Erben Babylons

von Motoshai
GeschichteAbenteuer / P16 Slash
Hokuto Sumeragi Seishiro Sakurazuka Subaru Sumeragi
22.03.2006
14.04.2006
8
7.580
 
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22.03.2006 1.249
 
Die Rechte an Tokyo Babylon liegen natürlich bei CLAMP, nicht bei mir. Ich
beabsichtige mit meinen FanFic-Geschichten keine Urheberrechtsverletzung.
Außerdem verwende ich die geschützten Charaktere nicht kommerziell.
Ich erziele keinerlei Einnahmen durch ihre Verwendung.



Diese FanFic handelt nicht direkt von Subaru und Seishiro, sondern von zwei
Anime-Fans, die - ob freiwillig oder unfreiwillig - ihre Rollen annehmen.
Sie spielt daher im Hier und Jetzt.
Vielleicht wird sie Euch dennoch ein bißchen gefallen ...



Erben Babylons
Wie immer: mittwochs und sonnabends bei FF.de


Vol. 1 Coincidence
Vol. 2 Fate
Vol. 3 Signs
Vol. 4 Reunion
Vol. 5 Eyes
Vol. 6 Sacrifice
Vol. 7 End
Vol. 8 Annex Start



Wenn ich zurückblicke, kann ich immer noch nicht fassen, was da passiert ist.
Wie konnte es ... so weit kommen?
Wie lange ist das jetzt her? Ein paar Jahre?

Ich weiß nicht mehr, wann es anfing; aber an den Tag selbst erinnere ich mich
noch viel zu gut.
Denn ich hatte mich mit viel Liebe zum Detail zurechtgemacht, um auf der
Anime-Convention einen Blickfang zu bieten: das kurze rote Jäckchen ... die
engen schwarzen Hosen (die ich mir zu dieser Zeit eigentlich figürlich nicht
so wirklich erlauben konnte) ... der schwarze Hut mit dem roten Band ... die
Handschuhe natürlich ... Haare schwarz gefärbt und die Strähnen an den Schläfen
hingebastelt ... Da ich immer sehr gründlich bin, hatte ich mir von meinem
Optiker sogar farbige Kontaktlinsen besorgt - in meiner Sehstärke kein billiges
Vergnügen. Aber Sumeragi Subaru hat im Anime nun mal grüne Augen und keine
blauen.
Es ist doch recht lustig, daß selbst die männlichsten Anime-Charaktere beim
Cosplay oft von Mädchen dargestellt werden. Ich bin kein Mädchen - und ich ging
nun wiederum ausgerechnet als der junge Subaru, den man allzu leicht für ein
Mädchen hätte halten können.
Ich erregte gebührend Aufmerksamkeit, das darf ich schon sagen. Photos wurden
gemacht, und ich kam nicht umhin, den einen oder anderen Geist zu beschwören.
Die Fans ließen mir sonst keine Ruhe ...
»Omm ... batarei ya sowaka. Omm ... batarei ya sowaka!«
Ehrlich gesagt, ich hatte nur diese kurze Formel auswendig gelernt. Ich wollte
noch die anderen dazutun, aber ... Ich hatte sie wieder vergessen. Peinlich.
Eine Zeitlang ging es gut. Aber dann ...
Wenn ich an diesen Augenblick denke, verkrampft sich mein Herz. Oder was davon
übrig ist.
»Subaru-kun!«
Eiskalt lief es mir den Rücken hinab, und ich drehte mich um.
»Sei... Seishiro-san!«
Und es kam mir in diesem Moment nicht einmal seltsam vor. Kein bißchen. Ich
merkte nicht, daß da etwas nicht stimmte.
Ich meine: Cosplay-Kostüme sind oft sehr aufwendig. Meins bildete da eigentlich
keine Ausnahme. Und ich hatte an diesem Tag bereits einen Schwarzen Magier
und einen Pharao gesehen, die traumhaft aussahen, und Arm in Arm waren mir
Orpheleus und Eduard entgegengekommen - zwei Mädchen, mal wieder, aber
ausgesprochen liebevoll zurechtgemacht (und ausgesprochen hübsch, nebenbei
gesagt). Und da stand dieser ... Salaryman vor mir.
Schwarzes Haar (nicht das bläuliche aus dem Anime), Anzug, Brille.
Wäre er mit zwei anderen hier gewesen - einem weiteren Subaru sowie Hokuto -,
wäre das in Ordnung gewesen. Aber er war allein. Und seien wir ehrlich: Ohne
wenigstens einen Sumeragi im Schlepp würde man Seishiro doch überhaupt nicht
erkennen!
Aber er war es. Und er sah ausgesprochen echt aus. Ich bin viel zu groß für
Subaru - aber dieser Typ überragte mich um einen Kopf, und die breiten
Schultern paßten ebenfalls.

Wenn ich verkleidet auf eine Con gehe, dann will ich auch spielen. Klar, daß
ich mich sofort auf den geheimnisvollen Unbekannten einließ.
»Ich habe mir gedacht, daß ich dich hier finden würde«, bemerkte er. »Und
gehofft, daß Hokuto-chan heute vielleicht keine Zeit ...«
»Ah ... Ich habe Hokuto-chan heute eigentlich noch gar nicht gesehen«,
antwortete ich. Ich bin nicht so gut im Improvisieren ... »Aber vielleicht
kommt sie noch nach.«
»Das wäre schön«, machte Seishiro und lächelte. »Aber bis dahin erlaube mir,
dich zu entführen!«
Galant nahm er meinen Arm. Die Fans um uns herum kieksten verzückt und
photographierten wie die echten Japaner.
»Oh ... Seishiro-san ... Mußt du denn heute nicht arbeiten?«
»Keine Sorge«, gab er sanft zurück, »die armen Tiere werden auch mal eine Weile
ohne mich auskommen. Sie sind ja nicht allein.«
»Aber -«
»Schsch. Du machst dir zu viele Sorgen, Subaru-kun. Du kannst nicht jedes Leid
der Welt auf deine Schultern nehmen!«
Ich senkte den Blick.
»Aber die Tiere in deiner Klinik ... sie sind krank, und -«
»Sie werden von der Schwester versorgt. Komm, Subaru-kun. Heute stehst du im
Mittelpunkt. Ha, ha, ha. Eigentlich tust du das bei mir ja ständig!«
»S... Seishiro-san!«

Wir spielten uns schnell aufeinander ein. Den ganzen Tag blieben wir zusammen,
und ich genoß es. Es ist ein tolles Gefühl, mal für einige Zeit in eine ganz
andere Rolle zu schlüpfen. Na ja, das ist ja der Sinn am Cosplay. Außerdem
hatte ich mich vorbereitet. Ich hatte die DVD hin- und herlaufen lassen, um
Bewegungen und Mimik einzustudieren. Ich sagte schon, ich bin gründlich bei
so etwas.
Unvermittelt bekamen wir auch noch Verstärkung.
»Subaruuu! Sei-chan!!«
»Wa-«
Erschreckt fuhr ich herum. Auch Seishiro schien überrascht, bewahrte aber seine
Fassung - ganz wie das Original.
Ein Mädchen hatte sich als Hokuto verkleidet und kam förmlich auf uns zuge-
flogen. Sie fiel mir um den Hals und erwürgte mich halb, aber dann ließ sie
mich plötzlich los und rief, an Seishiro gewandt, in drohendem Ton:
»Du wirst doch nichts Unanständiges versucht haben, oder, Sei-chan?!
Schließlich will ich hier nichts verpassen! Wenn du voll aufdrehst, dann will
ich dabei sein, das ist doch wohl klar!«
»Ho... Hokuto-chan! Die Leute drehen sich schon nach uns um!«
Seishiro aber nahm galant ihren Arm und gab ihr einen Handkuß.
»Du ahnst nicht, wie schwer es mir gefallen ist, aber ... unter Aufbietung all
meiner Kraft konnte ich mich zurückhalten!«
»Ha! Das wollte ich hören!«
»Naaa ...« Ich machte mich so klein wie möglich. Die Besucher um uns herum
applaudierten uns.

Wir bekamen sogar die Gelegenheit, in einer unfreiwilligen Bühnenpause einen
Lückenfüller aufzuführen. Jemand vom Orga-Team, den ich flüchtig kannte, fragte
uns, ob wir die Zuschauer eben mal beschäftigen konnten, und Seishiro mußte nur
kurz überlegen, ehe er uns etwas ins Ohr flüsterte. Wir machten einen Fünf-
Minuten-Sketch daraus und begeisterten das Publikum.
Als dieser Con-Tag sich dem Ende näherte - Hokuto hatte sich gerade
verabschiedet -, fragte Seishiro:
»Es wäre schade, wenn wir uns jetzt schon trennen müßten. Hast du nicht Lust,
noch etwas zu unternehmen? In die Disco gehen, zum Beispiel?«
»Sicher, gern, Seishiro-san«, antwortete ich mit einer leichten Verbeugung,
noch immer ganz in meiner Rolle. »Ziehen wir uns um und treff-«
»Aber nein. Warum denn umziehen? Ich möchte mit dir ausgehen, ganz genau so,
wie du bist, Subaru-kun!«
Ich dachte einen Moment lang nach. In einer Großstadt fällt man eh nicht so auf,
wenn man ein bißchen extravagant ist; und in der Schwulendisko, an die ich
dachte, galt das erst recht.
»Eigentlich hast du recht, Seishiro-san ... Gehen wir doch gleich!«
»Einverstanden!« machte er mit einem warmen Lächeln. »Möchtest du vorher etwas
essen? In einer Sushi-Bar vielleicht?«
»Ja, gern!«
Die Bedienung in der Bar schien ihre Freude an uns zu haben. Na ja,
wahrscheinlich kamen auch hierher nur selten waschechte Anime-Figuren; und da
wir beide immer noch unsere Kostüme trugen, verhielten wir uns auch weiterhin
wie Seishiro und Subaru. Besser noch, es stellte sich heraus, daß auch er ein
bißchen Japanisch sprach, und wir führten Teile unserer Unterhaltung in diesem
kantigen, holprigen Japanisch, auf das wir Ausländer so stolz sind, wenn wir
wenigstens das herausbringen.


Vol. 1 Coincidence Ende
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