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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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27.08.2006 1.383
 
Kapitel 51 Der 10. Hochzeitstag

Bald war ihr zehnter Hochzeitstag. Anne und Gilbert planten bereits seit Wochen, an diesem Tag auszugehen. Susan würde bei den Kindern bleiben und Anne und Gilbert wollten sich einen schönen Tag in Charlettown machen. Sie wollten ins White Sands Hotel gehen und dort wie in ihren Flitterwochen übernachten.

Anne freute sich schon unheimlich auf diesen Tag. Doch das Schicksal wollte es anders. Zunächst begann es damit, das die Zwillinge, drei Tage vorher eine schlimme Erkältung bekamen. Anne steckte sie beide ins Bett und hoffte, dass es nicht noch schlimmer wurde.

Dann fing Shirley an zu zahnen. Und schrie und weinte fast unablässig. Annes Nerven begannen allmählich blank zu liegen. Susan fing ebenfalls an zu schniefen und husten. Alles schien sich gegen sie verschworen zu haben.

Perfekt wurde das ganze Schlamassel dadurch, das auch Gilbert ständig unterwegs war. Jeder in Avonlea schien plötzlich irgend ein Wehwehchen zu haben. Und die alte Mrs. Peterson und ihr Rheuma taten ihr übriges dazu.

Am Abend vor der geplanten Fahrt wurde er dann schließlich zu einer Geburt gerufen. Erst spät abends kam er nach Hause und ließ sich erschöpft ins Bett fallen. Der Ausflug schien vollkommen ins Wasser zu fallen.

Am nächsten Morgen erwachte Anne und bemerkte, dass Gilbert das Bett bereits verlassen hatte. Allem Anschein nach hatte irgendwann mal wieder das Telefon geklingelt. Es war ein regnerischer Tag.

Anne seufzte und stand auf. Das war also ihr zehnter Hochzeitstag und an stelle von Sonnenschein und Küssen hatte sie Regen und ein leeres Bett neben sich. Von Gilbert keine Spur. Außerdem würde die geplante Fahrt wohl kaum stattfinden.

Gilbert liebt seinen Beruf und sie konnte ihm wohl kaum einen Vorwurf daraus machen, dass er für seine Patienten da war. Schließlich ging es darum kranke Menschen zu heilen. Was machte es da schon, das heute ihr Hochzeitstag war. Sie war nun mal mit einem Arzt verheiratet und musste damit rechnen, manchmal hinten anzustehen. Trotzdem war sie einfach enttäuscht. Auch wenn sie es nicht zugegeben hätte.
Plötzlich entdeckte sie eine Nachricht auf ihrem Nachttisch. Sie war von Gilbert.

Liebe Anne,
es tut mir leid, dass ich noch einmal weg muss. Unsere ganze Planung scheint aus den Fugen zu geraten. Aber bei Mrs. Boulter haben die Wehen eingesetzt. Ich weiß nicht wann ich wieder da bin. Gott alleine weiß, wie lange dieses Baby brauchen wird.
Ich wäre so gerne bei Dir geblieben, um Dich mit einem Guten Morgen Kuss wecken, an unserem zehnten Hochzeitstag.
Ich möchte Dir für diese wundervollen Jahre danken, Anne. Heute vor zehn Jahren ist mein größter Traum in Erfüllung gegangen und ich danke Gott für jeden Augenblick. Seit dem bist Du meine Frau und manchmal weiß ich bis heute nicht, wo mit ich diese Glück eigentlich verdient habe. Und es ist ein wundervolles Glück, dass ich Dich habe. Karotte. Du bist es, die mir jeden Tag neue Kraft gibt. Du hast mir unsere wundervollen Kinder geschenkt. Deine Liebe ist wie ein Segen für mich. Ich liebe Dich, Anne. Jeden Tag, jede Stunde und jeden Augenblick meines Lebens. Von ganzem Herzen. Ich könnte ohne Dich nicht leben, Karotte.
Alles gute zum Hochzeitstag, Liebling.
Gilbert

Anne lächelte und wischte sich eine Träne von der Wange. Dieses Liebesgeständnis war das beste Hochzeitsgeschenk, das sie bekommen konnte. Vergessen war die Fahrt nach Charlettown. Sie war so unwichtig geworden. Allein diese Worte bedeuteten alles für sie.

Zum Mittagessen war Gilbert immer noch nicht zurück. Inzwischen hatte die Regenfront sich verzogen und die Sonne schien munter vom Himmel. Anne ging in den Garten und pflegte ihre Rosen. Nach einer Weile kam Susan aus dem Haus gelaufen.

„Der Doktor hat angerufen“, sagte sie zu Anne „er meinte die Geburt würde noch etwas länger dauern. Es gäbe Probleme.“

Anne seufzte. „Das hab ich mir schon fast gedacht. Die arme Mrs. Boulter. Hoffentlich geht alles gut.“

„Der arme Herr Doktor muss soviel arbeiten.“ Nach diesem Satz musste Susan dreimal hintereinander niesen. Ihre Erkältung hatte in den letzten Tagen stark zu genommen.

„Susan, du gehst jetzt nach Hause und legst dich in dein Bett. Ich will, dass du dich mal richtig auskuriertst “, ordnete Anne an.

„Aber liebe Frau Doktor. Ich will sie doch nicht mit all der Arbeit alleine lassen.“

„Keine Widerrede, Susan. Hier ist doch alles in Ordnung. Geh und erhol dich erst einmal.“ Sie schob Susan zum Haus.

Nach längerem hin und her ging Susan dann wirklich nach Hause. Anne spielte mit den Kindern, hängte die Wäsche auf und kochte das Abendessen. Später brachte sie die Kinder ins Bett.

„Mama“, sagte Jem, als sie seine Decke hochzog „ich hab heute Papa noch gar nicht gesehen.“

„Ich weiß, mein Schatz“, antwortete sie „dein Papa arbeitete schon den ganzen Tag. Jemand ist arg krank und da kann er nicht weg.“

„Wenn ich groß bin, will ich auch Arzt werden, wie Papa.“

Anne lächelte und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Dann ging sie zu Walter.

„Ich will kein Arzt werden“, sagte Walter bestimmt. „ich möchte Schreiben, so wie du Mama. Jerry sagt immer ich könnte tolle Geschichten erzählen. Obwohl er auch sagt, dass ich manchmal spinne.“

„Wieso sagt er denn so was?“ fragte Anne. „Wenn ich ihm von den Elfen im Wald und den Mann im Mond erzähle. Er meint es gäbe überhaupt keinen Mann im Mond und so Zeug. Das sei alles Unsinn. Natürlich weiß ich, dass es nicht wirklich einen Mann im Mond gibt, Mama. Aber ich finde es schön mir vorzustellen, es könnte einen geben. Jerry sagt Märchen wären doof. Das finde ich überhaupt nicht. Bin ich vielleicht wirklich verrückt, Mama?“

Anne lachte und strich ihm übers Haar. „Natürlich nicht, mein Schatz. Unsere Phantasie ist etwas sehr wertvolles, Walter. Manche Leute können das nicht verstehen, sie sagen wir wären Träumer. Diese Menschen haben leider nur sehr wenig Phantasie. Hüte deine Träume, wie einen Schatz. Und lass dir nicht einreden, dass du verrückt bist.“

„Du bist die beste Mami auf der Welt,“ Walter schlang seine Arme um sie und küsste sie.

„So, jetzt träumt mal schön.“ Sagte Anne.

„Darf ich dir morgen von meinen Träumen erzählen, Mami?“ fragte Walter, als Anne bereits an der Tür war.

„Natürlich, mein Schatz, es würde mich so gar sehr freuen, wenn du das tun würdest.“

Anne schaute nochmals nach den Zwillingen und nach Shirley. Sie schliefen bereits tief und fest. In ihrem Schlafzimmer setzte sie sich seufzend ans Fenster. Nochmals las sie Gilberts kurze Nachricht vom Morgen.

Für eine Weile musste sie kurz eingenickt sein. Von einem Kuss wurde sie geweckt. Verschlafen blinzelte sie.

„Alles gute zum Hochzeitstag, Anne“, sagte Gilbert. „Es ist zwar nicht ein guter Morgen Kuss, aber es ging nicht anders.“ Erschöpft setzte er sich aufs Bett.

„Ist mit Mrs. Boulter alles ok?“ fragte Anne.

„Ja, sie haben einen kleinen gesunden Jungen, aber es war eine schwierige Geburt. Doch zum Glück haben beide es gut überstanden. Ich bin völlig erschöpft, Karotte. Unser ganzer Hochzeitstag ist verdorben“, Gilbert strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn.

Anne setzte sich zu ihm, nahm seine Hand und lächelte ihn an.

„Das macht nichts, Gil. Wir werden ihn nachholen.“ Sie küsste ihn und flüsterte: „Alles gute zum Hochzeitstag, Gil. Ich liebe dich.“

„Ich liebe dich auch, Anne-Mädchen. Was täte ich nur ohne dich.“ Er spielte mit einer ihrer roten Haarsträhnen. „Oh, ich muss dir doch noch mein Geschenk geben,“ sagte er plötzlich und holte ein kleines Päckchen hervor.

„Du hast mir schon das beste Geschenk gegeben, Gil“, sagte Anne und zeigte auf den Brief.

„Aber das hier ist ein viel besseres Geschenk“, er winkte ab.

„Nein, Gil“, antwortete Anne lächelnd. „Deine Liebe ist das beste Geschenk von allem“, sie küsste ihn intensiv und für den Augenblick war alles andere vergessen.

Das Geschenk war eine Kette mit einem kleinem Herzanhänger auf der Rückseite stand „für die Liebe meines Lebens.“ Anne fand ihn entzückend. Dann überreichte sie ihm auch noch ihr Geschenk. Sie hatte ihm eine neue Taschenuhr besorgt und auf der Innenseite den Spruch „für immer und ewig“ eingravieren lassen.

Gilbert lachte: „Jetzt haben wir doch tatsächlich fast den gleichen Gedanken gehabt. Nichts ist mir wichtiger, als deine Liebe, Anne.“ Er sah ihr tief in die Augen und Annes Herz pochte wie wild.

„Es ist noch genau das gleiche Gefühl, wenn du mich so ansiehst, Gil. In zehn Jahren hat sich nichts daran geändert.“
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