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Mr. Monk ermittelt auf der Golden Gate Bridge

von messssem
GeschichteKrimi / P12 / Gen
31.05.2006
31.05.2006
11
65.735
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Wie ein einäugiger Pirat - allerdings ohne den obligatorischen Papagei auf der Schulter -, der sich noch dazu, vollkommen entgegen seinem eigentlichen 'Berufsbild', in einem eher seekranken Zustand befand, torkelte Monk am Ermittlungsort umher. „Wie schnell ist er gefahren?“ „Die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Golden Gate Bridge beträgt 45 Meilen pro Stunde (72 km/h). Er dürfte zuerst vorschriftsmäßig gefahren sein, doch der Fahrer, in dessen Auto er reingeknallt ist, hat ausgesagt, dass er urplötzlich von der Fahrbahn abkam, in Richtung Gegenverkehr und dass er seltsamerweise plötzlich langsamer wurde“, las Lieutenant Disher diensteifrig von seinem Notizblock ab, um noch mit eigenen Worten hinzuzufügen: „Vielleicht glaubte er ja, die Spuren wären umgestellt. Nicht vier stadteinwärts und zwei stadtauswärts, sondern  umgekehrt. Er hat sich in der Zeit geirrt und glaubte, es wäre später Nachmittag. Vielleicht fiel er ja in eine Art Sekundenschlaf?“ „Das könnte tatsächlich der Fall sein, wenn er übermüdet los gefahren wäre“, merkte der Captain an und Disher freute sich, über dieses Zugeständnis seitens seines Bosses. Und vor lauter Stolz wollte er noch eine weitere seiner Vermutungen anbringen. „Vielleicht wollte er ja Selbstmord begehen?“ Die blauen Augen des Captains funkelten voller Unverständnis. „Randy, wenn man sich umbringen will, dann steigt man eher aufs Gaspedal und wird schneller, als dass man die Geschwindigkeit drosselt.“ „Davon abgesehen, steht sein Frühstück noch auf dem Beifahrersitz“, fügte Monk ganz beiläufig hinzu. „Vielleicht war das ja als seine letzte Mahlzeit gedacht? Als Henkersmahlzeit sozusagen.“ Wieder war es Randy, der spekulierte. „Dann hätte er das Frühstück aber sicherlich [I]vor[/I] seinem Selbstmordversuch verzehrt, oder?“ Der junge Polizist wurde knallrot bis in die Haarspitzen. „Außerdem ist diese Selbstmordtheorie aus Gründen, die ich bereits anführte, vollkommen absurd. Wenn er sich schon unbedingt auf der Golden Gate Bridge umbringen will, dann hätte er auch aussteigen und runterspringen können. Das wäre mit 100 %iger Sicherheit effektvoller gewesen.“ Randy zuckte mit den Schultern. „Aber vielleicht war er ja wie Mr. Monk und hatte Höhenangst?“ „Bitte erinnern Sie mich nicht ausgerechnet [I]daran[/I]“, war nun der genialste Detektiv der Stadt mit leicht zittriger Stimme zu vernehmen, was wiederum Captain Stottlemeyers Aufmerksamkeit auf ihn lenkte. „Monk, bitte nehmen Sie jetzt endlich diese verdammte Augenbinde ab, bevor ich es tue.“ Und zu seiner großen Überraschung erfüllte Monk sein Anliegen tatsächlich - aber er kniff die Augen zusammen und bevor er sie endgültig beide öffnete, legte er seine Hände mit den Handflächen seitlich an seine Schläfen, damit sein Blickfeld nach Links und Rechts eingeschränkt wurde. „Ich könnte mich viel besser konzentrieren, wenn endlich dieser Sturm aufhören würde, der diese Brücke so zum Schwanken bringt.“ „Monk, das, was Sie als Sturm bezeichnen, ist eher ein laues Lüftchen. Vielleicht sollten Sie mal Ihre Ohren überprüfen lassen, wie es so mit Ihrem Gleichgewichtssinn aussieht?“ Natalie grinste, als sie die Worte Stottlemeyers hörte und fügte ihn beruhigend hinzu: „Mit Mr. Monks 'Gleich'gewichtssinn dürfte so weit alles in Ordnung sein, denn eines weiß ich gewiss: Er würde es mit Sicherheit bemerken, wenn er 'ungleich' wäre.“ Ihr Boss ignorierte diese Aussage vollkommen, weil er gerade die Leiche näher in Augenschein nahm. „Was meinen Sie, Monk? Was ist hier passiert?“ „Nun, Randys Annahme, er könnte in einen Sekundenschlaf gefallen sein, klingt gar nicht so abwegig, aber dass dieser relativ leichte Aufprall ausgereicht hat, um ihn gleich zu töten, das bezweifle ich. Aber nichtsdestotrotz - er ist zwar - nach Ihren Maßstäben zumindest - korrekt angezogen und er hat sich auch relativ gründlich rasiert, aber das lässt keinerlei Schlüsse zu, ob er übermüdet war. Überprüfen Sie, ob er in der vergangenen Nacht aus war, obwohl ich eigentlich nicht daran glaube. Wenn er übermüdet gewesen wäre, dann hätte er seinen Kaffee, der - wie die Aufschrift auf dem Becher besagt - nicht entkoffeiniert war, sofort getrunken, noch bevor er in das Auto gestiegen ist, um loszufahren. Aber der Becher ist noch voll, er dürfte nicht einmal daran genippt haben. Sein Zielort dürfte auch nicht weit entfernt von hier liegen, da der Kaffee bei einer längeren Autofahrt mit Sicherheit abgekühlt wäre.“ Der Captain nickte und befahl Randy: „Stellen Sie fest, wo er gearbeitet hat, denn er war bestimmt auf den Weg dorthin.“ „Wurde überhaupt schon eruiert, um wen es sich bei dem Verstorbenen handelt?“, erkundigte sich Monk und Disher blätterte zwei Seiten auf seinem Block zurück. „Der Besitzer des Wagens wurde anhand des Nummernschildes ermittelt. Es ist ein gewisser Robert C. Buchanan, geboren am 17.6.1976 in San Francisco, wohnhaft in der Clement Street 215. Wir haben noch nicht nach seinem Führerschein gesucht oder nachgesehen, ob er einen Ausweis bei sich hat, da der Notarzt sofort festgestellt, hat, dass er tot ist und wir auf den Polizeifotografen und die Spurensicherung warten wollten.“ „Tja, und da haben wir ganz zufällig die Anwesenheit Ihrer attraktiven Assistentin registriert, und zwangsläufig daraus geschlossen, dass Sie auch nicht weit entfernt sein können.“ Während Natalie den Mann mit dem imposanten Schnurrbart geschmeichelt anlächelte, seufzte Monk. „Ja, leider. Warum muss ich mich ausgerechnet immer dort aufhalten, wo sich zur gleichen Zeit eine Leiche befindet?“ „Ich sagte es ja schon mal, das ist Ihr Karma.“ Die blonde Frau neben ihm grinste, aber Monk konnte es nicht sehen, da er noch immer sein Blickfeld mit den Händen einschränkte und alles, was sich seitlich neben ihm abspielte, nicht registrierte. Er ließ sein Karma Karma sein und besann sich wieder auf seine Aufgabe. „Und so, wie es aussieht, war er ledig.“ Randy sah ihn überrascht an. „Woher wissen Sie das?“ „Na, er trägt keinen Ehering.“ „Aber er könnte ihn doch abgenommen haben?“ Der junge Mann sah, wie Monk seinen schwarzen Lockenkopf schüttelte. „Er ist braungebrannt, wenn er ihn nur zeitweise abgenommen hätte, dann hätte er einen Ring hellerer Haut an seinem linken Ringfinger.“ „Und wenn er gar keinen trägt?“ Unter dem imposanten Schnurrbart des Cops neben ihm war ein erheitertes Grinsen zu erkennen. ,Randy, man merkt, dass Sie nicht verheiratet sind. Glauben Sie mir, wenn Sie es wären, dann würde Ihre Frau schon dafür sorgen, dass sie einen tragen.“ Er schien anscheinend aus eigener Erfahrung zu sprechen. Und Monk, der auch ohne dass ihn eine Ehefrau dazu zwang noch nach Jahren seinen Ehering trug, fragte: „Hat der Notarzt die Fahrertür geöffnet und offen stehen lassen?“ „Nein, das war der Fahrer des anderen Wagens. Er war aus lauter Wut aus dem Wagen gestiegen, um dem Unfallverursacher seine Meinung zu sagen.“ „Ja, er hat ausgesagt, dass er aufgebracht die Fahrertür aufgerissen habe und als er sah, dass der Mann bewusstlos war, in Panik los rannte, um Hilfe zu holen.“ Von seinem Block ablesend, ergänzte Disher die Ausführungen seines Partners. „Er war also noch nicht sofort tot?“ „Das kann der Notarzt leider nicht genau sagen, aber der Gerichtsmediziner wird uns nach der Autopsie sicherlich mehr dazu mitteilen können. Laut Aussage des anderen Fahrers saß er zumindest reglos in seinem Autositz, vornübergebeugt mit dem Kopf auf dem Airbag.“ Monk nickte aufmerksam und wollte weiters wissen: „Der Fahrer des anderen Wagens hat also nicht zuerst den Puls gefühlt, bevor er los eilte, um Hilfe anzufordern?“ „Tja, anscheinend hat er das nicht getan. Er macht sich selbst große Vorwürfe deswegen. Aber er war so in Panik, weil der Mann so leblos aus sah und das nach nur einem relativ kleinen Auffahrunfall.“ Der junge Lieutenant blickte mitleidvoll in Richtung des Mannes, der noch immer ziemlich niedergeschlagen im Rettungswagen saß. „Aber Sie können ihn ja selbst befragen, wenn Sie wollen, Mr. Monk.“ „Nein, danke. Einstweilen genügen mir Ihre Aufzeichnungen. Wenn ich diese elende Brücke hier erstmal überstanden habe, kann ich ihn immer noch befragen; seine Adresse haben Sie ja.“ Randy nickte und lauschte interessiert der nächsten Frage des Superdetektivs: „War er vielleicht Diabetiker oder Epileptiker oder hatte er sonst irgendeine Erkrankung, die eine vorübergehende Ohnmacht oder einen Anfall verursachen kann? Aber nachdem Sie auch noch nicht nach einem Führerschein, Ausweis und einer Brieftasche gesucht haben, werden Sie auch noch nicht festgestellt haben, ob er ein Notfallarmband oder etwas Dergleichen trägt.“ „Sie vermuten, dass er einen Anfall hatte?“, wollte Stottlemeyer wissen. „Eher eine plötzliche Ohnmacht, denn bei einem Anfall hätte er vermutlich um sich geschlagen oder er wäre in Zick-Zack-Linien gefahren, aber er sieht ziemlich friedlich aus, so als ob er schläft. Deswegen schließe ich eigentlich auch einen Tod durch einen plötzlichen Herzinfarkt aus. Erstens war er ziemlich jung, was aber nichts heißen mag, und Zweitens würde er viel verkrampfter aussehen oder seine Hände würden sich in einer anderen Position befinden, wenn er sich an die Brust gefasst hätte. Und das tun die meisten Menschen, die einen plötzlichen Infarkt erleiden. Außerdem wäre er dann vermutlich eher spontan aufs Gas oder auf die Bremse getreten und nicht ganz allmählich langsamer geworden.“ Disher wurde aufgeregt, weil sich die Hinweise auf seine Vermutung von vorhin immer mehr - für ihn zumindest - verdichteten: „Also, war es vielleicht doch ein Sekundenschlaf?“ „Das werden wir mit Sicherheit noch herausfinden. Spätestens nach der Obduktion werden wir mehr wissen.“ Der Captain hatte seine Hände in
die Hosentaschen gesteckt und stand breitbeinig da, als er plötzlich eine etwas zittrige Stimme vernahm: „Kann ich jetzt endlich meine Augenbinde wieder überstreifen und mich ins Auto setzen?“ „Nun, wenn Sie glauben, dass es nichts Wichtiges mehr zu eruieren gibt?“, willigte Stottlemeyer großzügig ein und er glaubte beinahe, tatsächlich zu hören, wie ein riesiger Stein von Monks Herzen fiel. „Danke, denn sehr viel länger hätte ich es hier bestimmt nicht mehr ausgehalten.“ „Und Sie sind sich ganz sicher, dass Sie nichts übersehen haben, Monk?“ „Ich bin mir zu 96%, nein zu 95% sicher, dass ich alles registriert habe?“ Der blonde, schnurrbärtige Mann war jedoch skeptisch: „Sind Sie wirklich derart sicher?“ Es dauerte eine kleine Weile, bis der lockenköpfige Mann, der nun wieder seine Augenbinde übergestreift hatte, antwortete: „Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich leider nicht in der ausreichenden Verfassung, um das zu Ihrer Zufriedenheit zu beantworten. Sagen wir 63 %ig. Oder besser 59%ig.“ „Verdammt, Monk! Sind Sie nun sicher oder nicht?“ „Es wäre hilfreich, wenn ich mir das Fahrzeug und die Unfallfotos noch einmal ansehen könnte, wenn ich wieder festen Boden unter den Füßen habe.“ Zum Glück konnte Adrian nicht sehen, dass der Captain genervt seine blauen Augen verdrehte und sich an die Stirn griff. „Na schön. Das Auto muss ohnehin noch genauer von den Forensikern untersucht werden. Kommen Sie heute nachmittag ins Police-Department; dort können Sie sich die Karre nochmal genauer ansehen.“ „Kann ich jetzt endlich gehen?“, war Monks zittrige Antwort. „Nun, hauen Sie schon ab, Monk, bevor ich es mir noch anders überlege!“ Die Hände des neurotischen Mannes tasteten nach seiner, sich üblicherweise stets an seiner Seite aufhaltenden Betreuerin Schrägstrich Assistentin, und er ließ ein erleichtertes Geräusch vernehmen, als sie aus freien Stücken seinen Ellbogen ergriff und ihn zu ihrem Auto zurückführte; erneut seltsam beäugt von sämtlichen in der Kolonne stehenden Autofahrern. Zu seiner großen Erleichterung hatte der Captain seinen uniformierten Leuten anscheinend per Funkgerät die Anweisung gegeben, die Fahrbahn soweit frei zu machen, das Natalie nach längerem Reversieren wenden und zurück fahren konnte. Anschließend musste sie Ihrer neugierigen Tochter und Kevin von dem Berichten, was passiert war. Monk sagte unterdessen kein einziges Wort, erst als die Hinterreifen von Natalies Wagen die Brücke verließen, vernahmen sie - so als ob er tatsächlich hellseherische Fähigkeiten hätte - ein erleichtertes Aufatmen von dem Mann auf dem Beifahrersitz, der - zutiefst froh über den Umstand, dass er dieses Mal die Brücke nicht überqueren musste - die Augenbinde abnahm. „Na, wie hab ich das gemacht?“ Seine Stimme klang nun wieder ganz normal, und wenn man genau hinhörte, ließ sich sogar ein gewisses Triumphgefühl heraushören. „Was meinen Sie damit? Wir sind doch nicht mal annähernd bis zum ersten Drittel der Brücke gekommen.“ Natalie musste sich auf den Verkehr konzentrieren und blieb vor einer roten Ampel stehen. „Aber ich bin ausgestiegen. Ich war auf der Brücke. Ich hatte die Brücke direkt unter meinen Füßen. Dr. Kroger wird stolz auf mich sein.“ Die Ampel schaltete auf grün und Natalie fuhr wieder los. „Glauben Sie? Also, ich bin da eher skeptisch, was das anbelangt.“ „Natalie, das war für mich so, als ob Sie in eine Achterbahn einsteigen würden.“ Doch er hatte sich geirrt, seine Assistentin hatte nämlich keinerlei Angst vor Achterbahnen. „Dann muss es doch der reinste Spaß für Sie gewesen sein.“ „Spaß? Sie haben wohl vor gar nichts Angst, was?“ Er warf Ihr einen Seitenblick zu, um dann sofort loszuschreien. „Passen Sie auf, dort vorne fährt eine Straßenkehrmaschine.“ „Ihr Lieblingsfahrzeug, Mr. Monk?“ „Liebingsfahrzeug? Haben Sie eine Ahnung, wieviel Staub so ein Gerät aufwirbelt?“ Er schüttelte seinen schwarzen Lockenkopf und das kleine Mädchen auf dem Rücksitz wollte es jetzt genauer wissen. „Was ist denn dann Ihr Lieblingsfahrzeug? Das Müllauto?“ „Nein, das ist schmutzig und riecht zu streng.“ „Ein Autobus?“ „Viel zu viele Leute, genauso wie in der Straßenbahn oder noch schlimmer - der U-Bahn.“ Dieses Spiel schien Julie zu gefallen. „Die Straßenwalze, die ebnet doch alles ein und macht die Straße schön glatt und 'gerade'?“ „Nein, ich hatte mal einen Mord mit einer Straßenwalze aufzuklären. Kannst Du Dir vorstellen, wie das Opfer aus sah?“ „Igitt!“, schrie das kleine Mädchen auf und Natalie verkündete: „Vermutlich hat Mr. Monk an allen Fahrzeugen etwas auszusetzen. „Nein, Feuerwehrautos sind in Ordnung. Die glänzen so schön rot und haben Wasser und Schaum geladen.“ „Das Wasser und der Schaum sind aber nicht zum Putzen gedacht, sondern zum Löschen. Genauso wie ein Feuerlöscher.“ Monk nickte: „Das weiß ich, aber wenn ich kein Polizist geworden wäre, dann wäre ich gerne Feuerwehrmann geworden.“ Seine Helfershelferin in allen Lebenslagen schmunzelte: „Wie würden Sie das anstellen? Sie müssten auf Leitern in schwindelnde Höhen klettern und dabei schwere Sauerstoffgeräte tragen. Sie würden voll mit Russ und müssten ausgeflossene Säuren und Laugen binden. Und Sie müssten perfekt mit Löschgeräten umgehen können.“ „Also, das kann doch nicht so schwer sein.“ Natalie hatte endlich wieder die Pine Street erreicht und fuhr auf das Wohnhaus ihres Bosses und ihres Passagiers auf der Rückbank zu, bevor sie sarkastisch antwortete: „Das sieht man an Ihrem ausgezeichneten Fachwissen über Feuerlöscher, Mr. Monk. Wenn ich damals nicht gekommen wäre, als Ihr Papierkorb in Flammen stand, dann würden Sie auch heute noch den exakten Abstand zwischen Feuer und Feuerlöscher abmessen.“ Und bevor er etwas erwidern konnte, fügte sie noch schnell hinzu: „So, da wären wir. Ich bringe jetzt Julie in die Schule und wenn ich wiederkomme, dann bringe ich Sie zu Dr. Kroger.“ „Und ich werde uns einstweilen zwei schöne Tassen Kaffee mit Rosinen zubereiten“, bot Kevin freudestrahlend und hilfsbereit an, aber Monk schien nicht sehr begeistert darüber zu sein. „Kann ich nicht mit zu Julies Schule fahren?“ „Nein, bitte nicht, Mom“, warf Natalies Tochter energisch ein. „Ich muss ihm dann wieder eine halbe Stunde lang erklären, warum meine Mitschüler und ich keinen Mundschutz und Plastikhandschuhe tragen.“ „Julie, eine Schule ist der reinste Seuchenherd. Sich ohne Sicherheitsvorkehrungen dort hinzuwagen, ist lebensgefährlich.“ Sie warf Monk einen sichtlich genervten Seitenblick zu und ihrer Mutter einen flehenden. „Siehst Du, Mom. Das macht er jedes Mal.“ „Schon gut, mein Schatz Warum ziehen [I]Sie[/I] eigentlich keine Handschuhe an, Mr. Monk, dann könnten Sie sich eine Menge Tücher sparen?“ Ihr Boss blickte sie an, als ob sie nicht ganz bei Trost wäre. „Damit ich mir jedesmal, wenn ich jemandem die Hand gegeben oder etwas berührt habe, ein neues Paar Handschuhe anziehen muss?“ „Aber Sie müssten die Handschuhe doch nur ein- oder zweimal pro Tag wechseln?“ Sie begriff seine seltsame Reinlichkeits-Philosophie anscheinend noch immer nicht. „Und was ist, wenn ich mich zwischendurch einmal selbst berühren muss? Oder wenn ich etwas essen oder trinken möchte?“ Natalie resignierte. Es hatte ohnehin keinerlei Sinn, ihn von seinen seltsamen Gepflogenheiten abzubringen; sie sagte stattdessen: „Mr. Monk, hier ist vorläufig Endstation. Sie können sich entweder bei einem gemütlichen Plausch Kevins Spezial-Kaffee einverleiben oder Ihre Wohnung in dieser Woche zum siebten Mal auf Vordermann bringen; je nachdem, wie es Ihnen lieber ist.“ Adrian war bereits ausgestiegen und warf noch einen letzten Blick zum Beifahrerfenster hinein. „Dreimal dürfen Sie raten, was ich wohl bevorzuge.“ „Kevin, es tut mir leid, aber ich habe es zumindest versucht.“ Der junge Mann legte seinen Kopf schief und seufzte resignierend. Und Natalie winkte den beiden noch einmal freundlich zu, bevor sie sich auf den Weg zur Schule ihrer Tochter machte.
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