Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
Alle Kapitel
106 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
27.08.2006 871
 
Kapitel 62 Die Babys

„Diana, Fred! Was für eine nette Überraschung“, Gilbert begrüßte die beiden an der Tür.

„Wir dachten, wir kommen euch mal besuchen“, Fred reichte ihm die Hand zur Begrüßung. Es war ein Sonntagnachmittag, als sie plötzlich im Traumhaus auftauchten.

„Unsere Kinder sind gleich zu euren gerannt, als sie unten bei den Weiden entdeckt hatten.“ Diana lachte und watschelte mühsam in Richtung Wohnzimmer.

„Diana“, Anne begrüßte sie freudig „schön, dass ihr uns besucht. Wie geht es dir?“

„Na ja, mir fällt alles so schwer. Aber dich kann ich ja das gleiche fragen. Ich bin froh, dass es bald vorbei ist. Nur noch ungefähr zwei Wochen, dann fühle ich mich wieder etwas leichter.“

Anne lachte. „Kommt lasst uns alle einen Tee trinken.“

Sie plauderten nett miteinander, während die Kinder draußen spielten. Nur Shirley war bei ihnen. Er gähnte müde und Susan brachte ihn für einen Nachmittagsschlaf zu Bett.

„Oh je...“ stöhnte Diana plötzlich. Alle sahen sie erschrocken an. „Ich glaube ich habe Wehen.“

Gilbert ging zu ihr und konnte bald darauf feststellen, dass sie tatsächlich Wehen hatte.

„Anne! Wir sollten sie ins Gästezimmer bringen und Susan soll alles vorbereiten“, ordnete er an.

Fred blickte nervös und erschrocken um sich. Sie brachten Diana ins Gästezimmer und legten sie vorsichtig hin. Anne rief Mrs. Barry und Marilla an. Die beiden holten die Kinder ab und nahmen sie mit nach Green Gables.

Nur Shirley schlief immer noch in seinem Bettchen. Die Geburt war in vollem Gange. Diana stöhnte und jammerte. Während alle anderen geschäftig hin und her liefen. Fred schritt nervös auf und ab und fuhr sich immer wieder durchs Haar. Nach einer Weile setzte sich Anne auf einen Stuhl im Wohnzimmer. Sie konnte einfach nicht mehr so lange stehen bleiben. Plötzlich fühlte sie einen ihr bekannten Schmerz.

„Oh, nein“, flüsterte sie leise. „Bitte nicht jetzt. Warte noch ein kleinwenig mein Baby. Der Zeitpunkt ist gerade äußerst ungünstig.“ Sie atmete tief durch und hoffte sich geirrt zu haben.

Doch 15 Minuten später spürte sie die nächste Wehe. Susan trug eifrig Wasser und Handtücher ins Gästezimmer und Fred lief geistesabwesend den Gang entlang.

Auf einmal merkte Anne, dass ihre Fruchtblase geplatzt war. Im gleichen Augenblick hörte sie einen kräftigen Babyschrei aus dem Gästezimmer. Fred war ins Zimmer geeilt und die Tür stand ein wenig offen.

„Gil!“ rief Anne und sank langsam zu Boden, als die nächste Wehe sie ergriff.

Gilbert hörte sie rufen und der klang ihrer Stimme sagte ihm, dass irgendetwas geschehen sein musste. Er reichte Fred das Baby und eilte ins Wohnzimmer.

„Anne!“ rief er erschrocken, als er sie am Boden sah.

„Gil, meine Fruchtblase ist geplatzt“, sie stöhnte leise auf, als wieder eine Wehe begann.

„Susan“, schrie Gilbert.

Sofort war Susan zur Stelle. „Ach du meine Güte“, rief sie, als sie die Situation erfasste.

„Hol, Wasser und Handtücher. Wir können sie nicht mehr ins Schlafzimmer bringen, dazu ist es zu spät. Es dauert nicht mehr lange.“ Gilbert zog die Kissen vom Sofa und legte sie behutsam unter Annes Kopf.

„Warum hast du nicht früher gerufen?“ er blickte sie besorgt an.

„Ihr wart doch voll beschäftigt ich dachte zunächst ich hätte mich geirrt und dann....“ sie verzog das Gesicht, als der Schmerz über sie kam.

„Keine Zeit zum Reden, Anne.“ Gilbert hörte den Herzschlag des Babys ab, alles schien einen normalen Lauf zu nehmen. Anne biss die Zähne aufeinander, als sie zu pressen anfing.

Danach sank sie immer erschöpft in die Kissen zurück. Nach kürzester Zeit, war alle Anstrengung vorüber und der nächste gesunde Babyschrei dröhnte durch das Traumhaus.

„Wir haben eine wunderschöne, kleine Tochter“, Gilbert blickte voller Stolz auf seine Tochter und reichte sie Anne.

Sie hatte wunderschöne lange Wimpern und kniff die Augen niedlich zusammen. Dann blinzelte sie und öffnete die Augen. Sie waren so haselnussbraun wie die ihres Vaters. Anne strahlte, als sie diese schönen Augen sah. Dann drehte die Kleine das Köpfchen und schien ihren Vater anzustrahlen.

Gilbert war hin und weg von dem Blick seiner Tochter. „Hallo kleine Bertha Marilla“, flüsterte er ihr zu und küsste das Baby.

Anne rollten die Tränen über die Wangen. „Ist sie nicht niedlich? Na, mein kleiner Schatz. Du bist unsere kleine Rilla, nicht wahr?“ Anne nahm liebevoll die kleinen Finger in ihre Hand.

„Ich liebe Dich, Anne.“ Gilbert küsste sie.

„Was ist denn mit Diana?“ fragte Anne „Geht es ihr gut?“

„Ihr geht es bestens. Sie haben einen kleinen Jungen. Sie wollen ihn Kenneth nennen.“

Die Geburt von Rilla und Kenneth war die Sensation in Avonlea. Das die
beiden am gleichen Tag, ja zur gleichen Stunde geboren waren, war unglaublich. Captain Jim nannte es eine Vorsehung.

„Ist es nicht erstaunlich, dass zwei Frauen die miteinander so eng befreundet sind am gleichen Tag ein Kind bekommen?“ erzählte er Marilla, als er sie einige Tage später im Traumhaus antraf. „Noch dazu, dass es ein Mädchen und ein Junge ist. Ich glaube die beiden sind füreinander bestimmt. Normalerweise halte ich solche Aussagen für Unfug. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass die Vorsehung ihr Hand im Spiel hat.“

Die Babys wussten zum Glück nicht, dass Captain Jim bereits von ihrer Zukunft sprach. Rilla und Kenneth schliefen friedlich in ihren Wiegen und sorgten sich nicht darum ob es nun Vorsehung war oder nicht.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast