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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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27.08.2006 2.018
 
Kapitel 42 Der Weihnachtsball

An einem kalten Dezembertag kam Diana zu Besuch. In der Nacht war der erste Schnee gefallen und Jem, Walter, Fred und Anne-Cordelia machten sich auf zum Schlitten fahren. Währenddessen saßen Anne und Diana zusammen mit ihren kleinen im gemütlich warmen Wohnzimmer des Traumhauses. In drei Wochen war Weihnachten und die beiden unterhielten sich darüber.

„Werdet ihr dieses Jahr zum Weihnachtsball nach Cormody gehen?“ fragte Diana.

„Ich weiß noch nicht. Daran habe ich noch gar nicht gedacht, ich war in Gedanken so sehr mit dem Hausumbau beschäftigt, dass ich es glatt vergessen habe,“ gab Anne zu.

„Fred und ich werden hingen. Ich weiß noch gar nicht, was ich anziehen soll. Mein Lieblingskleid, du weißt schon, das beigefarbene, passt mir nicht mehr. Ich gehe allmählich auseinander wie ein Hefeklops. Manchmal beneide ich dich, Anne. Wie schaffst du es nur, so eine tolle Figur zu behalten?“ seufzte Diana und sah an sich herab.

„Ich glaube, es ist auch ein wenig Veranlagung. Ich weiß es selbst nicht, ich kann soviel essen, wie ich will,“ tröstend sah Anne zu ihr.

„Und ich brauche ein Stück Kuchen nur anzusehen und hab schon ein Kilo zugenommen,“ sagte Diana lachend. „Aber was ist nun mit dem
Weihnachtsball? Wir könnten doch zusammen hingehen.“

„Ich werde mit Gil, darüber reden. Es wäre bestimmt lustig.“

Di begann plötzlich zu weinen, weil Nan ihr den Teddybären entrissen hatte. Anne versuchte sie zu trösten und nahm sie auf den Arm, während Nan und David weiterspielten. Die Zwillinge waren jetzt 15 Monate alt und ihre kleinen Füßchen trippelten immer munter im Traumhaus umher.

„Wie schnell die Kinder doch wachsen,“ sagte Diana plötzlich und sah auf den zweijährigen David. „Deine Zwillinge sind wirklich süß, Anne.“

„Sie sind so unterschiedlich. Nicht nur vom Aussehen, sondern auch in ihrer Art. Man könnte nicht glauben, dass sie Zwillinge sind.“

Di hatte rote, lockige Haare. Die kleinen Löckchen stand meist wirr von ihrem Kopf ab. Sie hatte ebenso grau-grüne Augen wie ihre Mutter. Überhaupt schien sie nach Anne zu kommen. Sie war recht temperamentvoll und manchmal war sie kaum zu bändigen. Wen wunderte es also, dass sie Gils Liebling war. Er war regelrecht vernarrt in seine rothaarige Tochter. Nan hatte nussbraunes Haar und braune Augen. Sie war wirklich hübsch. Sie war ruhiger als Di, aber sie wusste sich trotz allem gegenüber Di durch zusetzen. In ruhiger Art, schaffte sie es oft über ihre Schwester zu dominieren.

Gilbert kam gerade nach Hause und brachte Fred mit. Die beiden hatten sich zufällig in der Stadt getroffen und Fred wollte nun Diana abholen. Als Gilbert das Zimmer betrat, rutschte Di rasch von Annes Schoß und flog ihrem Papa in die Arme.

„Oh, wie geht es denn meinem kleinen Liebling?“ fragte er und küsste sie, während er sie hoch hob.

Anne blickte zu Diana und seufzte lachend: „Manchmal ist es richtig schwer, in Gils Gunst, gegen meine eigene Tochter an zukommen.“

„Ich hab nun mal drei Lieblingsfrauen,“ sagte Gil. Inzwischen war hatte er sich hingesetzt und nun war auch Nan auf seinen Schoß geklettert.

„Ich sehe schon,“ sagte Anne lächelnd „ich bekomme erst als letzte einen Kuss.“ Da krabbelte Di von seinem Schoß und drückte Anne einen feuchten Kuss auf die Wange. „Oh, das ist lieb von dir Süße,“ lachte Anne.

Die vier unterhielten sich eine Weile und dabei kam man auch auf den Weihnachtsball zu sprechen. Es wurde beschlossen, das sie gemeinsam hinfahren würden.


„Wir sollten jetzt gehen,“ sagte Fred. „Wo sind denn die Kinder?“

„Sie sind alle Schlittenfahren gegangen. Eigentlich sollten sie bereits wieder hier sein,“ sagte Diana und blickte auf die Uhr. „Ich wird sie mal holen gehen,“ sagte Fred und ging hinaus.

Keine fünf Minuten später waren alle da. Sie hatten rote Backen von der Kälte und plapperten munter und fröhlich durcheinander. Walter stand ein wenig abseits und war still. Im allgemeinen war Walter ja immer ziemlich ruhig, doch im Augenblick kam er Anne seltsam still vor. Sie ging zu ihm.

„Walter, mein Schatz, was ist denn?“ fragte sie. Dann bemerkte sie, dass seine Augen ganz glasig waren. Besorgt legte sie ihm ihre Hand auf die Stirn. „Walter!“ rief Anne erschrocken: „Du bist ja ganz heiß.“ Dabei blickte sie besorgt zu Gilbert hinüber.

Er stand auf und besah seinen Sohn. „Er hat Fieber,“ sagte Gilbert und sah auf Walters Gesicht und Arme. Dort entdeckte er rote Flecken. „Ich fürchte es sind die Masern,“ sagte Gilbert nahm Walter auf den Arm und trug ihn hoch in sein Bett.

Walter hatte wirklich die Masern und alle hofften, dass sich die anderen Kinder nicht angesteckt hatten. Der arme Walter musst in seinem Bett liegen, das Zimmer wurde verdunkelt und keiner seiner Geschwister durfte ihn besuchen.

Doch zum Glück, kam Mami mehrmals am Tag zu ihm und versuchte ihn mit kleinen Geschichten zu unterhalten. Walter war froh, dass er so viel Phantasie besaß. So verging die Zeit viel schneller. Er dachte sich Geschichten aus und erzählte Anne dann davon. Auch Susan kam so oft wie möglich in sein Zimmer und berichtete ihm, was sein Geschwister so taten. Und schließlich kam immer wieder Papa herein und sah nach ihm.

Jem durfte währenddessen nicht zur Schule gehen, denn sonst würden vielleicht noch andere Kinder angesteckt. Gilbert rechnete sowieso fest damit, dass Walter und die Zwillinge auch noch die Masern bekommen würden. Eine Woche war bereits vergangen und bis jetzt hatte keines der anderen Kinder die Masern bekommen.

Anne wollte bereits erleichtert aufatmen, als eines morgens Jem am Frühstückstisch begann, wie wild an seinem Arm zu kratzen. Da waren sie dann doch, die roten Flecken. Einen Tag später waren auch die Zwillinge ins Bett verfrachtet worden.

Auch Diana und Fred blieben vor kranken Kindern nicht verschont. Alle drei bekamen ebenfalls die Masern.

Vier kranke Kinder auf einmal im Haus bedeuteten eine ganze Menge Stress. Besonders für die Zwillinge war es schlimm. Sie waren noch so klein und wimmerten und weinten, wenn es sie juckte. Eine Woche später war jedoch das schlimmste überstanden.

Gilbert jedoch hatte immer noch eine Menge zu tun. Viele Kinder in Avonlea hatten jetzt die Masern. Alle waren froh, als die Masern heil überstanden waren. Nun konnte man sich endlich wieder auf Weihnachten freuen. Anne musste sich noch um alle Geschenke kümmern, denn in den letzten zwei Wochen, hatte sie nicht eine Minute Zeit dafür gehabt.

Mit Schrecken bemerkte sie, eine Woche später, dass bereits in zwei Tagen der Weihnachtsball statt fand und sie wusste überhaupt noch nicht, was sie anziehen sollte.

„Willst du wirklich auf den Weihnachtsball gehen?“ fragte sie Gilbert am Abend. „Die letzten drei Wochen waren so anstrengend. Ich würde es verstehen, wenn du lieber nicht hinwillst.“

„Nein, wir gehen hin, Anne. Ich glaube ein bisschen Abwechselung wird uns ganz gut tun,“ antwortete er.

„Ich weiß noch gar nicht, was ich tragen soll, Gil. Ich hatte bisher keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen.“

„Anne du siehst in jedem Kleid gut aus,“ sagte er und küsste sie.

„Du hast leicht reden. Das sagst du ja nur, weil du mein Mann bist.“ Gilbert lachte und zwinkerte ihr schelmisch zu.

Am Tag des Weihnachtsballs, hatte Anne sich immer noch nicht entschieden welches Kleid sie tragen sollte. Sollte sie das grüne mit den Rüschen tragen oder doch lieber das braune mit dem modischen Ausschnitt. Sie stand vor dem Spiegel und seufzte. Schließlich griff sie nach dem braunen. Sie hatte es vor 6 Wochen erst bei Lawsons gekauft und bisher nur ein mal getragen. Nämlich am Geburtstag ihrer Schwiegermutter vor vier Wochen.

Er war bereits recht spät, als sie endlich fertig war. Diana und Fred fuhren so eben vor dem Haus vor. War Gilbert eigentlich schon fertig? Vor einer halben Stunde war er ins Zimmer gekommen und hatte seinen Anzug mitgenommen. Anne lief die Treppe hinunter und begrüßte Diana und Fred. Dann ging sie in Gilberts Büro. Er war fertig angezogen, jedoch noch immer in seine Unterlagen vertieft.

„Gil! Fred und Diana sind bereits da,“ sagte Anne.

„Ich komme sofort,“ antwortete er, ohne aufzusehen.

„Wir sollten gleich losfahren,“ sagte Fred im Flur „wir sind schon ein bisschen spät dran.“

„Gil, kommt sofort,“ sagte Anne und zog sich ihren Mantel über.

Dann kam endlich Gilbert aus dem Büro. „Tut mir leid, aber ich musste noch
etwas erledigen,“ entschuldigte er sich. „Seid ihr alle fertig?“

Schließlich brachen sie auf und Susan wünscht ihnen noch einen schönen Abend. Es war ziemlich kalt, aber die Luft war klar und rein. Anne hüllte sich in ihren Mantel und Gilbert legte den Arm um sie.

Der Ballsaal in Carmody war ziemlich voll. Als sie ihre Mäntel ablegten, warf Gilbert, Anne einen bewundernden Blick zu, er war so beschäftig gewesen, dass er seine Frau noch gar nicht richtig angesehen hatte. Sie betraten den Saal und Anne seufzte.

„Was ist?,“ fragte Gilbert sie.

„Josie ist auch da, ich hoffe sie verdirbt mir nicht den ganzen Abend,“ sagte Anne während sie Josie am anderen Ende des Saals entdeckt hatte.

„Oh, sieh mal,“ rief Diana aufgeregt „da ist Jane.“

Jane hatte sie bereits entdeckt und kam auf sie zu. „Hallo, wie schön euch alle mal wieder zu sehen.“ Sie umarmte Diana und Anne. „Anne,“ sagte Jane „du siehst wirklich gut aus. Ihr müsst mir später unbedingt von Avonlea erzählen. Nächste Woche werde ich meine Mutter besuchen,“ erzählte sie weiter.

Es war ein heiterer Abend und sie amüsierten sich prächtig. Später standen Anne, Diana und Jane beisammen und unterhielten sich, während ihre Ehemänner ebenfalls ein Gespräch unter sich führten. Plötzlich kam Josie angeschneit.

„Sieh mal einer an,“ sagte Josie. „Ich hätte nicht erwartet, dass du hier bist Anne. Wie kann eine Mutter von vier Kindern sich den frei nehmen?“ fragte Josie spöttisch.

Josie hatte nur einen Jungen und jeder wusste, dass sie über alle spottete, die mehr Kinder hatten. Sie betonte immer, sie sei schließlich keine Kuh und bringe dauernd Kälber auf die Welt. Böse Zungen behaupteten doch, dass nur der Neid aus ihr sprach. Denn bisher war Josie einfach nicht mehr schwanger geworden und keiner glaubte, dass dies beabsichtigt wäre. Im Gegenteil, es wurde gemunkelt, dass Josie keine Kinder mehr bekommen könnte.

Anne tat sie aus diesem Grund eigentlich leid. Außerdem hatte sie keine Lust, sich diesen Abend von einer geborenen Pye verderben zu lassen. „Susan, passt auf sie auf. Auch eine Mutter von vier Kindern darf sich einmal frei nehmen, Josie,“ sagte sie darum nur und schenkte ihr weiter keine Beachtung.

Gilbert sah zu den Frauen hinüber, aufeinmal viel ihm auf, wie rank und schlank Anne doch immer noch war. Diana und Jane, ja selbst Josie hatten in den letzten Jahren doch ziemlich an Gewicht zugelegt. Doch seine Anne war immer noch so schlank wie mit 16 Jahren. Selbst ihre vier Kinder hatten daran nichts geändert. Wie schön sie doch ist, dachte er plötzlich, während er sie heimlich beobachtete.

Anne spürte seinen Blick und sah zu ihm hinüber. Wie gut er doch in seinem Frack aussieht, dachte sie und ihre Blicke trafen sich. Gilbert konnte trotz der Entfernung das Glitzern in ihren Augen sehen. Sie waren bereits seit acht Jahren verheiratet. Aber seine Herz klopfte immer noch wild, wenn er das Glitzern ihrer Augen vernahm. Dann fühlte er sich immer wie der frisch verliebte Junge, dem sie die Tafel auf den Kopf gehauen hatte.

Das Orchester spielte einen Walzer. Gilbert entschuldigte sich bei den Jungs und ging zu Anne hinüber.

„Würde mir die Dame einen Tanz gestatten?“ fragte er höflich und Anne strahlten ihn an.

„Mit dem allergrößten Vergnügen,“ sagte sie und reichte ihm ihre Hand.
Sie tanzten und blickten sich an, wie ein verliebtes junges Paar. Einigen umstehenden fiel dies ebenfalls auf.

„Die zwei passen wirklich perfekt zusammen,“ sagte Jane zu Diana.

„Pah,“ sagte Josie nur und rauschte davon. Diana und Jane lachten, als sie davon gezogen war.

Anne und Gilbert genossen diesen Abend unwahrscheinlich.

„Anne-Mädchen, du siehst heute atemberaubend schön aus. Weißt du das?“ fragte Gilbert sie.

„Darf ich das Kompliment zurückgeben? Wenn ich dich nicht bereits lieben würde, dann hätte ich mich auf jeden Fall heute in dich verliebt,“ sagte sie lachend. „Ich liebe dich, Gil“ flüsterte sie an sein Ohr.

„Ich liebe dich auch, Anne.“ Lachend tanzten sie weiter.
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