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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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27.08.2006 1.249
 
Kapitel 36 Ein neues Buch

Als sie wieder zu Hause waren, begann Anne sofort eines ihrer neuen Manuskripte zu überarbeiten. Sie schrieb eifrig, las das geschrieben durch und zerknüllte es. Nichts schien ihr gut genug.

Wenn Gilbert spät nach Hause kam, fand er Anne oft gedankenverloren am Schreibtisch vor.

„Oh, Gil. Ich bring es einfach nicht fertig, nicht dauernd eine Änderung vorzunehmen.“ Seufzte sie.

„Soll ich es vielleicht lesen und dir meine ehrliche Meinung sagen?“ fragte er sie.

Anne überlegte einen Moment, dann nickte sie. „Ich denke ja, mit deiner Kritik weiß ich inzwischen wenigstens umzugehen.“

Am nächsten Tag, es war ein sonniger Sonntag, setzte Gilbert sich in den Garten und las Annes Geschichte. Anne lief inzwischen unruhig auf und ab. Sie konnte es kaum erwarten Gilberts Reaktion zu sehen, doch wenn es schlecht war, wollte sie es lieber gar nicht wissen. Hin und her gerissen, lief sie in den Garten hinaus. Gilbert legte das Manuskript bei Seite und sah Anne ernst an.

„Ist es so schlecht?“ fragte sie verunsichert.

„Anne-Mädchen,“ begann er sanft. „Das ist das beste, was ich je von dir gelesen habe.“

„Wirklich?“ fragte sie und Gilbert nickte zustimmend. Jauchzend fiel sie ihm um den Hals und küsste ihn. „Glaubst du denn, das es Mr. Garisson auch gefallen wird?“ fragte Anne und sah ihm in die Augen.

„Er wäre ein Dummkopf, wenn er es nicht veröffentlichen würde,“ war seine Antwort.


Das Manuskript hatte sie abgeschickt. Und nun hieß es einfach abwarten. Für Anne wurden es lange Tage und jedes Mal sah sie nervös auf den Stapel Post. Aber nie war etwas von Jack Garrison dabei.

„Was solls!,“ dachte Anne. „Ich werde hier nicht ungeduldig auf die Antwort warten.“ Mit diesem Gedanken ging sie ihrem normalem Leben nach und verdrängte jeden Gedanken an ihr Manuskript.

Diana bekam im Juni ihr Baby. Es war ein gesunder kleiner Junge und er wurde auf den Namen David getauft. Anne knuddelte und herzte das süße Baby.

Eines Abends kam Gilbert strahlend nach Hause.

„Was ist los, Gil?“ fragte Anne ihn.

„Gar nichts... Was soll den los sein?“ fragte er unschuldig grinsend.

„Gilbert Blythe, du weißt ganz genau, dass du vor mir nichts verbergen kannst. Ich sehe dir doch an, dass du etwas verheimlichst,“ antwortete Anne.

„Machen wir einen Sparziergang zum See,“ fragte er „dann werde ich dir mein Geheimnis verraten“

„Also gut, gehen wir,“ seufzte Anne und hackte sich bei ihm ein.

„Ich war heute auf dem Postamt,“ begann Gilbert „und es ist ein Brief für dich dabei. Aus New York!“

“Was, zeig her, warum hast du es mir nicht gleich gesagt?” ungeduldig nahm Anne den Brief in Empfang. Sie starrte auf den Umschlag.

„Willst du ihn denn nicht aufmachen?“ fragte Gilbert sie.

„Ich kann nicht. Ich bring es nicht fertig ihn zu öffnen. Oh Gil, bitte tu du es für mich, lies ihn mir vor,“ sagte Anne.

Gilbert lachte über Annes Nervosität. „Karotte, du bist einfach schön, wenn du nervös bist“ sagte er und küsste sie auf die Stirn.

„Bitte, Gil. Mach ihn auf,“ drängte Anne. Er öffnete den Umschlag und sah ernst auf die geschriebenen Zeilen.

Sehr verehrte Mrs. Blythe,

ich habe ihr Manuskript gelesen und kann ihnen sagen ich bin begeistert. Wir werden, ihr Einverständnis voraussetzend, das Buch in Druck geben. In den nächsten Tag wird ihnen durch unsere Anwälte ein Vertrag mit den genaueren Übereinkünften zugehen.
Ich würde mich sehr über eine Zusammenarbeit mit ihnen freuen.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Jack Garrison jr.

Anne schlug ihre Hände vors Gesicht.

„Anne-Mädchen, das ist ja phantastisch!“ rief Gilbert mit einem Lachen aus. Und Anne fiel ihm nun stürmisch um den Hals.

Sie drückte ihn an sich und flüsterte „Bitte Gil, sag mir das ich nicht träume.“

Gilbert lachte und nahm ihr Gesicht in beide Hände. „Du träumst nicht, Anne. Es ist wirklich wahr.“

Sie küsste ihn und war überglücklich. „Danke, Gil.“

„Für was bedankst du dich denn?“ fragte er erstaunt.

„Für alles, was du für mich tust. Du hast mir Mut zugesprochen. Ohne dich hätte ich es wahrscheinlich nie abgeschickt. Aber das ist nicht alles vor allem danke ich dir dafür, dass du mich liebst, Darling.“ Sie sah ihm in die Augen und die Welt blieb einen Moment lang für die beiden stehen.

Vier Wochen später hielt Anne ihr Buch wirklich in den Händen. In Gilberts Augen glitzerten Tränen, als er die Widmung las. `In Erinnerung an Joyce, wir werden sie nie vergessen.` Anne saß mit ihm auf der Veranda, als sie ihm das Buch zeigte. Sie sprachen beide kein Wort, sondern hielten sich nur an den Händen. Nein, Joyce würde nie vergessen werden.

Das Buch schlug alle bisherigen Erfolge von Anne. Mr. Garrison bat Anne bereits an dem nächsten zu arbeiten. Somit ging jeder seiner Arbeit nach. Anne hatte die Kinder und ihre Schreiberei und Gilbert war voll mit seinen Patienten beschäftigt. Die Leute in und um Avonlea waren sehr mit ihrem jungen Doktor zufrieden. Einige waren froh, dass er aus Avonlea stammt und nicht irgendein „Fremder“ war. Allen voran natürlich Mrs. Lynde, bei ihr waren alle, die nicht von PEI stammten anders.

Miss March schrieb Anne regelmäßig Briefe und berichtete von Schottland und ihrem Großvater. Doch eines Tages war ein trauriger Brief in der Post. Anne bekam die Nachricht, dass ihr Großvater gestorben war. Traurig lief sie zum See hinunter und setzte sich auf einen Baumstamm.

Susan erzählte Gilbert davon, als er nach Hause kam. Er lief zu Anne und setzte sich zu ihr.

„Anne,“ sprach er und legte den Arm um sie „es tut mir leid. Aber du hast ja gewusst, dass es ihm nicht so gut ging.“

Anne nickte. „Das schlimme ist nur, Gil. Das ich irgendwie gar nicht richtig weinen kann. Ich meine ich hab ihn ja kaum gekannt. Als Miss Josephin Barry starb, war ich trauriger, als jetzt. Ist das nicht schrecklich,“ mit verwirrten Augen sah sie ihn an.

„Es ist doch nur verständlich. Du hast Miss Barry besser gekannt, als deinen eigenen Großvater. Mach dir keine Sorgen deshalb. Es ist nur normal.“ Anne sagte nichts.

Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter und beide beobachteten gedankenverloren den Sonnenuntergang. Mit Miss March hatte sie auch weiterhin brieflichen Kontakt. Die alte Dame lebte nun bei Verwandten in Edinburgh. In einem ihrer Briefe schrieb sie....

...jetzt, da Sir Shirley tot ist, hätte ich nicht länger auf dem Gut leben können. Es ist alles so einsam und leer dort. Hier bei meinen Verwandten komme ich mir auch ziemlich fremd vor, aber es ist nicht so still im Haus. Vielleicht komme ich ja noch mal nach Kanada. Ich liebe meine Heimat wirklich, doch im Moment kann ich sie fast nicht ertragen. Ich weiß Sir Shirley war oft sehr streng, ja fast tyrannisch, aber ich habe ihn trotzdem auf seine Art geliebt.

40 Jahre sind eine lange Zeit, da hat man sich so aneinander gewohnt.

Schreib mit bitte bald wieder.

In liebe Miss March

“Meinst du wir sollten sie vielleicht einladen?” fragte Anne, Gilbert, nachdem sie ihm den Brief vorgelesen hatte. „Sie scheint fürchterlich einsam zu sein.“

„Wenn sie kommen möchte, warum nicht,“ antwortete Gilbert und sah weiter in seine Zeitung. Am nächsten Tag schrieb sie ihr und fragte sie, ob sie nicht nach PEI kommen wolle.

Eine Zeitlang hörte sich nichts von Miss March. Dann kam ein Brief, in dem Miss March schrieb, dass ihre Schwester krank geworden sei und sie sich jetzt um den Haushalt kümmern müsse. Sie dankte für die Einladung und werde diese, sobald ihre Schwester wieder gesund sei, gerne annehmen.
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