Der Stein des Anstoßes

GeschichteHumor / P18
Crysania Raistlin Majere
02.07.2006
17.09.2006
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02.07.2006 7.208
 
Disclaimer: Die Figuren gehören nicht uns, sondern zu den Büchern von Drachenlanze von Margaret Weis und Tracy Hickman, sowie alle genannten Orte und Gebäude.

Der Stein des Anstoßes


geschrieben von Elbenstein1978 und Zakal Arcanum


1. Kapitel
Die Vision



Stimmen, Flüstern, umgeben von Dunkelheit bewegte sich Ariakans Geist durch seinen eigenen Traum. Gefahr, er spürte es, denn seine Nackenhaare sträubten sich. Die Stimmen flüsterten es ihm zu. Vor sich und um ihn herum tauchten Bilder auf, wirbelten wie Schneeflocken im Sturm durcheinander und hielten dann für einen Herzschlag still. Er sah einen grauen unscheinbaren Stein auf einem Altar aus Granit, umgeben von Bäumen, dann wirbelte das Bild weiter. „Wir zeigen dir den Weg“, flüsterten die Stimmen, von denen er nicht sagen konnte, ob es Männer oder Frauen waren. Er versuchte zu hören woher sie kamen, doch mal waren sie nah und mal fern. "Schau!", flüsterte eine direkt neben seinem Ohr und als er herumfuhr um zu sehen wer dort war, erblickte er nur ein weiteres Bild, das wie gefroren in der Luft hing. Er erkannte eine Frau, sie hielt eine Maske in der Hand und trug ein schwarzes Kleid. Ihr Haar war blutrot und reichte über ihren gesamten Rücken hinunter.
„Celina, Celina, Celina“, flüsterten die Stimmen im Chor. Dann herrschte plötzlich wieder Schweigen und es schien ganz so, als hätte der Wind aufgehört zu wehen.
"Schau!", wisperte erneut eine Stimme neben seinem Ohr und als er wieder herumfuhr, erspähte er an dieser Stelle ein zweites Bild. Ebenfalls eine Frau, sehr jung in ihrer Erscheinung, schwarzes, langes Haar, ein schwarzes Kleid und auch sie hielt eine Maske in der Hand.
„Annabell, Annabell, Annabell“, sagte der Chor immer wieder und plötzlich schwollen die Stimmen zu einem kreischenden Sturm an. "Finde sie", fauchte der körperlose Chor so laut wie ein ganzer Orkan. Schweißgebadet erwachte Ariakan aus seiner Vision und schoss hoch, so dass er senkrecht im Bett saß. Er musste erst mehrmals tief Luft holen bevor er realisierte, dass er das alles nur geträumt hatte. Draußen tobte ein Gewitter und mit einem Mal wurde sich der Ritter gewahr, dass das mehr als ein Traum sein musste. Viel zu real waren die Bilder gewesen. Eilig stand er auf, zog sich an und schritt in den dunklen Korridor hinaus. Er musste mit der Hohepriesterin reden und zwar sofort.

Wind wehte, er fegte über eine leere und ausgedörrte Steppe hinweg. Die Sonne stand heiß am Himmel und sendete ihre Strahlen über das Land. Kein Grün von Gräsern, Blumen, Sträuchern und Bäumen soweit das Auge sehen konnte. Crysania stand auf einem Hügel mitten in dieser kargen Landschaft und schaute sich um. Der Wind wehte plötzlich heftiger und durch das Getöse der heißen Luft, die überall in diesem Land Staub aufwirbelte hörte die Klerikerin Stimmen. Sie schienen sie erreichen zu wollen, doch sie klangen wie das Klagen eines ihr völlig fremden Wesens. Crysiana lauschte. Die Stimmen kamen näher, sie konnte nicht sagen woher, aber sie schienen von überall her auf sie einzuwirken. Weder männliche noch weibliche Stimmen. So schwirrten sie um sie herum, kreisten die Klerikerin ein und legten sich wie ein Schleier um sie.
"Celina, Celina, Celina", riefen sie der Frau zu, die noch immer auf dem Hügel stand und sich verwirrt umschaute. Träumte sie oder schien es Wirklichkeit zu sein? Sie wusste es nicht, doch diese Landschaft kam ihr auf seltsame Art und Weise bekannt vor. Lange und schwere Jahre lagen dazwischen, aber sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Wieder riefen die unbekannten Stimmen zu ihr, doch sie musste hinhören, um die Worte zu verstehen, "Annabell, Annabell, Annabell", drang in ihr Ohr. Crysania verstand im gleichen Moment, dass Celina und Annabell Namen waren, weibliche Namen, aber sie kannte niemanden mit solch überaus seltsamen Vornamen. Was sollte das alles bedeuten? So setzte sie an und rief nun gleichfalls in die leere Landschaft, "Was wollt Ihr von mir?".
Einige Minuten verstrichen, während der wolkenlose Himmel sich dunkel färbte, als hätte jemand einen Schatten über die Welt gelegt. Die Sonne verblasste und an ihre Stelle trat ein Mond. Er wirkte so unwirklich wie dieses Land und erneut nahm sie ihren Mut zusammen und rief, "Was wollt Ihr von mir?". Eine Antwort, wie von einem schweren Donnerschlag folgte und antwortete, "Meine Verehrte Tochter. Die Zukunft wird schwinden und alles was jemals auf Krynn gelebt hat wird vom Angesicht der Götter getilgt. Zwei Frauen bringen die Lösung. Du musst sie suchen lassen und in diese Welt bringen. Sie kennen das Geheimnis des Lebens". Als die Stimme verstummte, wurde es plötzlich wieder heller und Crysania musste blinzeln, damit sie durch das helle Sonnenlicht nicht geblendet würde. Dann ertönte ein schriller Schrei und die Klerikerin erwachte schweißgebadet in ihrem Bett. Um sie herum herrschte die Dunkelheit, sie fühlte mit ihren Händen um sich herum und merkte, dass sie einen Alptraum gehabt hatte, jedoch einen recht seltsamen wie ihr schien. Was sollte dies bedeuten. Sie konnte alles so klar erkennen, so wie damals, bevor er ihr das Augenlicht für immer genommen hatte. Sie brauchte Hilfe um diesen Traum deuten zu können. Paladin musste helfen und vielleicht auch Dalamar. Sie stand auf, wobei ihr weißer Tiger Tandar sofort an ihre Seite kam, um der blinden Priesterin wie immer seine Hilfe anzubieten.

Einsam saß der Magier weit oben auf einem Berg. Er hörte hinter sich Schritte, doch er wusste längst wer da kam. Sie war es, die Herrin dieses unwirtlichen Ortes. Er starrte weiter hinaus über das leere Land, die Einöde unter dem orangenen Himmel.
"Womit habe ich verdient, dass Ihr mich von meinen Qualen erlöst?", fragte der Magier verbittert.
"Ich will dir einen Handel vorschlagen, denn ich denke 25 Jahre waren eine lange Zeit, vor allem wenn man sie mit 'Guck mal Raist, Hässchen' und anderen furchtbaren Erinnerungen verbringen muss", antwortete die in Dunkelheit gehüllte Frau.
Raistlin gab ein Glucksen von sich, das nur entfernt an ein Lachen erinnerte. "Ja, da habt Ihr Recht, doch warum auf einmal. Immerhin seit Ihr für Euer nachtragendes Gemüt bekannt, meine Königin", wisperte er in den Wind wohl wissend, dass sie jedes Wort hörte.
"Eine große Bedrohung steht der Welt bevor und auch den Göttern. Ich will, dass du mir hilfst", sagte sie mir schneidender Stimme und dies ließ in dem Magier keine Zweifel aufkommen, dass sie es absolut ernst meinte. "Ich will, dass du mir dienst und dafür entlasse ich dich zurück in die Welt, zusammen mit all deiner heiß geliebten Magie", schlug sie vor und klang dabei wieder so ruhig und sachlich als würde sie sich mit ihm über das Wetter unterhalten.
"Und wenn ich es ablehne Euch zu dienen. Immerhin habe ich schon mehr als einmal abgelehnt?", fragte Raistlin kalt und spürte dabei, wie ein kurzes Aufwallen von Zorn durch die Dunkelheit hinter ihm zuckte.
"Dann bleibst du hier bei deinen Alpträumen gefangen und wenn du versuchst zu fliehen, dann wirst du deine Magie und somit alles was dir jemals etwas bedeutet hat, verlieren", erwiderte die Göttin unberührt und wartete die Antwort des Magiers ab.
Lange Momente herrschte Schweigen zwischen den beiden und Raistlin wog seine Möglichkeiten ab. Er hatte in den vergangenen 25 Jahren seinen Fehler einsehen gelernt. Es war genug, verdammt war sein Stolz, er wollte nicht länger dies alles ertragen müssen. "Also gut", dann erhob er sich, wandte sich zu der vollkommenen Finsternis um und ging vor ihr in die Knie. "Meine Königin, ich bin Euer ergebenster Diener", wisperte er, wobei er jedes Wort unter größter Selbstbeherrschung hervorwürgen musste.
"Ich wünsche, dass du einen Zauber ersinnst, mit dem es mehreren Personen ermöglicht wird den Schleier der Welten zu durchbrechen. Sieh es als Zeichen deiner Loyalität an", flüsterte sie ihn sein Ohr und ward augenblicklich verschwunden. Zurück blieb ein kniender Magier, der vor Zorn eine Hand zur Faust geballt hatte, doch als er sich umdrehte und wieder auf die Ebene hinaus starrte, da ging gerade eine trübe milchige Sonne auf, doch mit dem Licht kamen nicht die üblichen Visionen und Erinnerungen. Es blieb still, nur der Wind der um den Felsen heulte. Zum ersten Mal zeigte sein Gesicht ein zufriedenes Lächeln und er ließ sich wieder nieder, um den geforderten Zauber zu erschaffen.

"Hohepriesterin, was hat das zu bedeuten?", fragte Lord Ariakan, während er nervös in dem dunklen Zimmer der Klerikerin der Königin der Finsternis in der Burg Sturmfeste auf und ablief. Der Alptraum nagte noch an ihm und er fragte sich ständig, was er zu bedeuten hatte.
"Ich bitte Euch, Herr. Seit still, die Zeichen stehen schlecht", antwortete die uralte Frau, die von oben bis unten in schwarze Roben gehüllt war und somit ihre welke Haut und das schüttere Haar unter einer Kapuze verbarg und nicht das Alter der Klerikerin verriet. "Auch mir hat unsere dunkle Königin Visionen zur Warnung vor einem großen Unheil geschickt. Ich werde in den Tempel gehen und zu ihr beten. Wenn die Sonne aufgeht, dann kann ich Euch sicher mehr sagen, mein Herr", sagte sie mit krächzender Stimme und winkte das junge Mädchen herbei, das zurzeit von ihr unterrichtet wurde. Die alte Frau nahm ihren Stock entgegen und lief mit ungewöhnlicher Agilität, die ihr zerbrechliches Äußeres und den Gehstock Lügen strafte, aus dem Zimmer und in Richtung des Tempels davon. Ariakan blieb allein zurück und ging zum Fenster. Draußen wütete noch immer der Sturm, ganz wie ein stummes Mahnmal, das an den Traum erinnern sollte. Es schien fast so als könnte der Anführer der Ritterschaft der Takhisis erneut die Stimmen hören, die nach ihm riefen und ihm rieten ihre Warnungen ernst zu nehmen. Schweigend wartete er und hoffte, dass diese Nacht schnell zu ende sein würde.

Crysania kniete in ihrem Zimmer nieder und auf ihrem Gesicht stand der Unglaube. Durch ihre Gebete zu Paladin erfuhr sie, dass dieser Traum die Zukunft für Krynn bedeuten würde. Nur zwei Frauen, die sich hinter dem Schleier der Welt verborgen hielten, kannten Geheimnisse, die die Welt retten würde. Doch ihr Gott riet ihr, Dalamar, den Magier in Schwarzer Robe im Turm der Erzmagier in Palanthas aufzusuchen. Er wäre der einzige, der eine Gruppe aussenden könnte, die in der Lage wäre, Celina und Annabell zu finden. Alles weitere liege nun in ihren Händen und würde von dieser Mission abhängen. Aber das konnte doch nicht alles sein, ging ihr durch den Kopf. Sie kannte Dalamar gut, er war in den letzten Jahren zu Ruhm und Macht aufgestiegen, aber noch war er ein Magier in schwarzen Roben und diente mit Leib und Seele Nuitari, dem Sohn von der Königin der Finsternis. Crysania verstand nicht, wieso er ihr helfen könnte und würde. Doch Paladins Worte waren die Wahrheit, dass konnte sie tief im Herzen spüren und er rief sie dazu auf, diesen Schritt zu wagen. Nur ihr fester Glaube an das Gute hielt sie davon ab diesen Rat ihres Gottes nicht anzunehmen. So stand sie auf, Tandar war sofort an ihrer Seite und dann rief sie nach einem Diener. Keine Stunde später stand sie im Arbeitszimmer des Magiers Dalamar im Turm der Erzmagier. Der Tiger an ihrer Seite und sie spürte, dass er sich an diesem Ort unwohl fühlte. Genauso wie sie selbst. Als sie vor 25 Jahren das letzte Mal diesen verfluchten Ort betreten hatte, war sie geblendet von Liebe und grenzenlosem Glauben. Sie wollte Raistlin bekehren, nur um festzustellen, dass alles vergebens war. So schlucke sie kurz und fragte in den Raum, "Könnt Ihr mir helfen, Dalamar?"

Den ganzen ‚Tag’ hatte Raistlin auf dem Felsen in der Hölle verbracht und im Geiste an dem Zauber gearbeitet. Es waren sogar gelegentlich einige Diener der Drachengöttin vorbeigekommen und hatte ihm Essen, Trinken, Papier und eine Feder zum Schreiben gebracht. Jetzt wo sich die milchige Sonne hinter dem Felsen verabschiedete und unterging war er fertig. Im Abgrund verging die Zeit ganz anders als in der Welt der Sterblichen und daher war der Zauber frühzeitig vollbracht. Ein letztes Mal betrachtete Raistlin die Formel und lächelte stolz über sein Werk, denn er wusste, dass das sein Brief in die Freiheit sein würde. Er spürte das Kommen der dunklen Göttin lange bevor er sie sehen konnte. Majestätisch und schön erschien sie ihm. Wieder verbeugte er sich, doch diesmal nicht so tief wie heute Morgen. Wortlos reichte er ihr das Pergament.
"Du hast Wort gehalten, ich werde meines ebenso halten, Raistlin Majere. Bald wird jemand kommen um das Portal zu öffnen, dann kannst du in die Welt gehen und deine Magie behalten als mein treuer Diener", sagte sie verführerisch. Sie rief sich einen kleinen Dämon herbei und vor den Augen des Magiers verdoppelte sie die Schriftrolle, eine reichte sie dem Dämon, "Bring das zu IHM!", stieß sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und man konnten den grenzenlosen Zorn auf ihrem makellosen perfekten Gesicht ablesen. Kaum das dies erledigt war, verschwand sie ebenfalls und ließ Raistlin wieder allein. Zufrieden lächelte der Magier, denn er wusste, dass die Zeit seiner Freiheit nicht mehr weit entfernt lag. Er freute sich auf die Welt und auf ein neues Leben.

Die Sonne schob sich über den Horizont, dass Meer war immer noch aufgewühlt, doch der Sturm war vergangen. Man hörte nur noch das Rauschen des Wassers und die Geräusche des langsam erwachenden Schlosses. Geduldig stand Lord Ariakan immer noch am Fenster und schaute hinaus. Er hörte wie die Hohepriesterin das Zimmer betrat und sich erschöpft in ihren Sessel fallen ließ.
"Wir schweben in großer Gefahr, mein Herr", murmelte sie.
Der Ritter drehte sich jedoch nicht zu ihr um, sondern blieb weiterhin ungerührt stehen. "Sie hat mir erklärt, dass unsere Welt so wie wir sie kennen untergehen wird, wenn wir nicht die beiden Frauen finden, die Ihr in eurer Vision gesehen habt. Sie allein kennen den Schlüssel zur Rettung unserer Welt. Doch die Aufgabe ist keine Leichte. Wir müssen durch den Schleier, der die Welten umgibt, hindurch treten und sie aus einer anderen Welt herbei holen", erklärte sie mit brüchiger Stimme.
"Wann brechen wir auf?", fragte Ariakan ohne Umschweife, da er es für seine heilige Pflicht hielt dies selbst zu erledigen.
"Wir werden überhaupt nirgendwohin gehen", krächzte die Alte belustigt und lachte leise. "Du sollst deine beiden besten und stärksten Ritter und einen Magier aussenden, diese drei sollten in der Lage sein die Frauen zu finden", erklärte die Hohepriesterin weiter und man hörte das Rascheln von Papier. Erst jetzt wandte sich Ariakan verwundert um und musterte die blasse alte Frau. Zum ersten Mal seit er sie kannte, wirkte sie müde und erschöpft. In ihren dürren Händen hielt sie eine Schriftrolle, die so sehr vor Magie strahlte, dass sogar er es spüren konnte. "Diese Formel wird den Schleier lüften", erläuterte sie überflüssigerweise und hielt ihrem Herrn die Schriftrolle hin. Ehrfürchtig nahm er sie entgegen, verbeugte sich vor der Hohepriesterin und schritt hinaus. Es galt nun seine fähigsten Leute auf eine Mission über Leben und Tod einer ganzen Welt zu schicken.

"So wie Ihr mir das erzählt habt, lässt das Ganze nur einen Schluss zu. Wir brauchen fähige Magier, die sich auf die Suche nach diesen zwei Frauen begeben und sie zu uns bringen. Leider habe ich selbst keine Ahnung, wo man die beiden findet. Gebt mir einige Stunden Zeit, ich werde vor Sonnenuntergang wieder zurück sein. Ich werde im Erzmagierturm von Wayreth nach Antworten suchen", antwortete Dalamar und bedachte die blinde Priesterin mit einem finsteren Blick. Was sollte er nur selbst davon halten und was noch wichtiger war, wieso wollte Paladin selbst, dass er sich in die Belange dieses Gottes einmischte.
Zur gleichen Zeit atmete Crysania erleichtert auf. Dalamar würde ihr helfen und ihr Gott könnte zufrieden mit ihr sein. Sie vernahm seine Worte und musste sich setzen. Als die Kleriker in einem der weichen Sessel im Arbeitszimmer saß, hörte sie sich selber sagen. "Ich werde hier warten, bitte beeilt Euch. Ich fürchte nicht um mein eigenes Leben, jedoch um das Leben auf ganz Krynn. Das Ende soll kommen, aber es muss noch lange Jahrtausende warten."
Dalamar erschien keine zwei Stunden später wieder vor Crysania, der Klerikerin von Paladin, die zusammen mit ihrem weißen Tiger wie versprochen gewartet hatte. "Ich habe schlechte Nachrichten", sagte er aufgeregt und lief nervös auf die Frau zu. Sie erhob sich und ihr Gesicht lag in Sorge vor der Antwort in Falten.
"Sprecht, schnell, ich fürchte die Zeit läuft ungestüm durch das Stundenglas des Lebens".
"Wir müssen eine kleine Gruppe von Magiern und Krieger auf eine gefährliche Reise durch die Schleier der Welt schicken. Ich habe hier eine Spruchrolle, die sie sicher an den Ort bringen wird, der ihnen als Ziel gilt. Sie müssen zwei Frauen mit Namen Celina und Annabell in unsere Welt bringen. Sie besitzen Wissen über die Zukunft und können dadurch verhindern, dass Gott Chaos, der Gott von Allem und Nichts über Krynn herfällt und alles Leben vernichtet. Sie kennen einen Ort, an dem der Graustein, einst von Reox selbst geschmiedet, zu finden ist. Dieser muss in sichere Verwahrung, ansonsten kommt jede Hilfe zu spät."
Dalamar redete schnell und in seiner Stimme klang zum ersten Mal seit langer Zeit die Angst mit. Das Treffen mit den anderen Magiern verlief gar nicht nach seinem Geschmack. Auf unerklärliche Weise war an diesem Morgen ein Pergament im Turm aufgetaucht, auf dem ein Spruch stand, den niemand jemals zuvor gesehen hatte. Auch viele weiße Roben, darunter Dunbar Meisterkapitän, das Oberhaupt der Magier von Solinari, hatte den gleichen Traum wie die Klerikerin. In einer kurzen Versammlung waren sich alle einig, Palin und einige junge Krieger sollten in eine andere Welt reisen und die beiden Frauen finden. Dann sollten sich alle Menschen, Elfen, Zwerge, Kender und sogar die Oger und Goblins zusammenschließen. So seltsam, wie nun auch diese ganze Situation war, spürte auch der Dunkelelf, dass mehr dahinter steckte, als alle erahnen konnten. "Lady Crysania, ich bitte Euch, ich werde Euch in den Tempel bringen und gebe Nachricht, sobald es etwas Neues gibt".
Crysania nickte und gesellte sich zu Dalamar. Keine Minute später war der Raum leer.

Die Schriftrolle prickelte in den Händen des Ritters. Lord Ariakan hatte seine Ritter alle im Hof versammelt und lief die Reihen ab, fieberhaft überlegte er dabei, wem er diese lebenswichtige Aufgabe anvertrauen konnte. Die Magier, Ritter des Dorns, waren ebenfalls versammelt. Die Mächtigsten unter ihnen machten ebenfalls einen etwas verstörten Eindruck und wenn man die ersten Berichte des Morgens bedachte, dann war das nur allzu verständlich, denn auch sie hatten von erschreckenden Visionen über den Weltuntergang geträumt. Schließlich blieb der Blick des erfahrenen Ritters an einem jungen Mann hängen. Groß, breite Schultern, dunkles schulterlanges Haar und ein Pflichtbewusstsein, das seinesgleichen suchte. Stahl Feuerklinge, hieß der junge Mann, der vor nicht allzu langer Zeit zum Ritter geschlagen geworden war. Ja, das schien der Richtige für diese wichtige Mission, dachte sich Lord Ariakan und schickte den jungen Mann in sein Arbeitszimmer, nur um dann erneut die Reihen abzulaufen und einen weiteren Ritter auszuwählen. Einen schweigsamen aber treuen Mann, der nicht für seine Worte, aber sehr wohl für seine Kampfkunst bekannt war. Jetzt galt es nur noch einen Magier zu finden, der sich als fähig genug erwies den Zauber zu sprechen und seine Leute sicher durch den Schleier der Welten zu bringen.
Als die drei in seinem Arbeitszimmer versammelt waren kam Ariakan ebenfalls dazu. Er musterte sie erneut und war zufrieden mit seiner Auswahl. "Ich habe eine wichtige Mission für euch drei, eine von der nicht nur die Geschicke dieses Krieges, der uns bevor steht, abhängt, sondern die ganz Krynns. Ihr werdet mit einem Zauber in eine andere Welt reisen und dort zwei Seherinnen holen. Niemand kann euch sagen, auf welche Schwierigkeiten ihr treffen werdet, niemand weiß um die Gefahren, die auf euch lauern mögen, doch ihr müsst erfolgreich sein, ganz gleich was sich euch entgegen stellt. Die Verantwortung für alles Leben dieser Welt liegt nun auf euren Schultern, doch ich weiß, dass ich mich auf euch verlassen kann. Stahl, Ihr werdet sie anführen und Ihr seit mir persönlich dafür verantwortlich, dass diese Mission erfolgreich zu ende geführt wird", verkündete der Ritter und schaute dabei direkt in das entschlossene Gesicht des jungen Mannes, der stolz salutierte und bei seiner Ehre schwor, seinen Lord nicht zu enttäuschen.
Die Reise konnte beginnen, die Zeit lief ihnen davon und es gab nur eine Chance das Unvermeidbare zu verhindern.

Zur gleichen Zeit im Turm von Wayreth stand Palin, zusammen mit seinem Brüdern Tanin und Sturm, beide erst kürzlich zu Rittern von Solamnia geschlagen, vor der Versammlung der Magier. Alle drei lauschten aufmerksam den Worten von Dalamar, Justarius und Dunbar, als diese erklärten, sie sollten sich auf einer Reise in eine fremde Welt begeben, zwei Seherinnen suchen und dann auf dem schnellsten Wege wieder zurückkommen. Palin als Magier, der sich und seine beiden großen Brüder als Begleitschutz und Krieger mitnehmen sollte. In der Hand hielt der junge Zauberer mit den weißen Roben den Stab des Magus, in der anderen einen Rolle Pergament mit einem Spruch. Im einem seiner Beutel war ein kleiner Kristall verstaut, der zum auffinden der beiden Frauen dienen sollte. Laut Dalamars Worten würden sie in unmittelbarer Nähe auftauchen, wo sich Celina und Annabell aufhielten. Noch etwas ungläubig über den Bericht, dass die Welt ihrem Untergang zulief, versprachen die drei Brüder ihre, ihnen zugewiesene Aufgabe, zu erfüllen und sicher zurück zu kehren. Als alle Magier, bis auf Dalamar den großen Ratssaal verlassen hatten, trat der Dunkelelf auf Palin zu.
"Mein Freund, diese Aufgabe ist wichtig, dass sagt mir mein Gefühl. Du und deine Brüder passt gut auf Euch auf. Ich werde im Turm von Palanthas auf Eure Rückkehr warten".
Dann entfernte Dalamar sich einige Schritte von den Dreien, begann leise und wohlbedacht Silben in der Sprache der Magie zu singen und war sogleich darauf verschwunden. Palin stand die ganze Zeit bewegungslos da und wusste nicht, was er denken oder fühlen sollte. Doch war er sich ganz sicher, dass er nicht versagen durfte. Er schwor sich selbst, alles zur Zufriedenheit zu erfüllen, wobei er stolz seine Brust anhob, da er es war, den die Versammlung für diese wichtige Mission ausgesucht hatte. Zusammen mit seinen Brüdern würde er das erste Mal in seinem Leben eine Aufgabe erledigen. Doch mit dem Stolz kam auch die Angst. Was würde passieren, wenn er versagte. Was würde mit seinen Brüdern geschehen, die er so sehr liebte. "Hab keine Angst, du hast die Kraft, die auch durch meinen Körper strömt", erklang plötzlich eine Stimme in seinem Kopf und instinktiv wusste der junge Magier der weißen Roben, dass sein Onkel erneut zu ihm gesprochen hatte, wie schon so viele Male zuvor. "Ich werde niemanden enttäuschen, Onkel. Die Welt wird nicht untergehen und selbst meine Eltern werden sehen, dass ich nicht versage", antwortete er gedanklich. Dann drehte er sich zu Sturm und Tanin um, die ebenfalls still hinter ihm standen und geduldig auf das Kommende warteten. Palin hob die Spruchrolle nach oben, öffnete sie und betrachtete die Worte. Für einen Moment schloss er seine Augen und als er wieder die Silben musterte, sprach er leise vor sich hin. Die Worte wurden zu einem leisen, aber selbstsicheren Gesang magischer Worte und Sturm und Tanin gaben sich die Hände. Ihre andere Hand legten sie auf Palins Schulter und wie durch Nebel verschwand der Boden unter ihren Füßen. Nur kurze Augenblicke später wurde es dunkel und gleich wieder hell. Die Welt um die drei Brüder wurde zu einem rasenden Wirbel aus Farben und Nebel und sie verschwanden von der Erde Krynns.

Es war Morgen, wobei eigentlich konnte man sagen es war beinahe Mittag, doch für die beiden Romanautorinnen Celina und Annabell war es morgen. Die beiden hatten bis spät in die Nacht hinein an ihrem neuesten Fantasybuch geschrieben und waren entsprechend spät aufgestanden. Es war Sommer, ein ziemlich heißer noch dazu und schon am frühen Morgen stiegen die Temperaturen schnell an die 20°. Mit einem Bein angewinkelt auf dem Stuhl, einer Tasse Milch vor sich und ihrem MP3 Player in den Ohren hockte Celina in der Küche und frühstückte. Annabell kam gerade aus dem Bad im Obergeschoss und hatte schon zum dritten Mal nach unten gerufen, dass jemand an der Messingglocke, die neben der Haustür ihres alten Bauernhauses hing, geläutet hatte, doch ihre Freundin schien das mal wieder nicht zu hören. Grummelnd kam Annabell die Treppe herunter und rieb sich mit dem Handtuch durch die schwarzen, nassen Haare, während sie mit der anderen Hand noch schnell die Träger ihres sommerlichen Oberteils zu Recht rückte. "Ja, ja, ich komm ja schon", rief sie so laut, dass es auch die Leute auf der anderen Seite der Tür hören musste. Annabell überlegte fieberhaft wer das wohl sein konnte, denn eigentlich kam niemand außer dem Postboten hier raus um die beiden zu stören. Missmutig öffnete sie die Tür und erstarrte. Vor ihr standen drei Männer. Der eine davon hatte einen weißen langen Mantel an, wie sie auf den ersten Blick erkannte. Um seine Hüften schlang sich ein breiter brauner Ledergürtel und um seine beiden Schultern hingen jeweils links und rechts zwei große Lederbeutel. Als Annabell noch weiter auf den fremden Mann starrte, erkannte sie auf den zweiten Blick, dass es sich hierbei um eine weiße Robe handelte, die er trug. Sein Haar, das rotbraun und wellig über die Schultern fiel, verlieh ihm ein attraktives Äußeres, wie sie sich eingestand. In seiner rechten Hand hielt er einen langen Stab aus Holz, am oberen Ende prangte eine goldene Drachenklaue, in der ein Kristall eingefasst war. Was ihr jedoch den Atem raubte war die Anwesenheit zweier weiterer Männer, die hinter ihm standen. Beide ebenfalls mit einem attraktiven Aussehen, langen Haaren, jedoch in einem noch seltsameren Aufzug. Sie trugen Rüstungen, wie die Frau erkennen konnte. Auf dem Brustpanzer war ein Eisvogel, eine Rose und eine Krone zu erkennen, die sich um ein Schwert schlangen. An den Hüften hing jeweils in einem breiten Waffengürtel ein Schwert und über den Schultern der beiden hing ein weiter Umhang. Ungläubig, ob sie richtig gesehen hatte, schloss sie die Augen, nur um sie gleich wieder zu öffnen. Da standen immer noch die drei seltsam gekleideten und recht ungewöhnlich aussehenden Männer und starrten sie mit ebenfalls großen Augen an. Sie schüttelte den Kopf, drehte ihn leicht zur Seite und rief, "Celina? Kommst du mal?" Doch Celina reagierte nicht. Eine Grimasse ziehen schlug Annabell die Tür zu noch bevor einer der Männer etwas sagen konnte. Genervt, aber sichtlich verwirrt stapfte die Frau in die Küche und sah ihre Freundin am Tisch sitzen. Man konnte jetzt die laute Musik hören, somit war geklärt warum Celina nichts, aber auch wirklich gar nichts hörte. Annabell winkte nur einige Male hektisch mit ihren Armen und erregte damit die Aufmerksamkeit der anderen. Müde zog sich Celina einen Ohrstöpsel heraus und schob eine lästige rote Haarsträhne hinter ihr Ohr. "Was ist denn?", fragte sie.
"Vor der Tür stehen drei komische Männer. Zwei in Blechdosen und sehen aus wie Ritter aus einem schlechten Film und der andere mit einer weißen Robe, die einem Kleid ähnelt", antwortete Annabell und zeigte mit der einen Hand hektisch auf die Haustür.
Kaum dass sie zu ende geredet hatte, ertönte die Glocke erneut und die junge Frau mit den nassen Haaren fuhr kurz zusammen.
"Keine Ahnung was die wollen, aber die sehen mir nicht geheuer aus, schau sie dir mal an."
"Was immer du genommen hast ... nimm es nie wieder, deinen Halluzinationen sind echt zum fürchten", grummelte Celina vor sich hin und ging zum Küchenfenster. Langsam öffnete sie dieses und späte hinaus, nur um gleich darauf ganz schnell wieder ihren Kopf einzuziehen und das Fenster zu schließen. Ihr irrer Blick verriet Annabell das sie keineswegs Halluzinationen hatte.
"Da sind wirklich zwei Ritter draußen und einer der aussieht als wäre er aus einer Anstalt entlaufen", stotterte Celina.
"Meine Rede", erwiderte die andere keck und stemmte dabei ihre Hände in die Hüften, „Und was jetzt? Die scheinen offensichtlich nicht weggehen zu wollen".
Einen Moment schauten sich die beiden Frauen an, schließlich sammelten sie ihre Gedanken.
"Du gehst und holst deine Tasche und bring’ meine mit, ich zieh mir schnell was an", sagte Celina.
"Gute Idee, mein Auto steht noch oben an der Straße, weil ich wegen dem Gewitter gestern Nacht nicht über den schlammigen Weg runterfahren wollte. Wenn wir durchs Fenster klettern und übers Feld laufen, dann sehen die uns nicht", fuhr Annabell mit dem Gedankengang fort und beide Frauen eilten los.

Palin starrte wie gebannt auf die sich wieder schließende Tür und blieb verdutzt stehen. Er drehte seinen Kopf von links nach rechts und bedachte seine Brüder mit einem verwirrten Blick. Doch diese zogen nur ihre Schultern hoch und gaben dadurch zu verstehen, dass sie selber keine Ahnung hatten, was so eben geschehen war. Erneut hob Palin seine Hand und zog an dem Seil, um die Türglocke zu betätigen, die dort hing. Seine Augen schauten geradeaus und er wartete ungeduldig, dass diese Frau erneut öffnete. Als er sie soeben zum ersten Mal in seinem Leben sah, wurde ihm ganz warm ums Herz, doch er wusste nicht wieso. Es war immerhin nicht die erste Frau, die er kannte und gesehen hatte. Doch diese hier wirkte so fremd und doch gleichzeitig anziehend. Sie hatte schwarze Haare, die ihr nass über die Schultern fielen. Doch diese Schultern waren nackt, nichts was sie verdeckten. Dazu nur ein kleines Stück Stoff, das ihren Oberkörper verhüllte. Gleichfalls trug sie eine enge schwarze Hose und wirkte irgendwie fehl am Platz. Die Frauen, die er kannte, trugen stets lange Röcke, Blusen oder Kleider, die weit über ihre Körper fielen und so gut wie alles verbargen. Doch diese Frau trug jede weibliche Wölbung offen zur Schau. Als er erneut zu seinen Brüdern schaute, bemerkte er ihren glasigen Blick. Sie schienen wohl genauso wie er, von der Frau auf seltsame Art angezogen worden zu sein.
"Habt Ihr das gesehen?", flüsterte Sturm leise und leckte sich mit der Zunge über seine trockenen Lippen, "Sie hatte ja so gut wie nichts an".
"Gib Ruhe", ermahnte ihn Tanin und schlug seinem, einem Jahr jüngeren Bruder, mit der Hand auf den Kopf.
"Seit ruhig, alle beide", schimpfte Palin und trat nervös von einem Fuß auf den anderen.
"Kleiner Bruder, wir sind ruhig. Wir waren nur nicht auf diesen Anblick vorbereitet", meinte Tanin und stand kurz darauf wieder still. Doch als Palin nun erneut an der Glocke läutete, passierte wieder nichts. "Brüder, ich glaube diese Tür wird heute nicht mehr aufgemacht. Was sollen wir tun?", fragte der junge Magier.

Die beiden Frauen hingegen dachten tatsächlich nicht daran die Tür zu öffnen. Eilig schnappten sie sich ihre notwendigsten Sachen, wie Geldbeutel, Führerschein, Haustürschlüssel und alles was Frau sonst so in ihrer Tasche mit sich rumschleppt und flitzten durchs Wohnzimmer. Einen Moment hielten sie an der Terrassentür inne und schauten sich wachsam um, dass nicht zufällig noch mehr Verrückte in ihrem Garten lauerten, doch da die Luft rein war, öffneten sie die Tür und schlüpften schnell in die heiße Morgenluft hinaus. Sie rannten durch den Garten, sprangen mit einem gekonnten Hopser über den niedrigen Zaun und rannten über das Weizenfeld des Bauern hinüber zu dem nur wenigen 100 Meter entfernten Wäldchen. Dort hatte Annabell am Abend zuvor wegen dem Gewitter ihr Auto in dem kleinen Schuppen abgestellt, den die Frauen im Winter als Garage nutzten. Flink wie die Wiesel und immer einen wachsamen Blick über die Schulter werfend hetzten sie durch das Getreide und hofften, dass niemand sie bemerken würde bis sie die dunklen Tannen erreicht hatten. Doch dem war nicht so, denn in der Dunkelheit des Gehölzes hatte bereits jemand anderes sie erspäht.

"Los Männer, da laufen die zwei Frauen direkt auf einen Schuppen zu", spornte Stahl den Ritter und den Magier an. Durch einen kleinen Kristall in der Hand, der hell leuchtete, wusste der Mann in der grauen Robe genau, dass es diese beiden Frauen waren, die sie für ihren Herrn gefangen nehmen und zurück zur Burg Sturmfeste bringen sollten. Mit schnellen Schritten eilten sie hinter her, wobei sie versuchten, kein Geräusch zu verursachen. Stahl wies seine Begleiter an, sich hinter einem großen Busch zu verstecken, er selbst zog selbstsicher das Schwert seines Vaters aus der Scheide und schlich den Frauen hinter her. Da er sich schneller als die Gesuchten bewegte, konnte er ihnen den Weg abschneiden und stand nur einige Meter vor dem offnen Tor des Schuppens bedrohlich vor Celina und Annabell.

Celina bog als Erste um die Ecke des Schuppens und stieß ein hohes spitzes Kreischen aus, als plötzlich vor ihr im Tor ein Mann in einer schwarzen Rüstung stand, mit einem ziemlich echt aussehenden Schwert in der Hand, der sie grimmig musterte. Noch ehe die Rothaarige den Rückzug antreten konnte, rannte Annabell auch schon in sie rein.
"Weg!", schrie Celina lediglich und versuchte wegzurennen, doch vergeblich, denn Stahl griff ohne zu zögern nach dem schlanken Arm der Frau und hielt sie eisern fest.
Ihre Freundin war da schon flinker und machte auf dem Absatz kehrt, drehte sich um und wollte wegrennen, doch plötzlich schrie auch sie gellend auf, denn vor ihr stand ebenfalls ein solcher Kerl in schwarzer Dose, der einen noch kälteren Blick hatte, als der Erste. Eilig packte er Annabell am Arm und hielt sie ebenfalls mit eisernem Griff fest.
"Ihr seit meine Gefangenen. Leistet keinen Widerstand, dann passiert euch auch nichts", sagte Stahl kalt und ruhig, während er in die goldbraunen Augen der Frau vor sich schaute. Sie war relativ groß und schlank, ihre Haare hatten die Farbe von Blut, was durch die helle knappe Kleidung noch betont wurde.
"Wir bekommen Gesellschaft", murmelte der Magier und unterbrach somit die Gedanken des Ritters, der sich gerade über das seltsame Aussehen seiner Gefangenen wunderte. Er schaute zu dem Ritter des Dorns und dieser wies mit einem Fingerzeig in Richtung Haus, von wo aus man bereits drei Männer herüber rennen sah. Ritter von Solamnia und eine weiße Robe, schoss es Stahl durch den Kopf, gute Kriegsgefangene, wie er wusste und noch eine Trophäe obendrein. Mit einem kräftigen Ruck zog er die Frau in seine Arme, presste ihren Rücken gegen seine Brust und drückte sein Schwert an ihre Kehle, mit einem Nickten bedeutete er dem anderen Ritter es ihm gleich zu tun. Celina und Annabell waren vor Angst gelähmt und wagten nicht auch nur einen Laut von sich zu geben als sie hier gefangen und bedroht von irgendwelchen kostümierten Irren auf die Ankunft von noch mehr Verrückten warteten. Wo waren sie da nur wieder rein geraten, fragten sich die beiden im Stillen und hofften einfach nur wieder heil aus der Sache raus zukommen.

Palin, Sturm und Tanin hörte einen spitzen Schrei und ein weiterer folgte sogleich danach. Sie waren gerade dabei gewesen, das Haus von allen Seiten abzusuchen, da sie vergeblich an der Tür standen, die verschlossen blieb. Sie starrten sich einen Moment mit weit aufgerissenen Augen an, nickten sich wissend zu und rannten los, direkt in die Richtung der zwei Schreie.
Palins Gedanken schweiften immer noch um die junge Frau, die ihm die Tür geöffnet hatte. Doch irgendetwas schien passiert zu sein und bereits von weiten erkannte er die beiden Frauen, die von drei Männern festgehalten wurden. Zwei Ritter in schwarzen Rüstungen und einer grauen Robe. Während seine Füße bei diesem Anblick schneller liefen, rutschte ihm das Herz in die Hose. Was könnte er schon gegen einen Magier der schwarzen Künste ausrichten, er der gerade mal die Prüfungen bestanden hatte. Doch andererseits wurde er, zusammen mit seinen Brüdern für diese Mission ausgewählt. Palin umklammerte mit seiner rechten Hand fest den Stab des Magus und versuchte auf die Macht des Stabes vertrauen. Hinter sich hörte er das laute Klirren der schweren Rüstungen seiner Brüder, die keine zwei Schritte hinter ihm in die gleiche Richtung rannten.
Als alle drei Brüder kaum 10 Meter von den Rittern und dem Magier anhielten, erkannte Palin die angsterfüllten Gesichter der beiden Frauen und so hielt er Sturm und Tanin mit seinen beiden Armen auf.
"Bleibt stehen, ihr beiden", rief er ihnen zu und ungewöhnlicherweise hörten die beiden auf ihn. Wieder schien der Stolz in seiner Brust zu wachsen und sogleich sprach er weiter, doch dieses Mal zu den anderen drei Männern.
"Lasst die beiden Frauen los. Sie haben Euch nichts getan, wie mir scheint. Wir suchen nach Ihnen. Wir müssen mit den beiden sprechen, dringend."

Stahl hörte die Worte und verstand worum es ging. Die Diener Paladins waren ebenfalls ausgeschickt worden, um die beiden Seherinnen gefangen zu nehmen, doch das durfte er nicht zulassen. Seine Ehre verbot ihm, den beiden wehrlosen Frauen auch nur ein Leid zuzufügen, doch Lügen erlaubte der Kodex durchaus. Er schob das Schwert noch näher an die zitternde Kehle der Frau und presste das kalte Metall auf ihre elfenbeinfarbene Haut.
"Werft eure Waffen weg oder ich töte sie hier gleich auf der Stelle", rief der Ritter der Lilie seinen Kontrahenten zu und drückte die Rothaarige ein wenig, so dass sie einen angsterfüllten Aufschrei von sich gab. Stahl hoffte, dass sein Bluff funktionierte, denn auf einen Kampf wollte er es nicht ankommen lassen. Er konnte es nicht mit zwei Kriegern gleichzeitig aufnehmen, noch konnte der Magier die beiden Frauen ganz allein festhalten. Zum Wohl ihrer Mission musste es einfach funktionieren.
Alle drei Brüder verharrten plötzlich wie zu einer Salzsäule erstarrt. Während Sturm und Tanin langsam ihre bereits gezogenen Schwerter sinken ließen, versuchte Palin ruhig stehen zu bleiben. Die Hand fest um den Stab des Magus geklammert und nun ebenfalls mit ängstlichem Blick, schaute er den Ritter in Schwarz an, der die Drohung ausgesprochen hatte. Der junge Magier fasste sich ein Herz, seufzte einmal tief und sagte leise und bedacht, "Tötet die beiden Frauen nicht, sie sind wichtige Personen". Weiter traute er sich nicht, etwas Preis zu geben, da er nicht einmal wusste, wer sie überhaupt bedrohte. "Wer seit Ihr?", fragte er weiter mit leiser Stimme.
"Ich bin Stahl Feuerklinge, Ritter der Lilie, loyaler Diener der Königin der Finsternis", erwiderte Stahl stolz und ignorierte dabei das zischende Einatmen seiner Gefangenen. "Ergebt Euch", forderte er die anderen ein zweites Mal auf.
Celina traute ihren Ohren nicht als sie diese Worte hörte. Romanfiguren, wir werden hier von Verrückten bedroht, die sich für Romanfiguren halten, schoss es ihr durch den Kopf. Am liebsten hätte sich die reizbare junge Frau umgedreht und dem Mann hinter ihr so heftig in die Familienjuwelen getreten, dass er sich gewünscht hätte eine Frau zu sein, doch das scharfe Schwert an ihrer Kehle hinderte sie eine Dummheit zu begehen. Ängstlich ließ sie ihre Augen zu ihrer Freundin wandern, die wohl in diesem Moment genau das Gleiche dachte wie sie.
Annabell war mittlerweile totenblass und es schien ihr gar nicht gut zu gehen. Erstarrt war sie in dem Griff des Ritters gefangen und wagte gerade einmal Luft zu holen. Als sie ebenfalls den Namen 'Stahl Feuerklinge' hörte, schrillten bei ihr alle Alarmglocken und sie begann sich zu fragen, ob man sie hier gerade nach Strich und Faden verarschte und sie demnächst auf irgendeinem billigen Fernsehkanal bei einer Pannenshow zu sehen sein würde. Bedauerlicherweise wirkten das Schwert und die Rüstung des Mannes zu echt, um Filmrequisite zu sein und so beschloss sie erst einmal nur still zu halten und sich keinerlei Anflug von Heldenmut hinzugeben. Vielleicht würde ja alles ganz harmlos enden, versuchte sie sich einzureden und beobachtete, wie der Mann in Weiß und seine beiden Krieger nun reagieren würden.
"Feuerklinge?", fragten alle drei Brüder im Chor und fuhren überrascht über sich selbst zusammen. Als sie sich gefangen hatten und kurze Blicke austauschten, ergriff erneut Palin das Wort.
"Stahl Feuerklinge? Der Sohn von Sturm Feuerklinge, Ritter von Solamnia und Kitiara Uth Matar, Drachenfürstin der Drachenarmeen aus dem Norden?" Doch ohne eine Antwort abzuwarten, sprach der junge Magier weiter, "Wir sind Tanin, Sturm und Palin Majere, Söhne von Caramon Majere, Held der Lanze und Neffen von Raistlin Majere". Bei jedem Namen zeigte er auf die entsprechende Person und zum Ende hin, stellte er sich aufrecht hin und wollte damit seine eigenen Worte unterstreichen, dass sie so schnell keinen Rückzieher machen würden und auch nicht vor den Rittern in die Knie gingen. Doch eigentlich war er viel zu verblüfft über die Aussage von Stahl und die Tatsache, dass es der Stahl sein sollte, dem sein Vater vor einiger Zeit geholfen hatte, auf die Seite des Guten zu wechseln. Erneut raste sein Puls durch die Adern, doch diesmal nicht vor Anstrengung, sondern vor Aufregung, was nun passieren würde. Sie brauchten die beiden Frauen, lebend, wenn die Welt nicht dem Untergang übergeben werden sollte.
Stahl war ebenso überrascht, denn offensichtlich waren diese Drei hier seine Vettern. Fieberhaft überlegte er, was er nun tun konnte, denn er konnte und durfte nicht ohne diese beiden Seherinnen zurückkehren. Lord Ariakan verließ sich auf ihn und noch mehr seine Göttin. Er würde nicht Kleinbei geben und schon gar nicht vor feindlichen Rittern. Er würde seine Pflicht bis zum letzten Tropfen seines Blutes erfüllen, dass hatte Stahl geschworen und daran würde er sich halten. "Ich kann euch die beiden nicht übergeben, ich habe meine Befehle", erwiderte der Ritter der Lilie, während er überlegte wie er seine drei Vettern am besten loswerden konnte.
"Wir haben auch Befehle, unsere kommen direkt von der Versammlung der Magier in Wayreth", antwortete Palin. "Was sollen wir nun tun?", murmelte er nun in sich hinein und bedachte danach seinen Vetter Stahl mit einem scharfen Blick. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem kleinen Lächeln, das die angestaute schlechte Stimmung vertreiben sollte. Sie mussten eine Lösung finden und zwar so schnell wie möglich.
"Meine Befehle kommen von Lord Ariakan und Takhisis persönlich. Wie Ihr seht Vetter, haben wir alle gewichtige Gründe diese beiden Frauen zu bekommen, doch ich werde nicht derjenige sein, der sie euch aushändigt. Sie werden mich begleiten, nach Krynn", sagte Stahl kalt.
Celina hörte dies und wollte ihren Ohren nicht trauen, jetzt war sie wütend. "Ich glaube ihr spinnt wohl alle ein bisschen. Wenn ich hier verarscht werden soll, dann finde ich das in keiner Weise witzig. Ich werde nirgendwo hingehen und dass das mal klar ist, wenn du da hinter mir wirklich ein Ritter der Takhisis bist, dann dürfte es absolut gegen deinen Ehrenkodex sein, wenn du mir hinterrücks die Kehle durchschneidest, also nimm entweder dieses rostige Brotmesser da weg oder vollende dein Werk", fauchte sie und begann in Stahls Armen zu zappeln.
Verwundert starrten die Männer allesamt die Frau an, lediglich der Ritter des Dorns besaß genug Geistesgegenwart sich nicht von dem Gezeter der Frau ablenken zu lassen. Kaum das er bemerkt hatte, dass die weiße Robe ihre Aufmerksamkeit voll und ganz auf Stahl gerichtet hatte, begann er eilig einen Schlafzauber zu rezitieren und warf ihn über die Feinde. Sie bekamen nicht einmal mit was sie da erwischt hatte, bevor die drei Männer schlafend auf dem Boden aufkamen.