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Wie weit bist du bereit zu gehen?

von Aelea
GeschichteLiebesgeschichte / P18
Magneto / Eric "Magnus" Lehnsherr Mystique / Raven Darkholme Wolverine
26.05.2006
03.07.2007
13
19.716
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26.05.2006 1.750
 
(spielt zwischen erstem und zweitem Teil)

In dem Moment, als Logans Hirn die verdammte Benommenheit abzustreifen versuchte, traf ihn der Schmerz so stark, als bombardierte ihn erneut ein Trümmerstück geradewegs zurück in die Bewusstlosigkeit.
Mit einem schmerzerfüllten Stöhnen griff er sich an den Kopf, hielt die Augen jedoch geschlossen, wartete darauf, dass das Dröhnen in seinem Schädel nachließ mit dem Gefühl der Heilung, das er immer mit Kühle verbunden hatte.
Der Schmerz blieb, heiß und brodelnd.
Ärgerlich knurrend richtete er sich auf, verbannte den Schmerz in sein Unterbewusstsein und öffnete die Augen einen Spalt breit.
Wo zum Teufel war er?
Er war sicher, den Raum, in dem er sich befand, nie zuvor gesehen zu haben. Er war annähernd quadratisch, dabei niedrig genug, die Decke berühren zu können, sobald er den Arm über den Kopf hob. Wände, Decke und Boden bestanden aus spiegelndem Metall, in dem er keine einzige Unebenheit ausmachen konnte, nur direkt neben ihm befand sich ein großes Fenster, das fast fugenlos mit der Wand neben sich abschloss; da es jedoch nur Schwärze zeigte, hätte es ebenso gut ein schwarzes Material sein können. Weißes, grelles Licht flutete aus einer nicht erkennbaren Quelle durch den Raum und brannte in seinen noch empfindlichen Augen; der Raum selbst war leer bis auf ein einzelnes, im Boden verankertes Bett, ebenfalls aus Metall sowie ein winziges Bad in der gegenüberliegenden Ecke.
Ein Gefängnis.
Reflexartig schossen die Krallen zwischen seinen Knöcheln hervor, während er sich mit dem Blick eines Jägers im Raum umsah, und zogen sich zurück, als er die bisher überraschendste Entdeckung machte.
Er war nicht allein.
Bereit, sich zu verteidigen, musterte er seinen Mitgefangenen. Er hatte sich zusammengerollt und präsentierte Logan nur seinen nackten, blutigen Rücken unter zerfetzten Resten von Kleidung.
Er konnte keine Bewegung feststellen. Vielleicht war der am Boden Liegende bereits tot.
Vielleicht wäre er selbst schon tot ohne seine Mutation.
Wachsam trat er auf seine andere Seite und mit einem Schlag kehrten die dumpfen Schmerzen in seinem Kopf zurück, so allmächtig, dass er sich an der Wand in seinem Rücken abstützte, um nicht zu taumeln.
Levin.
Rotblondes Haar, das jetzt fast schwarz wirkte, über irritierend dunkler Haut. Nur vier Finger an jeder Hand.
Levin.
„Verdammt“, flüsterte Logan und ließ sich neben ihr zu Boden sinken.
Wenn sie tot war, war er dafür verantwortlich. Er, der er entgegen Professor Xaviers Wunsch zugestimmt hatte, sie zu ihren Eltern zu bringen und sie im Gegenzug zu beschützen.
Er streckte eine Hand nach ihrem Handgelenk aus, wollte ihren Puls fühlen in der kleinen, schwachen Hoffnung, sie könnte noch leben.
Einen Zentimeter bevor er ihre Haut berührte traf ihn ein Stromschlag, stark wie ein Blitz; eine erbarmungslose, gigantische Energiemenge, die sich rücksichtslos ihren Weg durch seinen Körper bahnte, bis sie das Metall unter seinen Füßen fand und sich in den glänzenden Boden ergoss, um dort frei fließen zu können.
Mit einem so heftigen Atemzug, dass er wie ein Schrei klang, öffnete Levin die Augen und wich vor ihm zurück, bevor sie ihn auch nur erkannte. Dann erst hielt sie inne. „Logan?“, fragte sie lautlos und schlug die Hände vor ihr Gesicht. „Oh nein, das tut mir leid – das wollte ich nicht.“
Versengte, in seiner eigenen Vorstellung qualmende Nervenenden versagten ihm die Antwort. Erst Sekunden später, als er sicher war, dass ihm seine Muskeln gehorchen würden, schüttelte er den Kopf und setzte sich.
„Ich hab mich schon immer gefragt, was eigentlich deine Fähigkeiten sind“, beschied er ihre Entschuldigungen trocken.
Ein vorsichtiges Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
Logan musterte sie aufmerksam. Über ihrer linken Augenbraue zog sich eine Platzwunde quer über ihre Stirn, die gesamte rechte Hälfte ihres Halses war blutbesudelt und der fehlende rechte Ärmel ihres Pullovers zeigte ein Sammelsorium von nur teilweise verschorften Schnitt- und Kratzwunden. Das zerfetzte Ende des anderen Ärmels offenbarte etwas, das wie ausgesprochen ernst gemeinter Selbstmordversuch aussah.
Den Rest ihrer Verletzungen entzog sie hastig seinen Blicken. „Mir geht es gut“, beteuerte sie.
„Der Professor wäre da ganz zweifellos deiner Meinung“, kommentierte Logan und fragte sich, ob er ebenso ausgesehen hatte, als ... ja, wann eigentlich?
„Wo sind wir?“, fragte Levin, sah sich im Raum um und kam offensichtlich zu den gleichen Erkenntnissen wie er zuvor.
„Ich weiß es nicht.“ Er versuchte, sich zu erinnern, doch alles, woran er sich erinnerte, war, dass es schnell gegangen war. Verdammt schnell. Im einen Moment hatten sie in dem Wagen gesessen, den der Professor Logan anstelle eines Motorrads anbefohlen hatte, im nächsten lagen sie abseits der Straße auf dem Wagendach, während der Wald um sie herum sich die größte Mühe gab, sich und sie selbst zu verbrennen.
„Aber ich schätze, es war kein Zufall.“
Mit zusammengezogenen Brauen sah er zu, wie Levin versuchte, aufzustehen und sich dabei am Bettgestell festklammerte, um nicht umzufallen. Schließlich ließ sie sich einfach auf die weiße Matratze fallen.
„Du hast nicht zufällig irgendwelche weiteren Fähigkeiten, die dir gerade das Leben retten könnten?“, erkundigte er sich betont beiläufig. Umso überraschender kam ihr hastiges Kopfschütteln.
„Nein ... gar nichts.“
Logan ersparte es ihnen beiden, eine weitere Bemerkung über Einzelunterricht beim Professor persönlich fallen zu lassen und betrachtete stattdessen prüfend die verglaste Stelle in der Wand.
Mit einem leisen Klirren traten die Klingen ein weiteres Mal hervor.
„Und du hast nicht zufällig eine Idee, warum irgendjemand sich die Mühe machen sollte uns beide zu entführen?“
Mit einem kläglichen Lächeln schüttelte sie den Kopf. „Vielleicht ist irgendwo der Strom ausgefallen?“, schlug sie vor.
Mit aller Kraft hieb Logan seine Krallen gegen das Fenster; Adamantium gegen Glas. Wütend wich er zurück, als das Metall abglitt ohne auch nur einen Kratzer zu hinterlassen. Blut quoll zwischen seinen Knöcheln hervor.
„Ich schätze, das wars“, stellte er fest, schlug probehalber auf die glänzende Metallwand ein, doch weder ließ sich das Metall verbiegen, noch fand er einen Ansatzpunkt auf der glatten Fläche.
Ärgerlich trat er zurück, wütend nicht nur auf die Erbauer des Gefängnisses, sondern auch auf sich selbst. Er selbst hätte irgendwie einen Weg hinausgefunden, dessen war er sicher. Doch nun trug er zudem die Verantwortung für Levin. Ohne auch nur die geringste Wirkung auszuüben, hieb er mit der Faust auf die Wand ein.
„Also wenn ...“, er brach ab, als die durchdringende Schwärze einem anderen Anblick wich; vom Rande seines Blickfelds durch die klare Sichtscheibe näherten sich drei Gestalten auf einer dünnen metallenen Platte. „Großartig“, schloss er dumpf.
„Was? Was ist los? Was siehst du?“
„Ein ziemlich großes Problem. Und ein ziemlich mächtiges.“ Ihm fiel auf, dass der Raum größtenteils aus Metall bestand. „Levin, wenn du eine rettende Idee oder Fähigkeit hast, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt.“
Er hatte ein Nein erwartet, zu seiner Überraschung biss sie sich jedoch nur auf die Lippen. „Ich müsste wissen, was ...“
Alles schien gleichzeitig zu geschehen; mit einem dumpfen Knall prallte Logan an die Wand neben Levin, unfähig, sich zu bewegen, auch wenn er nicht aufhörte, sich zu bewegen. Die Wand mit dem eingelassenen Fenster schmolz, verbog sich und riss auf; drei Menschen – Mutanten traten hindurch und die Wand schloss sich gehorsam hinter ihnen, als einer von ihnen die Hand hob.
Auch Levin wusste, was das bedeutete.
Magneto.
In Sekundenbruchteilen baute sich im Raum eine Spannung auf wie vor einem seit Wochen überfälligen Sommergewitter – ein gleißender Blitz sprang von Levin zu Magneto, der ihn jedoch mit einer scheinbar aus dem Nichts beschworenen Metallkugel vor seinem Gesicht abfing. Levin sank zurück, doch auch Magneto schien schwerer zu atmen.
„Beeindruckend“, nickte der alte Mann beifällig. Mystique trat aus seinem Schatten und näherte sich Logan bis auf wenige Schritte, ein weiterer Mutant – ein riesiger, massiger und unglaublich behaarter Mann – blieb an Magnetos Seite stehen.
„Hey, wenn Sie sich grillen lassen wollen, brauchen Sie doch nur freundlich fragen. Ich bin sicher ...“, der Rest des Satzes blieb Logan in der Kehle stecken, als ihm die Adamantiumklingen durch die Haut gezwängt und so weit auseinandergebogen wurden, dass er die Knochen knacken zu hören glaubte.
„Wolverine ...“, die Hand noch immer beschwörend erhoben trat Magneto direkt neben seinen Gegner, „du ahnst nicht, wie es mich freut, dass ausgerechnet du mit in die Falle getappt bist. Unbegrenzt belastbar und trotzdem keine Bedrohung für mich – und bis wir dich töten wirst du soweit sein, dass du mich darum anflehst.“
Seine Bedeutung schien sich damit für ihn erschöpft zu haben, denn ohne ein weiteres Wort wandte sich Magneto nun Levin zu. Mit deutlich missbilligendem Blick betrachtete er die Wunden, mit denen ihr Körper übersät war und warf seinem Begleiter einen tadelnden Blick zu. Als Levin vor ihm zurückwich, schüttelte er beruhigend den Kopf.
„Nein, nein, meine Liebe, du brauchst keine Angst zu haben; dir wird hier nichts geschehen. Von dir möchte ich nur ein wenig Unterstützung, das ist alles. Danach kannst du gehen.“
„Was für Unterstützung?“
Er warf Logan einen verächtlichen Blick zu, bevor er sich mit leuchtenden Augen wieder ihr zuwandte. „Energie. Alle Energie, die du mir geben kannst, nur für einen kurzen Moment. Das ist alles.“
„Wozu?“
„Das braucht dich nicht zu interessieren.“
„Um alle Menschen zu vernichten“, brachte Logan hervor.
Magnetos Begleiter trat auf dessen unwilligen Blick hin vor.
„Was willst du denn, Pelzknäuel?“, knurrte der Gefangene.
Mit einem einzigen Schlag, der Logans Knochen hörbar brechen ließ, brachte er ihn zum Schweigen.
Ungehalten über die kurze Unterbrechung wandte sich Magneto wieder an Levin. „Nun ...“
„Nein.“
„Wie bitte?“
„Ich werde Ihnen nicht helfen.“
Der ältere Mann schwieg. Dann erhob er sich mit ehrfurchtgebietender Dramatik. „Du hast mich nicht richtig verstanden; du wirst mir helfen, egal, ob du es willst. Die Frage ist nur, wie viel Zeit bis dahin vergehen muss ... und wie viel er“, mit einer flüchtigen Kopfbewegung deutete er auf Logan, „vorher leiden muss.“
Levin biss sich auf die Lippen. „Nein.“
„Wie du willst. Ich kann warten.“
Er nickte seinen beiden Begleitern zu. „Coat“, wandte er sich an den Mann, der augenblicklich verstand und hinausging.
Sorgsam zog Magneto einen winzigen Metallkörper aus der Tasche und trat neben Levin, so, dass Logan zusehen konnte. „Nur falls du auf die Idee kommen solltest, zu fliehen“, erklärte er und ließ den kleinen Gegenstand direkt in Levins Körper fliegen. Sie schrie auf, mehr vor Überraschung als aus Schmerz.
„Dieser Raum wird überwacht. Solltest du“, wandte er sich an Logan, „ihn verlassen, wird sie ... nun ja, es zu spüren bekommen.“
Coat kehrte zurück, in der Hand einen silbrig glänzenden Metallkasten, den er achtlos gegen Logans Brust warf.
„Viel Spaß“, verabschiedete sich Magneto, öffnete die Wand und trat hinaus.
Während sie davonflogen, winkte er freundlich; mit einem schweren Stöhnen sang Logan an der Wand entlang zu Boden.
„Großartig“, knurrte er.

P.s. Welche sadistische Ader? *pfeif*
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