Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Monk - Spezialauftrag für Mrs. Ling

von messssem
GeschichteHumor / P6 / Gen
30.05.2006
30.05.2006
1
980
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
30.05.2006 980
 
SPEZIALAUFTRAG FÜR MRS. LING:


Es ist 10 Uhr morgens in San Francisco. Mrs. Ling, die gerade ihre Wäscherei geöffnet hat, erhält eine Großlieferung von Monk: Etliche sorgfältig verpackte und verschnürte Kartons mit einer Aufschrift, die aussieht, als wäre sie mit der Schreibmaschine getippt, lagern im Verkaufsraum. Mrs. Ling öffnet die einzelnen Pakete und findet darin sämtliche Hemden und Sakkos von Monk, alle ohne Knöpfe und mit kleinen, ordentlich befestigten, numerierten, vollkommen quadratisch ausgeschnittenen Schildchen daran. In einer anderen Schachtel befindet sich Monks Bettwäsche, ebenfalls ohne Knöpfe und mit akkuraten Schildchen. Im letzten Paket schließlich jede Menge kleiner Säckchen mit den fehlenden Knöpfen, genauestens mit Nummern und den Bezeichnungen: Hemd, Sakko, Kopfkissen, Deckenüberzug versehen. Es dauert nicht lange, und Monk eilt höchst persönlich bei der Tür der Wäscherei herein. Er trägt eine dunkelbraune Strickjacke, deren Reißverschluß bis oben hin zugezogen ist.
Mrs. Ling: Mr. Monk, wir haben August und 30 Grad da draußen. Bei dieser Hitze trägt man doch keine Strickjacke!
Monk: Genau deswegen bin ich ja hier.
Mrs. Ling: Wie meinen Sie das bitte? Und was sollen eigentlich diese ganzen Sachen hier? Können Sie mir bitte erklären, was das alles soll?
Monk: Nun ja, ich hab' gerade meinen Urlaubs-Bonus vom Polizeidepartment erhalten.
Mrs. Ling: Und was hat das mit Ihrer Bettwäsche, Ihren Hemden und Sakkos zu tun? Wollen Sie auf Urlaub fahren?
Monk: Um Gottes Willen, nein! Ich und wo anders hinfahren oder gar fliegen? Ich bin doch nicht lebensmüde! Ich bleibe lieber hier, wo ich mich auskenne und wohl fühle. Naja – zumindest mich bemühe, mich wohl zu fühlen. Mit Natalies Hilfe selbstverständlich.
Mrs. Ling (ungeduldig): Könnten wir jetzt endlich zur Beantwortung meiner Frage kommen, bitte!
Monk: Nun, Natalie hat gemeint, nachdem ich eben nicht auf Urlaub fahren will, soll ich mir doch einen anderen Herzenswunsch gönnen.
Mrs. Ling: Und der wäre?
Monk: Seh'n Sie, alle Knöpfe an meiner Wäsche und meiner Kleidung waren kreuzförmig angenäht. Aber ich hätte sie viel lieber parallel. Denn parallel ist gleich - verstehen Sie? Kreuzförmig ist nicht gleich, sondern ....... kreuzförmig. Und da habe ich mir gedacht, ich leiste mir das Vergnügen, alle meine Knöpfe neu annähen zu lassen.
Mrs. Ling: Sämtliche Knöpfe? Ach, du lieber Himmel!
Monk: Und wenn's geht, bitte möglichst schnell! Ich habe, um Zeit zu sparen, Ihnen schon etwas Arbeit abgenommen und letzte Nacht alle Knöpfe abgemacht. Ich brauche nämlich nur eine dreiviertel Stunde Schlaf pro Nacht. Das ist für mich völlig ausreichend.
Mrs. Ling (fassungslos): Mr. Monk, haben Sie eine Ahnung, wie lange es dauert, bis sämtliche Knöpfe wieder angenäht sind?
Monk: Ja – äh, nein. Aber das macht nichts.
Mrs. Ling: Ja Ihnen macht es vielleicht nichts aus, aber mir!
Monk: Aber wenn es nun doch mal ein Herzenswunsch von mir ist. Haben Sie denn keine Herzenswünsche, Mrs. Ling?
Mrs. Ling: Doch, dass Sie sich eine andere Wäscherei suchen!
Monk: Aber Sie sind nun einmal die Einzige hier in der Stadt, die die Knöpfe parallel annäht.
Mrs. Ling: Zu meinem größten Bedauern, ja. Ich überlege mir allerdings gerade, meinen Stil zu ändern, oder besser noch gleich meinen Beruf. (Sie lässt sich erweichen). Also gut, Mr Monk, es kann aber etwas dauern.
Monk: Ach, Schade! Aber könnten Sie mir wenigstens drei Hemden und drei Sakkos sofort fertig machen, damit ich sie gleich mitnehmen kann?
Mrs. Ling: Wieso das denn?
Monk: Nun ja, ich dusche mindestens drei Mal am Tag - wie jeder einigermaßen vernünftige Mensch es eigentlich tun sollte - und ich ziehe anschließend selbstverständlich frische Sachen an. Deswegen habe ich auch diese Strickjacke an. Ich trage nämlich ein Hemd darunter, das ich mir in Mexiko zwangsweise kaufen musste und als Souvenir mitgenommen habe. Mit dem ich mich aber nicht unter andere Menschen wagen kann. Ich habe schließlich einen Ruf zu verlieren! Und stellen Sie sich vor, dort, wo ich dieses Hemd gefunden habe – in der untersten Schublade – lag noch ein anderes, ein grellbuntes Hawaiihemd. Ich frage mich nur, woher ich dieses schreckliche Teil habe. Muss wohl ein Abschiedsgeschenk von Sharona gewesen sein.
Mrs. Ling (sichtlich genervt): Sie fahren also doch auf Urlaub?
Monk: Gott bewahre – nur dieses eine Mal war ich außer Landes.
Mrs. Ling: Aber es wäre schön, wenn Sie es tun würden.
Monk: Wollen Sie mich umbringen?
Mrs. Link: Dieser verlockende Gedanke drängt sich mir langsam auf. (Sie gibt nach.) Also schön, hätten Sie außerdem noch irgendwelche Sonderwünsche?
Monk: Allerdings! Wenn Sie so nett wären, und die Parallel-Stiche alle horizontal machen könnten und nicht vertikal.
Mrs. Link: Aus welchem Grund?
Monk: Weil es mir horizontal nun einmal besser gefällt und wenn Sie sie horizontal und vertikal durcheinander machen würden, dann wären Sie doch nicht gleich. Das verstehen Sie doch, oder? Sie hätten es doch auch lieber gleich, oder etwa nicht?
Mrs. Ling schweigt und blickt ihn finster an. Monk legt seinen Kopf schief und sieht sie mit einem Lächeln und einem Dackelblick aus seinen dunkelbraunen Augen an. Sie lässt sich schließlich doch erweichen.
Mrs. Ling: Also gut, Sie können drei Hemden und drei Sakkos in einer Stunde abholen.
Monk: Vielen Dank, Mrs. Ling. Ah, eine Bitte hätte ich doch noch.
Mrs. Ling (ungeduldig und ängstlich auf seine Antwort wartend): Was denn noch?
Monk: Wenn ich Ihnen dann gleich noch meine Bettwäsche von heute mitbringen dürfte und eine neue mitnehmen. Ich überziehe mein Bett selbstverständlich täglich. Sie würden doch auch nicht zwei Mal in der gleichen Bettwäsche schlafen wollen, oder?
Mrs. Ling (schweigt und ist den Tränen nahe. - Sie seufzt): Also schön, ich mach' dann auch noch eine Bettwäsche-Garnitur für Sie fertig. Wären Sie dann endlich zufrieden? (Sie sieht ihn furchtsam abwartend an.)
Monk: Nein, das wäre einstweilen alles. Ich komme dann in einer Stunde wieder und hole die Sachen ab.
Mrs. Ling: Also dann bis später, Mr. Monk.
Monk: Ja, bis in einer Stunde, Mrs. Ling. Und den Rest hole ich dann gleich morgen früh um 10 Uhr ab.

ENDE
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast