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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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27.08.2006 948
 
Kapitel 31 Familienzuwachs

Jem war inzwischen vier Jahre alt. Er war ein aufgewecktes Kerlchen und nicht auf den Mund gefallen. Er hatte Annes rote Haare und ihren Redeschwall geerbt. Aber er war nicht so dickköpfig wie seine Mutter.

Walter war jetzt zwei Jahre geworden. Er hatte viel Ähnlichkeit mit seinem Vater. Walter war viel ruhiger als Jem. Er redete weniger und überhaupt schien er mehr ein sehr ruhiges und nachdenkliches Kind zu sein. Auch war er schüchtern, wenn Besuch da war. Er konnte sich mit seinen Bauklötzen beschäftigen, während Jem wie ein Wirbelwind durch Haus und Garten rannte.

Susan war in beide Kinder ganz vernarrt und Anne musste oft genug aufpassen, dass Susan die beiden nicht zu sehr verwöhnte.

Gilbert bedauerte es oft, dass er manchmal so viel zu tun hatte. Er hatte das Gefühl zuviel von seiner Familie zu verpassen.

„Wenn ich doch nicht immer weg müsste, Karotte. Ich möchte einfach hier bei euch bleiben. Dich in meinen Armen halten und unseren Kindern beim spielen zu sehen“, seufzte er eines abends nach einem anstrengenden Tag. „Wie groß die zwei schon geworden sind. Sie sind schon gar keine kleinen Babys mehr“, sagte er lachend.

Anne lächelte ihn an: „Vermisst du es denn, dass sie sich nicht mehr allzu oft herumtragen lassen? Stell dir vor, Gil, heute habe ich zu Jem wie immer Klein Jem gesagt, da stand er vor mir und sah mich entrüstet an. `Mama, ich bin überhaupt nicht mehr klein`. Am liebsten hätte ich laut losgelacht, wie er so da stand mit verschränkten Armen. Aber ich bin ernst geblieben und habe ihm versprochen ihn nicht mehr so oft Klein Jem zu nennen. Obwohl mir das bestimmt schwer fällt.“ Sie lachten beide und Gilbert nahm sie in den Arm.

„Jeden Tag scheinen sie größer zu werden. Ja, manchmal vermisse ich es sie herum zu tragen“, vorsichtig strich er ihr dabei über die Wange.

„Aber vergiss nicht zu schnell, wie das ist, Gil. Du wirst es nämlich bald wieder brauchen können.“ Mit strahlenden Augen sah sie ihn an.

„Was?“ er blickte ihr tief in die Augen und bemerkte das Blitzen in ihnen.

„Ja, Gil. Wir bekommen wieder ein Baby“, sagte Anne und beobachtete sein Gesicht.

Ein strahlendes Lächeln breitete sich über seinem Gesicht aus.

„Anne-Mädchen. Weißt du eigentlich wie sehr ich Dich liebe?“

„Ich glaube schon, aber du darfst es mir ruhig trotzdem sagen,“ neckte sie ihn.

„Ich liebe Dich, Anne Blythe“, antwortete er.

„Und ich liebe Dich, Dr. Gilbert Blythe“, erwiderte Anne, bevor er sie in seine Arme schloss und küsste.

Anne und Gilbert wünschten sich natürlich ein kleines Mädchen. Und Anne war diesmal voll davon überzeugt, dass das Baby ein Mädchen war.

„Glaub mir, Gil, es ist ganz bestimmt ein Mädchen“.

Gilbert lachte. „Aber woher willst du das denn wissen, Karotte?“

Anne zuckte mit den Schultern „Ich weiß es einfach,“ antwortete sie ernst.

Gilbert grinste und küsste sie.

Eines Nachmittags kam Mrs. Blythe zum Tee.

„Wie geht es dir, Anne?“ fragte sie, während sie von Jem und Walter umlagert wurde.

„Gilbert hat uns gestern die Neuigkeit verkündet. Ich freu mich schon wieder ein kleines Baby knuddeln zu dürfen. Obwohl diese kleinen Kerlchen hier auch zum knuddeln sind“, dabei drückte sie Jem und Walter an sich.

Jem sah sie entrüstet an. „Bin kein kleines Baby mehr!“, verkündete er trotzig.

„Jem!“ ermahnte ihn Anne wegen seiner Tonlage „So spricht man nicht mit seiner Großmutter.“

Doch Jem verschränkte die Arme und hob trotzig seine Nase in die Luft. Erschrocken bemerkte Anne, dass sie früher genauso ihre Nase hochgehoben hatte.

„James Matthew!!!“ sprach Anne nun in strengem Tonfall „Du wirst dich sofort für dein ungehorsames Benehmen bei deiner Großmutter entschuldigen.“

Einen Augenblick lang schien es, als wolle Jem seiner Mutter trotzen. Doch dann sah er ihr in die Augen und wusste dass sie es ernst meinte.

Reumütig senkte er den Kopf und flüsterte: „Es tut mir leid, Oma.“

„Du hast ja Recht, dass du kein kleines Baby mehr bist, Jem. Ich werde versuchen daran zu denken“, versprach Mrs. Blythe.

Dann flitzte Jem in den Garten hinaus.

Anne seufzte; „ Es tut mir leid, Mary. In letzter Zeit kann er ziemlich dickköpfig sein. Ich glaub, dass ist eine Eigenschaft, die er leider von mir gerbt hat.“

„Mach dir keine Sorgen, Anne. Alle Kinder kommen früher oder später in eine solche Phase. Als Gilbert fünf war, wollte er unbedingt unsere alte Kuh in den Stall bringen. Ich sagte ihm er sei noch zu klein dafür. Natürlich wollte er nicht hören und hat es trotzdem heimlich versucht. Das Ergebnis war, dass die alte Bess trotzig stehen blieb und Gil an ihr zog und zerrte, bis er schließlich am Strick abrutschte und im Misthaufen landete. Er hat fürchterlich gestunken, Anne.“

Anne stellte sich gerade einen kleinen, stinkenden Gilbert vor und brach in schallendes Gelächter aus.

Mary Blythe lachte herzhaft mit. „Oh, ich musste ihn von oben bis unten abschrubben und mir dabei die Nase zu halten“.

Wieder lachte Anne laut los. In diesem Moment trat Gilbert ins Zimmer.

„Hier geht es aber lustig zu“, sagte er, während er seine Mutter und dann Anne küsste.

Anne sah ihn an und begann erneut bei der Vorstellung an das eben erzählte an zu lachen.

„Was ist bloß los?“ fragte Gilbert verwirrt.

Seine Mutter sah ihn verschmitzt an. „Ich muss dir gestehen, dass ich Anne die alte Geschichte mit dem Misthaufen erzählt habe“, erklärte sie ihm.

„Oh, Ma,“ seufzte er „ jetzt hast du mich vor meiner Frau lächerlich gemacht“.

Anne stand auf und legte den Arm um ihn „Nein, Gil. Aber es ist wirklich lustig, das musst du doch zugeben.“

„Na, ja“, gab Gilbert zu „leider muss ich euch da recht geben.“ Und jetzt lachten alle drei.
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