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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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27.08.2006 518
 
Kapitel 71 Mrs. Richardson

Gemeinsam fuhren Anne und Gilbert am nächsten Tag zu den Richardsons. Während Gilbert sich um seinen Patienten kümmerte, saß Anne zusammen mit Mrs. Richardson auf der Veranda.

Eigentlich war Mrs. Richardson eine robuste und kräftige Frau in den vierzigern. Ihr Haar war rabenschwarz und ihre Augen wunderschön bernsteinfarben. Anne kannte sie nicht besonders gut, aber sie wusste, dass Claire Richardson immer sehr lustig und lebensfroh war.

Doch jetzt merkte man überhaupt nichts mehr davon. Still und in sich zusammengesunken saß sie in ihrem Stuhl und Anne bemerkte einige graue Strähnen in ihrem Haar. Sie sah aus, als hätte sie schon tagelang nicht mehr geschlafen. Behutsam berührte Anne ihre Hand.

„Wollen sie sich nicht ein wenig hinlegen, solange wir da sind?“

„Nein, nein es geht mir gut.“ Energisch schüttelte Claire den Kopf.

„Darf ich ihnen eine Frage stellen?“ Fragte Anne.

Mrs. Richardson nickte.

“Warum wollen sie ihren Mann nicht in ein Krankenhaus bringen lassen? Dort könnte viel mehr für ihn getan werden.“

„Nein, er kommt nicht in ein Krankenhaus! Ich mag keine Krankenhäuser, die verpfuschen nur alles. Nein, das kommt nicht in Frage.“

„Ich weiß, sie haben schlechte Erfahrungen gemacht, aber wenn es die einzige Möglichkeit ist, ihren Mann zu retten, was dann?“

„Ich habe damals meinen kleinen Jungen verloren. Es ist schrecklich ein Kind zu verlieben. Das werde ich nie vergessen. Aber was wissen sie schon davon, wie es ist ein Kind zu verlieren“, schnauzte sie Anne an.

Anne zuckte zusammen. Wie ein Stich fuhr es ihr durchs Herz, als sie jetzt so an die kleine Joyce erinnert wurde.

Mrs. Richardson sah sie an und bemerkte ihren Fehler, reumütig senkte sie die Augen: „Es tut mir leid, Mrs. Blythe“, sagte Claire leise. „Ich hätte das nicht sagen sollen. Sie wissen wohl am besten, wie es ist ein Kind zu verlieren. Was soll ich nur tun? Ich möchte Mick nicht verlieren, aber ich habe auch Angst vor dem Krankenhaus.“ Tränen rollten ihr über die Wangen.

Anne nahm sie in den Arm: „Ist schon gut! Ich weiß wie es ist, wenn einem Worte heraus rutschen, die man eigentlich gar nicht sagen will. Ich bin wirklich gut darin!“ Sie lächelte Claire an.

Unter Tränen lachte Claire über ihre Bemerkung.

„In einem Krankenhaus gibt es viele gute Ärzte, denen sie vertrauen können. Gilbert vertrauen sie doch auch, oder nicht?“

„Natürlich vertraue ich Dr. Blythe. Aber das ist etwas anderes, ich kenne diese ganzen Ärzte nicht. Es sind so viele und diese ganzen Geräte, das macht mir Angst.“

„Diese ganzen Geräte und Ärzte sind alle dazu da, ihrem Mann zu helfen. Sie brauchen keine Angst vor ihnen zu haben. Gilbert wird sie ins Krankenhaus begleiten. Er wird ihnen die anderen vorstellen. Dr. Miller arbeitet dort, er ist ein guter Freund von uns. Wenn sie wollen, wird er sich bestimmt um die Behandlung kümmern.“ Mit fragendem Blick sah Anne sie an.

Einen Moment zögerte Claire noch, dann nickte sie: „In Ordnung ich werde Mick ins Krankenhaus bringen lassen. Aber nur, wenn Dr. Blythe wirklich erst einmal mitgeht.“

„Natürlich wird er das“. Anne lächelte Claire an. „Alles wird wieder gut.“
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