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In des Lichtes langem Schatten - eine Rollenspiel-Vorgeschichte (DSA)

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
08.07.2006
08.07.2006
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Ancoron von Lanman'Urt - so nennt man mich.

Lanman'Urt das war ein kleiner Weiler im rauhen Berg- und Waldland des Nordens, an den Hängen des ehernen Schwertes gelegen - in einem Land, welches man heute Gloranien nennt.

Lanman'Urt - das bedeutete "Quelle der langen Männer" im alten Dialekt von Paavi ... man sagt Auswärtige hätten das Dorf so genannt nachdem es vor gut 3 Jahrhunderten von hochgewachsenen bornischen Flusspiraten gegründet wurde.

Die ersten 15 Jahre meines Lebens verlebte ich dort - wie es einem heute scheinen mag im ländlichen Idyll und in unwissender Unschuld - bei der Arbeit auf den Feldern, auf der Jagd mit meinem Onkel, beim Fischfang und nicht zu letzt bei Spiel und Tanz mit der übrigen Jugend des Dorfes auf einer Lichtung die uns als Versammlungsplatz diente ... die glücklichste Zeit meines Lebens.

Meine Eltern habe ich niemals kennen gelernt und auch mein Onkel hielt sich was all dies anging stets sehr bedeckt - vielleicht habe ich auch einfach nicht nachdrücklich genug gefragt als ich das noch hätte tun können ... Onkel Jaron und Tante Traviane waren gute "Eltern" - liebevoll und nachsichtig in Bezug auf das "wilde Treiben" meiner frühen Jugendjahre.

Meine leibliche Mutter hieß Jadena - Jarons Schwester - beide trugen reichlich ungewöhnliche alte Namen - mein Großvater musste - wie Jaron des öfteren sagte - ein sehr traditionsbewusster Mann gewesen sein.

Traditionsbewusst genug um seine vierzehnjährige Tochter von Haus und Hof zu verjagen als sie ein Kind von einem namenlos gebliebenen elfischen Wanderer erwartete - mich.

Ihre Spur verliert sich im Dunkel - noch im gleichen Jahr verstarb mein Großvater ... plötzlich und unerwartet - Jaron nahm mich an sich und wohl nur er hätte mir sagen können wohin meine Mutter damals ging.

Sie war genau so jung und einsam wie ich als sie Lanman'Urt endgültig verließ - das verbindet uns.

Als meine Lebensspanne gerade 14 bescheidene Jahre maß - in einem Alter wo ich mit meinen ersten unverfänglichen Liebeleien mit den Mädchen des Dorfes und der Verfeinerung meiner Jagdtechnik auf das scheue kleingewachsene Rotwild des Nordens sowohl zeitlich als auch innerlich zur Gänze ausgefüllt war, erfolgte die erste große Zäsur in meinem Leben ... lange Zeit hätte ich gesagt die größte.

In kürzester Frist starb die Welt wie ich sie kannte - dem 239ten in der Dorfchronik verzeichnetem Winter folgte kein Sommer mehr ...

Schnee und Eis bedrohten das Dorf - die ohnehin spärlichen Reserven an Essbarem waren schnell verbraucht - die Äcker und bald auch die Flüsse waren hart gefroren wie Stein und mit jedem Tag schienen mehr Herden nach Süden zu flüchten ... irgendwann passierten dann keine Herden gleich welcher Gattung mehr unser Dorf - ein Eispanzer presste das letzte Leben aus dem uns umgebenden einst so fruchtbarem Land.

Es kamen Hunger und Pestilenz - die Dorfgemeinschaft zerfiel - Hader keimte auf und viele verließen Lanman'Urt in Richtung Süden.

Andere beteten für den Sommer - und das obwohl unser Dorf seit Jahrzehnten keinen Geweihten zu Gesicht bekommen hatte ... zu Firun und Peraine wurde gefleht das Eis und die Krankheit weichen zu lassen ... doch nichts wich - beide Götter schwiegen zum Leid jener die in ihnen ihre letzte Hoffnung sahen.

Auch ich betete zu Peraine ... das letzte Mal in meinem Leben.
Sie schenkte meinem Onkel und meiner Tante nicht das Leben - die Pest raffte ihre von der Kälte entkräfteten Körper dahin - nachdem ich Mariana, meine damalige Jugendliebe aus der Köhlerhütte ihres Vaters abholen wollte um mit ihr schweren Herzens und mit gefrorenen Tränen im Gesicht ebenfalls gen Süden zu ziehen, jedoch nur noch die Leichen der Familie auffand erblickte ich neben der kleinen Behausung einfacher Menschen die der Schneelast nicht standgehalten hatte den Dorfschrein der Peraine.

Ich zerbrach das aus schlechtem Eisen geschmiedete Breitschwert meines Onkels bei dem Versuch die von all dem Leiden unbeeindruckt weiter lächelnde Statue im Schrein in zwei Teile zu spalten.

Ich ging mit den Letzten - Lanman'Urt gab es nun nicht mehr.



Auf meiner Reise gen Süden konnte ich das Eis hinter mir lassen - bald zerfiel der Treck der letzten Flüchtlinge als sich die meisten einem feisten alten bornischen Landadeligen als Holzknechte und Stallmägde verdingten ... froh überlebt zu haben und dankbar überhaupt ein Auskommen zu finden.

Ich sah jedoch wie die bornischen Herren die Arbeiter auf ihren Feldern und Gehöften behandelten ... ich hatte nicht überlebt um zum Sklaven zu werden.

Weiter zog ich in Richtung des Bornwaldes und weiter nach Süden - ich lebte von der Jagd und vom Fischfang und langsam kam in meinem Herzen, obgleich noch vom Tod meiner geliebten "Eltern" beschwert, wieder eine gewisse Lebensfreude auf - das Land war schön und weit.

Das eine oder andere Mal entkam ich den Waffenknechten jener die nicht gern einen "Wilderer" auf ihrem Land sahen - dort wo ich aufgewachsen war hatte das Wild allen gehört und so wollte ich es halten.

Bald hörte ich in Dörfern Erzählungen von einem Kaiserreich im Süden - von einem Landstrich Namens Tobrien wo die Menschen frei und stolz seien - weit ab aller bornischen Leibeigenenschinderei - und von volksnahen Baronen regiert würden.

Tobrien - das Land mit den fruchtbaren Böden in den Marschen an der Künste, das Land mit den riesigen Herden die keinen Menschen hungern lassen, das Land mit den wildreichen Hochwäldern - in den Geschichten der Entrechteten aus den sewerischen Schnitterkasernen war Tobrien das Ziel all ihrer Hoffnungen ... so mancher hatte schon eine neblige Nacht genutzt um seinen Traum vom Leben als freier Bauer wahr zu machen - einige mögen es tatsächlich so weit geschafft haben.

So machte auch ich mich auf dorthin - vielleicht war dies ja das richtige Land um dort ein neues Leben zu beginnen.



Noch bevor ich die Grenze des Kaiserreiches überschritt vernahm ich in den Tavernen und auf den Marktflecken, auf welchen ich inzwischen bisweilen für ein paar Heller Fleisch und Felle feil bot um richtige Betten bezahlen zu können beunruhigende Kunde.

Im Kaiserreich herrschte seit kurzem Krieg! Meine Hoffnungen wurden von Mal zu Mal auf ein geringeres Maß zurück gestutzt.

Es gingen Geschichten um, ein Halbgott mit Namen Borbarad wandle auf Dere um die Kaiserin zu stürzen und ein finsteres Reich zu schaffen - ein "nicht göttergefälliges" Reich.

Und doch - für mich war dieser Borbarad auch nur ein weiterer Gott ... die Menschen hier ahnten nicht wie wenig die vor denen sie sich über Jahre in den Staub warfen für sie tun würden, wenn jener Borbarad und seine Männer (damals hatte ich kaum eine Vorstellung von den gewaltigen Größenordnungen des ganzen) auch einmal ihr Dorf angriffen ... ich hingegen hatte erlebt wie Götter einem Verehrung danken - auch andere würden irgendwann gleiche Schlüsse ziehen.

Ich hörte auch die Elfen verehrten keine Götter - das hörte sich vernünftig an - vielleicht konnte ich das ja auch nur verstehen weil zur Hälfte ihr Blut in mir floss.

Eines Abends als ich aus Mangel an Geld mein Lager wieder im Wald aufgeschlagen hatte, näherte sich mir ein schwarzer Reiter - man konnte sehen, das sein Ross verletzt war - es humpelte ... seine dunklen Gewandungen waren am Saum zerfetzt.

Er wirkte zutiefst erschöpft und fragte mich ob er sich zu mir ans Feuer setzen könnte - ich gewährte es ihm.

Ich fragte ob ich bald an der Grenze zum Kaiserreich sei und in ihm vielleicht einen Soldaten vor mir habe ... er entgegnete mir das könne man so sagen - er sei sein Leben lang ein Forscher gewesen aber nun sei er so etwas wie ein Soldat geworden weil eine Gruppe die sich "die Bannstrahler" nannte seinen Turm geschleift und sein Leben bedroht hätte - als er mein Unverständnis erkannte versuchte er es einfacher zu erklären und sagte sie hätten ihn für einen Anhänger Borbarads gehalten und Jagd auf ihn gemacht, dabei habe er seine Frau verloren ... die Bannstrahler seien Diener des Gottes Praios, wie auch das Kaiserreich ein praiotisches Reich sei.

Nun - sagte der Alte in einem Ton und in einer schaurigen Wildheit die jeden Zuhörer der nicht ein ähnliches Schicksal geteilt hätte aufmerken ließe - habe er sich wirklich einem Kommandanten von Borbarads Truppen angeschlossen um Rache zu nehmen.

Meine Hoffnungen im Kaiserreich eine neue Heimat zu finden schmolzen nun noch ein Stück weiter dahin - es schien ein Reich zu sein in dem die Götter noch mächtiger waren als im Bornland und alles andersartige Verfolgung fürchten musste ... ich bin zur Hälfte kein Mensch schoss es mir durch den Kopf als der Alte davon sprach wie die Praioten alle Magie und ihre Träger bekämpften und prophezeite, dass sie für ihren Frevel an den Trägern wahrer Genialität sämtlich bluten würden.

Als ich sagte, auch ich sei ein Gegner der Götter schmunzelte er, schien aber nicht überrascht zu sein. (Heute weiß ich wie naiv ich die magische Macht dieses Mannes unterschätzte habe).

Ich erzählte ihm meine Geschichte und er hörte aufmerksam zu ... er sagte mir Firun habe die Kälte über den Norden gebracht aus Angst die freiheitsliebenden Bewohner dieser Lande würden sich Borbarad anschließen um mit ihm gegen die Tyrannei der Götter zu kämpfen.

Ich warf ein, dass Borbarad doch auch nur ein Halbgott sei, doch der Alte schien auf jede Frage eine Antwort zu haben.

Als er sich am morgen verabschiedete bemerkte ich seine bleiche Hautfarbe - er mutete noch immer sehr erschöpft - fast krank an und strahlte dennoch eine Kraft aus die trotz seiner überzeugenden Argumente abstoßend auf mich wirkte je länger ich in seiner Gegenwart weilte.

Auch wenn eine Seite in mir ihm gern alles geglaubt hätte, wollte ich zuerst auch die Diener der Zwölfgötter zu diesem Kriege hören - vielleicht war in Tobrien wo die freien Bauern lebten ja gar kein Krieg.



Mächtige Mauern ragten vor mir auf - dergleichen hatte ich nie zuvor gesehen.

Weithin sichtbar wehte das Greifenbanner auf dem alten Grenzkastell als ich mich anschickte die Grenze nach Tobrien zu überschreiten - damals war ich 17 Jahre alt.

Erschlagen von der Masse an Menschen, Zelten und Fuhrwerken die sich mir darbot ging ich langsam und vorsichtig weiter ... einige Menschen lächelten mich freundlich an - wenige zwar, da den meisten eher finstere Sorge ins Gesicht geschrieben stand - doch einige taten es - hier schien mir keine Verfolgung zu drohen.

Nach einiger Zeit fragte ich einen Soldaten in einer prachtvoll ausgestatteten Rüstung ob auch hier Krieg herrsche - dieser bejahte verwundert und sagte ich sollte einmal mit dem Mann sprechen der drüben in einem Zelt vor der Festungsmauer säße - die Dämonenschergen würden bald zurück ins Meer und dann wieder bis nach Maraskan getrieben werden sagte der Mann und eilte dann davon bevor ich ihm noch mehr Fragen stellen konnte.

Ich tat wie mir geheißen und ging zu dem Zelt hinüber, dass mir gewiesen worden war - am Eingang kam mir ein etwas älterer Jüngling entgegen - "Rondra leite deine Hand" schallte es ihm von Innen hinterher - der Jüngling drehte sich um und nickte einem Mann im innern gewichtig zu - "Ich werde der Göttin Ehre machen - und ... danke." - er hob ein Stück Pergament hoch und wandte sich dann zum gehen um.

Der Mann im Zelt stand von einem Tisch auf und lächelte mich an - er sagte er freue sich noch ein Neues Gesicht hier zu sehen - ich würde doch sicherlich froh sein den bornischen Sklaventreibern entkommen zu sein und ins Reich gefunden zu haben - solche wie ich würden oft kommen und es seien auch schon einige Halb-Elfen darunter gewesen.

Ich fragte ihn ins Gesicht ob man hier auch willkommen sei, wenn man kein Anhänger der Zwölfgötter sei ...

Der Mann stockte in seinem Redefluss und sah mich entgeistert an ... dann fing er sich jedoch als sei ihm etwas eingefallen und er sagte, dass die Elfen mit den Kaisern von Gareth seit jeher einen Vertrag hätten der ihnen das Leben nach ihren Werten im Reich zusichert.

Er sagte mir, es wäre ihm eine Freude mich zu einem Bürger des Erzherzogtums Tobrien zu machen, doch von diesem Status hätte ich nichts wenn die Dämonenbrut obsiegte - die Heimat müsste verteidigt werden.

Mir wurde von Schrecklichkeiten berichtet die Borbarads Armeen (langsam Begriff ich die Ausmaße) begangen hatten und mir wurde klar, dass der Alte im Wald mich ebenso gut hätte belogen haben können.

Nun mein Sohn, fragte der Mann im Zelt nach einiger Zeit, bist du bereit Bürger Tobriens zu werden und die Heimat im Ehrenkleid des Landsknechtes gegen diese Gräuel zu schützen?

Es ginge hierbei nicht um einen Krieg wie jeden anderen - es ginge hier um den Kampf von allem Guten und Wahren gegen die Verderber der Schöpfung - schon vor Wintereinbruch würde der Krieg vorbei sein und ich hätte für den Rest meines Lebens jedes Recht mich als Held zu fühlen, wenn ich die Unschuldigen nun nicht im Stich ließe - die Stimme des Mannes hörte sich dabei sehr ehrlich und überzeugt an.

Meine Befürchtungen wurden nicht bestätigt - man schien weder Halbelfen noch Gegnern der Götter feindlich gegenüber zu stehen (letzteres sollte sich schnell relativieren) - Borbarad hingegen schien die größere Bedrohung zu sein.

Er fragte mich nach meinem Namen: Ancoron sagte ich - Ancoron Tjeilöinin, was der Hausname meines Onkels und meiner Mutter war, aus Lanman'Urt.

Ancoron von Lanman'Urt, sagte er zu mir, stockte dabei kurz, und schrieb sich den Namen gleichsam mit - verrate mir was du an Fertigkeiten mitbringst und ich kann gleich deine Papiere fertig machen - du warst ein Leibeigener nicht wahr?

Ich sagte ihm ich sei als Jäger im Umgang mit Waffen vertraut und könnte der Armee als Kundschafter dienen - ich hatte gehört, dass viele bornische Mächtige solche Kundschafter in ihren bewaffneten Trupps beschäftigen um Feinde auszuspähen - nur sagte ich auch, ich hätte alles verloren - was könnte man mir bieten?

Du wirst nach Kriegsende Land bekommen und ein freier Bauer werden, sagte der Mann - dein eigener Herr sein, wie du es im Bornland immer sein wolltest und schon im nächsten Frühjahr deinen eigenen Acker bestellen.

Ich nahm an.



Was kann einen schon wahrhaft auf den Krieg vorbereiten? Insbesondere auf diesen Krieg?

Nach dem ersten Zusammenstoß mit Truppen unter der Dämonenkrone waren die Gesänge im eilig ausgehobenen Regiment verstummt, dem ich als Kundschafter angehörte.

Die Verluste der Gefechte waren hoch und immer stärker griff die Angst um sich.

Auf der anderen Seite der Front stand ein Mann Namens Helme Haffax - einst der Oberbefehlshaber aller kaiserlichen Truppen - nun ein Marschall Borbarads und ein "Dämonenpaktierer" ... Dämonen schienen mir wie Götter zu sein - nur schlimmer.

Jenem Haffax so sagten viele hätte man kaum etwas entgegen zu setzen.

Ich hatte (zum ersten Mal in meinem Leben) eine privilegierte Stellung um die mich viele der Männer beneideten - ich konnte allein und ungesehen den Feind ausspähen, wenn meine Streifzüge auch meist ergebnislos blieben und sonst ebenfalls höchstens Spuren der Dämonensöldlinge aufzufinden waren - sie jedoch mussten an vorderster Front stehen wenn Schrecklichkeiten wie ich sie mir vorher kaum auszumalen vermochte über uns herein brachen.

Selten war ich so dankbar nicht dass zu sein was alle anderen um mich sind, wie ich es damals war.

Meinen achtzehnten Geburtstag verbrachte ich eingeschneit in einer Stellung die eine zugefrorene Furt sichern sollte - der Krieg war nicht vorbei ...

Die Stellung wurde am ersten Tag von Orksöldnern eines feindlichen Befehlshabers mit Namen Xeraan überrannt - glücklicherweise entkamen die meisten von uns.

Ein Gedanke ließ mich bei all dem jedoch nie los - was geht in den Köpfen jener vor die auf der anderen Seite stehen?

Dass Orks hier von den Menschen verfolgt und gedemütigt wurden, wusste ich inzwischen - das kannte ich aus meiner Heimat nicht - mit unseren Goblins lebten wir seit Menschengedenken in Frieden zusammen.

Oft gingen mir die Worte des alten Reiters aus dem Wald wieder durch den Kopf - mögen dort drüben nicht viele wie er stehen? Ist es ein Unterschied ob sie in ihrem Rachedurst ein Dorf abschlachten lassen oder ob wir gefangene Kreaturen - von den Inquisitoren und Geweihten als "Chimären" bezeichnet bei lebendigem Leibe verbrannten?

Tragen diese Wesen weniger Lebensrecht in sich als wir?

Ja ... so dachte ich damals noch ...

Doch der Krieg machte mir eines klar - Überleben ist eine Frage der Effektivität - es gilt einen kühlen Kopf zu behalten - es gilt sich nicht zu Absurditäten wie Gedanken an das Innenleben mordender Monstrositäten hinreißen zu lassen - es gilt als Kundschafter die Augen offen zu halten - kein Detail zu übersehen.

Was letztlich jedoch vor allen Dingen immer mehr Zweifel in mir weckte war die Art mancher Offiziere mit mir - dem "Ungläubigen" umzugehen ... es schien als argwöhnten sie mich beinahe ein Agent des Feindes zu sein, so gewissenhaft ich meine Arbeit auch erfüllte - je schlechter der Krieg für die Tobrier lief um so schlimmer wurde es.

Stets tat ich was ich konnte ... und doch - von einem Tag auf den anderen schien es nicht mehr gut genug zu sein - meinen Beteuerungen ich handelte stets nach bestem Wissen und Gewissen zum trotze wurde ich - der "ungläubige Elf" meines Kundschafterpostens enthoben - als "unzuverlässiges Element" - als "Risikofaktor".

Es waren Tage in welchen man weniger Kundschafter brauchte als zu anderen Zeiten und in anderen Kriegen - Tage in denen Kundschafter immer seltener zurück kehrten und die die zurück kehrten immer schneller als mögliche Verräter gehandelt wurden - Tage in denen sich feindliche von Unleben beseelte Legionen bei Tage eingruben aber auch Tage in denen die schwarzen Heerströme die sich über das Land ergossen kaum mehr zu übersehen waren - in denen das Land selbst ein neues Gesicht bekam und man nur noch aus dem Zelte treten musste um einen Hauch des "Feindes" zu spüren.

An der Tobimora stand ich in den Reihen der Landwehr - der Himmel stahlgrau ... in senkrechten Schlieren drang der Regen gen Erde ... vor mir, neben mir, hinter mir: alte Eisenhelme und ausgemergelte Gesichter die aus einem Meer von Piken und Lanzen herausschauten ... zu meiner Rechten ein Schluchzen - ein gebrülltes Kommando und Stiefel die vorwärts marschierten auf dem aufgeweichten Grund - fast ohne etwas dazu zu tun marschierte man mit.

Der Regen prasselte - ein Surren und Heulen hob an - mächtige Ballistenbolzen mähten in Sichtweite eine Spur des Todes durch den Block ... "Formation halten! Formation halten! Vorwäääääärts! Links, Links, Links ..:" brüllte ein Weibel von irgendwo her.

Und weiter ging der gleichförmige Takt der Schritte.

Ein leiseres Surren - neben mir ging ein Mann zu Boden. "Schilde! Schilde!" brüllte eine Stimme über das Klagen der Getroffenen hinweg ... man ging in die Knie und hob die Schilde dem tödlichen Hagel entgegen - jene die Schilde hatten taten das.

In der Ferne sah man schwarze Schemen am Horizont ... ein feindliches Heer - mit der Zeit sah ich dort nur noch Bauernsöhne, alte Forscher deren Türme man in Brand gesteckt hatte und Wesen die gehasst wurden weil sie anders waren ... die Unterschiede verschwammen - auch die dort drüben wollten nur überleben dachte ich.

Ich habe als Soldat viel gelernt - hatte einen kleinen Teil der Welt begriffen wie er wirklich war - doch mit der Zeit setzte sich in mir die Einsicht durch, dass dieser Krieg schlichtweg nicht mein Krieg war ... die Zwölfgöttergläubigen kämpften gegen die Dämonengläubigen ... ich hingegen hatte damit nichts zu tun und ich glaubte nicht mehr, dass irgendeine Seite in diesem Krieg für eine gute Sache kämpfte - man hatte viele wie mich wie ich begriff mit Versprechungen gelockt von denen man keine Ahnung hatte wie man sie jemals erfüllen sollte - auch als "freier Bauer" hätte ich hier keine Zukunft unter Menschen die mich niemals so akzeptieren würden wie ich bin, nach einem Sieg der doch niemals eintreten wird - nicht in diesem Winter und nicht in einem nächsten - nicht gegen einen Haffax und nicht gegen einen Xeraan für den selbst Kinder bereit zu sein schienen zu Schlächtern zu werden ... was mir zu denken gab ...

Ich war des Mordens und der Angst - der ständigen ruhelosen Anspannung müde.

Ich war hier - in dem was von meinem Regiment noch übrig war - der einzige der nicht für seine Heimat kämpfte - ich gefährdete mein Leben für eine Welt von der ich nichts wusste und für eine Sache an die ich wenn überhaupt nur kurz geglaubt hatte ...

Inzwischen behandelten mich viele der Tobrier ohnehin schon wie einen Feind - sie hassten mich dafür, dass ich nicht vor den Götzen kniete die für sie zu dieser Zeit alles bedeuten mochten ... und natürlich war eines Tages ich es der zur exemplarischen Disziplinierung aus jenem Häufchen Elend heraus gesucht wurde, dass einstmals eine Landwehrkolonne gewesen war - warum?

Weil die durchnässten, abgemagerten Männer, einschließlich meiner Person an der Tobimora gelaufen waren als es Feuer vom Himmel regnete - gelaufen anstatt in Marschordnung zu sterben wie es unsere rondragefällige Pflicht gewesen wäre.

Freunde hatte ich hier nicht gefunden - von "Liebe" oder "Heimat" ganz zu schweigen - hier gab es nur den Tod - die Erzdämonen brachten ihn und die Götter taten von einigen Vernichtungsfeldzügen ihrer Anhänger gegen "pervertiertes Leben" abgesehen das was sie am besten konnten: sie schauten zu.

Menschen beteten zu Firun und erfroren in ihren Stellungen - Menschen priesen Rondra und den ehrenhaften Kampf den sie führen würden nur um im nächsten Moment von einem in ihren Kopf eindringenden Armbrustbolzen niedergestreckt zu werden ... hofften sie auf den Eingang in das Reich ihrer Herrin während sie dort zuckend und mit weit aufgerissenen Augen in ihrem Blute lagen und all zu langsam verendeten?

Eine sehr wichtige Einsicht setzte sich in mir durch: Für eine Sache zu sterben ist niemals ein Sieg.

In einer nebeligen Nacht verließ ich meine Einheit.



Aufgegriffen, ich der Deserteur - der Verräter - der Dämonenpaktierer - der Dämon ... die Anklagen überschlugen sich ... die Fäuste der Ankläger folgten.

Ich weiß nicht wie lange ich mit anderen Unglücklichen eingepfercht in einem Käfig auf einem Wagen das Land durchquerte ... es war Hochsommer - wir bekamen kein Wasser ... man hatte mich bei der Festnahme halb tot geschlagen - immer wieder wurde ich ohnmächtig.

Die Soldaten hatten wohl ihren Kummer, über ihre zerstörten Heimatdörfer oder getöteten Freunde und Angehörigen an uns ausgelassen ... fast jeder hier hatte Freunde oder Angehörige verloren - meist beides - manchmal alle.
So wie auch ich - schoss es mir durch den Kopf.

Nun fand ich mich auf der Seite wieder auf welcher auch einmal der alte Mann den ich vor Jahren auf der Waldlichtung traf gestanden hatte - allein mit dem Rücken zur Wand und umringt von einer verzweifelten Meute die in einem "das Böse" sehen wollte - nur, dass diese verzweifelte Meute diesmal kurz davor war einen Krieg zu verlieren.

Ein Helme Haffax, ein Caius Galotta oder ein Xeraan waren für sie unerreichbar - doch wir - wir saßen hier in ihrem Käfig und fuhren dem Ende entgegen.

Ein schöner Dank für beinahe 2 Jahre des Dienstes als Soldat für ein Land von dem man bisher nur pervertierte Wälder, Unterstände, brennende Dörfer, Leichenberge und im Idealfall Heerstraßen zu Gesicht bekam.

Was wird das für eine Generation? dachte ich mir ... eine Generation die knietief im Blut watend erwachsen wurde.

Würden die Menschen die nun auf dem Kutschbock vor uns saßen oder neben dem Wagen marschierten jemals wieder im Stande sein ein normales Leben zu führen? Könnten sie leben wie Englon der alte Müller aus Lanman'Urt, wie Hilmar der Köhler ... Marianas Vater - könnten sie leben wie Onkel Jaron der mir des Abends oft Geschichten über seine Jugendjahre erzählte in welchen er als Jäger die Wälder durchstreifte?

Was sollten SIE später ihren Kindern erzählen? Das hier?

Wird Borbarad siegen und die gesamte Welt erobern? Wird er Firuns Macht ebenfalls brechen und vielleicht am Ende sogar wieder meine Heimat vom Eis befreien können? Ich hörte in Paavi sei schon länger eine seiner Getreuen am Werk - Glorana, vielleicht die mächtigste aller Hexen ...

Wenn wir das hier nur überleben könnten - wenn es ein Entkommen aus diesem Käfig gäbe, könnte ich dann vielleicht in eine Heimat unter ihrer Herrschaft zurückkehren?

Obwohl - wäre das dann noch die Heimat? Es half nichts - Borbarads Schergen waren blutgierige Despoten - ihre Macht veränderte das Land - das hatte ich schon hier in Tobrien gespürt.

Könnte Glorana etwa meine Heimat und ihre Menschen vernichtet haben? Hätte sie die Macht dazu? Aber der Krieg brach erst später aus ... unwahrscheinlich ...

Wie groß ist die Macht der Erzdämonen? Ich kämpfte fast 2 Jahre gegen sie ... ohne auch nur einen einzigen von ihnen beim Namen zu kennen ...

Warum hassen die Erzdämonen die Götter eigentlich? Was hat sie so boshaft und so gleichgültig in Bezug auf das Leben anderer Wesen werden lassen? Ich hatte oft beobachtet, dass verletzte oder in die enge getriebene Wesen so handelten - oder Wesen die glaubten komme was wolle etwas von ungeheurer Wichtigkeit erreichen zu müssen.

Borbarad ist ein Gott ...ein Halbgott - vielleicht liegt es an ihm ... diese Pakte schienen mir Abmachungen zu sein - man bietet den Erzdämonen etwas an und dafür schenken sie einem einen Teil ihrer Macht ...
Und Borbarad? Besitzt er nicht solch eine "Dämonenkrone" die er einem anderen Gotte entwendete der wiederum mit Praios verfeindet ist? Ein Praiot predigte zu Anfang des Krieges vor unserer Einheit einmal ähnliches ...

Vielleicht wären die Erzdämonen glücklicher sich die Konditionen ihrer Handel selbst aussuchen zu können, dachte ich bei mir ... zumindest schienen SIE im Kontrast zu den Zwölfen zu ihrem Wort zu stehen - die Wunden im Land kündeten davon.

Die Zwölfe hatten sich genauso verhalten wie ich es von ihnen erwartet hatte - sie haben zugeschaut wie jene die vor ihnen krochen zertreten wurden - die kaiserlichen Truppen diesseits der Trollzacken befanden sich in der Auflösung ... das wusste jeder.

Die Gedanken eines inzwischen wohl Fiebrigen - eingepfercht auf einem Karren - auf der Fahrt seinem Ende entgegen.



Wieder einmal erwachte ich ... es war Nacht - eine warme Nacht erfüllt vom Zirpen der Zikaden.

Neben mir war leises stöhnen zu hören - ein Greis mit blutigem Gesicht war im Begriff zu sterben.

Ich sah mich um und sah zitternde, dösende, schlafende und ohnmächtige geschundene Menschen - ich sah in Gesichter gezeichnet von der gleichen Art der Angst wie ich sie im Krieg so oft bei Soldaten die sich in ausweglose Gefechte begeben mussten gesehen hatte.

Der Greis neben mir hauchte seinen letzten Atem aus - welchen Verbrechens mochte er sich schuldig gemacht haben?

Das gleichförmige Rattern der Wagenräder - die Gespräche der Wächter, die verrieten, dass es nicht mehr weit sei bis Perainefurten wo die "Paktierer" gehängt werden sollten - ein leises Schluchzen hier und da und einmal auch die leisen Geräusche von Kot der den Darm verlässt - "Wundert mich was die Dämonenbrut noch zu scheißen hat" war eine bittere Stimme vom Kutschbock zu hören ... Stunde um Stunde verging.

Perainefurten ... welch Ironie - eine späte Strafe für die Klinge in der Statue?

Wer von diesen Leuten hier mochte wirklich ein Dämonenpaktierer sein? Wer war Deserteur? Wer saß am Ende gar völlig "unschuldig" in diesem Wagen?

War der einzige Unterschied zwischen Zwölfgöttergläubigen und "Paktierern", dass erstere vorgaben etwas zu sein, dass sie nicht sind?

Eine junge Frau, kaum jünger als ich es selbst war rückte zu mir herüber und schmiegte sich unvermittelt an mich ... ich werde den Glanz in ihren braunen Augen nie vergessen als ihre Lippen einen Satz formten dem ein Lächeln folgte, dass alles heißen konnte: "Ich habe keine Angst."

Eine Weile blieben wir so liegen ... bis ich bemerkte, dass auch ihr Körper nun reglos war.

Ich lehnte ihren Leib an den Leichnam des Greises - heute weiß ich was es mit ihrem letzten Satz auf sich hatte ... ich habe mich oft und eindringlich mit seinem Sinn beschäftigen müssen.

Damals jedoch erschloss sich mir der Sinn noch nicht ... doch der Tod ... so viel Tod - auf einmal musste ich über all das schmunzeln ... mehr aus Verzweiflung als sonst etwas - Resignation.

"Wen wollt ihr in Perainefurten überhaupt noch hängen, wenn ihr uns jetzt schon alle verrecken lasst?" kam es auf einmal über meine Lippen, "Ich habe 2 Jahre für dieses Land und eure Götter als Soldat gekämpft - ist das der Dank?"

Wegen mir legte der Wagen eine kurze Sonderpause ein ... und wieder hagelte es Fäuste und Stiefel ... und wieder verlor ich das Bewusstsein.

Als ich es wiedererlangte sollte alles anders sein.



"Steh auf!" tönte es gebieterisch über mir.

Ich konnte nicht aufsehen - ich konnte mich nicht einmal bewegen ... alles was ich sah war in einiger Entfernung der Wagen mit dem Käfig - finstere Kämpfergestalten standen um ihn herum.

"Da hört wohl einer schlecht was?" war die Stimme über mir wieder zu hören - eine Klinge wurde gezogen.

Mir war schlecht - ich hatte das Gefühl ständig kurz vor dem Erbrechen zu stehen ... zudem stank es - nach Verwesung.

"Hmm ... na gut" - die Klinge wurde zurück gesteckt, oder aber eine zweite Klinge gezogen - "der taugt auch nicht mehr für die Arena ... Opfer ... alles - alle hier Opfer - für etwas anderes sind sie nicht mehr zu gebrauchen."

"Harbold" ertönte eine zweite säuselnde Stimme wie tausend Nadelstiche.

"Ja Meister?"

"Es ist gut, dass ich diese Sturmfaust anführe und nicht ihr Harbold" - eine seltsame Betonung war das die diese Stimme benutzte.

"Selbstverständlich Meister."

"Das ist ein Berührter Harbold - kannst du dir vorstellen wie betrübt der schwarze Drache darüber wäre, stieße ihm etwas zu?"

"Ein Berührter, Meister?"

"Es ist gut, dass ich diese Sturmfaust anführe und nicht ihr - Ressourcen wollen ausgenutzt werden. Opfert den Rest gleich hier!"

Plötzlich gewann die Stimme eine bestialische Härte.

"Aber Meister - der schwarze Drache hat ..."

"Opfert sie MIR!"

Ein Berührter - was ist das?

Langsam umfing wieder Dunkelheit meinen Geist.



Manchmal überschlägt sich im Krieg die Ironie ...

Jene die von den reichtstreuen Tobriern als "Paktierer" und "Dämonengünstlinge" gehängt werden sollten, wurden am Ende von eben solchen als billiges Reservoir neuer Lebensenergie dahin geschlachtet - nicht einmal einen Opferaltar gönnte man ihnen.

Die Zeit als Zazins unheilverkündendes Säuseln zum ersten Mal an mein Ohr Drang war auch die Zeit in der sich im tobrischen Sprachgebrauch ein neuer Begriff durchsetzte: Schwarztobrien.

Der Krieg war verloren für Tobrien und auch der Untergang des gesamten Mittelreiches schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein - mit ungezählten Legionen marschierte der Dämonenmeister Borbarad auf die Trollpforte zu - in Richtung des Herzens der kaiserlichen Herrschaft: Gareth.

Doch schon zu dieser Zeit tat sich in den Reihen der "Dämonengünstlinge" ein Konflikt auf - ein Konflikt von dem man im Westen nichts weiß und der für die praiotische Inquisition oder jeden beliebigen Menschen der durch die Hände der schwarzen Horden sein Ende findet wohl auch niemals etwas zur Sache täte.

Das Lager jener die die Macht der Dämonen für sich nutzten begann sich schon damals in 2 Fraktionen zu spalten - auf der einen Seite standen die Borbaradianer ... so lange ihr großer Inspirator der Halbgott Borbarad lebte und über die nunmehr "schwarzen" Lande herrschte waren sie und ihre Auffassung des Paktes von erdrückender Dominanz.

Ihre führenden Köpfe waren zum Großteil schon Jahrzehnte vor der Reinkarnation Borbarads auf Dere Anhänger seiner Lehre von der Befreiung des Selbst gewesen - selbstverliebte und hochintelligente Einzelgänger ... die Worte "non serviam" bildlich gesprochen in ihrem alten Magierbosparano für alle Zeiten auf die Herzen gebrannt.

Ihre Auffassung von Pakten, war jene die der namenlose Gott einst ins Leben rief als er die Dämonenkrone schuf - man handelte mit den Erzdämonen aus was einem gerade gefallen mochte, doch hielt man es dabei so, dass man unabhängig blieb, dass man seinen eigenen Willen an die erste Stelle setzte und nichts auf einen Einklang des eigenen Egoismus mit dem des Paktpartners gab.

Neben dem namenlosen Gott hat nur ein einziges Wesen diese Vorgehensweise erfolgreich praktiziert: Borbarad selbst.

Alle anderen wurden nach und nach zu Sklaven der Erzdämonen, welche mit den Unglücklichen nun so verfuhren wie jene es mit ihnen zu tun beabsichtigten.

Diese Richtung des Denkens wäre für mich damals wohl tatsächlich verführerisch gewesen - man hätte wieder eine Stimme in dieser Welt der Ungerechtigkeiten gehabt ohne auch nur einen Bruchteil seiner Freiheiten aufgeben zu müssen ... wie man glaubte.

Sollte ich nun dankbar sein, dass ich ausgerechnet in die Hände der anderen Strömung viel? In dieser Hinsicht vielleicht ...

Jene Strömung war zu Anfang nur schwach, doch hinter ihr standen die Erzdämonen selbst was sie obsiegen ließ - es handelt sich hierbei um die so genannten Kultisten - das Gegenstück zu den Borbaradianern.

Die Kultisten kooperierten mit den Erzdämonen - beide Seiten glichen ihre Interessen ab und den Erzdämonen wurde formal nicht mehr auf närrische Weise eine Dominanz der Beziehung versagt die sie am Ende doch ohnehin einzufordern in der Lage wären.

Was hier heran reifte war eine finstere Partnerschaft - Tempel ähnlich der zwölfgöttlichen Kirchen - das selbe Spiel, nur von der anderen Seite aus betrieben.

Ein führender Kopf hier war der uralte untote Kaiserdrache Rhazzazor - der schwarze Drache - einer der mächtigsten Magieanwender auf Deres Antlitz - der ranghöchste Partner der Präzentorin der heulenden Finsternis: Tjakool, im Zhayad als Thargunitoth bezeichnet.

Rhazzazor wurde ein solcher führender Kopf aus einem einfachen Grund - sein Pakt setzte ihm die Klinge auf die Brust - entweder fügte er sich dem Willen Tjakools oder sie vernichtete ihn ... dass es so und nicht anders gewesen sein muss wurde mir erst sehr spät klar - gelehrt wurde uns derartiges natürlich nicht.

Als Borbarad tot und die Dämonenkrone zersplittert war, sich die Grenzen zum Westen zementierten und im Konzil von Elburum die Heptarchien abgesteckt wurden standen 4 Kultisten gegen 2 Borbaradianer ... die Skrechu stand für sich selbst.

Als der Borbaradianer Xeraan trotz der starken Kirche Borbarads in seinem Lande aus Goldgier dem Kultismus Tür und Tor öffnete konnte an dem Punkt wo sich die Warunkei, das Kaiserreich Caius Gallotas und die Lande Xeraaniens trafen mit einem Bauprojekt begonnen werden das Teil eines Planes der Kultisten war der seinerseits sehr viel früher begann - der sich schon entfaltete als der Schwarze Drache im Krieg an die 700 Humanoide verschleppen ließ die "Berührte" waren.

Ich bin einer davon.



Mauern, Folter, Angst ... so trachtete der schwarze Drache den Willen jener Berührten zu brechen denen Gold, Macht und Sklaven nicht genügten um sich Tjakool zu verschreiben.

Auch ich war unter ihnen, da ich meinen freien Willen noch zu hoch schätzte - saß in einer Zelle im Keller der "Alptraumfeste" wie der Volksmund die alte Festungsanlage am Rande Warunks gelegen nun nannte.

Ein plakativer Name für die Garnison der Drachengarde - doch wer einmal in ihren Kasematten einsaß schmunzelt nicht mehr über ihn.

Die Anlage ist im "garethischen Befreiungsstil" erbaut - das verriet mir ein gut gelaunter Foltermeister während er mir mit einem glühenden Eisen drohte.

Warum ich das noch weiß?

Weil genau das der Moment war wo ich mich wieder einmal fragte: Warum?

Warum sollte ich hier unten weiter leiden und mich sträuben wenn hier doch ohnehin nur der Tot wartete?

Was habe ich vom Leben bisher gehabt? Wie bin ich erwachsen geworden? Nicht auch knöcheltief im Blut, zumindest in den letzten beiden Jahren?

Seit ich 15 war, führte ich kein geregeltes Leben mehr, kein Ansehen, kein Geld, keine Perspektiven außer ein Leben als einsamer Waldläufer und noch viel schlimmer  ...  die Einsamkeit - keine Heimat, keine Freunde ...

Ist das mein Krieg gewesen? Nein!

Interessieren mich diese Geschichten von Göttern und Dämonen - geht mich ihr Konflikt etwas an? Nein!

Stehen nicht auf beiden Seiten Schlächter? Ja! Natürlich ... es war nicht gerade gemütlich auf jenem Käfigwagen zwischen sterbenden und toten angeblichen "Paktierern" ...

Ich habe für weniger für die Tobrier gekämpft und wurde verraten - oder nicht?

Was kann ich überhaupt noch verlieren?

Das war der Moment in dem ich mich entschloss einer der ersten Kleriker Tjakools zu werden.

Damals war ich 19 Jahre alt.



Warunk - die Kapitale des finsteren Reiches des Drachen - ein Moloch, eine stinkende Kloake aus der nur wenige Gebäude einer exotischen und düsteren Pracht empor ragen ... die Pyramide des Drachen, die Zikkurate die sich inmitten verschmutzter Straße gewaltig in den stahlgrauen Himmel erheben oft noch umgeben vom Schutt der für ihren Bau achtlos niedergerissenen Häuserzeilen ... die Arena mit ihren blutigen Kämpfen deren Sieger Stadtwachen und Menschenjäger werden "dürfen" und auf deren Verlierer die Opferung wartet - damals war von all dem noch wenig zu sehen, vor allem wurde niedergerissen und die wenigsten wussten was an den Stellen entstehen sollte, an denen man heute etliche Familien obdachlos machte.

Deutlich sieht man an all dem welchen Stellenwert der einfache Mann in der Warunkei dieser Tage genießt - er ist Fleisch, Knochen und Lebenskraft.

Der Drache braucht unvorstellbare Mengen an fremder Lebensenergie um sein Unleben fortsetzen zu können ... und er ist bei weitem nicht der einzige.

Es regiert ein schonungsloses Effektivitätsdenken - jeder Knochen muss abgeliefert werden um in den untoten Heerwurm integriert werden zu können - damals hatte ich ihn noch niemals mit eigenen Augen geschaut und seine Kraft gespürt - ich hielt ihn schlichtweg für eine profane Ansammlung vieler Untoter.

Von um die 700 die wir wie man uns sagte anfangs waren hatten sich 689 zur Kollaboration entschlossen - der Rest wurde ohne viel Federlesen geopfert.

Ganz unterschiedliche Wesen waren es die sich in zerrissenen Lumpen zur ersten Zusammenkunft auf dem Innenhof der Alptraum-Feste versammelten.

Die Drachengardisten - einstmals ein Regiment des Mittelreiches, dann eine der besten Truppenteile des Helme Haffax, nun die militärische Hausmacht des schwarzen Drachen - schauten uns skeptisch an - sie waren es gewohnt die Herren zu sein - Leute die aussahen wie wir wie Tiere oder noch schlechter zu behandeln.

Jetzt wurden manche von ihnen vielleicht unruhig ... man setzte ihnen etwas vor die Nase, dass diese gutgerüsteten Kämpen erschaudern ließ - und der Umstand, dass ich zu diesem etwas gehören sollte ließ wiederum mich erschaudern.

Warum zwang das Leben mich auf diesen Weg? War das die Macht Tjakools?

Die meisten von uns waren Menschen ... einige Halb-Elfen, eine Hand voll Orks - auch Zwerge waren zu sehen.

Ich sah mir dir Gesichter der Männer und Frauen an die Kleriker Tjakools werden würden ... manche sahen aus wie Soldaten, manche wie Bettler, einige auch weit edler in ihren Gesichtszügen ... sie alle standen dort in Ungewissheit was es mit ihrer Zukunft auf sich haben könnte.

Ein Schwarzgewandeter sprach zu uns ... er sprach vom Wert des Lebens - das war das erste wovon er sprach - wie wertvoll doch unser Leben wäre, sodass Tjakool es auf ewig erhalten möge und wie unwert anderes Leben ist - unwertes Leben - Ressource ... Tjakools Kult ist der Kult des Lebens - des Sieges über den Tod.

Er sprach von schrecklichen Dingen, doch er tat es freundlich - beantwortete Fragen, wusste mit fast jedem Satz zu überzeugen so sehr man sich dagegen auch zu sperren suchte.

Ist es schlimm untot zu werden oder ein Morcane? fragte ein junges Mädchen mit matt glänzenden Augen, kaum 16 Jahre alt, leise - Teile ihres Rückens und ihres Gesichtes waren mit Narben und Wunden überzogen ... älteren - keinen frischen aus den Kellern der Feste.

Aber nein, sagte der Alte - nein, das ist es nicht - du bleibst wer du bist - du musst dich nicht von Wesen erpressen lassen die Glauben die Schlüssel zu irgendwelchen Paradiesen in ihren Händen zu halten! Lass los! Schreite voran im Sinne Tjakools und du bist unsterblich kleines Fräulein! Der Grund warum wir Menschen verlieren ist, dass es Götter gibt die uns durch ihre Vermessenheit zu glauben uns UNSER Recht auf UNSER Leben aus den Händen nehmen zu können diesen Blutzoll abpressen - doch wenn du vertrauen hast und die Hand fest ergreifst die dir geboten wird, dann wird sie zu der deinen Hand werden - dann wird sie Golgari - verflucht soll er sein - für dich den Hals umdrehen - dann wirst du leben - ewig ... du wirst ewig leben in einer Welt von Wesen die so stark sind wie du - du weißt es vielleicht noch nicht aber du bist eine junge Auserwählte allein durch das was du bist und was dir keiner nehmen kann Selina.

Er kannte einen jeden von uns mit Namen ...

Wie schwer ist es Menschen die tausendfaches Morden mit ansahen und dutzendfachen Verlust erlebten mit dem hohen und heiligen Ziel des ewigen Lebens zu niederen Taten zu locken?

Wie schwer ist es Menschen die in diesem Krieg heranreiften zu Schlächtern und Despoten zu erziehen? Menschen die all zu oft wie ich nichts zu verlieren hatten - entwurzelt waren und vom Leben betrogen? Versteht man das im Mittelreich nicht?

Ich weiß heute nicht mehr ob ich mir diese Fragen damals stellte, aber heute stelle ich sie mir.

Der Alte damals lächelte - einnehmend ... und er sprach weiter und weiter ... genau wie Jahre zuvor auf der Lichtung - ja ... ich erkannte ihn wieder.



"Wie geht ein Anhänger Tjakools dem Tode entgegen? Novize ... Ancoron?"

"Er hat keine Angst, Meister Zazin, denn für ihn gibt es keinen Tod."

"Fast ... das kommt auf seinen Nutzen an - für uns gibt es keinen Tod, aber das heißt nicht, dass es ihn für jedwede Kreatur nicht gibt die glaubt im Dienste Tjakools zu stehen - ihr Versprechen gilt für die Würdigen ... und das sind wir ... würdig - Novizen! Habt ihr Angst?"

"ICH HABE KEINE ANGST!" donnerte es dem skurrilen Reptil aus den 30 Kehlen des Unterrichtskonzils dem man mich zugeteilt hatte entgegen.

Die Glaubenssätze Tjakools ... wer sie einmal auf diese Weise lernte den begleiten sie - ob er sich nun für oder gegen sie entscheidet.

Ich hatte viel zu ertränken in mir, was die letzten Jahre anging - das wurde mir erst jetzt richtig bewusst ... Wein und Huren waren es in meinen Anfangstagen im Konzil denen ich nach dem Unterricht zusprach ... die Huren taten es sicherlich gern mit einem vielversprechenden Mann wie ich es wurde ... so etwas sagte man sich - oft lies es einen jedoch alles einfach frösteln.

Wir lernten viel - Glaubenssätze, Mythen und wieder Glaubenssätze - man lehrte uns die borbaradianische Form der Magie - die verbotenen Pforten ... wir lernten Zauber mit unserer Lebenskraft zu weben.

Das erste mal zu zaubern war für mich überwältigend ... es war ein Heilzauber - ein Heilzauber weil das wertvollste auf Deres Antlitz das Leben ist - das ewige Leben, das niemals endet.

Es gab mir ein Gefühl unendlicher Macht diesen Zauber auf mich selbst gewirkt zu haben ... obgleich mir dabei das Blut aus den Nasenlöchern drang - der Preis der verbotenen Pforten.

Endlich war ich jemand ... ich merkte, dass mir dieses Gefühl lange Zeit über gefehlt hatte - wir alle wurden auf dieser Grundlage immer stärker zu einer Gemeinschaft - wir waren die Lebenswerten, die Herren - wir werden ewig leben - mit Theriak aus dem Norden mussten wir keine Verwesung fürchten sollten wir sterben - sollten unsere Körper sterben würden wir Morcanen werden - Herren der Alpträume - wir würden wir selbst bleiben - all das lehrte man uns ... 25 Menschen, 2 Zwerge, ein Ork und ein Halbelf denen der Krieg übel mitgespielt hatte fanden hier Zuspruch, Beachtung und die Chance auf Macht die man sich bisher niemals erträumte. Warum gerade wir? fragten wir uns damals oft, die wir noch nichts davon wussten "Berührte" zu sein ... auch mir war dieser Begriff nicht mehr gegenwärtig ... wir alle erlagen.

Wir lebten auf dem Lande - in den grünen Hochwäldern ... von den Dingen die in Warunk und anderen Städten und Dörfern geschahen wussten wir nichts - damit wollte man warten bis wir genau genug verinnerlicht hatten WELCHES Leben am Ende nun wertvoll ist ... und welches nicht.



Lysandra ... dieser Name bedeutete für mich Liebe - meine erste Liebe nach 5 langen finsteren Jahren - damals war ich 20 als wir uns kennen lernten.

Sie erinnerte mich frappierend an die junge Frau vom Wagen der Weißtobrier die in meinen Armen starb ... sie hatte den gleichen Glanz in ihren braunen Augen ... ein hübsches Gesicht, ein hübscher Körper und vor allem seit endlos langer Zeit ein Mensch dem ich mich anvertrauen konnte - Freundin, Partnerin ... wie lang konnte ich mein Leben mit niemandem mehr teilen?

Es war damals das erste Mal, dass ich vom Tod meines Onkels und meiner Tante und vom Tod Marianas und ihrer Familie sprach - vom Ende Lanman'Urts ... damals war ich sehr stolz darauf auf die Peraine-Statue eingedroschen zu haben ...

Lysandra hatte ähnliches erlebt ... sie musste zusehen wie ihre Mutter von Bannstrahlern bei lebendigem Leibe verbrannt worden war - und ihr Vater?

Sie sagte er hätte eine besondere Gabe gehabt - die Gabe den Menschen zuzuhören, ihre Gedanken zu erkennen und ihnen Zuspruch angedeihen zu lassen.

Er wütete nun als Morcan in den Träumen der "Götzenknechte" des Westens - sein Körper fiel einem getarnten Inquisitor aus dem immer noch unbesiegten weißtobrischen Perainefurten zum Opfer ... ich lernte ihn 2 mal kennen - einmal auf einer Waldlichtung und einmal auf dem Hof der Alptraum-Feste ...

Perainefurten ... die Stadt in der man mich unschuldig hängen wollte - die Stadt der Göttin, der ich damals die Schuld am Tod meiner Familie und der Vernichtung meiner Heimat gab - warum sind diese Feindbilder die sich da aufbauen für einen Mittelreichler nur so unverständlich?

Lysandra war eine von 18 Novizen die noch zu uns stießen - Berrührte die freiwillig kamen ... Menschen aus einer neuen Oberschicht aus Nekromanten und Menschenhändlern ... so unglaublich das auch klingt - für uns hörte sich das damals nach Aufstieg an ... der Krieg war vorbei ... wir konnten zaubern, keiner dachte mehr an Verrat ... wenn ich nicht ohnehin der einzige war der es je getan hatte.



Ich war 23 als ich vor den Toren des Pandämoniums stand - dem Hort der Macht aller Erzdämonen auf Dere - dem Fokus durch den wir Berrührte als erste Wesen in diesem Zeitalter die Initiation zu Klerikern einer Erzdämonin erhalten sollten.

Was Berrührte sind, dass wussten wir inzwischen - Wesen an denen auf unerklärliche Weise ein Hauch des Totenreiches haftet - die Nachfahren von Limbusreisenden oder wie mancher mutmaßte gar Träger von Seelen die schon einmal das Jenseits sahen.

Tatsache war - unsere Seelen waren im Kontrast zu fast allen anderen fähig sich mit dem Yak-hai - der Energie Tjakools zu verbinden.

Der Moment unserer Initiation (die Worte "Weihe" oder gar "Geweihte" wurden bei uns massiv gemieden) war von langer Hand geplant worden.

Ich sah niemals zuvor ein Bauwerk wie das Pandämonium und ich werde es wohl auch nie wieder tun ...

Wie soll man diese Ausmaße, diese Komposition an Formen in Worten treffend wiedergeben?

Die Hallen waren so hoch, wie mancher Weiler breit ... im Sanktuarium Tjakools traten wir in ihren Nexus - erklärten wir alle in blutrote Gewänder gehüllt und mit den Insignien Tjakools - der Lebensglyphe Ankh aus der alten Sprache der Kemi und der Spinne im Netz - angetan feierlich unseren Pakt ... das Yak-hai kam über uns - es drang in uns.

Seit diesem Tage ist es ein Teil von mir.

Vor der Initiation war mir schlecht vor Angst ... Lysandra ermutigte mich ... mit ihr war ich an eine kompromisslose Fanatikern geraten, die sich dennoch um mich bemühte wie es sonst wohl nur sorgende Mütter tun - vielleicht war dies auch einer der Gründe der mich dazu trieb diesen fatalen Schritt wirklich zu gehen und nicht schon im Vorfeld der Initiation mit der trügerischen Sicherheit meines "neuen Lebens" zu brechen.

Als wir aus dem Nexus Tjakools heraus traten spürten wir für uns bisher undenkbare Kraft und Macht in uns ... wir waren nicht mehr die Wesen als die wir in den Nexus geschritten waren.

In den Studienhallen des Pandämoniums hielten wir uns gemeinsam mit Dämonen auf - wir opferten Menschen - ICH opferte eine Frau - um die 30 ... der Terror den sie erleiden musste hatte sie früh altern lassen ... die (wie wir glaubten) letzten Geheimnisse wurden uns enthüllt - Lysandra war sehr stolz auf mich ... trotzdem wusste ich im Nachhinein einen Fehler gemacht zu haben ... und das Yak-hai ... mir wurde klar, dass ich es niemals wieder los werden würde.

Ich war hin und her gerissen ... ich betete mir selbst die Glaubenssätze wieder vor die man mich seit Jahren lehrte in der Hoffnung die Gräuel die ich begehen musste guten Gewissens begehen zu können ... ich war Gräuel aus dem Krieg gewohnt, aber dennoch bäumte sich hier etwas in mir auf.

In unserem reich ausgestatteten Quartier wartete eine lächelnde Lysandra auf mich ... sie hatte für mich einen großen Wandbehang gestickt mit einem Panorama der nördlichen Wälder von denen ich ihr erzählt hatte - neben den Studien für ihre Initiation - in ihrer freien Zeit die sie nicht schon mit mir verbrachte - das musste Monate gedauert haben. Sie sagte, dass ihr klar sei wie schwer mir manches rund um die Opferungen gefallen sei ... ich sollte wissen, dass sie mich immer unterstützt ...

Das alles war so skurril - doch in diesem Moment entschied ich mich - wieder einmal ... bis zu Lysandras Tot tat ich alles was ich im Auftrage des schwarzen Drachen und der Präzentorin der heulenden Finsternis tat ohne Gewissensbisse.



Man lehrte uns Liturgien und Zauber - viele Zauber ... je stärker das Yak-Hai in uns würde um so mächtiger würden sie werden und um so mehr neue Zauber offenbarte uns das Yak-hai aus sich selbst heraus während wir uns in der Meditation in es versenkten - ich war 24 als ich mich als vollwertiger Kleriker Tjakools betrachten konnte.

Die brutale Diktatur des schwarzen Drachen hofierte uns - wir zogen in das größte der neu erbauten Zikkurate Warunks ein - nicht der alte schon seit Kriegstagen bestehende Bund der Nekromanten sondern wir ... die Warunkei die nach wie vor ein reiches Land war wurde gnadenlos ausgepresst - die Menschen verhungerten in den Straßen und ihre toten Körper wurden von "Beinwarten" und "Knochenvögten" dem Heerwurm zugefügt ... wir hatten alles.

Wir gehörten zu der kleinen Gruppe von Dingen auf die, die Potentaten der Warunkei stolz waren ... statt mit "Novizen" redete man uns nun wie die Magier auch mit "Nekromanten" an - viele nannten uns auch "Blut- oder Spinnenvögte".

Die Welt da unten? Was sahen wir schon von ihr? Wir lebten in einer anderen Welt als die Menschen in Warunks Straßen ...

Was zu uns empor drang waren die Stimmen des Yak-Hai - sie waren von einer exotischen Schönheit.

Untote vermochten uns nicht zu schrecken ... wir waren ihre Heermeister oder aber es waren welche von uns die so zurück kamen nachdem sie ausgeritten waren - man hatte uns diese Prozesse Jahre lang vorgebetet, hatte uns in Bezug auf ihre Begrüßung indoktriniert ... das muss man verstehen.
Wir hatten ein Gewissen ... nur, dass uns unser Gewissen biss, wenn wir einen Freund nicht mehr wie früher behandelten weil er nun ein Theriak-konservierter Leichnam war ... das sahen wir als Makel ... wenn irgendwelche menschlichen Ressourcen vor den Toren des Zikkurats starben war das nichts worüber man sich Gedanken machen musste.

Und letztlich? Wenn die Chance zu helfen bestand? Die Menschenjäger vor denen das Volk zitterte, warfen sich auf den Boden wenn sie einen von uns sahen, ob sie gerade in einer Schlammpfütze standen oder nicht ... ich habe sie jedes Mal weg geschickt ... jedes Mal Menschenleben gerettet - Lysandra musste es ja nicht erfahren ... sie diente inzwischen in der Pyramide des Drachen, oder besser gesagt an den Opferaltären davor.

Ich hingegen begann in den Straßen Warunks bisweilen auch Menschen zu heilen in denen ich Potential sah - sollten Drachengardisten oder gar Menschenjäger es etwa wagen zu widersprechen?  - zu meiner Schande brachte ich ihnen jedoch auch Lehrsätze Tjakools näher ... wenn alles Leben würdig wird hört das Sterben auf, dachte ich damals ... das unwürdige Leben ist schuld und nicht wir ...

Den hohen Nekromanten oder gar dem Drachen war es doch gleich was einer von uns auf der Straße tat - ob er den Menschen nun half oder sie mordete und vergewaltigte - die Grausamkeit ist in Warunk nicht normativ - die Gleichgültigkeit in jeder Hinsicht gegen die Schwachen ist es.

Abends sahen Lysandra und ich uns betrunken in der Arena die Kämpfe und bisweilen auch ein neueres Theaterstück geschrieben für die dekadente Oberschicht an ... wir lernten Kleriker des Tyakra’man  kennen - der Dämonenkaiser Galotta hatte also nachgezogen ... in diesen Momenten war die Welt wieder in Ordnung.

Blutvogt Ancoron wollte im Exzess der wenigen Gewinner der brutalen Terrorherrschaft seiner Herrn - im Reigen aus Mördern, Säufern, Sadisten und Hurenböcken die neue glückliche Gemeinde der Unsterblichen Tjakools erkennen - er war mit ihnen auf du und du ... er stand auf der Pyramide des Grauens zu weit oben um noch Bodenhaftung zu haben.

Ja ... inzwischen war er wirklich ein anderer Mann geworden, oder vielleicht einfach nur erwachsen? So dachte er damals zumindest ... er ... war das wirklich noch ich?



Wie kam es zum Bruch mit all dem?

Was rettete mich davor die letzte Schwelle zu überschreiten nach der das Yak-Hai mich glauben machte alles was ich tat sei das ultimativ richtige - an dem es in meinem Körper einen ständigen Rausch entfaltete der mich in Lächeln und Extase durch die Welt ziehen ließ, mit betäubtem Gewissen und blutigen Händen?

Lysandras Tod war es der mich rettete ... der Krieg der zurück kehrte für einen kleinen Moment.

Alles begann mit einer Begegnung die mich auf den Höhepunkt meiner Verblendung führte - vor Warunk hielt der endlose untote Heerwurm Heerschau - ein Ozean von Stimmen ... durch das Yak-Hai konnte ich sie hören - die Stimmen von über hunderttausend untoten Wesen ... ein Gewirr, dass sich in regelmäßigen Abständen zu Rhythmen und Gesängen formte - gleich einem Sturmwinde - dies hier trieb mir die Tränen in die Augen.

Viele Mittelreichler würden gerne glauben die Untoten klagten und weinten in ihrem Zug ... doch dem ist nicht so ... sie feiern in exstatischer Blutgier Tjakool ...

Zum ersten Mal sah ich Rhazzazor, den gewaltigen Drachenlich ... er saß auf den neuen Stadtmauern Warunks und seinen Augen entging NICHTS - wir wussten, dass er fähig war durch jedwede Finsternis und selbst durch Wände hindurch zu spähen.

Rhazzazor - der Schrecken so vieler Lebewesen richtete nur einen einzigen Satz an mich ... an uns ... an seine Kleriker, seine "Lieblinge" und "Schützlinge" wie es schien - er sprach selbst - er ließ nicht durch andere sprechen indem er die Kontrolle über ihre Körper übernahm ... wir waren würdig, seine Stimme zu hören in seinen Augen: "Meine tapferen Kleriker - die Herrin erfreut sich an eurem Tun - seht was ich für euch habe!"

Und wir sahen ... den Heerwurm im fahlen Mondesschein ... seine Chöre und Gesänge - wir spürten die Anwesenheit der Nephazzim ... ungezählter Nephazzim wie sie über der Ebene schwebten und ihre unsichtbaren Geistesarme in den Heerwurm senkten - die Stimmen und die Massen ordneten, wir hörten sie aus diesem Meer an Eindrücken heraus - das war der Punkt an dem ich kurz davor war ... kurz davor zu werden wie meine geliebte Lysandra.

Was mochte der Drache in diesem Augenblick sehen? fragte ich mich ... er konnte in die Welt der Geister schauen wie auch wir es noch erlernen sollten - ein Ozean der Luminiszenz mochte sich unter seinen alles durchdringenden Blicken entfalten.

Hernach jedoch wurden wir ausgeschickt - 5 von uns sollten Perainefurten angreifen ... ohne den Heerwurm - ihn zu steuern wären wir noch nicht in der Lage - man könnte mit ihm nur des Nachts marschieren - dafür war der Einsatz nicht wichtig genug ... letztlich hatte man ihn uns wohl nur gezeigt um vor der ersten Bewährungsprobe der neuen Kleriker die Moral zu festigen - dies mag der gleiche Grund sein aus dem der schwarze Drache selbst zu uns sprach.

Wir nahmen einige Untote und Truppen der Drachengarde samt Katapulten mit ... alles kuschte vor unseren selbstherrlichen Befehlen - ein Fehler der letztlich zur Niederlage führte - wir standen erfahrenen Kommandanten gegenüber.

Hinzu kam eben jener größte Wendepunkt in meinem Leben den ich schon zu Anfang meines Berichtes anklingen ließ als ich sagte die Zerstörung Lanman'Urts durch das Eis würde an Gewicht noch durch eine Zäsur übertroffen ...

In der ersten Nacht nahmen wir einen Trupp Mittelreichler gefangen die anscheinend das Lager auskundschaften wollten - Lysandra und ich waren für ihr Verhör zuständig ... wir thronten auf den großen Stühlen in unserem Zelt, eingerahmt von Drachengardisten in ihren schwarzen Harnischen die auf unsere Fingerzeige warteten ... und dennoch schaute ich auf einen blonden bärtigen vor mir knienden Mann herab, zu dem ich bildlich gesprochen aufschauen musste wie im Laufe des Gespräches offenbar wurde.

Dieser Mann verstand es im Verhör, dass von mir geführt wurde während Lysandra schwieg, wunde Punkte in mir zu finden ... Zweifel zu wecken - unglaublich aber wahr - dieser Mann der sich als einfacher Soldat ausgab manövrierte mich aus als könnte er mit seinen Augen die Wahrheit in allem Leben schauen ...

Lysandra strich mir über die Hand, lächelte und sagte sie würde dem nun ein Ende machen ... sie stand auf ... als sie sich anschickte dem Mann die Kehle durchzuschneiden, traf sie wie aus dem Nichts eine Feuerlanze ins Gesicht - etwas presste mich in den Stuhl und schleuderte die Gardisten nieder - die Untoten zerfielen zu Staub ... Lysandra wand sich am Boden - ich wollte sie heilen, doch schon raste eine weitere gleißende Lanze in meine Richtung ... ich wich aus.

Der blonde Bärtige stand nun in der Mitte der Mittelreichler ... seine Begleiter schienen vom Feuerinferno nicht verletzt zu sein und sie standen zwischen mir und Lysandra.

Ich lud meine Hände mit meinem Hass - mit dem tödlichen Sog des Yak-Hai - die ersten beiden die auf mich zustürmten wurden bei der ersten Berührung ohnmächtig, oder starben gar um vom Yak-Hai in die Seelenmühle gerissen zu werden - ich erhob mich.

Damals glaubte ich noch siegen zu können - doch was war geschehen? Die kleine selbstgefällige finstere Diktatur des schwarzen Drachen war stolz auf ihre Kleriker ... und ja .. würden sie sich entfalten und Erfahrungen sammeln können, könnte ganz Aventurien vor ihnen zittern.

Hier jedoch stand ich einem Inquisitor des Praios gegenüber ... ein Galotta oder ein Xeraan hätten dieses Zelt als Sieger verlassen ... ich jedoch nicht.

Eine Frau stürzte sich mit einem Säbel auf mich - das Yak-Hai war wieder aus meinen Händen gewichen - so sollte sie Tjakools Atem spüren - aus meinen Munde drang der lila-leuchtende Rauchkegel der sie zu Boden gehen und sich vor Erbrechen schütteln ließ.

In diesem Moment beendete der Inquisitor eine Formel die alles veränderte - Exzorismus ... das Yak-Hai in mir war nicht fort jedoch zum schweigen gebracht - ich hörte die Stimmen der kämpfenden Untoten nicht mehr ... seine Begleiter waren Tod oder langen am Boden - gleiches galt für die meinen - das Zelt war über uns schon fast abgebrannt und um mich sah ich eine Schlacht die sich zu unseren Ungunsten entwickelte - die Weißtobrier hatten die Festnahme des Inquisitors geplant um ihn einzuschleusen und das Signal zum Überraschungsangriff geben zu lassen.

Sollte ich genauso enden wie Lysandras Vater?

Die Knie wurden mir weich ... plötzlich stürzten Zweifel auf mich ein ... Zweifel über Zweifel ... der Himmel war rot von den Feuern brennender Untoter, Katapulte und Zelte ... das Yak-Hai war zurück gedrängt - plötzlich war das Entsetzen da ... das Entsetzen über mich selbst ... ich wollte nicht allein sein ...

Unter den Augen des Inquisitors kroch ich zu Lysandra hinüber – ihr einstmals so schönes und ebenmäßiges Gesicht war zu einer Fratze verbrannt - ich sagte ihr sie solle mich jetzt nicht allein lassen ... was sie sagte schockierte mich: "Kein ... Leben ..." dann ließ sie den Kopf zur Seite fallen - ich schrie sie an "Lysandra! Nein! Ich habe keine Angst! ... Ich habe keine Angst! Lysandra! Ich habe keine Angst!" ... ich konnte sie nicht wieder ins Leben holen ... das Yak-Hai in mir war verstümmelt und kroch verängstigt vor Praios Macht.

"Empfange deine Läuterung" sprach der Inquisitor ... doch im selben Moment stürzte sich ein Leichnam auf ihn, riss ihn zu Boden und rollte sich ab wie eine Raubkatze - das Yak-Hai in ihm war noch mächtig ...

Und ich?

Ich drehte mich um und lief - und lief ... und lief ... immer weiter ohne Acht darauf zu geben wohin - ich flüchtete nicht vor dem Tod sondern vor mir selbst.



Ich musste lernen zu leben mit den Dingen die ich tat - das Yak-Hai in mir erholt sich fortwährend, doch bin ich heute nicht mehr der Mann der ich in Warunk war.

Es ist leicht "gut " zu sein, wenn man nie etwas verloren hat - wenn man in Gareth oder Vinsalt aufwächst - wenn die geliebten Eltern (und seien es auch die Pflegeeltern) nicht dann sterben wenn man sie am nötigsten braucht.

Wenn man sich schon mit 15 Jahren ganz allein durchschlagen muss ist vieles nicht so einfach ... in Tobrien und teilen Araniens sowie sicher auch in ganz besonderem Maße auf Maraskan hat der Krieg eine Generation von Menschen zurück gelassen die auf Schlachtfeldern, in Unterständen oder in der Gosse groß wurden - die in Waffen gezwungen für welche Seite auch immer schnell die härteste Seite des Lebens kennen lernen mussten - für diese Menschen ist es nicht leicht "gut" zu sein - sie suchen nach Orientierung und Sicherheiten und sind es dennoch gewohnt zu leiden und Leiden zuzufügen.

Auf diesen Menschen fußen heute 7 Heptarchien ... die Warunkei ist die grausamste von allen.

Warum haben wir Tote beschworen? Wir nutzen die Lebensenergie - die primitivste aller Energien und doch die heiligste wie man selbst uns auf unsere Weise lehrte ... Tjakools Jünger fragten selten nach Ästhetik - sie fragten nach Effektivität - bei uns gab keine alte Garde der Borbaradianer - wir waren die zweifelhafte Avantgarde einer entwurzelten Nachkriegs- und Flüchtlingsgeneration die sich dem Zwang eines schwarzen Drachen beugte.

In Xeraanien herrschen die Händler und Piraten sowie eine mächtige Kaste alter Borbaradianer. Letztere sind dem was wir taten moralisch überlegen - da bin ich mir sicher ... diese Borbaradianer hätten nicht die Verbrechen begangen die wir begingen.

Ich wünschte nur das wäre möglich - die Menschen unabhängig zu machen von den Göttern und  doch nicht zu Metzgern werden zu lassen ...

Wird die alte Kirche Borbarads vielleicht unter den freien geringeren Dämonen noch einen finden der bereit ist dem Leben um seiner selbst Willen zu helfen - das große Ziel des ewigen Lebens zu verwirklichen ohne die Fehler die wir begingen?

Die Bukanier, die Piraten Xeraaniens haben einen Ehrenkodex ... die Händler dort sind geldgierige Säcke, doch nicht fähig zu dem was in der Warunkei geschah.

Kaiser Galotta hat Yol-Gurmak errichtet - hat seinen Bürgern Ordnung und Gesetzte gegeben - dort liegt kein noch so kleines Stück Unrat auf den Straßen ... vielleicht ist all das ähnlich wie ein daimonides Gareth.

Gareth ... ich habe diese Stadt des Praios noch niemals gesehen - die Macht seiner Großinquisitoren scheint jenseits dessen zu liegen was ich bisher für ein sterbliches Wesen für möglich hielt.

Was soll ich davon halten ... ich wurde über Jahre erzogen den Westen zu hassen - er wollte mich aufknüpfen obwohl ich in seiner Armee kämpfte ... und wie ich in seiner Armee kämpfte - ich denke noch heute lieber an jeden Winkel der Straßen Warunks zurück als an die Tobimora - an das Zischen der Pfeile und das ohrenbetäubende Donnern von Felsbrocken, welche geworfen von gigantischen Schleudermaschinen ganze Regimenter zermalmten und die Grundfesten der Erde zum erzittern brachten wie es uns schien.

Heute bin ich 26 - ich habe mehr als ein gutes Drittel meines Lebens nur Einsamkeit, Krieg und dann die Warunkei unter dem schwarzen Drachen gekannt.

Was erwarte ich mir von dem nach Möglichkeit ewigen Leben, dass nun vor mir liegt?

Vor allem eines: Läuterung ... ich möchte meinen Weg guten Gewissens gehen können - ich möchte mich nicht mehr vor dem Zierrat der Despoten beugen und möchte für eine Welt einstehen in welcher das Leben wirklich an erster Stelle steht.

Die Menschen sollen sich unabhängig machen von Göttern und Erzdämonen ... sie und niemand anderer haben mein Leben zum dem werden lassen was es bisher war - ohne sie könnte ich heute ein Jäger in Lanman'Urt sein - im Paradies meiner Kindheit.

Ich habe mir gelobt die Macht des Yak-Hai mit der ich doch auf ewig verbunden bin nur noch dann zu nutzen wenn es unausweichlich ist oder ich zumindest einen guten Grund dafür habe - und dann nach eigenem Gutdünken - was ich kann, da ich Tjakool nicht auf die Weise ausgeliefert bin wie es die zwölfgöttlichen Geweihten ihren Göttern sind.

Und mein Leben? Das werde ich zu verlängern wissen ... ich bin nicht auf Tjakools Gnade angewiesen mich als Lich zu erheben oder als Morcanen auf einen blutigem Thron in ihrer Domäne zu setzen - auf solchen Thronen habe ich lange genug gesessen.

Das Yak-Hai ist mein Fluch ... ich kann ihm nicht entkommen ... ich muss mit ihm leben.

Ich habe ein Pferd gestohlen, habe meine aquirierte neunschwänzige Peitsche die mich als Kleriker Tjakools ausweist verkauft und dafür gute Kleidung, Waffen, Reisezubehör und einige Dukaten erhalten, welche die Währung des Mittelreiches darstellen - mein Schwert der Drachengarde habe ich behalten - warum auch nicht? Es ist einfach ein Schwert und einen Stahl wie diesen werde ich so schnell nicht wieder finden.

Die Welt ist groß ... keiner hält mich mehr - ich möchte einen Neuanfang machen.

Was ist mit den Elfen? Ihr Salasandra soll vom Yak-Hai nicht sehr verschieden sein - können sie mir Frieden bringen? Kann ich einer von ihnen werden? Wo werde ich andere Elfen kennen lernen können? Ich hörte sie sind unsterblich ... kann ich ein reinblütiger Elf werden? Könnte mir die Chimärologie dabei helfen?

Oder sollte ich das Yak-Hai in mir am Ende doch akzeptieren? In mir ist noch immer eine Stimme die Lysandra dem Totenreich wieder entreißen möchte - in mir fließt eine Macht die es bald wieder möglich machen könnte ...

Wie soll ich mich entscheiden?

Was kann das eigentlich noch heißen - ein "Berührter" zu sein?

Wer bin ich wirklich?
 
 
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