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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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27.08.2006 1.256
 
Kapitel 39 Nan und Di Blythe

Am nächsten Tag kam Diana vorbei. Sie ging leise in Annes Zimmer.

„Diana!“ rief Anne begeistert, als sie die Freundin erblickte. „Komm setzt dich zu mir“.

„Wie geht es dir, Anne. Ich dachte nach dem ganzen Chaos muss ich mal bei dir vorbeischauen.“

„Ich hatte gestern noch keine Zeit dir zu danken, Diana. Du bist wirklich eine tolle Freundin.“ Anne setzte sich auf und nahm sie in den Arm.

„Du hättest vielleicht Hebamme werden, sollen, Diana,“ sagte Gilbert, der gerade zur Tür hereinkam.

„Oh, nein,“ antwortete Diana „ich hatte eine Heidenangst, das kann ich euch sagen und ich bin froh, dass alles so glatt gelaufen ist.“

Anne lachte „Du warst einfach klasse, meine Busenfreundin.“

„Na, was hätte ich denn tun sollen, nachdem diese beiden Kinder einfach nicht auf ihren Daddy warten wollten. Wo sind denn die kleinen, gestern hatte ich kaum Zeit sie anzusehen, nachdem gleich zwei davon auf die Welt kamen.“

„Sie schlafen, gerade im Nebenzimmer.“ Gilbert öffnete die Tür und Diana schlich auf Zehenspitzen hinein. Begeisterte betrachtete sie die schlafenden Babys in ihrer Wiege. Kurzfristig hatte man eine zweite Wiege organisiert. Denn niemand hatte damit gerechnet, dass Anne Zwillinge bekam.

„Sie sind wirklich zu süß, Anne. Wie sollen sie denn heißen?“ fragte Diana nachdem sie wieder bei Anne war.

„Diana und Anne Blythe,“ verkündete Anne stolz.

„Oh, Anne das ist ja süß. Eine kleine Anne und eine kleine Diana. Ob sie sich auch so gut verstehen werden wie wir?“

„Das will ich doch hoffen. Auf jeden Fall, können sie stolz auf ihre Patentante sein. Wirst du uns die Freude machen und ihre Patentante werden, Diana?“

„Aber mit dem allergrößten Vergnügen,“ rief Diana und umarmte Anne und dann Gilbert.

„Als zweiten Paten habe ich an Deine Mutter gedacht, Gil. Schließlich hat sie auch ihren Teil dazu beigetragen,“ sagte Anne.

Gilbert nickte „Das wird sie bestimmt gerne tun.“

Nan und Di schliefen friedlich in ihren Bettchen. An ein schreiendes Baby in der Nacht, war Anne ja bereits gewöhnt. Doch Zwillinge waren natürlich doppelt so schlimm. Wenn die eine endlich schlief, wurde hundertprozentig die nächste wach. Viel Schlaf war in diesen ersten Nächten nicht zu bekommen. Auch Gilbert schlief nicht viel, denn oft nahm er Anne eine der beiden Zwillinge ab. Denn zwei schreiende Babys auf dem Arm war einfach zuviel.

Eines nachts waren endlich beide eingeschlafen und Anne und Gilbert legten sich wieder ins Bett.

„Manchmal frage ich mich wie Mrs. Hammond das damals überlebt hat. Sie hatte schließlich dreimal Zwillinge hintereinander. Ich glaube Zwillinge scheinen mich in meinem Leben zu verfolgen,“ lachte Anne.

„Aber es sind diesmal unsere Zwillinge, Anne und wir können stolz auf sie sein. Nicht wahr.“

Anne nickte stumm.

„Ich glaube unser Haus wird langsam zu klein, Karotte. Ich meine wir haben jetzt vier Kinder. Irgendwie brauchen wir was größeres. Meinst du nicht auch?“ fragte Gilbert.

Doch Anne gab ihm keine Antwort.

„Anne? Was meinst du?“ Gilbert schaute verwundert zu ihr hinüber. Sie war übermüdet eingeschlafen. Gilbert lächelte, deckte sie sorgsam zu und küsste sie sanft auf die Stirn. „Schlaf nur mein Liebes, wir reden ein andermal darüber.“ Anne kuschelte sich an ihn und auch bald war er eingeschlafen.

Jem war unheimlich stolz auf seine beiden kleinen Schwestern. Kürzlich war er in die Schule gekommen und berichtete nun aufgeregt seiner Mutter vom heutigen Tag.

„Mommy, stell dir nur vor Andrew Philipps hatte heute einen Regenwurm mit in der Schule. Er hat ihn während des Unterrichts in der Hand gehalten, dann hat Miss Watson, (Miss Watson war die neue Lehrerin an der Avonlea Schule), es jedoch bemerkt und ihm gesagt er soll auf der Stelle nach vorne bringen, was er in der Hand habe. Andrew wollte ihn nicht nach vorne bringen, doch Miss Watson hat gesagt er müsse sonst nachsitzen. Also hat er ihn ihr auf den Pult gelegt. Es war wirklich ein dicker, ekliger Regenwurm, Mommy,“ sagte Jem und deutete die Länge des Wurms mit seinen Fingern an. Anne schüttelte es, sie konnte sich vorstellen, wie es der armen Miss Watson ergangen war. „Sie hat natürlich fürchterlich geschrieen und ist von ihrem Stuhl aufgesprungen. Zur Strafe musst Andrew heute dennoch nachsitzen. Weil er sie so erschreckt habe. Ist das fair Mommy, er hat doch getan, was sie gesagt hat?“

„Andrew hatte auf jeden Fall eine Strafe verdient, Jem. Einen Regenwurm bringt man auch nicht in die Schule mit. Also lass dich nicht von solchem Unfug anstecken.“ Anne saß mit Jem im Wohnzimmer, während sie ein paar Socken stopfte. Die Zwillinge lagen in ihren Körbchen. Di fing an zu weinen und Anne nahm sie auf den Arm.

„Warum weinen Babys immer soviel?“ fragte Jem sie plötzlich.

„Na, sie können doch noch nicht reden. Und irgendwie müssen sie sich doch bemerkbar machen.“ Antwortete Anne.

„Ich hab bestimmt nicht soviel geweint, wie Nan und Di. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sie Mädchen sind. Mädchen weinen immer. Jedesmal, wenn Peter McAllister seine Schwester schubst, fängt sie an zu weinen,“ kopfschüttelnd sah er zu seinen beiden Schwestern hinüber.

„Jemilein, auch du hast als Baby geweint,“ sagte Anne bestimmt „und Peter McAllister sollte seine Schwester nicht dauernd schubsen.“

„Die McAllister sind eine fürchterliche Rasselbande, liebe Frau Doktor,“ sagte Susan, als sie das Wohnzimmer betrat. „Die haben keinerlei Manieren. Du solltest dich nicht so sehr mit ihnen abgeben, Jem“ Susan sah ihn an und hob den Zeigefinger.

„Aber Peter ist immer so lustig,“ verteidigte Jem ihn. „Er kann wirklich tolle Geschichten erzählen. Allerdings behauptet er seine kleine Schwester Margaret, wäre das hübscheste Baby auf der ganzen Insel. Da hab ich ihm jedoch wiedersprechen müssen, denn Nan und Di sind die hübschesten Babys auf der ganzen Insel.“

„Das ist süß von dir, Jem. Aber die meisten Babys sind hübsch,“ sagte Anne.
„Nein, Mommy, Nan und Di sind die hübschesten von allen.“ Damit küsste er Di auf die Wange und Anne lächelte. „Darf ich jetzt draußen mit Walter spielen?“ fragte Jem.

„Bist du denn mit deinen Hausaufgaben fertig?“

„Ja, Mommy“

„Na dann geh“, nach diesen Worten flitzte Jem zur Tür hinaus. Doch eine Sekunde später kam er wieder herein, drückte seiner Mutter einen feuchten Kuß auf die Wange und sagte: „Ich hab dich lieb, Mommy!“

„Und was ist mit mir?“ fragte Susan.

„Dich hab ich auch lieb,“ sagte Jem und gab ihr ebenfalls einen Kuß. Er sah kurz aus dem Fenster und rief: „Daddy kommt!“ dann war er auch schon verschwunden.

„Er ist so ein süßes Kerlchen, liebe Frau Doktor,“ sagte Susan und ging wieder in die Küche.

Anne sah aus dem Fenster und konnte sehen, wie Gilbert stürmisch von Jem und Walter begrüßt wurde. Jem plapperte wie ein Wasserfall auf ihn ein, während er seine Hand hielt. Walter hörte ihnen aufmerksam zu und ließ sich von Gilbert tragen. Wie unterschiedlich die beiden doch waren. Zehn Minuten später betrat Gilbert das Wohnzimmer.

„Puh,“ rief er „ich hab erst mal die Rasselbande da draußen abschütteln müssen. Wie die Kletten haben sie an mir geklebt.“

Anne lachte und gab ihm einen Kuß.

„Jem meinte er müsse, jetzt noch einen dicken Regenwurm suchen gehen. Wozu weiß ich allerdings nicht,“ sagte Gilbert mit einem kopfschütteln.

„Aha, ich glaube ich muß mit Jem später ein ernstes Wort reden,“ sagte Anne und sah aus dem Fenster.

„Warum, denn?“ fragte Gilbert.

„Ich erzähl es dir später. Sonst hab ich keinen Appetitt mehr, wenn ich an die Geschichte denke, sie ist irgendwie eklig.“ Sagte Anne und schüttelte sich.

„Und wie geht es den drei hübschesten Damen auf der Welt?“ fragte er, während er seine Töchter betrachtete und Nan aus dem Körbchen nahm.
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