Anne im Traumhaus

von Steffi A
GeschichteAllgemein / P12
Anne Shirley/Blythe Gilbert Blythe Marilla Cuthbert Rachel Lynde
27.08.2006
13.09.2008
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Kapitel 1 Die Verlobung


Als Anne am nächsten Morgen erwachte hatte sie zunächst das Gefühl alles wäre nur ein Traum gewesen. Aber dann wurde ihr klar, dass alles Wirklichkeit war. Voller Freude sprang sie aus dem Bett. Eine neue Zukunft lag jetzt vor ihr, eine Biegung in der Straße und sie führte zu einem wundervollen Leben mit Gilbert.

Anne konnte selbst nicht verstehen, wie sie je hatte daran zweifeln können, dass sie Gilbert liebte. Jetzt war ihr klar, dass sie ihn schon immer geliebt hatte und ein Leben ohne ihn konnte sie sich nicht mehr vorstellen.

Gilbert hatte versprochen an diesem Nachmittag vorbeizukommen und Anne konnte es kaum erwarten. Seufzend zog sie sich an und ging beschwingt die Treppe hinunter, in die gemütliche Küche von Green Gables, wo Marilla bereits das Frühstück zubereitete.

"Guten Morgen, Marilla", rief sie überschwänglich.

„Ah, guten Morgen, Anne. Warum bist du denn schon auf?"

"Oh, Marilla, sieh Dir doch diesen wundervollen Sonnenschein an und wie die Vögel fröhlich zwitschern. Es riecht nach Äpfeln und Pfefferminze...," Anne schloss träumerisch die Augen.

"Ich hätte wissen sollen, dass ich dich so etwas nicht fragen darf, Anne Shirley. Du wirst immer so ausschweifend, wenn du guter Laune bist", sagte Marilla nüchtern, aber mit einem Lächeln um die Augen.

"Wie könnte ich also lange schlafen und diesen traumhaften Morgen verpassen?" seufzte Anne und gab Marilla einen Kuss auf die Wange.

"Na, du bist gestern spät nach Hause gekommen und dann könnte man ruhig etwas länger schlafen. Hattet ihr denn einen schönen Abend?"

"Ja, einen wunderschönen Abend", sagte Anne und küsste Marilla nochmals auf die andere Wange, bevor sie hinausging um Eier zu holen.

Marilla schüttelte lachend den Kopf, als sie Anne nachsah. " Es muss wirklich ein schöner Abend gewesen sein...“ murmelte sie vor sich hin und machte sich dann wieder an ihre Arbeit.

Nachmittags ging Marilla zu einem Treffen des Nähkreischens, der heute bei Rachel Lynde stattfand. Anne hatte sich auf die Treppenstufen der Veranda gesetzt, um ein Kleid auszubessern, aber es lag unberührt auf ihrem Schoß während sie vor sich hin träumte. Plötzlich stand Gilbert vor ihr. Erfreut sprang sie auf.

"Gil, du bist ja schon da, ich habe total die Zeit vergessen."

"Ehrlich gesagt bin ich etwas zu früh da, aber ich hatte so eine Sehnsucht nach Dir. Hast Du Zeit für einen Spaziergang? Das Wetter lädt heute richtig dazu ein."

"Ja, sehr gerne. Marilla kommt frühestens in einer Stunde wieder". Sie legte ihre Arbeit beiseite und beide schlenderten den Weg entlang. Gilbert nahm Annes Hand und verträumt liefen sie über die schönsten Wege.

Auf einem Baumstumpf am Waldrand machten sie es sich bequem. Plötzlich nahm Gilbert Annes Hand und kniete sich vor ihr nieder.

"Ich glaube ich sollte dich ganz offiziell fragen. Anne, willst du meine Frau werden?"

Anne stockte der Atem, genauso hatten Diana und sie sich immer einen romantischen Heiratsantrag ausgemalt, ihr Herz pochte wie wild.

"Ja, natürlich will ich das. Von ganzem Herzen, Gil." Sie küssten sich und einen Moment lang schien für beide die Welt still zu stehen.

Eine Weile saßen sie noch so zusammen und träumten von der Zukunft. Dann schlenderten sie wieder langsam zurück.

Als sie auf Green Gables eintrafen, war Marilla bereits zurück.

"Wie war es bei Rachel?", fragte Anne sie.

"Ach wisst ihr, es ist immer der gleiche Klatsch. Alle reden über Heiraten, Sterbefälle, Geburten und angebliche Liebschaften. Das meiste davon ist sowieso nur Gerede. Die Hälfte davon ist nicht wahr. Mrs. Sloan hat eine halbe Stunde ohne Unterbrechung geredet. Mich wundert, dass sich noch Zeit zum Luft holen hatte." Marilla schüttelte ungläubig den Kopf, bei dem Gedanken dabei. "Ihr beide wart übrigens auch ein Gesprächsthema von Mrs. Sloan. Sie sagte, sie hätte euch so einträchtig spazieren gehen sehn und fragte mich: `Was macht Deine Anne jetzt Marilla? Wird sie irgendwann noch heiraten oder wird sie eine richtige Cuthbert?`"

"Mrs. Sloan ist eine fürchterliche alte Klatschbase“, erwiderte Anne.

"Was soll’s!", antwortete Gilbert, "wir werden Ihnen sowieso noch Gesprächsstoff liefern". Anne lächelte und Marilla sah die beiden fragend an.

"Marilla“, sagte Anne "Gilbert und ich wollen heiraten".

"Na, das freut mich aber wirklich", antwortete Marilla. "Rachel Lynde hatte vor einiger Zeit bereits einmal gesagt, dass ihr füreinander bestimmt seid. Ich muss zugeben sie hat recht damit. Ich habe gehofft, dass Anne es auch noch bemerkt."

"Marilla, ich danke dir", mit diesen Worten schlang Anne ihre Arme um Marilla.

"Ich möchte nur das du glücklich wirst mein Mädchen. Alles Glück der Welt wünsche ich Euch beiden", sie drückte Anne an sich und zeigte damit, für Marillas Verhältnisse, extrem viel Gefühl.

Als Gilbert einige Zeit später nach Hause ging, begleitete Anne ihn noch ein Stück des Weges.

"Ich werde auch meinen Eltern von unseren Plänen erzählen“, sagte Gilbert. "Leider muss ich morgen meinem Vater helfen. Ich kann also nicht vorbeikommen."

"Ich habe jetzt schon Sehnsucht nach Dir", antwortete Anne.

Gilbert legte seine Arme um ihre Tallie und zog sie zu sich heran. Sie sahen sich einen Moment in die Augen und küssten sich. Anne merkte, wie ihr die Knie weich wurden, sie hatte das Gefühl die Erde würde sich drehen und sie wünschte dieser Moment würde ewig andauern. Glücklich gingen die beiden dann auseinander.

Zwei Tage später war Anne bei der Familie Blythe zu Gast. Gilbert hatte seinen Eltern von ihren Heiratsplänen erzählt und daraufhin war Anne zum Abendessen eingeladen worden. Besonders Mr. Blythe war von der Wahl seines Sohnes angetan.

"Es freut mich wirklich eine so hübsche und temperamentvolle Schwiegertochter zu bekommen", sagte er geradewegs heraus.
Anne machte dieses Kompliment etwas verlegen und Gilbert grinste nur vor sich hin. Mrs. Blythe kam Anne zu Hilfe.

"John, du machst das Mädchen ja ganz verlegen", tadelte sie ihren Mann.

Dankbar lächelte Anne sie an. "Übrigens findet nächste Woche bei den Barrys doch ihr jährliches Picknick statt. Oder nicht?" fragte sie.

"Ja“, antwortete Anne "Diana hat mir bereits davon erzählt. Sie planen dieses Jahr sogar Musik und Tanz am Abend in der Scheune."

"Es wäre doch eine gute Gelegenheit unsere Verlobung bekannt zu geben, findest du nicht Anne?" sagte Gilbert mit einem Lächeln in den Augen.

Das Picknick fand eine Woche später an einem wunderschönen Samstag statt. Die Sonne lachte vom Himmel und meinte es gut mit den Leuten von Avonlea. Ein besseres Wetter hätten sie sich nicht wünschen können. Anne hatte ihr grünes Kleid an, dass Gilbert so gut gefiel. Es betonte gut ihr Haar und ihre grau-grünen Augen. Gilbert musste sich regelrecht dazu zwingen, sie nicht die ganze Zeit anzustarren. Das Fest war ein voller Erfolg. Die Barrys hatten im Garten Stühle und Bänke aufgestellt. Zwischen den Bäumen hingen Lampions, für den späteren Abend. In der Scheune hatte man Platz zum Tanzen geschafft und eine kleine Band würde für Musik sorgen. Mit Kaffee und Kuchen am Nachmittag hatte das Fest begonnen. Die Leute hatten sich in Grüppchen verteilt und plauschten miteinander, während sie ihren Kuchen aßen.

Anne, Gilbert, Diana und Fred saßen unter einem Apfelbaum auf einer Decke und aßen Mrs. Lyndes berühmten Nusskuchen. Anne hatte den kleinen Fred auf ihrem Schoß sitzen. Er war jetzt bereits 6 Monate alt und brabbelte fröhlich vor sich hin. Er hob den Kopf und sah Anne mit seinem strahlendsten Lächeln an.

" Du bist einfach ein drolliges Kerlchen", sagte Anne und stupste mit ihrem Finger seine Nase an, wobei dieser glucksend lachte.

Diana schüttelte lachend den Kopf. " Ich versteh das nicht. Bei allen anderen Leuten heult er zurzeit nur. Selbst meine Mutter darf ihn nicht auf den Arm nehmen", meinte Diana. "Aber bei dir Anne lacht er immer."

Sie saßen lustig beisammen und genossen den Tag. Gegen Abend versammelten sich alle in der Scheune, denn nun sollte der Tanzabend beginnen. Mr. Barry stand auf dem Podium und begann mit einer kleinen Ansprache.

" Liebe Freunde und Nachbarn! Ich freue mich, dass heute alle so zahlreich erschienen sind, um mit uns zu feiern. Unser Picknick ist schon eine richtige Tradition geworden. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mitgeholfen haben, damit dieses Fest gelingt. Doch bevor wir jetzt mit dem tanzen beginnen, habe ich noch die Ehre und die Freude eine Verlobung bekannt zu geben." Mr. Barry blickte in die Runde und alle sahen ihn gespannt an. Einige wissend, andere neugierig. " Und zwar", fuhr er fort "zwischen Anne Shirley, von Green Gables und Gilbert Blythe. Lassen sie uns gemeinsam dem jungen Paar gratulieren." Alle Augen richteten sich auf Anne und Gilbert. Dann begannen sie zu klatschen.

Den ersten Tanz durften Anne und Gilbert eröffnen. Es war ein wundervoller Abend. Später verließen die älteren Leute das Fest und überließen dem jungen Volk von Avonlea den Rest des Abends. Auch Marilla war von Mr. Barry nachhause gefahren worden.

Anne war vom vielen tanzen erhitzt und hatte bereits ganz rote Backen.

"Sollen wir vielleicht ein bisschen an die frische Luft gehen?" fragte Gilbert sie.

"Das ist eine gute Idee, ich glaube ich könnte wirklich eine Abkühlung gebrauchen“, antwortete Anne und hackte sich lächelnd bei Gilbert ein.

Die Nachtluft war angenehm kühl und die Sterne leuchteten an dem klaren Nachthimmel. Anne und Gilbert warten ein gutes Stück zum See hinuntergelaufen. In der Ferne hörte man noch leise die Musik und die Stimmen der Gäste. Man sah den leichten Lichtschein der Lampions zwischen den Bäumen. In der Nähe zirpten die Grillen und ein paar Frösche quakten.

"Ach, Gil, es ist ein so wundervoller Abend“, seufzte Anne. Sie waren stehen geblieben und sahen sich an.

"Ja“, flüsterte Gilbert "was will man mehr? Die Sterne, die Nachtluft, das Quaken der Frösche und Du. Ich sehe dich an meine Anne-Mädchen und ich vergesse den Rest der Welt." Er legte seine Arme dabei um ihre Tallie. Anne sah in Gilberts haselnussbraune Augen und vergaß ebenfalls den Rest der Welt.

"Ich liebe dich, Gil".

Leicht berührten sich ihre Lippen, dann zog Gilbert sie näher zu sich heran und sie küssten sich leidenschaftlich. Sie setzten sich noch eine Weile unter einen Apfelbaum, wobei Anne sich an Gilbert anlehnte und er den Arm um sie legte.

"Na, von Abkühlung kann man eigentlich nicht sprechen“, lachte Anne.

"Wie?", fragte Gilbert. "Ich meine wenn wir so beieinander sitzen, wird einem ja viel wärmer, anstatt kühler."

"Da ist etwas Wahres dran“, erwiderte Gilbert und beide fingen an zu lachen.
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