Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Quifanu Dunkles Herz

GeschichteDrama / P16 Slash
05.09.2006
14.10.2009
36
192.727
 
Alle Kapitel
48 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.09.2006 6.501
 
Lauter als das Grollen des Donners, klarer wie reines frisches Quellwasser erklang Loririons stimme, glitten ihm die Silben trotz ihrer Macht weich über seine Lippen, formten jene ein Lied, welches vor Magie gerade so erzitterte, die Luft um ihn flirren ließ, für jeden der im Stande war Veränderungen im magischen Gewebe zu erkennen. Nicht die Spur eines Kratzens, oder eines erschöpften Zitterns, obwohl Loririon bis spät in die Nacht seine Darbietung auf dem Fest gegeben hatte. Die letzten Worte stieß er hervor, vollendete so sein Lied und war es keine Minute zu früh, denn schon musste er sich zu Boden werfen um den Armbrustbolzen auszuweichen, welche nach seinem Leben trachteten.
Hektisch warf sich der Sonnenelf zu Boden, brachte sich so vor den Geschossen in Sicherheit. Zu seinem Glück hatte er irgendwann, als dieses Desaster angefangen hatte, mehr als nur einen Zauber zum Schutze auf sich gewirkt. Unter diesen auch solche, die sein Geschick und seine Reflexe erhöhten, so dass es ihm überhaupt möglich war, solch ein Kunststück zu vollführen. Nur flüchtig konnte der Sonnenelf erblicken wie der Boden unter den Armbrustschützen anfing zu beben, kleine rote Steinchen wie wild über den Boden hüpften, doch dafür hörte er den hellen Ton, der kurz darauf erklang, wie eine Wohltat in seinen Ohren. Rein in seinen Ohren, doch in den Ohren der Männer schmerzend und bald floss Blut aus so manch Ohr, übertönte Schreie den einzelnen Ton und einige zwei der Schützen sanken reglos zu Boden.
Doch erfreuen konnte sich Loririon leider nicht an der Wirkung seines Zaubers, denn die Kämpfer, die bisher abgewartet hatten, ob der lästige Elf nicht einfach unter einem Hagel aus Bolzen fiel, griffen nun ein. Und schon hatte er sich einer klinge zu erwehren, einen Schlag zu parieren, der ihm fast das Rapier aus der schlanken Hand riss, ihn glauben machte, dass sein arm taub werden könnte und keuchend wich der Barde zurück, sah sich umringt von drei Männern, die nur nach einem gierten seinem Tod.

Wie zu seiner großen Schande seine Häscher ihn an diesem Abend zu dem See hinab getrieben hatte, dies wusste er nicht mehr wirklich. Oh er hatte ja so einiges erwartet, aber dass man gleich ein ganzes Rattennest zu seiner Beseitigung aussannt? Nein dies war nicht in seiner Vorstellung gewesen. Nun er war erfolgreich zwei Hinterhalten entgangen, seid dem er sich von dem Anwesen des Fürsten entfernt hatte. Mindestens drei Leichen säumten seinen weg und färbten ihn blutrot, so dass er dem Hauptmann nicht einmal widersprechen konnte, würde er ihn für einen Mörder halten. Doch besser ein paar Menschen, als das er sein Leben gab.
Doch so schnell wandelte sich also ein triumphaler Abend, an dem er sogar mit einem seiner Lieder dem Hauptmann Acharn Zephyr Tränen in die Augen getrieben hatte, mit einem seiner Lieder. Nun man sollte gestehen, dass ein wenig Magie im Spiel gewesen war und  dass er in diesem Handeln eine Menge Zufriedenheit fand. Und natürlich hatte er einiges erwartet, er war doch nicht unvorbereitet in diesen Kampf gezogen, doch der Schwarm von Meuchlern hatte ihn nun doch aus der Fassung gebracht.
Sollte er dies überleben hatte er zum einem genug Stoff für ein neues dramatisches Bühnenstück und zum anderen würde er den Hauptmann bloß stellen, denn es konnte kein Zufall sein, dass keine einzige Wache ihm auf seiner Flucht begegnet war.

Trotz des Getänzels, der flinken Ausweichbewegungen und der kleinen Erfolge, immer wieder einen der Angreifer mit dem Rapier zu treffen, schaffte es Loririon nicht einen tödlichen Schlag anzusetzen. Genauso wenig wie seine Treffer kaum ernsthafte Wunden brachten. Wie denn auch, hatte er sich gegen drei Angreifer zu erwehren und suchten seine Augen nach weiteren Gefahren, die wohl auf ihn lauerten. Und so sah er zu spät das Kurzschwert auf ihn zu kommen, seine Hand mit dem Rapier damit beschäftigt, eine ganz andere Klinge abzuwehren, sein Geschick nutzend um einem Langschwert auszuweichen.
Er konnte dieses Kurzschwert nicht abwehren, konnte ihm nicht ausweichen und die goldenen Augen weiteten sich, als sich schon der anmutige Körper zusammenkrümmte, scharfes Metall den edlen Stoff der weißen Tunika durchtrennte und ein lautes schmerzhaftes Brüllen, war es eher schon ein verzweifeltes Aufheulen entglitt den Lippen des Barden. Die Angreifer mit einem zufriedenen Lächeln, einem Funkeln in den Augen, die ihm nun nach traten, als er davon taumelte, die eine Hand zitternd auf seine Brust gedrückt.
„Soviel zu der Kunst der Elfen, sind sie noch leichter zu töten als wehrlose Kinder!“ Lautes Lachen erfüllte die Luft und alles was Loririon von sich gab war ein gurgelnder laut, ein Husten, als würde ihn Blut in die Kehle fließen und verhindern, dass er die Ehre seiner Herkunft verteidigte. Die Männer, alles eindeutig Schattendiebe, trugen sie doch die schwarzen Halbumhänge und die dazugehörigen Rüstungen, ließen sich nun Zeit. Das Schicksal des Elfen war unbestreitbar und so schnell würden sie ihn nun nicht sterben lassen. Dieser eingebildete Elf hatte einige von ihren Kameraden getötet und dies würden er nun zu spüren bekommen.
Der größte von den drei, ein Mann mit einer hässlichen Fratze und unansehnlichen Hakennase trat auf Loririon zu, der leicht in die Knie ging. Die braunen Augen, schienen vor Gier verschleiert versprachen keine Gnade nur weiteres Leid, das Streben dem Elf den größten Schmerz zu bereiten und zu gewaltig war die Gier nach jener Tat, so dass der Mensch nicht das leise verächtliche Schnauben hörte, das sich zwischen all die Schmerzenslaute drängte, nicht den überheblichen Blick voller Verachtung des Elfen erblickte.
Das Schwert, welches schon in seine Brust gedrungen war fuhr hinab, Bereit zu zustoßen und seinen Arm auf den kalten Boden zu heften, um jede weitere Flucht unmöglich zu machen.
Auf diesen Augenblick hatte der Barde gewartet, froh darüber, dass sein Schauspiel nicht aufgefallen war, dass er sich beherrscht hatte nicht schon viel früher diesen Männern ihre Dummheit zu offenbaren. Der Nebel und die Dunkelheit waren seine verbündeten gewesen in dieser Falle, denn hatten sie dazu beigetragen, dass man nicht sah, wie kein Blut aus der vermeintlichen Wunde floss. Am Tage wäre es wohl aufgefallen, dass er den verletzten nur mimte, den das Metall des Kurzschwertes mochte wirklich ihn getroffen haben, doch antun hatte es ihm nichts können. Hatte er sich schon lange zuvor, zu beginn dieser Hetzjagd vor einfachen Waffen wie diesem Schwert magisch geschützt. Und der wenige Schmerz den er verspürte hatte, war der Aufprall, als hätte ihn jemand einen Faustschlag verpasst. Und das größte Unglück war wohl die ruinierte Tunika.
Keine Gnade hatte er in den Augen des Menschen erkannt und nun schrie sein Geist nach Rache, trieb ihn an das Rapier fester zu umfassen, diesem dreckigen und nutzlosen Menschen endlich zu zeigen, wie dumm sie waren, sich mit ihm anzulegen. Immer noch glitt die Klinge hinab auf seinen Arm zu.
Heißeres Röcheln erklang, ein neuer gequälter Laut. Die beiden Männer, die bisher zurückgeblieben waren, hörten es ganz genau, starrten auf den Rücken ihres Anführers, konnten sehen wie der anfing zu schwanken, als sei er nicht mehr als ein schwacher Grashalm unter einen orkanartigen Wind geknickt und schließlich entwurzelt. Und nach einigen Augenblicken verstanden sie, dass die Geräusche, das Röcheln nicht von dem Elfen stammte, dessen Körper nach oben geschnellt war, für sie verborgen hinter ihrem Anführer stand. Der vermeintliche Mörder des Elfen schwankte ein weiteres Mal, bevor die Beine den Dienst aufsagten, er zu Boden fiel, beide Hände mittlerweile um den silbernen Dolch in seiner Kehle gekrallt und mit einem letzten heißeren Würgen starb er.
„Wenigstens sind wir nur leicht zu töten wie Kinder, doch euch, ihr Getier nichts weiter als kriechende Maden, kann man zertreten.“
Loririons Stimme durchbrach ihre Starre, doch noch bevor sie sich zornig auf ihn stürzen konnten, ihren Gefallenen rächen konnten, war es an dem Barden vorzuschnellen.  Das Rapier glitt durch die Luft, unaufhaltsam durch die lederne schwarze Rüstung desjenigen, der das Pech besaß näher an ihm zu stehen. Hindurch durch Haut und Fleisch bis es auf einen Knochen stieß und er mit einer drehenden Handbewegung die Klinge herumzog nur um sie dann aus dem nächsten schwer verletzenden Körper zu ziehen.
Wie die Ratten waren seine Gegner, denn hatte sich einer der Armbrustschützen wohl in der zeit erholt. Das Blut rann immer noch über sein Gesicht, aber hinderte dies ihn nicht nun auch, wo er näher gekommen war seine Armbrust fortzuwerfen, wollte er ja nicht den anderen Mensch treffen und diese gegen ein Schwert einzutauschen. Und wieder sah sich Loririon Drachenatem zwei Gegnern gegenüber.
Schwungvoll trat Loririon gegen den Verletzten um diesen nicht weiter im Weg zu haben, den Schmerz und die Qual die er so bereitete nicht beachtend, war es ihm recht und würde der getroffene so noch mehr außer Gefecht gesetzt. Seine stimme, ein neues Lied hervor schmetternd übertönte die Schmerzensschreie des Schattendiebes. Nein kein Mitleid würde er zeigen, brachte man es ihm auch nicht entgegen. Er würde kein Erbarmen finden, sollte er wirklich verletzt werden und er war es nicht der mit unfairen Mitteln diesen Kampf begonnen hatte.
Wie zur Bestätigung seiner düsteren Gedanken kam die Klinge eines Schwertes heran und das laute Klirren von stahl auf stahl erklang, funken Stoben. Immer lauter der Gesang des Elfen,einzig allein von dem Wunsch geleitet endlich die letzten Silben des Liedes zu vollenden, diesen Kampf mit einem weiteren Zauber zu seinen Gunsten zu entscheiden. Doch dann wurde es stumm, nein eher totenstill in Loririons Welt.

Kelsey blinzelte einige Male, getrieben von Verwunderung näherte er sich unaufhaltsam dem Geschehen. Wirklich acht zu geben hatte er nicht, denn auch seine Schritte wurden von der Stille verschlungen und kein Laut war zu hören, er hätte auch über den Weg poltern können und sich nicht in dem gewohnten lautlosen Gang bewegen müssen. Zu dem kam, dass er jenen Ring nutzte, dessen Wirkung er schon in der Nacht, in der er den Elfen zum ersten Mal getroffen hatte, benutzt hatte. Sein Körper schien nicht mehr als ein Schemen im umgebenden Nebel, unwirklich und nur auf den zweiten oder gar dritten Blick erkennbar. Der Tiefling hingegen konnte alles erblicken, sogar so scharf erkennen, als wäre der dichte Nebel nicht vorhanden.
Kelsey wusste nicht was er denn nun erwartet hatte, er konnte nicht einmal genau sagen, warum er sich mit diesem Zwischenfall denn wirklich beschäftigte. Aber nun hatte es ihn in die Richtung getrieben, aus denen die die Kampfgeräusche zu vernehmen gewesen waren. Vielleicht glaubte er die Leiche des Sonnenelfen zu finden, diese zu plündern, um seinen Herren ein paar nützliche Geschenke zu bringen. Ganz geschweige von dem Gold, das er in Aussicht hatte. Dass sein Herz immer noch schneller schlug, eine kleine Stimme in seinem Innersten vor so einem Handeln zurückscheute, all dies verdrängte er gekonnt.
Und als er nun endlich in Sichtweite gelangt war, konnte er einen recht munteren Sonnenelfen entdecken, dessen goldene Haare im fahlen Schein des Mondes immer wieder aufleuchteten. Die Kleidung jenes Elfen war nicht wirklich erkennbar, doch beherbergte sie wohl einiges an Schmuck, der ebenso im Schein des Mondes glitzerte. Schwach nur, aber stark genug um einen Kontrast zu den dunklen Gestalten, um ihn herum zu bilden.
Ein kurzes Schmunzeln huschte über die Lippen des Tieflinges, die Bewegungen des Elfen glitten einer der Tänzerinnen, die für einige Zeit bei ihnen unter der Erde geweilt hatte, solange bis Rash`net ihrer überdrüssig geworden war. Kelseys Wissens nach, hatte er sie weiter nach Tay verkauft, im Austausch für irgend eines seiner Bücher, die ihn den schweren Holzregalen thronten, aber sicher war er sich nicht. Nur eines war er sich sicher, dass dieser Elf wohl noch mehr Anmut besaß, als diese Tänzerin und dass wohl der Tanz des Elfen um einiges tödlicher sein würde.

Loririon kämpfte für einen Barden mehr als gut. Besaß er das Talent die beiden noch kampffähigen Männer in Verblüffung zu setzen. Eben noch hatte er entgeistert gewirkt, als er merkte, dass seine Stimme versagte, jedes Geräusch in der Umgebung unterdrückt wurde, nur um kurz darauf sein Rapier fester zu umfassen und anzugreifen. Das schlanke Rapier stieß schnell nach vorne, zog sich zurück nur um wieder ganz wo anders vorzuschnellen. Zu Loririons Pech hatte irgendwer auch die Magie auf ihm und auf dem Rapier gebannt, so dass die Waffe nur noch halb so effektiv geworden war und er nun darauf zu achten hatte, nicht doch noch ein weiteres Mal getroffen zu werden, denn nun würde es wirklich Schmerzen mit sich bringen.
Aber der Elf war sicher noch nicht am Ende seiner Tricks und noch dazu war er verdammt zornig. Wie die Ratten fielen diese Menschen über ihn her und er klammerte sich an seine Wut, um sich jetzt nicht klein kriegen zu lassen. Auch wenn ihm bewusst war, dass diese ihn nicht übermannen sollte.
Seine Klinge wurde von einer anderen pariert, der Aufprall ließ ihn kurz schwanken,doch schon wirbelte er herum um selbst die Klinge des anderen Mannes abzuwehren. Tänzelte zwischen den beiden hindurch nur um einen der Männer am Oberarm zu erwischen. Er sollte sich die Schritte merken, irgendwann auf einer Bühne waren sie sicher nützlich und ein amüsiertes Lächeln huschte für einen Moment über sein schmalen Lippen.
In diesem Moment hätte jeder, der noch an seiner Berufung als goldener Krieger zweifelte, genau jenen in ihn gesehen. Drang er doch wie ein Wirbelwind auf den rechten der beiden Kerle ein, trieb ihn in einer heftigen Attacke aus Angriffen zurück. Und Loririon Drachenatem hätte endlich einen Vorteil in dieser Nacht gefunden, doch leider war er alleine und die beiden zu Zweit, so dass er sich bald von der Seite bedrängt sah und selbst ausweichen musste.
Er durfte sich doch gar nicht solange aufhalten, irgendwo hier war in dem ganzen Nebel ein Magier verborgen. Schließlich musste ein solch er für die Stille gesorgt haben, geschweige denn von den gebannten Angriffszaubern, wie seine Verteidigung verraucht war. Und irgendwann würden die Zauber des Magiers mehr tun als ihm nur seine Vorteile nehmen, würden die nach seinem Wohl, seinem Leben trachten.
So ließ er sich nicht lange von den beiden in die Defensive drängen, viel mehr schaffte er es erneut förmlich zwischen den beiden hindurch zu turnen. Mit dem Rapier die Hiebe des einen abwehrend, der schnell genug war ihm zu folgen, hakte er sein Bein zwischen die des anderen um es nach oben zu reißen, sein Knie so hoch zu rammen, in den Unterleib des Menschen, der sich gequält zusammenkrümmte und dessen Stöhnen nie gehört werden sollte. Danach war es an dem Sonnenelf einfach über den gekrümmten Leib hinweg zu springen und zu einem Stich auszuholen, auf dass sich die Klinge in den Körper bohren sollte, aber nie sollte dies geschehen.
Der zweite setzte ihm nach, und lief genau in die vorbereitete Finte hinein, wirbelte der Sonnenelf doch herum die Hand drehend so dass die Klinge des Rapiers nun in die andere Richtung zielte, eine einzige Stoßbewegung machend und der Mann rannte förmlich in die Klinge. Gebrochene Augen starrten den Sonnenelf ungläubig an, bevor dieser seine Waffe zurück riss und angewidert das Gesicht verzog, als ein Schwall von Blut auf den Boden niederregnete.

Trotz seiner Vorsätze nicht einzugreifen, lief Kelsey dem geschehen näher. Immerhin handelte es sich hier Um Schattendiebe, die Gegenspieler seiner Gilde und noch dazu empfand er Zorn auf diese verfluchte Bande, dachte er nur daran, dass man ihn vergiftet hatte und so zog er langsam einen der Langdolche aus der ledernen Scheide am Gürtel. Ein kaltes Lächeln huschte über die blassen Lippen, sprach es doch Bände und versprach Unheil. Wie Vorteilhaft, dass dieser Magieweber ihn noch nicht bemerkt hatte und was für ein Glück, dass es nicht Rothillion persönlich war, der seine Herde von Dieben überwachte. Denn an jenen hätte sich Kelsey nicht gewagt.




~~~~~~~~





Ein Blitzen, helles Lichterflimmern erschien über der Stadt, durchdrang für einen einzigen Moment den Nebel um dann wieder zu erlöschen. Die beiden düstren Gestalten, welche schon eine ganze Weile das kleine kunstvolle Haus umschlichen, sahen sich schweigend an. Der Kampf am See war wohl im vollen Gange und wie gerne wären sie auch nun dort unten, als dieser schändlichen Tat nachzugehen, zu denen sie verdammt waren.
Nun sie waren eine Bande von Mördern und Dieben, doch aus solche hatten ihren stolz und einige von ihnen ihr eigenes Gewissen, dass bei so mancher Tat sich bemerkbar machte. Wie nun auch bei diesen beiden, nicht dass es genügte um sie wirklich abzuhalten. Aber immerhin empfanden sie so etwas wie Bauchschmerzen.
Kurze Gesten ausgetauscht nickten die beiden entschlossen. Sie sollten nicht töten, nur Schaden anrichten. Rothillion traute dem Gifte nicht, auch wenn er erfolg sah, wuchs das Misstrauen den Magier. Was wäre nur, wenn der unbekannte Eindringling doch noch Fürst Mondflüstern aufsuchte und sich Wahrheiten offenbarten, die besser verschwiegen blieben? Er musste sicher gehen, dass das Gift wirkte, noch in dieser Nacht und was würde dafür tauglicher sein, als ein kleiner Unfall. Etwas Furcht und Aufregung würden die Wirkung verstärken und vor allem das neugewonnen Selbstvertrauen des Fürsten brechen.
Langsam, die Schatten der nacht nutzend glitten die beiden Männer durch die Dunkelheit, war es keine Herausforderung den niedrigen Zaun zu übersteigen, boten die vielen Büsche und einige weiße Marmorstatuen Verstecke. Der kleine Torbogen lud freundlich ein noch tiefer in die Gärten einzudringen und kunstvoll schimmerten einige der kleinen silbernen Verzierungen, die sich verspielt in Windungen preisgaben. Das plätschern eines magischen Springbrunnens unterstützte diese Bild einer Idylle. Doch nicht mehr lange sollte diese so bestehen, denn unaufhaltbar schlichen die dunklen Schemen weiter auf das Haus zu.




~~~~~~~~~~~~~~





Tief war das Wasser in dem er gelandet war nicht, viel zu seicht um überhaupt ein wenig seinen Sturz abzufangen, den Schmerz zu mildern, als der Körper auf den Boden aufschlug. Wie glitzernde Juwelen, flogen einige Wasserperlen davon, Weit weg von der Hauptwelle, in der der Sonnenelf versank. Wenn er flach und zusammengekrümmt lag wie nun, da reichte ihm schon das Wasser bis über den Kopf, verbarg seinen Anblick und raubte ihm vor allem den Atem. So dass er eilig sich wieder aufrichtete, seinen Kopf über die Oberfläche zu bringen und einige Momente nach Atem zu ringen.
Grimmig verzog er das Gesicht, so dass die sonst edlen Gesichtszüge eine Fratze bildeten , nur um wieder aufzuspringen, aus dem Wasser zu waten. Denn der Magier, der ihn hier hinein geweht hatte, würde sicher mit einem weiteren Angriff nachsetzen. Zu Loririons Missgunst, war der Magier trotz der Stille kaum eines Zaubers beraubt, schien er mehr als vorbereitet auf dieses zu sein. Das wenige Glück des Sonnenelfen hatte sich in Gestalt des Tieflings gehüllt. Welch Ironie, doch ohne diese Kreatur wäre der Sonnenelf wohl schon unterlegen gewesen, doch das Auftauchen des Tiefling, das aus dem Nichts gekommen war, lenkte erfolgreich die beiden Magier ab. Den ersteren weil dieser klang und sanglos unter dem hinterhältigen Angriff sein Leben verloren hatte und den zweiten, davor noch unsichtbaren, weil dieser sich nun damit beschäftigte einen Zauber nach dem anderen, auf den Tiefling zu werfen.
So auch nun, es hatte dem Magier wohl gereicht Loririon außer Reichweite zu bringen und mit zusammengekniffen Augen hielt dieser in seinen Bewegungen inne. Vielleicht war dies nun der perfekte Augenblick zu fliehen. Die meisten Kämpfer waren gefallen, oder schlicht zu weit weg, als dass sie ihm noch Schaden konnten. Was ging ihn schon dieser Gildenkrieg an? Nichts, außer sein stolz, der nicht zulassen würde jemanden im Stich zu lassen, auch wenn es ein Tiefling war. Und vor allem fühlte sich seine Ehre, sein Stolz besudelt an und er würde sich erst wieder reiner fühlen, wenn er diesen Menschen das Leben genommen hatte.
Zu schnell war Loririon fort vom Wasser, weit weg vom Ufer um sich wieder in den Kampf zu stürzen, als das er die blubbernden Luftblasen auf der Seeoberfläche gesehen hätte. Einzig nahm er eine kleine Stimme in seinem Kopf war, die ihn mitten im Kampfe stocken ließ, ihn fast eine Verletzung einbrachte.


„Komm zu mir, dann bist du sicher!“


Laute, mitten in der Stille, wie gut sie taten. Doch sie waren nicht gesprochen diese Worte und verwirrten sie den jungen Barden mehr, als dass sie ihm die Aussicht auf Sicherheit schmackhaft machten. Konnte er doch nicht sagen woher sie kamen. Misstrauisch wanderte sein Blick zu dem Tiefling. War er es gewesen? Die Kleidung war kaum mehr als Ruß und Asche, zerrissen und zerfetzt vom abbekommen Feuerball, doch die Haut des Tieflings zeigte nicht einmal eine Brandblase und während die Klinge seines Rapiers, sich in das Herz eines Menschen bohrte, nickte der Sonnenelf langsam, um in Richtung des Tieflings zu laufen. Wer sonst sollte ihn gerufen haben? Und wieder sah er nicht die auftretenden Luftblasen, konnte er nicht das Geblubber hören, welches verärgert Klang, lief der Elf doch in die falsche Richtung.




~~~~~~~~~~~~~~~~





Es stellte sich als leichtes heraus, durch eines der Fenster zu schlüpfen. War dieses doch nur angelehnt um die frische Nachtluft in das Haus hinein zu lassen. Und schon waren die beiden dunklen Gestalten auf den hellen Fensterrahmen geklettert, drückten lautlos die gläserne Scheibe beiseite, um ihre Körper genauso geräuschlos in den Raum zu schwingen. Dunkelheit umfing sie und nichts anderes hatten sie erwartet. Schließlich sollte der Fürst krank sein und dann wäre er sicher um diese Uhrzeit nicht mehr wach.
Die beiden hatten verabredet, dass wenn se schon diese Dreckarbeit zu machen hatten, sie ihren eigenen Profit steigern sollten und so zog der eine von ihnen ein schlichtes Seil hervor. Es sollte mehr als genug sein um den alten Fürsten festzuhalten, solange bis sie in aller Ruhe seine Wertsachen in ihren Besitz gebracht hatten. Von Besitz und Wert erschien in diesem Raum kaum etwas, ein einfacher Tisch stand in der Mitte, schon völlig verstaubt, soweit man es in der Finsternis erkennen mochte und auf diesem ruhten leere Papiere, Kohlestifte und einiges an anderen Farben, schon längst wohl nicht mehr brauchbar und so war der Tisch für sie vergessen.
Die Gemälde die sich in diesem Raum befanden, konnte man nur dank der hellen Rahmen erkennen, die ein wenig zu leuchten schien. Einer kunstvoller als der andere, alle verspielt geschwungen und es stand wahrlich außer Frage dass die Gemälde von hoher Qualität waren. War doch überall bekannt, dass viele der Adligen Cauldrons solche Gemälde in ihren Häusern aufbewahrten. Alle der Hand ein und desselben Künstlers entsprungen. Dem Künstler, den sie nun überfielen, doch würde es wohl auch nicht mehr Schaden, denn schon lange war kein neues Kunstwerk den zittrigen Händen entsprungen. War Fürst Mondflüstern nicht mehr in der Lage, solch Zeitvertreib nachzugehen.
So ließen die beiden Gestalten den Raum hinter sich, schlichen sich hin zu der Türe um an dieser zu lauschen. Kein Geräusch erklang durch die Nacht und beide nickten erneut, wollten schon die Türe öffnen als leises Husten an ihre Ohren klang, gequältes Nachluftringen, doch beides verging und es sollte wohl an diesem Ort nichts besonderes sein. Jeder wusste um den schlechten Gesundheitszustand, der sich wohl auch noch seid diesem tage verschlechtern sollte.
Solch schändliche Tat und erneut kam der bittere Beigeschmack auf, ließ den einen Zögern, bevor ein Knuff zwischen seine Schulterblättern ihn die Türe öffnen ließ, während der andere immer noch das Seil in der Hand hielt. Rothillion hatte seinen beiden „Dienstboten“ das haus genau beschrieben und so wussten sie wo die kleine Schlafkammer liegen sollte. Doch Feuer aus einer anderen ecke jenseits der Flure lockte sie an, ließ sie los schwärmen wie Motten vom Licht angezogen. Und wirklich das leise Husten kam aus jener Richtung.
Unheilvoll näherten sich die beiden dem Raum,nur um kurz darauf zu zu schlagen.




~~~~~~~~~~~~





Loririon grub seine Finger in den schlanken Arm, bis das Blut sich in seinen Fingerknöcheln staute, diese sich seltsam hell verfärbten. Er konnte s nicht auf ewig verharren, denn dazu fehlte ihm zum einem die Kraft und zum anderen spürte er wie sein Körper langsam über den harten Fels rutschte, hin zu dem Abgrund der sich vor ihm aufgetan hatte.
Würde man den Sonnenelf fragen, wäre seien erste Antwort, seine Meinung, dass dieses Loch, das sich als Abgrund herausstellte, von einem dem Magier stammte. Und würde man wohl jenen Fragen, würde er antworten, dass er keine Ahnung habe, aber sich dieser Abgrund als glücklicher Umstand entpuppte, war doch der Tiefling hinein gestürzt. Nun nicht wirklich abgestürzt, denn der schlanke Elf mit der bronzenen Haut, bewies mehr Reflexe, als es eine Katze könnte und nun hingen die beiden in einer Haltung dort, die den Magier mehr als amüsierte.
Die Kraft die der Sonnenelf sammelte zerquetschte Kelsey fast das Handgelenk. Und fassungslos blickte er in das schöne Gesicht, dessen Züge verbissen und angespannt waren. Goldene wirre Haarsträhnen fielen über jenes bronzen farbene Gesicht und kitzelten verspielt seine Nase. Der Blick aus dunklen Augen versank in den hellen blauen Augen, deren goldenen Sprenkel trotz der Finsternis, trotz des Nebels aufzuleuchten schienen und Kelsey konnte seinen Blick einfach nicht lösen, während sein Teufelsschwanz sich aufgeregt in der Luft schlängelte. Die Angriffe des Magiers hatten in kaum geschadet, doch ein Sturz in die Tiefe konnte auch ihm Schaden. Gerade dann wenn er die Tiefe nicht kannte, am ende würde es ihm vielleicht das Leben rauben. Und der Tiefling war eines in hohen Maßen, verwirrt. Er spürte keine angst vor dem Sturz, keine angst vor dem drohenden Tod. Ein bisschen Furcht wieder Rash`net zu begegnen und ihm diese Angelegenheit zu erklären.
Aber der schlanke Elf musste doch Furcht haben. Denn unaufhaltsam spürte der Tiefling wie dieser von seinem Gewicht nahe an den Abgrund gezogen wurde und woher dieser Kerl die Kraft hatte ihn überhaupt solange zu halten, wusste er ebenfalls nicht. Schmale Lippen die die stummen Worte des Tieflings formten: „Wieso lässt  du mich nicht los?“ Seid wann war es wert, dass jemand sein Leben für ihn riskierte? Konnte er den Schmerz in den hellen Augen sehen, als erneut einige der Felsen bröckelnden, dem Elf fast die Schulter aus dem Gelenk gerissen wurde und sie erneut ein Stück weiter rutschten.
Nichts um ihn herum schien mehr zu existieren. Er sah zwar dass sich die Lippen des Tieflings bewegten, doch da seine Welt immer noch jedem Geräusch beraubt wurde, drang kein laut an sein Ohr und von den Lippen zu lesen, oh er vermochte es beizeiten, doch nun war es mehr als belanglos. Die dunklen Augen zogen seinen Blick an und ein bizarres Lächeln huschte kurz über Loririons Lippen, fühlte er sich an den Nachthimmel erinnert. Sah der Sonnenelf nicht den dünnen Blutstrahl, der Kelseys Körper hinab rann. Die langen Tropfen die bogenförmig hinab in den Abgrund fielen, um weit weit in der Tiefe auf den harten Stein zu treffen.
So abwesend bekam er nicht einmal die Stimme mit, diese kleine verlockende Stimme die versuchte ihm tief in seinen Gedanken nur eines zu zu raunen. „Komm las ihn fallen. Vertrau mir, spring. Komm zu mir!“
Der Körper des Elfen wirkte so zerbrechlich, immer noch schien es Kelsey ein Wunder, dass er noch nicht nachgegeben hatte, obwohl das eine Knie schon über der Tiefe hin. „Jetzt lass endlich los!“ Worte die nie gehört werden sollten, so wie die Warnung die der Tiefling ausstieß als hinter dem Elfen der verhasste Magier auftauchte. Und das Letzte, was er zu Gesicht bekam, waren die weit aufgerissenen Augen, ein schwerer Stab der unbarmherzig in den Rücken des schmalen Elfen fuhr. Und dann lockerte sich der Griff um ihn, löste sich völlig, auf dass zwei Köper hinabstürzten in die Dunkelheit.




~~~~~~~~~~





Der rötliche Schein des Feuers tanzte verträumt über die Wände, erleuchtet den halben Flur und gab auf die wenigen Gegenstände dort einen Blick preis. Hing an der Wand ein edel wirkendes Schwert, verziert von glimmenden Runen, die magisch leuchtenden. Ein Leuchten, welches sich verstärkte, als einer der Schattendiebe seine Hand danach ausstreckte, lockte ihn doch der Edelstein im Griff des Schwertes. Nie sollte er es berühren, denn sein Begleiter schüttelte den Kopf, zog seine Hand weg. Dabei war das Schwert schon lange unberührt, die Staubschicht auf jenem sprach davon. Nun es gäbe später sicher die Gelegenheit dazu.
Leider nahm in der flackernde Schein die Schatten, die Möglichkeit sich zu verbergen, doch so nahe an ihrem ziel, war es kein Hindernis mehr. Die Schritte waren trainiert darin lautlos zu sein, führten sie an den edlen Holzregalen vorbei. Keines passte zu dem anderen in seiner Herkunft, jedes sprach von einem anderen begnadeten Baumeister und doch passten sie in ihrem Gesamterscheinungsbild zusammen, erzählten vom guten Geschmack des Bewohners.
Und endlich sollten sie ihn sehen. Fürst Mondflüstern. Nicht mehr als eine eingesunkene Gestalt in einem schweren Sessel, der den zierlichen, ja gebrechlichen Körper des Fürsten zu verschlang. Neben dem reglosen Fürsten, der wohl ruhte lag unachtsam der weiße Turban auf dem Boden, einige weitere weiße Tücher, die befleckt von roten Flecken waren und an einer der schmalen Hände  konnte man Blut erkennen.
Näher und näher rückten die beiden Männer, konnte sie den auf die Brust gesunken Kopf sehen, die langen schwarzblauen haare, die vor das Gesicht fielen und vor allem die Perlen, die wie funkelnde Sterne sich von der dunklen Flut abhoben. Und die Gier wuchs, vielleicht vermochten die Beiden an die eine oder andere Perle zu gelangen. Mussten diese doch ein kleines Vermögen wert sein. Viel zu viel Reichtum, den ein alter Krüppel nicht gebrauchen konnte. Und das Seil in den Händen des Schattendiebes straffte sich. So leicht war es also.
Gerade als er die letzten Schritte zu dem schlafenden Fürsten überbrücken wollte, war er sich des Schwertes auf dessen Knie gewahr und verblüfft hielt er inne. Gelockertes Seil und noch bevor die beiden Schattendiebe verstanden, wurde der Kopf langsam angehoben und bedauerliches Flüstern erklang leise: „Ich habe es erwartet, doch nun schmerzt mich was geschehen wird. Doch ich bin vorbereitet.“
Entsetzt konnten sie nur mit ansehen wie der Fürst den Kopf drehte und noch mehr war es der Anblick in seine Augen, der sie schlucken ließ. Nicht die Narben waren es, die ihnen Unbehagen bereitete, nein es war das Mitleid, die stumme Entschuldigung, als hinter den beiden Männern ein nichtmenschliches Gebrüll und Fauchen erklang. Der Tod war beschlossen und während der mit dem Seil noch versuchte herumzuwirbeln, dabei heißer aufschrie als eine Pranke auf ihn hinabfuhr, blieb der andere stehen, starrte wie gebannt in die türkisenen Augen des Fürsten, bevor scharfe Zähne seine Kehle zerfetzten.
Und so entging ihm nicht, wie der Fürst traurig seine Augen schloss, den Kopf senkte und kurz die spitzen Ohren zum Vorschein kamen. Die Trauer des alten Mondelfen sollte alles sein, was er sah,bevor sein Blick sich trübte, Blut aus seiner Kehle weiterhin den Boden tränkte, obwohl schon längst kein Leben mehr in dem Schattendieb innewohnte.




~~~~~~~~~~~~~





Wo war er? Loririons Verstand versuchte sich durch die dicke Eisschicht, die ihn umgab, zu bekämpfen. Langsam fing er an, jenes was ihn umgab wahrzunehmen, aber immer war ihn noch nicht bewusst, wo er sich befand. Nur schwerlich kamen in ihm die Erinnerungen hoch, doch dann war alles wieder mit einem Schlag da und er schrie auf, als der Schmerz zurück in seinen geschundenen Körper kehrte. ´Verdammt reiß dich zusammen, du bist ein Elf!` Eine einzelne Träne brannte in seinem Augenwinkel. Loririon atmete tief durch, versuchte angestrengt sich zu konzentrieren, stellte sich ein zweites Mal die Frage, wo er sich befand.
Verzweifelt suchte er Zugriff zu seinen Sinnen, um endgültig aus der tiefen Schwärze zurückzukehren. Etwas kaltes scharfes bohrte sich schmerzhaft in seinen Rücken. Kleine Ecken und kannten, von denen er glaubte sie würden noch sein Rückrad zerreißen und irgend ein Gewicht lag grob auf seine Hüfte. Schließlich hörte er einen Knall, nur um kurz darauf Schmerz in seiner Wange zu empfangen und wieder und wieder, immer wieder schlug etwas in sein Gesicht, auch wenn nicht all zu schmerzhaft.
„Komm verdammt noch mal zu dir!“
Nur ungern kam er dieser Aufforderung nach, doch irgendwo wusste er dass die Schläge erst aufhören würden, wenn er dies tat und so riss er mit einem Ruck seine Augenlider auf, nur um sie sofort wieder zu schließen, da die Welt um ihn herum dunkel war, nicht mehr als eine schwarze Finsternis. Leise stöhnte er schmerzvoll auf und öffnete seine Lider nun langsamer. Doch wieder war es einzig die Finsternis, die ihn umgab und leise krächzend schüttelte er den Kopf, als ihn schon die nächste Ohrfeige traf.
„Ich bin wach.“ Es hatte nicht lange gedauert, da fand er so der eisigen Kälte in seiner Stimme zurück, auch wenn jene immer noch ein wenig zitterte und unsanft schoss seine Hand vor um sich um das Handgelenk des andere zu legen. Er konnte vielleicht nichts sehen, doch sein gehör betrog ihn nicht und endlich verstand er auch, was da auf seine Hüfte drückte, jemand musste auf ihm sitzen und ein verzweifelter laut entwich ihm, bevor sich der Sonnenelf aufbäumte um den Fremden von sich zu werfen. Fauchte er wie eine Wildkatze, die man in die Enge getrieben hatte und die verletzt nun latent aggressiv reagieren würde.
Zwischen all dem Gezeter, seinem versuch endlich den Fremden  loszuwerden, versuchte er sich an etwas zu erinnern. Alles was er noch wusste, war der Kampf am See, die aufkommende Dunkelheit, hatte er doch wohl das Bewusstsein verloren und wieder war da die Frage wer auf ihm saß. Sein Herzschlag schnell und doch regelmäßig, sprach von aufkommender Angst. Er hatte Angst. Angst vor dem, wo befinden könnte, denn trotz der geöffneten Augen sah er nicht ehr als Dunkelheit. Angst davor nie wieder aus der Finsternis entfliehen zu können und vor allem Angst vor dem, der da auf ihm saß. Doch er würde sich nicht von dieser Angst überwältigen lassen.

Endlich, endlich kam der Sonnenelf zu sich, nur im nächsten Moment wie von Sinnen um sich zu schlagen und fast hätte Kelsey sein Gleichgewicht verloren, wäre gegen einen der harten Felsen geprallt. Doch schaffte er es sich abzufangen und nach einigen Momenten, in denen er den tobenden Barden beobachtet hatte, verstand er endlich und erhob sich langsam von dessen Hüfte. War der Tiefling froh darüber, dass Leben zurück in den Körper gekehrt war. Kelsey selbst war bei Bewusstsein geblieben, was vielleicht daran liegen mochte, dass er recht weich mitten auf den Elfen gestürzt war.
Nun so blieb ihn die Ohnmacht verwehrt, die ihn zurück zu Rash`net gebracht hätte und so hatte er keine Wahl als hier zu bleiben. Denn zu seinem Glück, oder Unglück war die Decke über ihnen Beiden eingestürzt. Kein Verfolger kam mehr an sie, sie beiden aber auch nicht ins Freie. Wie er dies, dem aufgebrachten Elfen beibringen sollte, war ihm noch nicht wirklich bewusst. Oh er hatte doch die Wahl, der Tiefling konnte seinen kopf gegen die Wand rammen in der Hoffnung die Besinnung zu verlieren, aber dies erschien ihm schmerzhaft und so sehr war er dem Wahn doch noch nicht verfallen.

„Es ist Finster!“
Die ersten Worte, die wohltuend wie Balsam an sein Ohr drangen zum einem zeigten sie, dass die Stille gebrochen war und zum Anderen nahmen sie ihm die Furcht, dass er erblindet war. Noch dazu erkannte Loririon Drachenatem den klang der Stimme und herausfordernd fasste er seine Worte: „Ich dachte ihr wolltet mir die Zunge herausreißen, wenn ihr mich wieder seht und nun scheint es mir, dass ich diese immer noch besitze.“ Und zu seiner eigenen Bestätigung murmelt er jenen Zauber, der ihm die Dunkelsicht verlieh, ihm erlaubte die Welt nun zu sehen, wie es Kelsey im finsteren Tat.
Aufmerksam beobachtete Kelsey den Elfen, stellte zufriedne fest, wie sich jener beruhigte. Gut so, wollte er mit dessen Hilfe einen Ausweg finden, brauchten sie beide ein wenig Verstand, Nun soweit man davon bei diesem Barden sprechen konnte. Denn auf die Worte dessen, wusste der Tiefling keine Antwort, keine Reaktion. Schwankte er zwischen amüsierten Lachen und endloser Wut, doch Ausnahmsweise siegte nicht die Wut, nicht der Zorn, so dass er schwieg ein leichtes Schmunzeln unterdrückte.
Worte darauf gab es von ihm nicht, nein er schwieg wie so meist. Denn Worte zu formen war ein kostbares Gut und hin und wieder hatte die Pein der Jahre ihm schon fast den Willen genommen dies zu tun, doch bisher war es nicht geschehen.
„Es ist Finster, die Luft schmeckt fahl und unser Ausgang scheint versperrt.“ Unweigerlich wurde Loririon an Acharn Zephyrs Worte erinnert. Das Grab aus Stein und ein kalter Schauder jagte seinen Rücken hinab. Nein er würde nicht hier unten verenden. Nicht neben diesen wortkargen Tiefling, der schon wieder nicht antwortete. Vergessen waren alle bisherigen Fragen, die Rätsel, denn nun gab es eines das wichtiger war als alles Andere, das Überleben, das Entkommen aus dem steinernen Grab. Und während er versuchte den Rücken zu bewegen, sich zu versichern, dass nichts gebrochen war, ließ er seinen Blick prüfend umherwandern.
Nichts als Fels zeigte sich ihm und eine einzige Öffnung in der Wand, so dass seine schlanke Hand zu dieser deutete. Er konnte auch schweigen, wenn der Tiefling ihn schon damit strafte und so lief er steifbeinig los, seine Tunika war mehr als ruiniert und gut für ihn, dass er keine Augen im Hinterkopf hatte, sonst hätte er den entgeisterten Blick des Tieflings gesehen, war dieser doch schockiert über den zerschundenen Rücken, an dem das warme Blut hinablief.


Schritte kaum hörbar die ihm folgten, deuteten Loririon, dass ihm der Tiefling folgte und seinem Vorsatz zum Trotze wand er sich um, die linke Augenbraue hochgezogen, zum Glück hatte er keinen Spiegel in der Nähe, der ihm die wirren Haare zeigte, die in sein Gesicht fielen. „Mein Name ist Loririon Drachenatem und habe ich die Ehre zu erfahren mit wem ich in dieses Loch geraten bin? Oder werde ich wissenslos sterben? Begraben neben einem Unbekannten? Kein ruhmreiches Ende wie ich es mir erwartet habe, also tut mir den Gefallen und sprecht.“
Kelsey ächzte leise, war die Stille eben angenehm geworden, versprach sie eine lästigen Fragen, keine Drohungen, so fing dieser Elf das Reden an, brach die heilige Stille. Noch viel mehr als Reden, plapperte dieser doch munter wie ein Halbling und Kelseys Teufelsschwanz zuckte gereizt, war der Tiefling versucht, dem Barden doch noch die Zunge heraus zu schneiden. Doch etwas hielt ihn ab. Vielleicht der kleine Funken Respekt, die Höflichkeit in dem Wortschwall? Kein Befehl konnte er hören, keine Verachtung, die man von einem Elf, einen Sonnenelf sogar, erwarten würde. Und so räusperte er sich um schließlich ein „Kelsey!“ zu murren.
„Kelsey also, ein interessanter Name.“ Weiter kam Loririon nicht, trat er doch auf weichen Boden als sich endlich der schmale Pfad vor ihm öffnete, ihn in eine Höhle brachte. Das schmatzen des aufgeweichten Bodens ließ ihn zusammenzucken. Ein Sumpf? Bei Corellon, was sollte ihn denn noch erwarten. Und siehe da seien Gebete wurden erhört, es war kein Sumpf sondern wohl eine Höhle unterspült vom See. Und drehte er sich ein Stück um, um wieder seine Stimme in Richtung des Tieflings erklingen zu lassen, doch soweit kam er nie, denn die Stimme kehrte zurück in seine Gedanken.

„Da bist du ja endlich!“


Und noch bevor der Sonnenelf reagieren konnte, noch bevor Kelsey verstand was sich da vor seinen Augen abspielte, da schnellte etwas aus den Tiefen des Gewässers hervor. Viel zu schnell für den Elf, der immer noch halb benommen war, dem es nicht einmal mehr gelang ein erschrockenes Geräusch von sich zu geben. Kelsey mit seinen trainierten Reflexen blieb nur ein Blick auf eine Tentakel, die sich um die schwarze Hose wickelte, am schlanken Bein riss und dann war der Elf schon in im See versunken.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast