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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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27.08.2006 1.150
 
Kapitel 48 Das Weihnachtsfest

Im November fiel Anne ihre Bewegungen immer schwerer. Ihr Bauch war bereits groß und das Kind darin trat und strampelte eifrig. Seufzend legte sie ihr Buch zu Seite und sah aus dem Fenster. Gilbert blickte von seiner Zeitung auf und sah sie fragend an.

„Was ist los, Anne?“

„Nichts. Ich komme mir nur vor wie ein Walross.“ Gilbert lachte und setzte sich zu ihr. „Du bist wunderschön, Anne-Mädchen.“

„Schmeichler!“ lachte sie und stieß ihn in die Seite. „Ich hab gerade über Weihnachten nachgedacht Gil. Sollen wir vielleicht Captain Jim einladen? Er hat mir vorgestern erzählt, das die Petersons über Weichnachten zu Verwandtschaft nach Carmody fahren und er eigentlich überhaupt nicht mit will. Wir können ihn doch nicht alleine lassen. Es wird bestimmt lustig, wenn er hier ist.“

„Eine gute Idee. Ich möchte nur nicht, das du zuviel bei den Vorbereitungen mithilfst. Du solltest dich etwas schonen“, sagte er ernst.

„Ja, Herr Doktor, wie sie befehlen. Du glaubst doch wohl selbst nicht, dass wenn Susan, Marilla, Mrs. Lynde und deine Mutter hier sind ich auch nur einen Finger rühren darf. Oder?“

Gilbert lachte und küsste sie. „Da hast du wohl recht, Karotte.“

Als Anne am Weihnachtsmorgen erwachte, hatte es draußen geschneit. Die Welt war über Nacht weiß geworden. Auf den Bäumen, Feldern und Wiesen, überall lag Schnee. Anne seufzte, wie schön, dass es weiße Weihnachten gab. Weihnachten war ein wunderschönes Fest und wenn es dazu noch Schnee gab, dann war es regelrecht perfekt.

Mühsam stand sie auf. Ihr Bauch war nun schon so dick, dass es ihr schwer fiel aus dem Bett zu krabbeln. Lange konnte es nicht mehr dauern, dann würde ein neues, kleines Baby in der Wiege liegen. Anne freute sich schon sehr auf ihr Baby. Die Kinder wuchsen viel zu schnell. Jem und Walter gingen schon zur Schule und die Zwillinge waren schon drei Jahre alt. Bald würde sie wieder ein Baby zum knuddeln haben.
Es war noch früh und Gilbert schlief noch tief und fest. Er war erst tief in der Nacht nach Hause gekommen. Die Geburt eines Sloane Babys hatte ihn von seinem erholsamen Schlaf abgehalten. Möglichst leise zog Anne ihren Morgenmantel an. Doch unvorsichtiger Weise stieß sie dabei gegen die Kommode, auf der ihre Fotos standen. Mit lautem scheppern fielen einige davon um. Erschrocken setzte Gilbert sich im Bett auf.

„Was ist passiert?“ fragte er verwirrt.

„Es tut mir leid, Gil! Es ist nichts passiert schlaf nur weiter“, antwortete Anne und lächelte ihm zu.

Seufzend ließ Gilbert sich wieder in die Kissen fallen. Auf dem Flur waren vorsichtige Schritte zu hören und leise öffnete sich die Tür zum Schlafzimmer. Nan steckte ihren braunen Wuschelkopf vorsichtig herein. Begeistert sah sie, dass ihre Mami bereits wach war.

„Mami, Mami“, rannten jetzt die Zwillinge rufend ins elterliche Schlafzimmer. „Mami, dürfen wir jetzt nach sehen ob der Weihnachtsmann da war?“ rief Di.

„Mami, bitte. Wir möchten so gerne ins Wohnzimmer“, redete Nan dazwischen.

Gilbert zog sich stöhnend die Decke über den Kopf.

„Musst ihr den so einen Radau machen?“ schimpfte Anne. „Ihr dürft erst nach dem Frühstück nachschauen. Und jetzt raus mit Euch. Ihr weckt ja das ganze Haus auf.“ Sie scheuchte die beiden zur Tür.

Nan lief artig hinaus, doch Di wollte sich nicht so schnell geschlagen geben. Mit einem Satz sprang sie aufs Bett und landete auf ihrem Vater.

Gilbert ächzte und sagte: „Oh, Di. Sag mal willst du deinen alten Papa zu Tode erschrecken?“ vorwurfsvoll blickte er sie an.

Di jedoch warf ihre roten Locken zurück und schmiegte sich an ihn. Mit ihren grau-grünen Augen blinzelte sie ihn keck an.

„Papa, lass uns doch schon vor dem Frühstück, nach den Geschenken sehen. Warum müssen wir denn so lange warten?“ Einschmeichelnd lächelte sie ihn an.

Gilberts Missmut war plötzlich verflogen. Wenn Di ihn so ansah, konnte man einfach nicht nein sagen. Gerade wollten ihm die entscheidenden Worte über die Lippen huschen.

Doch Anne kam ihm zuvor. „Di “, sagte sie ernst. „Ich hab gesagt nach dem Frühstück. Und jetzt geh dich anziehen.“

Di seufzte und drückte ihrem Papa einen Kuss auf die Wange. Es hatte keinen Zweck sich mit Mami anzulegen. Dann rannte sie zur Tür hinaus.

„Du hättest ihr beinah nachgegeben, stimmts?“ fragte Anne Gilbert, nachdem die Tür geschlossen war.

Gilbert grinste und zuckte mit einer Unschuldsmiene mit den Schultern. „Es liegt einfach an ihren Augen, Anne. Wenn mich solche Augen ansehen, kann ich einfach nicht wiederstehen.“

„Also gut, dann will ich, dass du Dis Willen nicht immer nachgibst“, und nun blickte sie ihn mit diesem Blick an, der ihn so oft schwach werden ließ.

Gilbert seufzte: „Alles was du willst, meine Königin.“

Anne lachte und gab ihm einen Kuss. „Frohe Weihnachten, Gil. Jetzt schlaf noch ein wenig.“

„Frohe Weihnachten, Anne.“

Das Frühstück war an diesem Morgen nicht einfach. Die Kinder drängelten die ganze Zeit. Sie konnten es kaum erwarten, endlich ihre Geschenke sehen zu dürfen. Doch Anne wollte natürlich warten, bis Gilbert aufgestanden war. In der Zwischenzeit versuchten sie und Susan die Kinder abzulenken. Sie erzählten ihnen Weihnachtsgeschichten, sangen Lieder und ließen die Kinder Bilder malen, als Geschenke für die Gäste heute Abend. Dann kam Gilbert in die Küche und die Kinder sprangen begeistert auf.

„Papa“, rief Jem „dürfen wir jetzt endlich zu den Geschenken?“ Er wurde von allen gleichzeitig bestürmt.

„Also gut“, antwortete er „aber euer Papa, darf zumindest eine Tasse Kaffee mitnehmen. OK?“

„Gehen sie nur schon“, sagte Susan. „Ich bring eine Kaffee.“

Das Essen am Abend war perfekt. Susan und Anne hatten ein köstliches Mahl zubereitet. Jetzt saßen alle am Tisch und genossen die Stimmung. Marilla, Mrs. Lynde, John und Mary Blythe sowie Captain Jim waren da und unterhielten sich prächtig.

Anne selbst aß jedoch nicht viel. Lustlos stocherte sie in ihrem Essen herum. Plötzlich ließ sie ihre Gabel mit einem lauten scheppern auf den Teller fallen. Alle blickten sie an.

„Was ist, Anne?“ fragte Gilbert sie.

Anne schüttelte den Kopf. „Nichts! Entschuldigt, bitte. Ich werde mich nur für einen Moment hinlegen. Esst ruhig weiter.“ Dann wand sie sich an Gilbert. „Gil, würdest du kurz mitkommen?“

Gemeinsam liefen sie hinauf ins Schlafzimmer. Kaum hatten sie die Tür geschlossen atmete Anne tief durch. „Gil, ich glaube es geht los.“

„Warum hast du denn nichts gesagt, Anne. Wie lange hast du schon Wehen?“ fragte er aufgeregt.

„Seit ungefähr einer Stunde. Ich möchte nicht, dass die anderen beim Essen gestörte werden. Es wird bestimmt noch eine Weile dauern.“

„Anne, wenn du dich erinnerst wirst du wissen, dass bisher keine deiner Geburten lang gedauert hat,“ sagte Gilbert mit einem hektischen Lachen. „Leg dich erst einmal hin, Anne. Ich werde Susan sagen, dass sie alles vorbereiten soll. OK?“

Anne nickte. Er lief hinunter und rief Susan in die Küche.

„Susan, würdest du Wasser abkochen und Handtücher bereit legen?“ fragte er sie.

„Oh, mein Gott!“ rief Susan erschrocken. „Geht es etwa los, Herr Doktor?“

„Ja, ich denke wir werden ein Weihnachtskind bekommen.“
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