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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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27.08.2006 892
 
Kapitel 55 Jem hat Ärger

Walter und Jem würden bald von der Schule heimkommen, darum deckten Anne und Susan den Tisch zum Mittagessen. Erfreulicherweise würde heute auch Gilbert mal wieder mit ihnen zusammen Essen. Er saß in seinem Büro und hatte einen ruhigen Vormittag hinter sich.
Es dauert nicht lange, da kam Walter herein.

„Hallo, mein Schatz! Wie war es in der Schule“, fragte Anne und gab ihm einen Kuss.

„Ganz gut, Mami“, antwortete er kurzangebunden und Anne sah ihn verwundert an.

„Wo ist denn dein Bruder? Seid ihr nicht zusammen nach Hause gelaufen?“ forschend blickte sie auf Walter.

„Hmmm, nein..., ich bin alleine gegangen, weil...“druckste Walter herum.

„Was ist los, Walter?“

„Jem durfte noch nicht gehen, Mami. Mr. Stetson wollte noch mit ihm reden“, gab Walter jetzt zu.

„Wieso, was ist passiert?“

„Darf ich meine Sachen hoch bringen, Mami?“, fragte Walter ungeduldig.

Anne nickte. Offensichtlich wollte Walter ihr nicht sagen, was vorgefallen ist. Ohnehin war es besser es von Jem selbst zu erfahren. Das Essen war aufgetragen, doch von Jem immer noch keine Spur.

Mit einem Schulterzucken rief Anne den Rest der Familie zu Tisch. Als alle schließlich aßen, hörte Anne plötzlich die Eingangstür knarren. Es dauert eine Weile, doch Jem kam immer noch nicht ins Esszimmer. Ungeduldig ging sie deshalb hinaus.

„Jem Blythe!“ rief Anne erschreckt aus, als sie ihn im Gang stehen sah.

„Was ist?“ fragte Gilbert und stand auf einmal hinter ihr. Er blickte auf seinen Sohn und hätte fast losgelacht, wenn die Situation nicht so ernst wäre.

Da stand Jem vor ihnen, das Haar zerzaust, die Hose zerrissen und ganz eindeutig bekam er ein blaues Auge, anscheinend hatte auch seine Nase ein wenig geblutet. Er bot ein Bild des Jammers, wie er nun mit gesenktem Kopf, schuldbewusst da stand.

Anne kniete vor ihm und besah sein Gesicht. „Was um himmels willen ist denn passiert?“ fragte sie besorgt. Jem sagte keinen Ton.

„Es sieht so aus, als hätte er sich geschlagen“, sagte Gilbert „na komm, Jem wir werden uns erst mal den Schaden besehen.“ Sie gingen in sein Büro und Gilbert untersuchte seine Nase und sein geschwollenes Auge.„Nichts schlimmes, aber eine weile wird dir das Auge noch wehtun“, sagte er und legte ihm etwas Eis drauf.

„Mit wem und warum hast du dich nur geschlagen?“ fragte Anne und setzte sich zu ihm.

Jem fühlte sich fürchterlich. Hier saßen nun Mami und Papi und wollten wissen warum er sich geschlagen hatte. Er wollte es nicht sagen, es war ihm so schrecklich peinlich.

„Mit Charly Pye!“ sagte Jem leise.

„Aber warum denn? Was ist denn passiert?“ fragte Anne weiter.

Beschämt senkte er den Blick. Inzwischen war Di ins Zimmer geschlichen und der Rest stand lauschend um die Ecke.
„Walter sagt, weil er in Margret Mitchel verschossen ist und Charly Pye auch“, antwortete Di grinsend.

„Das ist überhaupt nicht wahr!“ schrie Jem und lief rot an. Und wollte schon wütend zu seiner Schwester eilen.

„Schluß damit!“ rief Gilbert dazwischen. „Du gehst sofort wieder essen, Di. Und der Rest von Euch auch“, sagte er streng in Richtung Tür. Dann hörte man kleine Fußtritte davon rennen.

„Also, was ist nun wirklich vorgefallen?“ fragte Gilbert.

„Ich bin nicht in Margret verschossen“, versuchte Jem sofort sich rauszureden. „Aber Charly Pye hat es die ganze Zeit behauptet. Er hat mich damit aufgezogen. Nur weil ich Margeret einen Apfel von mir gegeben habe. Aber sie hatte doch nichts zum Essen dabei. Sie sagte sie hätte es vergessen. Aber jeder weiß, dass die Mitchels öfters nichts zum Essen dabei haben.“ Sprudelte es nun aus ihm heraus. „Charly sagte sie wären nur armes Pack und da hat Margret angefangen zu weinen. Ich wollte ihr nur helfen und hab Charly eine verpasst, damit er endlich ruhig ist. Aber er hat dann gleich eine richtige Prügelei angefangen.“ So nun war es heraus.

Nein, Jem glaubte wirklich nicht, dass er in Margret verschossen war. Ehrlich gesagt wusste er überhaupt nicht, was das Wort bedeutete. Aber er konnte Margret gut leiden. Darum hatte er ihre Partei ergriffen.

„Es war nett von dir, Margret zu helfen“, begann Anne und legte den Arm um ihn. „Aber du hättest dich nicht mit Charly prügeln sollen.“

Jem nickte. „Ich will es nicht wieder tun. Ehrlich. Aber kann ich Margret morgen einen extra Apfel mitnehmen?“

„Sicher. Ich pack dir etwas für sie ein.“ Anne lächelte ihn an.

„Dein Auge wird dich noch eine Weile an diesen Tag erinnern“, gab Gilbert zu bedenken.

„Jetzt geh essen“, sagte Gilbert und Jem eilte aus dem Zimmer.

„Irgendwie kann ich ja verstehen, dass man sich mit einem Pye prügelt“, lachte Gilbert los, nach dem Jem außer Hörweite war.

„Die Pyes werden sich nie ändern.“ Antworte Anne. „Ich glaube ich sollte mal bei Gelegenheit nach den Mitchels sehen. Zur Rachel Lynde Zeiten, hatte sie immer nach ihnen gesehen. Aber ich glaube niemand hat an sie gedacht, seit Rachel tot ist“, sagte Anne schuldbewusst.

„Ich fürchte auch.“ Gilbert legte den Arm um ihre Schulter. „Mit fünf Kindern im Haus ist immer irgend etwas los. Ich glaube wir sind ganz schön beschäftigt, nicht wahr Karotte. Aber fünf sind wirklich genug.“ Er küsste sie auf die Stirn und ging hinaus.

Anne seufzte. Ja, fünf waren wirklich eine Menge Arbeit. Doch manchmal wünschte sie trotzdem sie hätte noch ein kleines Baby. Aber nach diesem Ausspruch von Gilbert, brauchte sie das Thema wohl kaum anschneiden.
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