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Monk - Dr. Krogers Nervenzusammenbruch

von messssem
GeschichteHumor / P6 / Gen
30.05.2006
30.05.2006
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DR. KROGERS NERVENZUSAMMENBRUCH:


Als Ausgleich zu seiner nervenaufreibenden Arbeit mit seinen manchmal ziemlich schwierigen Patienten, hat sich Dr. Kroger ein beruhigendes Hobby zugelegt: Er malt. Und seine Gemälde finden sogar regen Anklang bei einigen Fachleuten. Weswegen der Vater einer seiner Patientinnen, ein bekannter Galerist, sich bereit erklärt hat, seine Werke auszustellen.
Damit auch diejenigen Patienten, die ein wenig Öffentlichkeitsscheu sind, seine Bilder besichtigen können, hat Dr. Kroger veranlasst, dass jene schon am Vortag Zutritt zur Galerie erhalten. Doch leider ist seiner Sekretärin bei der Terminplanung ein kleines Missgeschick passiert, und sie hat für zwei Patienten, die nahezu an den selben Krankheits-Symptomen leiden, den gleichen Zeitpunkt im Kalender vermerkt. Und so konnte es geschehen, dass die Ausstellung in ein kleines Desaster verwandelt wurde:
Galerist: Guten Tag, was kann ich für Sie tun?
Monk: Ich bin ein Patient - äh - Bekannter von Dr. Kroger und würde mir gerne die Ausstellung ansehen.
Galerist: Wenn Sie mir bitte folgen würden. Zufällig ist gerade ein anderer „guter Bekannter“ von Dr. Kroger anwesend. (Als Monk jenen sieht, wird ihm unbehaglich zumute.)
Monk (nicht gerade begeistert): Harold Krenshaw, was für eine Überraschung Sie hier anzutreffen.
Harold: Sagen Sie bloß, Sie haben auch eine Einladung erhalten?
Monk: Selbstverständlich! Schließlich bin ich mit Dr. Kroger gut bekannt.
Harold: Was Sie nicht sagen! Mich jedenfalls hat er persönlich angerufen.
Monk: Das glauben Sie doch wohl selbst nicht!
Harold: Rufen Sie ihn doch an und fragen Sie ihn!
Monk: Leider habe ich seine Telefonnummer nicht.
Harold: Ha! Aber ich schon!
Monk: Dr. Kroger würde niemals einem Patienten-
Galerist: Ich will Sie ja nur ungern in Ihrem Disput unterbrechen, aber sind Sie nicht eigentlich gekommen, um Dr. Krogers Bilder zu sehen?
Monk (einlenkend): Sie haben recht, wir sind nicht hier, um zu streiten, sondern um uns Bilder anzusehen.
Galerist: Gut, dann genießen Sie die Ausstellung. Ich kann Sie doch für ein paar Minuten alleine lassen? Ich habe nämlich noch ein paar wichtige Telefonate zu führen.
Monk und Harold gleichzeitig: Aber selbstverständlich! Gehen Sie nur.
Stumm betrachten die beiden die Werke Ihres Therapeuten, bis einer von Ihnen plötzlich folgende Feststellung macht:
Harold: Also, wenn Sie mich fragen, dann hängt dieses Bild dort drüben eindeutig schief. Finden Sie nicht auch?
Monk: Ja, und das dort hinten steht anscheinend auf dem Kopf. (Während Harold das Bild gerade rückt, dreht Monk das andere um.) Jetzt hängt es korrekt.
Harold: Finden Sie nicht auch, dass sich das große Bild dort hinten an der gegenüberliegenden Wand besser machen würde?
Monk: Ich bin ausnahmsweise ganz Ihrer Meinung. Und das Bild, das an jener Stelle hängt, würde sich viel besser anstelle des kleinen dort hinten in der Ecke machen. (Sie tauschen die Bilder aus und bemerken, dass an einigen kleine Preisschilder hängen.)
Monk: Oh, es sieht so aus, als ob sich Dr. Kroger einen kleinen Nebenverdienst verschaffen will.
Harold: Vielleicht gefallen ihm ja manche seiner Bilder nicht? (Er legt seinen Kopf schief und betrachtet eindringlich ein ganz besonders buntes Bild.) Also, wenn Sie mich fragen, so ist der angegebene Preis für dieses Gemälde viel zu niedrig angesetzt. (Er nimmt das Preisschild und tauscht es gegen ein anderes aus.)
Monk: Was machen Sie denn da? Sie können doch nicht einfach die Schilder vertauschen!
Harold: Aber sehen Sie sich doch dieses Gemälde an! Er hat hier viel mehr Farbe verbraucht als bei dem anderen. Und Farben sind, so viel ich weiß, sehr teuer. Also ist dieser Preis doch eher angemessen.
Monk: Wenn man es von diesem Standpunkt aus betrachtet, haben Sie wohl recht.
Harold: Ja, und bei dem Bild dort drüben hat er die Farben viel zu großzügig aufgetragen. Was für eine Verschwendung! (Er geht, und tauscht erneut zwei Preisschilder aus.)
Monk: Meiner Meinung nach, ist hier so einiges Falsch angeschrieben. Muss wohl ein Fehler des Galeristen gewesen sein. (Sie tauschen nun beide munter die Preise der Gemälde aus.)
Harold: Sehen Sie sich dieses Bild an! Das ist doch viel zu klein für den Rahmen. Und was soll dieses Karton-Dings da drumherum.
Monk: Das ist ein Passepartout.
Harold: Was, dieses Bild ist gar nicht von Dr. Kroger? Was hat es dann hier zu suchen?
Monk: Sie Kulturbanause! Ein Passepartout ist-
Harold: (unterbricht ihn ärgerlich): Wollen Sie damit andeuten, ich wüßte nicht, wer oder was ein Passepartout ist?
Monk will etwas darauf erwidern, doch er spart sich jedweden Kommentar und beobachtet statt dessen, wie Harold das Bild von der Wand nimmt:
Harold: Das stellen wir besser zur Seite. Das passt doch gar nicht zu den anderen. (Sie machen eine zweite Runde und beäugen kritisch die Werke ihres Arztes.)
Monk: Also, wenn Sie mich fragen, dann ist dieses Bild hier viel zu grell.
Harold: Ja, und dieses hier ist hingegen viel zu dunkel.
Monk: Diesem hier würde ein Klecks roter Farbe gut tun.
Harold: Und bei jenem hat unser guter Doktor ein wenig gepfuscht. Es ist nicht zentriert. Rechts ist mehr drauf als links.
Monk: Und diese Linien sind nicht gerade - sie sind vollkommen schief und krumm. Und außerdem verlaufen Sie nicht parallel.
Harold: Ach, meinen Sie?
Monk: Ja, das meine ich? Aber Sie haben ja keinerlei Ahnung von Malerei.
Harold: Das nehmen Sie sofort zurück!
Monk: Ich denke nicht daran.
Um sich gegenseitig in ihren Fachkenntnissen zu übertrumpfen, vergessen die zwei jedwede Vernunft und lassen ihren Zwangsneurosen nun vollkommen freien Lauf:
Harold: Wissen Sie was? Wir sollten uns hier nicht herum streiten, wir sollten viel lieber unserem guten Doktor helfen. Ich habe ein paar Mal-Utensilien meiner Tochter mitgebracht. Wir werden einfach ein paar der Bilder retuschieren.
Monk: Sie haben eine Tochter?
Harold: Ja, ich habe eine Tochter. Ganz im Gegensatz zu Ihnen. Aber das ist auch besser so. Ein Typ, der einen so krankhaften Ordnungsfimmel wie Sie aufweist, sollte sich nicht vermehren.
Monk: Wollen Sie mich weiterhin beleidigen, oder wollen wir endlich ans Werk schreiten?
Harold: Sie haben vollkommen recht. Fangen wir an.
Monk: Wir brauchen etwas, um die Farben anzurühren.
Harold: Kein Problem, wir nehmen ganz einfach dieses Bild von dem Kerl aus „In 80 Tagen um die Welt“, um die Farben zu mischen.
Noch ehe Monk etwas einwenden kann, hat Harold schon einen Tupfer Farbe darauf gekleckst. - Voller Enthusiasmus, angetrieben von Ihrem krankhaften Sinn für Genauigkeit, gehen sie schließlich ans Werk:
Hier fehlt ein Tupfen „Orange.“ - Dieser Baum ist vollkommen falsch gemalt. Ein Baum ist doch nicht blau! Das muss sofort korrigiert werden. - Sehen Sie sich nur diese Linien an, vollkommen schief und krumm! - Ich male hier noch etwas hinzu, damit es nicht so leer wirkt. - Hier sind die Proportionen vollkommen falsch. Das muss ich sofort ändern!
Harold (schreit plötzlich auf): Ha, hier hängt ja ein Portät von Ihnen.
Monk (kommt interessiert näher und betrachtet das Bild eindringlich) Finden Sie wirklich, das ich das bin?
Harold: Aber das sind doch eindeutig Sie! Es ist voller Ecken und Kanten. Ein richtiger Quadratschädel.
Monk (beleidigt): Das nennt man Kubismus, Sie Snob!
Harold: Ach, Sie sind ja so klug, Sie verkappter Picasso!
Monk: Wir sollten aufhören, uns zu streiten!
Harold: Sie haben recht. Wir sollten uns lieber wieder um die Bilder kümmern. Ist Ihnen schon die Kritzelei unten am Rand aufgefallen?
Monk: Soll das etwas Dr. Krogers Name sein? Den kann ja keiner lesen!
Harold: Wie gut, dass ich auch Terpentin dabei habe. Haben Sie ein Tuch?
Monk: Ich habe tausende Tücher zu Hause.
Harold: Ich meinte, haben Sie eines hier?
Monk: Selbstverständlich! Ich verlasse nie ohne Tuch das Haus.
Und die beiden machen sich weiter an Ihr Zerstörungswerk. Sämtliche Signaturen von Dr. Kroger werden mittels Terpentin entfernt und anschließend mit Buchstaben in akkurater Schönschrift, die aussieht, als wäre sie mit der Schreibmaschine getippt, überschrieben:
Harold: So, das hätten wir geschafft!
Genau in diesem Moment betritt der Galerie- Besitzer den Raum. Als er sieht, was die beiden angerichtet haben, schlägt er schockiert die Hände über dem Kopf zusammen. Er lässt eine Schimpfkanonade auf die beiden nieder und wirft sie hochkantig aus seiner Galerie hinaus. Dann setzt er sich ans Telefon, um Dr. Kroger zu verständigen:
Dr. Kroger: Hallo?
Galerist: Dr. Kroger, hier spricht Peter Benning. Ich hoffe, Sie sitzen gut, da ich Ihnen etwas Schreckliches mitteilen muss.
Er berichtet in Kurzfassung, was passiert ist und macht dem guten Doktor einen Vorschlag:
Galerist: Leider haben die beiden all Ihre Bilder vollkommen ruiniert. Haben Sie vielleicht noch irgendwelchen anderen Gemälde zu Hause, die wir statt dessen aufhängen können?
Dr. Kroger (mittlerweile kreideweiß geworden): Nein, das waren meine gesamten Werke. Alle Bilder, die ich je gemalt habe, hängen in der Galerie.
Galerist: Das ist ja eine Katastrophe. Ich habe einige honorige Männer zur morgigen Eröffnung eingeladen. Sogar der Bürgermeister hat sein Kommen zugesagt, und er hat mir mitgeteilt, dass er den Gouverneur mitbringen würde.
Dr. Kroger (am ganzen Körper zitternd): Den Gouverneur, ach du lieber Himmel! Was sollen wir nur tun?
Galerist: Uns bleibt nur eine Möglichkeit: Die Bilder hängen zu lassen, und zu hoffen, dass niemandem die Manipulationen auffallen.
Das Gespräch wird beendet und Dr. Kroger schlägt fassungslos die Hände vors Gesicht:
Am nächsten Tag: Die Eröffnung der Ausstellung ist ohne besondere Zwischenfälle verlaufen, obwohl ein äußerst nervöser Dr. Kroger, der die ganze Nacht lang kein Auge zugetan hat, kreidebleich durch die Gegend schwankt. Doch keinem Anwesenden scheint etwas aufzufallen. Alle finden lobende Worte für die Kunstwerke des Doktors. Plötzlich löst sich einer der Betrachter aus der Menge und begibt sich zu dem Arzt, der sich am besten gleich selbst therapieren sollte, da er ein einziges Nervenbündel ist.
Bewunderer: Oiso, Dr. Kroger, Ihnare Buidl'n san einfoch leiwand! Auf deanan hearscht so a richtig scheane Action. I bin voikommen begeistat, und mei Frau, de Maria, a! Leida hob i heit net vü zeit, oba i vasprich Ihna: I'll be back.
Nun die Übersetzung auf Hochdeutsch:
Also, Dr. Kroger, Ihre Bilder sind einfach toll! Auf jenen herrscht eine richtig schöne Action. Ich bin vollkommen begeistert und meine Frau, die Maria, auch. Leider habe ich heute nicht viel Zeit, aber ich verspreche Ihnen: I'll be back!
Dr. Kroger (gelingt es gerade noch zu murmeln) Vielen Dank, Mr. Gouverneur! (-bevor er endgültig aus den Latschen kippt.)

ENDE
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