Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Code Of Honour: GOING UNDER (#1)

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Het
Captain Jack Sparrow Elizabeth Swann Gibbs Pintel Ragetti Will Turner
13.08.2006
13.08.2006
9
59.747
1
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
13.08.2006 3.438
 
Vorwort:
a) ‚Code Of Honour’ ist eine Serie von POTC-Fanfics, welche die Fortsetzung von POTC 1 & 2 darstellen. Teil 3 wird nicht berücksichtigt. Die Endszene von POTC 2 wird leicht abgeändert, da mir nicht gefiel, dass Barbossa plötzlich wieder da war.

b) Nachfolgeteile dieser Serie:
- Teil 2
- Teil 3
- Teil 4




######################################


Serie: Pirates Of The Caribbean: Code Of Honour
Titel: GOING UNDER (#1)
Titelbild
Autor: Storm{X}Padmé
Disclaimer: Alle originalen Charaktere und Elemente gehören Disney, den Rechteinhabern und allen, die dafür bezahlen. Ich geb sie ja wieder zurück, ich leih sie mir doch nur... Ich tu ihnen auch nicht weh… Jedenfalls nicht sehr *G*.
Universum: AU ab dem Ende von POTC 2
Zeitlinie: am Ende von POTC 2
Paarung: Will/Elizabeth, Jack/Elizabeth, Will/OC
Zensur: R (Gewalt/Splatter)
Zusammenfassung: Was wäre die See ohne Jack Sparrow? Ist er wirklich tot? Die Crew erweist ihrem Captain die letzte Ehre und macht sich auf den Weg, seine Überreste zu finden, während Will und Elizabeth entscheiden müssen, ob ihre Beziehung noch einen Sinn hat...
formale Bemerkungen:
- kursive Sätze = Erinnerungen oder zur Betonung
- Sätze in ‚ ‚-Zeichen = eigene Gedanken oder indirekte Rede
Feedback: Ist nicht nur erwünscht sondern wird auch geknuddelt, abgeschmust, gestreichelt und George genannt :D







Pirates Of The Caribbean: Code Of Honour
GOING UNDER
(#1)



Now I will tell you what I’ve done for you:
50 thousand tears I’ve cried!
Screaming, deceiving and bleeding for you,
and you still won’t hear me!

Don’t want your hand this time, I’ll save myself!
Maybe I’ll wake up for once!
Not tormented daily, defeated by you.
Just when I thought I’d reached the bottom,
I’m dying again…

Blurring and stirring the truth and the lies,
so I don’t know what’s real and what’s not.
Always confusing the thoughts in my head,
so I can’t trust myself anymore.
I’m dying again…

I’m going under, drowning in you…
I’m falling forever, I’ve got to break through…

So go on and scream, scream at me! I’m so far away…
I won’t be broken again…
I’ve got to breathe, I can’t keep going under!

I’m going under, drowning in you…
I’m falling forever, I’ve got to break through…


Evanescence - Going under







1



’Also, sagt mir… Was ist aus meinem Schiff geworden?’

Schreiend schreckte Elizabeth aus dem Schlaf auf, so panisch um sich schlagend, dass sie dabei von ihrem Hocker fiel. „BarbossaWas?“ Das Zeug, das ihr Tia zu Trinken gegeben hatte, war ihr offensichtlich nicht bekommen. Nachdem sie alle auf Jack angestoßen hatten, war sie eingeschlafen… Und der Traum war so real gewesen… Sie hatten darin darüber gesprochen, Jack zurückzuholen, und plötzlich war Barbossa da gewesen…
Elizabeth wartete vergeblich darauf, dass Will sich rühren würde, um ihr aufzuhelfen. Mit einem wütenden Blick in seine Richtung kämpfte sie sich auf die Beine und ignorierte mühsam die irritierten Blicke der Piraten.

„Wie ich also bereits sagte…“ Tia musterte Elizabeth mit einer Mischung aus Abscheu und Amüsement, bevor sie sich wieder an die Piraten wandte. „Vielleicht solltet ihr nicht zu schnell auf Jacks Tod anstoßen.“

„Du wirst es akzeptieren müssen.“ Gibbs, der keinen Sinn in dem Gespräch sah, klang ungewöhnlich schroff. „Wir alle waren dabei.“

„Woher wisst ihr, dass er tot ist?“ Tia schien immer noch nicht zufrieden.

„Diesen hier.“ Ragetti zeigte mit Zeige- und Mittelfinger auf seine Augen, was angesichts seiner einseitigen Blindheit eine gewisse Komik in sich barg, die in dieser Nacht aber niemanden mehr zum Lachen brachte.

„Ihr habt also gesehen, wie der Kraken Jack mit seinen Zähnen zerfleischt hat? Ihr müsst ja wirklich sehr nahe dran gewesen sein!“, rief Tia übertrieben schockiert.

So nah nun auch wieder nicht“, gab Pintel zu. „Trotzdem…“

„Jack ist schon aus schlimmeren Situationen entkommen“, beharrte die Zauberin. „Damals, als Barbossa ihn auf einer einsamen Insel ausgesetzt hat…“

„Können wir uns das Seemannsgarn sparen?“ Gibbs winkte müde ab.
„Ich schlafe jetzt jedenfalls ein paar Stunden, bevor ich mich nach Tortuga verziehe und den Rest meines Lebens versaufe, also gute Nacht.“

„Gute Idee.“

Marty, Ragetti, Pintel und Cotton standen ebenfalls auf, während Will wie schon die ganze Zeit dumpf auf den Tisch vor sich starrte und von Zeit zu Zeit sein neues Messer auf die Tischplatte schnellen ließ, als wollte er das morsche Holz für irgendetwas bestrafen. Mit der Zeit fiel einem das Geräusch auf die Nerven.

„Okay, das mit der Insel war vielleicht ein wenig geschummelt. Aber er ist immer irgendwie wieder aufgetaucht!“

„Diesmal nicht, so sehr wir uns das alle anders wünschen würden.“ Gibbs stand bereits in der Tür, warf einen letzten ungeduldigen Blick zurück.

„Wollt ihr es darauf ankommen lassen? Könnt ihr damit leben, dass ihr nicht nachgesehen habt?“

„Nachsehen“, krähte der Papagei auf Cottons Schulter plötzlich. „Jack!“

„Ist nicht so, als ob wir was Besseres zu tun hätten“, ließ sich Pintel überraschend vernehmen. „Schaden kann es doch nicht…
Oder?“, fragte er bei Gibbs entgeistertem Blick unsicher.

„Wir haben kein Schiff, keine Crew, kein genaues Ziel, kein Geld, keine Verpflegung, gar nichts. Und das Schönste, wir haben nicht mal ein Motiv…
Will, sag doch auch mal was.“ Es war ja nicht so, als ob sich ein gestandener Pirat zu irgendetwas zwingen ließ, aber Gibbs hatte wohl Angst, dass er mitziehen musste, wenn die Gruppe entschied, dieses Wahnsinnsvorhaben durchzuziehen. Schon, um nicht als Feigling dazustehen.

„Warum nicht?“ Will klang nicht so, als ob er überhaupt wüsste, warum es ging, welcher Sache er da zustimmte.

„Siehst du, ‚warum nicht’ hat er gesagt!“ Triumphierend sah Ragetti zurück zu Gibbs.

„Schön, wenn er das sagt. Das gibt uns immer noch kein Schiff.“

„Wir werden auch keins bekommen, da die Marine jeden Flecken Wasser im näheren Umkreis überwachen wird. Auf Will und mich ist immer noch die Todesstrafe ausgesetzt. Der Galgen wird nicht lange auf sich warten lassen, wenn man uns entdeckt.“ Elizabeth fragte sich, wie sie in das alles hineingeraten war, sie, die Tochter eines Gouverneurs, hoch angesehen und mit allem versorgt, was sich eine Frau im Leben wünschen konnte. Eine Ewigkeit schien vergangen zu sein, seitdem Will sie vor Barbossas Crew gerettet hatte und sie Jack Sparrow kennen gelernt hatten. Jack
„Mein Vater kann uns auch kein Geld überlassen. Da er mich aus dem Gefängnis befreit hat, wird man ihn unter Beobachtung gestellt haben. Der einzige Hafen, den wir, wenn überhaupt, anlaufen können, ist Tortuga.“

„Nach Tortuga könnt ihr mit einer Fähre fahren, die morgen ablegt“, schaltete sich Tia ein. „Ein wenig Geld habe ich auch noch hier. Wenn ihr herausfindet, ob Jack wirklich tot ist, gebe ich es euch gern.“

„Selbst wenn wir ein Schiff finden…“ Gibbs schien noch nicht gewillt aufzugeben. „Wenn wir da raus fahren, wartet der Kraken wieder auf uns. Und wir wissen immer noch nicht, wo wir hin müssen. Wie sollen wir überhaupt herausfinden, ob Jack da irgendwo am Grund des Meeres liegt? Sollen wir vielleicht runter schwimmen?“

„Überlasst das mir“, winkte Tia ab.

„Schön, überlassen wir es ihr“, äffte Gibbs sie nach. „Ihr seid doch alle…“ Mit einigen undeutlichen Flüchen und einem beleidigtem Grunzen verließ er den Raum.

„Am besten legt ihr euch hin“, wandte sich Tia an die anderen. „Für die Dame habe ich mein Gästezimmer fertig gemacht. Die Herren teilen sich das Wohnzimmer. Bis morgen.“
Damit verschwand sie, mitten in die Nacht hinaus. Die Hufschläge irgendeines Tiers verrieten, dass sie ihr kleines Häuschen verließ. Vielleicht suchte sie das Dorf auf, das es hier irgendwo geben musste, den vielen Leuten nach, die die anderen vorhin auf dem Fluss gesehen hatten.

Elizabeth zog sich dankbar in den ihr zugewiesenen Raum zurück. Sie versuchte, all die merkwürdigen, teils abstoßenden Dinge dort nicht zu beachten. Draußen hatten die eingelegten Daumen und Augen schon für leichte Übelkeit bei ihr gesorgt, was in manchen der Gläser hier schwamm, wollte sie nicht einmal wissen.
Sie ließ sich auf dem Lager aus unzähligen alten Decken nieder, welches als Bett diente und nahm unschlüssig Jacks Kompass zur Hand, seufzte, als sie das Resultat sah. Die Nadel drehte sich pausenlos, ohne eine Richtung zu zeigen. „Wieso zeigst du Mistding bloß nicht auf den Raum da vor mir?“ Er musste kaputt sein. Das war er schon auf der Insel gewesen, als sie Jones’ Kiste gefunden hatten und die Nadel auf Jack gedeutet hatte…

„Vielleicht, weil er sich fragt, wie es einem gemeinsamen Freund geht?“

Will!“ Erschrocken ließ Elizabeth den Kompass sinken.

In Wills Blick lag immer noch diese unbändige Wut, und vor allem Enttäuschung. Er hatte wohl beim Vorbeigehen durch die offene Tür gesehen, um zu wissen, was Elizabeth anstellte und schien regelrecht auf das Ergebnis ihres Versuchs gewartet zu haben.

Zu den Schuldgefühlen wegen Jack, dem Hass auf sich selbst, dass sie zu so einem grausamen Verbrechen fähig gewesen war und ihren aufgewühlten Gefühlen wegen Will und Jack kam Angst. Elizabeth kannte diese Kälte in Wills Augen nicht. Sie kannten sich seit sie Kinder waren, und nie hatte er sie so angesehen. Erst seit sie die Pearl verlassen hatten, war er so. Will musste Jack und sie gesehen haben, als…
„Das ist doch nur natürlich. Das, was ich jetzt am meisten will, ist Jack zu finden, wie wir alle, und da er von dem Kraken verschlungen worden ist, kann der Kompass ihn nicht finden.“ Es war komisch, aber ihre Stimme klang trotzig. Sie hatte nichts Falsches getan. Sie hatte Jack, der sie alle geopfert hätte, nur um sein eigenes Leben zu retten, angekettet, um Will und sich zu retten. Sie hatte ihn dafür eben täuschen müssen.

Leider schien nicht nur sie zu merken, dass alles nicht so einfach war... „Wer weiß, wo Jack gerade wirklich ist. Du weißt ja, wie er an seinem Leben hängt. Es wundert mich, dass er plötzlich einfach auf der Pearl geblieben ist. Hat er dir erklärt, was seine Meinung so schnell geändert hat?“ Will lehnte sich gegen die Wand und verschränkte die Arme. „Wenn ich mir so überlege, dass er einen Freund einem Leben in Qualen überlassen hätte, um seine eigene räudige Haut zu retten, ist sein Entschluss ein wenig überraschend.“

„Er hat nichts gesagt, außer dem, was ich euch im Beiboot gesagt habe.“ Elizabeth steckte den Kompass rasch weg. Will wusste es… „Wieso ist das so wichtig? Es ist von größerer Bedeutung, ihn zu finden.“

Wozu?“ Jetzt klang Will nicht mehr nur wütend sondern außer sich. „Damit ihr beide da weiter machen könnt, wo ihr auf der Pearl aufgehört habt? Wie dumm von mir zu fragen! Er hing viel zu sehr an deinen Lippen, als dass er etwas hätte sagen können!“

William Turner! Wage es nie wieder, mich anzubrüllen!“ Elizabeth stemmte die Hände in die Hüfte und funkelte ihn wütend an. Sie konnte ihm nicht sagen, dass Jacks Tod ihre Schuld war. Er würde es nicht verstehen und sie dann nicht mehr ertragen. „Einen Streit kann man anders lösen! Man…“

Ihre Taktik bewirkte das genaue Gegenteil, er wurde noch wütender. „Es ist mir egal, wie man dir beigebracht hat, so was zu klären. Mir hat mein ungehobelter Ziehvater von einem Schmied beigebracht, was Anstand und Treue heißt!“

„Du übertreibst maßlos, Will. Es war Jacks… letzter Wunsch, mehr nicht. Es war ein harmloser Kuss.“ Sie klang schon fast hysterisch, wie sie sich versuchte zu rechtfertigen. Elizabeth versuchte, sich zu beruhigen und tief durchzuatmen. Sie hatte schon eindeutig zuviel Zeit mit Jack und seiner Crew verbracht…

Ich übertreibe?“ Will verschluckte sich beinahe an seinen Worten. „Öffne den Kompass.“

Sie ignorierte die Anweisung, tat so, als wäre das Gespräch für sie bereits beendet.

Nur mit Mühe beherrschte sich Will, ihr die kleine Schatulle nicht wegzureißen. „Öffne diesen verdammten Kompass, Elizabeth!“

Sein Tonfall wirkte. Sie holte langsam, zitternd den Kompass hervor und klappte ihn auf ohne hinzusehen.

Will starrte wie versteinert auf die sich drehende Nadel, nahm Elizabeth den Kompass ruckartig ab. „Ich übertreibe? Ich habe für dich mein Leben riskiert! Ich zähle lieber nicht auf wie viele Male ich geschlagen wurde, dass ich beinahe zu einem Leben auf Jones’ Schiff verurteilt wurde, und dass ich, weil ich dich gerettet habe, die Todesstrafe am Hals habe. Und wozu gebe ich mir die Mühe? Um mir von dem magischen Kompass eines dauerbetrunkenen Piraten zeigen zu lassen, was du wirklich willst oder nicht willst!“
Fasziniert betrachtete er die Bewegungen der Nadel, als der Kompass nun in seiner Hand ruhte. Sie sprang hin und her, zeigte nicht eine Sekunde eindeutig auf Elizabeth, sondern drehte sich weiter und weiter. „Es tut mir leid, wenn ich übertreibe, aber der Kompass zeigt doch immer die Wahrheit, oder?“ Verbittert klappte er den Deckel zu und schleuderte den Kompass auf die Decken hinter Elizabeth. „Hier, Jack hat ihn dir überlassen, nicht mir.“





Ohne ein weiteres Wort verließ Will das Zimmer und ließ sich im Wohnraum auf dem Boden nieder. Er musste einen Aufschrei unterdrücken, als er auf seinen noch frischen Peitschennarben zu liegen kam und drehte sich auf die Seite. Wieso er um alles in der Welt freiwillig bei der Suche nach Jack half, würde ihm wohl immer ein Rätsel bleiben. Jack hatte ihn verkauft, verraten, und jetzt auch noch Elizabeth…
Trotz seiner Wut schlief er irgendwann ein, da sein Körper ihn nach all den Strapazen dazu zwang.





Stunden später wurde er von einer sanften Berührung an seiner Schulter geweckt. Er dachte, dass Elizabeth trotz des Streits aus irgendeinem Grund zu ihm gekommen war- bis er das blasse, hübsche Gesicht einer rothaarigen Frau in einem knappen, schwarzen Kleid sah, die sich an seinem Hemd zu schaffen machte.

Verwirrt blickt Will sie aus einem Auge verschlafen an und drehte sich dann murrend weg. Ein Traum, ausgelöst durch irgendeine von den ‚geheimen Zutaten’ in Tias Getränk. Die Frau mixte aber auch alles da rein… Und es war ja nichts Außergewöhnliches, wenn man in einem Traum wusste, dass er nicht real war…
Die Berührung auf seiner Haut war aber leider sehr real. Das Gefühl vertrieb dann doch den letzten Rest Schlaf. Ruckartig fuhr er hoch und schob die Frau von sich. „Wer bei allen guten Geistern seid Ihr, und was soll das?“

„Mein Herr?“ Verwirrt strich die Frau sich eine ihrer langen Haarsträhnen zurück, musterte Will aus ebenso neugierig wie kritisch blickenden blauen Augen. „Tia hat gesagt… Ihr seid doch William Turner, oder?“ Sie sah forschend zu den anderen, allesamt schnarchenden Gestalten, ob Tias Beschreibung auf sonst jemanden passte.

„Bin ich, aber das ist noch kein Grund mich auszuziehen.“ Will strich sein Hemd glatt und begann die bereits geöffneten Knöpfe wieder zu schließen. Leider entdeckte er Tia nirgends und konnte seine Wut über die Szene nicht an ihr auslassen. Was dachte sie sich dabei, diesen Rotschopf auf ihn anzusetzen? „Die anderen würden sich sicher mehr freuen, wenn Ihr Euch an deren Hemden zu schaffen machen würdet.“

„Ich bin Irene. Zieht das bitte aus.“ Sie nahm den Kommentar ohne mit der Wimper zu zucken hin, aber sie klang ein wenig verletzt, zupfte wieder am Kragen seines Hemds. „Sonst kann ich Euch nicht heilen.“ Erst jetzt sah Will, dass sie einen ganzen Koffer voll seltsam riechender Dinge neben sich stehen hatte.

Einen Augenblick war er versucht, sich wegen seiner Dummheit zu ohrfeigen. Er war eindeutig zu lange in der Gesellschaft von Piraten gewesen, dass er auf solche Gedanken bei Frauen kam. „Sagt das doch gleich. Weckt Ihr Eure Patienten nie, bevor Ihr sie behandelt? Wartet kurz.“ Mit ein wenig Mühe kämpfte er sich aus seiner Kleidung, Tia innerlich dankend. Sein Rücken brannte höllisch und fühlte sich an, als habe er das heiße Eisen aus der Schmiede seines Vaters im Fleisch. Vermutlich hatten sich einige der Wunden entzündet.

„Oh.“ Bei dem Anblick, als endlich das Hemd verschwunden war, musste Irene erstmal schlucken. „Tia hat gesagt, Ihr seid verletzt, aber ich hatte ja keine Ahnung…“ Sie legte geschockt eine Hand über den Rand der obersten, schlecht zugewachsenen Wunde auf Wills Rücken und erntete ein Zusammenzucken.
„Das kann ich so nicht lassen, mein Herr. Da ist überall Schmutz drin, darum tut das auch so weh. Wir gehen vielleicht besser in die Küche, dort hört Euch keiner.“

Mit einem zweifelnden Blick quälte sich Will auf die Beine. Jetzt, wo er wieder jede Sekunde an seine Wunden dachte, schmerzten sie gleich noch mal doppelt. „Ich weiß nicht, ob mich das beruhigen oder beängstigen soll…“

Auf dem Weg in die Küche am Ende des Flurs ging die Tür des Gästezimmers auf. Verwirrt sah Irene in das verletzt und wütend wirkende Gesicht einer jungen, blonden Frau im Nachtgewand, die zuerst Will und dann sie mit einem vernichtenden Blick bedachte.

Will musterte Elizabeth kurz, wandte sich dann aber wieder seiner Begleitung zu. „Kümmert Euch nicht um sie. Elizabeth ist im Moment wegen allem, was passiert ist, nur ein wenig verwirrt.“
Ohne auf Elizabeths Reaktion zu achten ging er weiter und ließ sich müde auf einen der morschen Stühle in der Küche sinken. Das abrupte Ende der Nacht hatte nichts gegen diese bleierne Müdigkeit in ihm getan.

„Dann fangen wir mal an.“ Zum wiederholten Mal zupfte Irene ihren kurzen Rock zurecht, als sie sich zu einem Regal mit Handtüchern hinunterbeugte, die sie brauchen würde. Sie fühlte sich sichtlich nicht wohl damit.

Will musterte Irenes so vorteilhaft zur Schau gestellte Kurven interessiert, als sich eine nervende Stimme in seinem Kopf meldete, die ihn fragte, was er da gerade bitte dachte. Er war verlobt…
Mit einem bitteren Schnauben verdrängte er diesen Gedanken. Vielleicht sollte er abergläubisch werden wie die alten Weiber in Port Royal, die ihm am Morgen der Hochzeit, als sie die letzten Vorbereitungen für das Essen getroffen hatten, gesagt hatten, dass der Regen kein gutes Omen sei. Eine Hochzeit, die bei so einem Sturm geschlossen würde, sei dazu verdammt, für immer in diesem Sturm zu bleiben. Will hatte es als idiotisches Gewäsch abgetan…
Und jetzt saß er in der Hütte einer Zauberin, ließ von einer Heilerin, die in der Kleidung einer Tänzerin herumlief die Wunden behandeln, die ihm sein untoter Vater auf Davy Jones’ Schiff zugefügt hatte und plante, einen von einem riesigen Kraken verschlungenen Piraten zu suchen. Aberglaube schien da doch schon fast wie ein nebensächliches Detail...

„Am besten… Nicht so, setzt Euch andersrum hin.“ Ungeduldig wartete Irene, bis Will ihrer Aufforderung nachkam und den Stuhl umdrehte. „Besser. Vorbeugen… Und jetzt nicht mehr bewegen.“ Sie strich Will seine Haare weg, um freien Zugang zu seinen Wunden zu haben und verteilte erstmal großzügig Alkohol darauf. „Irgendwann müsst Ihr mir erzählen, wie Ihr zu so schlimmen Verletzungen gekommen seid.“

Glaubt mir, Ihr seid froh, wenn Ihr es nicht wisst…“ Will brachte es verzerrt zwischen zusammengepressten Zähnen hervor, als sein ganzer Rücken plötzlich zu brennen schien. „Entweder Ihr würdet es nicht glauben oder danach in Probleme geraten.“ Irgendwie schien Irene gerade alles zu tun, nur nicht seine Wunden besser machen…

„Sieht doch schon viel besser aus.“ Nachdem eine Algentinktur auch die letzte neue Blutung gestoppt hatte, stellte Irene ihre Instrumente beiseite. „Weiter stillhalten bitte.“ Sie legte sanft ihre Hände auf Wills Schultern und schloss die Augen. Wie automatisch wurden ihre Bewegungen nach unten geleitet. Wärme ging von ihrer Haut aus und nahm den Wunden ein wenig von ihrem Schmerz, ermutigte sie, sich schneller zu erholen.

Ohne sein Zutun begann Will entspannt zu schnurren, ein Laut, den er von sich gar nicht kannte und der ihn selbst am meisten erstaunte. Etwas dagegen tun konnte er jedoch auch nicht, da diese Wärme jegliche Anspannung zu vertreiben schien. Als er seine Augen schloss, vergaß er sogar für einen Moment alle Probleme und warum er überhaupt hier im Sumpf bei Tia war.
Erst das Knacken einer Holzdiele im Flur riss ihn zurück in die bedrückende Realität. Durch seine halb geöffneten Lider konnte er einen Schatten im Flur erkennen. Elizabeth war nun also unter die neugierigen Lauscher gegangen…
Er setzte sich etwas auf und blickte über seine Schulter zu Irene zurück. „Kennt Ihr Tia schon lange? Ich muss Ihr dringend meinen Dank aussprechen, dass sie mir die beste Heilerin der Karibik besorgt hat. Ihr habt geradezu magische Hände.“

„Ihr spart Euch Euren Charme besser für Eure Verlobte, mein Herr.“ Mit einer kleinen Grimasse trat Irene zurück. „Piraten… Alle gleich.“
Schimpfend verließ sie den Raum, ging grußlos an Elizabeth vorbei und blieb bei einer weiteren Gestalt im Flur stehen, die Will nach einem Moment als die von Tia erkannte. „Ich muss kurz nach Hause. Diese Landratten kommen sonst auch noch in einen Sturm. Vater macht das schon. Ist schon okay. Macht mir doch Spaß, das Ganze. Aber ich hab was bei dir gut, damit das klar ist.“
Und weg war sie.

„Ihr solltet wieder schlafen gehen.“ Tia musterte Elizabeth und Will kritisch. „In vier Stunden geht die Fähre. Da geht es sehr rau zu.“ Damit endete die letzte seltsame Begegnung dieser Nacht.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast