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Love at Last Sight

von Koneko
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
James "Krone" Potter Lily Potter Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
07.05.2006
23.08.2015
43
373.522
24
Alle Kapitel
771 Reviews
Dieses Kapitel
63 Reviews
 
 
07.05.2006 4.706
 
So, das hier ist meine allererste Fanfiktion zu Harry Potter und die zweite, die ich überhaupt schreibe, also seit bitte etwas nachsichtig mit mir...

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Raven

Ein junges Mädchen trat aus der Absperrung zwischen Gleis 9 und 10 am Bahnhof von Kings’ Cross. Es herrschte wie jedes Jahr dasselbe rege Treiben auf dem Bahnsteig 9 ¾ - Eltern, die sich von ihren Kindern verabschiedeten, heulende Erstklässler, die sich gar nicht von ihren Familie trennen konnten, Freunde, die sich nach acht Wochen Ferien lautstark begrüßten.
Das Mädchen schob ihren Koffer durch die Menschenmasse, darauf bedacht, so schnell wie möglich ein freies Abteil zu finden, möglichst am Ende des Zuges, dort wohin sich während der Fahrt normalerweise nur selten andere Schüler verirrten.
„Hey Remus, wie waren deine Ferien?!” Das Mädchen blickte über ihre Schulter. Dort hinten, gut einige Meter entfernt vor einem Eingang des Zuges, sah sie James Potter und Remus Lupin samt ihrer Eltern. Beide Jungen schienen den Eindruck zu machen, als ob sie sich eine Menge zu erzählen hatten. Das Mädchen seufzte. Insgeheim hatte sie gehofft, dass dieses Jahr endlich Schluss sein würde mit den nervigen Streichen der Marauders. Doch als sie sah, wie sich auch noch Sirius Black mit einem breiten Grinsen zu seinen Freunden gesellte, wusste das Mädchen, dass sie ihre Träume auf ein ruhiges, siebtes Schuljahr endgültig begraben konnte…
Endlich hatte sie die Zugtür am hinteren Ende des Hogwartsexpresses erreicht. Sie hob ihren Koffer vom Gepäckwagen, nur, um ihn einen Augenblick später keuchend auf den Boden zu stellen. Das verdammte Ding war einfach viel zu schwer, um ihn auch nur einen halben Meter anzuheben, geschweige denn in den Zug zu hieven!
„Na wunderbar… Ist ja ein großartiger Start ins neue Schuljahr!”, murmelte sie genervt und strich sich eine widerspenstige Haarsträhne hinters Ohr.
„Moment Raven, wir helfen dir!” die Angesprochene fuhr so hastig herum, dass sie beinahe seinen Koffer umgestoßen hätte. Drei Mädchen standen hinter ihr, allesamt in ihrer Hogwartsuniform, auf der stolz das Hauswappen der Gryffindors prangte: Lily Evans und ihre beiden Freundinnen, Alice Andrews und Melanie Johnson.
„Ihr ... Ihr braucht wirklich nicht ...”
„Keine Wiederrede!”, rief Lily lachend und ehe Raven überhaupt protestieren konnte, stand ihr Koffer auch schon im Zugeingang.
„Ähm ... Danke ...”, das Mädchen lächelte den drei Gryffindors scheu zu.
„Ist doch kein Prob ...” Doch bevor Lily zu Ende reden konnte, wurde sie jäh von einer Stimme unterbrochen, die vergeblich versuchte, einen möglichst männlichen Klang anzunehmen.
„Hey, Evans, schöne Ferien gehabt? Ich hab dich gerade hier stehen sehen und habe mir gedacht, dass ich dich noch unbedingt fragen sollte, ob du mit mir ausgehst!” Skeptisch schossen Lilys Augenbrauen in die Höhe, während sie ärgerlich die Arme verschränkte.
„Das ist doch nicht dein Ernst?! Wie oft habe ich dir das eigentlich schon gesagt? Nie im Leben, Potter, würde ich mit dir ausgehen! Glaub mir, eher würde ich einen Kessel voll Flubberwürmer essen! Die wären definitiv eine angenehmere Gesellschaft als du!”, rief sie aufgebracht und funkelte James wütend an. Dann drehte ihm elegant den Rücken zu und lief wutschnaubend in das Innere des Zuges.
„Potter, du hast nicht die geringste Chance bei ihr!” Melanie Johnson, ein breites Grinsen lag auf ihren Lippen, hatte James eine Hand auf die Schulter gelegt und sah ihn mitleidig an. „Glaub mir, eher gibt sich Black mit nur einem einzigen Mädchen zufrieden!”
„Habe ich da etwa meinen Namen gehört?“ Wenn man vom Teufel sprach…
Mit seinem typischen, markanten Grinsen gesellte sich Sirius Black zu ihnen. „Hey Johnson, das ist eigentlich kein schlechter Gedanke! Ich könnte wirklich mal ein wenig Abwechslung vertragen! Wie wär’s, das könnten wir ja bei Gelegenheit mal ausprobieren, du und ich?” Melanie blickte mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck zu Sirius und brach dann in amüsiertes Gelächter aus.
„Sorry, Black, aber du bist wirklich nicht mein Typ! Ich bin mir da doch etwas zu schade für, ein weiteres Opfer von Hogwarts verschriehenstem Playboy zu werden!” Sie schenkte den Jungen noch ein breites, zwinkerndes Lächeln, packte Alice Andrews, die alles grinsend mit angehört hatte, am Arm und verschwand ebenfalls im Inneren des Zuges.
„Einen Versuch war es wert.”, entgegnete Sirius schulterzuckend und sah Melanie hinterher. Doch sein Blick verriet, dass er noch lange nicht aufgegeben hatte. Nein, sein Interesse war gerade erst so richtig geweckt worden...
„Wie waren deine Ferien, Raven?” Remus lächelte sie freundlich an.
„Ach ... Eigentlich wie immer.” Und mit einem ,,Ihr Entschuldigt mich bitte...”, war sie auch schon im Inneren des Hogwartsexpresses verschwunden.
„Komisches Mädchen...“, entgegnete James kopfschüttelnd. „Wir sind jetzt sechs Jahre zusammen zur Schule gegangen, aber ich hab nie etwas anderes von ihr gehört als ‘wie spät ist es?’ oder ‘was haben wir jetzt für ein Fach?’. Nicht einmal Moony hat es geschafft sie zum reden zu bewegen und der kommt schließlich mit allen gut aus! Da bevorzuge ich es doch lieber, mich die ganze Zeit über von Evans anschreien zu lassen, als ununterbrochen angeschwiegen zu werden!” Sirius rollte mit den Augen.  
„Jetzt hört doch auf, euch Gedanken über diese Langweilerin zu machen! Da hinten ist Wormtail! Lasst uns mal hingehen!”. und schon war der Schwarzhaarige, auf dessen Gesicht wieder ein breites Grinsen prangte, davongeeilt. James und Remus folgten ihm gutgelaunt und so bekam keiner von ihnen mit, wie Raven wieder aus dem Zug stieg und nach einer Jacke griff, die sie vorhin versehentlich hatte fallen lassen.
„Langweilerin also...”, murmelte sie belustigt. Raven wusste, dass die anderen nicht allzu viel von ihr halten konnten. Natürlich, wie sollte es auch anders sein? Seit sie auf diese Schule ging, hatte sie schließlich versucht ihre Klassenkameraden auf Distanz zu halten, doch dass sie nur als Langweilerin betitelt wurde, überraschte und beunruhigte sie zugleich. Es war zwar angenehm, zu wissen, dass sie nicht von allen gehasst wurde, doch genau darin lag auch das Problem. Sie durfte unter keinen Umständen zulassen, dass sie sich jemals mit einem von ihnen anfreundete, denn sie würde auf keinen Fall wollen, dass ihretwegen einer von ihnen sterben musste - und das würden sie, wenn sie sich auf sie einließen…
Ravens Gesicht wurde ernst. ‘Nein!’, dachte sie bitter. Eher würde sie auch weiterhin ein Leben in Einsamkeit fristen, als schon wieder am Tod eines Menschen verantwortlich zu sein…

Endlich, nach schier endlosen Minuten, fuhr der Zug los. Gelangweilt blickte Raven aus dem Fenster und beobachtete die fröhlich winkenden Menschen am Bahnsteig. Ihr wurde schwer ums Herz. In solchen Momenten wünschte sie sich, dass ihre Mutter...
„Verdammt!”, fluchte Raven leise. ‚Nein!‘, ermahnte sie sich streng in Gedanken. Sie wollte doch nicht mehr darüber nachdenken! Sie hatte schließlich andere Dinge, auf die sie sich konzentrieren musste!
Entschlossen, sich nicht mehr durch unnötige Gefühle ablenken zu lassen, griff sie in ihre Tasche. Nachdem sie einige Sekunden vergeblich darin herumgewühlt hatte, kam schließlich ein kleines, schwarzes Notizbuch auf dem in eleganten, goldenen Lettern ‘Endoria’ auf dem Einband prangte, zum Vorschein. Sie murmelte etwas und tippte das Buch mit ihrem Zauberstab an. Die erste Seite schlug sich von selbst auf.
‘Name?’, erschien in dunkelblauer Schrift auf dem Papier.
‘Raven Endoria’, schrieb das blonde Mädchen in einem fließenden Schriftzug. Die Worte sickerten in die Seite. Ein paar Sekunden lang passierte gar nichts, doch dann trat wieder Tinte aus der Seite, um die Worte: ‘Zu welchem Abschnitt wünschen Sie Zugriff?’, zu bilden. Raven dachte einen Augenblick lang nach. Dann kritzelte entschlossen, mit einem energischen Schwung ein einziges Wort auf die Seite: ‘Aiyana’. Das Papier begann zu rascheln und plötzlich fingen die Seiten an, sich, wie von einer unsichtbaren Hand bewegt, selbst umzublättern. Raven beobachtete diesen Vorgang, den sie schon so oft in ihrem Leben gesehen hatte, uninteressiert. Die Seiten bewegten sich nun so schnell, dass man mit bloßem Auge nur noch einen weißen Bogen aus Papier sah.
Während sie das Buch weiter geduldig beobachtete, vernahm sie plötzlich ein Geräusch hinter der Abteilungstür. Es waren Schritte mehrerer Personen, die genau auf ihr Abteil zusteuerten. Panisch klappte Raven das Buch zu, doch dieses schien nicht sehr angetan von dieser Behandlung zu sein und fing an sich zu wehren. ‘Nicht auch noch das!’, dachte Raven verzweifelt, während ihr Blick hektisch durch das Abteil glitt. Sie musste das Buch irgendwo verstecken, wo es niemand sah! Um jeden Preis!
Jemand schob die Tür auf. Kurz entschlossen packte sie das störrische Ding auf ihren Sitz und setzte sich hastig darauf. Gerade noch rechtzeitig, wie ihr nur einen Augenblick später klar werden sollte, denn die Marauders betraten fröhlich lachend das Abteil.
‘Oh, bitte nicht die!’ Raven packte krampfhaft die Armlehnen ihres Sessels. Das Buch unter ihr hatte begonnen heftig zu rucken. Allen Anscheins nach versuchte es, sie von sich herunterzustoßen.
„Hey Endoria, sitzt hier schon jemand?”, James Potter steckte fragend den Kopf ins Abteil und sah sich um.
„Ist denn sonst kein anderes Abteil frei?”, fragte Raven mit beinahe schon bettelndem Ton und versuchte, sich mit aller Kraft in den Sitz zu drücken.
„Nö, alle besetzt.” Sirius schien Ravens Worte einfach mal als Zustimmung genommen zu haben und setzte sich zu ihr ins Abteil, gefolgt von seinen Freunden. Das Mädchen hatte das starke Bedürfnis sie auf der Stelle anzuschreien und ihnen zu sagen, sie sollten sofort von hier verschwinden, doch genau das durfte sie nicht tun. Sonst hätte sie wahrscheinlich genau das Gegenteil erreicht und gerade damit ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Ihr Blick fuhr zur Decke, während sie sich verzweifelt auf die Lippe biss. Das Buch schien nun auch noch angefangen zu haben, nach ihrem Hintern zu schnappen…
„Raven, ist alles in Ordnung?”, Remus, der neben Raven Platz genommen hatte, sah sie besorgt an. „Du siehst irgendwie blass aus.“
,,Natürlich! Al ... Alles ist bestens!” Raven war zum heulen zumute. Wenn nicht gleich ein Wunder geschehen würde, dann...!
Die Jungs durften das Notizbuch auf keinen Fall zu Gesicht bekommen! Zu viel hing davon ab!
Die Marauders hatten ein Gespräch über Quidditch begonnen. In diesem Augenblick wurde Raven bewusst, dass die sich wahrscheinlich nicht mehr so schnell von hier verziehen würden...

Das Erste, das Sirius Black überrascht zu Kenntnis genommen hatte als er und seine Freunde das Abteil betreten hatten, war, wie ungewöhnlich angespannt Raven Endoria zu sein schien. Ein Bild, das man nicht oft von ihr sah. Doch als Remus sie gefragt hatte, ob irgendetwas mit ihr nicht stimmte, hatte sie verneint.
Sirius blickte unauffällig zu dem Mädchen hin. Raven hatte krampfhaft die Armlehnen ihres Sitzes gepackt und starrte nun mit angespanntem Gesicht auf  ihre Füße. Sie versuchte ruhig zu wirken, doch das misslang ihr gründlich.
‚Also wenn wirklich alles in Ordnung mit der ist‘, dachte Sirius verächtlich ‚dann verspeise ich Prongs Besen!‘
Doch nur einen Augenblick später grinste er hämisch. Er würde schon herausfinden, was mit Endoria los war!
Sirius Augen fixierten das Mädchen, er setzte gerade dazu an, irgendetwas sagen um Endoria aus der Fassung zu bringen, doch dann hob sie plötzlich den Kopf uns sah ihm direkt in die Augen. Sirius blieben die Worte im Halse stecken.
Ihr Blick war verzweifelt, eindringlich, in ihren dunkelblauen Augen konnte er Tränen glitzern sehen. ‘Bitte, hilf mir!’, formte sie stumm mit den Lippen und machte eine kaum merkliche Kopfbewegung in Richtung Tür.
So hatte er Raven Endoria, Gryffindors Eis-Prinzessin nie zuvor gesehen. Sie hatte immer versucht, die anderen Schüler auf Distanz zu halten, redete nur das Allernötigste mit ihnen. Die letzten sechs Jahre hatte sie, soweit er sich erinnern konnte, immer allein verbracht. Im Unterricht saß sie allein, die Pausen verbrachte sie allein, und am Abend, wenn viele Gryffindorschüler sich im Gemeinschaftsraum aufhielten, verschwand sie mit einem Haufen von Büchern nach oben, in ihren Schlafsaal. Niemanden hatte das jedoch je gestört. Die meisten glaubten ohnehin von ihr, dass sie entweder extrem langweilig, oder extrem gefühllos war.
Raven sah Sirius jetzt beinahe schon flehend an. ‘Bitte’, flüsterte sie. Und dann, zu seiner eigenen Überraschung,  erhob er sich plötzlich aus seinem Sitz und meinte mit breitem Grinsen zu seinen zu seinen Freunden: ,,Wie wär’s? Lasst uns mal nachsehen, ob Snievellus‘ Haare in den Ferien noch fettiger geworden sind!” Begeistert sprang James auf, Peter machte es ihm gleich. Allein Remus schien nicht sonderlich angetan von dieser Idee zu sein, doch schließlich folgte auch er widerwillig seinen Freunden.
Sirius warf Raven im vorbeigehen einen letzten, kurzen Blick zu, denn sie erwiderte. In ihren  Augen spiegelte sich unglaubliche Dankbarkeit.
In diesem Moment wurde Sirius Black klar, dass er Raven Endoria falsch eingeschätzt hatte.

Raven war mehr als verzweifelt. Was sollte sie bloß tun?, hatte sie sich immer und immer wieder gefragt, während dieses verdammte Buch in ihrem Sitz einfach nicht mehr aufhören wollte, sich zu bewegen. Vor lauter Panik waren ihr die Tränen in die Augen gestiegen.
Großartig! Auch das noch! Musste sie jetzt auch noch anfangen zu heulen?!
Dann, ganz plötzlich, war ein alarmierendes Gefühl durch ihren Körper geschossen. Sie spürte einen Blick auf sich. Raven sah erschrocken auf.
Sirius Black sah sie direkt an, schien irgendetwas sagen zu wollen, doch er brachte keinen Ton heraus. Und dann war Raven plötzlich alles egal gewesen.
‘Was soll’s!’, hatte das Mädchen gedacht, während ihre Lippen die Worte ‘Bitte, hilf mir!’ formten. Sirius sah sie ungläubig an. ‘Bitte!’. Zu ihrem maßlosen Erstaunen sah sie mit an, wie Sirius Black sich tatsächlich aus seinem Sitz erhob und es schaffte, seine Freunde irgendwie aus dem Abteil zu lotsen. Er warf ihr noch einen schnellen Blick zu und in diesem Moment war dem Mädchen alles egal.
Raven war von klein auf eingetrichtert worden, niemals Emotionen zu zeigen, doch in jenem Augenblick pfiff sie auf diese Regel! Sie erwiderte seinen Blick mit dem höchsten Maße an Dankbarkeit, zu dem sie gerade, mit einem bockenden Buch unterm Hintern, fähig war.
Als sich die Tür hinter den Marauders schloss, sprang das Mädchen schnell auf. Das Buch schnappte noch einmal nach ihr, doch sie wich geschickt aus, murmelte einen Zauberspruch und weiße Funken ergossen sich über das schwarze Notizbuch, das auf der Stelle aufhörte, sich zu bewegen und nun regungslos auf ihrem Sitz lag. Hastig packte sie es in ihre Tasche und griff nach dem erstbesten Schulbuch, das sie in die Finger bekam.
Als die Marauders zurückkamen, fanden sie Raven wieder in gewohnter Position vor: einen kühlen, emotionslosen Ausdruck auf dem Gesicht und in ein Buch vertieft.
Sirius suchte ihren Blick, doch sie ignorierte ihn komplett. Es war, als ob die ganze Geschichte vorhin niemals passiert wäre.

Die restliche Fahrt war größtenteils ereignislos. Das einzig Nennenswerte war, dass Lily die Geduld verloren hatte als James sie auf dem Gang schon wieder nach einem Date gefragt hatte. So wütend war sie gewesen, dass die ihren Zauberstab aus ihrer Umhangtasche gezogen, ihn verflucht hatte und dann wütend in ihrem Abteil verschwunden war. James musste eine halbe Stunde lang in einem rosa Rüschenkleid herumlaufen das er einfach nicht ausziehen konnte, egal was er tat, bis Lily sich schließlich durch gutes Zureden ihrer Freundinnen und Remus doch dazu erbarmte und den Fluch endlich von ihm nahm. Zwischenzeitlich war auch Sirius verschwunden, um sich mit seiner neuen Errungenschaft zu vergnügen. Raven hatte aus den Gesprächen der anderen drei Marauders mitbekommen, dass Sirius sie vorhin am Bahnsteig kennen gelernt und, wie sie es ausdrückten ‚gleich rumbekommen‘ hatte.
‘Schon erstaunlich, dass sich ihm so viele Mädchen an den Hals werfen’, dachte Raven verblüfft und warf einen kurzen, angewiderten Blick in den Gang, wo Sirius gerade leidenschaftlich mit der dunkelhaarige Ravenclaw-Schönheit vom Bahnhof herummachte. Sie hatte diesen ganzen Hype um Sirius Black ohnehin nie verstanden…
‘Was soll’s.‘, dachte das Mädchen schulterzuckend. ‚Wenn es den beiden Spaß macht, sich von halb Hogwarts beim rumknutschen zuzusehen?’ Und nachdem Raven sich noch einmal müde in ihrem Sitz gestreckt hatte, griff sie erneut nach ihrem Buch und begann zu lesen. Ohne noch einen weiteren Gedanken an ihn zu verschwenden, war das Thema Sirius Black für sie beendet gewesen.
„ ...was meinst du, Raven?”, die Angesprochene sah überrascht von ihrem Buch auf.
„Ähm ... Wie bitte?” Remus, dem es ausgesprochen unangenehm war, dass die Marauders Raven die ganze Zeit aus ihren Gesprächen ausschlossen, wiederholte seine Frage.
„Wer wird wohl der neue Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste sein?” Raven dachte einen Moment lang nach. Ihre letzte Lehrerin war eine Katastrophe gewesen. Sie war noch relativ jung und unerfahren gewesen und war weder mit dem Schulstoff, noch mit den Schülern fertiggeworden. Ganz besonders die Marauders hatten ihr das Leben zur Hölle gemacht.
„Ich hoffe, der neue Lehrer wird um einiges besser sein, als unser Letzter.”
„Ich habe gehört, wir bekommen einen Vampir!”, rief Peter aufgeregt. James, Remus und Sirius, der gerade wieder dass Abteil betreten hatte, brachen in Gelächter aus. Auch Raven erlaubte sich ein verächtliches Schnauben.
„Als ob Dumbledore uns einen Vampir vor die Nase setzten würde! Eher würde der doch selbst unterrichten! Du glaubst doch wirklich alles, was man dir erzählt, oder Wormtail?” James warf einen belustigten Blick zu Sirius, der diesen mit einem breiten Grinsen erwiderte. Raven sah beiläufig zu Peter und plötzlich stockte ihr Atem. In seinem Blick war in diesem Moment nicht als purer Zorn. Dann, für den Bruchteil einer Sekunde, glaubte sie, etwas in seinen Augen aufblitzen zu sehen, das an Hass erinnerte…! Sämtliche Alarmglocken in Raven begannen zu schrillen. War es möglich...?
„Es ist genug. Das reicht jetzt.”, sprach sie mit eiskalter Stimme, den Blick noch immer gelangweilt auf ihr Buch gerichtet. Alle vier Marauders sahen sie verblüfft an, doch Raven kümmerte das herzlich wenig. Ihre Gedanken waren mit etwas vollkommen anderem beschäftigt.
Raven konnte sich bei Peter beim besten Willen nicht vorstellen, dass er... Aber eigentlich konnte man sich das bei den wenigsten vorstellen! Doch dieser Blick vorhin...! Sie hatte schon oft gesehen, dass vor allem James und Sirius nicht gerade zimperlich mit Peter umgingen. Und verletzter Stolz war schon oft ein Grund zur ... Rache gewesen.
‘Mädchen, du wirst langsam paranoid!’, dachte Raven plötzlich kopfschüttelnd. Sie sollte wirklich aufhören, überall schwarze Magier oder zukünftige Todesser zu sehen! Noch ein weiteres Mal fuhren ihre Augen verstohlen zu Peter. In seinem Blick lag jetzt etwas Versöhnendes. ‘Nein, falscher Alarm.’, dachte sie erleichtert.
Doch die kleine, misstrauische Stimme in ihrem Kopf war alles andere als beruhigt. Irgendetwas sagte ihr, dass dieser Junge doch nicht so gutmütig war, wie er seinen Freunden immer weismachen wollte…

Es war bereits stockdunkel, als der Zug endlich in Hogsmeade einfuhr. Das Wetter war alles andere als gut. Um genau zu sein war es einfach miserabel! Ein Wolkenbruch ergoss sich über die Schüler, die kreischend versuchten, in die pferdelosen Kutschen zu kommen. Raven war durchnässt bis auf die Haut, als auch sie es endlich schaffte, in eine einzusteigen.
„Hi Raven!”
‘Will das denn kein Ende nehmen!?’, dachte die Angesprochene verzweifelt. Die letzten Jahre hatte sie sich immer erfolgreich darum bemüht, ihren Klassenkameraden so gut es ging aus dem Weg zu gehen. Doch warum musste sie ausgerechnet heute mit jedem einzelnen von ihnen auf engstem Raum eingesperrt sein?!
„Hallo.”, erwiderte sie kurz angebunden und setzte sich zu Lily, Melanie und Alice.
„ Wie hast du das bloß überstanden?” ein ungläubiger Ausdruck lag auf Lilys Gesicht. Skeptisch sah Raven sie über den Rand ihrer Brille hinweg an.
„Entschuldige, aber wovon redest du?”
„Na, du warst doch die ganze Zeit mit Potter, Black, Lupin und Pettigrew zusammen in einem Abteil!”, ergänzte Melanie und warf sich mit einem eleganten Schlenker ihr langes, dunkelbraunes Haar über die Schulter.
Melanie Johnson war im wahrsten Sinne des Wortes das, was man einen wandelnden Männertraum bezeichnete. Sie hatte große, dunkle Augen, glänzendes dunkelbraunes Haar und etwas, das man getrost eine Model-Figur nennen konnte. Ihr Gang war elegant, rhythmisch - wahrscheinlich das Erbe ihrer südländischen Mutter - und ihr Lächeln so charismatisch, dass man einfach nicht den Blick von ihr abwenden konnte.
Lily Evans war ebenfalls sehr hübsch. Ihre smaragdgrünen Augen und ihr dunkelrotes Haar bildeten einen Kontrast, der auf viele männliche Hogwartsschüler ausgesprochen  anziehend wirkte. Doch im Gegensatz zu Melanie setzte sie ihre Reize nicht ein. Sie schien alleine vollkommen zufrieden zu sein.
Dann war da noch Alice Andrews. Sie hatte hellbraunes Haar, große, grün-braune Augen und war sehr zierlich. Äußerlich wirkte sie oft noch wie eine Viertklässlerin, doch Alice war ausgesprochen klug, eine der besten Schülerinnen ihres Jahrgangs, hatte einen scharfen Verstand und wusste wie sie alles bekommen konnte, was sie wollte.
„Nun, wir haben eigentlich kaum miteinander geredet, da gibt es also nichts, was ich euch erzählen könnte.” Die Mädchen starrten Raven, die wieder teilnahmslos aus dem Fenster sah, ungläubig an.
„Ach komm schon, es muss doch irgendetwas passiert sein! Black kann doch unmöglich die ganze Zeit über mit einem Mädchen in einem Abteil sitzen, ohne dass er nicht zumindest versucht, sie anzugraben!” Alice blickte sie derart durchdringend an, als ob sie glaubte, damit erreichen zu können, dass Raven ihnen irgendetwas erzählte. Doch die blickte weiterhin stur hinaus in die verregnete Nacht.
„Black schien mich anscheinend nicht für gut genug zu halten, um überhaupt ein Wort mit mir zu wechseln. Er har sogar eher den Anschein gemacht, dass er ziemlich froh darüber war, dass ich nicht mit ihm geredet habe.” Das war zwar beinahe eine glatte Lüge, doch Raven hatte kein schlechtes Gewissen. Es war eben nur fast eine Lüge.
Sirius hatte sie vorhin die ganze Zeit über zu ihr hingesehen, er wollte eine Antwort auf ihr seltsames Verhalten, doch angegraben hatte er sie ganz sicher nicht, geschweige denn überhaupt mit ihr geredet.
‚Wenn wundert’s!’, dachte das Mädchen verächtlich und betrachtete ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe der Kutsche. Zurück blickte ein blondes Mädchen mit emotionslosem Gesichtsausdruck und einer großen Brille die ihre dunkelblauen Augen umrahmte.
Raven gehörte zu den Menschen, die nie viel Aufhebens um ihr Aussehen machten. Wenn sie mal keine Schuluniform trug, lief sie in zu großen Pullis und ausgeblichenen Jeans herum. Ihr Haar ließ sie meistens offen, weswegen es ständig vom Wind zerzaust war. Make-up war Raven zuwider, nicht nur, weil es ihrer Meinung nach entweder klebte, zerbröckelte oder zerlief, das Zeug war einfach furchtbar unpraktisch und trug nach einigen Stunden oft mehr zur Verschlimmerung des Aussehens bei, als das es half. Selbst ihre Brille nahm Raven allein zum schlafen ab. Eigentlich hätte sie diese nicht einmal tragen müssen, denn ihre Augen waren scharf wie die eines Raubvogels. Doch Raven wollte auch, das dies auch so blieb. Genau aus diesem Grund trug das Mädchen sie.  Denn die Brille, eine Spezialanfertigung, sollte ihre Augen entlasten, ganz besonders in der Schule, wenn sie bis tief in die Nacht an ihren Hausaufgaben arbeiten musste. Schlechte Augen waren mehr als hinderlich für ihren zukünftigen Job.
Ihr zukünftiger Job... Raven seufzte leise. Er war der Grund, warum sie so kalt zu allen war, er war der Grund warum sie nicht wollte, dass andere Menschen ihr zu nahe kamen. Er war der eigentliche Grund warum sie sich so verhielt, wie sie es tat.
Raven war schon oft der Gedanke gekommen, alles hinzuschmeißen, einfach ein ganz normales Leben als ganz normaler Mensch zu führen, doch sie konnte nicht … Sie durfte nicht! Sie dachte an die Worte, die ihre Mutter ihr einst gesagt hatte: “Für jeden kommt einmal die Zeit, wo er sich entscheiden muss, zwischen dem, was leicht ist und dem, was richtig ist.” und obwohl sich Raven oft nach dem leichten Weg sehnte, wusste sie, dass sie für sich die richtige Wahl getroffen hatte.
„Hey Raven, willst da ewig sitzen bleiben?!” Die Angesprochene sah überrascht auf. Die Kutsche hatte angehalten. Hastig kletterte das Mädchen hinaus und endlich sah sie das, wonach sie sich die letzten zwei Monate gesehnt hatte. Sie war endlich wieder zu Hause. Endlich wieder in Hogwarts.

„Willkommen zu einem weiteren Jahr in Hogwarts!”, Albus Dumbledore hielt wie jedes Jahr seine Ansprache zum Beginn des neuen Schuljahres. Die Erstklässler lauschten den Worten des Schulleiters beeindruckt, während die älteren Schüler hungrig auf ihre noch leeren Teller starrten. Raven sah sich in der großen Halle um und schmunzelte verstohlen. Die Gesichter waren zwar andere, doch sonst war alles noch genauso, wie an ihrem ersten Schultag. Beruhigend zu wissen, dass es Dinge gab, die sich nie verändern…
Raven richtete ihren Blick wieder auf Dumbledore, der, wie jedes Jahr, wieder die Verbote aufzählte. Der gegenwärtige Schulleiter von Hogwarts war eines dieser unveränderbaren Dinge. Er hatte bereits hier unterrichtet, als ihre Mutter hier zur Schule gegangen war und selbst ihre Großmutter hatte ihn, soweit sie wusste, noch als jungen Lehrer erlebt.
Und obwohl viele Menschen dachten, dass er ein seltsamer, alter Kauz war, teilte Raven diese Meinung ganz und gar nicht...
Dumbledore sah kurz zu ihr und sie schenkte ihm ein breites Lächeln. In ihren Augen war dieser Mann einfach phantastisch. Er hatte ihr in den letzten Jahren immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden und obwohl er von ihrem ‘zukünftigen Job’ wusste, hatte er es trotzdem erlaubt, dass sie hier zur Schule gehen durfte. Albus Dumbledore war die einzige Person innerhalb der Mauern von Hogwarts, der Raven wirklich vertraute.
„ ...Und jetzt haut rein!” Die Schüsseln und Platten an den Tischen füllten sich mit Speisen. Raven ließ sich das nicht zweimal sagen und griff zu.
„Er hat nicht gesagt, wer uns in Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichtet!”
„Da sitzt auch kein neuer Lehrer am Tisch!” Raven sah erst überrascht zu den zwei Viertklässlern, die sich gerade unterhalten hatten, dann wanderte auch ihr Blick zum Lehrertisch.
Und wirklich, dort saßen nur die alten Lehrer, die sie kannte. Hatte Dumbledore etwa tatsächlich niemanden gefunden, der sie in Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten würde?! Kurz sah sie das Bild des Schulleiters vor sich, wie er persönlich einem Haufen aufgeregter Zweitklässler den Entwaffnungszauber zeigte, doch Raven verwarf den Gedanken schnell wieder. Das war mehr als lächerlich! Dumbledore würde sie nie und nimmer unterrichten!
Nachdenklich sah Raven auf ihren Teller, während sie nach ihrem Becher griff und einen Schluck daraus trank. Aber irgendein Lehrer musste doch...!
Plötzlich wurde die Tür zur großen Halle aufgestoßen. Während die kalte Nachtluft in die Halle wehte, schritt irgendjemand selbstsicher durch die langen Tischreihen zum Lehrertisch. Raven konnte nicht sehen, wer gerade gekommen war, da ihr Blick durch den Hufflepufftisch versperrt war, doch sie vernahm, wie eine Vielzahl von Mädchen plötzlich zu kichern und zu tuscheln begann. Neugierig richtete sich Raven, wie einige andere, auf, um etwas erkennen zu können. Jemand lief die Treppe zum Lehrertisch hinauf. Raven konnte das Gesicht nicht erkennen, doch die Art, wie die Person sich bewegte, die selbstsichere Körperhaltung, die Reaktion des weiblichen Geschlechts – das alles kam ihr verdammt bekannt vor...
Auf einmal warf die Person einen flüchtigen Blick zum Gryffindortisch. Hustend verschluckte Raven sich an ihrem Kürbissaft. Nein... Dass konnte doch nicht ... Was machte ER hier in Hogwarts?!
Raven sah den Mann, der sich leise mit Dumbledore unterhielt, entgeistert an. Fassungslos schüttelte sie den Kopf. Die beiden Männer hatten sich jetzt den Schülern zugewandt und der Schulleiter begann zu sprechen.
„Nun, wie es scheint darf ich euch heute Abend doch noch euren neuen Lehrer in Verteidigung gegen die Dunklen Künste vorstellen: Professor Gabriel Hawk.” Tosender Applaus brach in der Halle los und ein irres Kichern war von einem Großteil Mädchen zu hören. Gabriel Hawk grinste, mit der Folge, dass beinahe sämtliche weibliche Bewohner Hogwarts dem neuen Lehrer schmachtende Blicke zuwarfen.
Das beste Wort um Gabriel Hawk zu beschreiben war einfach ‘cool’. Er war Mitte bis Ende Zwanzig, hatte längeres, dunkelbraunes Haar, das ihm in die ausdrucksvollen, grau-blauen Augen fiel. In seinem linken Ohr trug er einen einzelnen Ohrring, an dem eine Falkenfeder baumelte. Gabriel Hawk bewegte sich mit der Eleganz einer Raubkatze, außerdem hatte er ein umwerfendes Lächeln, das das Potenzial hatte, jede einzelne Frau willenlos zu machen. In seinen Augen lag etwas von Abenteuerlust, Selbstsicherheit, jedoch ohne arrogant zu wirken, und etwas, was man bei den Marauders sah, wenn sie mal wieder irgendetwas ausheckten.
Raven jedoch warf ihm einen vorwurfsvollen, misstrauischen Blick zu, den Gabriel Hawk grinsend erwiderte.
Wieso, bei Merlins Bart, war er in Hogwarts!? Ganz sicher nicht, weil er plötzlich seinen Spaß am Unterrichten gefunden hatte, da war sich das blonde Mädchen sicher…
In genau diesem Moment verkündete Dumbledore, dass sich alle Schüler ins Bett begeben sollten und eine große Aufbruchsstimmung zog durch die Halle. Raven musste wohl oder übel mitgehen, schon allein deswegen, weil sie das Passwort nicht kannte, doch sie würde diesen Abend auf jeden Fall noch mit Hawk reden.
Er war ihr die ein oder andere Antwort schuldig...
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So, das war das erste Kapitel! Ich hoffe, es hat euch gefallen! Bitte, bitte hinterlasst mir ein Kommentar, egal ob Lob oder begründete Kritik!! Bitte!
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