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Der Fixstern und der Komet

von Hilaris
Kurzbeschreibung
GeschichtePoesie / P6 / Gen
13.03.2006
13.03.2006
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Der Fixstern und der Komet


Einst begegnete ein anschaulicher Komet in einem abgelegenen Teil der Milchstraße einem kleinen Fixstern. Bald freundeten sie sich an, denn in den einsamen Weiten und Tiefen des Universums ist eine enge Beziehung selten. Nach einem Tag auf dem Stern sagte dieser schließlich:
„Du bist das Schönste, was ich je gesehen habe. Dein silberner Kometenschweif zieht wie eine glänzende Schärpe durch meine Umlaufbahn und hinterlässt eine Spur von Anmut und Grazie. In meinen kühnsten Träumen kann ich mir nichts schöneres erdenken als Deine Gestalt in meiner Nähe.“
„Ja“, entgegnete jener, „aber erst Deine Strahlen bringen mich zu meinem silbernen Antlitz, denn erst wenn sie sich auf meiner kristallenen Oberfläche brechen, erstrahle ich in den schönsten Farben.“

Uns so vergingen zwei weitere Tage, als es für die beiden an der Zeit war, sich zu verabschieden. Denn seine Bahn führte den Kometen nun vom Stern weg, hinfort aus seinem Sonnensystem.

„Ich werde Dich vermissen“, meinte der Stern. „Ich kann mir ein Leben ohne Dich nicht mehr vorstellen und werde sehr unglücklich sein, wenn Du fortgehst. Warum kannst Du nicht einfach bleiben?“ Aber der Komet sagte nur: „Es ist meine Natur, immer auf der Reise zu sein. Ich bin ein rastloser Wanderer und ein Stillstehen entspräche nicht den Sitten. Lebe wohl!“ Und so sah der Stern dem Kometen noch lange traurig nach, bis seine Strahlen ihn nicht mehr erreichen konnten.

Ein ganzes Lichtjahr verging, bis der Komet wieder im Sonnensystem des Sterns ankam. „Mein Liebster, Du bist wieder da!“, rief der Stern laut vor Freude aus. „Ja, ich bin es“, antwortete der andere. Und so hatten sie drei glückliche Sternentage zusammen und gestanden sich ihre gegenseitige Liebe zueinander. Doch in dieser Zeit wurde der Komet ständig schwächer, denn die Sonnenstrahlen, ohne die sein Glanz nur schwacher Schimmer wäre, schmolzen langsam aber ständig seine Oberfläche.

Nach drei Tagen nahmen sie wieder Abschied voneinander und der Stern verblieb traurig und allein zurück, noch immer nicht begreifend, weshalb der Komet nicht bei ihm bleiben konnte.
Und so vergingen zwanzig Lichtjahre, in denen der Stern seinen Kometen immer mehr liebte und nach jedem Besuch immer trauriger und einsamer wurde.

Doch im einundzwanzigsten Lichtjahr war der Komet bloß noch ein kleiner Eisbrocken und vermochte es kaum in die Nähe des Sterns zu schaffen. Sie küssten sich zum ersten und letzten Mal, als der Komet der Oberfläche des Sternes so nahe kam wie noch niemals zuvor. In einer dreckigen Wolke löste sich dieser dann auf, um für immer Staub zu sein. „Ich habe Dich wirklich geliebt. Mehr als meine Planeten, mehr noch als die funkelnden Polarlichter auf ihren Polen und noch viel mehr als meine vom Licht hell erleuchtete goldene Krone“, flüsterte der Stern vor sich hin.

Da stürzte es ihn in solche Trauer, dass all sein Licht verblasste. Er wurde immer magerer und schwächer, bis sein Sternenlicht vollends erlosch.
 
 
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