Verliebt in Berlin: Nothing can Last

von buffyfan
GeschichteRomanze / P6
25.07.2006
25.07.2006
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Nothing can Last

Lange hatte Lisa getrauert. Nein, sie trauerte noch immer. Um David.
Nach seiner Entführung war er eben nicht mehr der Alte gewesen. Sie wollte es akzeptieren, doch sie konnte nicht.
Sie erinnerte sich an seine Worte: „Meine Liebe ist nicht stark genug. Ich will jetzt an mich denken. Frei sein.“
Frei sein? Hatte er denn Angst gehabt, sie würde ihn einsperren? Sie hätte doch Verständnis gehabt, nach allem, was passiert war.
Sie liebte ihn doch. Und er sie – aber nicht genug.

I dare not say your name
I know you feel the same

Und wenn man sich so liebte wie Lisa David liebte, dann hätte sie nichts aufhalten können. Doch David schien das anders zu sehen.
Lisa versuchte ihn zu vergessen. Seinen Namen aus ihrem Gedächtnis zu streichen. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Dennoch erwischte sie sich oft dabei, wie sie von ihm träumte. Wie er zurückkommen würde, um sie zu holen. Weil er sie liebte, weil er sie vermisste.

Sie saß an ihrem Schreibtisch. Max und Rokko davor. Mal wieder eine Besprechung. Und mal wieder konnte sie sich nicht konzentrieren. Die Tagträume waren stärker und immer wieder musste sie aufpassen, dass sie nicht vollkommen darin versank und laut dachte.

And I fear I might say out loud
That I love you because I do

“Frau Plenske?”, sprach Rokko sie an.
Sie schrak hoch. „Bitte?“
„Die Umsatzzahlen……“
„Ja, natürlich!“ Lisa seufzte. „Tut mir Leid, aber das muss bis morgen warten. Ich bin noch nicht dazu gekommen.“
Noch nicht dazu gekommen. Ja, Lisa Plenske, das Arbeitstier hatte Arbeit liegen gelassen. Zunächst dachte sie es wäre eine gute Ablenkung, doch schnell merkte sie, dass sie sich kaum konzentrieren konnte. Und nun war es so weit gekommen, dass sie unvorbereitet in einer Besprechung saß.
Es machte sie krank. Wenig Schlaf. Kaum essen. Trotz aller Versuche konnte sie David nicht vergessen. Es brachte sie um. Die Liebe zu ihm wurde zu einer Liebe, die schlecht für sie war.

If you are the answer
Then love is like cancer
It's killing me faster than time

Sie hielt den Schmerz kaum noch aus. Es tat so weh. Und sie wollte reden. Doch mit wem?
Sie hatte Angst Rokko mehr weh zu tun. Jürgen war mit Sabrina beschäftigt und ihre Eltern waren diesmal vielleicht doch die falschen Ansprechpartner.
Eigentlich wollte sie Klarheit. Eigentlich wollte sie noch einmal mit David reden.

I want to tell someone I hurt
Maybe I should tell you first

Doch vielleicht wäre es ihm egal. Er würde ihr dann noch mehr wehtun. Vielleicht lag ihm aber doch was an ihr und er würde sich Sorgen machen. Aber auch das würde sie weiter schmerzen, denn er liebte sie dennoch nicht genug um mit ihr zusammen zu sein.
But I think you might be afraid
That I'm dying of you
Alles war schwer. Und es wurde immer schwerer.
Wenn sie David wieder sah…wie sollte sie reagieren? Wie würde er reagieren? Am liebsten würde sie so tun, als würde sie ihn nicht kennen. Sie wollte ihn verbannen - aus ihrem Leben.

If you are the partner
And loving gets harder
Pretend I'm a stranger as well

Sie griff zum Handy und wählte seine Nummer.
„David Seidel?“ Er hörte sich gut an. Erholt. Lebensfroh.
„Hier ist Lisa.“, flüsterte sie.
„Lisa?“
„Können wir uns treffen, David? Bist du in Berlin?“
„Bin ich. Was hältst du von der Tiki Bar?“, fragte er.
„Sicher.“
„Um Acht?“
„Um Acht.“, sagte sie und legte auf.
Sie wollte einen Schlussstrich ziehen. Endgültig.
Um Acht Uhr betrat sie die Tiki Bar. Sie wusste nicht, was sie erwarten sollte.
An der Bar sah sie David sitzen. Er trug eine Jeans und ein weißes Hemd. Er saß zwar mit dem Rücken zu ihr, aber dennoch konnte sie erkennen, dass er sehr gut aussah.
Langsam ging sie auf ihn zu und setze sich ohne ein Wort zu sagen neben ihn. Er drehte sich zu ihr und lächelte sie an: „Lisa, wir haben uns lange nicht gesehen.“
„Fünf Monate.“, antwortete sie knapp.
„Ja, fünf Monate…“, wiederholte er nachdenklich und nippte an seinem Bier.
Und plötzlich kam Lisa ein Gedanke. Natürlich war er wieder der Alte. Der ganz Alte. Der arrogante Frauenheld, David Seidel. Der, der das Leben genoss. Feierte und einfach das Geld zum Fenster hinauswarf.
Und wenn Lisa sich so umsah, erkannte sie viele schöne Frauen, deren Augen auf David gerichtet waren. Und es war ihm keineswegs unangenehm. Er flirtete zurück.

Don’t drink tonight
If you don’t want us to fight.

Dann erinnerte sie sich an früher. Wie er sie behandelt hatte. Wie Dreck. Wie konnte sie ihn denn dann so sehr lieben?
Alles sollte sie dazu bewegen neu anzufangen. Ohne David Seidel. Und wenn sie ihn sich so ansah, sah er so aus, als wollte er das Leben weiter ungebunden genießen.
„Lisa, was gibt es denn?“ Er sah sie an. Aber nicht wie ein Freund sie ansah, sondern wie er sie angesehen hatte, als er noch ihr Chef war. Als wolle er sagen: „Frau Plenske, was gibt es denn? Könnten Sie sich bitte darum kümmern, dass diese Akten……“
und es fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht.
Doch dann dachte sie daran, wie er hatte leiden müssen. Was Richard ihm angetan hatte.
Eigentlich müsste sie doch bei ihm bleiben. Für ihn da sein.
Aber warum denn ausgerechnet sie? Er wollte sie doch nicht. Warum sollte sie denn jetzt nicht einfach an sich denken, so wie er es tat?

The moments of abuse
Should not be an excuse
From moving on
Having fun
And being the only one

Doch dann sah er sie wieder an. Diesmal anders. Voller Liebe.
Und ihre Gefühle fuhren Achterbahn. Was sollte sie denn nun tun?
„Lisa, ich hatte viel Zeit zum nachdenken.“
„Fünf Monate.“, sagte sie ein weiteres Mal.
„Es tut mir Leid, was ich gesagt habe, Lisa. Ich liebe dich noch immer. Und habe es die ganze Zeit getan.“
Sie hätte sich freuen sollen. Und sie wusste auch, dass er die Wahrheit sprach. Sie konnte es in seinen Augen sehen.
Doch der Effekt blieb aus. Es war ihr egal. Fünf Monate hatten sie gelehrt, es diesem Mann niemals zu einfach zu machen.
Sie schaute ihm in die Augen. „Ich liebe dich auch.“
Erfreut sah er sie an. In seinen Augen lag dennoch Unsicherheit. Unsicherheit darüber, ob es klappen würde.
Lisa fühlte genau dieselbe Unsicherheit. Sie hatte Angst er würde ihr wieder wehtun. So wie er es jedes Mal gemacht hatte.
Sie wollte es nicht. Sie wollte neu anfangen.
„Aber es geht nicht, David.“

I know that you love me
and although I love you
we both know that nothing can last.

Noch einmal sah Lisa ihn an. Sah im in die Augen und glaubte einen Funken Erleichterung zu sehen.
Sie beugte sich hinüber und gab ihm einen letzen Kuss.
„Ruf mich an, wenn wir wieder Freunde sein können, David Seidel.“


Song by Stephen Duffy
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