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The Healing Touch

von Panthera
GeschichteRomance, Thriller / P18 / Het
Cyclops / Scott Summers Gambit / Remy LeBeau Phoenix / (Doktor) Jean Elaine Grey Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Rogue / Mary D'Arcanto Wolverine
04.03.2006
06.01.2008
31
109.904
10
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143 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
04.03.2006 4.362
 
@niah luna & kitana: Lieben Dank für die Rückmeldungen! Es ist immer schön, wenn man etwas von den Lesern hört! :)
Diese Teile sind sozusagen die Einleitung, nach dem Motto: Wie kommen die X-Men eigentlich an neue Mitarbeiter...? Mich hat das schon immer interessiert und ich beleuchte diesen Prozeß auch ein wenig genauer von Candys persönlichen Standpunkt aus.
Und keine Sorge, die Ideen gehen mir sicher nicht aus! Es gibt genug Stoff für Nachschub! Ich überarbeite die Story gerade, da ich nocht nicht ganz entschieden habe, wie ich das Ende gestalten möchte.
Dieser Teil wird ein wenig länger, da ich keinen guten Schnitt gefunden habe!
Weiterhin viel Spaß beim Lesen!


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xxx
Als sie nach dreißig Minuten immer noch nichts von der Frau hörten, spähte Jean mit Hilfe ihrer Telepathie in den Raum, was sie wahrnahm, veranlaßte sie, die Tür aufzureißen und nach den beiden Frauen zu sehen. In der Ecke saß die Heilerin zusammengekauert an die Wand gelehnt und weinte leise.
Marie lag ruhig in dem Bett und Jean konnte unter dem offenen Verband unversehrte Haut erkennen. Vorsichtig öffnete sie die übrigen Bandagen und fand meistens vollkommen heile Haut und nur selten noch leicht gerötete Stellen. Sie war absolut sprachlos.
Logan war neben Candy in die Knie gegangen und berührte sie leicht an der Schulter. Sie zuckte zusammen und rückte von ihm weg. Ihr tränenverschmiertes Gesicht versetzte ihm einen Stich, den er als schlechtes Gewissen abtat.

„Bitte nicht anfassen! Deiner Freundin geht es wieder gut“, sagte sie mit vom Weinen belegter Stimme.
Sie zitterte am ganzen Leib und schämte sich, daß sie es vor ihm nicht verbergen konnte.

„Es ist unglaublich, Maries Haut ist fast unversehrt…“, murmelte Jean ungläubig.
Die Ärztin trat neben die beiden und erschrak über den Zustand von Miss Genova. Sie hätte nicht gedacht, daß eine Heilung eine derart heftige Reaktion bei der jungen Frau auslösen würde. Da der Fall sehr dringend gewesen war, hatte sie sich keine Zeit nehmen können, die Fähigkeiten der Heilerin zuerst zu erforschen.
„Was kann ich tun, um Ihnen zu helfen?“, fragte sie professionell distanziert.

„Könnten Sie mir eine Spritze mit Morphium setzen? Ich mache das sonst selbst, ich habe nur meine Tasche nicht dabei. 10 mg müßten genügen.“
Jean verkniff sich den Kommentar, daß die Dosis einen ausgewachsenen Bullen ruhig stellen konnte. Aber Miss Genova war ja nicht neu in dem Metier, sie kannte ihre Grenzen wohl selbst am besten. Das hoffte sie zumindest...
Mit eingeübten Handgriffen zog sie die Spritze auf und setzte die Injektion. Logan sah indessen nach Marie und fand sie fast geheilt vor, es war wirklich unfaßbar.
Fünf Minuten später stand Candy vom Boden auf und nur noch das fiebrige Glänzen ihrer Augen verriet, daß sie bis vor kurzem ein zitterndes Nervenbündel gewesen war.
Sie sah auf die schlafende Frau in dem Bett herunter und erkannte nun ohne die Verbände eine dunkelhaarige Schönheit mit cremiger Haut. Obwohl eine völlig unangebrachte Eifersucht ihre Klauen in ihr Herz schlug, drehte sie sich zu der Ärztin um.
„Ich muß noch einmal eine kurze Sitzung mit ihr abhalten. Ich habe es nicht ganz geschafft, ihre Verletzungen waren sehr schwer. Ich brauche etwas Ruhe vor einer erneuten Anwendung. Gibt es hier in der Nähe ein Hotel?“

Logan packte sie unsanft an der Schulter und konnte sich nur knapp zurückhalten, sie nicht zu schütteln.
„Hast Du den Verstand verloren?! In deinem Zustand gehst Du nirgends hin. Es gibt hier genug Platz für dich!“
Sie wich seinem Blick aus und sah zu Dr. Grey hinüber.
„Logan hat absolut recht. Er kann Ihnen ein Gästezimmer zuweisen, Sie sollten Ihre eigene Gesundheit nicht gefährden. Marie muß durch Ihr Eingreifen jetzt nicht mehr leiden, alles andere hat Zeit, bis Sie wieder kräftig genug sind.“

Logan führte sie also wieder zum Lift, diesmal stiegen sie jedoch in einer anderen Etage aus, wo er sie in ein Gästezimmer führte, dessen Fenster zum Garten ging.
„Wenn Du irgend etwas brauchen solltest, dann ruf mich über das Haustelefon. Man findet mich dann, egal, wer dran ist.“
Er sah dabei zu wie sie sich kraftlos auf das Bett fallen ließ. Logan ging zu ihr rüber und kniete neben ihr nieder, er zog ihr die Schuhe aus und legte dann eine Hand auf ihr Knie.
„Ich danke dir, daß Du Marie geholfen hast. Du bist unglaublich, ich stehe tief in deiner Schuld.“

„Blödsinn! Das ist mein Job, Du schuldest mir rein gar nichts!“, wehrte sie sofort ab.
Sie kroch auf das Bett, legte sich auf das Kissen und schloß die Augen.
„Ich muß mich jetzt ausruhen!“, murmelte sie mit schwacher Stimme.
Logan erhob sich langsam und sah bedauernd auf Candy herunter, er wollte Wiedergutmachung leisten, doch sie ließ ihn nicht an sich heran.
Aber jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, mit ihr zu streiten, sie sollte lieber erst ihre Kraftreserven aufladen.


X X X
„Du bist ein wunderschönes Pferd, aber ich darf dir sicher nicht so viel zu Fressen geben, mein Süßer.“
Candy streichelte die Nüstern des zutraulichen Fohlens und gab ihm das letzte Stück Karotte. Sie hatte etwa 15 Stunden durchgeschlafen und war kurz nach Sonnenaufgang aufgewacht.
Jemand hatte ihr Gepäck auf die Truhe am Ende des Bettes gestellt, deshalb hatte sie eine Dusche genommen und frische Sachen angezogen.
Irgendwie hatte sie den Weg zu den Stallungen gefunden und Trost bei ihrem neuen kleinen Freund gesucht. Sie wünschte sich, daß sie die Kranke noch einmal aufsuchen könnte, um es hinter sich zu bringen, doch sie fand den Lift nicht, er mußte wohl durch die Wandtäfelung getarnt sein. Sie verwünschte ihre gestrige Unachtsamkeit, so hätte sie längst wieder auf dem Weg nach Hause sein können.

„Ich wußte, daß ich Sie hier finden würde, Miss Genova. Wollen Sie nicht ins Haus kommen? Wie wäre es mit Frühstück?“
Sie lächelte Mr. Summers zögernd an: „Guten Morgen, ich wollte vorhin niemanden wecken, es war gerade mal kurz nach fünf. Und bitte nennen Sie mich Candy, ich benutze den Namen Genova nicht oft.“
Scott lächelte sie freundlich hinter seiner verspiegelten Brille an: „In Ordnung, Candy! Ich heiße Scott und ich bin mir sicher, daß meine Frau nichts dagegen hat, wenn Du sie Jean nennst, ihr Doppelname ist wirklich zu umständlich!“
Die Ärztin war also mit diesem netten Mann verheiratet, der seine Augen immer hinter der Brille versteckt hielt.
Wollte Logan diese Marie vielleicht auch heiraten? Die Frage blitzte einfach so auf, ohne daß sie das gewollt hatte. Sie schob den Gedanken erbost beiseite, sie hatte kein Recht, sich in Logans Leben einzumischen oder Ansprüche zu stellen.

„Ich will nicht unhöflich sein, trägst Du die Brille wegen deiner Mutation?“, fragte sie zögernd, doch sie war auch neugierig, sie hatte zwar Umgang mit anderen Mutanten gehabt, aber nie auf der persönlichen Ebene. Candy mußte ja immer so schnell wie möglich vom Ort des Geschehens verschwinden, nachdem sie ihre Fähigkeiten eingesetzt hatte.
Scott versicherte ihr, daß er die Frage durchaus berechtigt fand und erklärte ihr, daß er ohne die Brille seine Kräfte nicht kontrollieren konnte.
Candy berührte ihn wie beiläufig an der Hand und wurde dafür mit einem Blick in sein warmherziges Wesen belohnt. Sie blinzelte und legte dann den Kopf schief.
„Du hast eine Verletzung am Stammhirn, die vernarbt ist und dadurch verhindert, daß Du deine Fähigkeiten kontrollieren kannst.“

Scott starrte die junge Frau sprachlos an, weil das eine mehr als zutreffende Diagnose war und das ohne jegliche Wunderapparatur.
„Ich bekomme die Informationen durch Berührung, ich kann keine Gedanken lesen oder beeinflussen. Ich funktioniere wie ein Röntgengerät, oder so“, erklärte sie ihm und zuckte hilflos mit den Schultern.
„Das ist ziemlich beeindruckend, vor allen Dingen, wenn ich bedenke, daß Du deine Fähigkeiten ganz alleine in den Griff bekommen hast.“
Candy errötete und sah verlegen auf den Boden, sie war es nicht gewohnt, daß jemand ihre Heilerfähigkeiten als etwas Besonderes betrachtete. Sie folgte Scott in den Speisesaal der Schule, wo erst wenige verschlafen dreinblickende Schüler an den Tischen saßen. Der junge Mann führte sie an einen Tisch am Fenster, wo seine Frau neben einer umwerfend hübschen Schwarzen mit langen, weißblonden Haaren saß.

„Guten Morgen, Candy, das ist Ororo Munroe, ein weiteres Mitglied des Lehrkörpers“, stellte Scott die Frau mit den traurigen, dunklen Augen vor.
Ororo lachte und ließ ihre perfekt weißen Zähne blitzen: „Das klingt ziemlich dämlich, nenn mich bitte Storm, Ororo ist für Anfänger ein ziemlicher Zungenbrecher!“
Candy schüttelte ihr die Hand und unterdrückte den Impuls, sie zu lesen, sie sollte wirklich nicht ungefragt in die Privatsphäre eines Menschen eindringen.

<Gute Entscheidung, Candy! Es gibt hier Menschen mit weit größeren Fähigkeiten, als Du dir vorstellen kannst!>
Sie riß die Augen auf und starrte zu Jean Grey-Summers über den Tisch hinweg an, deren Stimme sie eben in ihrem Kopf gehört hatte. Sie setzte sich auf den Stuhl, den ihr Scott zurecht schob und runzelte kurz die Stirn.
<Logans Wort allein hätte mir nie gereicht. Ich bin Maries Ärztin und für sie verantwortlich, natürlich habe ich mir vorher von deiner Aufrichtigkeit überzeugt. Normalerweise dringe ich nicht ungefragt ein, ich hoffe, Du verzeihst mir.>
<Schon okay! Ich mache es ja ähnlich. Hauptsache der Frau geht es gut!>
Candy goß sich während dieses stillen Gedankenaustausches ein Glas Orangensaft ein und nahm ein süßes Hörnchen auf ihren Teller.

Sie brauchte Kalorien! Ihre Kraftreserven mußten schnell wieder aufgeladen werden.
Nach schweren Heilungen konnte sie wahre Freßgelage veranstalten, das wollte sie hier aber lieber nicht tun. Sie mußte eben später um eine Infusion mit Glukose bitten, sie machte das auch zuhause, aber lieber ließ sie der Natur ihren Lauf.
Bald füllte sich der Raum mit weiteren Schülern und die Luft war von leisen Gesprächen und Gelächter erfüllt. Candy sah sich in dem mit Sonnenlicht überfluteten Raum um und wünschte sich, daß sie auch ein Teil einer solchen Gemeinschaft sein könnte. Hier mußte sich niemand verstellen, nur weil seine Gene anders gestrickt waren.

„So, alle fertig? Der Professor erwartet uns in seinem Büro zu einem kurzen Briefing, bevor der Unterricht beginnt.“
Scott er hob sich und mit ihm seine Kolleginnen und sah sie auffordernd an.
„Soll ich etwa mit?“, fragte sie zur Sicherheit.
Scott lächelte sie verschmitzt an: „Ja, natürlich! Es geht ja dabei um dich!“

Als die anderen wegschauten, stibitzte sie ein paar Würfelzucker aus der Dose auf dem Tisch und steckte sie in die Hosentaschen ihrer Capri-Jeans. Irgendwie wäre ihr lieber gewesen, wenn sie formellere Kleidung dabei gehabt hätte. Das enge Baumwolltop und ihre Sneaker schienen ihr irgendwie unpassend, um an so etwas Offiziellem wie einem „Briefing“ teilzunehmen. Auf ihren Fototouren trug sie ihre bequemsten Klamotten, da sie oft dabei Turnübungen vollführen mußte, wenn sie beispielsweise ein Objekt aus einem ungewöhnlichen Winkel fotografieren wollte.
Scott sah makellos aus in seinem beigefarbenen Hemd und der schwarzen Stoffhose und seine Frau trug sogar ein leichtes Sommerkostüm, Storm war etwas verwegener gekleidet, doch ihre Sachen sahen nicht so aus, als würde sie damit auf Bäume klettern.
Sie schob sich ein Stück des Zuckers in den Mund und genoß, wie die Süße ihre Geschmacksknospen umspülte. Sie konnte fast spüren, wie ihre Zellen gierig das Glukagon aus dem Essen in ihrem Magen aufsogen.

Als sie das Büro des Professors betraten, stellte Candy überrascht fest, daß Xavier in einem Rollstuhl saß, sie schüttelte innerlich den Kopf über sich, sie war gestern ziemlich unaufmerksam gewesen. Um den Professor herum standen mehrere Leute, die sich entspannt miteinander unterhielten, darunter befand sich auch Logan.
Candy verschluckte sich fast an dem Zuckerstück in ihrem Mund, als sie ihm direkt in die Augen sehen mußte. Sie senkte den Blick und bemerkte dabei, wie das enge weiße T-Shirt sich an seinen muskulösen Oberkörper schmiegte und wie stramm die schwarzen Jeans auf seinen kräftigen Schenkeln saßen. Dadurch entgingen ihr die neugierigen Blicke der anderen Anwesenden.

„Miss Genova, darf ich Sie nochmals in unserer Mitte willkommen heißen? Sie haben innerhalb kürzester Zeit wahre Wunder vollbracht, die Patientin ist fast vollkommen genesen. Wollen wir uns nicht alle setzen?“, forderte sie der Schulleiter freundlich auf.
Der Professor rollte um seinen Schreibtisch herum, während sich die anderen halbkreisförmig auf die bereitgestellten Stühle um ihn herum setzten.
„Ich sollte Ihnen meine Mitarbeiter noch vorstellen. Das ist Kurt Wagner, er ist ein Teleporter.“
Der Professor wies auf einen blauhäutigen Mann, der ein bißchen wie ein Elf aussah, aber ein sehr freundliches Lächeln hatte, das zu erwidern Candy sehr leicht fiel.
"Das ist Bobby Drake, er hat die Fähigkeit, die Wassermoleküle seiner Umwelt in Eis zu verwandeln."
Das war der junge Mann mit den eisblauen Augen, unter denen ein leichter Schatten lag.
„Dr. Hank McCoy, Arzt und mit der Fähigkeit ausgestattet, sich in ein sehr kräftiges, affenähnliches Wesen zu verwandeln, weshalb er den Codenamen Beast trägt.“
Der Mann mit den sandfarbenen Haaren und der randlosen Brille sah gar nicht so aus, als würde er einer Fliege etwas zu leide tun geschweige denn sich in ein Biest verwandeln können.

„Jubilation Lee, Kitty Pryde und Piotr Rasputin sind leider nicht anwesend. Scott Summers und seine Fähigkeiten kennen Sie ja bereits, Dr. Jean Grey-Summers ist ebenfalls Ärztin und eine Telepathin mit telekinetischen Fähigkeiten, Ororo Munroe beherrscht Wetterphänomene, und Logan muß ich Ihnen ja nicht mehr vorstellen.“
Hier mußte sich Candy zwingen, nicht zu ihm herüberzuschauen. Er saß ihr ärgerlicherweise genau im Halbkreis gegenüber.
„Wir agieren unter Codenamen und sind in gewissen Kreisen als X-Men bekannt.“, fuhr der Professor fort und hatte nun ihre volle Aufmerksamkeit.

„Ich habe von Ihnen gehört, im Untergrund wird viel über den Krieg zwischen Menschen und Mutanten gesprochen. Dann ist es also wahr und es gibt auch die Bruderschaft?“, fragte Candy zögernd, die hinter der Schule nicht unbedingt einen solchen Geheimbund vermutet hätte.

„Und viele andere Vereinigungen, die an beiden Fronten kämpfen. Sie haben gestern verhindert, daß wir ein Teammitglied verlieren und bevor sie von der anderen Seite dasselbe Angebot erhalten, und es wird sicher dazu kommen, da die Gerüchte über ihre Fähigkeiten auch die militanten Gruppen interessieren werden. Kurz gesagt: Ich schlage Ihnen vor, meinem Team beizutreten.“

Candy wußte nicht, was sie sagen sollte, die Informationen des Professors hatten sie schon erschlagen, aber sein Vorschlag versetzte sie in Erstaunen. Sie sah die anderen Mitarbeiter des Professors an und die meisten lächelten sie an. Logans Gesichtsausdruck blieb für sie jedoch unergründlich.
Wollte er sie möglicherweise gar nicht in seiner Nähe haben?
„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, Professor. Das Angebot kommt ziemlich überraschend für mich.“, antwortete sie zögernd.

„Nun, wenn Sie es tatsächlich in Betracht ziehen mögen, sollten Sie uns gegenüber offen sein. Können Sie uns Ihre Fähigkeiten genauer erklären?“

„Wie meinen Sie das? Ich kann Menschen heilen, das wissen Sie doch inzwischen.“, erwiderte Candy stirnrunzelnd.

Dr. McCoy meldete sich zu Wort: „Wie genau funktioniert Ihre Mutation? Die Ergebnisse, die sie bei Marie erzielt haben, sind unglaublich. Die Regenerationsrate liegt bei etwa 95 %! Und das innerhalb einer lächerlich kurzen Zeitspanne.“

„Ich bin kein Wissenschaftler, ich habe nur Laienwissen über die Vorgänge, die sich bei dem Energietransfer abspielen. Ich mußte noch nie erklären, was ich tue…“
Candy fühlte sich etwas in die Enge gedrängt, weil die Augen aller Anwesenden auf sie gerichtet waren und sie noch nie mit jemandem offen über ihre Mutation gesprochen hatte. Sie hatte ihre besondere Anlage auch noch nie so bezeichnet. Sie sah nicht ein, sich selbst in diese Schublade zu stecken.
Doch hier war sie nun von Gleichartigen umgeben, die keine Scheu zeigten, sich zu ihren Fähigkeiten zu bekennen.

Scott beugte sich in seinem Stuhl vor und lächelte sie aufmunternd an: „Niemand verlangt eine wissenschaftliche Erklärung, aber Du hast mir vorhin einen sehr anschaulichen Einblick in deine Gabe gegeben. Das würde uns schon reichen.“
Candy erhob sich von ihrem Stuhl und trat direkt vor den Schreibtisch von Prof. Xavier.
„Würden Sie mir kurz Ihre Hand reichen, Professor?“, bat sie leise und versuchte, ihre plötzliche Nervosität in den Griff zu bekommen.
Xavier ließ seine Hand auf ihre ausgestreckte Handfläche gleiten und sah ihr fest in die Augen.
„Ich spüre die Verletzungen instinktiv auf, ich glaube der Fachbegriff dafür ist Empathie. Sie waren sehr schwer verletzt, Professor, die Knochen ihrer Beine waren wie zermalmt, es ist ein Wunder, daß der Schaden, den die Wirbelsäule damals davongetragen hat, wieder regenerierte. Diese Knochenbrüche kann ich nun nicht mehr heilen.“
Candy zog ihre Hand weg und setzte sich wieder auf ihren Platz.

„Wie weit gehen diese empathischen Fähigkeiten? Sie nutzen Ihnen nicht nur beim Aufspüren von Verletzungen, habe ich recht?“
Candy nickte zustimmend, der Professor war als Telepath ihr gegenüber im Vorteil: „Es hilft mir, die Menschen einzuschätzen. Ich kann keine Gedanken lesen, aber dafür Gefühlszustände. Das bewahrt mich davor, gefährlichen Verletzten zu nahe zu kommen. Sonst hätte ich nie im Untergrund arbeiten können. Ich kann meine Kräfte inzwischen recht gut beherrschen und einteilen.“

„Und warum war dann gestern Morphin nötig, nachdem Du Rogue behandelt hast?“, fragte Jean sachlich. Allein der Klang ihrer Stimme gab Candy das Gefühl, kritisiert zu werden.
„Rogue? Du meinst Marie? Das war ein Fehler, ich hätte die Behandlung aufteilen müssen, aber ihre Schmerzen waren so schlimm, daß ich das kleinere Übel gewählt habe.“
Ihre Wangen verfärbten sich, auch weil sie die Wahrheit gerade etwas zurecht gebogen hatte und sie eigentlich keine besonders geübte Schwindlerin war.

„Und nun? Bist Du wieder komplett regeneriert?“, fragte Storm mit leichter Besorgnis in der Stimme.
Logan knurrte irgend etwas und meldete sich dann zu Wort: „NEIN! Sonst würde sie nicht ständig Zucker in sich reinstopfen. Wieso sagst Du nicht, daß Du behandelt werden mußt?“
Sie fühlte, wie ihre Wangen vor Verlegenheit brannten und dann das ganze Blut aus ihrem Gesicht wich, um sich in ihren Füßen zu sammeln und ein leeres Gefühl in ihrem Kopf zu hinterlassen. Wie zum Teufel hatte er das bemerkt?!

„Es geht schon, wirklich! Mein Energiehaushalt muß sich erst wieder einpendeln und das kann ich schnell mit einer Glukose-Infusion regeln oder mit Essen. Letzteres macht natürlich mehr Spaß.“, versuchte sie zu scherzen, doch keiner der X-Men lachte über ihren Witz.

„Miss Genova, Sie sollten niemals leichtfertig ihre Kraftreserven verbrauchen, es könnte sein, daß sie einmal in die Situation kommen, in der Sie sie für sich selbst benötigen! Ich denke, das Beste wird sein, daß Hank Sie ins Labor mitnimmt und mit dem Nötigen versorgt. Werden Sie unser Gast bleiben, während Sie mein Angebot erwägen? Sie hätten für die Fotostrecke auch mindestens zwei Tage bei uns verbracht.“
Candy nickte ihr Einverständnis und folgte dem groß gewachsenen Hank McCoy nach draußen, die Luft in dem Raum war ihr auf einmal ziemlich stickig erschienen.

„Verdammt, wieso spielst Du uns hier die Heldin vor?“, zischte Logan ihr aufgebracht ins Ohr, nachdem er sie von den Füßen gefegt hatte und sie dann plötzlich in seinen starken Armen lag.
„Laß mich runter, deine Kollegen gaffen schon!“, wisperte sie aufgebracht zurück, doch er hörte nicht auf sie und trug sie zum Fahrstuhl, wo Hank auf sie wartete.
Während der kurzen Fahrt verlor sie immer wieder das Bewußtsein, sie brauchte einfach mehr Energie.
Sie bekam kaum mit, daß Logan sie auf einer Bahre ablegte und Hank dann mit effizienten Griffen eine Infusion legte.


xxx
Oben vor Xaviers Büro tauschten sich Storm und Jean aus, die auf dem Weg zu ihren Unterrichtsräumen waren.
„Was hältst Du von ihr, Ro? Sie ist ein wenig widersprüchlich. Manchmal erinnert sie mich mit ihrer ruppigen Art sogar irgendwie an Logan.“

Storm lächelte breit: „Wie gut, daß Du das gerade erwähnst, als Telepathin sollte dir eigentlich aufgefallen sein, daß sowohl Logan als auch Candy sich ziemlich auffallend verhalten. Ich verwette meine kostbaren Orchideen, daß Logan hinter Xaviers Jobangebot steckt. Aber er scheint die junge Dame irgendwie verärgert zu haben. Was bei Logans speziellem Charme ja keine besondere Überraschung ist.“

Jean krauste die Nase: „Du hast recht, sie hat die ganze Zeit vermieden, in seine Richtung zu sehen. Und außerdem habe ich noch nie erlebt, daß er den Gentleman für eine Teamkollegin außer Rogue gibt. Candy tut mir aufrichtig leid.“

Ororo kicherte: „Pff, Du kannst gerade still sein! Du bist nur sauer, daß Logan dich nicht mehr anschmachtet!“
„Nonsens!“, rief Jean aus und ließ Ro stehen, um ihre Klasse zu betreten.
Storm ging grinsend weiter, Logans Veränderung hatte sie schon seit einiger Zeit bemerkt, nur nicht zuordnen können, was der Grund dafür gewesen war.


xxx
Candy öffnete die Augen, als jemand an die Tür klopfte und der junge Mann mit den eisblauen Augen das Zimmer betrat.
„Darf ich kurz reinkommen?“, richtete er seine Frage an Logan, der neben der Bahre stand und mit vor der Brust verschränkten Armen auf sie heruntersah.

„Was ist Bobby? Etwas mit Rogue?“, fragte Logan und warf ihm einen kurzen Blick zu, der seine Anrede mit dem Heben einer Augenbraue quittierte.

„Nein, sie ist fast wieder die Alte, es geht ihr gut. Ich wollte mich nur bei Miss Genova persönlich für ihre Hilfe bedanken.“

„Ich heiße Candy, nenn mich bitte nicht Miss Genova. Und Du mußt dich nicht bedanken, ich bin froh, daß es Marie besser geht.“
Candy richtete sich auf und schwang die Beine über die Bahre, weiter kam sie nicht, weil Logan sie an der Schulter faßte und mit Leichtigkeit an ihrem Platz hielt.
„Du bleibst schön sitzen, bis die Infusion durchgelaufen ist, Missy!“, befahl er mit nachdrücklichem Tonfall.
Candy schmollte, doch sie blieb sitzen, wo sie war. Es war einfach zu schön, Logans Hand auf ihrer nackten Schulter zu fühlen.

„Wie Du gehört hast, möchte Candy keine Dankesbekundungen hören, Bobby. Paß das nächste Mal besser auf deine vorwitzige Verlobte auf. Oder ich versohle ihr persönlich den Hintern.“, meinte Logan trocken.

Bobby grinste erleichtert: „Trotzdem muß ich mich bedanken, Marie bedeutet alles für mich und Du hast sie mir wieder gegeben.“
Bobby beugte sich vor und küßte sie auf die Wange, dann verließ er schnell das Zimmer, während ihm Candy verblüfft hinterher starrte.
Marie und dieser Bobby waren ein Paar?

„Hast Du gedacht, daß Marie und ich zusammen sind?“
Logan setzte sich neben sie und sein Arm strich über ihre empfindliche Haut am Oberarm, was ihr ein Kribbeln in der Magengegend bereitete.
Sie brachte nur ein leises „Nein“ heraus, das Logan wohl kaum überzeugen würde.
"Kann es sein, daß es meine Schuld ist, daß Du Rogues Heilung nicht zwei Schritten vollzogen hast?"
Seine grollende Stimme war so leise, daß sie sie wie eine Liebkosung empfand.
„Marie ist wie eine Tochter für mich, ich habe sie vor einigen Jahren in Kanada aufgelesen und wir sind gemeinsam zu den X-Men gestoßen.“

„Was ist eigentlich mit ihr passiert?“, fragte sie, bevor Logan bemerkte, daß sie seine Frage gar nicht beantwortet hatte.
„Sie wurde von einem feindlich gesinnten Mutanten angegriffen. Pyro war früher mal ein Schüler hier und ein Freund von Rogue und Bobby, er beherrscht das Feuer. Seitdem er die Seiten gewechselt hat, ist es schwer für die beiden, gegen ihn anzutreten. Rogue hat einfach zu lange gezögert, ihre Kräfte gegen ihn einzusetzen. Dafür hat er sie fast umgebracht.“

Candy spürte wie eine unangenehme Gänsehaut über ihre Arme kroch. Wie schrecklich mußte das sein, wenn man einen früheren Freund zum Feind hatte. An Rogues Stelle hätte sie wohl auch gezögert.
„Eure Namen verwirren mich irgendwie, Marie ist Rogue, Ororo Storm. Hat jeder von euch einen passenden Codenamen, der seine besonderen Fähigkeiten beschreibt?“

Logan sah sich den Stand der Infusionsflüssigkeit an und beschloß, Candy mit seiner Beschreibung der Kollegen die Zeit zu vertreiben.
„So ungefähr, die Namen beschreiben die Fähigkeiten oder hervorstechenden Persönlichkeitsmerkmale einer Person. Scotts Codename lautet Cyclops, Jean wird Phoenix genannt, weil sie einmal aus den Fluten eines Stausees emporgestiegen ist und dem Tod ein Schnippchen geschlagen hat. Bobby wird Iceman gerufen, Marie ist Rogue, weil ihre Mutation sie zu einem Einzelgänger gemacht hat. Sie kann durch bloße Berührung die Lebensenergie aus dir aussaugen und die Fähigkeiten von Mutanten für eine gewisse Zeit übernehmen. Früher konnte sie das nicht kontrollieren, aber inzwischen beherrscht sie die Kraft perfekt. Hank wird Beast genannt, Kurt ist Nightcrawler, das ist das Pseudonym, mit dem er früher als Zirkusakrobat aufgetreten ist. Xavier ist einfach Professor X.“

Candy schwirrte der Kopf von so vielen Namen, sie schielte zu Logan rüber, der ganz entspannt neben ihr saß.
„Und dein Codename? Oder hast Du keinen?“
„Ich bin Wolverine*!“ (*Vielfraß)
Logan prüfte ihre Reaktion auf seinen Spitznamen und wurde mit einem amüsierten Grinsen belohnt.

„Ich gehe mal nicht davon aus, daß Du so genannt wirst, weil Du viel essen kannst. Ich kenne nur Bilder von dem Tier und finde es ziemlich niedlich!“
Logan lächelte süffisant: „Diesen Fehler machen viele, Süße! Der Vielfraß ist klein, haarig und äußerst angriffslustig. Wenn es sich das Tier in den Kopf setzt, dann kann es eine komplette Wolfsmeute in die Flucht schlagen!“
Klein, haarig und angriffslustig?!
Candy konnte sich nicht helfen, sie brach in schallendes Gelächter aus, die Beschreibung paßte wie die Faust aufs Auge. Sie mußte sich an Logan festhalten, weil sie vor Lachen kaum noch Luft bekam. Sein Arm schlang sich um ihre Taille und drückte sie fest an seine Seite.
„Worüber lachst Du eigentlich? Du bist selbst ein Zwerg!“
Logan legte ihr seinen Zeigefinger unters Kinn und hob ihr Gesicht zu sich an, das immer noch von ihrem Heiterkeitsausbruch strahlte.

„Werd nur nicht fre…“
Der Rest des Satzes wurde von seinem fordernden Mund erstickt, an Gegenwehr war nicht zu denken, sie hatte monatelang von seinen Küssen geträumt. Doch die Realität übertraf alles, was sie sich hatte vorstellen können. Ihre freie Hand fuhr in seine wilde Mähne und krallte sich haltsuchend daran fest, während ihr die fordernden Stöße seiner Zunge heiße Schauer über den Rücken jagten.
Ein leises Räuspern ließ die beiden auseinander fahren, Hank war zurückgekommen, um die Infusion zu kontrollieren.
Candy wurde blutrot unter dem neckenden Blick des Arztes, Logan blieb jedoch kühl und beherrscht, als hätten sie sich eben nicht wie zwei Wahnsinnige geküßt.
„Ich lasse euch beide dann mal allein.“, warf Logan den beiden kurz zu und verließ den Untersuchungsraum dann.

„Wie fühlst Du dich?“, fragte Hank sie, während er ihr die Kanüle aus dem Handrücken ihrer Linken zog.
Er blickte sie fragend an und grinste schief, als er ihre Verlegenheit bemerkte: „Das war eine rein medizinische Frage, ehrlich!“
Candy mußte über ihre eigene Dummheit lächeln, sie hatte schließlich nichts Verbotenes getan, es war nur ein harmloser Kuß gewesen, wenn man bei Logan von Harmlosigkeit sprechen konnte.


Fortsetzung folgt...
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