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Ningen no tamashii wa mizu ni nite-iru - Die Seele des Menschen gleicht dem Wasser.

von lilfury
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Itachi Uchiha Kisame Hoshigaki Zabuza Momochi
14.05.2006
14.05.2006
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14.05.2006 7.257
 
Vertrauen war schon etwas seltsames.

Ein Lächeln huschte über Kisames Gesicht, als er zu seinem Partner sah. Ohja, etwas sehr seltsames.

Nach der Vergangenheit, die sie beide gehabt hatten, hatte er es nicht für Möglich gehalten, dass sie überhaupt jemals wieder jemandem vertrauen könnten. Und jetzt saßen sie hier, dicht neben einander, Itachis Kopf auf seiner Schulter. Erst vor wenigen Minuten war der Jüngere in einen tiefen und ruhigen Schlaf gefallen, wie jede Nacht.

Kisame selbst schlief kaum. Nicht, weil er es für unnötig oder für ein Zeichen für Schwäche hielt, nein, es war einfach gefährlich. Sollten sie in der Nacht überrascht werden, kam es auf Sekunden an und eben diese fehlten dann. Erst gegen Morgen, wenn Itachi ausgeschlafen hatte, döste er ein paar Stunden leicht vor sich hin, das genügte. Sein Körper erholte sich auch so gut genug.

Es machte ihm nichts aus, ständig Wache zu halten, im Gegenteil. Es war seltsam, aber er mochte das Gefühl voll und ganz verantwortlich zu sein für das Wohlergehen seines Partners. Wenn er wollte, könnte er ihn töten, ohne, dass der Andere überhaupt etwas von seinen Absichten mitbekam. Wenn er wollte, könnte er ihn im Fall eines Überraschungsangriffs einfach im Stich lassen. Wenn er wollte,... aber er wollte nicht.

Für einen Moment ruhten seine Augen noch auf dem Gesicht des Jüngeren, dann wandte er sie ab und sah in die Ferne.

Nicht mehr lange und sie waren in Kirigakure. Dort, wo er nie wieder hatte hingehen wollen. Ein Teil seines Lebens, mit dem er für immer abgeschlossen hatte, doch jetzt zwang man ihn dort hin zurück. Er zweifelte daran, dass er sich noch zurecht finden würde, vieles mochte sich in den letzten zehn Jahren geändert haben.

Die letzten zehn Jahre...

Seine Gedanken schweiften ab, zu einem bestimmten Punkt vor diesen zehn Jahren, einer bestimmten Person vor diesen zehn Jahren, der Person, die ihn letztendlich in seiner Entscheidung diesem Land für immer den Rücken zu kehren bestätigt und ihm die perfekte Möglichkeit geliefert hatte.

Ein leichtes Grinsen legte sich auf sein Gesicht.

Sie hatten nie viel miteinander zu tun gehabt, er und Zabuza. Auch nicht, als sie beide zu den legendären Shinobi aus Kiri gehört hatten, gefürchtet wegen ihrer Schwerter und ihrer Kampftechniken. Abgesehen davon, dass sie seit jeher die Außenseiter gewesen waren, wenn auch aus verschiedenen Gründen, hatten sie kaum etwas gemeinsam gehabt. Um so überraschter war er gewesen, als er von dessen Plan gehört hatte, einen Putsch gegen den Mizukage auszuführen, was ganz neue Möglichkeiten eröffnete.

So weit er auch zurück dachte, er konnte sich noch immer nicht erklären, was Zabuza nun eigentlich dazu bewegt hatte so zu handeln, er hatte es nie erzählt. Möglicher Weise, weil er nie gefragt hatte. Er hielt nicht viel davon die Motive anderer Leute zu erfragen, solange ihr Handeln ihm gefielt und das hatte es in diesem Fall getan, sehr sogar.

An dem ersten Putschversuch war er kaum beteiligt gewesen, nur eine unbedeutende Gestalt im Hintergrund, an die sich später keiner mehr erinnerte. Dementsprechend hatte er auch mit keinen Konsequenzen rechnen müssen. Wenig später, bei dem zweiten, sah es schon anders aus. Ein Wunder, dass man sie nicht sofort beide hatte hinrichten lassen. Er fragte sich immer noch, was Zabuza wohl für Beziehungen gehabt hatte, dass man ihnen lediglich ein vierundzwanzig Stunden Ultimatum stellte. Es war lächerlich.

Dieses Ultimatum war bei weitem das Beste gewesen, was ihm hatte passieren können. Der Fahrschein in die Freiheit sozusagen. Schon lange bevor die Frist abgelaufen war hatte er das Land verlassen und es bis jetzt nicht bereut.

Hätte man ihn gefragt, warum er so einen Groll gegen dieses Land hegte, hätte er vermutlich nicht einmal antworten können. Es gab keinen richtigen Grund, es war einfach so. Möglicher Weise, weil er dort nicht hatte stark genug werden können, möglicher Weise wegen der schlechten Behandlung, der geringen Anerkennung, den stupiden Aufträgen, dem Verhalten der anderen Shinobi ihm gegenüber. Sicherlich auch wegen dem Mizukage und der Menschen, die ihm seltsame Blicke zuwarfen, wenn sie in sein Gesicht blickten. Es war in anderen Ländern das selbe, aber dennoch anders, jetzt wo er Itachi ständig bei sich hatte.

Itachi... er wusste noch immer nicht so recht, was er von ihm halten sollte. Sie waren von Grund auf verschieden, aber vielleicht machte gerade das ihre Beziehung aus. Seit sie Partner geworden waren, hatte sich einiges geändert.

Er senkte den Blick wieder um in das Gesicht des Anderen zu sehen, doch dieses mal blickten ihm leuchtend rote Augen entgegen. Anfangs hatte er sich gefürchtet vor diesen Augen, vor der Macht, die sie besaßen. Und dennoch hatte er es nicht lassen können immer wieder in sie zu schauen. Mittlerweile war es nichts neues mehr, er wusste, dass Itachi sie nie auf ihn verwenden würde und dennoch hatte es seinen gewissen Reiz nicht verloren.

~~~~

Beißend kalter Wind jagte dem Shinobi einen leichten Schauer über den Rücken und brachte ihn dazu, den Kragen seines Mantels aufzustellen, sodass er fast vollkommen darin verschwand. Nur ein schmaler Spalt seines Gesichtes war noch zu sehen zwischen Kragen und seinem Hut. Der Wind fuhr rauschend durch die Baumkornen, riss einige Blätter ab und trug sie mit sich fort, weiter in Richtung Westen, zum Meer. Die ganze Luft war erfüllt von dem salzigen Geruch, feine Gischttropfen rieselten nieder, landeten auf dem Boden, auf dem Shinobi und auf dem Schwert, das vor ihm in dem Boden steckte.

Kisame schloss mit einem trockenen Lachen seine Augen. Er war also tot, wie zu erwarten. Erst vor wenigen Tagen hatte er das Gerücht erfahren, einen der legendären Sieben hätte das Zeitliche gesegnet. Nicht, dass er sich darum scheren würde, was mit den anderen passierte, schon lange hatte er sich von ihnen abgewandt, aber das hier war anders.

<<Sharingan Kakashi>>, schoss es ihm durch den Kopf <<Elite Shinobi, Genie aus Konoha-gakure>>. Der Name sagte ihm etwas, natürlich. Jeder aus Kiri-gakure wusste über ihn bescheid und hatte ihn in seinem Fahndungsbuch verzeichnet. Höchst gefährlich, bei Gelegenheit sofort zu töten. Er schüttelte den Kopf.

"Warum hast du es nicht getan...?"

Er verstand es nicht. Glaubte man den Gerüchten, so war Zabuza von diesem Kakashi besiegt worden. Zabuza Momochi, einer der großen Sieben, besiegt von so einem albernen Lackaffen aus Konoha, der nichts weiter konnte als mit seinem lächerlichen Sharingan ein paar Tricks auszuführen.

Er kannte die Macht der Sharingan, oh ja, er kannte sie gut. Schon oft hatte er Itachis im Einsatz erlebt und dagegen musste ihm Kakashis einfach als lächerlich vorkommen. Lächerlich und leicht zu blocken. Es hätte für Zabuza ein leichtes sein müssen die Wirkung auf ein ungefährliches Maß zurückzusetzen und dann, dann hätte er gar nicht mehr verlieren können.

Bis jetzt hatte es kaum Gegner gegeben, denen Kisame mit Respekt gegenüber getreten war, geschweige denn Bewunderung. Einer der wenigen war Itachi und er wusste, das beruhte auf Gegenseitigkeit. Nur, dass dieser kein Gegner war. Gab es eine Person, mit der er zusammen arbeiten konnte, dann den jungen Nuke-nin aus Konoha, sie ergänzten sich perfekt. Doch auch mit Zabuza war es ähnlich gewesen.

Seine Augen musterten das große Schwert, dass nur wenige Meter vor ihm aus dem Boden ragte. Direkt auf der Klippe, ständig der Witterung ausgesetzt und dennoch wirkte es wie eben erst geschmiedet. Kein Rost, keine Risse, nichts. Weder an der Klinge selbst, noch an dem Griff. Jeder hätte es sofort aus der Erde ziehen können und damit kämpfen. Nun, nicht jeder.

Es gab kein zweites Schwert wie dieses auf der Welt und dennoch wagte es niemand, es an sich zu nehmen, auch er nicht. Es gehörte zu Zabuza, vollkommen egal ob dieser nun lebte oder tot war. Die Vorstellung dieses Grab ohne das Schwert zu sehen... unwillkürlich tastete er nach Samehadas Griff und schloss die Hand fest um ihn.

Keiner konnte sich vorstellen, wie viel diese Schwerter ihnen bedeuteten, wie wichtig sie ihnen waren. Es waren nicht einfach nur Waffen, sie waren nicht einfach ersetzbar und das nicht nur wegen ihrer Stärke und Einzigartigkeit, es war anders. Samehada war ein Teil von ihm, würde man es ihm nehmen, wäre er nicht mehr er selbst. Nicht auf die Art, wie er es jetzt war.

Ein leichtes Grinsen legte sich auf sein Gesicht, als er sich zurück erinnerte.
Er hatte versucht das Zenbato zu führen, ein einziges mal, mit Zabuzas Erlaubnis. Es war... seltsam gewesen. Nichts, was er noch einmal tun wollte. Obwohl er es gewohnt war, schwere Lasten zu heben, hatte er es kaum vom Boden in die Luft bekommen, geschweige denn so damit herumwirbeln wie sein eigentlicher Besitzer es tat. Bis heute glaubte er nicht, dass es an dem Gewichtsunterschied zu Samehada gelegen sondern eher, dass das Schwert ihn nicht gewollt hatte.

Er streckte den Arm aus, um es zu berühren, doch zögerte. Es war nicht richtig. Langsam ließ er den Arm wieder sinken. Ja, vielleicht lag es an den Schwertern, dass er für den Anderen gewisse Sympathien hegte, doch müsste es dann nicht bei den restlichen der legendären Sieben auch so sein? Er erinnerte sich kaum noch an sie und es störte ihn auch nicht. Wäre einer von ihnen gestorben, stünde er jetzt nicht hier, sicher nicht.

Bei Zabuza war es etwas anderes, es gab mehr, das sie verband. Vielleicht die Art, die sie beide hatten. Er wusste wenig über die Vergangenheit des anderen, aber er hatte auch nie danach gefragt. Seine Gedanken schweiften ab.

~Kisame schritt müde den Weg zur Akademie entlang, den Kopf gesenkt, erschöpft von dem heutigen Training. Er war allen seiner Stufe überlegen, bei weitem. Er machte schnellere Fortschritte, er war flinker, geschickter und skrupelloser. Aber das machte es nicht viel leichter, die Lehrer wussten, wie sie ihn dazu brachten, sich zu verausgaben.

Ein leises Rascheln in den Büschen neben ihm zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Er blieb stehen. Falls das wieder einer dieser Scherze der Schüler aus unteren Klassen war, das konnten sie sich sparen. Er hatte genug davon. Mit einem Knurren zog er ein Kunai, feuerte es noch in der selben Bewegung in das Gebüsch, wo es auf etwas hartes traf. Nichts regte sich.
Dann, ein weiteres Rascheln, aber in dem Baum über ihn. Reflexartig zog er ein weiteres Kunai, holte aus und - stockte.

Direkt über ihm auf einem der Äste stand ein Junge, den er noch nie gesehen hatte. Etwas kleiner als er selbst, vermutlich zwei oder drei Jahre jünger und in erbärmlichem Zustand. Ein abschätzender Ausdruck legte sich auf sein Gesicht, als er ihn musterte. So einer war es nicht einmal wert, von ihm angegriffen zu werden. Ein Straßenkind, weiter nichts, davon gab es mehr als genug in Kiri-gakure. Zerrissene Kleidung, blutige Schrammen, abgemagert und verdreckt. Es widerte ihn an.
Ohne sich weiter darum zu scheren, wandte er sich ab und stieg die Stufen zur Akademie hinauf.

Wenige Tage später sah er das Kind wieder, auch wenn er es nicht gleich erkannte. Zusammen mit einigen anderen Schülern saß er auf der Terrasse der Akademie, beschäftigt mit Lernen für den morgigen Test, als ihn ein Mitschüler darauf aufmerksam machte. Den Hang hinunter, am anderen Ende des Gartens saß der Junge auf einem der Steine, kaute auf etwas, das er nicht definieren konnte und beobachtete sie. Eines der Mädchen an dem Nachbartisch rümpfte die Nase.

"Kann nicht jemand dieses Ding vertreiben? Dass es uns bloß nicht zu Nahe kommt, vielleicht hat es Flöhe."

Er zuckte mit den Schultern. "Möglich."

Niemand machte sich die Mühe aufzustehen und den Jungen zu vertreiben, so tat er es auch nicht. Als er das nächste mal den Kopf hob und in die Richtung sah, war der Platz auf dem Felsen leer.

Die Tage vergingen, einer wie der andere, nur das Training wurde zunehmend härter. Noch drei Monate bis zur Abschlussprüfung. Seine Laune verfinsterte sich, wenn er daran dachte. Er hatte keine Probleme damit, andere zu töten, durchaus nicht. Aber es würde schwer werden. Er mochte zwar den meisten weit überlegen sein, aber es war nicht auszuschließen, dass sich alle zuerst darauf konzentrieren würden ihn auszuschalten und erst dann gegen einander vorgingen. Er war ohnehin nicht sonderlich beliebt, aus den verschiedensten Gründen.

Als er an diesem Abend den Weg zur Akademie antrat, traf er den Jungen wieder.
Er saß am Rand einer schmalen Gasse auf einer Haustreppe, weit entfernt von den anderen Straßenkindern der Umgebung. Als Kisame die Gasse betrat, verschwanden sie so schnell wie möglich, versteckten sich. Nur der Junge blieb sitzen.

Kisame scherte sich nicht darum, auch wenn es ihn wunderte. Woher sollte der Junge auch wissen, dass man ihm lieber aus dem Weg ging? Er hatte eben noch nicht die gleiche Erfahrungen gemacht, wie die anderen Straßenkinder. War er launisch, ging man ihm besser aus dem Weg und heute war er launisch, sehr launisch.

Seine Schritte hallten in der schmalen Gasse wieder, wurden von den hohen Hauswänden zurückgeworfen, dann verstummten sie, als er vor dem Kleineren stehen blieb. Erst jetzt sah er ihn sich genauer an. Viel kleiner als er war er nicht, nein, aber er wirkte um einiges jünger. Seine kurzen, schwarzen Haare standen borstig ab, Schrammen bedeckten den braungebrannten Körper. Die Kleidung war alt und zerschlissen, viel zu klein und sicherlich nicht das richtige um den kommenden Winter zu überleben. Sein Blick wanderte nach oben und blieb an den Augen des Anderen hängen.

Es passte nicht zusammen. Das ganze Erscheinungsbild und dann diese Augen, es passte nicht. 'Die Augen sind der Spiegel der Seele' hatten sie in der Akademie einmal gesagt, daran erinnerte er sich. Aus den Augen eines Menschen konnte man vieles ablesen und bei den Straßenkindern war es stets Angst, Sorge und tiefe Traurigkeit, nur hier war es anders. Diese Augen jagten ihm einen Schauer über den Rücken. Keine Angst, keine Sorge, nichts. Nur tiefer Hass und Verachtung... und Entschlossenheit.
Er wurde nachdenklich.

"Wie heißt du?"

Schweigen trat ein, dann erhob sich der Junge. Entgegen seiner Erwartungen war er sogar noch ein kleines Stück größer als er selbst.

"Zabuza. Zabuza Momochi.", dann war er verschwunden.

Kisame dachte lange Zeit nicht mehr an ihn, er begegnete ihm auch nicht mehr. Vielleicht war er wo anders hin gegangen, vielleicht war er tot, er wusste es nicht und wollte es auch gar nicht wissen. Die Aufnahmeprüfung war überstanden, es war leichter gefallen, als er vermutet hatte. Nicht zu leicht, aber doch machbar.

Die Aufträge in der Gruppe, in die er gesteckt worden war, waren wesentlich schwerer als die Ausbildung an der Akademie und vorallem blutiger, aber er gewöhnte sich schnell daran. Sie waren nur ein Dreierteam, bestehend aus einem Mädchen, seinem Lehrer und ihm selbst. Er achtete seinen Lehrer, auch wenn er ihn für zu alt und weich hielt, das Mädchen... über das machte er sich keine Gedanken. Sie war ein Klotz am Bein und untalentiert. Die Aufnahmeprüfung hatte sie wohl eher durch Glück als durch Können bewältigt.

Das Jahr verging, die nächste Abschlussprüfung kam. Es gab einige vielversprechende Kandidaten, auf die Mizukage schon ein Auge geworfen hatte und auch er interessierte sich für sie. Was er jetzt brauchte waren würdige Gegner, schon lange machte er nur noch langsam Fortschritte, es gab einfach keine Möglichkeit ordentlich zu trainieren.  

Der Tag der Prüfung rückte näher, seine Erwartungen stiegen. Dann, an dem Morgen des großen Tages, bekamen sie einen Auftrag zugeteilt, weit im Norden des Landes, was es unmöglich machte rechtzeitig zurück zu sein. Seit langem hatte er sich nicht so aufgeregt. Was hasste er den Mizukage dafür, ausgerechnet ihnen den Auftrag zu geben, ausgerechnet sie loszuschicken, wo er doch wusste, dass er den Kampf sehen wollte. Erst spät Abends kamen sie zurück. Er fiel sofort todmüde ins Bett, ohne noch jemand nach dem Ergebnis der Prüfung zu fragen.

Immer noch leicht verschlafen ging er am nächsten Morgen durch die Eingangshalle des Palastes, auf dem Weg zum Büro seines Lehrers um den nächsten Auftrag in Empfang zu nehmen. Vielleicht würde er dort auch endlich von der Prüfung erfahren, er hoffte es.

Seine Blicke glitten nachdenklich über die versammelten Anbu. Irgend etwas war anders heute. Irgend etwas... er wusste nicht, ob es mit der Prüfung zu tun hatte oder, ob etwas anderes bevorstand, aber etwas musste sein. Wohin er auch ging, überall standen kleine Gruppen beisammen, unterhielten sich im Flüsterton über etwas, das er nicht ausmachen konnte. Insgesamt lag eine seltsame Atmosphäre in der Luft, als würde bald etwas wichtiges geschehen, etwas, auf das alle warteten.

"...wirklich alle!? Aber das ist unmöglich! Das hat noch nie jemand geschafft!"

Er hielt inne, wandte den Blick fragend zu den beiden Anbu neben dem Springbrunnen, wurde jedoch nicht von ihnen bemerkt, zu vertieft waren sie in ihr Gespräch.

"Ja, bis jetzt. Man sagt, er war nicht einmal bei der Akademie angemeldet, wohl ein einfacher Straßenjunge."

Er zuckte leicht bei dem Wort Straßenjunge, konnte sich jedoch nicht erklären warum.

"Und dieser Junge hat wirklich alle umgebracht!?"

"Ohne mit der Wimper zu zucken! Wie ein Teufel... so etwas habe ich noch nie gesehen, noch nie. Und ich habe schon viel gesehen, glaub mir."

"Wo ist er jetzt?"

"Bei Mizukage-sama, er wünscht anscheinend ihn persönlich auszubilden. Es muss ihn wirklich beeindruckt haben. Was mit den anderen Schülern passiert ist interessiert ihn gar nicht."

Kisames Verwirrung wuchs. Wenn er das richtig verstanden hatte, dann sollte also solch ein kleiner Straßenjunge ohne entsprechende Ausbildung alle Teilnehmer der Abschlussprüfung getötet haben? Es war unmöglich. Es ging einfach nicht. So etwas hatte es noch nie gegeben, es war ganz und gar ausgeschlossen. Und doch...

"So ein Straßenjunge also... wie heißt er überhaupt?"

"Ich bin mir nicht sicher... aber ich glaube, es war Zabuza Momochi."

Auf einmal schien alles um ihn herum still zu werden. Seine Gedanken raßten, versuchten die Erinnerung zu fassen, die irgendwo in ihm wach wurde und dann... die Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag. Dieser Junge hatte...?

Die folgenden Wochen, ja, Monate wurden der pure Horror. Überall redete man nur von dem Jungen, dem Wunderkind, Mizukages neuem Sohn. Schon wenige Tage nach der Prüfung war bekannt gemacht worden, dass es sich um ein Waisenkind handelte, der Mizukage verlangte sofort die Adoption und setzte seinen Willen auch durch, wie in jeder Angelegenheit.

Die besten Lehrer wurden aus den Schulen abgezogen und in den Palast geholt, niemand durfte mehr ohne ausdrückliche Erlaubnis das Gelände betreten, Tag für Tag kamen neue Gerüchte über den Wunderjungen in Umlauf, was ihn für viele Schüler zu einem unnahbaren, gottgleichen Vorbild werden ließ. Kisame hasste ihn.

Und wie er ihn hasste. Seit jenem Tag in der Gasse hatte er ihn nicht mehr gesehen, hörte nur die Gerüchte, von denen er sich einfach nicht vorstellen konnte, dass sie war sein sollten. Noch vor einem Jahr hätte er eben diesen Jungen ohne die geringste Anstrengung töten können.

Die Menschen schwärmten von den Fortschritten, den Techniken, dem Talent, der unglaublichen Stärke. Kisame rümpfte nur verachtend die Nase, wenn er das hörte. Er hasste den Jungen nicht, weil er ihn für falsch und einen Lügner hielt, einen untalentierten Idioten mit zu viel Glück, nein, das machte nur einen kleinen Teil aus. Der viel größere Teil bestand aus Eifersucht.

Hätte er gewusst, dass er nur die restlichen Schüler töten musste, die den Kampf innerhalb ihrer Gruppe überlebt hatten, um des Mizukages volle Aufmerksamkeit zu bekommen, so hätte er es getan, ohne mit der Wimper zu zucken und er hätte es auch geschafft. Er stand nicht hinter diesem Wunderkind zurück, ganz sicher nicht. Was der konnte, konnte er schon lange, niemand konnte ihm das Wasser reichen. Aber warum hatte der Mizukage das nicht bemerkt? Warum hatte er keine Sonderbehandlung genossen?

Oder jetzt, nachdem er zahlreiche Aufträge erledigt hatte, die man einem Kind seines Alters eigentlich nicht zumuten konnte, wo war die Anerkennung? War er auch nur einmal vor den Mizukage geladen worden oder hatte eine Auszeichnung bekommen? Nein. Man ignorierte ihn, ignorierte seine Existenz als wertvollen, talentierten Kämpfer. Es war, als sei er nur eine weitere Waffe, wie die Kunai, die überall an den Wänden hingen. Bei bedarf einsetzbar, nur um danach wieder zurück gehängt zu werden. Er hasste es.

Es kam nicht selten vor, dass er wirklich mit dem Gedanken spielte, diesen Jungen umzubringen. Das einzige, was ihn davon abhielt war zu wissen, dass viel mehr der Mizukage schuld war, aber gegen den konnte er nichts ausrichten. Je mehr über diese Wunderkind erzählt wurde, um so mehr wuchs sein Hass auf ihn, auf den Mizukage, auf die Lehrer, einfach auf alle, die eine derart ungerechte Handlung unterstützten.

Das bisschen Sympathie, welches er seit dem Tag in der Gasse für den Jungen noch empfunden hatte, war schnell verschwunden, das Bild vor seinem inneren Auge verblasste. Dachte er an ihn, sah er nicht mehr das kleine Kind mit der zerrissenen Kleidung, dem Schrammen und dem Dreck, sondern einen überheblichen, spöttischen Jungen seines Alters, herausgeputzt und von allen bewundert, wie es dem Sohn eines Herrschers würdig war. Nur die Augen, die Augen blieben immer gleich und ließen ihn nicht los.

Die Jahre vergingen und er schaffte es langsam einfach zu ignorieren, was über den Jungen an seine Ohren drang. Er wollte nichts davon hören und die Leute, die viel mit ihm zu tun hatten wussten das und respektierten es. Ein paar Dinge blieben ihm dennoch nicht erspart zu hören, wenn gerade wieder eine Begeisterungswelle durch das Land ging wegen irgendeiner glorreichen Heldentat, aber er sah darüber hinweg und konzentrierte sich auf sich selbst.

Sein Training war härter geworden, die Aufträge schwieriger, aber dennoch meisterte er sie. Mittlerweile war er Jo-nin geworden, was als für einen Jungen seinen Alters unmöglich galt. Eine Zeit lang hatte die Aufmerksamkeit Mizukages tatsächlich ihm gegolten, er hatte einen neuen Mentor bekommen, der seine spezielle Fähigkeiten noch verbessern sollte. Eine Zeit lang hatten die Menschen im Land von ihm gesprochen, nur von ihm und ihn bewundert, als ihr Vorbild angesehen. Eine Zeit lang war alles genau so gewesen, wie er es sich immer erhofft hatte.

Und dann, dann war des Mizukages Wunderkind ebenfalls Jo-nin geworden. Sein Lehrer wurde zurück in den Palast gerufen, ihm wurde verkündet er sei gut genug um auf sich selbst gestellt zu sein. Der Mizukage hatte nicht mehr das geringste Interesse an ihm gezeigt, genau so wenig die Leute im Land. Niemand hatte mehr ein Wort über ihn verloren. Auch nicht, als er zum Anbu, der absoluten Elite, ernannt wurde.

Als wäre es damit nicht genug, folgte nun Schlag auf Schlag. Kaum einen Monat, nachdem er Anbu geworden war, wurde es auch dieser ach so talentierte Junge. Das ganze Wochenende über wurde am Palast des Mizukage gefeiert, der Jubel reichte durch das ganze Land.

Kisame glaubte es nicht mehr auszuhalten. Wie gut war es doch, dass er dem Jungen noch immer nicht begegnet war. Wäre er ihm begegnet, hätte er ihn zweifelsohne getötet. Vielleicht würde man ihm dann endlich die Achtung zollen, die ihm gebührte. Vielleicht würde sich dann der Mizukage endlich ihm zuwenden und ihn fördern. Immerhin, er hatte alles, was dieses Wunderkind geschafft hatte, auch ohne solch eine vorbildliche Ausbildung durch beste Fachkräfte zustande gebracht. Machte ihn nicht schon allein das besser?

Kaum einen Monat später, an dem vierzehnten Geburtstag des Jungen, wurde dieser zum Anführer der neu auf die Beine gestellten Elite-Attentattruppe ernannt. Am nächsten Morgen wurde Kisame verkündet, er sollte ebenfalls dazu gehören.

Seine Gefühlte spielten verrückt, als er es erfuhr. Nie würde er für diesen eingebildeten Schnösel arbeiten, absolut nie würde er auf auch nur einen von dessen Befehlen hören, das kam gar nicht in Frage. Eher würde er seine Existenz als Shinobi aufgeben als sich auf solch ein Niveau herab zu lassen. Und doch, es war verlockend. Nicht nur, dass es der bestbezahlte Job war, nein, wenn er durch irgend etwas noch zu Anerkennung kommen konnte, dann dadurch.

Obwohl sich alles in ihm dagegen sträubte, sagte er zu. Er wollte Anerkennung, jetzt, endlich, nach so vielen Jahren des im Schatten Stehens konnte er sie haben und er würde nicht darauf verzichten, auch wenn es bedeutete mit diesem falschen Wunderkind zusammen zu arbeiten. Für ihn arbeiten würde er nicht, zusammen arbeiten... vielleicht. Falls er ihm nicht bei der ersten Begegnung den Hals umdrehte.

Er befürchtete schon, es würde darauf hinaus laufen, er konnte es sich gar nicht anders vorstellen, doch es kam nicht so.

Sanftes, kühles Gras strich um seine Füße und durchnässte seine Sandalen mit dem frischen Tau, als er auf den kleinen Platz im Vorgarten des Palastes zu ging, wo sie ihren ersten Auftrag erfahren sollten. Es war noch früh, Stille lag über allem wie ein unsichtbares Tuch. Seine Schritte wirkten seltsam laut, als er den Steinboden betrat. Er blieb stehen und wartete. Noch eine halbe Stunde, bis zu dem abgemachten Zeitpunkt.

Dann, ein leises Rascheln der Blätter in den Baumkronen über ihm, ganz leise, wie von einem sanften Wind. Nur wehte kein Wind. Mit einem leichten Grinsen auf den Lippen hob er den Kopf und sah nach oben, öffnete den Mund für einen gehässigen Kommentar, doch verstummte.

Das Bild, was er sah, versetzte ihn um sechs Jahre in der Zeit zurück. Ein kleiner Junge, verdreckt und verletzt, auf dem Ast eines Baumes stehend und ihn musternd. Nur, dass aus dem kleinen Jungen ein großer Junge geworden war, nicht mehr verdreckt, nicht mehr verschrammelt, mit passender Kleidung und Waffen ausgestattet. Kisame wusste nicht warum, aber auf einmal war der Hass, der bis eben noch in ihm gelodert hatte, verschwunden. Einfach weg, als wäre er nie da gewesen.

Er hasste diesen Jungen nicht, im Gegenteil, er war ihm sympathisch. Pechschwarze Augen blickten direkt in seine, abschätzend, aber ohne die geringste Ablehnung.

"Hoshigaki Kisame."

Eine Feststellung, mehr nicht. Sein Name war also bekannt. Nun, wahrscheinlich hatte man ihn dem Jungen mitgeteilt, immerhin war er der Anführer der Truppe. Es klang seltsam, den eigenen Namen aus seinem Mund zu hören. Ruhig, kalt, emotionslos... nun, nicht ganz emotionslos. In der Art, wie er es aussprach, schwang Sympathie mit, nicht viel, aber dennoch. Und es klang aggressiv, ließ seinen Namen auf einmal gefährlich wirken.

"Momochi Zabuza."

Er erschrak leicht über seine eigene, rauhe Stimme, aber zeigte es nicht. Die Augen des anderen blickten noch immer in seine, den selben Ausdruck in ihnen wie schon vor sechs Jahren. Es verwirrte ihn.~



Der Wind hatte zugenommen, schlug ihm ins Gesicht, riss an seinem Mantel und Hut. Er ignorierte es. Seine Augen wanderten wieder über das große Schwert vor ihm, während seine Gedanken bei den Erinnerungen verweilten.

Jetzt, wo er über das alles nachdachte, musste er grinsen. Wie lächerlich diese ganze Eifersüchteleien jetzt doch erschienen, obwohl sie zweifelsohne einen großen Teil dazu beigetragen hatten, dass er dieses Land auch jetzt noch verabscheute. Seine Gedanken wanderten, als er das Schwert so betrachtete.


~Obwohl zusammen zahlreiche Missionen erledigten, sprachen sie nicht mit einander. Nie. Bis zu dem Tag, an dem sie ihrer Schwerter erhielten. Er wusste nicht, wie Zabuza an sein Zenbato gekommen war, er fragte auch nicht danach, es war unwichtig. Vermutlich auf ähnlich blutige Weise wie er an Samehada.

Lange hatte er sich nicht mehr so stolz gefühlt, wie mit diesem Schwert in der Hand. Es passte zu ihm, es gehörte zu ihm. Es fühlte sich nicht an wie einfach irgendein Schwert, wie eines der vielen Katana, die er schon in den Händen gehalten hatte, es war anders. Es schien mehr und mehr ein Teil von ihm zu werden, wann immer er es benutzte. Er konnte es lenken, einsetzen, sich auf es verlassen, als wäre es ein lebendiges Wesen, nur würde es ihn im Gegensatz dazu nie enttäuschen oder abweisen. Es war perfekt.

Gefragt hatte er Zabuza nie, ob er sich ähnlich fühlte, er brauchte gar nicht zu fragen, er wusste es. Bei den anderen fünf konnte er das nicht sagen, aber bei Zabuza war er sich sicher. Wann immer er ihn sah, er hatte sein Zenbato dabei. Wenn er kämpfte, dann spürte man es. Dann spürte man, dass es auch für ihn nicht einfach nur ein Schwert war.

Eigentlich hätte es unmöglich sein müssen, das Zenbato so zu bewegen, wie Zabuza es tat. Samehada war eine Sache, dieses Zenbato eine andere. Kisame schätzte, dass es an die hundertfünfzig Kilo wog und er lag damit nicht weit daneben. Und dennoch wirbelte Zabuza es durch die Luft, als sei nichts dabei.
Die Anbu erklärten einmal, es sei nur schwer in Schwung zu bringen, danach sei es sehr einfach zu handhaben. Kisame schüttelte nur den Kopf. Sie hatte keine Ahnung, von was sie sprachen.

Er hatte es in der Hand gehalten und hatte versucht damit zu kämpfen, es ging nicht. Was er auch versuchte, er schaffte es einfach nicht in gleicher Weise, aber weigerte sich zu glauben, dass es an seinem Können lag sondern viel mehr an dem Schwert selbst. Es war, als wollte das Schwert einfach nicht von jemand anderem als seinem rechtmäßigen Besitzer gehalten werden. Mit Genugtuung stellte er fest, dass es Zabuza mit Samehada genau so ging.

Bis auf das eine Mal hatten sie nie Schwerter getauscht, es machte keinen Sinn. Auch mit den anderen fünf tauschten sie nicht, dachten nicht einmal daran. Auch wenn sie alle sieben legendär genannt wurden, so galt Kisames Achtung immer nur Zabuza, nicht den anderen. Sie mochten starke Kämpfer sein, aber es war nicht das gleiche. Bei Zabuza hatte er einfach das Gefühl, dass sie etwas verband, auch wenn er nicht sagen konnte was. Und er wusste, auch das beruhte auf Gegenseitigkeit.

Fast zwei Jahre waren vergangen, seit man Zabuza zum Anführer der Attentattruppe gemacht hatte. Zwei sehr zufrieden stellende Jahre, wie Kisame fand. Die Menschen fürchteten und bewunderten sie, nicht nur in Kiri-gakure, nein, auch in anderen Ländern waren sie berüchtigt. Sie waren Mizukages ganzer Stolz. Nicht nur Zabuza, nein, sie alle. Doch dann geschah etwas, das alles schlagartig veränderte.

Es war eine ruhige Nacht. Die Mission war gut gelaufen, die Heimreise hatte Zeit bis zum nächsten Morgen. Die Truppe hatte sich in der näheren Umgebung verstreut auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. Kisame saß auf einem der größeren Steine am Seeufer und starrte in die züngelnden Flammen ihres Lagerfeuers. Kaum fünf Meter von ihm entfernt saß Zabuza, den Blick starr auf die glatte Wasseroberfläche gerichtet, als könne er darin etwas erkennen, das nur für ihn sichtbar war.

Ein sanfter Wind spielte mit den Enden seines Stirnbandes und ließ seine schwarzen Haare leicht auf und ab wippen. Ansonsten regte sich nichts an ihm, als wäre er eine Statue, die man mitten in die Landschaft gesetzt hatte. Kisame grinste leicht, als er ihn so betrachtete. Im Gegensatz zu ihm selbst war Zabuza kein gesprächiger Mensch. Nicht, dass es ihn störte, jeder hatte seine Macken, man gewöhnte sich daran. Und das gefiel ihm wesentlich besser als so ein kleiner Quälgeist, der nie die Klappe halten konnte.

Sein Blick wandte sich wieder auf das Lagerfeuer und verlor sich darin, genau wie seine Gedanken. Er kannte Zabuza, er kannte ihn gut. Was ihn anging hatte er in den letzten beiden Jahren ein Gefühl dafür entwickelt, was in ihm vorging und mit diesem Gefühl lag er nur selten falsch. Und eben dieses Gefühl sagte ihm auch jetzt wieder, dass etwas nicht stimmte.

Seit einigen Wochen war der Andere ruhiger geworden, noch ruhiger als er es ohnehin schon war. Abgesehen von den Befehlen, die er gab, sagte er kaum etwas. Er sprach nicht über den Kampf, er sprach nicht während dem Kampf, er sprach nicht, wenn sie vor Mizukage standen und belobigt wurden. Aber das war nicht das einzige. Irgend etwas hatte sich geändert.

Seine Art zu Kämpfen war aggressiver geworden. Seit je her war Zabuza so gewesen, wie Kisame sich den perfekten Shinobi vorstellte. Emotionslos, eiskalt und mit einer Liebe zum Töten. Vermutlich war das auch der Grund, warum die Leute Zabuza so liebten und verehrten. Er hatte das, was viele andere nicht hatten, egal wie stark sie waren. Einfach alles an ihm drückte seine Einstellung aus und ließ ihn tödlich wirken. Seine Augen, seine Stimme, seine Bewegungen, alles. Und er wirkte nicht nur so, er war es auch.

Kisames Augen lösten sich von den Flammen, die sie bis eben so fasziniert hatten und kehrten wieder zu der Gestalt auf dem Stein zurück. Immer griffbereit lehnte das Zenbato daneben, die Klinge immer noch vom Kämpfen blutbefleckt. Noch etwas, das er an dem Anderen bewunderte. Er konnte gut mit Samehada umgehen, ja. Seine Jutsu waren stark, stärker als die der anderen und gefährlicher, aber seine gefährlichste Waffe war sein Schwert. Doch was er damit anrichten konnte wurde von Zabuza noch in den Schatten gestellt.

Nie hatte er jemanden so wundervoll mit dem Schwert umgehen sehen. Schnell, präzise, tödlich. Es war vollkommen egal, ob er damit zuschlug, es warf oder anders benutzte, es wirkte. Er hatte Zabuza kaum einmal Ninjutsu benutzen sehen, obwohl er einige der wohl wirkungsvollsten beherrschte. Simplen Nebel erzeugen am Anfang, mehr brauchte es nicht.

Kisames Kämpfe waren auf rohe Gewalt ausgelegt. Was er durch Geschicklichkeit oder Taktik nicht schaffte, schaffte er durch Kraft. Seine Chakravorräte schienen unendlich zu sein. Bei Zabuza dagegen beruhte es genau auf dem Gegenteil, was ihn jedoch auch immer mehr zum Einzelgänger werden ließ, niemand war in der Lage sich ähnlich lautlos zu bewegen wie er. Kisame bewunderte ihn dafür, wie er aus einem derart simplen Genjutsu eine so tödliche Taktik hatte machen können.

"Zabuza."

Es brauchte einen Moment, bis der Andere seinen Blick von der Wasseroberfläche löste und zu ihm sah.

"Mizukage wird erfreut sein über unseren Erfolg, meinst du nicht?"

Ein Schulterzucken. Genau das war es, was ihn beunruhigte. Normaler Weise hätte mindestens ein Kommentar kommen müssen, dass doch gar nichts anderes als Erfolg zu erwarten gewesen sei, oder ähnliches, aber er kam nicht.

"Es war keine ganz einfache Mission, möglich, dass er morgen Abend uns zu Ehren ein Fest gibt. Wäre mal wieder an der Zeit."

Wieder keine Antwort, überhaupt keine Reaktion. Er hätte genau so gut Selbstgespräche führen können.

"Als sein geliebter Sohn wirst du sicher etwas veranlassen können, oder nicht? Die Anderen werden schon... zu wenig Alkohol in letzter Zeit. Und wenn du darum bittest, wie soll er das schon abschlagen? Für dich würde er doch die Sterne vom Himmel holen."

Stille trat ein, aber etwas war anders.
Er wusste nicht was, aber er spürte es. Zabuzas Gesichtsausdruck hatte sich nicht geändert, aber seine Augen glühten. Er konnte nicht definieren, was er in diesem Moment in ihnen sah. Hass, Verachtung, Mordlust,... es kam alles zusammen. Er verstand es nicht.

"Er gibt morgen Abend kein Fest."

"Warum?"

"Ich bringe ihn um."~



Leichter Regen hatte eingesetzt, durchnässte den ohnehin schon feuchten Mantel noch mehr, prallte auf dem Hut ab und tropfte nach unten. Wenigstens hatte der Wind nachgelassen, aber das machte jetzt auch keinen Unterschied mehr.

Kisames Blick war in die Ferne gerichtet, fixierte eine der Inseln, die nur schwer durch die tiefhängenden Wolken erkennbar war. Es war seltsam, alles noch einmal in Revue zu passieren lassen, aber es erschien richtig. Er hatte sich nie mit den Gründen oder Motiven für Zabuzas Handeln befasst und falls er sie je gekannt hatte, hatte er sie vergessen.

Wenn er wirklich darüber nachdachte, so verstand er den Anderen, auch wenn es überhaupt nicht mit seiner Denkweise überein stimmte. Ein Grinsen legte sich auf sein Gesicht. Hätte er Zabuza jetzt getroffen, hätte dieser ihn wahrscheinlich umgebracht. Im Gegensatz zu ihm selbst, hatte Zabuza alles was er getan hatte für dieses Land getan. Sicherlich, Mizukage zu töten war auch auf anderes zurück zu führen, von dem er nichts wusste, aber alles in allem war es doch für das Land gewesen. Er bezweifelte nicht, dass Zabuza ein besserer Mizukage gewesen wäre als der jetzige, auch wenn er sich ihn in diesem Amt schwer vorstellen konnte.


~Damals hatte er gelacht. Am nächsten Abend lachte er nicht mehr.
Helle Aufregung herrschte im ganzen Land, Chaos machte sich breit, niemand wusste mehr, was er denken sollte.

Zabuza, eben dieser Zabuza, den sie Jahrelang bewundert hatten, hatte sich gegen sie gewandt, hatte versucht den Mizukage zu töten. Mit einem gemeinen, hinterhältig geplanten Attentat hatte er sie alle in den Untergang stürzen wollen. Was für ein Teufel er doch war! Eine Schande, dass man es nicht früher erkannt hatte. Am Besten, man richtete ihn gleich hin. Innerhalb weniger Augenblicke hatte sich alles gegen ihn gewendet, niemand verstand seine Beweggründe. Außer Kisame.

Er hatte nicht viel Ahnung von Politik, aber er wusste, dass das, was Mizukage zur Zeit betrieb, nicht ewig weitergehen konnte, ohne diesem Land zu schaden. Nicht, dass es ihn interessiert hätte. Er hasste dieses Land, auch wenn die Menschen jetzt zu ihm aufsehen mochten, er hasste es dennoch. Hätte er die Möglichkeit gehabt, hätte er es verlassen. Und was Mizukage anging... er hielt nicht viel von ihm, seit jeher nicht. Er war stark, das war nicht in Frage zu stellen und er wusste, wie man herrschte. Aber abgesehen davon war er wertlos.

Er hatte nie mit Zabuza darüber gesprochen, aber die Ausbildung musste alles andere als angenehm gewesen sein. Das ganze Leben im Palast machte den Eindruck als sei es etwas, das man lieber mied. Und Mizukage persönlich war wohl das schlimmste daran, mit seinen Launen und Gemeinheiten.

Es war nicht gerecht, was jetzt passierte, das wusste er. Und eben das ließ ihn dieses Land noch mehr hassen. Was bedeutete schon ein Land, in dem die Leute zu dumm waren zu erkennen, was gut für sie war? Er hasste sie dafür, was sie jahrelang mit ihm gemacht hatten, hasste auch den Mizukage dafür. Und er hasste sie für das, was sie jetzt mit Zabuza taten.

Als richtige Freunde konnte man sie wohl nicht bezeichnen. Kameraden, das traf es eher. Sie sprachen nicht viel miteinander, unternahmen nichts miteinander, sahen sich überhaupt nicht außer bei Missionen, aber das genügte. Genügte, um ihn jetzt wünschen zu lassen, dass er dem Anderen helfen könnte.

Was in den folgenden Wochen passierte, wusste er nicht und erfuhr es auch nie. Man sah und hörte nichts von Zabuza. Dann, plötzlich, war er wieder da. Er sprach mit keinem von ihnen ein Wort, verhielt sich wie immer und führt die Missionen zuverlässig aus, die ihnen gegeben wurden. Kisame konnte darüber nur den Kopf schütteln. Und um so einen hatte er sich auch noch Sorgen gemacht. Er bezweifelte, dass es das wert gewesen war.

Er konnte nicht anders, es regte ihn auf. Er hatte es Zabuza hoch angerechnet das ganze wirklich durchzuziehen, das zu tun, was er sich nie getraut hatte. Aber das jetzt stieß bei ihm auf nichts anderes als Verachtung. Wenn er von seinen Idealen wirklich so überzeugt gewesen war, dass er etwas derartiges durchzog, wie konnte er sie dann jetzt so mit Füßen treten? Es war lächerlich, widerlich.

Auch wenn er zuerst froh gewesen war, dass Zabuza anscheinend glimpflich davon gekommen war, mittlerweile scherte er sich nicht mehr darum. Es interessierte ihn auch nicht, warum sie immer öfter ohne ihn eine Mission erledigten, warum er oft einen müden und überanstrengten Eindruck machte oder nachdenklicher wirkte als sonst. Die Sympathie, die er für ihn empfunden hatte, wurde weniger von Tag zu Tag. Und dann änderte sich wieder alles mit einem Schlag.~



Kisames Grinsen wurde breiter. Wenn man es so betrachtete, musste er Zabuza regelrecht dankbar sein für das, was er getan hatte. Ohne das hätte es wohl noch eine Weile gebraucht, bis er Kiri den Rücken hatte kehren können.


~"Ein Putsch? Bist du wahnsinnig!?"

Die Augen seines Gegenübers funkelten belustigt, als er den Kopf schüttelte.

"Nein, das ist mein voller Ernst. Und wenn du schlau bist, beteiligst du dich."

Kisame traute seinen Ohren nicht. Er verstand es alles nicht mehr. Erst wochenlang dieses reumütige Verhalten und dann das! Er wurde beim besten Willen nicht schlau aus diesem Kerl. Es war verrückt soetwas versuchen zu wollen, absolut verrückt. Hätte man es anders angepackt, hätte es vielleicht funktioniert. Hätte er sich an die Leute gewandt, solange sie ihn noch mochten, hätte es eine reelle Chance gegeben, aber so, nie.

Und dennoch, die Idee gefiel ihm. Was hatte er schon zu verlieren, abgesehen von seinem Leben? Er war nicht angewiesen auf seine Position hier, auf dieses Land, im Gegenteil, er konnte froh sein, wenn sich endlich etwas änderte oder er die Möglichkeit bekam es zu verlassen.

"Wie viele Leute hast du? Zehn? Zwanzig?"

"Etwas über zweihundert. Es ist alles vorbereitet."

Ein Grinsen legte sich nun auch auf sein Gesicht. Vielleicht gab es doch eine Chance auf Erfolg. Einen Versuch war es auf jeden Fall wert.~



Der Wind setzte wieder ein, doch er bemerkte es kaum. Der Putschversuch war missglückt, doch besser hätte es eigentlich kaum kommen können. Er fragte sich bis heute, wie Zabuza es geschafft hatte, dass man sie nicht hinrichten ließ, sondern ihnen ein Ultimatum stellte. Vierundzwanzig Stunden, dann mussten sie das Land verlassen haben, es war perfekt. Eine bessere Möglichkeit endlich dort wegzukommen konnte er sich kaum vorstellen. Gut, es bedeutete, dass sie nun nicht nur von anderen Ländern sondern auch ihrem eigenen gejagt wurden, aber was interessierte ihn das?

Durfte er eben Kiri-gakure nie wieder betreten, es störte ihn herzlich wenig. Bis jetzt hatte er noch kein einziges mal bereut, ein Nuke-nin geworden zu sein.
Sein Blick huschte wieder zu dem Zenbato und blieb daran hängen.
Was Zabuza betraf... er war sich nicht sicher, aber er glaubte zu wissen, wie sehr es ihn mitgenommen hatte, aus diesem Land verband zu werden. Falls er je etwas geliebt hatte außer seinem Schwert, dann dieses Land, mehr als alles andere.

Aus welchem Grund hätte er auch sonst so oft hierher zurückkehren sollen, wenn er doch wusste, dass es lebensgefährlich war?
Wenn man den Gerüchten glauben durfte, hatte er geplant es noch einmal zu versuchen. Kisame schloss die Augen und schüttelte grinsend den Kopf.

"Du kleiner Idiot... als ob es einen Sinn hätte."

Er öffnete die Augen wieder und sah zu dem kleinen Kreuz neben dem Zenbato. Wieder nur Gerüchte, nach denen er gehen konnte... alles, was er mit Sicherheit wusste war, dass es sich um einen Jungen handelte, den Zabuza damals noch in der selben Nacht aufgelesen hatte. Haku, ein Junge mit einem der wohl wertvollsten Bluterben und letzter seines Clans.

Den Gerüchten zufolge war der Junge nahezu unbesiegbar gewesen. Sein Gesichtsausdruck wurde ernst. Unbesiegbar, dass er nicht lachte. Wäre der Junge wirklich beinahe unbesiegbar gewesen, wären er und Zabuza jetzt nicht tot. Er verstand die Sache noch immer nicht.

Kakashi Hatake... er konnte sich nicht vorstellen, dass dieser Kerl allein geschafft haben sollte, was so viele andere nicht geschafft hatten. Es konnte nicht sein. Es durfte nicht sein. Er machte sich nicht viel aus dem Schicksal anderer Leute und hier war es eigentlich nicht anders, aber bei dem Anblick der beiden Gräber flackerte Hass in ihm hoch. Genau der Hass, den er das letzte mal nach dem Attentat empfunden hatte.

Er weigerte sich zu glauben, dass Zabuza ihm wirklich wichtig gewesen war. Zeitweise eine angenehme Begleitung, teilweise ein Vorbild, ein fähiger Kämpfer und würdiger Shinobi, aber mehr nicht. Und trotzdem...

Noch einmal kehrten seine Augen zu dem Zenbato zurück, das in den Himmel ragte. Es würde nie wieder im Kampf eingesetzt werden, nie wieder nur zum Spaß gegen Samehada krachen, um zu testen wessen Kraft größer war, nie wieder... auch wenn er es sich nicht eingestand, der Gedanke tat weh. Mit einem leisen Schnauben wandte er sich ab. Neue Aufträge standen nicht an, also konnte er genau so gut diesem Kakashi noch einen Besuch abstatten.
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