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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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27.08.2006 1.378
 
Kapitel 58 Ein Gespräch mit Fred

Gilbert machte sich gleich auf den Weg zu Fred. Es war nicht gut, wenn Diana sich so fürchterlich aufregte und sie würde sich nicht beruhigen, bis die Lage geklärt war.

Anne begleitete ihn zum Wagen, während Diana sich von Susan einen Tee bringen ließ.

„Ich hoffe, Fred wird einlenken. Diana ist ja ganz außer sich“, sagte Anne und griff nach seiner Hand.

„Ich werde mein bestes tun, Karotte. Wahrscheinlich, hat er einfach nur nicht damit gerechnet. Wir Männer geben oft ganz unbedacht das Falsche von uns, nicht wahr?“ Er lächelte sie an. „Oft meinen wir es aber gar nicht so.“

„Manchmal kann ich gar nicht glauben, welches Glück ich mit dir habe. Wenn ich daran denke, dass ich mich vielleicht jetzt so fühlen würde, wie Diana“, erschrocken schüttelte sie den Kopf.

„Hab keine Angst, Anne. Nie werde ich zulassen, dass du dich so fühlst.“ Er gab ihr einen Kuss und fuhr los.

Fred hatte energisch angefangen, den Zaun an der Weide seines Vaters zu reparieren. Als er die Nachricht gehört hatte, war er wirklich entsetzt aber auch ein wenig wütend gewesen.

Eigentlich wollte er kein Kind mehr haben. Fred, Anne-Cordelia und David waren inzwischen recht groß und im Haus kehrte allmählich Ruhe ein. Nicht, dass er keine Kinder mochte, aber wollte Diana endlich einmal wieder mehr für sich haben. Er hatte geplant in ein oder zwei Jahren mit ihr nach Europa zu fahren. Damit sie beide einmal richtig ausspannen konnten. Doch jetzt war das alles verdorben. In den nächsten Jahren wären keine Reisen möglich. Sie wären auch weiterhin ans Haus gekettet und ein Ende war nicht abzusehen.

Vor lauter Wut und Enttäuschung war er dann mit heftigen Worten aus dem Haus gestürmt und hatte sich an die Arbeit gemacht. Irgendwie musste er beruhigen. Er blickte auf und sah Gilbert den Weg entlang kommen.

„Hallo Fred, da bist du also. Keiner wusste wo du hin verschwunden bist.“ Gilbert hielt an und ging auf ihn zu.

„Hallo, Gil. Wieso hast du mich denn gesucht?“ Er kramte ein Taschentuch hervor und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

„Ich muss mit dir reden Fred. Komm mach mal eine Pause. Setzen wir uns doch ein wenig.“

Sie setzten sich auf den Zaun und begannen zu reden.„Fred, Diana ist heute Mittag bei Anne vorbeigekommen.“ Begann Gilbert das Gespräch.

„Und sie hat sich über mich beschwert, nicht wahr? Meine Frau kann manchmal nicht warten, bis wir einige Dinge selbst geklärt haben.“ Freds Stimme bekam einen wütenden Tonfall. Er wusste Anne und Diana waren enge Freundinnen, doch manchmal ärgerte es ihn, dass Diana sofort alles ausplauderte.

„Fred sie war ganz außer sich. Sie hört ja überhaupt nicht mehr auf zu weinen. Als Arzt muss ich dir natürlich sagen, dass das für ihren derzeitigen Zustand nicht gerade gut ist. Sie weint unaufhörlich und sagt, du würdest sie nicht mehr lieben.“ Erklärte Gilbert.

„Was?“ entsetzt blickte Fred auf. „Natürlich, liebe ich sie noch. Wie kommt sie denn nur darauf? Ich liebe sie mehr, als ich ausdrücken kann.“

„Sie ist so verwirrt, weil du so heftig auf ihre Schwangerschaft reagiert hast. Du freust dich wirklich überhaupt nicht, Fred?“

Fred blickte zu Boden. „Versteh mich nicht falsch, Gil. Es ist nur... Ich dachte die Jahre, die wir ans Haus gekettet sind wären vorbei. Unsere drei sind schon so groß. Ich wollte mit Diana eine Europareise unternehmen.... Und jetzt kann ich unsere ganzen Träume über den Haufen werden. Ein Baby verändert wieder alles.“

„Ja, es ändert sich erneut alles. Aber hat es nicht auch seine schönen Seiten. Du musst doch zugegeben, dass es auch eine Freude ist, sie aufwachsen zu sehen. Wenn sie das erste mal „Papa“ sagen oder unsicher durch die Gegend stapfen“, Gilbert lächelte ihn an.

„Ja, sicher“, gab Fred zu „aber ich hatte mir alles anders vorgestellt.“

„Ihr müsst eure Reise halt noch ein wenig verschieben. Was solls Fred! Die Lage ist nun nicht mehr zu ändern. Und es ist ja auch dein Kind.“

„Ja, ich weiß. Wahrscheinlich ist das der Punkt, der mich am meisten ärgert. Ich selbst habe ja zu der ganzen Situation beigetragen. Ich bin auf mich selber wütend.“

„Du solltest unbedingt mit Diana reden. Sie braucht dich, Fred.“

„Wo ist sie jetzt?“ fragte Fred.

„Immer noch bei uns. Ich sagte ich würde mit dir reden.“

„Kann ich gleich mit dir kommen, Gil? Ich wollte Diana nicht verletzen. Das war nie meine Absicht. Dazu liebe ich sie viel zu sehr. Ich war in dem Moment so überrascht und entsetzt, dass ich vielleicht das ein oder andere unüberlegt gesagt habe.“ Gestand er ein.

„Gut. Fahren wir gleich los. Oh, übrigens, Fred du bist im Augenblick nicht der einzige, der noch mal überraschend Vater wird“, grinsend blickte Gilbert ihn an.

Fred lachte: „Na so was.“ Er legte seine Hand auf Gilberts Schulter. „Dann lass uns mal nach unseren Frauen sehen.“

Die beiden fuhren also zum Traumhaus. Anne und Diana waren immer noch im Wohnzimmer und Diana hatte sich endlich beruhigt. Sie sprachen über belanglose Themen, wie die Schule, den Klatsch in Avonlea und den bevorstehenden Kirchenbasar, um sich abzulenken.

Schließlich kamen Gilbert und Fred herein.

„Hallo“, sagte Fred und stand ein wenig hilflos in der Tür.

„Hallo, Fred“, antwortete Anne und blickte dann zu Gilbert. „Oh, da fällt mir gerade ein ich muss dir unbedingt etwas im deinem Büro zeigen, Gil.“
Sie stand auf und ging mit ihm hinaus. Anne seufzte als sie die Wohnzimmertür geschlossen hatte.

„Gut, dass du Fred gefunden hast. Ich hoffe die beiden werden sich jetzt aussprechen.“

„Ich glaube schon, es ist alles nicht so dramatisch, Anne. Es waren alles nur kleine Missverständnisse und unerwartete Ereignisse.“ Er legte den Arm um sie und gemeinsam gingen sie in die Küche. Shirley kam ihnen entgegen gelaufen und wollte schon Richtung Wohnzimmer laufen.

„Halt, mein Schatz, wo willst du denn hin“, lachte Anne und nahm ihn hoch.

„Shirley, will Teddy holen”, antwortete er und versuchte sich aus ihren Armen zu winden.

Anne fiel ein, dass sein geliebter Teddybär immer noch auf dem Sofa lag.

„Nicht, jetzt Schatz, wir holen deinen Teddy später, ja.“

Tränen sammelten sich in seinen Augen. „Will jetzt Teddy haben“, schniefte er und begann zu weinen.

„Sollen wir deinem Papa erzählen, was du heute mit der Wolle angestellt hast?“ versuchte Anne ihn abzulenken. „Wie alle Wollknäule wild durch das Wohnzimmer gekullert sind.“

Shirley lachte bei dem Gedanken, an die bunte Wolle die quer durch das ganze Zimmer gerollt war.

„Shirley, was war mit der Wolle los? Erzählst du es mir?“ fragte auch Gilbert jetzt.

Der kleine Kerl strahlte. Er war ganz stolz, wenn er seinem Papa etwas erzählen durfte. Sie lachten als Shirley mit den Ärmchen fuchtelte und in seiner Babysprache versuchte los zu plappern.

Dann kamen Nan und Di in die Küche, um ein paar Kekse von Susan zu erbetteln und Shirley lief danach mit den beiden in ihr Zimmer. Susan war in der Speisekammer verschwunden, um den frisch gebackenen Kuchen zu verstauen.

„Anne, du bist eine wundervolle Mutter“, sagte Gilbert plötzlich und küsste ihre Hand.

„Und du bist ein großartiger Vater.“ Sie strich ihm sanft über die Wange.

Eine halbe Stunde später kamen Fred und Diana aus dem Zimmer. Fred hatte den Arm um sie gelegt und Diana strahlte.

„Wir werden jetzt, nachhause gehen“, sagte Fred.

„Wollt ihr nicht noch einen Tee trinken?“ fragte Anne und blickte Diana an.

„Nein, danke. Ich muss endlich mal nach den Kindern sehen. Sie sind schon den ganzen Nachmittag bei meiner Mutter. Ich hab schon soviel Zeit von Euch allen in Anspruch genommen.“ Diana lächelte sie alle an. „Es tut mir leid, ich hab mich unmöglich aufgeführt.“

„Diana“, Anne umarmte die Freundin. „Wir sind doch Freund und sind Freunde nicht für einander da, wenn sie gebraucht werden? Du weißt ich habe immer Zeit für dich, wenn du Hilfe brauchst.“

„Ich danke dir, Anne. Du bist die beste Freundin, die man nur haben, kann.“

Dann verabschiedeten sie sich und Diana versprach in den nächsten Tagen vorbei zukommen.

„So, jetzt scheint alles wieder in Ordnung zu sein“, sagte Gilbert. Küsste Anne und machte sich wieder an seine Arbeit.

„Ja, zum Glück ist alles wieder in Ordnung. Es wäre schrecklich für mich, wenn Diana nicht glücklich wäre.“ Dachte Anne und fing an den Berg Wolle wieder zu ordnen.
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