Tiefling brachte.

Sich zu erinnern, an etwas das man ihn immer wieder gesagt hatte, es war nicht schwer, selbst für Kelsey und seine Schreie hatten irgendwann die gewünschten Worte herausgepresst, sprachen von der Wut, aus Hilflosigkeit geboren, von dem Hass auf seinen einstigen Ziehvater. Und endlich, als der Hass ihn verzehrte hörte der Schmerz auf, Erlösung belohnte ihn, während der benommene Tiefling versuchte sich zu fangen, dem roten Magier hinter her stolperte, als dieser ihn anwies zu folgen und sie beide sich an die Oberfläche begaben, hinaus aus Yudirune, nur um die Welt Cauldrons zu betreten. Wie zwei Schatten schritten sie durch die Nebel der Stadt, unter den Sternen, deren Licht düster war, kaum sehbar. Und Kelsey fragte nicht, nach dem Warum, er machte sich keine Gedanken wohin er geführt wurde. Keine Acht auf seine Umgebung, einzig heißes Feuer aus Wut loderte in ihm, so nahm er auch das zufriedene Lächeln auf Rash`nets Lippen nicht wahr.
Ein trostloser Garten erstreckte sich vor ihm, umringt von einem kleinen Zaun, an dem sich der Magier lehnte. Doch näher trat er nicht. Es hielt ihn etwas ab, einfach über den kleinen weißen Zaun zu steigen, dessen Farbe schon alt war und hinab blätterte, der Trostlosigkeit noch mehr Ausdruck verlieh. Für Kelsey verborgen für den Magier sichtbar, funktionierte immer noch jener Schutz aus uralter Magie an diesem Ort, auch wenn er schwach geworden war. Es war noch genug übrig um ihn Rash`net fern zu halten, so wie wohl jeden unwillkommenen Magieweber. Und so deutete er nur befehlend auf das haus in der Mitte des Gartens.
„Dorthin Kelsey, bring mir den kostbarsten Besitz den du finden kannst. Doch lass den Besitzer am Leben!“ Wenn er sich schon mit dem Gedanken anzufreunden hatte, dass sein Feind immer noch lebte,dann sollte sich die Zukunft wenigstens so gestalten, wie es Rash`net für angebracht hielt. Und seine Zukunft sprach von Profit und Macht für ihn und vor allem erzählte sie von dem Leiden seiner Gegner. Kalter Hass pochte in den Adern, immer noch von der Dreistigkeit Rothillions erweckt und er würde sich erst legen, wenn Jemand diesen hass zum spüren bekam.
Er würde sich um den Paktierer kümmern, sicher, doch nun galt es seinem Vergnügen nachzugehen und schmunzelnd beobachtet er den zögerlichen Tiefling, dessen Schritte steif von Schmerz waren. Bewegten sich seine Finger in freudiger Erwartung dessen, das er so geschickt geplant hatte. Niemand entkam ihm.


Zwielicht erstreckt sich,

im Nebel versunken,

Zwielicht so dunkel,

Zwielicht so hell

Zwei Seiten,

Schatten und auch Licht

alleine können sie nicht

Ist so hell,

ist so dunkel

Urteil nicht vorschnell

Den jedes Licht ist anders ...


Knirschender Kies unter seinen Füßen, weiche Lederstiefel, die sich den kleinen hellen Steinen anpassten und während er über de Hauptweg hinweg lief, fragte er sich, woher er diesen Ort kannte. Jeder Busch, jeder Strauch kam ihm bekannt vor und erwartete er sie würden sich auflösen, als Illusionen herausstellen. War gefangen in einen seiner Träume, mitgerissen von Erinnerungen und ein schwaches Lächeln huschte über seine Lippen, sah er doch zwei Kinder vor sich durch das grüne Gras toben, hörte ihr Lachen. Doch bald sollte es verstummen und die Erinnerung verblasste, konnte gegen den Hass nicht bestehen und immer noch war ihm verschleiert woher er nur diesen Garten kannte.
Efeu wucherte über den einen Torbogen, dort der Kiesweg endete und ein schmaler Pfad sich weiter schlängelte, herum um einen Brunnen, der schon lange wohl kein Wasser mehr spendete, einst war dieser Pfad gepflegt gewesen, doch nun wucherte verdorrtes Gras über diesen und nahm ihn jede Schönheit. Eine helle Holztür, die wohl auch schon bessere Zeiten erlebt hatte, versperrte den Eingang in das Haus und wieder blitzten Erinnerungen auf, wollten ihn das Gefühl geben, genau hinter dieser Tür sicher zu sein, doch konnten sie das Feuer nicht ersticken, sondern vergingen darin und die Sicherheit war nicht mehr als eine Täuschung. Die Tür war weder verriegelt noch sonst wie versperrt, sondern ließ sich einfach mit einem leisen Knarren öffnen und schon betrat der Tiefling einen schmalen Flur, der von Dunkelheit sprach. Staub, es roch nach Staub und altem ungepflegten Holz, nur ein kleines Licht schien aus einem der Räume zu kommen, tauchte den Gang an seinem Ende in schwaches helles Leuchten.
Was sollte hier so wertvoll sein, dass Kelsey es sich aneignen musste? Er verstand es nicht und laut knarrte der hölzerne Boden unter seinen Schritten, lockte so den Herren des Hauses hervor, denn schon hörte er leise Schritte, ungleichmäßig, als würde der Andere hinken und eine leise, schwache Stimme erklang: „Abysitor? Bei den Namen Labelas Enoreth was treibt dich schon wieder hier her? Ich habe gesagt, dass ich endlich meine Ruhe Wünsche.“
Diese Stimme er kannte sie und Kelseys Herz blieb fast stehen. Geborgenheit und Wärme, nur dies konnte er in seiner Kindheit mit dieser stimme verbinden, nur dies blieb bestehen, doch dann kamen die Schatten, die ihm beibrachten diese Stimme zu hassen und ein leises Knurren entwich seiner kehle. Nein, das konnte doch gar nicht sein. Die Schemen der Gestalt waren klein, zu klein,fast einen halben Schritt überragte er die in Weiß gekleidete Gestalt, die erstarrt innegehalten hatte, als sie erkennen musste, dass nicht der Priester in das Haus zurückgekehrt war.
Leichtes knistern schien die Luft zu erfüllen, als Kelsey sich vorwärtsbewegte wie eine Schlange, die dunklen Augen weit aufgerissen, fast soweit wie die Augen seines Gegenübers. Verhüllte Gesichtszüge präsentierten sich ihm, doch er musste das Gesicht nicht sehen, er kannte diese Augen und er verstand schneller als sein Gegenüber. „Du!“ Laute Worte, die die Stille nahmen, doch immer noch kam keine Regung in die weißgehüllte Gestalt, die einfach nicht verstehen wollte, was sie da sah.
So war es nicht verwunderlich, dass jene sich nicht wehrte, als in Kelsey die Wogen des Hasses überschwappten. Türkisen Augen, mit silbernen Sprenkeln, eins Sicherheit nun zum Hassen verdammt und unsanft schnappte er grollend den hellen Kragen der Tunika und wirbelte den Elf, der um so vieles kleiner war als er kraftvoll herum, schmettere dessen Rücken gegen die schwere Holzwand um schließlich eine Hand um dessen Kehle zu drücken, kaum war dem schmächtigen Elf ein Knie hart in den Unterleib gerammt worden. Und der Mondelf hätte sich sicher schon längst zusammengekrümmt unter seinem Husten, doch die Hand um seinen Hals ließ es nicht zu. „Wie kannst du es wagen wieder hier her zu kommen?“
Er sah den Schmerz nicht, hörte das leise Stöhnen des Mondelfen nicht. Und endlich kam Regung in Fürst Mondflüstern. Verzweifeltes Winden, als dieser versuchte sich fort von der Wand zu stemmen, an der Kraft des Tieflings scheiterte und sich schließlich ergab. Helle Augen, die den Tiefling musterten, versuchten hinter den Schleier aus Zorn und Gewalt zu blicken und was er dort erkannte, war schmerzvoller als jede körperliche Gewalt. Die freie Hand vergrub sich in seinen Haaren, riss seinen Kopf zurück um diesen gegen die harte Wand zu schmettern, immer wieder bis Schmerz drohte ihn zu übermannen, Blut über seinen Hinterkopf ließ und seinen Nacken rötlich färbte. Und doch auch dieser Schmerz war nichts im Vergleich zu den eisigen Nadeln, die sein Herz durchbohrten, er kannte doch seinen Peiniger.
„Kelsey!“ Sie hatten ihm gesagt er wäre Tod und nun stand er vor ihm, so verändert, das war nicht der kleine Junge den er erwartet hatte. Ein Zittern ging durch den Elf und langsam schüttelte er den Kopf, während sich Tränen verräterisch in den Augen sammelten. Erschüttert konnte er nicht mehr die Kraft aufbringen sich zu wehren, irgend einen Schlag gegen den Tiefling zu führen, um sich zu befreien. Wie sollte er auch? Er wollte ihn nicht verletzen, leider hatte Kelsey diese Vorbehalte nicht.
„Wag es nicht diesen Namen auszusprechen!“ Aber es war doch sein Name, der Name, der ihn, Hasuvar Mondflüstern, solange am Leben erhalten hatte, ihn kämpfen ließ, wo jeder Andere schon längst aufgegeben hatte. Stechende Pein durchfuhr ihn, drückte die Hand immer noch gegen seinen Hals, beraubte ihn so jedes Wortes, das er verzweifelt versuchte zu sprechen und näher rückte der Körper des Tieflings, drängte ihn fester gegen die unnachgiebige Wand, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass irgendwann etwas nachgeben musste und wenn es eben der zierliche Körper des Elfen war.
Für Kelsey gab es nur die Wut, die sich in all den Jahren in ihm gesammelt hatte und schließlich als der Elf schon fast die Besinnung verlor, da ihm immer noch das Atmen verwehrt blieb erklang ein lautes Knacken. Das Geräusch von brechenden Knochen, als der Brustkorb nachgab durchbrach die angespannte Stille, entlockte ein kaltes Grinsen den Lippen des Tieflings. Keine Bestürzung, als er die rote Farbe sah, die aus den Mundwinkeln seines Opfers sickerte und den weißen Stoff vor den Lippen tränkte. Ein ewiger Hass saß in seinem Herzen, ungewollt hatte Hasuvar ihm das angetan, doch Kelsey verstand es nicht, sah nur die Enttäuschung. Er wollte nicht mehr verzeihen, lieben oder sonstiges Fühlen. Dennoch das Blut ließ ihn einen Schritt zurückweichen, den Griff um den Hals lockern und ein dumpfer Laut hallte durch den Raum als der Körper des Elfen zu Boden sank.
Ein Laut aus Schmerz, erstickt von der Hand sammelte sich in seiner Kehle und er glaubte vergehen zu müssen, fürchtete gefangen zu sein in einem Alptraum. Sicher Alpträume konnten normalerweise nicht verletzen, doch Hasuvar hatte gelernt, dass sie es doch konnten. „Du bist Schuld!“ Die anklagende Stimme, so voller Hass und Wut ließ ihn Zittern, brach etwas in ihm. Wie gerne nur hätte er sich zusammengerollt, die Arme um sich selbst geschlungen, doch nein er musste sich stellen.
Kraftlos wanderte die schlanke Hand über den Boden, fand Halt an der Hose des Tieflings. Er war echt, kein Alptraum, keine beschworene Illusion und Tränen rannen erneut über seine Wangen. Wieso nur hatte der Priester behauptet er sei Tod und wieso war Kelsey getränkt von Wut. Normalerweise besaß er einen scharfen Verstand, rühmte sich für klares Vorgehen und Handeln, doch nun blieb ihm davon Nichts. Nicht einmal seine Hand konnte er noch wegziehen, bevor ein lautes Splittern der Knochen an seien Ohren hallte, nur übertönt vom ungläubigen Schrei Hasuvars, der sich erneut krümmte, versuchte seine Hand unter dem schwarzen Stiefel hervorzuziehen.
„Bitte.“ Es war nicht seine Art zu flehen, in all den Jahren hatte er es selten getan, doch nun war es alles, was ihm blieb und die Antwort des Tieflings ließ ihn matt die Augen schließen. „Hättest du nicht fort bleiben können, was willst du hier? Dich braucht Niemand mehr!“
Vergessen waren die schöne Kindheit, die Freude, viel zu nah waren die Schmerzen, Rash`nets Behandlung, die ihm Schmerz und Wut gebracht hatten und endlich nach all der Zeit, hatte er Jemanden gefunden, an dem er all dies auslassen könnte und schon war der Stiefel schon wieder auf den Weg um das Gesicht des Mondelfen zu treffen, doch soweit sollte es nicht mehr kommen.
Lautes Fauchen und Brüllen erklang, viel zu lange schon hatte der Kater gewartet doch nun war er mit einem geschmeidigen Satz nahe bei Kelsey. Der Tiefling wusste nicht einmal wo dieses Tier hergekommen war, bemerkte es auch erst, als ein Ruck ihn zu Boden riss und Zähne sich drohend um seinen Nacken legten, dennoch drückte der Kater nicht zu sondern blieb reglos, schien er damit zufrieden die Gefahr gebannt zu haben. „Cairlyn nicht. Tu ihm nicht weh.“ Langsam und nur zitternd schaffte es sich Fürst Mondflüstern sich auf die Ellbogen zu stützen, nur um sich dann hustend zusammen zu krümmen, Blut hinaus zu spucken, bevor er kraftlos das Tuch vor seinem Gesicht beiseite riss um besser nach Atem ringen zu können.
Tu ihm nicht weh!
Diese Worte hallten durch seine Ohren und ließen seine Gegenwehr gegen die Raubkatze ersterben, die sogar von ihn hinab stieg um sich langsam in Richtung des Elfen, der sich kraftlos gegen das sandfarbene Fell lehnte, zu begeben. Mit aufgerissenen Augen erspähte Kelsey die eine Narbe, die sich quer über das rechte Auge des Mondelfen zog und für einige Momente fragte er sich, wie es möglich war, dass das eine Auge immer noch sehen konnte, als ihn schon der Anblick weitere Narben in Beschlag nahm. Als wäre eine Art Klauenhand über die rechte Kinnseite gewandert, hatte dort Haut zerfetzt, Blut hervorgelockt. Von Knapp am Ansatz des Ohres über die Wange bis hin zum Kinn, wo sich die drei Striemen mit der Narbe, die sich über sein Auge bis hin zum Hals zog vereinte. Immer noch sickerte Blut aus den Mundwinkeln und als Kelsey keuchend die Hand nach dem Mondelf ausstreckte, erntete er ein drohendes Knurren der Bergkatze.

Sein Schicksal war schlimmer als der Tod, Im Abyss wünscht man sich jenen.

Und ganz zu seinem Entsetzen setzten sich langsam die Puzzleteile in seinen Erinnerungen zusammen. Die Gespräche zwischen Rash`net und Rothillion und erneut wanderte sein Blick über die gekrümmte Gestalt des Mondelfen. Er sollte ihn hassen, doch sah er in diesem Moment nur den einzigen Beschützer den er je gehabt hatte. Konnte er das Lachen aus vergangenen Tagen hören. So fern war es geworden und als die mandelförmigen Augen seinen Blick suchten, ihn mit stummer Frage einfach anstarrten, da konnte er es nicht mehr ertragen.
Seine Hand erreichte Hasuvar nie, nein viel mehr sprang der Tiefling wie ein gehetztes Tier auf. Er hörte das Flehen nicht zu gehen nicht, fürchtete er doch im nächsten Moment wieder von seinem Zorn erfüllt zu werden, noch weiter zu gehen, als er es schon getan hatte. Wie gerne hätte er die Worte „Es tut mir leid“ gesprochen, um Verzeihung gefleht, doch er konnte nicht, so wie es für ihn keine Tränen gab, wirbelte er schließlich herum um aus dem Haus zu fliehen, den verletzten Elf einfach zurücklassend.


Bring mir den wertvollsten Besitz! Genau dies war Rash`nets Forderung gewesen. Und ohne es zu wissen geschah nun genau dies, denn der Tiefling kehrte aus freien Stücken zurück zu seinem wartenden Herren, hatte sich abgewandt von Hasuvar Mondflüstern und nicht nur dies, das Blut an seinen Händen sprach Bände für den roten Magier aus Tay, war alles so geschehen, wie es sich dieser gewünscht hatte. Der Mondelf war nicht länger wichtig, kein weiterer Mordgedanke erfüllte Rash`net, nein viel zu süß war der Geschmack der Rache auf seinen Lippen und dieses leid wäre erst der Anfang.


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