Am Abgrund

von Lemoneye
GeschichteDrama / P6
Jarod
23.03.2006
23.03.2006
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Disclaimer: Die bekannten Charaktere der Fernsehserie 'The Pretender' gehören nicht mir, sondern MTM, NBC, TNT und 20th Century Fox. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken.
Zeitpunkt: Die Geschichte spielt nach den zweiten Pretender-Film 'Island of the haunted'
Inhalt: Jarod unternimmt einen Versuch Parker zu überzeugen.
Kontakt: Faith_69@web.de

***Feedback ist ausdrücklich erwünscht***

Am Abgrund


Es war viel zu kalt für diese Jahreszeit. Er lief durch die Straßen, ohne Ziel und zog seine Jacke fester um sich. Die Gegend hier war trist und grau. Es gab hier keine spielenden Kinder oder Menschen die fröhlich miteinander lachten. Alle liefen stumm aneinander vorüber. Alle hatten denselben Gesichtsausdruck. Auch Jarod. So sehr hatte er sich schon der Welt hier draußen angepasst. Doch mit seinen Gedanken war er weit weg von diesen Ort hier.

Er blieb stehen und schaute sich um. Sein Gesichtsausdruck war unverändert und seine Körperhaltung zeigte das er fror. Er rieb sich die Hände aneinander und sah wenige Meter vor sich ein Leuchtreklamenschild für einen kleinen Pub.

Als er die schon recht morsche Tür öffnete kam ihn der Geruch von kalten Rauch und Bier entgegen. Er lies seinen Blick schweifen, während er langsam in Richtung der Bar ging. Der Rauch sammelte sich scheinbar an den Lampen die nur wenig Licht spendeten. Keiner hier schien ihn wahr zu nehmen, was ihn auch ganz recht war. In der hinteren Ecke des Raumes saßen ein paar Männer um einen Tisch und spielten Karten. Rechts von Jarod saß ein Paar das sich heftig stritt. Aus der Musikbox kam ein langsamer Song, irgendwas von Frank Sinatra vermutete Jarod.

Er setzte sich auf einen der Barhocker. Die meisten waren noch frei. Der Mann der ein paar Plätze neben ihn saß schien ziemlich viel durchgemacht zu haben in letzter Zeit. Er hatte dunkle Augenringe und zitterte als er nach den Erdnüssen griff.

Normalerweise hätte Jarod ihn behutsam angesprochen, aber heute konnte er es einfach nicht. Es war wieder einer dieser Tage an denen er einfach alles in Frage stellte. Würde er es jemals schaffen auf alle seiner Fragen eine Antwort zu finden? Er war es leid darüber nachzudenken.

„Hey Kumpel, was soll's denn sein?“ der Barkeeper war schon älter, er hatte weißes Haar und einen 3-Tage-Bart.

„Einen Kaffe bitte.“ Jarod war müde und trank zu viel Kaffe in der letzten Zeit. Er versuchte nur so viel zu schlafen wie nötig war. Zuviel Angst hatte er vor seinen Träumen.

Der Barkeeper lachte auf während er sich die Hände an einen dreckigen Handtuch rieb. „Wenn du einen Kaffee willst dann geh woanders hin! Hier gibt es nur Bier, Whisky und Wodka!“

Jarod verzog die Mundwinkel. „Whisky!“ Über der Bar hing ein kleiner Fernseher. Es lief gerade ein Footballspiel. Nicht gerade das was Jarod gewöhnlich ansah.

„Hier.“ Der Barkeeper stellte Jarod das Glas auf den Tresen und griff nach seiner Zigarette die aus den Aschenbecher ragte.

Als Jarod an seinen Whisky nippte verzog er leicht das Gesicht bevor er es hinunter schluckte. Es brannte in seinen Hals und auf der Zunge. Wäre der Whisky kalt gewesen hätte man den Alkohol wohl nicht ganz so geschmeckt, aber scheinbar war hier das Gefrierfach defekt.

„Ich hab dich hier noch nie gesehen, bist du neu in der Stadt?“ Der Mann schenkte sich nun selbst ein Glas ein. Er hatte heute nicht viel zu tun.

„Ja, bin ich.“ Jarod hatte eigentlich wenig Lust auf Small-Talk.

„Wo kommst du her?“ Seine Frage klang eher beiläufig.

„So genau kann ich das nicht sagen, mein Zuhause ist praktisch überall und Nirgends!“ er nippte an seinen Glas, was er allerdings gleich wieder bereute.

„Verstehe, ein geheimnisvoller Fremder!“ er klang etwas belustigt bei diesen Worten.

Jarod funkelte ihn scharf an.“Sie haben gefragt.“

„Schon gut mein Junge. Hast du nie einen Ort gehabt den du dein Zuhause genannt hast?“ Er trank sein Glas mit einen Zug aus.

„Normalerweise ist es nicht meine Art mit Fremden über so etwas zu sprechen.“ Jarod musterte seinen Gegenüber gründlich.

Der Barkeeper wischte sich seine rechte Hand an seiner Hose ab bevor er sie Jarod reicht. „Ich bin Duke!“

„Jarod“ erwiderte er etwas überrascht und schlug ein.

„Es gab da mal einen Ort an dem ich lange Zeit gelebt habe. Aber ich würde es nicht als mein Zuhause bezeichnen.“ antworte Jarod dann doch.

„Mein Zuhause ist bei den Menschen die ich meine Familie nenne. Dieses Gefühl von Vertrauen ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden.“ Der Mann schien tiefgründiger zu sein als man es auf den ersten Blick war nehmen konnte ...

Schweigend sah Jarod ihn an. „Meine Familie ist mir nicht so vertraut wie sie es eigentlich sein sollte.“

„Gibt es keine Menschen in ihren Leben mit den sie etwas verbindet, keinen Menschen nach dem sie sich an einsamen Abenden wie heute sehnen?“ er schenkte sich einen weiteren Drink ein.

Jarod sah in sein Glas während er es in seinen Händen drehte als könnte er darin die Antworten sehen. „Doch, einen Menschen gibt es da schon, aber es ist nicht einfach ...“

„Nichts ist einfach mein Junge. Ohne Hürden in unseren Leben würden wir den schönen Dingen keine Beachtung schenken.“ unterbrach er ihn. „Stellen sie sich ihren Dämonen der Vergangenheit, gehen sie bis zum Abgrund und schauen sie hinab. Sehen sie was es zu sehen gibt. Und dann sollten sie sich entscheiden: kämpfen sie weiter gegen das Leben das sie haben an, oder akzeptieren sie es.“ Duke hatte schon so einiges gesehen und erlebt, was ihn zu einer sehr guten Menschenkenntnis verhalf.

Jarod starrte einige Minuten ins Leere. Dann leerte er sein Glas und legte einen Schein auf den Tresen während er sich erhob. „Danke Sir!“

„Wofür?“ Duke lächelte gutmütig während er den zerknitterten Schein nahm.

Jetzt zog sich auch über Jarod's Gesicht ein Lächeln. „Sie wissen wofür!“ Damit verlies er die Bar.



Delaware, Blue Cove
 
Er wusste das es gefährlich hier her zu kommen, aber er hörte immer noch Duke's Worte „ ... stellen sie sich ihren Dämonen der Vergangenheit ... !“

Den Wagen hatte er einige Meilen entfernt geparkt, in einer Waldeinfahrt. Dort würde er sicher nicht entdeckt werden. Der Weg war länger als er dachte, aber der 'Spaziergang' in der eisigen Nacht tat ihn irgendwie gut. Er war am Mittag hier angekommen. Nur hatte er es nicht gewagt bei Tageslicht unbekümmert in Blue Cove herumzufahren. Hier wimmelte es von Sweepern.

Nach einer guten Stunde war er fast angekommen. Das Haus lag etwas Abseits. Es brannte Licht in einigen Fenstern. Immer wieder sah er sich um. Er versuchte sich einzureden nicht so paranoid zu sein, aber als er an die vergangenen Jahre und seine Verfolgung zurückdachte, wusste er wieder das diese Paranoia begründet ist.

Er ging um das Haus herum, so leise wie möglich, bis er sich entschied das Schlafzimmerfenster als  Eingang zu nehmen.

Es war angenehm warm im Haus. Er hörte an den knistern das sie den Kamin angefeuert hatte. Vorsichtig ging er in Richtung des Wohnzimmers.

Sie lag auf der Couch, halb bedeckt mit einer Decke und schien etwas unruhig zu schlafen. Er kauerte sich vor sie und beobachte sie eine Weile.

Wie durch einen lauten Knall geweckt schreckte sie plötzlich hoch und sah fassungslos in das Gesicht ihres Gegenübers. „Jarod! Was ... was wollen sie hier?“ sie suchte so unauffällig wie möglich ihre Waffe unter den Kissen.

„Sie werden sie da nicht finden. Ich habe ihre Waffe vorsichtshalber außer Reichweite gebracht!“ grinste er unverschämt.

Jetzt richtete sie sich ganz auf und stand vor Jarod der sich ebenfalls erhoben hatte. „Was zum Teufel wollen sie hier? Haben sie nicht schon genug Unheil angerichtet?“ In ihren Augen war eisige Kälte zu sehen.

„Denken sie wirklich das es meine Schuld ist, was in den letzten Wochen und Monaten geschehen ist?“ Er hatte sicher nicht erwartet das sie sich über seinen Besuch freuen würde, aber ...

„Es ist ALLES Ihre Schuld!!!“ Tränen stiegen in ihre Augen.

„Parker, ich weiß sie sind sehr aufgewühlt, aber sie wissen so gut wie ich, wer die Schuldigen sind.“ sanft legte er seine Hand auf ihren Arm.

Mit einer ruckartigen Bewegung sties sie seine Hand weg. „Lassen sie mich einfach in Ruhe!!! Verschwinden sie aus meinen Leben!!!“ Jetzt konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurück halten.

„Parker, ich bin gekommen um etwas loszuwerden. Etwas was mich seid Carthis verfolgt... !“ der Blick in seinen Augen schrie vor Sehnsucht.

In ihren hingegen war Angst zu sehen. Sie wollte nicht hören was er gleich sagen würde. „NEIN! Ich habe gesagt sie sollen verschwinden! Auf der Stelle! Auf dieser Insel ist nichts passiert. Sie sind ein jämmerliches Versuchsobjekt! Und ich jage sie!“

Er wusste das sie es nicht so meinte wie sie es sagte, trotzdem zerriss es ihn das Herz bei diesen Worten. Wortlos schauten sie sich für einen kurzen Moment an, bevor er sich zum gehen wante. „Sie wissen genau so gut wie ich, das unsere Verbindung nicht nur aus Jägerin und Gejagten besteht.!“ Noch immer hatte er ihr den Rücken zu gewant und schaute zu Boden.

„Nein Jarod. Sie suchen nach Sicherheit, nach einen Menschen in ihren Leben an dem sie sich festhalten können, weil sie nicht wissen wo ihr Platz in dieser Welt ist. Aber dieser Mensch bin nicht ich. Und ich will es auch nicht sein. Begreifen sie das endlich. Diese vermeintlichen Gefühle die sie sich einzureden versuchen, sind lediglich Angstgefühle und nicht das was sie denken. Für mich sind sie nichts weiter als ein Experiment des Centers!“ Ihre Stimme wurde ruhiger, so das Jarod nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob sie ihre Worte Ernst meinte, vor allem, da er nicht in ihre Augen sehen konnte. Hätte er es getan, hätte er gewusst das es gelogen war.

Er atmete laut aus, verlies dann ihr Haus und verschwand in die Dunkelheit aus der er gekommen war.

Miss Parker sackte zusammen und weinte bitterlich. All der Schmerz, den sie die letzten Wochen verdrängt hatte brach jetzt über ihr zusammen. Jetzt endlich vergoss sie all die Tränen, über ihren Vater, über ihre Verzweiflung, ihre Einsamkeit und über Jarod.

Er schaute noch ein letztes mal zurück, nachdem er schon ein paar hundert Meter weit entfernt war. „Jetzt haben wir beide in den Abgrund gesehen Miss Parker .... und wir sind hineingefallen ... !“ In seinen Gesicht war unendlich viel Schmerz zu sehen.

Dann drehte er sich um und setzte seinen Weg fort.



The End