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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
Alle Kapitel
106 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
27.08.2006 1.626
 
~Sorry, dass ich hier so lange kein Kapitel geupdatet habe. Im Juli hab ich auf tragische Weise meine geliebte Hündinn Alisha verloren und das hat mich ein wenig aus der Bahn geworfen. ~

Kapitel 67 Die Missachtung von Verboten

„Jem, du darfst das nicht“, rief Walter und sah sich verzweifelt um.

„Wieso denn nicht, glaubst du etwa, ich könnte Boyd nicht reiten. Ich kann wirklich gut reiten. Nur weil du dich nicht traust Walter.“ Konterte Jem.

Sie standen an der Weide unten am See, auf der Peggy und Boyd, die beiden Pferde der Familie Blythe friedlich grasten. Jem wollt ein bisschen ausreiten und er konnte wirklich gut reiten. Gilbert hatte ihm erlaubt wie üblich Peggy zu nehmen. Doch die alte, treue Peggy wurde Jem allmählich langweilig. Man brachte sie nur äußerst selten, dazu einmal zu galoppieren. Jem wollte endlich mal ein etwas temperamentvolleres Pferd reiten und Boyd war genau richtig dafür. Er wusste sehr wohl, dass er nicht die Erlaubnis bekommen würde, Boyd zu nehmen, aber er wusste genau, dass er ihn reiten konnte. Er wollte es ihnen beweisen, dass er dazu fähig war und wenn er es dann erzählte, dann war bestimmt niemand böse. Schließlich hatte er es ja geschafft.

Walter versuchte ihn von dieser Idee abzubringen. Walter ritt liebend gern auf Peggy, er mochte ihr sanftes, ruhiges Wesen. Außerdem wusste er, dass es eine Menge Ärger geben würde.

„Vater hat dir nicht erlaubt, Boyd zu reiten, das weißt du ganz genau“, fleht Walter nochmals.

„Walter, du bist ein fürchterlicher Angsthase. Er hat es aber auch nicht ausdrücklich verboten, oder?“ Er grinste seinen jüngeren Bruder keck an.

„Du weißt ganz genau, dass er das nicht ausdrücklich sagen muss.“

„Ach papperlapap, ich werde auf jeden Fall Boyd reiten.“ Entschlossen, kletterte Jem mit dem Halfter in der Hand über den Weidezaun, um Boyd zu holen.

Walter zog ein Gesicht wie zehn Tage Regenwetter. Wieso nur war Jem so fürchterlich dickköpfig?

Jem band Boyd am Zaun an und begann ihn zu satteln. Ungeduldig stampfte Boyd mit dem Huf auf. Er verstand nicht, warum er nicht weiter grasen durfte. Als Jem den Sattelgurt festzog, schnaubte Boyd missmutig und drehte den Kopf zu Jem.

„Siehst du Jem, er ist bereits jetzt schlecht gelaunt. Lass es lieber“, fleht Walter ein weiteres mal.

„Ach, hör schon auf“, Jem nahm die Zügel in die Hand und stieg auf. Boyd tänzelte ein wenig und schnaubt erneut. Doch Jem zog die Zügel an und drückte ihm die Fersen in die Flanken. Nach einem weiteren Schnauben trabte Boyd langsam an.

Jem lacht und rief Walter zu: „ Na, was hab ich gesagt, kein Problem.“ Dann trabte er davon und Walter konnte noch sehen, dass er am Ende der Straße zu galoppieren begann.

Walter hatte ein flaues Gefühl im Magen, wenn nun jemand Jem sah. Er konnte nicht verstehen, dass Jem keine Angst hatte, erwischt zu werden. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, als Jem weg war. Was, wenn er unterwegs gestürzt war? Sorgenvoll stand er am Zaun und streichelte Peggy über die Nüstern. Verwundert war die alte Stute an den Zaun gekommen und sah Walter fragend an.

Endlich kam Jem, wieder um die Ecke geritten und er saß tatsächlich immer noch oben.

Erleichtert atmete Walter durch. Doch plötzlich sprang ein Hase aus dem Gebüsch und rannte direkt vor Boyds Hufen über den Weg. Boyd riss entsetzt den Hals hoch seine Nüstern waren vor Aufregung weit aufgebläht und er wieherte erschrocken. Noch ehe es sich Jem versah, galoppierte Boyd los. Jem versuchte ihn zu zügeln, doch Boyd war von einer solchen Panik ergriffen, dass ihm alles egal war. Er steuerte gerade auf zwei Bäume zu und das Unglück geschah. Die untersten Äste waren zwar gerade hoch genug für Boyd, doch für den Reiter auf seinem Rücken viel zu niedrig. Jem stürzte und blieb im Gras liegen.
Walter schrie auf und rannte zu seinem Bruder.

„Jem, Jem“, rief er aufgeregt, als er vor ihm auf die Knie fiel. „Jem, ist dir was passiert? So sag doch was.“

Doch Jem lag mit geschlossenen Augen im Gras und öffnete sie auch nicht, als Walter an ihm zog und zerrte.

So schnell er konnte, rannte Walter nach Hause. Die Tränen rannten hemmungslos über seine Wangen. Er schluchzte und rannte keuchend in die Küche des Traumhauses.

Anne und Gilbert saßen gerade vor einer Tasse Kaffee und unterhielten sich.

„Walter! Um himmelswillen, was ist denn?“ fragte Anne als der völlig aufgelöste, nach Luft ringende Walter plötzlich in der Küchentür stand.

„Jem...Jem.. er ist... vom Pferd gefallen.“ Brachte er stockend hervor.
Anne wurde blass.

„Wo?“ frage Gilbert und war bereits aufgestanden.

„Unten an der Weide.“ Ein neuer Schwall Tränen rann über Walters Gesicht.

Gilbert holte seine Arzttasche, während Anne bereits mit Walter zurück zur Weide rannte.

Eine schockierte Susan hielt in der Küche die kleine Rilla auf dem Arm: „Bitte lieber, Gott, lass es nichts schlimmes sein!“ Schickte sie ein Stoßgebet zum Himmel.

Gilbert holte Anne und Walter noch ein und gleichzeitig kamen sie an der Unfallstelle an.

Jem lag immer noch reglos im Gras.

Gilbert untersuchte ihn kurz :“ Er ist bewusstlos, wahrscheinlich hat er eine Gehirnerschütterung. Wir müssen ihn ins Haus bringen.“ Er hob seinen bewusstlosen Sohn hoch, während die weinende Anne seine Arzttasche nahm.

Plötzlich bemerkte Gilbert, dass Peggy friedlich in der Weide graste.

„Warum ist den Peggy in der Weide, wenn Jem runtergefallen ist?“ fragte er verwirrt Walter.

„Er hat Boyd geritten“, schluchzte Walter.

Tatsächlich war Boyd jetzt langsam zurückgekommen und stand nicht weit entfernt und graste.

„Bring ihn rein. Wir reden später darüber“, ordnete Gilbert an und lief zurück zum Haus.

Wie in Trance brachte Walter, Boyd auf die Weide. Wie hatte das alles nur geschehen können? Er weinte unablässig.

Als Gilbert Jem in sein Bett legte, öffnete er kurz die Augen.

„Jemilein“, rief Anne aufgeregt und wischte sich die Tränen fort.

„Mommy, was ist passiert?“ fragte Jem mit heiserer Stimme.

„Du bist vom Pferd gefallen und hast dich dabei verletzt“, erklärte Anne und strich ihm übers Haar.

„Du hast eine Gehirnerschütterung, Jem. Du wirst eine Weile im Bett bleiben müssen“, sagte Gilbert.

„Mein Kopf tut weh“, jammerte Jem.

„Das glaube ich. Er wird dir noch eine Weile weh tun“, Gilbert untersuchte ihn nun genauer.

Kurz darauf war Jem wieder eingeschlafen. Anne sah zu Gilbert mit ängstlichem Gesicht.

„Keine Sorge, Anne, es ist wirklich nicht schlimm, nur eine Gehirnerschütterung, nicht mehr. Er wird aber eine Woche lang im Bett bleiben müssen.“

Anne seufzte :“Warum nur ist er auf Boyd geritten?“

„Das werden wir noch herausfinden.“

Vor der Tür stand der immer noch weinende Walter.

„Wie geht es ihm?“ fragte er besorgt, als seine Eltern aus dem Zimmer kamen.

„Er muss eine Woche im Bett bleiben und er hat ein wenig Kopfschmerzen.“ Antwortete sein Vater. „Wir werden später in meinen Büro noch darüber reden, Walter.“

Damit ging er davon. Walter blickte ängstlich zu seiner Mutter. Wenn sein Vater ihn im Büro sprechen wollte, verhieß das überhaupt nichts gutes. Walter spürte, dass er wirklich wütend war. Es kam selten vor, dass seine Eltern wütend waren, aber wen es der Fall war, dann war nicht zu spaßen mit ihnen. Auch seine Mutter sah ihn ernst an. Aber sie drückte ihm kurz die Hand, bevor auch sie hinunter ging.

Walter fühlte sich äußerst unwohl, als er nun im Büro auf seine Eltern wartete. Er hätte Jem daran hindern sollen, Boyd zunehmen. Der Ärger lag deutlich in der Luft.

Gilbert setzte sich an seinen Schreibtisch und Anne blieb am Fenster stehen. Wie ein Häufchen Elend saß Walter auf seinem Stuhl gegenüber.
„Warum hat Jem Boyd geritten?“ fragte Gilbert nun ernst.

„Äh...er wollte nicht Peggy nehmen.“ Antwortete Walter leise.

„Hab ich euch etwa erlaubt, Boyd zu nehmen?“

„Nein“, Walter schüttelte den Kopf. „Ich hab versucht ihm zu sagen, dass er es lassen sollte, aber er wollte nicht hören.“

„Ich habe euch nie erlaubt, Boyd zu nehmen, weil er nicht so einfach ist und ich nicht wollte, dass so etwas passiert.“

Walter nickte stumm.

„Also werdet ihr in Zukunft darauf hören, wenn man etwas zu euch sagt?“

„Ja, Daddy!“

„Wir können nur froh sein, dass nichts schlimmeres passiert ist.“

„Also bitte, jagt mir keine solche Schrecken mehr ein, versprecht ihr mir das?“ sagte Anne und sah zu Walter.

„Es tut mir leid, Mommy, das wir dich erschreckt haben. Ich verspreche es.“ Er rannte zu ihr und umarmte sie.

Gilbert strich ihm übers Haar und lächelte ihn kurz an. Walter war erleichtert, dass sie nicht mehr böse auf ihn waren. Es war schrecklich für ihn, wenn Mommy und Daddy böse auf ihn waren.

In den nächsten 2 Tagen schlief Jem fiel. Sein Kopf tat ihm noch weh und er war froh darum, wenn er schlafen konnte. Am dritten Tag, war er schließlich hell wach, die Kopfschmerzen waren fast weg und es war total langweilig für ihn, bei strahlendem Sonnenschein im Bett liegen zu müssen.

Als Gilbert bei ihm war sagte Jem: „ Daddy, warum muss ich nur solange im Bett liegen, es geht mir doch wieder gut.“

„Weil es von deinem Arzt angeordnet wurde.“

„Oh, Daddy. Es gibt doch gar keinen Grund, ich bin wieder topfit.“

„Jem“, sagte Gilbert mit ernster Stimme „ich an deiner Stelle wäre froh, dass du noch im Bett liegen darfst. Denn wenn du tatsächlich schon topfit wärst, dann hättest du eigentlich noch eine Tracht Prügel zur Strafe verdient. Da du aber noch nicht in Ordnung bist, ist es deine Strafe hier im Bett zu liegen, bis ich sage, dass du wieder aufstehen darfst. Also was ist, bist du immer noch der Meinung, dass du topfit bist?“ Mit ernster Miene blickte er ihn an.

„Ich denke, ich werde noch ein wenig schlafen, Daddy“, Jem verkroch sich regelrecht in seinem Bett.

„Gut“, Gilbert stand auf und grinste, als er aus dem Zimmer ging.
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