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The Healing Touch

von Panthera
GeschichteRomance, Thriller / P18 / Het
Cyclops / Scott Summers Gambit / Remy LeBeau Phoenix / (Doktor) Jean Elaine Grey Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Rogue / Mary D'Arcanto Wolverine
04.03.2006
06.01.2008
31
109.904
10
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04.03.2006 2.325
 
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Dunkle Gassen, heruntergekommene Bars, abgerissene Gestalten…
Nacht für Nacht ertrug sie diese düstere Umgebung auf der Suche nach unschuldigen Opfern, die in einen Krieg gezogen wurden, dessen Existenz sie sich nicht einmal bewußt waren.
Niemand wußte von der Mission, die sich selbst auferlegt hatte, sie hätten wohl dafür kein Verständnis aufgebracht. Warum sollten sie sich auch um das Schicksal derer kümmern, die sie als verantwortlich für ihre eigene Misere erachteten?

Sie war noch eine Schülerin gewesen, als ihr zum ersten Mal richtig bewußt wurde, daß etwas mit ihr nicht stimmte.
Sie konnte sich noch gut an den Sportunterricht erinnern, der im Freien stattgefunden hatte, wo sie den Jungs beim Footballtraining zuschauen konnten. Die Cheerleader hatten eine Pyramide trainiert, dabei war ein Mädchen aus drei Meter Höhe auf den Boden gestürzt. Ihre Schmerzenschreie hallten über das Trainingsgelände und ließen jeden in seiner Tätigkeit jäh inne halten.
Sie hatte nicht gezögert und hatte sich neben die Verletzte gekniet, während ihre Mitschüler nur starr vor Angst um das weinende Mädchen standen. Die Trainerin der Mädchen hatte sich am anderen Ende des Rasens mit dem Coach der Jungs unterhalten, so daß sie nicht gleich am Ort des Geschehens sein konnte.
Der Knöchel war mit Sicherheit gebrochen, so eigenartig verdreht wie der Fuß war, und sie zog dem Mädchen den Schuh aus, bevor der Fuß noch weiter anschwoll und die Prozedur noch schmerzhafter werden würde.
Instinktiv hatte sie gewußt, was zu tun war, sie rieb ihre Handflächen einander und umfaßte den Knöchel ihrer Schulkameradin, ein kurzer Ruck und der verschobene Knochen saß wieder an seinem Platz. Die Verletzte war kurz zusammen gezuckt und ihr Weinen verebbte.
Der Knochen war zusammengewachsen, sie hatte es richtig gespürt, wie ein Stück ihrer eigenen Energie in das Mädchen geflossen war. Gott sei Dank hatte sie geistesgegenwärtig behauptet, daß sie den Knochen nur eingerenkt hatte, denn sie wollte nicht erklären müssen, wie sie es fertig gebracht hatte, einen glatten Durchbruch zum Zusammenwachsen zu bringen und das innerhalb von Sekunden.

Im Laufe der Jahre hatte sie gelernt, ihre besondere Fähigkeit soweit zu kontrollieren, daß sie die Schwere der Verletzungen immer weiter steigern konnte, ohne daß sie ihr eigenes Leben dabei in Gefahr brachte.
Sie war eines dieser Geschöpfe, die in der heutigen Zeit mit Mißtrauen und Angst betrachtet wurden.
Mutant, eine Bezeichnung, die ihr nicht sonderlich behagte, es war wie ein Brandmal auf der Stirn, das sie von ihren Mitmenschen absonderte Sie wußte nicht einmal, wem sie diese besondere Fähigkeit verdankte, sie war als Baby in einer kalten Februarnacht auf den Stufen eines katholischen Waisenhauses in Spanish Harlem abgelegt worden und weil gerade Maria Lichtmeß war, hatte man sie dem Kirchenfeiertag zu Ehren "Maria de la Candelaria" getauft.
Sie sah tatsächlich ein wenig aus, als wäre sie südamerikanischer Abstammung mit den dunklen Haaren und der leicht getönten Haut, sie war sich jedoch nicht sicher, denn ihre Augen hatten eine eigentümliche graue Farbe, die manchmal wirkte, als tanzten Nebelschwaden darin.

Sie war dann im Alter von zwei Jahren von einem italienischstämmigen Ehepaar adoptiert worden und seitdem wurde sie Candy Genova genannt. Das kinderlose Paar hatte jedoch überraschend Nachwuchs bekommen, als Candy acht gewesen war, der kleine Junge war in den Mittelpunkt des Interesses gerückt und ihre Existenz war mit einem Mal nicht mehr wichtig gewesen.
Als Candy das College beendet hatte, für das ihre Eltern nur widerwillig die Finanzierung übernommen hatten, war die Familie Genova nach Florida gezogen, weil der sportlich talentierte Roberto dort ein hochdotiertes Stipendium angeboten bekommen hatte.
Candy hatte sie seit Jahren nicht mehr gesehen, sie war in New York geblieben, wo sie als freie Fotografin tätig wurde. So konnte sie sich ihre Aufträge aussuchen und ihre Zeit frei einteilen.
Bei der Erstellung der Bildserie „Visions of the Night“ war dann etwas passiert, das sie auf die Idee gebracht hatte, wie sie ihre Kräfte sinnvoll nutzen konnte, ohne dabei von unnötigen Fragen belästigt zu werden.

Mutanten hielten sich oft im Untergrund auf, da mußten sie sich nicht verstellen oder körperliche Auffälligkeiten verstecken. In der Gegend der Docks gab es einige Kaschemmen, die häufig von Mutanten frequentiert wurden.
Heute Nacht war es jedoch ziemlich ruhig und Candy verließ gegen drei Uhr morgens die Kneipe „Drunken Monkey“ durch den Hintereingang. Sie schlich sich durch die engen Gäßchen, sie wollte zu ihrem Wagen, den sie immer in sicherer Entfernung parkte, um Verfolgungen zu vermeiden.
Ein unmenschliches Brüllen, das dröhnend in ihre Ohren drang. ließ sie plötzlich erschrocken zusammenzucken. Sie spähte ängstlich um die Ecke und erblickte eine Gruppe von merkwürdigen Gestalten, die erbarmungslos aufeinander einschlugen. Candy kniff die Augen zusammen und versuchte zu erfassen, ob gewöhnliche Menschen dabei in Gefahr waren, doch sie erkannte an der Heftigkeit der Schläge und dem sich schnellen Erholen der Getroffenen, daß es sich wohl um Mutanten handeln mußte. Es wäre nicht die erste Schlägerei, die zwischen verfeindeten Fraktionen entbrannte.
Ihr Herz klopfte zum Zerspringen, sie wußte nicht, ob sie es wagen konnte, gegen so viele Mutanten anzugehen. Sie zögerte kurz und als sie loslaufen wollte, blendete sie ein heller Lichtschein, der sie sekundenlang außer Gefecht setzte.

Sie stolperte fast blind in die inzwischen wieder erdunkelte Gasse und suchte nach Verletzten. Sie blinzelte ein paar Mal und wäre fast über einen Mann gestolpert, der regungslos am Boden lag. Er war ganz in dunkles Leder gekleidet, und er schien nicht mehr zu atmen. Candy drehte ihn vorsichtig auf den Rücken, womit sie aber überraschenderweise ziemliche Schwierigkeiten hatte, weil er unheimlich schwer war, und suchte ihn dann nach Verletzungen ab. Aus dem Stehkragen der Lederkluft quoll Blut hervor und Candy riß die Augen entsetzt auf, als sie seine Kehle entblößte.
Einer der anderen Angreifer hatte ihm schier die Kehle zerfleischt. Sie fluchte leise und holte aus ihrer Tasche ein paar Mullkompressen, die sie immer bei sich trug, wenn sie auf Patrouille war. Sie wischte das Blut weg, so gut es ging und konzentrierte sich dann. Ihre Hände legten sich um seinen Hals und sie ließ ihre Energie in das Opfer fließen. Dabei geschah etwas Eigenartiges: Die heilende Energie wurde von dem Verletzten abgewehrt, sie schoß in Candy zurück, die nicht damit gerechnet hatte und von der Wucht der Energiewelle überrollt die Besinnung verlor. Es war, als wäre eine blockierte Schußwaffe beim Abfeuern in ihrer eigenen Hand explodiert.

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Einige Augenblicke später schlug Logan die Augen auf, die Bande um Sabretooth war verschwunden, und er fühlte, wie seine Verletzung schon wieder verheilte. Er hätte die Idioten bestimmt erledigt, wenn sie nicht von ihrer Zentrale weg teleportiert worden wären. Die Schwachköpfe hatten jemanden gefunden, der sie mit technischen Spielereien ausstattete, die Vorstellung behagte ihm gar nicht.
Er wollte sich erheben, spürte dann ein Gewicht auf seiner Brust, das sich als Kopf einer jungen Frau herausstellte.
Logan richtete sich vorsichtig auf und stütze die Bewußtlose mit seinen Armen ab.

Wer war diese Frau? Sie war vorhin nicht am Kampf beteiligt gewesen.
Logan runzelte die Stirn und ließ seinen Blick über die zierliche Gestalt gleiten, dabei bemerkte er ihre blutverschmierten Hände und die voll gesogenen Kompressen auf dem Boden. Er durchwühlte ihre Tasche und entdeckte darin eine ganze Erste-Hilfe-Ausrüstung.
Dann stimmten also die Gerüchte, die ihm zu Ohren gekommen waren: Es gab tatsächlich einen Heiler, der sich nachts durch gefährliche Gegenden schlich und versuchte, verletzte Menschen und Mutanten zu behandeln, die bei Auseinandersetzungen verletzt wurden und von niemandem sonst Hilfe bekommen würden. Er hatte nur nicht damit gerechnet, daß es ausgerechnet eine so junge Frau sein würde.

Endlich schlug sie ihre Augen auf und hob den Blick verwirrt zu ihm an.
„Sind Sie okay?“, fragte sie flüsternd und streckte die Hand aus, um nach seinem Hals zu fassen.
Logan knurrte leise und griff nach ihrem Handgelenk, um sie von der Berührung abzuhalten.
„Bist Du komplett verrückt?! Ich könnte dich in Stücke reißen!“
Logan schüttelte den Kopf über soviel Leichtsinn, hatte niemand ihr beigebracht, daß man Fremden gegenüber mißtrauisch sein sollte?

Candy preßte nur die Lippen aufeinander und entwand sich aus seinem sicheren Griff, um sich aufzusetzen und schnell zu erheben. Sie schloß kurz die Augen und kämpfte gegen den Schwindel an, der sie erfaßt hatte. Sie wich ängstlich einen Schritt zurück, als er geschmeidig wie eine Raubkatze auf die Füße sprang. Sie war erstaunt, daß er nur einen halben Kopf größer als sie war. obwohl sie selbst nicht gerade großgewachsen war.
Er strotzte nur so von Muskeln und seine Schultern waren mindestens so breit, daß er bestimmt Probleme mit schmalen Türen hatte. Sein grimmig blickendes Gesicht war von dunklen Haaren eingerahmt, die wild in alle Richtungen abstanden.
„Du siehst zwar aus wie ein Arsch, aber Du gehörst zu den Guten, also komm mir nicht Predigten, Klugscheißer!“, preßte sie hervor und versuchte, sich ihre Unsicherheit nicht anmerken zu lassen. Wenn man sich regelmäßig in dieser Gegend herumtrieb, dann schnappte man den ein oder anderen Ausdruck auf, der einem zuvor in seinem Wortschatz gefehlt hatte.

Logans Mund verzog sich zu einem amüsierten Grinsen, mit dieser Erwiderung hatte er nicht gerechnet.
„Gut geraten, Baby, aber irgendwann einmal kann sich das als sehr böser Irrtum herausstellen! Und Du siehst nicht aus, als ob Du länger als eine Runde durchstehen könntest“, konterte er trocken.
Sein durchdringender Blick ließ Candy erröten, denn sie kam sich vor, als würde er sie mit seinen tiefliegenden Augen taxieren und regelrecht entkleiden.

„Ich rate nicht, ich weiß es! Und da Du ja anscheinend meine Hilfe nicht brauchst, werde ich jetzt gehen.“
Candy drehte sich von ihm weg und stiefelte aufgebracht aus der Gasse. Sie bog um die Ecke, aus der sie gekommen war und lehnte sich dann seufzend an die Wand, wo er sie nicht mehr sehen konnte. Der Energierumschwung bereitete ihr immer noch Probleme, sie hätte liebend gerne in Erfahrung gebracht, was der Grund dafür gewesen war, sie mußte sich in Zukunft vor solchen Überraschungen schützen können. Aber dieser Kerl war so unverschämt gewesen. Sie atmete flach und preßte ihre Hände an ihre pochenden Schläfen, die Übelkeit rollte wie eine aufbrandende Welle durch ihren Körper hindurch.
Bevor sie wegen ihrer nachgebenden Knie wieder auf den Boden glitt, wurde sie mit erstaunlicher Kraft hochgehoben und an eine breite Brust gedrückt.

„Es geht bestimmt bald wieder, ich…“
Ihre Stimme erstarb und ihr Kopf glitt kraftlos nach hinten.
Logan grummelte etwas und bettete ihren Kopf auf seine Schulter, danach durchsuchte er ihre Tasche und wurde fündig. In ihrem Geldbeutel steckte ihr Führerschein: Candy Genova hieß sie also. Er fand auch noch Autoschlüssel, dann mußte sie irgendwo in der Nähe ihren Wagen abgestellt haben.
Er war mit dem Motorrad unterwegs, da konnte er schlecht eine Bewußtlose transportieren. Wie gut, daß seine Mutation ihm erlaubte Gerüche zuzuordnen, so konnte er wie ein Hund den Standort ihres Autos erschnüffeln. Logan konnte sich gar nicht vorstellen, wie „normale“ Menschen in dieser Welt zurecht kamen, seine hochentwickelten Sinne zeichneten für ihn ein besonderes Bild seiner Umwelt, die aus mehr Facetten bestand als nur aus simplen visuellen Eindrücken.

Zu dieser späten Stunde hatte Logan die Frau unbemerkt von Nachbarn in ihre Wohnung schaffen können. Sie wohnte in einer früheren Fabrikhalle, die in lauter geräumige Lofts unterteilt war, in einer Gegend New Yorks, die früher heruntergekommen war, aber nun von aufstrebenden Künstlern bevölkert wurde.
Hinter einem schweren Vorhang fand er am Ende des schlauchartig angelegten Lofts das Bett, auf dem er seine Last beinahe schon andächtig ablegte. Er zog ihr vorsichtig die gefütterte Lederjacke aus, worunter sie nur ein dünnes Shirt trug, das sich an ihren Oberkörper wie eine zweite Haut schmiegte. Logan konnte keine Verletzung entdecken und auch kein Blut riechen, er wunderte sich, warum die Frau ohnmächtig geworden war. Er streifte ihr das feste Schuhwerk ab und blickte dann nachdenklich auf die Bewußtlose herunter.

Candy kam langsam wieder zu sich, sie lag weich und irgendwie kam ihr die Umgebung bekannt vor, dann wurde ihr klar, daß sie in ihrem eigenen Bett lag. Sie riß die Augen auf und setzte sich abrupt auf. Im Zimmer war es stockdunkel und sie konnte die Umrisse eines Mannes erkennen, der an ihrem Bettende stand.
„Nicht erschrecken, Du bist zuhause. Du bist einfach umgekippt!“
Der Fremde trat näher und setzte sich zu ihr auf den Rand des Bettes, das unter seinem nicht unbeträchtlichen Gewicht nachgab, so daß Candy unwillkürlich in seine Nähe rutschte.
„Wer bist Du? Wie hast Du hierher gefunden?“
Candy strich sich mit einer nervösen Geste ein paar Strähnen aus dem Gesicht, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatten.

„Ich heiße Logan. Deine Wohnung zu finden war einfach, Du hast schließlich deinen Führerschein dabei, Candy!“
Seine Stimme war tief und er grollte leicht, als er ihren Namen aussprach. Sie hatte noch nie eine Gänsehaut beim Klang ihres Namens bekommen, aber der Typ schaffte es, sie total aus dem Konzept zu bringen. Sie wich seinem durchdringenden Blick aus und umschlang ihre angezogenen Knie, um irgendwie weniger Angriffsfläche zu bieten.
„Danke fürs Heimbringen, Logan. Ich schulde dir etwas!“
Logan grinste breit, denn er konnte ihre Unsicherheit körperlich spüren: „Ja, eine Erklärung, warum Du umgekippt bist und vorhin auf mir lagst! Nicht, daß ich mich darüber beklage!“

Sie wandte ihm ihr Gesicht zu und sah ihm tief in die Augen, sie mußte sicher gehen, daß er wirklich keine Bedrohung für sie darstellte.
„Ich habe beobachtet, wie Du mit den anderen in der Gasse gekämpft hast, dann gab es eine Explosion von Licht und nur Du warst noch da. Du warst schwer verletzt, ich habe versucht, dir zu helfen. Du hast jedoch irgendwie verhindert, daß ich dich heilen konnte…“
Ihre Stimme erstarb und sie senkte den Blick auf seinen Hals, bevor er es verhindern konnte, hatte sie den Reißverschluß seiner Uniform ein Stück heruntergezogen.
„Du kannst dich also selbst heilen!“, rief sie etwas lauter als beabsichtigt, weil sie von dem Anblick seines unverletzten Halses überrascht war, und ihre Fingerspitzen strichen federartig über seine unversehrte Kehle.
Es war nichts mehr von seiner Verletzung zu sehen. Candy war absolut davon fasziniert, sie hatte noch nie jemanden mit ähnlichen Fähigkeiten wie sie selbst getroffen.


Fortsetzung folgt...
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