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Anne im Traumhaus

von Steffi A
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
71
83.590
2
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Dieses Kapitel
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27.08.2006 2.230
 
Kapitel 12 Flitterwochen

Als sie im White Sands Hotel ankamen wurden sie von Mr. McKenzie begrüßt. Er war ein guter Bekannter von Miss Josephine Barry und Geschäftsleiter der White Sands Hotels.

"Ihr Gepäck wird bereits nach oben gebracht, Mr. und Mrs. Blythe", sagte er förmlich und führte sie in die Eingangshalle des Hotels.

Gilbert drückte Annes Hand stolz, als sie das erste mal mit Mrs. Blythe angesprochen wurde. Mr. McKenzie führte sie in sein Büro und ein Page brachte auf einem Tablett drei Gläser mit Champagner herein.

"Ich möchte ihnen zu ihrer Hochzeit gratulieren", sagte er und jeder von ihnen nahm ein Glas. "In diesem Moment wird ihr Zimmer vorbereitet. Lassen sie mich solange mit ihnen auf ihr Glück anstoßen."

"Vielen Dank, Mr. McKenzie", antwortete Gilbert und Anne lächelte ihn an.

Dann wurden sie von einem Pagen zu ihrem Zimmer geführt. Der Page schloss die Tür auf und reichte dann Gilbert den Schlüssel. Gilbert gab ihm noch etwas Trinkgeld und der Page ging.

Anne wollte gerade das Zimmer betreten doch Gilbert hielt sie am Arm fest. Dann nahm er sie plötzlich hoch und trug sie über die Schwelle. Anne lachte verdutzt, nachdem er die Tür mit einem Fußtritt geschlossen hatte. Gilbert machte keine Anstalten Anne wieder herunter zu lassen.

"Bin ich dir denn nicht zu schwer?" fragte sie ihn deshalb.

"Nein, und ich werde dich für den Rest meines Lebens auf Händen tragen."

Er küsste sie sanft und leidenschaftlich bevor er sie vorsichtig wieder absetzte.

„Jetzt sind wir endlich verheiratet, Anne“, sagte Gilbert und sah ihr in die Augen. „Wie fühlen sie sich Mrs. Blythe?“, mit einem Lächeln stand er vor ihr.

„Überglücklich! Anders kann ich es nicht ausdrücken.“

„Du hast heute einfach wunderschön ausgesehen. Mir stockte fast der Atem, als du am Arm meines Vaters aus dem Haus kamst.“

Anne lachte: „Als ich zum ersten mal das Brautkleid anprobiert habe sagte Diana `Damit wirst du Gilbert den Atem rauben.“

„Damit hatte sie vollkommen Recht “, Gilbert zog sie näher zu sich heran und küsste sie.

Eine Haarsträhne hatte sich von Annes Frisur gelöst und Gilbert griff danach.

„Deine Haare haben mich von Anfang an magisch angezogen.“

„Und ich habe meine Haare früher richtig gehasst, Außerdem hat mich auch noch jemand Karotte genannt.“

„Na ja, ich wollte bloß einen albernen Scherz machen.“

„Die machst du heute noch, aber dafür liebe ich dich ja.“ Sie küsste ihn nochmals und drehte sich dann um, um ihre Jacke abzulegen.

Gilbert schlich sich von hinten an sie heran, nahm die Haarsträhne hoch und rief: „He! Karotte!“

„Du alberner Kerl“, lachte Anne lief zum Bett, nahm ein Kissen und warf es nach ihm.

„Na, warte das kriegst du zurück“, rief Gilbert und wollte nach ihrem Arm greifen.

Anne stieß einen kleinen Schrei aus und lief auf die andere Seite des Betts. Gilbert war jedoch mit einem Satz bei ihr. Als Anne nach dem zweiten Kissen greifen wollte und er gleichzeitig nach ihr, verloren beide das Gleichgewicht und fielen auf das Bett.

„Jetzt hab ich dich“, sagte Gilbert und sie lagen beide lachend auf dem Bett.

Dann richtete Anne sich ein wenig auf und sah ihm in die Augen. Es war ein Blick voller Liebe.

„Ich liebe dich so sehr, Gil“ flüsterte Anne und dann küssten sie sich.

Am nächsten Morgen erwachte Anne durch einen Sonnenstrahl, der sie an der Nase kitzelte. Alles kam ihr wie ein Traum vor. Doch dann wurde ihr klar dass alles Wirklichkeit war. Sie war mit Gilbert verheiratet und er lag hier bei ihr. Mit dem Rücken lag sie an seiner Brust und er hatte einen Arm um ihre Taille gelegt. Versonnen begann sie seinen Arm zu streicheln.

„Du bist schon wach?“ fragte Gilbert auf einmal.

„Ich dachte du schläfst noch“, sagte Anne und drehte sich zu ihm um.

„Guten Morgen, Mrs. Blythe. Wie könnte ich mit der wunderschönsten Frau in meinen Armen nur lange schlafen.“

„Du bist ein alter Charmeur, Gilbert Blythe“, lachte Anne und küsste ihn, dann schmiegte sie sich eng an ihn.

Eine Weile lagen sie eng beieinander und genossen die Nähe des anderen.

„Ich möchte am liebsten die Zeit anhalten und dich nicht mehr von mir fortlassen,“ flüsterte Anne leise.

„Ja, mein Anne-Mädchen, nichts anderes scheint im Moment wichtig zu sein.“

Doch nach einer Weile knurrte Annes Magen laut und deutlich.

„Hast du Hunger?“, fragte Gilbert sie.

„Ich fürchte ja, obwohl ich wirklich nicht aufstehen will. Gestern hatte ich jedoch nicht viel Zeit an Essen zu denken, denn ich dachte dauernd nur an dich.“

Er küsste sie und sagte „na komm schon, las uns frühstücken. Du weißt doch von Liebe alleine wird man nicht satt.“

Das frisch vermählte Paar genoss seine Flitterwochen ausgiebig. Sie machten lange Spaziergänge, fuhren Boot, saßen zusammen auf einer Bank und beobachteten den Sonnenuntergang über dem Meer. Das Abendessen nahmen sie dreimal mit Mr. McKenzie ein, der sie dazu eingeladen hatte. Er war ein sehr netter Mann und eine Unterhaltung mit ihm machte ihnen Spaß.

Auch Mr. McKenzie fand gefallen an dem jungen Doktor und seiner hübschen Frau. Sie brachten ihn zum Lachen und mit Wehmut dachte er manchmal an seine Jugend, als seine Frau noch lebte. Anne und Gilbert mochten Mr. McKenzie sehr, er erzählte ihnen Geschichten von den Leuten, die schon im White Sands Hotel gewesen waren. Auch der Premierminister war einmal da gewesen und so manch berühmter Schauspieler oder Opernsänger. Es waren lustige und aufregende Geschichten. Anne konnte sich gut vorstellen, die eine oder andere Geschichte in ihrem nächsten Buch unterzubringen.

Auch die anderen Gäste im White Sands Hotel waren sehr nett und sie lernten ein junges Paar kennen, das auch erst vor zwei Wochen geheiratet hatte. Peter und Sarah Weasly kamen aus Nova Scotia und verbrachten auf Prince Edward Island ihre Flitterwochen. Peter war Journalist bei einer großen kanadischen Zeitung und Sarah stammte aus einer alt eingesessenen Familie in Nova Scotia. Sarah hatte noch nie irgendetwas gearbeitet und sie bewunderte Anne dafür, dass sie ihr eigenes Geld verdient hatte.

„Oh, Anne“, sagte sie einmal „wie selbstständig du doch bist. Als Lehrerin hast du für dich sorgen können und mit deinen Büchern, wirst du auch weiterhin über eigenes Geld verfügen. Ich beneide dich.“

„Was gibt es daran zu beneiden, Sarah. Irgendwie musste ich ja Geld verdienen. Und meine Schreiberei mache ich, weil es mir Spaß macht. Ich liebe Geschichten und ich mag es, wenn meine Geschichten anderen gefallen.“

„Ich war nie so selbstständig wie du, Anne. Ich bin in einer gut begüterten Familie aufgewachsen. Da wird man als Mädchen nur so erzogen, dass man sich zu benehmen weiß und irgendwann einen Haushalt führen kann. Jetzt habe ich Peter, der für mich sorgen wird. Ich liebe Peter wirklich, aber wie wird mein Leben weitergehen? Werde ich nie etwas Wichtiges zustande bringen? In der Schule war ich auch nie besonders gut, ich hab mich einfach nicht für die Lernerei interessiert. Vielleicht war das ein Fehler.“

„Sarah“, lachte Anne und legte den Arm um sie „ wenn du euren Haushalt führst und später eure Kinder bekommst ist das nicht ein wichtiges Werk?“

„Du willst mich damit nur beschwichtigen, aber es ist auch egal. Grübeln wir nicht über mein verkorkstes Leben nach.“

So sehr Anne und Gilbert sich mit den Weaslys und Mr. McKenzie verstand, am glücklichsten waren sie, wenn sie alleine waren. Sie Zeit füreinander hatten und sich küssen und umarmen konnten so oft sie wollten.

In der zweiten Woche ihrer Flitterwochen, beschlossen sie Miss Josephine Barry wie versprochen zu besuchen. Eine der Hausangestellten führte sie in den Salon.

„Mr. und Mrs. Blythe”, meldete sie das Paar an.

Miss Barry saß in ihrem Rollstuhl am Fenster.

„Wie schön euch zu sehen“, rief sie dem jungen Paar entgegen.

Anne lief zu ihr und umarmte sie. „Wir haben doch versprochen, dass wir sie besuchen kommen.“

Sie gab der alten Dame einen Kuss auf die Wange. Gilbert reichte Miss Barry zur Begrüßung die Hand.

„Lasst uns zusammen einen Tee trinken. Mary“, rief sie dem Mädchen zu „lass den Tee im Wintergarten servieren.“

Der Butler von Miss Barry kam ins Zimmer und wollte sie in den Wintergarten schieben, doch Anne kam ihm zuvor.

„Ich mach das schon“, sagte sie und Griff nach dem Rollstuhl.

Miss Barrys Wintergarten war immer noch so schön, wie damals als Anne auf dem Queens war.

„Hier hat sich überhaupt nichts verändert“, seufzte Anne, als sie sich umsah.

„Oh, hier hat sich einiges geändert, Anne. Ich bin alt geworden. Zugegeben ich war auch schon alt, als du hier bei mir warst. Aber jetzt bin ich wirklich alt geworden. Es wird bald Zeit für mich alten Drachen abzutreten.“

Anne sah sie schockiert an „Miss Barry so etwas dürfen sie nicht sagen. So alt sind sie doch noch gar nicht.“

Miss Barry lachte „Wenn du wüsstest wie alt ich bin. Aber eine Dame verrät ihr Alter nicht und schon gar nicht eine alte Jungfer wie ich es bin. Man muss den Tatsachen ins Auge sehen, meine Zeit hier auf Erden ist abgelaufen. Aber nun vergessen wir mal das ganze. Erzählt mir viel lieber wie es euch geht. Gefällt es euch im White Sands? Ich hoffe doch, dass Mr. McKenzie sich gut um euch kümmert.“

„Mr. McKenzie ist sehr zu vorkommend“, ergriff Gilbert das Wort, als er merkte, dass Anne immer noch über die Worte von Miss Barry nachdachte. „ Wir haben die ganze Gegend um Charlottetown erkundet. Es ist wirklich eine sehr schöne Stadt. Ich war ja schon öfters hier, aber nie hatte ich Zeit soviel von der Stadt zu sehen. Wir sind ihnen wirklich sehr dankbar, dass sie uns ein so schönes Geschenk gemacht haben.“

„Ach, das ist doch nicht der Rede wert. Ich wollte euch einfach etwas besonders schenken. Nicht wie alle anderen, die nur Sachen für den Haushalt schenken“, antwortete Miss Barry.

„Wir haben ein nettes Paar aus Nova Scotia kennen gelernt“, erzählte Anne jetzt weiter „Sie verbringen auch ihre Flitterwochen im White Sands Hotel“.

Angeregt plauderten sie weiter und tranken ihren Tee, dazu gab es himmlische Kekse.

Als sie sich später verabschiedeten sagte Miss Barry: „Ich habe mich sehr gefreut, dass ihr mich besucht habt. Manchmal kann man in diesem großen Haus sehr einsam sein.“, an Anne gewand sagte sie „bleib so wie du bist Anne. Manchmal scheinst du immer noch das kleine Mädchen zu sein, das zusammen mit Diana über mich hergefallen ist. Ich hoffe du änderst dich nicht. Du hast mir gezeigt, dass man Spaß am Leben haben muss. Lebt wohl ihr beiden, ich wünsche euch alles Glück auf der Welt. Denkt immer daran, dass wichtigste ist, das ihr beide euch habt, nicht alles Geld der Welt kann diesen Schatz aufwiegen.“

„Sie sind eine verwandte Seele, Miss Barry“, sagte Anne und gab ihr einen Kuss auf die Wange „ich werde sie bald mal wieder besuchen.“

Miss Barry nickte stumm und winkte ihnen aus dem Fenster nach, als die Kutsche abfuhr.

Auf der Rückfahrt, lehnte Anne sich an Gilbert.

„Miss Barry muss manchmal wirklich sehr einsam sein. Wenn ich daran denke, dass ich beinah auch eine alte Jungfer geworden wäre, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Was, wenn ich meinen Fehler nicht wieder hätte gut machen können? Oder wenn du nach alldem doch Christine Stuart geheiratet hättest?“ Anne schüttelte den Kopf „Nachdem mir endlich klar war, dass ich dich liebe und die ganze Zeit geliebt habe, hätte ich niemals jemand anderen heiraten können. Dann wäre ich auch so eine alte Jungfer, wie Miss Barry geworden.“

Gilbert sah sie an und strich ihr über die Wange. „Es ist doch alles gut geworden, Anne. Wir sollten nicht darüber nachdenken, was gewesen wäre, wenn es nicht so gekommen wäre.“

„Du hast Recht, Gil. Wir alle machen Fehler, obwohl ich manchmal schon das Gefühl hatte, dass ich mehr Fehler mache als alle anderen. Aber eigentlich mache ich nur jeden Fehler einmal. Und da ich jetzt weiß, wie sehr ich dich liebe, werde ich nie etwas anderes denken“, sie lächelte ihn an und er küsste sie.

Bald waren ihre Flitterwochen zu Ende und Anne und Gilbert machten sich auf die Heimreise. Die Weaslys waren einen Tag vorher abgereist und man hatte noch Adressen ausgetauscht, damit man sich nicht aus den Augen verlor. Mr. McKenzie hatte am letzten Abend noch ein wunderbares Abendessen für sie vorbereiten lassen. Im Kerzenschein, waren sie alleine im Speisesaal gesessen und lauschten den Wellen des Meeres.

Als sie nun am Bahnhof von Bright River eintrafen, wurden sie von Diana und Fred Wright erwartet. Anne umarmte ihre Freundin, als hätten sie sich Ewigkeiten nicht gesehen.

„Jemand musste euch doch vom Bahnhof abholen“, erklärte Diana.

Gilbert und Fred verstauten derweil das Gepäck auf dem Wagen.

„Wie geht es dir, Anne. Du strahlst ja wie ein Honigkuchenpferd“, lachte sie und sah Anne an.

„Ich bin einfach glücklich Diana. Es war wunderschön in Charlettown, es ist wunderschön wieder daheim zu sein. Aber vor allen Dingen ist es wunderschön mit Gilbert zusammen zu sein.“, sie sah hinüber zu ihm und lächelte ihm zu, als er herüberblickte.

„Das frisch verheiratet Paar sieht immer alles durch eine rosarote Brille“, sagte Diana belehrend.

Doch Anne lachte nur und legte den Arm um die Freundin. „Aber jetzt sag mal, wie geht es dir denn?“ fragte Anne und deutete auf Dianas rundlichen Bauch.

„Ganz gut, obwohl ich mir irgendwie wie ein laufendes Fass vorkomme.“ Sie lachten herzlich und stiegen in den Wagen, wobei dies etwas mühsam für Diana war.
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