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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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27.08.2006 657
 
Kapitel 44 Eifersucht?

Im Sommer war der Umbau des Traumhauses endlich beendet. Die Zimmer waren eingerichtet und endlich fand Anne wieder Seit an einer neuen Geschichte zu schreiben. Meist setzte sie sich auf die Veranda und schrieb, während die Kinder im Garten spielten.

Langsam wuchs ihr Bauch und es war an der Zeit den Kindern zu sagen, dass ein neues Baby unterwegs war. Eines Nachmittags ging Anne mit den Zwillingen, Marilla besuchen, während Jem und Walter lieber zu Hause bei Susan blieben.

Jem wollte unten am See mit Fred Wright Papierboote fahren lassen. Walter saß im Garten und träumte von einem Schloß in den Wolken. Da kam Jerry Spuergoon munter pfeifend den Weg entlang. Jerry war der Sohn von Josie und Moody Spuergoon. Er war wie Walter sechs Jahre alt. Walter konnte Jerry eigentlich nicht besonders leiden. Er ärgerte einen immer zu und verhielt sich Erwachsenen gegenüber ziemlich frech. Außerdem lachte er über Walter, wenn dieser vor sich hinträumte.

„Hey, Walter!“ rief er nun herüber „Du träumst wohl wieder von fliegenden Pferden,“ dabei lachte er sein hämisches Lachen. „Ich hab gehört, deine Mama bekommt mal wieder ein Baby. Meine Mama sagt, ihr vermehrt euch wie die Kaninchen.“

Erschrocken blickte Walter auf. Mama bekam ein Baby? Davon wusste er ja überhaupt nichts? Schnell schluckte er den Klos in seinem Hals hinunter.

„Lass mich in Ruhe, Jerry,“ zischte er und lief zur Veranda. Jerry lachte ihm höhnisch hinterher.

„Wenn deine Mama wieder einen Jungen bekommt, dann bist du nicht mehr gefragt Walter?“ Dann ging er lachend davon.

In Walters Augen brannten die Tränen. Jerry hatte recht, wenn Mama wirklich einen Jungen bekam, dann wäre er nicht mehr ihr kleines Baby, das sie oft an sich drückte. Mit den Mädchen war das was anderes, die waren ja schließlich nur Mädchen. Was, aber wenn nun ein anderer kleiner Junge ihm den Rang ablaufen würde? Vielleicht hatten Mama und Papa das neue Baby lieber als ihn. Eifersüchtig setzte Walter sich auf die Hintertreppe und schmollte.

Als Gilbert früher als üblich nach Hause kam, fand er Walter auf der Treppe sitzend. Das Gesicht hatte er in den Händen vergraben.

„Walter?“ verwundert setzte er sich zu ihm auf die Treppe. „Was ist den los?“

Walter blickte auf und wischte sich rasch die Tränen weg. „Nichts!“ schniefte er trotzig.

„Wenn nichts wäre, würdest du doch nicht weinen oder?“ Gilbert lächelte ihn an und reichte ihm ein Taschentuch.

Einen Moment lang sah Walter ihn stumm an. „Papa, wenn Mama einen Jungen bekommt, habt ihr mich dann nicht mehr so lieb wie jetzt? Werdet ihr in lieber haben, als mich?“ fragte er plötzlich.

„Walter, wie kommst du denn auf so was?“

„Jerry Spuergoon hat gesagt, dass ihr mich dann nicht mehr so lieb habt“.
„So, so, Jerry Spuergoon. Was weiß denn eigentlich schon Jerry darüber? Er hat doch weder einen Bruder, noch eine Schwester, oder?“ mit hochgezogenen Augenbrauen blickte Gilbert ihn an.

„Nein,“ sagte Walter.

„Also woher soll Jerry dann wissen, dass Eltern alle ihre Kinder lieb haben? Es ist egal, ob du eine Schwester oder einen Bruder bekommst. Du bist Walter und deine Mama und ich lieben dich.“ Er legte den Arm um das schniefende, kleine Kerlchen.

Walter umarmte seinen Papa und war froh. Ja, sein Papa hatte recht. Jerry konnte gar nicht wissen, wie es ist, wenn man Geschwister hat. Und hatten Mama und Papa Jem oder die Zwillinge weniger lieb, als ihn? Natürlich nicht, sie waren die besten Eltern auf der ganzen Welt.

Am Abend hatte Gilbert Anne die ganze Geschichte erzählt. Sie standen im Kinderzimmer und blickten auf den schlafenden Walter.

„Jerry, kommt wirklich nach seiner Mutter,“ schimpfte Anne. Vorsichtig drückte sie Walter einen Kuss auf die Stirn. „Ich hätte es ihm schon vorher sagen sollen, bevor er es von jemand anderem hört“, warf sie sich vor.

„Es ist doch alles gut, Anne. Ich denke Walter hat verstanden, was ich ihm heute sagen wollte,“ sagte Gilbert als sie ihn ihr Zimmer gingen.
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