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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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27.08.2006 1.171
 
Kapitel 30 Walter und Bertha

Gilbert war sogleich wieder voll in seinen Arbeitsalltag eingespannt. Während ihrer Abwesenheit hatte sich der alter Mr. Morgan bei dem Versuch die Dachrinne zu reinigen, das Bein gebrochen. Somit musste Gilbert fast täglich zur alten Morgan Farm hinausfahren, um nach ihm zu sehen. Außerdem schienen beinah alle Kinder in Avonlea die Masern zu haben. Somit war es nicht verwunderlich, dass er abends oft erst spät nach Hause kam.

Als die Kinder schliefen und Susan gegangen war, setzte Anne sich eines Abends an ihren Schreibtisch. Gilbert würde bestimmt erst wieder spät nach Hause kommen. Sie holte die Schachtel mit den Briefen hervor die ihr, Miss March geschickt hatte. Bisher hatte sie noch keinen davon gelesen, sie wollte einen Moment der absoluten Ruhe dafür abwarten.

Behutsam öffnete sie die Schachtel. Sie holte das Foto ihrer Eltern heraus und lehnte es an die Schachtel. Dann nahm sie die Briefe heraus. Einen Moment lang betrachtete sie die fein säuberliche Handschrift ihres Vaters auf dem ersten Umschlag. Vorsichtig strich sie mit einem Finger über die Zeilen.

Für Anne war es, als hielte sie einen Schatz von unermesslichem Wert in ihren Händen. In diesen Briefen standen die Worte ihres Vaters, er selbst hatte sie eigenhändig geschrieben. Was würde sie alles über ihn und ihre Mutter erfahren. Sachte holte sie den ersten Brief aus dem Umschlag und begann zu lesen.

Tief in Gedanken versunken las Anne die Briefe. Es war als würde ihr Vater zu ihr sprechen. Fast glaubte sie seine Stimme hören zu können. Tief bewegt las sie weiter. Immer wieder sprach er in den Briefen von seiner Liebe zu ihrer Mutter. Wie sehr musste er sie doch geliebt haben. Wenn er von ihr sprach klang es wie die Melodie eines Liebesliedes. Er musste sie regelrecht vergöttert haben. Schließlich hielt sie seinen letzten Brief in den Händen, in dem er von Annes Geburt sprach.

Liebe Emily,

heute habe ich den schönsten Moment in meinem ganzen Leben erlebt. Eine Welle des Glücks brach über mir zusammen, als ich meine kleine Tochter das erste mal in den Armen hielt. Ja, Du hast richtig gehört, Bertha und ich haben eine kleine Tochter. Wir werden sie Anne nennen. ANNE SHIRLEY. Ist das nicht ein wunderschöner Name. Ein wunderschöner Namen für ein wunderschönes kleines Baby. Sie ist einfach perfekt. Ihr Nase, ihr Mund, ihre Hände, ihre Augen kein Baby auf der Welt könnte schöner sein, als meine kleine Anne. Mir traten die Tränen in die Augen, als ich sie in meinen Armen hielt. Sofort war mir klar, dass ich sie liebe.

Bertha geht es gut. Die Geburt war anstrengend und es war grausam sie mit Schmerzen zu sehen, aber sie lächelt stolz über unsere kleine Tochter.
Ich bin gerade vor dem Bett gestanden und habe beide beobachtet, wie sie friedlich schlafen. Meine Frau und meine Tochter!

Ich liebe die beiden so sehr, dass keine Worte es auszudrücken vermögen. Zum Dank für mein Glück sprach ich ein Gebet. Möge Gott meine kleine Anne immer beschützen. Ich wünsche mir so sehr, dass sie glücklich wird in ihrem Leben und dass sie irgendwann einen Menschen genau so sehr lieben wird, wie ich Bertha liebe.

Ich weiß du wirst Dich mit mir freuen.

In liebe Walter

Tränen rannen hemmungslos über Annes Wangen. Ihr Vater und ihre Mutter hatten sie wirklich geliebt. Er war so stolz auf sie gewesen. Anne fühlte in ihrem Herzen eine tiefe Traurigkeit und tiefe Freude zugleich. Ihre Eltern waren glücklich gewesen, aber leider nur viel zu kurz.

Sie nahm das Bild in ihre Hände und flüsterte: „Mum, Dad, ich bin glücklich, hört ihr mich? Und ich habe den Menschen gefunden, den ich von ganzem Herzen liebe“. Sie strich vorsichtig über das Foto.

Gilbert betrat leise das Zimmer. Er dachte Anne würde bereits schlafen. Doch sie saß an ihrem Schreibtisch und hielt etwas in den Händen. Gilbert ging zu ihr. Sie hatte ihn noch nicht bemerkt.

„Anne-Mädchen, du bist ja noch wach.“ Sie sah zu ihm auf und in ihren Augen schimmerten die Tränen. Erschrocken sah Gilbert sie an. „Anne, was ist denn? Warum weinst du denn?“ er kniete sich vor ihr hin und nahm ihre Hand. Anne lächelte zaghaft.

„Es ist nichts, Gil. Ich hab nur die Briefe von meinem Vater gelesen und ....Oh, Gil er schrieb, wie stolz er war, als er mich das erste mal in seinen Armen hielt und wie sehr er meine Mutter liebte...Da musste ich einfach weinen.“ Mitfühlend sah Gilbert sie an.

„Anne, ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich finde keine Worte, die dich trösten könnten.“

Anne schüttelte den Kopf. „Gil, du brauchst nichts zu sagen.“ Sanft strich er ihr über die Wange und zog sie dann in seine Arme. Anne schmiegte sich an ihn.

Am nächsten Tag brachte Gilbert ihr ein Päckchen mit.

„Was ist das?“ fragte sie ihn.

„Ein kleines Geschenk von mir.“ Antwortete er und sah zu wie sie es öffnete. Zum Vorschein kam ein Bilderrahmen. „Damit du das Foto deiner Eltern einrahmen kannst.“

Anne schloss ihn in ihre Arme und küsste ihn dankbar. „Gil, du bist wirklich ein Schatz.“

Das Foto kam in den hübschen Rahmen und Anne stellte es zu den anderen Bildern. Sie hatte auf ihrer Kommode eine ganze Reihe von Bildern stehen. Da waren Marilla und Matthew, ihr Hochzeitsfoto, ein Bild von Jem und Walter und jetzt kamen noch ihre Eltern hinzu.

„Nun, kannst du sie jeder Zeit ansehen,“ sagte Gilbert, als er die Arme um sie legte.

„Ich liebe dich ,Gil.“

Am nächsten Tag setzte Anne sich an die Schreibmaschine. Sie hatte beschlossen, die Geschichte ihrer Eltern zu Papier zu bringen. Sie wollte die Liebesgeschichte von Walter und Bertha festhalten. Eine Geschichte voller Liebe, Freude und Traurigkeit. Auch wenn ihre Eltern ihr Glück nicht lange hatten genießen können, so haben sie es doch gehabt. Ihre Liebe hatte alle Schwierigkeiten überstanden. Die Worte sprudelten nur so aus Anne heraus. Bald hatte sie die Geschichte fertig und ihr Verleger war von dem Manuskript begeistert.
Als Widmung war auf der ersten Seite des Buchs zu lesen: „ Meinem Vater und meiner Mutter zum Gedenken.“

Anne`s neues Buch war ein voller Erfolg. Alle die es gelesen hatten, liebten die Geschichte. Sogar Mrs. Lynde war zu Tränen gerührt gewesen. Anne hatte eine Ausgabe an ihren Großvater und Miss March geschickt. Einige Zeit später kam ein begeisterter Brief von Miss March zurück

Liebe Anne,

Dein Großvater und ich sind sehr stolz auf Dich. Ich habe ihm Dein Buch vorgelesen, seine Augen sind in letzter Zeit nicht mehr sehr gut, und wir haben beide mit den Tränen gekämpft. Du hast die Geschichte Deiner Eltern wirklich gut getroffen Anne. In Wirklichkeit war es aus meiner Sicht nicht viel anders. Ich hoffe Du wirst uns auch weiterhin schreiben. Bitte erzähl uns von Deiner Familie, damit wir zumindest ein bisschen an Deinem Leben teilhaben.

Deine Emily March

P.S. Grüße bitte deinen Mann, sowie Jem und Walter von mir.

Der Briefkontakt zwischen ihnen blieb bestehen. Auch schickte Anne ein Foto von Jem und Walter nachdem sie beim Fotografen gewesen waren.
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