Pinnas Pandere

von Sithy
GeschichteDrama, Tragödie / P16 Slash
Janos Audron Vorador
27.07.2006
27.07.2006
9
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Titel: Pinnas Pandere
Autor: Sithy
Fandom: Legacy of Kain
Rating: R, hauptsächlich für gruselige Blut-und-Beuschel Szenen. Sithylein kann ja keinen Lemon schreiben ^^;;
Pairing: Janos Audron/Hash’ak’gik, ansatzweise Janos Audron/Vorador
Kategorie: Slash, angst, ein bißchen romance. Typische unrealistische Sithy-Geschichte *hustGohattohust*. Für den ein oder anderen wird’s vielleicht squicky sein. Streckenweise etwas blutig, fürchte ich. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, daß die Geschichte teilweise nicht mit der LOK Timeline zusammenpaßt. Falls ihr was entdeckt, sag ich gleich jetzt sorry. War keine Absicht!
Disclaimer: Legacy of Kain gehört in all seiner Pracht, öhm, Eidos, Crystal Dynamics, Silicon Knights und Amy Henning... glaub ich zumindest ^^;
Auf alle Fälle nicht mir. Geld gab’s mit dieser Fanfiction auch keines... ich sollte mal was anderes schreiben -.-
Anmerkung: Vergils Ausdruck „Pinnas Pandere“ bedeutet in Deutsch Flügel oder Fittich. Jedenfalls behauptet das der Stowasser so, und der wird das als _das_ Lateinlexikon schlechthin wohl wissen ;]
An dieser Stelle sei noch „Wintersun“ gedankt, mit dessen Musik sich das Teil hier gleich viel theatralischer schreiben ließ.
Vor meiner persönlichen Betaleserin Tali krieche ich wie immer im Staub. Ohne sie wäre diese Geschichte wohl ein mittelmäßiger Oneshot geblieben. Nun gut, jetzt habt ihr was Episches XD
P.S.: Will niemand Legacy of Kain verfilmen?? Aber bitte mit ner anständigen Story!! *an krallen knabbert*

~....~ Gedanken


~Pinnas Pandere~


Prolog

„Wie geht es uns heute, Vampir?“
Janos hatte es sich über die Jahrzehnte abgewöhnt, dem Hyldenlord eine Antwort zu geben. Statt dessen hatte er sich darauf versteift, seinem Erzfeind nur einen haßerfüllten Blick aus seinen goldenen Augen zuzuwerfen.
Der Blick hätte selbst den Feuern der Hölle alle Ehre gemacht, am Lord der Hylden prallte er jedoch völlig wirkungslos ab. Er wußte, daß er im Vorteil gegenüber seinem Gefangenen war, und das gab ihm Sicherheit.

„Ah, ich sehe schon, wir sind heute wieder einmal nicht sehr gesprächig. Wirklich, Janos, langsam beginnst du mich zu langweilen.“
Der Hylden lachte sein metallisches Lachen, das ihm so eigen war. Die Arme hinter dem Rücken verschränkt, stolzierte er vor dem gefangenen Vampir auf und ab. Er hatte heute auf seine goldene Rüstung verzichtet und trug statt dessen ein einfaches, langes Gewand aus fließendem, rotem Stoff.

Seine flammend grünen Augen wandte sich dem schweigenden Urvampir zu. Trotz der langen Zeit, die er nun schon hier unten verbracht hatte, wie ein einfaches Versuchstier an Schläuche und Kabel angeschlossen, hatte er sich die dunkle Schönheit seines Volkes erhalten. Nur hier und da schienen die Linien im blauen Gesicht tiefer zu sein, die schwarzen Haare mit mehr Silber durchzogen. Aber nach wie vor flackerte der Widerstand ungebrochen in den goldenen Augen.

Irgendwann, so dachte sich der Hylden düster, würde er diese Augen eigenhändig herausreißen und sich an einer Schnur um den Hals hängen. Aber das hatte noch Zeit. Zunächst wollte er sie brechen sehen.

„Ich habe kein Interesse daran, mich mit dir zu unterhalten, Hylden, und das weißt du! Was willst du also hier unten? Ich könnte mir vorstellen, daß du an der Oberfläche wichtigere Dinge zu tun hast!“ Trotz des Schmerzes in seinem Rücken und den Schwingen, stand der Urvampir aufrecht und stolz vor seinem Peiniger.
Wenn sie ihm dieses bißchen Freiheit schon gewährten, dann wollte er dem Hylden nicht ein weiteres Mal das Vergnügen bereiten, aus Schwäche vor ihm auf dem Boden zu kriechen

Es konnte nur kurze Zeit nach dem Kampf gegen Raziel gewesen sein, als er an diesem Ort aufgewacht war.
Das stetige Summen und Zischen von schweren Maschinen war an seine empfindsamen Ohren gedrungen. Lämpchen hatten monoton geblinkt, Dampf war aufgestiegen, und über alldem hatte der metallische Geruch der Hylden gelegen, die um ihn herumgewuselt waren, gehässig gelacht oder ihn einfach nur haßerfüllt angestarrt hatten.

Er hatte versucht auf die Füße zu kommen, um wenigstens einen Teil seiner Würde vor diesen Bestien zu bewahren, hatte jedoch mit Entsetzen feststellen müssen, daß ihm sein Körper nicht gehorchte. Die Schwingen grob nach oben gezerrt, die Arme schmerzhaft nach hinten verdreht, hatte er in einem Gewirr aus Kabeln und Leitungen gehangen.
Ein qualvolles Stöhnen hatte sich über seine aufgesprungenen Lippen gedrängt, während die Dinge um ihn herum immer klarer geworden waren: der harte Gitterrost, auf dem er kniete, der Geschmack seines eigenen Blutes, das ihm aus dem Mund sickerte und träge nach unten tropfte, der Schmerz in seinem Rücken und in seiner Seite, wo die Magier der Hylden Leitungen tief in seinen Körper getrieben hatten, um ihm so sein Blut und seine Lebensenergie abzuzapfen.

Das Hauptkabel mit der feinen langen Nadel hatten sie in seinem Nacken tief in die Wirbelsäule getrieben. Damit hatten sie direkten Zugriff auf seine körperlichen Funktionen. Er war ihnen ausgeliefert. Auf Gedeih und Verderb.

Zusammen mit dem Erwachen seines Körpers waren auch die Erinnerungen in ihm hochgeflutet. Die Zerstörung der Säulen, die grausame Qual und Hilflosigkeit, als der Hylden brutal in seinen Geist eingedrungen war und seinen Körper übernommen hatte. Der anschließende Kampf gegen den Geistervampir Raziel, der sich dem Hylden in den Weg gestellt hatte, brannte wie eine helle Fackel in der Erinnerung des Urvampirs.

„Wenn ich muß, töte ich Janos!“
Das waren seine Worte gewesen. Fest und unbeirrt. Es hatte den in sich selbst gefangenen Urvampir ungemein befriedigt, die Empörung des Hyldenlords zu spüren, als ihn dieser dahergelaufene Schatten eines Vampirs herausgefordert hatte.
Raziel hatte ihn in einem finalen Kampf tatsächlich besiegt, aber er hatte den letzten Schritt nicht getan.

Ein bestürzter Ausdruck war in den pupillenlosen Augen des Geistervampirs aufgeflammt, bevor er die Klinge hatte sinken lassen und zurückgewichen war. Es war ihm unmöglich gewesen, die gleiche Tat zu verrichten, die sein menschliches Ich Jahrhunderte zuvor begangen hatte und Janos Audron zu töten.

Statt dessen hatte sich der Hylden von seiner kurzzeitigen Niederlage erholt und furchtbare Rache genommen.

Der Kummer hatte bei diesen Erinnerungen mit eisiger Hand nach dem Herz des Urvampirs gegriffen. Dem Herzen, das ihm Raziel zurückgebracht hatte! Wie Bänder aus Eisen, die mit jedem Atemzug noch enger wurden, hatten sich Hoffnungslosigkeit und Elend um seine Brust gelegt. Er hatte nicht mehr richtig Luft bekommen. Ruckartig hatte sich seine Brust gehoben und gesenkt, während krampfartige Schauer durch seinen gesamten Körper gelaufen waren.

Seine Seelenqual und die Furcht vor dieser unbekannten Maschine an der er hing hatten schließlich eine Intensität erreicht, die die Geräte der Hylden hatte verrückt spielen lassen. Sie hatten es schlußendlich für weiser empfunden, ihn wieder dem Schlaf zu übergeben.
Ein elektrischer Schlag durch sein Rückgrat hatte diese Arbeit wunderbar erledigt.

Als der Hyldenlord schließlich antwortete, troff seine Stimme vor falscher Bestürzung.
„Ich wollte dir nur einen Besuch abstatten, um dir ein wenig die Zeit zu vertreiben, das ist alles. Ich kann mir vorstellen, daß es hier unten auf Dauer ziemlich langweilig wird. Sag, was machst du den lieben langen Tag so ganz alleine?“
Der Vampir knurrte ihn an.

Ein Laut, der seinem Kerkermeister ein amüsiertes Lachen entlockte.
„Es freut mich, daß du scheinbar immer noch soviel Energie in dir hast, Janos. Wirklich, ich wußte schon, warum ich dich für die ehrenvolle Aufgabe, die Masse mit Nahrung zu versorgen, ausgewählt habe.“ Der Hylden hatte seine Schritte in einem Kreis um den gefangenen Urvampir geführt. Jetzt blieb er hinter ihm stehen. Ein gehässiger Ausdruck zog über sein totenkopfähnliches Gesicht.

Er wußte, daß es Janos so gut wie unmöglich war, sich umzuwenden, auch wenn sie ihm mittlerweile die Freiheit ließen, sich bis zu einem gewissen Grad zu bewegen wie er wollte.
Und tatsächlich begann sich der Körper des Vampirs merklich vor seinen Augen zu verkrampfen, als würde er die Gefahr körperlich spüren, die von dem hinter ihm stehenden Hylden ausging.

„Nimm deine dreckigen Krallen weg!!“ Der Vampir hatte die Worte zwischen den Zähnen hervorgestoßen, noch bevor der Lord seine Hand vorgestreckt hatte.
„Und wer sollte mich daran hindern? _Du_ etwa?“

Beinahe hätte sich der Lord der Hylden zu einem Gurren hinreißen lassen, als er wie zur Bestätigung mit seinen Krallen auslangte, um sie gegen den Strich durch die Federn gleiten zu lassen.

Die schwarzen Schwingen waren nicht wirklich empfindlicher als andere Körperteile, aber daß sie so grob und geringschätzig angefaßt wurden, ließ eine heiße Welle der Wut das Rückgrat des Vampirs entlangrollen.
Trotzdem beherrschte er sich. Nur seine Hände schlossen und öffneten sich in unterdrücktem Zorn.
Einige der schwarzen Daunen waren in den Krallen des Hylden zurückgeblieben.

„Wie schön sie sind.“ Er schnupperte einmal daran und ließ sie dann in einer grünen Stichflamme vergehen. „Und doch so vergänglich. Es paßt zu deinem verkommenen Geschlecht. Bald wirst auch du, als Letzter, verlöschen. Dann ist es endlich an uns, über Nosgoth zu herrschen!“

Was auch immer der Hylden erwartet hatte, ein leises Lachen von Janos war es nicht.
„Wenn du mir mit dem Tod drohen willst, so kannst du gewiß sein, daß dieser seinen Stachel für mich längst verloren hat. Bist du des Lebens nicht auch müde?“

„Rede keinen Unsinn, Janos! Ich bin am Höhepunkt meiner Macht und stehe kurz davor, die Herrschaft über ganz Nosgoth zu erringen!! Wie könnte ich da des Lebens müde sein?!“
Der Urvampir wandte den Kopf zur Seite. Aus den Augenwinkeln konnte er die markante Gestalt des Hyldenlords erkennen.

Er hatte im ersten Moment einen Stich der Reue und der Schuld verspürt, als er den Hylden so gesehen hatte. In seinem Gedächtnis hatte sich das Bild eines hochgewachsenen Kriegers eingebrannt, mit edlen, scharfen Gesichtszügen, unter dessen grüner Haut die Muskeln spielten.

Es stammte noch aus einer Zeit lange vor der Verbannung der Hylden in die Dämonendimension. An der Stelle, wo heute nur zwei häßliche Knochenwülste aus den Schultern des Hylden ragten, waren damals kräftige Lederschwingen gewachsen, die den gefiederten der Vampire in nichts nachgestanden waren.

Der Urvampir hatte erkennen müssen, daß er es gewesen war, der dem Hylden seine einstige Schönheit genommen und ihn in diese dämonische Form verbannt hatte.
Doch so schnell sich Reue und Schuld gezeigt hatten, so schnell waren sie wieder verschwunden und hatten dem altbekannten, dunklen Haß Platz gemacht, der unaufhörlich in dem Urvampir brannte.
Nichts konnte das Leid aufwiegen, das er durch den unsäglichen Fluch der Hylden erlitten hatte. Es war ihm unmöglich zu verzeihen.

„Ich bin des Lebens müde, Hash’ak’gik“, flüsterte er schließlich.
Der nachfolgende Schlag traf Janos völlig unvorbereitet. Grausam, ohne Gnade rissen die scharfen Klauen des Hylden Federn, Fleisch und Knochen auseinander. Ein Angriff, der den gepeinigten Vampir vor Schmerzen aufschreien und hart in die Knie brechen ließ.

„Wage es nicht noch einmal, diesen Namen auszusprechen!!“, brüllte der Hylden vor Zorn, der ins Maßlose stieg, als der Vampir zu seinen Füßen zu Glucksen anfing. Janos selbst fragte sich in diesem Augenblick, ob er nun endlich den Verstand verloren hatte. Er wußte selbst nicht, warum er lachte.

Es strömte einfach aus ihm heraus, zuerst einem Rinnsal gleich, um dann zu einer sprudelnden Quelle zu werden. Im Bruchteil eines Flügelschlags wirbelten Bilder durch seine Gedanken. Längst vergessene Gesichter. Die behütendenden Arme seiner Eltern, der Kreis seiner Geschwister. Augen, so schwarze wie Kohlestücke, die ihn unter einem Gewirr von schwarzen Locken neugierig musterten.

Vorador, wie er das erste Mal seine Augen als Vampir aufschlug, das Gefühl des Stolzes, dem Fluch ein Schnippchen geschlagen zu haben und Vater geworden zu sein. Bilder von Sarafankriegern und Vampiren. Der Reaver.

Raziels Worte perlten durch seinen Geist. Worte ohne Haß und mit einer Wärme unterlegt, die dem Geistervampir selbst wohl gar nicht zu Bewußtsein gekommen war. Sanft fallender Schnee, der den zugefrorenen See unter seiner Zufluchtsstätte wie mit einem weißen Leichentuch bedeckt hatte. Das Bild eines Vampirs, der über die sonnendurchfluteten Himmel Nosgoths mit einem Hylden tanzte.
Der Urvampir lachte, weil er im wahrsten Sinne des Wortes keine Tränen mehr vergießen konnte.

Ein Lachen, das sich nur allzu bald in gellende Schmerzensschreie verwandelte, als Hash’ak’gik seine mörderischen Wut an seinem wehrlosen Gefangenen ausließ.
Hinter jedem Schlag, der den zuckenden Körper des Vampirs traf, lag die Kraft eines Jahrhunderte alten Hasses. Wie in einem Wahn schlitzten, zerrten und rissen die messerscharfen Krallen an allem, was sie zu fassen bekamen.
Hätte der Boden nicht aus einem Gitter bestanden, die beiden Todfeinde wären im Blut gestanden.

Schließlich hielt Hash’ak’gik inne. Fast ein wenig verwundert, daß er sich so hatte hinreißen lassen, blickte er auf seine blutbeschmierten Krallen. Der Vampir zu seinen Füßen regte sich nicht mehr.

Für einen winzigen Augenblick lang fürchtete der Hylden, daß er in seinem Zorn zu weit gegangen war und seinen Gefangenen getötet hatte. Doch schon begannen sich die Wunden des Unsterblichen, wenn auch langsam, wieder zu schließen.
Wäre er bei Bewußtsein gewesen, Janos Audron hätte einen erleichterten Ausdruck im Gesicht des Lords erkennen können.

So aber entgingen ihm auch die anschließenden Worte, die Hash’ak’gik mehr zu sich selbst zu sprechen schien: „Du hattest recht. Ich habe in der Oberwelt weit Besseres zu tun, als meine kostbare Zeit mit jemandem wie dir zu verschwenden.
Wenn ich das nächste Mal hier herunter komme, wird nichts mehr an dich erinnern. Du wirst ganz einfach aufhören zu existieren, und niemand kann dich vor diesem Schicksal bewahren. Leb’ wohl, Janos!“

~Prolog Ende~
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