addiction

GeschichteDrama / P12 Slash
11.06.2006
20.07.2006
4
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11.06.2006 1.172
 
Nervös trommelte er mit seinen Fingern auf seiner Küchentheke herum, hielt mit der anderen Hand eine Tasse Instantkaffee und sah mehr oder minder gelangweilt hinaus auf die Straße.
Nervös…. das war nicht ganz das richtige Wort.
Unruhe, vielleicht. Ungewissheit. Unbestimmtheit. Verwirrung? Was auch immer. Es störte ihn.
Und warum kaufte er nur immer wieder diesen dummen Billigkaffee?  Egal, was man machte, er schmeckte immer wässerig und, ja, billig. Trotzdem, er kaufte ihn wieder und wieder… Aber manche schlechten Gewohnheiten wird man wahrscheinlich nie los…
„Morgen.“, hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich und erschrak. „Scheiße.“ Und so erledigte sich auch das, worüber er sich eben noch Gedanken gemacht hatte. Hach ja. Oh, wie wunderbar, heißer Kaffee am Morgen. Und es war jetzt das zweite Mal innerhalb kürzester Zeit, dass er sich verbrannte, während Reita in seiner Nähe war. Darüber hätte man gut schlechte Witze reißen können… Stattdessen raunte er jedoch ein vergeblich fröhlich klingendes „Guten Morgen..“ und versuchte sich die Sachen mit Küchenpapier zu trocknen.
„Hey, alles in Ordnung?“, fragte Reita besorgt – zumindest so besorgt wie eben möglich, wenn man nebenbei bemüht war ein Lachen zu unterdrücken – und betrat die kleine Einbauküche.
„Na ja… also, ich denke, ich werde es überleben…“, murmelte er, allmählich die Hoffnung aufgebend sein Shirt sauber zu bekommen. Umziehen musste er sich nun so oder so. Er seufzte. „Kaffee?“
„Eh…“ Reita warf einen Blick auf den Boden und Uruhas Sachen, schüttelte dann den Kopf.
„Was Anderes? Ich hab….. uhm…“ Ja, jetzt müsste man wissen, was man überhaupt an Nahrung im Haus hat. „Wasser… oder… Wodka? Und Instant-Nudel-Suppe, aber…“ Er sah Reita fragend an. … Aber statt eine Antwort zu bekommen, wurde nun wiederum ihm ein undefinierbarer Blick entgegen gebracht. „Was ist?“  …  
„Du hast nur Wodka und Kaffee im Haus?“ Unverständnis.
„Und Nudeln.“ Verteidigung.
„Das macht es nicht besser.“  Belustigung?
„…ich bin halt ein einsamer, verzweifelter Mensch…“ Theatralisch stütze er sein Gesicht auf seine Hand, erntete als Entgegnung allerdings nicht mehr als ein Hüsteln. „Ich merk schon.“  
…Schweigen. Wahrscheinlich war das das falsche Thema… in ihrer Lage… „Willst du nun irgendwas? Sonst geh ich mich jetzt umziehen.“
„Uhm, Wasser?“
„Okay…“ Er öffnete den Schrank hinter sich. „Hier Glas uuuuund…“, drehte sich um und. „Da Wasserhahn.“ Er deutete auf die Spüle, hatte den Raum dabei schon halb verlassen. „Bedien dich…“
„Ein wahnsinnig guter Gastgeber bist du…“
„Ich weiß, ich weiß…“ Er lachte.
In seinem Schlafzimmer ging er rasch zum Schrank, zog wahllos ein neues Shirt heraus… und blieb irgendwie am Spiegel hängen. Seltsam. Ihm gegenüber stand er selbst, normal, lächelnd, aber… irgendwas störte ihn. Irgendwas war anders…
Egal.
Versuchend den Gedanken abzuschütteln zog er sich schnell um, ging zurück. … Und schien allein. Panik?
Er konnte noch nich gegangen sein, oder? Seine Sachen…
Panikmache. Reitas Kopf tauchte allmählich hinter der Küchentheke auf und er ging dichter.
„Was tust du da?“ Die Frage erledigte sich, als er sah wie er den Kaffee mit Küchenpapier aufwischte. „Ah… Das hättest du nicht tun brauchen…“
Achselzuckend richtete Reita sich auf. „Keine große Sache. War ja im Prinzip auch meine Schuld…“ Er hielt fragend das nasse Küchenpapier hoch. „Wohin damit?“
„Eh… hinter dir… unten die zweite Tür links…“, murmelte Uruha und sah abwesend zu, wie er es wegwarf. „Trotzdem… wenn ich nicht so schreckhaft wär…“
„Mh… Ist jetzt auch egal.“
Gespräch: Ende.
Stattdessen: Betretenes Schweigen.
Fast dankbar warf Reita einen Blick auf die Uhr. „Ah… Ich muss langsam los. Sonst komm ich zu spät.“ Er sah Uruha an, fast, als bräuchte er eine Erlaubnis.
„Uh, ja… natürlich…“
Reita sammelte schnell die paar Sachen zusammen, die er noch herumliegen hatte, während Uruha zunächst unfähig schien sich vom Fleck zu bewegen, sah stattdessen geistesabwesend aus dem Fenster. Als er hörte, wie Reita sich Richtung Tür bewegte, machte er sich ebenfalls langsam auf.
Ungewohnt, die Situation. Sie waren allein, also war es egal, was sie taten, doch diese Distanz… Die Luft schien zum schneiden. Uruha öffnete die Tür. Jeder Fehler konnte jetzt den Bruch bedeuten und so standen sie sich nur unschlüssig im Türrahmen gegenüber.
„Dann… bis Übermorgen.“, sagte Uruha leise, versuchte zu lächeln, wie immer.
Reita nickte. „Ja.. Bis dann..“ Und er ging. Einfach so.
Uruha sah ihm nach, ging wieder rein, schloss die Tür hinter sich… und starrte dem Antlitz seiner leeren Wohnung entgegen.
Gut. Was nun? Er hatte genau zwei Tage. Zwei Tage während der er Sachen tun konnte, die er schon länger vorhatte zu tun. Zwei Tage für sich. Toll.

… Es endete damit, dass er Playstation spielte, bis er zu unkonzentriert war und die Lust verlor. Danach sah er die Wiederholung von einem Fußballspiel und irgendein Dorama im TV, rollte dabei fast von seinem Sofa, spielte Gitarre, während er an die Wand gelehnt auf dem Boden saß, starrte zwischenzeitig einfach nur seine Wand an… und letztendlich hatte er damit gerade einmal die Zeit bis zum Mittag totgeschlagen. Und so saß er in der kleinen Küche, aß die Instant-Nudel-Suppe und fragte sich, was er noch tun konnte. Unwillkürlich starrte er dabei das Wasserglas an, das Reita benutzt hatte und das noch immer dort herumstand. War sein Leben denn wirklich so inhaltslos, wenn er nicht arbeitete? … Und war er wirklich so ein schlechter Gastgeber, dass er ihm Wasser aus der Leitung angeboten hatte? … Üben konnte er. Die neuen Stücke. Das war nie falsch… … Wie dumm war er eigentlich? ‚Da Wasserhahn.’ Gott.
Er hielt inne. Oder eher… Wie dumm war er sich da jetzt noch Gedanken drüber zu machen?
Schwer seufzend aß er auf, wusch sein Geschirr ab und ging dazu über in der ganzen Wohnung halbherzig aufzuräumen und sauberzumachen. Vielleicht sollte er mal eine professionelle Putzkraft engagieren…
Zuletzt kam sein Schlafzimmer dran. Ein seltsames Gefühl überkam ihn. Der relativ abgedunkelte Raum hatte so etwas Befremdendes an sich… Erinnerung. Unerwünscht. Er öffnete das Fenster, ließ Licht herein und frische Luft. Aber es änderte sich nicht viel. Er fühlte sich plötzlich als Fremder in seinem eigenen Zimmer, hatte das Gefühl Gedanken und Erinnerungsfetzen zu haben, die nicht seine Eigenen waren, die er nicht haben durfte. Er musste raus…!
Feigheit.
In der Tür blieb er stehen. Aber… Er drehte sich um. Wollte er sich vertreiben lassen von seiner eigenen Angst? Vor was lief er davon? Sich innerlich überwindend ging er auf sein Bett zu, nahm die Bettdecke, ging zum Fenster, schüttelte sie aus und ließ sich zum Lüften im Fensterrahmen hängen. Anschließend klopfte er sein Kissen auf und… Ein Stoffstreifen. Neben dem Bett. Er hob ihn auf… ließ sich rücklings aufs Bett fallen lassen. Ein gräulicher Streifen Stoff… Natürlich wusste er was es war, drehte das Etwas über seinen Augen in den Händen. …Reita musste es vergessen haben. Sein ‚Markenzeichen’ … wofür die Fans ihn kannten… Der ‚coole Typ’, der sein Gesicht nicht komplett zeigte. ‚Mysterium.’ … ‚Der Typ ohne Nase.’ … Er lachte leise, drückte dabei den Stoff an seine Brust und drehte sich auf die Seite. Ja…. So kannte man ihn… Aber… Er kannte ihn… anders. Warum tat das so weh? Er rollte sich zusammen. Was war das nur?
Abhängigkeit?
Oder mehr?
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