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Quifanu Dunkles Herz

GeschichteDrama / P16 Slash
05.09.2006
14.10.2009
36
192.727
 
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05.09.2006 5.946
 
Der Atem des Nachtfalken ging stoßweise, jeder Zug schmerzte und er fürchtete das sein Atem einfach aussetzen könnte. Ja irgendwann würde er sich offenbaren wollen. Eines Tages, doch noch war diese Zeit noch nicht gekommen und so suchte er nach einem Ausweg. Denn sollte er nun überwältigt werden, dann hatte es nur eine Offenbarung zur Folge. Abysitor würde noch mehr in seinen Schuldgefühlen versinken und die Einwohner Cauldrons hätten neue Gerüchte, würden neue Geschichten über seinen Leidensweg spinnen. Nicht dass ihn das Gewissen des Tyrpriester Gedanken bereitete, war für den Nachtfalken das Leben Abysitors nicht verständlich. Der Nachtfalke glaubte an Gutes und Gerechtigkeit, aber genau so brauchte er seine eigene Freiheit und die Freiheit anderer respektiert er, versuchte sie zu schützen, auch wenn die Mittel dafür manchmal die Gesetze überschritten.
Zu einem anderen Zeitpunkt hätte er sich nicht vor Rothillion gefürchtet und sich dem Magier entgegengestellt. Auch nun empfand er nicht die bedrückende Furcht, die man bei einem entdeckten Dieb erwartete, doch würde eine Kampf mit dem Magier seine Aufgabe schädigen. Die kleine Tatsache, dass er nicht einmal dazu in der Lage war seine Klingen zu ziehen, die verdrängte er nun völlig.
Wie dem auch war, er hatte sich nach einem Fluchtweg umzusehen und zwar schnell. Denn schon hörte er wie sich jemand an der Tür zu schaffen machte und es konnte kein anderer sein Hektisch drückte er den staubigen Beutel an sich, als wäre jener ein Schatz den es zu schützen galt und auch die zerknitterte Pergamentrolle würde er nicht hergeben, nur über seine Leiche. Mit der anderen Hand, deren Zittern immer stärker wurde, zog er das Tuch noch höher, so dass nur ein kleiner schmaler Schlitz seine Augen freigab.
Eilige Schritte führten ihn durch den Raum, stürmte der Nachtfalke förmlich auf das Fenster zu. Warum musste es nur so hoch sein? Viele Meter trennten ihn von dem rettenden Ausweg. Das laute Knallen der aufgerissen Tür, die fest gegen die Wand geworfen wurde, ließ ihn innehalten. Rothillion, der Magier, von dem er mittlerweile dachte, dass er mehr sein musste, als er vorgab. Auf jeden Fall mehr, als der einfache Hausmagier eines Fürsten, doch Beweise hatte er nicht. Es war nur ein Gefühl, nach dem er sich an diesem Ort umgesehen hatte. Der Nachtfalke versank förmlich im Boden, in der stillen Hoffnung, dass man ihn nicht erkannte, dass Rothillion nicht zwischen all die Lagen aus Stoff blicken konnte und die darunter verborgene Wahrheit erkennen mochte.

Anders als in der Nacht zuvor bei dem Treffen mit Acharn Zephyr trug Rothillion eine dunkelblaue Robe nicht mehr die edle Rote. Und auch der Schmuck, all die Anzeichen von Totenköpfen waren nun nicht mehr bei  ihm aufzufinden. Nur Acharn Zephyr kannte die Wahrheit über Rothillion und dieser würde sie sicher nie aussprechen, denn das hätte seinen eigenen Untergang bedeutet. So blieb dieser Magier in den Augen der ehrbaren Bewohner Cauldrons der angesehen Hausmagier des Fürsten, der in allen Vertrauen und Respekt fand, weit fern im verborgenen seine finstern Geschäfte betrieb. Dinge die so finster waren, dass auch Zephyr nur ahnen konnte welches Ausmaß sie hatten, doch die ganze Wahrheit kannte auch dieser nicht.
Von all dem wusste der Nachtfalke nichts, doch er sollte bald einen Geschmack auf die geheimen Künste des Magiers bekommen, der seine bisherigen Vermutungen verstärken sollte.
Verdutzt wirkte der Robenträger, als er die dunkle Gestalt vor sich musterte, verborgen war jeder Hautfetzen und so wie sich der Dieb zusammenkauerte schien er mehr als verunsichert. Leider stand der Fremde so, dass die Kapuze des Umhanges lange Schatten warf, so die Augen verbarg. Rothillion konnte das Zittern der Hände sehen, welches auch den schlanken Leib mehr und mehr erfasste und es gab für ihn keinen anderen Grund für dieses Zittern, als die Panik des Eindringlings. Es würde wohl reichen einfach auf die Wachen zu warten, doch wer wusste, was dieser Eindringling entdeckt hatte. Und so fing er an, ohne mit der Wimper zu Zucken, einen seiner Zauber laut zu rezitieren.
Ein Schädel, eindeutig der eines toten Menschen, erschien in der Luft und knisternde Energie ging von Rothillions Händen aus, hin zu dem Schädel, der sich mit einem blassen grauen Leuchten anfing zu füllen und noch bevor der Nachtfalke überhaupt verstand, was dieser Magier da tat wurde der Schädel schon nach ihm geworfen. Er glaubte hässliches Lachen erklingen zu hören, in seinem Kopf eine Stimme zu vernehmen, die seinen Tod verkündete. Wie der Nachtfalke es schaffte auszuweichen, dies wusste er selbst nicht, doch seine Reflexe die ihn auch vor der Schlange bewahrt hatten, ließen ihn ausweichen, dem Schädel förmlich davon tänzeln. Einzig allein konnte er es nicht verhindern, dass sein Oberarm gestreift wurde. Schmerzhaft war schon die kurze Berührung, ließ ihn fast aufschreien, als eine schwarze Substanz sich durch den Stoff des Ärmels fraß, seine Haut einfach aufzulösen schien.
Schmerz, er war schon lange ein Teil seiner Existenz und doch musste der Nachtfalke nach Luft ringen, konnte sich kaum auf den Beinen halten, schon der Einbruch hatte einen Großteil seiner Kräfte geraubt. Schließlich drang Rothillions Stimme durch den dichten Mantel aus Schmerz, hörte er die Worte, welche ihm unheilvoll verkündeten: „Du wirst sterben du Narr!“ Und beinahe hätte er dem zugestimmt, hätte sich zu gern in sein Schicksal gefügt, dem er schon so lange davon rannte. Doch nicht kampflos und als der zweite Zauber auf ihn hinein brach, gewann seine jahrelange Ausbildung überhand über sein Handeln, seine Gedanken. Magie wirken, dies konnte er auch und jahrelang hatte er sich damit beschäftigt gegen die Zauber von Magiern seine Magie zu richten und genau dies tat er nun. Schwarzer Nebel kam auf ihn zu, präsentierte so den nächsten nekromantischen Zauber, der nach seinem Leben trachtete. Ein Zauber, der sein Streben darauf richtete, nach einem einzigen Atemzug dem Nachtfalken, den Tod zu bringen.
Zufrieden wirkte Rothillion, konnte er beobachten wie der Fremde unaufhaltsam in den schwarzen Nebel gehüllt wurde und es war nur eine Frage von wenigen Sekunden, bis er den Aufschlag eines leblosen Körpers auf dem Boden vernehmen würde. Für Rothillion war dieser Zauber nicht einmal etwas besonderes, sondern nur ein kleiner teil, der Kunst die er wahrlich beherrschte. Wenn es schnell genug ging, war es möglich die Leiche beiseite zu schaffen und vielleicht so noch etwas über den Eindringling zu erfahren und später, ja später würde er ein gutes Versuchsobjekt werden. Fast hätte der Magier vor Freude aufgelacht, brachte ihm dieser Einbruch so noch etwas Gutes.
Doch es sollte nie so geschehen und Rothillion sollte die erste Lektion in Demut noch an diesem Tage erlernen. Ja es erfolgte ein Aufprall, aber es war das Klirren von Glas, welches diesen Aufprall untermalte. Und ungläubig starrte Rothillion den Nachtfalken an, der zwar laut hustete, sonst aber recht lebendig und vor allem unversehrt wirkte. Schon fast dreist deutet eine der schlanken Hände auf das zerbrochene Fensterglas, hatte der Nachtfalke einen hölzernen Stuhl, der am Arbeitstisch stand, durch das Fenster geworfen und wo auch immer er herkam, ein Wind schien im inneren des Raumes zu entstehen und scheuchte den tödlichen, schwarzen Nebel durch das zerbrochene Glas, hinaus in die Freie, wo er unwirksam verschwand.
Mit den zittrigen Fingern strich sich der Nachtfalke kurz über das Tuch, welches seinen Mund verbarg. Konnte er doch den metallischen Geschmack von Blut schmecken, während die Kopfschmerzen anstiegen und schwarze Punkte vor seinen Augen umher tanzten. Es war nicht einmal der Zauber, der ihm so zusetzte, denn dieser war an ihm abgeperlt wie Wasser an einem geschmeidigen Katzenfell. Der ungläubige Blick des Magiers, war wie Balsam auf seiner geschundenen Seele und noch bevor Rothillion reagieren konnte machte er einen Satz auf diesen zu, um dicht vor dem Magier stehen zu bleiben.
Rothillions Gedanken, nach dem Warum und dem Wieso wurden schlagartig unterbrochen. Noch vor einigen Momenten hätte er behauptet diese Kreatur, deren Körperbau lächerlich schmächtig wirkte und deren Zittern immer noch nicht vergangen war, hätte Angst vor ihm und nun war er sich nicht einmal so sicher. Genauso wie er nicht wusste, wie dieser Eindringling den Todesnebel überstanden hatte, oder wie es ihm gelungen war, diesen Wind zu beschwören. Und jetzt stand dieses Wesen auch noch dicht vor ihm. Der Fremde war sicher gut zwei Köpfe kleiner als Rothillion und dennoch konnte dieser nicht anders als einen Schritt zurück zu weichen. Die Augen er konnte sie immer noch nicht sehen und dies war gut für den Nachtfalken, denn sie hätten ihn sicher verraten, waren ihre Farbe, bestehend aus Türkis untermalt mit silbernen Sprenkeln, so einzigartig in Cauldron, wie es die ganze Art des Nachtfalken war.
Doch Rothillion war kein Magier, der sich so schnell verunsichern ließ. Nähe mochte für einen Magier sicher schlecht sein in einem Kampf, doch er konnte damit umgehen und war ihm auch nicht entgangen, dass der Fremde keinerlei Waffen gezogen hatte, auch wenn zwei Schwerter an dessen Gürtel hingen. Er würde sich später darüber Gedanken machen, aber nun beklagte er sicherlich nicht diesen Umstand, sondern würde ihn nutzen. Seine Hand wanderte zu seinem Gürtel um dort einige schwarze Bänder zu lösen, die er hastig in die Richtung des Fremden schleuderte, stand dieser doch direkt vor ihm, so dass er ihn nicht verfehlen konnte.
Was wollte er nur so dicht an Rothillion? Dem Nachtfalken war nach keinem Kampf, sein ganzer Körper schrie danach endlich Ruhe zu finden und doch war er so dicht nun an dem Magier und er spürte wie eine der schlanken Hände hin zum Griff seines Schwertes wanderten und das Leder der Handschuhe das feine Metall berührte. Er war so schockiert von jenem handeln, dass er viel zu spät die Bewegung des Magiers wahrnahm und ein Keuchen entwich ihm als die Bänder seine Kleidung berührten, sich bei dieser Berührung in Schatten verwandelten, die sich ausdehnten um sich um den schmächtigen Körper zu schlingen, ihn festhielten, stärker als es Ketten wohl getan hätten. Noch schlimmer als diese Fesslung, war das Gefühl der letzten Kraft beraubt zu werden und das zerren von Furcht und Panik, wobei beide Gefühle nicht die seinen waren, sondern etwas in seinem Geist anfing diese dort zu verbreiten.

Gib auf. Was hast du dir nur gedacht?


Diese Frage konnte er sich nicht einmal beantworten. Er war viel zu früh aufgebrochen, hatte alle Anzeichen seiner Krankheit vernachlässigt, wo er doch sonst eher besonnen war. Nach Atem ringend versuchte er sich zu befreien, während der Geschmack von Blut zwischen seinen Lippen intensiver wurde. Doch mit jeder Bewegung schienen sich die Schatten nur noch fester um ihn zu legen und kraftlos konnte er es nicht verhindern auf die Knie zu sinken.

Sag ihm wer du bist? Gestehe, gib deinen Namen, deine Herkunft preis, vielleicht wird er dann Gnade walten lassen. Er kann dich nicht töten, nicht ohne die Gesetze zu brechen.


Raschelnder Stoff klang bis an sein Ohr, mischte sich zu der Fremden Stimme, die ihn peinigte, ihn dazu antrieb um Gnade zu flehen. Doch er war der Nachtfalke, er würde nicht betteln, nicht jammern. Er hatte sich geschworen es nie wieder zu tun und so fand er in alten schmerzvollen Erinnerungen die Kraft die fremde Stimme zu vertreiben, ihr nicht mehr zu zu hören. Die Berührung der Hand am Stoff seiner Kapuze ließ ihn zusammenzucken und hektisch warf er sich zur Seite, auch wenn die Bänder es verhinderten, dass er sich abfing, so dass er unsanft auf der Seite zum liegen kam und ein neues Husten sich aus seiner Kehle löste.
Dieses Verhalten, das an ein kleines trotziges Kind erinnerte, das nicht wusste wann es aufzugeben hatte, es erinnerte Rothillion an etwas. Nur wusste er nicht an was, oder besser an wen. Es war schon Jahre vergangen, dass ihm jemand so gegenüber aufgetreten war.
„Füge dich doch endlich! Es wird dir einiges An Leid ersparen. Spürst du wie deine Kraft dich verlässt? Jeder Atemzug wird schwer werden, bis du nicht einmal mehr die Kraft für solch einen hast und dennoch wirst du daran nicht sterben, denn je mehr Widerwillen du zeigst, um so mehr Spaß habe ich daran, diesen völlig auszulöschen.“
Worte, so hart, die an seine feinen Ohren drangen, während der Mantel aus Schmerz und  Kraftlosigkeit immer mehr anstieg, ihn Tränen in die hellen Augen trieb und doch kam kein Laut über seine Lippen, denn sie schürten auch Wut in ihm. Rothillion war nie ein Freund gewesen und oft standen der Nachtfalke und dieser Magier auf unterschiedlichen Seiten, ging es darum den Fürsten zu beraten, doch der Nachtfalke musste zu geben, dass er solch einen Wesenszug an dem Magier zwar vielleicht in einigen Momenten vermutet hätte, ihn aber die Offenbarung ihn aber dennoch völlig unvorbereitet traf und ein erneutes Mal war geschehen, dass ein Mensch ihn enttäuscht hatte, dass er sich verraten und verkauft fühlte.
Wenn all die Kraft aus einem weicht, wenn man nicht mehr weis, warum lebt, dann bleibt einem nichtviel. Und der Nachtfalke hatte keine Kraft mehr, hier auf dem kalten Boden liegend, waren sein Stolz und seine frühere Arroganz schon lange erloschen. Nicht dass es Rothillions verdienst war, dies hatte vor langer Zeit ein anderer getan. Eine düstere Geschichte, wie sie Barden nicht einmal zu singen wagten, folgte dem ehemaligen stolzen Krieger aus Ascalhorn. Doch wenn man die Kraft verliert für sich selbst zu kämpfen, was verleitet einen dann dazu noch weiter seinen Kopf zu erheben, Mut zu zeigen? Ehre, ist es sie vielleicht? „Kelsey.“ Den Namen hatte er so leise geflüstert, dass nicht einmal der Magier ihn hörte. Für den Nachtfalken gab es Gründe sich weiter zu erheben, sein Schwinge auszubreiten und wenn es nur das Wohl anderer war. Die Meinung noch einmal eine Schuld abzutragen und ein Versprechen einzulösen.
Was der Magier mitbekam, war das die schmächtige Gestalt es schaffte sich solange zu winden, bis sie zum Sitzen kam und erneut griff er nach dem Stoff der Kapuze um diese zurück zu schieben, doch in diesem Moment ertönte eine laute Stimme, ein einziges befehlendes Wort. „Nein!“ Scharf wie die Klingen der Schwerter es sein mochten und Rothillion konnte gar nicht anders als auf die Stimme des Fremden zu hören, seine Hand verharrte und während er noch gegen diesen magischen Befehl ankämpft, hörte er murmelnde Worte, deren Ursprung er nicht einmal zu deuten mochte, denn sie waren auf keiner ihm bekannten Sprache, so dass er nicht einmal den Zauber erahnen mochte. Dann als Rothillion den Zauber von sich warf, sich wieder bewegen konnte, war auch der Nachtfalke aufgesprungen. Schwarze Bänder lagen haltlos auf dem Boden, waren nicht länger Schatten, sondern unmagisch geworden.
In der Sonne die durch das gebrochene Fensterglas schien, glitzerte das Metall der klinge wie ein silbernes Schmuckstück, und genauso zierte es den Hals Rothillions, der wohl an Macht und Fähigkeiten viel besaß, aber seinen Gegner völlig unterschätzt hatte. „Ich werde herausfinden, welches Geheimnis ihr tragt!“ Ein dunkles versprechen, ausgesprochen von einer weichen Stimme, deren Klang zittrig war, wie die Hände, die das Schwert hielten. Der Griff der Waffe war eingewickelt in altes Leder und die Klinge dreckig, als wolle man deren Herkunft verbergen, dennoch Rothillion spürte die Magie, welche in dieser innewohnte.
Und während das Metall seine Haut liebkoste, ihn damit verspotte konnte er endlich Schritte hören. Die Schritte der Wachen, die auch den Nachtfalken erstarren ließen. Und bei dem kalten Lächeln des Magiers konnte er nicht anders als leise herausfordernd zu Knurren. Oh sie würden sich wieder sehen. Und auch darauf hoffte Rothillion, denn bei der nächsten Begegnung würde er den Fremden vernichten und sich nicht zurückhalten. Doch wer wusste schon, vielleicht würde er auch nun von den Wachen überwältigt werden, denn es gab keinen Weg zur Flucht, außer das Fenster, das in die Tiefe führte. „Und doch habt ihr verloren!“ So endgültig klang Rothillions Stimme.
Das Lächeln des Nachtfalken konnte der Magier nicht sehen, alles was er sah, war dass die schmächtige Gestalt sich einen Moment zusammenkrümmte, als eine neue Welle aus Schmerzen seinen Körper durch zog und genau diesen Moment wollte Rothillion nutzen, doch so weit kam es nicht einmal. Ließ die Klinge einen Schnitt zurück auf dem Hals des Magiers, bevor sich die Gestalt zurückzog. Sicher es wäre eine Chance gewesen vielleicht jenen Magier zu töten, es wenigstens zu versuchen, doch für den Nachtfalken war es ein Wunder, dass er es überhaupt geschafft hatte seine Klinge zu ziehen, da Schwert zu erheben, zu mehr getraute er sich nicht.
So deutete er einzig eine knappe steife Verbeugung an, bevor er herumwirbelte. Erklang hinter ihm schon die laute Stimme, die nach einem neuen Zauber rief, doch die Wirkung sollte ihm nie bekannt werden. Denn letztendlich sprang der Nachtfalke mit weit ausgebreiteten Arme aus dem zerbrochenen Fenster.




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Der goldene Krieger! Diese Worte, die an Loririons Ohr drangen, sie geisterten durch seinen Kopf, verdrängten alle Gedanken die er zuvor gehegt hatten, nahmen förmlich Besitz von ihm, so dass er sie unmöglich wieder vergessen würde. Selbst wenn er gewollt hätte, sie blieben bestehen, der kleinen Tatsache zum Trotze, dass sie für den schlanken Sonnenelfen keinen Sinn ergaben. Fast hätte der Barde an sich herabgesehen, die Stirn dabei skeptisch in Falten gelegt, denn er mochte viel sein und viele Rollen hatte er schon erfolgreich gespielt, doch nie war er ein Krieger gewesen und in seinen Augen würde er dies auch nie sein. Das Licht der einfallenden Sonne brannte hell in seinen glänzenden Augen, so dass er sie ein Stück schließen musste, beinahe auch noch eine Hand vor sie hob, um den Verkünder dieser unheilvollen Prophezeiung zu sehen.
Doch er hätte ihn nicht einmal sehen müssen, um diesen zu erkennen, um zu wissen wer da zu ihm gesprochen hatte. Schließlich erkannte der Barde die widerliche Stimme, den harten Klang in ihr und nur einer hatte bisher gewagt ihn als Mörder zu bezeichnen, auch wenn bisher nicht in solch direkter Art.
„Hauptmann Zephyr!“ Allem Entschluss, den er sich genommen hatte, zum Trotz, war die Stimme des Sonnenelfen so scharf wie die Klinge seines Rapiers und wenn er gekonnt hätte, sicherlich auch so vernichtend. Einzig allein die Lautstärke vermochte er noch zu zügeln, recht leise zuhalten, so dass seine Worte nicht donnernd und tobend durch die heiligen Hallen Tyrs schallten. Kein Stück bewegte er sich aus der Sonne hinaus, die ihm diesen erhabenen Anblick gab. Es könnte kein besserer Ort für einen Auftritt sein, wenn er einen gesucht hätte.
Fast wäre ein leichtes Schmunzeln über die Lippen des Barden gehuscht, denn in seinem Kopf konnte dieses aufeinander Treffen, wohl kaum noch einem dramatischen Theaterspiel gleicher kommen. Denn im Gegensatz zum Elfen stand der Mensch fern vom einfallenden Licht tief in den Schatten der hohen steinernen Wände, es fehlte nur, dass diese Wände nicht weiß, wie sie es nun mal waren, sondern schwarz wären. Funkelnden Blickes hob Loririon Drachenatem leicht sein Kinn an, selbst die gewählte Kleidung der beiden könnten verschiedener nicht sein, war der Sonnenelf jemand der helle, vor warme Farben bevorzugte, während der Hauptmann die dunkle Dienstkleidung der Stadtwache trug. Und diese ganze Begegnung wurde nun auch noch von der düsteren Prophezeiung Zephyrs unterstrichen, wie der letzte Pinselstrich auf einem Gemälde. Welch ein Schauspiel, am liebsten hätte der Goldelf aufgelacht.
Doch alles was Loririon Drachenatem schließlich tat, war amüsiert zu Lächeln und seine Arme hinter dem schmalen Oberkörper zu verschränken. „Ich hatte in Erinnerung eure Anklagen fort von mir gewiesen zu haben. Trügt mich da etwa mein Gedächtnis? Oder warum wagt ihr es, genau jene Vorwürfe ohne neuen halt zu wiederholen? Mit welchem Recht, mit welchem vernichtenden Beweis seid ihr mir gegenüber getreten Hauptmann Acharn Zephyr?“ Immer noch nicht war es Loririons Willen seiner Stimme die Schärfe zu nehmen, auch wenn er zu einem leisen Flüstern übergegangen war, welches gerade noch laut genug, auf dass Acharn ihn verstand.
„Mit welchem Recht? Ich bin hier das Gesetz Künstler!“ Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen deutete Zephyr auf die Amtskette an seinem Hals, um dann doch einen Schritt vor zu machen hin zum Licht in die Nähe des Sonnenelfen. „Doch ich bin nicht hier um euch Vorwürfe zu machen, einzig um euch zu warnen, verlasst diese Stadt, meine Stadt, oder ihr werdet die Wahrheit in den Worten bald selbst erkennen.“ Nicht das Acharn Zephyr an diese Prophezeiung glaubte, sie war schon ausgesprochen worden, bevor er nach Cauldron kam und er hielt sie für nichts weiteres als dummes Geschwätz der Trunkenbolde in den Tavernen. Und doch der Anblick des Sonnenelfen hatte ihn dazu verleitet genau so zu sprechen.
„Gesetz?“ Das war lächerlich, dass sich Zephyr als Sprecher des Gesetzes ausgab, hier in den Hallen des Gesetzes, in der Zufluchtsstätte der Gerechtigkeit und Loririon erwartete förmlich, dass ein Blitz oder sonst ein Zeichen von höherer Gewalt den Hauptmann niederstreckte. Dem war leider nicht so und so hob der Sonnenelf erneut seine goldene Augenbraue nach oben, ohne sich sonst zu bewegen. „Nun Acharn Zephyr, Sprecher von Recht und Ordnung, ich hätte solch Worte nun wirklich nicht erwartet. Nicht an diesem Ort, seid ihr etwa so ermessen euch über die göttliche Fügung Tyrs zu stellen. Und eure Stadt, verzeiht ist mir da etwas entgangen?“
Zephyr knirschte mit den Zähnen und in diesem Moment war ihm alles egal, er hätte diesen verfluchten Elfen einfach gepackt und eingesperrt, ihn dazu gezwungen den Tiefling zu verraten. Es war sogar noch besser als das was der Führer der Schattengilde Rothillion mit ihm vor hatte und an sich könnte der Elf dankbar sein, dass man ihm so das Leben retten würde. Doch in dem Moment in dem er auf den Elfen zu schreiten wollte huschte eine kleine Gestalt an ihm vorbei und Kinderarme schlangen sich um die Hüfte des Barden, der selbst nicht begeistert war von dieser Unterbrechung, denn sein Stolz war verletzt und forderte Wiedergutmachung, die er doch vor den Augen der kleinen Halblingsdame nicht verlangen mochte.
„Antwortet ihm, mit welchem Recht dringt ihr in die hallen Abyitors ein um einen seiner Schützlinge zu belangen? Dieser Elf steht unter dem Schutze Tyrs und wäre er ein Mörder, so hätte Abysitor genau dies erkannt und euch die Erlaubnis gegeben!“ Eine weitere Person hatte sich zu ihnen gesellt, war Selene Lishta doch von den Stimmen angelockt worden und lange hatte die Tyrpriesterin nur schweigend zu gesehen, doch nun war ihre Geduld erschöpft und vor allem, auch sie erkannte in dem Sonnenelfen einen teil der Prophezeiung, doch so wie sie Acharn Zephyr gesprochen hatte war jene unvollständig und falsch.
„Abysitor, oh rennt doch zu eurem Vorgesetzten, aber nein ich vergas er ist fort und wird in vielen Tagen erst wieder kommen. Was wollt ihr nun tun? Ich verneige mich vor Tyr, doch seht es ist sein Wille Recht zu sprechen, das Gesetz zu halten und nun ist es an mir genau dies einzuhalten!“
Loririon hätte wohl am liebsten gelacht, denn er glaubte keines dieser Wörter, die Gesinnung des Hauptmannes war genauso zweifelhaft, wie dessen Worte und Ansprachen und beinahe hätte er sich umgedreht um diesen einfach zu ignorieren. Dies tat er auch zum teil, war die menschliche Frau, die zu ihnen getreten war, für ihn von größerem Interesse, denn schien sie wenigstens Verstand zu besitzen und kurz strich er durch das Haar der kleinen Halblingsdame, um sich dann aus deren Umarmung zu retten, so dass er auf Acharn Zephyr zu schreiten konnte.
„Ihr seid nicht befugt, vergesst nicht, dass der Fürst die oberste Befugnis habt und vergesst nicht dass Abysitors Vertreter Herr Mondflüstern ist und nicht ihr.“ Die Frau war nicht wirklich eine Schönheit, nicht für Loririon, doch ihre Ausstrahlung war dennoch nicht zu verachten, so wie die Kühle und die Endgültigkeit ihrer Worte nicht anzuzweifeln waren. Der missfallende Blick des Hauptmannes erfreute den Sonnenelfen,hatte er doch die Grenzen gefunden, die Loririon ihm zuweisen wollte, wenn leider auch nicht durch den Elfen. So war es an ihm nicht einfach still zu bleiben sondern mit einen viel zu freundlichen Lächeln sich Zephyr zu zu wenden. „Darf ich euch nun den Grund für eure Aufmerksamkeit fragen? Denn ich zweifle, dass es mein Wohlergehen ist, das euch interessiert, oder wie wäre es doch mit einer kleinen Vorführung meiner Kunst, wisst ihr euren Männern scheint sie gefallen zu haben. Wieso sollten mir sie sonst den ganzen gestrigen Tage so dicht gefolgt sein?“
Loririon konnte nicht ahnen, dass er mit diesem eher milden Spott für Zephyr sein Todesurteil unterschrieb, denn der Mensch stimmte nun völlig mit Rothillion überein. Nur ein kleiner Versuch den Barden, doch noch anders loszuwerden blieb. „Ich überbringe euch eine Einladung des Fürsten, der euch wünscht zu sehen am tag des festes und ihn mit eurer Kunst zu erfreuen. Doch bedenkt meine Worte Elf, das Grab aus Stein erwartet euch. So sprecht stimmt ihr zu oder nicht!“
Den Ausruf und die harten Worte Selenes nahm Loririon nicht ernst, bekam er nicht mit wie diese den Hauptmann zurecht wies seine Worte zu maßen im Hause Tyrs, viel mehr starrte er eine Weile schweigend den Mann an, suchte dessen Blick. Zephyr schaffte es nicht lange dem funkelnden Blick des Elfen stand zu halten und diesmal zeigte Loririon keine Regung über seinen Triumph, einzig sprach er leise und bestimmt: „Ich nehme die Einladung an.“ Und in Gedanken fügte er hinzu: So wie eure Herausforderung!




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Und lieber werde ich sterben in Stolz, als lebend im Staub zu verharren.


Warum ihm jene Worte Hasuvars einfielen, das wusste Kelsey auch nicht. Es war nicht wirklich passend nicht in jenem Moment, in der Lage, in der er sich befand. Den Kopf hielt er gesenkt, so dass die wirren blauschwarzen Haare ihm vor die bleichen Gesichtszüge fielen, während die dunklen Augen sich fest auf den Boden vor ihm gerichtet hatten. Nicht einmal zu Atmen wagte er sich wirklich, machte er nur knappe Atemzüge, wenn seine Lungen nach der lebenswichtigen Luft schrieen. Ihm war nicht danach mit erhobenen Hauptes sich wieder zu erheben und Stolz zu zeigen. Stolz, er konnte sich nicht daran erinnern, je solchen besessen zu haben. Dafür waren die Erinnerungen an Staub und Dreck in denen er kroch mehr als allgegenwärtig.
Die Schritte, die ihn umrundeten, das Rascheln von Samt und Seide, all dies zerrte an seinen Nerven, während er sich die Mühe gab unbeteiligt zu wirken. Wie gerne wäre er aufgesprungen und einfach davon gelaufen, hätte sich irgendwo in den untersten und geheimsten Ecken Yudirunes versteckt. Früher hatte er es sogar einige Male versucht doch Rash`net hatte ihn jedes Mal gefunden und jedes Mal war die Strafe mehr als schmerzhaft gewesen. Keine Regung zeigen, das war das beste und dennoch war er unruhig und so merkte der Tiefling nicht wie sein Teufelsschwanz sich unruhig auf dem Boden umher wand, so dass er verschwommene Muster auf dem staubigen Boden zeichnete.
Erst als dumpfer Schmerz vordrang seien Gedanken unweigerlich vertrieb wurde ihm sein handeln bewusst und merkte er gleichzeitig, dass er keinerlei Kontrolle mehr über den Teufelsschwanz hatte, ihn nicht mehr zurückziehen konnte. Nun war es zu spät, darüber zu zetern, dass er sich mal wieder nicht völlig unter Kontrolle gehabt hatte und Kelsey blieb Nichts anderes übrig, als leise mit den Zähnen zu knirschen, abzuwarten, dass der Fuß sich endlich weiter trat und den sich vor Schmerz windenden Teufelsschwanz wieder freigab. Er wusste zu Gut, dass er mit einigen einfachen Worten um Gnade flehen konnte, es würde es erleichtern, doch er wollte es schlicht nicht. Und an sich konnte ein unaufgefordertes Flehen auch neuen Schmerz bringen, war ihm nicht erlaubt zu sprechen. Rash`net war in solcher Hinsicht völlig unberechenbar und so blieb ihm kaum etwas anderes als abzuwarten und den eher geringeren Schmerz zu ertragen.
Endlich erklang wieder das rascheln der feinen Stoffe, kündete davon, dass sich Rash`net weiter bewegte und auch der Schmerz verging, war schon bald wiedervergessen. Die kalte Hand strich erneut über seinen Nacken, wobei sich Kelseys Nackenhaare aufrichteten, sich förmlich sträubten,bevor sich die langen Finger um das lederne Halsband schlangen, den Tiefling unsanft nach oben zogen. Der große Tiefling kam nicht völlig zum Stehen, denn Rash`net war ein gutes Stück etwa zwei Köpfe kleiner als Kelsey und jener hielt ihn nun so, dass Kelsey keine Wahl blieb, als in das kantige Gesicht zu blicken. Kühle Augen musterten die blassen Gesichtszüge des Tieflings, der es nicht schaffte dem Blick stand zu halten. Lange Zeit fühlte er den Blick auf sich, bevor er zurück auf die Knie gestoßen wurde.
Lange blickte Rash`net den knienden Tiefling einfach nur an. Irgend etwas störte ihn an dessen Erwachen, war er doch von Serno informiert worden, dass es keine Hoffnung gab und nun ruhte sein Liebling wieder vor ihm und wirkte fast so lebendig wie immer.
„Kelsey,“ leise war seine Stimme, während seine Finger über das schmale lederne Halsband wanderten, welches dafür sorgte, dass der Tiefling ihn nicht irgendwann doch noch mal angriff, auch wenn es schon Jahre her lag, dass dieser gegen ihn aufbegehrt hatte. Jahre, es war auch für ihn schwer vorstellbar, damals als er das kleine Kind geholt hatte, war es nur um seine Schöpfung wieder zu finden und nie hatte er vorgehabt den Kleinen solange bei sich zu behalten. Doch es hatte sich als Amüsant und Nützlich zu gleich herausgestellt.

Dort wo Rash`net aufgewachsen war, war Sklaverei etwas alltäglich und auf den Märkten wurden sie feilgeboten, wie in anderen Regionen Obst und ähnliche Waren. Kelsey war etwas besonderes, fand man doch meist nur Menschen, vielleicht noch so etwas wie Orks, Halborks hin und wieder auch Halblinge, doch solch exotische Wesen waren selten und Kelsey war ein hübsches Ausstellungsstück. Ein Ergebnis aus einem seiner Experimente. Nun gut Kelsey wusste es nicht, aber er Rash`net ibn Hazzat war es gewesen, der das Wesen beschworen hatte, der ihn schließlich gezeugt hatte. Schließlich war seine Mutter nur auch eine Sklavin gewesen. Dass sie entkommen konnte und das Kelsey solange vor ihm sicher gewesen war, war nur Grund mehr den Tiefling bis ans Ende seines Lebens zu behalten. Ihn für die Taten seiner Mutter zu bestrafen. Ja entkommen konnte, oder besser gesagt ihr wurde zur Flucht geholfen, aber die Kreatur, die diesen Frevel begannen hatte, war auch auf das schlimmste bestraft worden. Und dass der kleine Kelsey sich nun in der Hand seines Schöpfers befand, war der besondere Zusatz seiner Vergeltung.
Ebenso war es eher Brauch Sklaven fast unbekleidet zu halten, doch für Rash`net hatte es keinen Sinn, diese Regel auf den Tiefling zu legen, da jener nun wo er erwachsen war eine Drohung an seine Feinde war. Eine Rüstung hinterließ doch mehr Eindruck, als ein fast nackter Tiefling und mehr als einmal hatte Kelsey Dämmerlied schon den Tod in Namen Rash`nets verbreitet. Und es würden wohl noch viele Male folgen, An sich waren unnötige Grausamkeiten den Sklaven gegenüber etwas nicht gern gesehenes, denn waren Bestrafungen die schwächten oder gar verkrüppelnden, schlecht für das Geschäft und Verschwendung von Ware. Doch Rash`net war nicht in der normalen Gesellschaft Tays aufgewachsen.
Würde Kelsey jetzt aufsehen, könnte er die prachtvolle rote Robe sehen, deren Träger völlig unbehaart war, selbst die Augenwimpern hatte sich der Magie entfernt. Dafür trug er zahlreiche Tätowierungen auf seiner Haut, waren sie doch ein Fokus für den Magier und gleichzeitig ein Status in der Rangfolge der roten Magier aus Tay. Wie jeder Magier hielt Rash`net nicht viel von den Regeln, an die man sich meist hielt, einzig den Zulkiren schuldete er Rechenschaft und so waren die Experimente die er auch an lebenden Personen vornahm, mehr als unmoralisch und grausam. Auch in diesem Gebiet hatte sich der Tiefling als widerstandsfähig bewiesen, dort überlebt, wo andere unter den Händen Rash`nets gestorben waren. Über die Jahre hatte er so die Resistenzen des Tieflings gegen die Elemente verstärkt, so wie dessen Reflexe schneller geworden waren unter der Führung und Anleitung, als sie es sonst je geworden wären.

Kelsey zuckte kaum sehbar zusammen beim Erklingen seines Namen und zögernd biss er sich auf die Unterlippe. Jener Tiefling, der anderen so kühl und herablassend gegenüber trat, der Loririon gedroht hatte ihm die Zunge heraus zu reißen, schaffte es nun in Anwesenheit Rash`nets kein Laut herauszubringen, nicht einmal den Kopf anzuheben. Allein seine schwarzblaue Augenbraue wanderte leicht nach oben und endlich sprach Rash`net weiter: „Sag mir Kelsey, was ist geschehen? Wie kann es sein , dass du wieder wach bist?“ Die fordernde Stimme, er konnte nicht schweigen und so fanden die Worte den Weg über seine Lippen. „Ich, Herr ich weiß es nicht.“ Und nach einigen Momenten sprudelten die Worte aus ihm heraus, wie das Blut noch vor einigen Stunden aus seinen Wunden geflossen war. Erzählte er von den Wirkungen des Giftes, von den Eindrücken die ihn gekommen waren und von den Taten Sernos. Es erschütterte ihn nicht, dass Rash`net die Taten des Priesters duldete und er war froh, dass man ihn nicht fragte Was er denn vorgehabt hätte. Denn der rote Magier war der Meinung, dass sein Sklave sich auf dem Weg zu ihm befunden hatte.
Nachdenklich ruhte der kalte Blick weiterhin auf dem knienden Sklaven, bevor er in dessen haar griff, kurz durch die verfilzte Flut von schwarzblauen Haaren strich. Sie waren lang geworden, kam es ihm in den Sinn und solange er es nicht gestattete kürzte der Tiefling sie auch nicht. Dennoch dieser könnte wenigsten mehr Freude im Umgang mit einer Bürste zeigen, dass er keine besaß war mehr als zweitrangig.
Rash`net ibn Hazzat würde wohl ein ernstes Gespräch mit Serno führen müssen, über das Gift, dessen Herstellung und wie es möglich war, das Kelsey überlebt hatte, ohne dass jemand diesen geheilt hatte. Noch dazu war es an Kelsey die Umstände zu erklären, denn es war noch eine unausgesprochene Frage wo und warum der Tiefling verletzt worden war. Dass sein Eigentum es gewagt hatte in einer Taverne einzukehren, daran dachte der rote Magier nicht im Traum. Die letzten Wochen waren fordernd gewesen, hatte er viele Gespräche mit der Zulkir Mythrellaa führen müssen, war jene nicht zufrieden mit den Ergebnissen, dem vorankommen in der Gnomenstadt und war sie verärgert bedeutete es nichts gutes für Rash`net. So hatte er den Tiefling vernachlässigt, die Aufgaben, die man ihm aufgetragen hatte, waren alle erledigt worden und es war ein normaler Umstand, dass Kelsey sich an der Oberfläche aufhielt und von gewissen Leuten Gold eintrieb, denn die Hand der Gilde des letzten Lachers reichte weit mit unbarmherzigen Griff. Und keiner vermochte die Drohungen so gut auszusprechen wie es Kelsey vermochte. Schon alleine da die Gilde zum größten Teil aus Halblingen bestand, nur die Enklave der Taymagier und Serno waren Menschen, so wie einige der anwesenden Sklaven, doch jene zählten nicht.
Die Fragen, deren Antwort Rash`net noch nicht kannte, sie müssten warten. Denn dies war ein mehr als ungünstiger Zeitpunkt. Seine neuen Gäste waren eingetroffen, Händler aus einem fernen reich und der Handel mit ihnen versprach Profit. Gold war das was dieses Unternehmen in Yudirune forderte, Gold und eine Menge an Sklaven, da viele der seinen immer wieder in den Fallen der Stadt starben.
Noch einige Momente genoss er den Anblick des demütigen Tieflings um jenen dann zu deuten sich zu erheben und ein Lächeln voller Kälte umspielte die Lippen: „Komm Kelsey!“ Es war als würde er mit einem Hund reden und mehr Verstand schrieb er dem Tiefling nicht zu, er mochte zwar kämpfen können und Befehle befolgen, doch nie hatte sich jemand auf die anderen Fähigkeiten konzentriert, so dass Kelsey weder Lesen noch Schreiben konnte und es war gut so. Denn der rote Magier brauchte keinen gebildeten Sklaven, nein viel mehr schürte er in jedem Moment die Wut und den Hass, ließ den Tiefling so abhängiger werden und noch gefährlicher für seine Feinde. Und auch diesmal war er sicher, dass die Anwesenheit seines Lieblingswerkzeuges die Verhandlungen zu seinen Gunsten ausgehen lassen würde, wenn nicht wäre es immer noch ein einfaches die angeblichen Partner immer noch eines überraschenden Todes sterben zu lassen. Für was sonst hatte er den Kelsey bei sich.
Und Rash`nets Laune konnte kaum noch besser werden als er durch die langen Gänge der verschollenen Gnomenstadt schritt, gefolgt von einem Tiefling, der sich wie immer gefügt hatte, auch wenn er jetzt schon nach Ausreden suchte, die bei den Befragungen die noch kommen würden, hilfreich sein müssten.
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