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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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27.08.2006 825
 
Kapitel 56 Ein neues Baby?

Ungefähr 6 Wochen nach dem sie in Charlottetown gewesen waren, erwachte Anne eines morgens und fühlte sich unwohl. Sie ging ins Bad, dort blickte sie prüfend in ihr Spiegelbild. Anne kannte inzwischen sehr wohl die Anzeichen für eine Schwangerschaft. Konnte es wirklich sein? Sie blickte nochmals in den Spiegel und ihre innere Stimme sagte laut `Ja` zu dieser Frage.

Dann kam ihr Gilberts Ausspruch in den Sinn, als Jem sich geprügelt hatte, `fünf sind wirklich genug`. Oh, wie sollte sie es ihm nur sagen? Anne konnte den Gedanken nicht ertragen, dass Gilbert sich nicht über das Baby freuen würde.

Ihr Herz pochte und ließ ihr keine Ruhe mehr. Sie musste mit ihm reden, am besten jetzt gleich. Sie ging zurück ins Schlafzimmer. Gilbert schlief noch und Anne setzte sich auf sein Bett. Sie beobachtete ihn, wie er schlief. Die Augen geschlossen, den Arm um sein Kissen gelegt. Plötzlich musst sie lächeln oft schlief Jem ebenso. Sie liebte Gilbert so sehr.

„Gil“, flüsterte sie leise und legte ihre Hand auf seinen Arm. „Gil!“

Langsam öffnete er seine Augen und blinzelte. „Was ist Anne?“ fragte er verschlafen.

„Gil, ich muss mit dir reden.“

Gilbert wollte schon fragen, ob das wirklich unbedingt jetzt sein musste und nicht etwa in ein oder zwei Stunden. Doch an ihrem Blick, ihrer Haltung und dem Ton ihrer Stimme merkte er, dass sie etwas bedrückte. Er kannte Anne gut und wusste, dass sie besorgt war.

„Was ist los?“ fragte er deshalb.

Sie blickte zum Fenster und flüsterte leise: „Ich glaube mit unseren zweiten Flitterwochen haben wir ganz schön was angerichtet.“

Gilbert war noch verschlafen und verstand nicht, was sie damit meinte. Er schüttelte den Kopf und sagte: „Ich verstehe nicht, was du meinst.“

Anne seufzte und blickte immer noch aus dem Fenster. Sie musste es ihm sagen, aber sie konnte ihn dabei nicht ansehen. Sie wollte nicht den entsetzten Ausdruck auf seinem Gesicht sehen, wenn sie es sagte. Bisher hatte er immer gestrahlt, wenn sie ihm gesagt hatte, dass sie ein Baby bekam. Selbst wenn sein Blick besorgt war, wie bei den Zwillingen, als sie vorher Joyce verloren hatten, hatte er sich trotzdem gefreut. Nein, sie konnte es nicht ertragen ihn zu sehen, wenn er sich nicht freute.

„Gil, ich... ich glaube wir bekommen ein Baby.“ So, nun war es endlich heraus, immer noch nicht konnte sie ihn ansehen.

Einen Augenblick lang schwieg er. Nicht vor entsetzen, es dauert nur einen Moment bis er wirklich verstanden hatte, was sie ihm hier um 6.00 Uhr morgens sagte.

Anne hielt diese Schweigen jedoch für entsetzen. Sie merkte wie ihr die Tränen in den Augen brannten und schluckte. „Ich weiß du hast gesagt fünf wären genug...“ sie schniefte.

„Was hab ich gesagt?“ fragte Gilbert jetzt verwundert.

„Du hast gesagt, dass fünf Kinder wirklich genug wären, als Jem sich geprügelt hatte.“ Wiederholte sie nochmals.

Jetzt endlich verstand er. „Anne“, er berührte sacht ihren Arm. Jetzt drehte sie sich um und sah ihn mit verweinten Augen an.„Komm her zu mir“, sagte er und Anne legte sich zu ihm. Er nahm sie in die Arme und blickte ihr in die Augen.„Hast du etwa geglaubt, ich würde mich nicht darüber freuen? Du dachtest ich wollte kein Kinder mehr haben, nicht wahr? Oder hast du gar geglaubt ich wäre böse?“

Anne nickte stumm und wandte den Blick ab.

„Anne, mein Liebling“, er nahm ihr Gesicht in die Hand und drehte ihren Kopf zu sich „Sieh mich an Anne.“

Sie blickte in seine Augen und sah, dass er lächelte.

„Was bist du nur für ein Dummerchen. Wie kannst du so etwas glauben? Ich liebe dich, Anne und natürlich freue ich mich, dass wir noch mal ein Baby bekommen. Mit dir Kinder zu haben ist einfach phantastisch und sind sie nicht alle wohlgeraten?“ er grinste sie an.

Jetzt lächelte auch Anne. Ein Stein war von ihrem Herzen gefallen. Sie fühlte sich frei, wie ein Vogel, sie konnte wieder fliegen.

„Aber du hast doch gesagt, dass fünf genug wären“, wand sie noch einmal ein.

„Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, das gesagt zu haben. Es war ein so belangloser Satz, dass ich ihn sofort wieder vergessen habe. Hätte ich gewusst, dass du ihn so ernst nimmst, hätte ich ihn nie gedankenlos herausgeplaudert.“ Schalt Gilbert mit sich selbst.

„Du freust dich also wirklich?“ immer noch ein wenig Unsicherheit lag ihn ihrer Stimme.

„Natürlich freue ich mich“, er küsste sie. „ Wie oft habe ich schon gemeckert, wenn ich nachts aufstehen muss, wenn einer meiner Patienten mich braucht und trotzdem liebe ich meinen Beruf. So ist es auch mit unseren Kindern. Man jammert mal, wenn irgendwas ist und trotzdem liebt man jedes von ihnen. Nicht wahr?“

„Ja, ich liebe Dich, Gil.“ Sie schmiegte sich an ihn und war glücklich. „Was täte ich nur ohne dich Gil?“, flüsterte sie an sein Ohr und küsste ihn.

Draußen ging langsam die Sonne auf und strahlte bis in Annes Herz.
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