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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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27.08.2006 1.258
 
Kapitel 64 Die Weihnachtsüberraschung

Am folgenden Weihnachten sollten die Blythe Kinder eine große Überraschung erleben.
Der Weihnachtsmorgen brach an. In der Nacht hatte es geschneit und die weiße Pracht lag auf den Bäumen und Wiesen.
Gilbert stand früh auf, den er musste noch die Weihnachtsüberraschung für die Kinder abholen. Am besten, bevor sie aufwachten. Anne schlief noch tief und fest, er küsste sie sanft auf die Stirn.

„Ich fahre jetzt die Überraschung abholen“, flüsterte er leise an ihr Ohr.

Anne gähnte und öffnete langsam die Augen: „Rilla ist heute nacht viermal aufgewacht und hatte Hunger“, antwortete sie während sie erneut gähnte.

„Dann schlaf noch ein bisschen, die Kinder sind noch nicht aufgewacht“, zärtlich strich er ihr über die Wange. Im gleichen Augenblick hörten sie Rilla im Nebenzimmer leise weinen.

Anne seufzte und schlug erneut die Augen auf.

„Bleib nur, ich sehe mal nach. Vielleicht schläft sie ja gleich wieder ein“, Gilbert ging leise nach nebenan. Als er mit Rilla wieder zurückkam, blinzelte Anne ihnen verschlafen entgegen. Gilbert legte die inzwischen friedliche Rilla neben sie.

„Mir scheint, sie will bloß nicht mehr alleine sein“, sagte er lächelnd. „Lass sie einfach bei dir, vielleicht schlaft ihr beide noch ein bisschen ein.“

„Guten Morgen, meine Kleine. Ruhen wir uns noch etwas aus?“ fragte Anne und Rilla lächelte sie an.

Gilbert küsste zunächst Anne und dann Rilla. :“Bis bald meine schönen Prinzessinnen.“

Tatsächlich waren die beiden noch ein wenig eingedöst. Anne erwachte schließlich dadurch, dass Shirley zu ihr ins Bett gekrabbelt kam.

„Mami, war denn der Weihnachstmann da?“ fragte er aufgeregt.

„Bestimmt! Wir werden später nachsehen, mein Schatz. Aber jetzt gib deiner Mama erst einmal einen Kuss.“ Shirley drückte ihr einen feuchten Kuss auf die Wange.

„Sind denn deine Geschwister auch schon wach?“ fragte Anne weiter.

„Ja, Mami.“

„Na, dann wird es wohl Zeit, dass wir aufstehen.“

Als Anne in die Küche kam war der Frühstückstisch bereits gedeckt und Jem und Walter stellten gerade die letzten Teller hin. Während Nan und Di bereits am Tisch saßen.

„Guten Morgen Mami“, riefen sie ihr alle entgegen.

„Guten Morgen, meine Lieben“, sie küsste jeden von ihnen. „Das ist wirklich lieb von Euch, das Frühstück schon vorzubereiten.“

Jem strahlte ganz besonders, es war seine Idee gewesen, Mami damit zu überraschen.

„Musste Papi weg?“ fragte Walter jetzt.

Anne nickte. „Aber er wird bald wieder da sein. Lasst uns solange mit dem Frühstück beginnen. Kurze Zeit später kam Gilbert wieder nach Hause. Anne hörte wie die Eingangstür aufging und wie sich die Tür zu seinem Büro schloss. Bestimmt wollte er die Überraschung dort verstecken. Kurz darauf kam er in die Küche. Auch er wurde mit einem fröhlichen:„Guten Morgen“ von seiner Familie begrüßt.


Während die Kinder im Wohnzimmer damit beschäftigt waren, ihre Geschenke auszupacken, schlich Gilbert leise ins Büro. Er kam mit einer kleinen Kiste, ohne Deckel wieder zurück. Vorsichtig stellte er sie ab und hob einen kleine, schwarzen Welpen heraus. Es war ein kleiner Labrador Welpe, komplett schwarz mit einem winzigen, weißen Fleck auf der Brust. Das Hündchen drehte jetzt aufgeregt seinen Kopf hin und her, wobei seine langen Schlappohren herumwirbelten. Er war so aufgeregt und seine Zunge hing aus dem Maul, während er gleichzeitig unablässig mit dem Schwanz wedelte.

Di entdeckte das Hündchen als erstes. Begeistert klatschte sie in die Hände.

„Oh, ein Hündchen. Seht doch mal“, rief sie ihren Geschwistern zu „ein niedliches, kleines Hündchen.“
Nun blickte alle zu dem Hund und in ihren Gesichtern strahlte es.

Gilbert setzte das kleine Kerlchen vorsichtig auf den Boden. „Bestürmt ihn nicht zu sehr, er muss euch alle erst mal kennen lernen“, mahnte Gilbert.
Und wirklich, die Kinder bestaunten leise das schwarze Fell und die langen Ohren. Das Hündchen hopfte aufgeregt von einem zum anderen und schleckte hier eine Hand ab und ließ sich dort streicheln. Zu Jem lief er gleich mehrere male. Als die ganze Aufregung sich gelegt hatte, ließ er sich erschöpft auf Jems Schoß fallen und schlief ein. Die anderen Kinder beschäftigten sich derweil mit ihren anderen Geschenken. Doch Jem blieb ganz ruhig sitzen, damit das Hündchen ruhig weiter schlafen konnte. Vorsichtig strich er ihm über das glatte schwarze Fell.

Anne ging zu ihrem Ältesten und sagte leise: „Sollen wir ihn in sein Körbchen legen? Dann kannst du auch zu den anderen.“

„Nein, Mami. Lass ihn nur bei mir. Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk von allen.“ Antwortete Jem.

Von Anfang an schien zwischen Jem und dem Hund eine ganz besondere Bindung zu bestehen. Der Hund hatte sich von allen Familienmitgliedern Jem als Herrn erkoren.

Beim Weihnachtsessen am Abend waren Marilla, Susan und die Blythe zu Gast. Das Hündchen schlief in einem Korb, der nicht weit von Jem entfernt stand.

„Ein wirklich schönes Tier“, sagte John Blythe während des Essens.

Gilbert nickte zustimmend: „Ich fand er war wirklich der hübscheste von allen. Immerhin hatte Mr. Parker gleich acht Welpen in seinem Wurf.“

Anne lachte: „Also ich fand, dass sie fast alle gleich aussahen. Sie waren ja alle schwarz. Aber ich glaube er war der Einzigste, der einen weißen Fleck hatte.“

„Wie wollt ihr ihn denn nennen?“ fragte John weiter.

„Mmmm“, Gilbert überlegte „ich glaube wir haben noch gar nicht darüber nach gedacht.“

„Oh, Mami, ich weiß einen wunderschönen Namen für ihn“, rief Walter dazwischen.

„Nein, meiner ist viel besser“, mischte sich Nan nun ein.

„Stop!“ rief Anne lachend. „Wie wäre es denn, wenn jeder bis morgen einen Vorschlag macht und dann werden wir abstimmen. In Ordnung?“ sie blickte auf die Kinder die schon ganz aufgeregt waren. Walter blickte ein wenig enttäuscht, denn er fand seinen Namen herrlich.

„Das ist wirklich eine sehr gute Idee.“ Sagte nun auch Marilla. „Überlegt euch einen hübschen Namen.“

Für den Rest des Abends grübelte jeder immer wieder leise vor sich hin über einen passenden Namen nach. Den kleinen schwarzen Welpen störte das jedoch nicht, er schlief tief und fest in sein Körbchen gekuschelt.
Es war noch ein nettes und besinnliches Weihnachtsessen. Schließlich waren alle gegangen und die Kinder schliefen bereits. Das kleine Hündchen lag in seinem Körbchen neben Jems Bett. Anne deckte alle ihre Kinder nochmals zu.

„Ist es nicht süß, wie dieser Hund Jem zu seinem Herrn erkoren hat?“ fragte sie Gilbert, als sie zu Bett gingen.

Gilbert nickte. „Ja, er ist ihm den ganzen Abend über nicht von der Seite gewichen.“

„Ich bin ja schon gespannt, was sich die Kinder für einen Namen ausdenken.“ Lachte Anne.

„Es war eine gute Idee, sie abstimmen zu lassen. Anne-Mädchen. Du bist wirklich eine tolle Mutter.“ Er küsste sie sanft auf die Lippen.

„Danke für das Kompliment, Dr. Blythe. Aber sie sind ebenso ein toller Vater.“ Sie lächelte ihn mit glitzernden Augen an.

„Gil?“ fragte Anne nach einer Weile. „Schläfst du schon?“

„Nein“, murmelte Gilbert leise „Was ist den?“

„Was ist eigentlich mit deiner Mutter los? Ich fand sie sah heute gar nicht gut aus.“

„Ich weiß. Sie hat zur Zeit Probleme mit ihrem Herz. Ich habe ihr schon gesagt, sie soll sich mehr ausruhen. Aber ich befürchte sie hört nicht auf mich. Ich habe mir schon überlegt, ob ich sie nicht mal zu Dr. Stevens schicken soll. Vielleicht hört sie auf den Ratschlag von jemand anderem mehr. Auf mich jedenfalls scheint sie nicht hören zu wollen.“

Dr. Stevens war ein neuer Arzt, der sich in North Rustico niedergelassen hatte. Oft halfen Gilbert und er sich bei schwierigen Fällen gegenseitig aus.

„Tu das, Gil. Wahrscheinlich meint sie, du, als ihr Sohn wärst mehr um sie besorgt, als nötig. Schick sie ruhig zu Dr. Stevens.“ Stimmte Anne ihm zu.

„Ich hoffe nur, sie geht auch hin. Das ist nämlich die nächste Schwierigkeit.“
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