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Quifanu Dunkles Herz

GeschichteDrama / P16 Slash
05.09.2006
14.10.2009
36
192.727
 
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05.09.2006 6.828
 
Loririons größtes Glück war wohl jene kleine Tatsache, dass kein Mensch auch nur im entferntesten damit rechnen würde, dass sich eine sterbliche Seele zu dem Frevel traute in einen Tempel des Tyrs einzubrechen, denn schon allein der Gedanke war unbegreiflich. Vielleicht würde ein Seele voller Bosheit und Schwärze es wagen, doch diese würde schon daran scheitern dem Tempel zu betreten, denn dank der Gunst Tyrs war dieser Tempel machtvoller als so einige anderen. Loririon hatte es gespürt, auch wenn er den Ursprung dieser Gunst nicht kannte.
Der Sonnenelf selbst würde seien Tat nie als einen wirklichen Einbruch bezeichnen, denn um Einzubrechen musste er sich erstmal gewaltvollen Eintritt beschaffen und so gesehen hatte man ihn den Aufenthalt in den Hallen Tyrs schon längst gestattet, sogar so sehr, dass man ihn vertrauensvoll hier alleine ließ. Und so gesehen war es eben auch nachlässig keinerlei Wachen zurück zu lassen, als wolle man jeden gewöhnlichen Dieb mit offenen Armen empfangen. Loririon war zum Glück kein gewöhnlicher Dieb und zum anderen hatte der Goldelf sicherlich nicht vor die wertvollen Schätze des Tempels in seine Taschen zu stopfen und mit diesen zu verschwinden. Solch böse Tat würde sein Gewissen nicht belasten. Viel mehr waren die Gegenstände aus Gold und die magischen Artefakte durch seine Anwesenheit zusätzlich geschützt, denn er würde nicht davor zurückschrecken ungebetene Gäste zu vertreiben.
Dem Barden war an sich bewusst, dass diese Argumente allein nur durch seinen Kopf spukten, auf dass er sein neustes Handeln vor seinem Gewissen rechtfertigte. Wie hatte es ihm Albaraen gelehrt? Manche Dinge mussten getan werden, auch wenn sie fern vom Gesetz und Ordnung lagen, denn der sture Weg auf vorgeschriebenen Pflichten konnte nicht immer den größten Dienst an das Gleichgewicht garantieren. War Loririon ehrlich, musste er sich eingestehen, diese Ansicht nie ganz verstanden zu haben und doch hatten die Worte einen Eindruck bei ihm hinterlassen.
Ein letzter Blick zu dem goldenen Zeichen Tyrs über dem Altar und ein schiefes Lächeln huschte über die feinen Gesichtszüge, bevor eine der schlanken Hände in sein Haar wanderte, dort eine der edlen, silbernen Haarspangen löst. Lustig glänzte diese im Sonnenschein bevor der Sonnenelf sich aufmerksam daran machte, dass einfache Schloss zu knacken. Natürlich er war eines Zaubers mächtig, der dies schneller bewerkstelligen konnte, aber Loririon scheute davor zurück ihn zu Nutzen. Hier an diesem Ort, wo göttliche Magie so greifbar ihn umgab, war er nicht sicher ob seine eigene Magie ihm nicht am Ende schlicht den Dienst versagte, wenn er sie für solch Ziele nutzte. So erfreute er sich daran. Dass das Schloss recht simpel angefertigt worden war, mit brutaler Gewalt hätte er es eben so öffnen können, nur wäre es dann nicht mehr möglich jenes wieder zu verschließen, wie er es vor hatte.
An sich war er sich mehr als sicher, dass er die Räume des heimischen Priesters aufsuchte, denn all die anderen Zimmer hatte er schon untersucht und es war nur diese verschlossene Tür geblieben, es wäre ein wenig seltsam in seinen Augen, wenn der Priester Cauldrons nicht im Tempel selbst leben würde.
Knarrend schwang die schwere Eichentür auf, gerade soweit, dass sich der schlanke Sonnenelf durch den schmalen Spalt schlängeln konnte, sofort wieder mit einem lauten Poltern die Tür hinter sich schloss und einige Momente verharrte er lautlos mit dem Rücken starr gegen das Holz der Tür gelehnt. Es war so einfach, als hätte alles darauf gewartet, das er zu jenen Schritten griff. Ein tiefes Einatmen und er bewegte sich durch den ihm nun offenen Raum, vernachlässigte Einrichtungsgegenstände wie das einfache Bett, oder die Kleiderschränke.
Es war Eile geboten, denn eines hatte er doch zu fürchten und dies war die Rückkehr Selene Lishtas. Loririon Drachenatem gab sich nicht der Illusion hin, dass die gleichen Argumente, die sein Gewissen beruhigt hatten, dazu reichten eine aufgebrachte Priesterin zu besänftigen. Und seinem Charme war sie bisher auch nicht erlegen, wobei der Sonnenelf zu gerne wüsste welche vorbehalte sie genau gegen ihn hatte. Er konnte ja nicht ahnen, dass sie ihn wegen dieser Prophezeiung fürchtete, ihn fürchtete weil diese nicht nur für den Tod des Sonnenelfen stand, sondern eben auch für den Gelehrten des Silbers.
Mit großen Schritten huschte er hier und da durch das Gemach glaubte er nicht auf Fallen achten zu müssen, vielleicht an einigen der Truhen an verschlossenen Schubladen, auch wenn er daran ebenso zweifelte, doch keines davon hatte er vor anzurühren. Viel mehr waren die großen Bücherregale sein Ziel.
Angestrengt ließ er seinen Blick aus den hellen blauen Augen über die ledernen Einbände der anwesenden Bücher gleiten, immer mit der kleinen Hoffnung, dass es eben so Sitte bei den Menschen war, eine Art Chronik über den Tempel und die Stadt zu schreiben, wie er es aus seiner Heimat und den Tempeln dort kannte. Die größte Befürchtung Loririons war, dass der Tempel und dessen Aufzeichnungen sich wirklich nur mit Tyr beschäftigten und all die Geschehnisse innerhalb Cauldrons nicht erwähnt wurden. Auch für diesen fall gab es noch einen kleinen Hoffnungsschimmer, ahnte er doch, dass man auch in den Adelshäusern der Stadt meist Aufzeichnungen über vergangenes besaß und auch diese Tatsache war ein weiterer Grund, warum er die Einladung zum abendlichen Fest angenommen hatte.
Ein zufriedenes Seufzen entwich dem Barden, nicht lange hatte er über die Bücher sehen müssen, bis er die gesuchten fand. Prangten schwere Jahreszahlen auf einzelnen der Ledereinbände und vorsichtig holte er das erste Buch aus dem hölzernen Regal, blies die schon entstandene Staubschicht davon um voller Missgunst die Nase zu kräuseln, während er den Tanz des Staubes beobachtete. Mit spitzen Fingern wischte er an einigen der Bücher den Staub fort, konnte er doch nur so die Jahreszahlen wirklich erkennen. Der erste Schritt war getan, doch nun sollte der nächste folgen, über den er sich noch keine Gedanken zerbrochen hatte. In welchen Jahren wohl waren Dinge Geschehen, die ihn interessierten? Und ein leises Fluchen entwich ihm, er konnte schlecht diese Mengen an Bücher lesen, nicht in der knappen Zeit, die ihm zur Verfügung stand. So wie er schlecht alle Bücher an sich nehmen konnte, um sie zu einer späteren Zeit ungestört studieren zu können.
Nachdenklich starrte er auf die Zahlen, als würden sie davon anfangen mit ihm zu reden, ihm offenbaren was er so dringend wissen wollte. Doch leider blieb ihm dieser Gefallen verwehrt. So blieb wohl nichts, außer seinen Kopf anzustrengen. Vieles schien sich in dieser Stadt um den Tiefling zu drehen, auch wenn schon oft das Wort Hasuvar gesprochen wurde. Der Tiefling an sich war in Loririons Augen aber mehr Anhaltspunkt, als der Fremde Hasuvar. Dieser Tiefling war nicht alt, man hatte es ihm angesehen, nun gut Loririon hatte gehört, dass Tieflinge eine längere Lebensspanne besaßen als ihre sterblichen Eltern und er konnte nicht erahnen was für ein Dämon sich da mit welchem Armen sterblichen Wesen vergnügt hatte und dennoch schätzte er die Lebensspanne des Tieflings auf gering ein, nicht mehr vielleicht als zwei Jahrzehnte.
ES war immerhin ein Anfang und wenn er falsch lag wäre es zwar ärgerlich, aber besser als sinnlos weiterhin die Bücher anzublicken. So ergriff er jenes, das ihm als wahrscheinlich erschien. Zu seiner Erleichterung war auf diesem der staub noch nicht zu dick, so dass seine Nase nicht schon wieder zu jucken anfing. Ein wenig Zeit hätte er sicherlich noch, auf dass er sich auf dem einzigen Sessel in diesem Raum niederließ, sich schwer in diesen sinken ließ, um das schwere Buch auf seinen Beinen abzulegen.
Zeilen die flüchtig an ihm vorbei flogen, Wörter auf die sein Blick nur kurz viel, um sie zu verstehen, sie danach wieder zu vergessen, waren sie nicht von Bedeutung. Nie hätte er die Zeit alles genau zu lesen, selbst wenn er nicht befürchten musste entdeckt zu werden, würde ein genaues Lesen Tage in Anspruch nehmen, sollte er in den weiteren Büchern suchen müssen. Loririon hatte genaue Vorstellungen, welche Wörter für ihn von Bedeutung waren, etwa solche wie Tiefling, Hasuvar oder auch Brand, nicht zu vergessen Prophezeiung.
Die ersten Seiten waren mehr als eine große Enttäuschung und er wollte das Buch schon frustriert zu schlagen und seien Suche abbrechen, wenigstens an diesem Ort zu diesem Zeitpunkt, als er eine letzte Seite umschlug und eine der schmalen goldenen Augenbrauen nach oben wanderte. Es war der Wechsel der Schrift, der ihn ins Auge stach. Die einzelnen Buchstaben wurden größer , ihre Art geschwungener, fast als wären sie förmlich wie ein kleines Kunstwerk gemalt worden. Loririon Drachenatem konnte gar nicht anders, als mit den Fingerspitzen einige der Buchstaben nachzufahren, bevor er endlich zum Lesen überging:



Mein Herz mag einen kleinen Moment ausgesetzt haben, nur um dann voller Schmerz aufs Neue weiter zuschlagen. Auch wenn die Zeit, welche mit dem heutigen Abend einbrach, schon lange greifbar nahe war, so ist es nun unfassbar, dass sie ihr Kommen sich angekündigt hat. Keinen Augenblick wird alles innehalten, nicht stehen bleiben, außer vielleicht in unseren Gedanken, die von der Vergänglichkeit berichten mögen. Heute hat Cauldron einen Verlust zu beklagen, denn Varil Liathyr ging von uns, genommen von zeit und Krankheit.
Möge er in dem Frieden ruhen, den er verdient hat, keinem Menschen wünsche ich es mehr an der Seite seines Gottes Ruhe zu finden, nach langen Jahren in dessen Dienste.
Bis ein Nachfolger gefunden wird, werde ich dem Fürsten Cauldrons zur Seite zu stehen, auch wenn man bedenkt, dass mein Rang und der meine Titel dem seinen gleich kommen mag, wenn nicht mehr von Bedeutung ist. Doch mein Erbe ist vergangen, so vergangen wie das Leben meines Freundes und mit diesen Zeilen schwöre ich meiner Herkunft ab, um dieser Stadt zur Seite zu stehen. Nicht der Stadt allein, denn es sind die Kinder der Stadt, denen ich mein Herz schenkte und wenn es verlangt wird auch mein Leben.
Lange Jahre sind vergangen in denen ich einst Berater war, doch ich kann den Wunsch meines Freundes nicht einfach vergessen. Tyrs Licht mag nicht meinen Pfad erleuchten, folge ich doch dem sanften Licht des Schöpfers, doch seine Sterne mögen uns allen Licht und Trost in der aufkommenden Finsternis spenden.
Ich fürchte die Zukunft nicht und doch hoffe ich es möge schnell ein Nachfolger an meinen Platze treten, denn Varils Wunsch zu leben heißt an alte Erinnerungen zu denken, die nahe sind. Gedanken an Tod und Verlust, ich hoffe ich gehe nicht fehl, kenne meinen Weg um nicht der Verzweiflung zu erliegen.
Möge der Coronal Arvandors meine Schritte leiten.


Im Dienste und in Trauer Hasuvar




Geräuschvoll, mit einem dumpfen Hall schlug Loririon Drachenatem das Buch zu, nur um es nicht einmal einen Herzschlag später wieder zu öffnen. Wie gebannt starrte er die künstlerische Schrift an, das letzte Wort, der Zeilen. Hasuvar, strahlend hell wie die Sonne selbst schien dieser Hinweis und ein leichtes Lächeln huschte über die scharfen Gesichtszüge des Barden. Aufmerksam las er die Zeilen erneut um laut die Luft in seine Lunge zu ziehen, während er in die Stille murmelte: „Möge der Coronal Arvandors meine Schritte leiten!“
Als Sonnenelf wusste Loririon zu gut von wem die Sprache war, es handelte sich um Corellon Larethian, der erste der Seldarine, jener Gott, den er selbst so sehr verehrte. Es konnte nicht viel anderes bedeuten, als dass jener Hasuvar selbst ein Elf war. Und hätte er nur Tinys Worte vor einiger Zeit gehört, jene kleine Anmerkung, dass auch Hasuvar über spitze Ohren verfügte, so wäre er sich noch sicherer, wenn dies überhaupt noch möglich war.
In Loririon sprudelten die Gedanken munter wie aus einer frischen Quelle, eine Idee nach der anderen überschlugen sich, auf dass er sie wieder verwarf und sofort neue ersann. Der Sonnenelf selbst merkte nicht, dass er erneu mit den Fingern die Schriftzüge nachfuhr, die ihn so gebannt hatten. Wie gerne wäre er wohl aufgesprungen und durch die Stadt geirrt um diesen Hasuvar ausfindig zu machen, denn wenn einer wohl wusste  die Geschicke der Stadt zu verstehen, dann wohl ein anderer Elf. Doch genau so groß war sein Drang weiter zu lesen, noch mehr Informationen in sich zu sammeln. Und schließlich war da die kleine Stimme der Vernunft, die ihn warnte nicht einfach blind zu einem Fremden zu rennen, ob nun Elf oder nicht. Denn befürchtete er ebenso sofort wieder Acharn Zephyrs Männer an sich zu haben, wie einen zweiten Schatten, den er nicht wirklich loswerden konnte und nicht zu vergessen die Priesterin, die wohl von ihm erwartete, dass er auf sie wartete.




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Das Knistern von Feuer, lange hatte er es gescheut, die roten Flammen waren eine Qual, sie zu sehen, sie zu dulden, egal ob es die Flamme einer Kerze war, oder das wärmende Feuer eines Kamins. Sein Verstand begriff nicht, dass es da keine Flammen mehr gab die ihn erneut verzerren würden und so hatte er über Jahre gefroren, seine Angst nur noch geschürt. Solange bis Rash`net ihn zwang sich dieser Angst zu stellen und er begriff, dass seine Furcht vor Feuer lächerlich gegen das war, was er bei Rash`net zu fürchten hatte und so war Feuer nach und nach wieder erträglich geworden, lernte er die alte Panik zu unterdrücken, einzusperren.
Nur in den Momenten in denen der rote Magier seinen Experimenten nachging, seine Forschungen betrieb und mehr über das Wesen Kelseys, dessen natürliche Resistenzen erfahren wollte, da war die Angst wieder an Ort und Stelle. Ohne Serno und die Anwesenheit des Priesters der Tayenklave würde Kelseys Haut wohl von diesen Versuchen erzählen und unzählige Brandnarben würden die bleiche Haut zieren, doch die Priester verstanden es solch Zeichen zu verwischen und trotz der vergangenen Jahre, war keine Narbe auf seiner blasen Haut zu sehen, wie auch nun alle Spuren des hinter ihm liegenden Kampfes verschwunden waren.
Träge beobachtete Kelsey den weiteren Tanz der züngelnden Flammen, nur um sich dabei ein wenig mehr auf dem zerrissenen Umhang zusammenzurollen. Den Kopf hatte er auf seine Arme gelegt, so dass die wirren blauschwarzen Haare über diese und sein Gesicht fielen. Die Beine an den Körper angezogen, als könne er so mehr von der wohligen Wärme bei sich behalten. An sich störte ihn Kälte kaum, doch die Erschöpfung hinterließ auch bei ihm ihre Zeichen und zu gerne hätte der groß gewachsene Tiefling wohl geschlafen.
Aber hier in diesen Gemächern würde er es sich nicht trauen, immer wieder erklang das Rascheln der Seide und er hörte Klirren von Glas, leises Stimmengemurmel. Kelsey Dämmerlied hätte sich nur umdrehen müssen, um Rash`net bei seinen neusten Versuchen zu beobachten, doch zog der Tiefling es vor starr den Tanz der Flammen zu beobachten, Rash`net würde es schon verkünden, wollte er die Aufmerksamkeit seiner.
Der bittere Geschmack des Sieges lastete nun auf dem Tiefling, der ein weiteres Mal getötet hatte, ohne auch nur einen Gedanken an seinen Gegner zu verschwenden. Erst nun wo seine Schmerzen vergangen waren und die Wut geschwunden, war es wieder jener kleiner teil, den die Menschen Gewissen nannten, der sich hervorwagte. Beißende Zweifel über sein Leben, seine Existenz, die ein weiteres Mal nicht geendet hatte. Noch nie waren seien Zweifel so groß gewesen wie an diesem Tage.
Widerwillig strich er sich einige der Haare aus seinem Gesicht, kitzelten sie doch seine Nase und wie gerne hätte er in diesem Moment nach dem feinen Dolch gegriffen, der sich in seinem Stiefel befand, nur um mit einer einzigen ruckartigen Bewegung die langen Haare endlich zu kürzen. Es war ein Gedanke gehegt aus Trotz, geschürt von etwas, dass er selbst nicht benennen konnte und nie sollte dieser Gedanke ausgeführt werden. Viel mehr blieb er reglos liegen, lauschte weiterhin dem roten Magier. Eingehüllt in falscher Wärme, rückte er noch näher an den Kamin und schließlich schlossen sich die Lider vor den schwarzen Augen.
Die Nacht würde früh genug kommen und Kelsey hatte nicht vergessen welcher Tag war. Es war der Tag des großen Festes und die Gilde des Letzten Lachers würde diesen Tag nutzen , um die Adligen einiger ihrer Reichtümer zu berauben. Doch noch viel wichtiger war ihm die seine Aufgabe, die kleinen Erpressungen Rash`nets wieder anzutreiben, die Gelder von einigen Kunden einzutreiben ob nun mit Einschüchterungen oder Gewalt.
Und ein Gedanke ließ sein Herz schneller schlagen, es fast aussetzen, auch Hasuvar hatte zu zahlen.




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Das wichtigste war den Schein aufrecht zu erhalten, eine Lüge zu erzählen war das Eine, doch sie zu leben, diese Lüge gar lebendig werden zu lassen, verlangte mehr Können, als das einfache verbreiten der Unwahrheit. Das Leben eines Barden war sicher nicht eine einzige Lüge, aber wäre es die Wahrheit und nur diese, so wäre es doch ein wenig zu langweilig.


„Ich bin Barde, ich erzähle keine Gerüchte. Ich singe von Dingen die geschahen und die nicht in Vergessenheit geraten sollten. Vielleicht mögen Menschen es vorziehen die Vergangenheit zu verschleiern, da sie meist nicht von einer glorreichen Zeit berichten, doch ihr vergesst, dass ihr einen Sonnenelf vor euch habt!“


Nun wirklich er war Barde, doch genauso war er Schauspieler und es waren nicht seine Lieder die dem Schein entsprachen, sondern sein Auftreten und meist sein Verhalten. Loririon hatte in den Jahren seiner Reisen gelernt die Schauspielkunst zu perfektionieren, nun nicht ganz perfekt sonst könnte er sie wohl aufgeben und sich dem Erlernen einer neuer Kunst widmen, verlor doch sobald man etwas konnte, nichts mehr lernte, diese Sache seinen Reiz. Denn was wäre das Leben ohne Herausforderung? Ein trister grauer Ort, ganz ohne Farbe, ohne Sinn und ein zweites Mal würde er den Aufenthalt an solch einem Ort nicht überstehen, kein zweites Mal würde er so tief fallen.
Der Garten des Tempels hatte ihn gelockt und ohne zu zögern war Loririon diesem Lockruf gefolgt. Es war an ihm auf Selene Lishta zu warten, denn so gerne er auch einfach verschwunden wäre, hinfort nach draußen auf die Straßen, so konnte er es nicht verwirklichen. Es hielten ihn keine Ketten, aber das Letzte was er gebrauchen konnte, war dass diese Priesterin ihn später suchen würde, ihn so gar noch in dem Weg kam. Und wer wüsste, vielleicht würde ein Gespräch mit ihr doch noch mehr Licht in die Dunkelheit, als er ahnen konnte.
Tinte tropfte vom breiten Federkiel in seiner Hand, hinab in das grüne Gras und hinterließ schwarze Flecken auf den einzelnen Halmen. Es schien ein kleines Wunder, dass keinerlei Tinte seine Kleidung traf, oder an seinen Händen haftete. Wie schwarze Juwelen glitzerten die einzelnen Tintenperlen in der strahlenden Herbstsonne und einige Momente betrachtete Loririon verträumt wirkend diese. Auf den ersten Blick wirkte der Sonnenelf abgelenkt, damit wohl beschäftigt irgend ein neues Lied zu dichten und genau dies war der Schein, den er so angestrengt aufrecht erhalten wollte.
Wenn er schon zu warten hatte, dann wollte er die Zeit mit etwas sinnvollen verbringen und Nichts war wohl sinnvoller als in dem Buch weiter zu lesen. Verborgen zwischen seinen eigenen Büchern, umrandet von einem Berg aus Pergamenten ruhte dieses Buch vor ihm im Grünen und zwischen den Blicken um sich, als sei er ein Verbrecher, der fürchtete entdeckt zu werden und den Momenten die er sich nahm, um immer wieder einige der Pergamente zu verrücken, versank der Sonnenelf förmlich in den Zeilen, die sich ihm preisgaben.
Nicht dass er etwas wirklich Interessantes fand, die nächsten Einträge waren langweilig. Handelte es sich um Aufzählungen von einfachen Gütern, oder Kleinigkeiten die sich um das Waisenhaus drehten. Doch immer noch war es die Schrift, die ihn gefangen hielt, die Art des Schreibens , wie jener Verfasser mit den Worten umging und in Loririon wuchs bestätig der Wunsch endlich diesen Hasuvar zu treffen.
Nur mit Gewalt konnte er sich dazu bringen, sich von den Sätzen zu trennen, sie nur flüchtig zu überfliegen, denn gaben sie ihm keine Lösungen auf seine Rätsel, erzählten von keinen Geheimnissen. Die tage und Monate flogen gerade so an ihm vorbei und schließlich geschah das enttäuschende, was aber voraussichtlich gewesen war, die Schrift brach ab und neue Einträge wurden erstellt, von anderer Hand geschrieben. Eine Schreibweise, die nun sich in ihn einprägte und die er ab diesem Moment Abysitor dem neuen Priester Tyrs zuordnen konnte.
Idylle, kleine Sorgen des Alltags, nichts von Prophezeiungen, von aufkommender Dunkelheit. Es war frustrierend. Sollte er sich geirrt haben? Vielleicht waren diese Dinge doch nicht aufgezeichnet worden. Doch dann hätten sie wohl auch keinen Halt in dieser Gesellschaft gefunden. Oder vielleicht doch? Er wollte das Lesen schon wieder aufgeben, doch dazu kam es nicht, denn überwand er seinen Missmut, nur um endlich wieder mit Erfolg belohnt zu werden.


Viele Zehntage waren verstrichen, noch vor dem Einbringen der Ernte war er gegangen, ohne eine Erklärung zu liefern. Doch Abysitor hatte die Verzweiflung in den hellen Augen des Elfen gesehen, die Bitte ihn gehen zu lassen, ohne die Frage nach dem Warum zu stellen, verstanden. Und als Hasuvar damals gegangen war, gab er jenes kleine Versprechen auf jeden Fall wiederzukehren, so schnell wie möglich noch dazu. Nach Silbrigmond wollte ergehen , dies war seine einzige Aussage gewesen als er die Stadt verlassen hatte und dass es sich wohl um Familienangelegenheiten handelte, dies hatte er angedeutet.
Es hatte Abysitor verwundert, war der Priester doch davon ausgegangen, dass dieser Elf schon lange allein wäre, denn genau dies hatte er mehr als einmal betont. Und nun waren es  Familienangelegenheiten? Es hatte keinen Sinn ergeben, außer Hasuvar hatte über seien Vergangenheit gelogen, doch Abysitor hatte keine böse Absicht in den Augen erkennen können, nur das stumme Flehen ihn gehen zu lassen. Und so hatte er ihn gehen lassen, auch wenn Hasuvar nur mit schweren Herzen ging, denn mehr als ein einzig Mal musste der Priester versprechen auf die Kinder zu achten, für sie Sorge zu tragen.
So waren die Tage verstrichen und aus Tagen wurden Monate, während der Zweifel wuchs dass Hasuvar wiederkehrte. Ein Bote, den der Tyrpriester nach Silbrigmond geschickt hatte, war auch nicht in der Lage gewesen neue Nachricht zu bringen. Denn es schien als wäre der stolze Elf nie an diesem Ort angekommen und von einer Familie wusste niemand an diesem Ort etwas. Die Vergangenheit Hasuvars war eine Dunkelheit, die wohl niemand zu durchdringen wusste, außer der Elf selbst und so blieb die Ungewissheit bestehen.
Bis zu jenem Tag an dem die Ernten schon längst verstrichen waren und der Nebel Cauldrons wich, um dem Schnee Platz zu machen. Klirrende Kälte und herrliche weiße Flocken kündigten sich an und blieben schon seid Tagen. Auch an diesem, an dem Abysitor seinen Weg hinter sich brachte . Die Sonne verschwand hinter den kargen Felsen und machte dem Mond Platz, der einfach nicht in dieser Nacht scheinen wollte, waren es doch dicke schwarze Wolken, die ihn bedeckten und das Antlitz der Stadt verfinsterten, während die weißen Flocken immer dichter wurden, ihr Fall bald in einen Sturm ausartete.
Gemütlich vor dem Kamin sitzend war es dem Priester gleich und er dankte Tyr für den warmen Ort und die Sicherheit, die er in dieser Stadt gefunden hatte. Abysitor war nie einer jener Priester gewesen, die umherzogen um das Wort ihres Gottes zu verkünden. Nicht dass er sich fürchtete, doch er zog es vor in dieser Stadt zu bleiben, ein Teil der stütze in dieser Wildnis zu werden.
Doch an diesem Tage wurde sein Glauben auf die Probe gestellt, so wie seine Freundschaft, noch konnte er es nicht ahnen, als er ein Klopfen an der schweren Holztür vernahm. Allein fragte er sich, wer wohl zu so später Zeit zu ihm kam und vor allem, wer verrückt genug war, sich bei solch Wetter auf die Straße zu trauen. Vielleicht wurden ja seine Kräfte als Heiler benötigt, doch waren ihm eigentlich alle Erkrankungen bekannt und keine war schwerwiegend, so befürchtete er schon, dass ein Unheil passiert wäre.
Und das Unheil sollte kommen, doch nicht in jener Art wohl, wie sie der Priester erwartet hätte, auf die er sich gerüstet hätte, denn als als er sich endlich abmühte die Tür gegen den tobenden Wind aufzustemmen stand dort kein einfacher Bote, kein aufgebrachter Bewohner der Hilfe benötigte. Eine Gestalt völlig in schwarz gekleidet, schwankend wohl am Ende ihrer Kräfte kauerte am Eingang und noch bevor der Priester sich besinnen konnte, wurde die Tür weiter aufgestoßen und begleitet vom Schnee und Eis rauschte jene Gestalt in den Tempel Tyrs um mit einem lauten Knall die Tür hinter sich zu schließen.
Völlig überrumpelt war der Priester, doch keine Frage mochte über seine Lippen kommen, denn Kindergeschrei durchbrach die Stille und die fremde Gestalt achtete Abysitor nicht, eilte sie doch schlotternd und zitternd durch die Räume, als wüsste sie genau wohin sie musste um den einladenden Kamin zu finden und die Wärme, welche dieser versprach. Ein Spur aus Schnee und Eis aus dem langen schwarzen Umhang rieselnd wie den hinterlassend und genau dieser Spur folgte der überraschte Priester, der an sich wusste sich durchzusetzen, den Respekt sich zu erarbeiten, den er verdiente. Eng zusammengekauerte fand er die schmale Gestalt am Kamin, die  einige Momente schlicht die Augen schloss, bis der Priester ihr gefolgt war und endlich die Worte eines Protestes fand, nicht dass er eine bedürftige Seele des Hauses verweisen würde, doch die Art wie man sich Zugang verschafft hatte, ließ zu wünschen übrig.
„Zürnt mir nicht mein Freund.“ Leise gesprochene Worte, doch er kannte sie, die Melodie jeden einzelnen Wortes, so sanft und voller Klang, dass Abysitor erneut den Halt seiner Zurechtweisungen verlor und sich die Augen des Priesters weiteten, während er Fremde sich des Umhanges entledigte, auf dem schon der Schnee zu schmelzen begann und da stand der Elf, so als wäre er nie fort gewesen.
Immer noch schillerten die bunten Perlen in dem Meer aus blauschwarzen Haar und die hellen Augen waren nie lebendiger gewesen. Und doch er wirkte erschöpft und wer mochte es ihm verdenken bei diesem Wetter und dem Weg, den er hinter sich hatte. Ein kleines Bündel aus Stoff an sich gedrückt wisperte er lange beruhigende Worte, bis das Kindergeschrei abklang und nur noch ein leises Schniefen zu vernehmen war, das auch bald verstummte. Erst jetzt huschte ein Lächeln über die blassen Lippen des Elfen der zu dem größeren Priester aufblickte. „Verzeiht mir mein Freund.“ Worte die so flehend waren, wie es damals der Blick schien und die nicht an den stolzen Elf erinnern mochten.
„Hasuvar, wo in Tyrs Namen seid ihr gewesen? Und was treibt euch in dieser Kälte hinaus? Ganz zu schweigen, wieso seid ihr so kopflos und bringt ein Kind in dieser Kälte in Gefahr?“ Wie ein Erdrutsch brachen die Fragen über den Kopf des Elfen ein und doch schien er sie kaum wahrzunehmen, nur sehr wenig auf den Priester zu achten, der wie ein aufgescheuchtes Reh durch den Raum rannte und wohl nach Antworten verlangte. Langsam waren die Schritte des Elfen , schlurfend schon fast, als er zu einem der Stühle ging um diesen näher an das Feuer zu ziehen und sich auf diesen niederließ.
Und endlich verstand Abysitor, dass er so wohl keine Antworten bekam. Elendig sah der Elf aus, dessen Haut noch weißer in der Kälte geworden schien. Unter den Augen zeichneten sich Ringe ab, die Abysitor dort noch nie gesehen hatte. Leider konnte Abysitor von dem Kind nicht viel mehr erkennen, als den Berg von Stoff, in dem Hasuvar es vor der Kälte und dem Schnee geschützt hatte. „Ist es euer Kind?“
Lange war kein Laut zu vernehmen, nur das Prasseln des Feuers und das Knacken der flammenden Holzscheite, hier und da leise Geräusche des Kindes, doch zu Hasuvars Glück war der Kleine schon wieder eingeschlummert. Ist es euer Kind? So sehr er es sich auch wünschen würde, denn diese Tatsache würde es einfacher machen, als die wahre Herkunft des Kindes, so konnte er nur den Kopf schütteln. „Es ist nicht das Meine!“ Lange hatte er überlegt wie viel er erzählen würde, was er Abysitor sagen konnte und doch nun in dem Moment, in dem er aufblickte zu dem Priester, der ihm einen Kelch mit Wein reichte, auf dass er sich aufwärmen würde, da versagten ihm die Worte und schweigend drückte er das kleine Bündel enger an sich.
„Hasuvar, wo seid ihr nur gewesen? Ihr wolltet schon längst wieder zurück gewesen sein und nun kommt ihr mitten in der Nacht, wie ein Verbrecher zurück, noch dazu in der Begleitung eines Kindes, dass nicht das eure ist.“ Der Vorwurf war unüberhörbar, doch zuckte der Elf nicht einmal mit einer Wimper, sein Leben war kein offenes Buch und seine Vergangenheit würde er nicht an einem Abend offenbaren, nicht mehr als nötig war.
Lange schwarzblaue Haare fielen vor die feinen Gesichtszüge und erst jetzt wurde Abysitor bewusst, wie schmal der Elf geworden war und zum Teil bereute er es ihn so mit seinen Worten überfallen zu haben. Leichte Falten zierten die Mundwinkel, als sich die Lippen wieder zu einem Lächeln bewegten, deuteten auf das hohe Alter des Elfen hin, der mehr als ein paar Jahrhunderte schon auf Faerûn weilte. „Abysitor könnt ihr mit Gewissheit sagen, was der Morgen mit sich bringen wird? Ich weiß, dass ihr sagt alles was geschieht, dies ist euer Schicksal, euere Prüfung des Lebens. Und so trifft es wohl auch auf mich zu, ich mag etwas vorgehabt haben, doch mein Schicksal führte mich auf einen anderen Pfad. Ich gab euch das Versprechen wieder zu kehren und hier bin ich? Doch ich sage es euch ein einziges Mal, was ich erlebte was ich sah, es ist unvorstellbar und es geht nur mich etwas an. Entweder ihr werdet dies akzeptieren oder ich werde  noch in dieser Nacht weiter ziehen!“
Die Worte klangen endgültig und Abysitor zweifelte nicht an ihren Gewicht, denn er wusste von dem Stolz des Elfen. Hasuvar mochte wahrlich eine Ausnahme unter den Elfen bilden, die Abysitor kannte. Denn wann hatte man schon von einem Elf gehört, der sich um die Waisen von Menschen und Halblingen kümmerte? Abysitor hatte schon früh die Einmaligkeit Hasuvars erkannt und wie sein Vorgänger vertraute er dem Elf Bedingungslos.
Seine Vergangenheit, die sicher nicht einfach gewesen sein konnte, war greifbar. Denn wie oft hatte Abysitor die übermächtige Melancholie Hasuvars gesehen, die tiefe Trauer in den hellen Augen, immer wenn sich dieser unbeobachtet fühlte. Und nur selten waren seine Lächeln ehrlich, außer in der Nähe der Kinder, die den Elfen verehrten, denn gab er ihnen mehr als ein Dach über dem Kopf und eine Chance auf eine gute Zukunft. Nein er war ihr Familienersatz, so wie sie der seine schienen. Abysitor konnte sich nur an ein Gespräch mit Hasuvar erinnern, das wirklich um die Vergangenheit des Elfen sich drehte und dieses hatte der Elf abgebrochen als herausgekommen war, dass er wohl einst wirklich eine Familie sein eigen nannte, einen Sohn gehabt hatte, bis man ihm alles genommen hatte.
Das Knarren des Stuhles unterbrach Abysitors Gedanken, denn Hasuvar war dabei sich zu erheben, griff mit einer Hand nach dem Umhang. „Darf ich euer Schweigen als Hinweis deuten zu gehen?“ Keine Bitterkeit, kein Hohn lag in diesen Worten, nein sie war eine Frage, deren Antwort er akzeptieren würde und ein Blick in die hellen, forschenden Augen ließ Abysitors Herz fast aussetzen. Wie könnte er nur dieses Wesen, das er Freund nannte, davon treiben? Nie wieder würde er Ruhe finden. So schüttelte der Priester den kopf und drückte den Elf zurück auf den Stuhl. „Ihr bleibt hier, viel zu lange wurdet ihr vermisst.“
Vermisst werden, machte dies nicht einen Teil der Heimat aus? Ja er hatte endlich eine Heimat gefunden und ein Lächeln umspielte die blassen Lippen, bevor sich die starken Schultern strafften. „Ihr seid zu vorschnell mein Freund, ich habe es euch oft genug gesagt, dass ihr erst alle Fakten sammeln sollt, bevor ihr euer Urteil sprecht.“ Und mit verstummen seiner Stimme schob der Elf den Berg aus Stoff um das Kind beiseite. So behutsam, dass sich Abysitor fragte, ob er nicht doch vielleicht der Vater des Kindes war. Doch das Lächeln auf den Lippen Abysitors erstarb im selben Moment, in dem das Kind, nicht mehr als ein Säugling blinzelnd die Augen aufschlug, mit seinen kleinen Händen nach den schlanken Fingern griff um diese festzuhalten und fröhlich dabei zu glucksen.
Schwarze, so finster wie die Nacht, waren die Augen, welche aufmerksam auf die Hand blickten. Standen diese finstren Augen im Gegensatz zu der weißen Haut, welche im Schein des Feuers leicht glänzte. Und während Abysitor entsetzt war, strich Hasuvars geschickte Hand leicht über den Kopf des Säuglings, über den schwarzblauen Flaum, der an zwei stellen unterbrochen wurde, da sich dort kleine Male zeigten, dort wo irgendwann wohl zwei Hörner wachsen würden.
„Ihr habt das Böse nach Cauldron gebracht!“ Es waren die ersten Worte, die dem Priester einfallen wollten und wohl die, die so fehl in Hasuvars Ohren waren. Denn erneut sprang der Elf, ein unheilverheißendes Funkeln in den Augen, während er den Säugling beschützend an sich drückte, als fürchte er jemand würde sich den Kleinen holen und ihm Böses tun. Mit einigen Schritten war er bei dem Priester, um sich zu voller Größe aufzurichten und mochte Hasuvars Gestalt auch klein sein, so war er ein Krieger und noch viel mehr lag in ihm verborgen, auf dass sein Blick voller Härte schon genügte um Abysitor  weitere Vorwürfen auszutreiben. „Ihr macht euch lächerlich.“ Erstaunlich leise war die Stimme des Elfen, doch ihr lauernder Unterton nicht zu verleugnen.
Das Kind schrie erneut, als würde es die Situation verstehen, sich fürchten vor dem was kommen sollte und wieder war es Hasuvar der den kleinen mit einigen sanften Worten zu beruhigen wusste, ließ er es auch zu dass eine der Haarsträhnen in dem Mund des Säuglings verschwanden. Ein seltsames Bild, das vielleicht ein Lächeln auf die Gesichter zaubern konnte, aber nicht zu diesem Zeitpunkt, denn trotz jener Situation verlor der Elf seine lauernde Haltung nicht und bald darauf bohrte sich ein Finger gegen die Brust Abysitors.
„Sorgt nicht dafür, dass ich meinen Respekt vor euch verliere Mensch. Seht euch nun dieses Kind genau an. Seht ihr etwas böses? Oder seht ihr nur die Abstammung? Wie blind könnt ihr sein, dass ihr nicht das menschliche an ihm seht, dass was genauso Anteil hat in ihn, wie der Teil, den ihr nur sehen wollt? Abysitor zwingt mich nicht dazu, euch zu verachten, weil ihr nur Schwarz und Weiß kennt. Wer kann heute beurteilen ob er je böse sein wird? Ihr?“ Ein leises Schnauben entwich Hasuvar, während er den Umhang um seinen Körper wickelte, entschlossen auf die Tür zu ging. „Es kann nicht gerecht sein, jemand nur aufgrund seiner Herkunft zu verurteilen. Ich werde dieses Kind aufziehen und ich sehe keine Finsternis in ihm, ich sehe nur die Finsternis in den Herzen der Menschen. Meint ihr nicht ich wäre dem Flehen seiner Mutter nicht nachgekommen, wenn es anders wäre. Ich habe am Rande dieses Flusses gestanden und doch ich besitze ein Herz und nun großer Priester des Tyr, besitzt ihr auch solch eines? Besitzt ihr Verstand um die Wahrheit zu erkennen?“

Loririon hielt verdutzt inne, nahm er kaum noch den Gesang der Vögel war. Die leichte Prise des Windes, die durch sein Haar  strich, dafür sorgte dass die goldenen Strähnen sich bewegten, immer wieder neu die Sonnenstrahlen reflektierten. Die Sonne war schon hoch am Himmel, kündigte vom Höchststand ihrer und die Schatten waren klein geworden, kaum noch zu sehen.
Leicht drückte der Sonnenelf seine Lippen aufeinander, so dass sie einen kleinen schmalen Strich bildeten. Wusste der Barde sichtlich nicht, was er von dieser neuen Wendung halten sollte. Dieser Hasuvar entsprach so gar nicht dem Bild eines Elfen. Wie konnte man Stand und Gesellschaft aufgeben? Dies hatte er noch zum teil nach vollziehen können, auch wenn Loririon mit der Erziehung aufgewachsen war, dass in einer Gesellschaft der Stand wichtig war. Natürlich bei Elfen war für jeden egal welchen Ranges Platz um ein angenehmes Leben zu führen, zählten am Ende die Taten einer einzelnen Person mehr, als ihr Stand.
Loririon Drachenatem selbst konnte sich als ehemaliger Erbe des Hauses Immershofer nennen. Eine besondere Position eines Hauses, schließlich galt er als Bewahrer der Traditionen und Nachfolger des Fürsten, so wurde er förmlich jeden Tag darauf gestoßen, dass Wurzeln, die Vergangenheit eines Adligen ihn zu etwas besonderes werden ließen. Ein anderer wäre nun mehr als schockiert über den Entschluss seine Vergangenheit hinter sich zu lassen, doch nicht Loririon, denn es faszinierte den Sonnenelfen nur noch mehr, hatte auch er diesen Schritt getan.
Entsann sich Loririon doch zu genau an jenen Tag an dem Lippen nah an sein Ohr gekommen waren, leise hauchten: „Wer weiß schon was das Morgen bringen mag. Es sind Schicksal und Vergangenheit, denen wir entfliehen. Lassen wir uns tragen wie haltlose Blätter im Wind, oder sind wir Blätter die noch am Baum hängen, ihre Wurzeln versuchen zu halten? Unser Schicksal mag uns immer jagen, doch wir sind es die den weg bestimmen und entscheiden wie weit uns Tradition beeinflusst ob wir bei der Jagd des Schicksals ausbrechen oder stur davon rennen ohne die Schönheit des Lebens zu achten.“

Es verwunderte den Sonnenelfen nicht, dass als er weiterlas, es sich herausstellte, dass Hasuvar es wirklich geschafft hatte, seinen Willen bei dem Priester durchzusetzen. Und die nächsten Einträge waren voller Zweifel des Priesters, beschrieben die Stimmung der Einwohner Cauldrons und doch schienen sich über die nächsten Jahre die aufgebrachten Wogen zu glätten. Was wohl an der Mühe des Elfen lag und schlicht an der kleinen Tatsache, dass der Tiefling, den Hasuvar Kelsey getauft hatte ein Kind wie jedes andere war. Vielleicht ein wenig und zurück gezogener, doch bei dem Ziehvater nicht erstaunlich.

Wie also konnte es zu diesem Wandel kommen, zu dem heutigen Geschehen. Noch bevor Loririon die Antwort auf diese Frage erhielt, unterbrachen ihn herannahende Schritte. Und eilig schlug er das Buch zu auch wenn schweren Herzens, nur um sich wieder den Pergamentstapel vor ihm zu widmen. Ganz so als hätte er die Schritte Selenes nicht vernommen.




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Die Zeit heilt alle Wunden. Vielleicht mochte es wirklich so sein, doch die Narben werden für immer bleiben. Und doch darf man sich von längst vergangenen nicht besiegen lassen, nie werden es vergessene Erinnerungen sein, doch es heißt Stärke zu beweisen. Nur dann können wir einen Kampf gewinnen. Vielleicht wird irgendwann mein Traum in Erinnerung gehen, auch wenn die Welt dann längst ohne mich sein wird.

Es hatte ihn mehr Zeit gekostet Ruhe zu finden, als es dem Fürsten Mondflüstern recht war. Sein Kopf fühlte sich an, als wäre er tagelang nicht zur Ruhe gekommen und kaum noch ließen sich die türkisfarbenen Augen offen halten. Dennoch zurückgezogen in sein eigenes Reich, in sein Haus wo er die Sicherheit wusste nicht unangenehm überrascht zu werden, konnte er es sich leisten sich seiner beute zu zu wenden.
Die magischen Gegenstände waren schnell geordnet und mit großer Zufriedenheit, hatte er festgestellt, dass sie mehr als genüge waren um endlich den letzten Schritt zu wagen. Doch darum würde er sich in dieser Nacht kümmern, wenn er ausgeruht war und vor allem musste er Kelsey in seiner Nähe wissen.
Hier zurückgezogen in seinem haus, das schon seid Jahren sein Heim war, kam ein wenig der Sicherheit wieder und langsam schritt er durch den langen Flur, ein wehmütiges Lächeln auf den dünnen Lippen. So viele Jahre waren vergangen und nach all der Dunkelheit schaffte er es nicht wieder an seinem alten leben anzuknüpfen, viel zu fest saßen die Fesseln die an seinem Herz gekettet schienen. Leicht fuhren die Finger über einen der goldenen Rahmen. Viele der alten Gemälde, alle entsprungen seiner eigenen Hand, hatte er aus seinen Augen verbannt, hinfort in einen einzigen Raum, in den er sich nicht mehr wagte. Nein seien Zeit war bald abgelaufen und er fürchtete jenes ende nicht, nicht wenn er es schaffte all die losen Enden zu verknüpfen.
Nun in der stunde in der er wieder Ruhe fand, konnte er auch endlich jenen verstaubten kleinen Beutel öffnen. Fragte er sich immer noch, was ihn dazu zwang und der sanfte Lockruf stieg an, während er den Beutel öffnete. Hier in seinem Flur herrschte Dunkelheit, den schwere Vorhänge hielten das Licht davon ab hinein zu dringen. Passte die Finsternis zu seiner Stimmung, zu dem Mantel der sich um seine Seele gelegt hatte.
Die mandelförmigen Augen, die sein exotisches Aussehen nur noch unterstützten bildeten kleine Schlitze. Vor einigen Jahren war er einst eitel gewesen, doch er hatte lernen müssen, dass sein Aussehen ihm schaden konnte und das auf eine Art , die er sich nie geträumt hätte. Doch nun war nicht der Zeitpunkt sich daran zu erinnern. Zitternde Hände öffneten die Schnurr die den Beutel geschlossen hielt und kurz darauf war ein entgeistertes keuchen zu hören. Ein Laut getränkt von Wut und Entsetzen, als der Beutel zu Boden fiel und er nicht glauben wollte was er dort sah.
Doch die Worte auf dem Pergament das er ebenso gestohlen hatte waren nicht anzufechten, so wie der Anblick des Siegelringes in dem Beutel, der nun wo er endlich den Weg zurück zu seinem einstigen Besitzer gefunden hatte, wieder in dem sanften silbernen Licht aufleuchtete. Und nun verstand Fürst Mondflüstern die Worte, die Nachricht auf dem Pergament.


Euer Geschenk ist angekommen Rothillion. Unser Pakt ist besiegelt!


Wenn die Kälte siegt,bleiben einem nur die Träume. Doch auch diese zerplatzen, wie Seifenblasen, wenn wie ein Dolch so stechend und schmerzend einem die Wahrheit trifft. Eingeholt von dem vergangenem Kein Schrei, nur ungesehene Tränen. Geschüttelt von Furcht, allein gelassen. Gequält nur aus Spaß, Gefühle zerschmettert. Und kraftlos sank der Fürst zu Boden um starr auf den Ring zu blicken, bevor er leise murmelte „Ich werd ihn töten, koste was es wolle!“
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