Leo und Luka

von tini06
GeschichteKrimi / P16 Slash
Dr. Florian Gassner Leonard Kraft Nina Metz
28.02.2006
08.12.2006
15
109.786
 
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28.02.2006 7.570
 
Bemerkung:
Die Serie gehört SAT1 und noch anderen...
Mir jedenfalls gehört (leider) nichts und ich verdiene damit auch nichts - ich spiele nur!

Vielen Dank für inzwischen 3000 Zugriffe. Obwohl die Serie längst abgesetzt wurde, gibt es offensichtlich noch immer Fans.
(Stand: Nov. 2011)


I.
Leo stand regungslos am Küchenfenster und starrte, wie er es seit einigen Tagen immer wieder tat, mit leerem Blick nach draußen. Die ersten Sonnenstrahlen bahnten sich den Weg durch das Glas und versprachen einen weiteren herrlichen Sommertag.
Dennoch war es ein Morgen, wie ihn der blonde Polizist hasste. Er fühlte sich total durchnächtigt, und trotzdem blieb es ihm verwehrt weiter zu schlafen. Viel zu sehr beschäftigten ihn seine Gedanken an Bernd. Er versuchte sie zu ignorieren, aber gerade in Momenten der Ruhe oder des Alleinseins, übermannten sie ihn dennoch. Zu alledem quälten ihn stechende Kopfschmerzen. Schmerzen, die nur zu offensichtlich nicht auf übermäßigen Alkoholgenuss zurückzuführen waren.
Endlich wandte sich der Mittedreißiger ab und schlich auf Zehenspitzen hinüber zum Sofa. Dort lag bäuchlings, eingehüllt in seiner Lieblingsdecke, irgendein neuer Kollege. Nina hatte ihn mitgebracht. Er seufzte.

Tags zuvor war mit großem Tamtam und Tag der offenen Tür die neue Dienststelle eingeweiht worden. So richtig waren die Büros zwar noch immer nicht eingerichtet, sonst hätte man der Öffentlichkeit auch keinen Zutritt zu den Diensträumen gewähren dürfen, aber immerhin standen die meisten Möbel schon. Sicherlich würden sie noch mindestens die ganze kommende Woche mit dem Umzug, beziehungsweise mit dem, was nach dem Bombenanschlag übrig geblieben war, verbringen, bevor sie sich endlich wieder den wirklich wichtigen Dingen widmen konnten. Er seufzte erneut, ob seiner Gedanken an einem Samstagmorgen.
Jetzt erst sah er sich den nächtlichen Gast einmal genauer an. Dieser rührte sich noch immer nicht, unterdessen hob und senkte sich sein Rücken gleichmäßig im Schlaf. Die Decke war fast bis zur Taille herabgerutscht und Leo blickte auf einen gleichmäßig gebräunten, nicht gerade unmuskulösen, Rücken. Vom Kopf sah er ausschließlich die kurzen braunen Haare, denn das Gesicht war tief in das Kopfkissen eingegraben.

Leo musste unwillkürlich Grinsen und schüttelte den Kopf. Er stellte sich gerade vor, was passieren würde, wenn Florian hereingeschneit käme und diesen nackten Jüngling hier antreffen würde. Das gäbe wieder ein Eifersuchtsdrama schlechthin. Nina hatte einfach diese besondere Gabe, sich in solche zweideutigen Situationen hineinzumanövrieren. Er konnte sich noch gut an die Szene mit Max erinnern. Sein alter Schulfreund hatte hier übernachtet und Florian war am Morgen überraschend mit frischen Croissants aufgekreuzt. Blöderweise hatte ihm Max, nur spärlich bekleidet, die Haustüre geöffnet.
Schlagartig verzog sich das Gesicht des Polizisten und gleichzeitig biss er sich auf die Unterlippe. Die Erinnerungen an Max schmerzten ihn noch immer. Zwar kam er mittlerweile ohne die Gespräche mit der Polizeipsychologin zurecht, aber eigentlich vermied er das Thema Max tunlichst, nachdem das Verfahren gegen ihn eingestellt worden war. Alle Spuren und Indizien hatten belegt, dass dieser sich vorsätzlich von Leo hatte erschießen lassen. Schließlich hatte dieser nicht ahnen können, dass Max’ Pistole, mit der er auf Nina gezielt hatte, ungeladen war. Seufzend verwarf er seine trüben Gedanken und war wieder in der Gegenwart zurück.

Das ganze Geheimnis des Übernachtungsgastes lag darin, dass der Kollege etwas zu tief ins Glas geschaut hatte und nicht mehr fahrtüchtig gewesen war. Leo selbst hatte es nur bis 22 Uhr auf dem Fest ausgehalten. Bevor er gegangen war, hatte er Nina gefragt, ob sie mit nach Hause fahren wolle. Diese hatte ohne lange zu überlegen verneint, zu sehr amüsierte sie sich auf der Party. Als er bereits am Ausparken war, hatte sie seine Beifahrertüre aufgerissen und gefragt, ob Luca bei ihnen übernachten könne. Leo kannte diesen Kollegen zwar nicht, aber vertraute da ganz auf Nina.

Nach der Bombenexplosion hatte man die Dienststelle auf sämtliche Stadtbezirke Münchens verteilen müssen, und somit lernte man neue Kollegen und Umläufer anderer Dezernate allenfalls bei dezernatsübergreifenden Einsätzen kennen.
Er hatte nur zu bedenken gegeben, dass er keinesfalls Ärger mit Florian bekommen wolle und Nina selbst wissen müsse, ob sie das verantworten könne. Sie hatte nur die Augen verdreht, gelacht, ihre Haare ganz nach Nina-Manier in den Nacken geworfen und gemeint, dass sie dies selbstverständlich vor Flori verantworten könne. Dann hatte sie die Türe zugeworfen und war augenblicklich im Gebäude verschwunden.
 
„Erst mal einen Kaffee und wenn das nicht hilft, noch Aspirin!“ überlegte er und wollte sich gerade abwenden, als er etwas Interessantes entdeckte. Sein Blick blieb wie hypnotisiert am linken Schulterblatt des schlafenden Kollegen hängen. Mit Großbuchstaben war dort MARC eintätowiert. Hatte Nina nicht gesagt, der Typ hieße Luca? Das war ja äußerst interessant und konnte nur eines bedeuten!

Leo stieß ein verächtliches Geräusch aus und blickte vorwurfsvoll an die Zimmerdecke, so als könne er hindurchsehen. 
Er entschied sich gleich für die Aspirin, ging hinüber zur Küche und füllte sich ein Glas mit Wasser. Dann ließ er die Tablette ins Glas fallen, welche sofort begann, sich unter großem Gezische aufzulösen.
Klar hatte Nina keine Bedenken, diesen Typen mit nach Hause zu bringen – dieser war ja offensichtlich schwul! Wollte sie ihn nach der Bruchlandung mit Bernd etwa schon wieder verkuppeln?
Nein - sein Bedarf war vorerst gedeckt!  Es hatte schon gute Gründe, warum sie „nur“ bei der Kripo und nicht in einem Eheanbahnungsinstitut arbeitete.
Zwar trug Nina keine Schuld daran, dass Bernd so ein Idiot war, doch hatte sie die beiden gezielt wieder miteinander verkuppelt. Und auf eine zweite in die Brüche gegangene Beziehung innerhalb eines Jahres, hätte sein Ego dankend verzichten können!
Plötzlich fiel ihm auch wieder die Geschichte ein, wie Nina versucht hatte, ihn mit Florian zu verkuppeln, da Wacker auf der Dienststelle das Gerücht verbreitet hatte, der neue Staatsanwalt wäre schwul! Obwohl sie sich längst selbst in Florian verkuckt hatte, hatte sie keine Gelegenheit ausgelassen, die beiden Männer miteinander zu verabreden. Leo schüttelte den Kopf, lächelte gerührt und flüsterte: „Mein Mädchen!“

Das Lächeln verschwand aber, so schnell wie es gekommen war, wieder aus seinem Gesicht. Wieder hatten sich die unliebsamen Gedanken in den Vordergrund gedrängt: Bernd – er war die Ursache gewesen, warum Leo bei der gestrigen Feier nicht so richtig in Stimmung gekommen war. Leo hatte zwar nach dem offiziellen Akt noch mit den Kollegen angestoßen, natürlich war es auch für ihn ein Grund zur Freude gewesen, nach 8 Monaten Containerbüro, endlich wieder in ein richtiges Dienstgebäude einziehen zu dürfen, aber dieses Fest hatte ihn zu stark an Bernd erinnert. Schließlich waren sie bei einer Dezernatsfeier wieder zusammengekommen.

Nach dem Bombenattentat hatten Leo und Nina kurzfristig beschlossen, die ganze Abteilung zu einer „Hurra-wir-leben-noch-Party“ einzuladen. Nachdem er und Bernd sich Tage zuvor unverhofft wiedergesehen hatten und dieser aus dem Radio von dem Anschlag erfahren hatte, war er sofort zu Leo gefahren, um sich selbst zu überzeugen, dass dieser das Ganze tatsächlich unbeschadet überstanden hatte. In der ganzen Euphorie hatte er Bernd hereingebeten und dieser war dann auch die ganze Nacht geblieben.
Leo seufzte. Er hatte sich von Bernds damaligem Verhalten blenden lassen. Vor Leos Kollegen hatte dieser keinerlei Hemmungen gezeigt, zu seiner Veranlagung zu stehen! Ausgelassen hatten sie an jenem Abend miteinander gesungen, geflirtet und getanzt.
So nach und nach musste der blonde Polizist aber feststellen, dass sobald es um Bernds Umfeld ging, dieser plötzlich wieder seine Homosexualität verleugnete - zur früheren Beziehung hatte sich somit überhaupt nichts geändert.

Leo schalt sich selbst einen naiven Idioten, schließlich hatte er acht Monate gebraucht, um die Erkenntnis zu erlangen, dass Bernd entgegen aller Versprechungen und Beteuerungen, nie öffentlich zu ihm stehen würde.
Er verlangte ja nicht, dass sie in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten miteinander austauschten oder sich gar küssten, aber dass Bernd bei sämtlichen „öffentlichen Auftritten“ ausschließlich Maria mitnahm und nicht ihn, das tat schon richtig weh. Bernd verbreitete das Gerücht, er und Maria hätten sich in aller Freundschaft getrennt. Tatsächlich handelte es sich hierbei um eine schriftlich vereinbarte Scheinehe.
Bernd hatte ihm einmal von dem Vertrag erzählt. Maria verpflichtete sich, bis zwölf Monate nach ihrer Einbürgerung bei ihm wohnen zu bleiben, seinen Haushalt zu führen und an seinem Leben teilzuhaben. Im Gegenzug dafür kam er vier Jahre für ihren Lebensunterhalt auf. Leo wurde, wenn er überhaupt einmal dabei sein durfte, immer nur als guter Freund vorgestellt.

Und letzten Sonntag hatte Bernd das Fass entgültig zum Überlaufen gebracht, indem er Nina als seine neue Freundin vorgestellte. Nina und Florian waren ebenfalls zu seinem Geburtstag eingeladen gewesen. Sie hatten gerade Kaffee getrunken, als plötzlich, Bernds Eltern unangemeldet vor der Türe standen.
Diese waren extra von Hamburg nach München gekommen, um ihren Sohn zu überraschen.
Insgeheim vermutete Leo, sie hatten nur Angst, ihr Spross müsse, so ganz und gar verlassen von Maria, seinen 35. Geburtstag alleine feiern.

Seufzend zog er einen Teelöffel aus dem Besteckkorb und rührte damit gedankenverloren in seinem Glas mit  dem aufgelösten Aspirin. Er fragte sich wie lange er die Beziehung, ohne diesen unerfreulichen Vorfall, wohl noch
aufrecht erhalten hätte. Für seinen Geschmack hatte er viel zu lange ausgeharrt!

Er hatte sich gerade bei seinen „Schwiegereltern“ vorstellen wollen, als Bernd überraschend Nina den Arm um die Schultern legte und Leo sachte, aber bestimmt, beiseite schob: „Darf ich Euch vorstellen? Das ist Nina - meine neue Partnerin!“
Leo war sprachlos gewesen - verwirrt hatte er zu Florian hinüber gesehen, welcher nicht minder überrascht, mit offenem Mund dagestanden war. Nina dagegen, hatte sofort reagiert und höflich die Hände „ihrer Schwiegereltern in spe“ geschüttelt. Was folgte, war peinliches Schweigen. Bernds Eltern hatten hiervon nichts bemerkt. Stattdessen bekundeten sie ganz angetan ihre Freude, dass ihr Sohn jetzt mit einer Polizistin liiert war und nicht mehr mit einer abgelehnten Asylbewerberin aus Eritrea.
Leo hätte ausrasten können und blitzte Bernd wütend an.
Dass dieser Angst hatte, im Job könne ihn ein vorschnelles Outing eine bevorstehende Beförderung kosten, okay, das konnte er gerade noch so akzeptieren, aber dass sein Partner selbst die eigenen Eltern belog, war dann doch zuviel!

Er zog den Löffel aus dem Glas und legte diesen leise in die Spüle. Seufzend nahm er den ersten Schluck – kurz darauf einen zweiten. Müde rieb er sich mit seinen Händen übers Gesicht. Obwohl er seine Entscheidung noch immer als die einzig richtige empfand, schmerzte sie ihn doch.

Trotz dass er Bernd noch nicht einmal sein Geschenk gegeben hatte, verspürte er nur noch das Bedürfnis gehen zu wollen und verabschiedete sich kurz.  Natürlich hatte es sich Bernd nicht nehmen lassen, ihn zur Tür zu begleiten. Hierbei hatte er versucht,  Leo so gut es ging, zu besänftigen. Doch Leo hatte ihm nicht mehr zugehört, stattdessen hat er ihn angezischt: „Vergiss es einfach. Es ist aus! Wenn ich Deine Sachen zusammengepackt habe, wird sie Dir Deine neue Freundin sicher gerne vorbeibringen!“
Blitzschnell hatte er sich abgewandt, Bernd sollte die Tränen nicht sehen, die er vergeblich versuchte, zu unterdrücken.
Leo war gegangen, ohne sich noch einmal nach ihm umzudrehen.
Er hatte nur noch alleine sein wollen und war sofort nach Hause gefahren - wo hätte er in seinem Zustand auch hinfahren sollen? Noch bevor er ins Haus hineingegangen war, hatte er das Päckchen mit der teuren Uhr, die er Bernd eigentlich zum Geburtstag hatte schenken wollen, aus der Jackentasche gezogen und achtlos in den Müllcontainer fallen lassen.


Zwei Stunden später hatte es zweimal an der Haustüre geklingelt. Aber er hatte niemanden sehen wollen und deshalb nicht reagiert. Kurz darauf waren seltsame Geräusche zu hören - irgend jemand hantierte am Türschloss. Sofort hatte er sich seine große Maglite-Taschenlampe geschnappt, war die Treppe hinunter gerannt und hatte sich hinter der Haustüre postiert. Als der „Einbrecher“ umständlich die Türe geöffnet hatte, holte er aus und wollte bereits zuschlagen - doch er kannte den ungebetenen Gast - es war Florian. Dieser hatte vor Schreck die XXL-Pizzakartons fallen lassen, die er eben noch mit der linken Hand jongliert hatte. Die beiden Bierflaschen, die er in der anderen Hand hielt, hatte er in die Höhe gerissen und es entfuhr ihm ein: „Mann Leo, hast Du mich erschreckt.“

Dieser maulte ihn, unfreundlicher als gewollt, an:  „Was willst Du hier? Betätigst Du Dich seit neustem als Einbrecher?“
Florian sah Leo an. Dieser war total durch den Wind und hatte wohl auch geweint. Ein Zustand, wie Florian ihn bisher nur einmal gesehen hatte - nach Max’ Tod.
„Das nicht, aber Nina hat mir ihren Schlüssel heimlich zugesteckt und gemeint, ich solle mal nach Dir sehen. Sie ist noch von Bernds Eltern zum Essen eingeladen worden. Ich habe mich dann verdünnisiert!“
Auch der junge Staatsanwalt machte ein säuerliches Gesicht.
Verächtlich schnaubte Leo durch die Nase, bückte sich und versuchte die Pizzas, so gut es ging, zu retten.
„Zum Glück hast Du das Bier nicht auch noch fallen lassen!“. Er versuchte sein Gesicht zu einem Grinsen zu verziehen, was ihm aber nur mehr schlecht als recht gelang.
Die beiden Männer hatten den weiteren Abend miteinander verbracht und Florian war sehr bemüht gewesen, Leo so gut es ging aufzuheitern.
Das Thema Bernd hatten sie tunlichst vermieden.
Schon um halb zehn war Leo ins Bett gegangen. Florian war im Wohnzimmer geblieben, da Nina keinen Hausschlüssel mehr hatte und sah Fern. Natürlich hatte Leo nicht einschlafen können und es entging ihm auch nicht, dass Nina erst um halb zwölf nach Hause kam. Zuerst hatte Leo sie erzählen gehört, manchmal kicherte sie auch, doch was sie sagte,  konnte er nicht verstehen. Dann hatte er Florian das Wort ergriffen und kurz darauf
war das Paar in einen heftigen Streit geraten.
Ab da hatte Leo alles mitanhören können. Es ging um die Sache mit Bernd. Florian hatte Leos Verhalten verteidigt, während Nina meinte er müsste Bernd ja wohl auch verstehen. Das war eine halbe Stunde so gegangen, dann waren die beiden die Treppe hinaufgekommen. Schnell hatte sich Leo auf den Bauch gedreht,
die Augen geschlossen und sich schlafend gestellt. Tatsächlich war Nina in sein Zimmer geschlichen, hatte sich
auf seine Bettkante gesetzt und geflüstert: „Leo, schläfst du schon?“ Als sie keine Antwort erhalten hatte, küsste sie ihn vorsichtig auf den Hinterkopf und strich ihm sanft durchs Haar. Dann war sie in ihr Schlafzimmer verschwunden und „versöhnte“ sich lautstark mit Florian. Leo hatte sich das Kopfkissen auf die Ohren gepresst und als im Haus endlich Ruhe eingekehrt war, war auch er eingeschlafen.

Am nächsten Morgen war er sofort nach dem Aufstehen und ohne Nina zu wecken, ins Büro gefahren. Diese war erst eine Stunde nach ihm gekommen. Sie hatte ihren typischen belehrenden Nina-Blick drauf gehabt, den Leo in dieser Situation überhaupt nicht ertragen konnte.

Als sie den Mund geöffnet hatte, um etwas zu sagen, hatte er sie sofort unterbrochen und erklärt, dass er den Namen Bernd nie wieder hören wolle.
Natürlich hatte sie sich nicht wirklich daran gehalten.
Sie nannte ihn ab diesem Zeitpunkt eben Herr Fabrius und nervte Leo schon die ganze Woche damit, dass er mit Bernd ein Gespräch suchen sollte. Und das, obwohl er ihr schon mehrfach erklärt hatte, dass nach seinem Dafürhalten hierfür kein Bedarf mehr bestand.
Bis Donnerstag hatte sich Bernd bei ihm nicht gemeldet. Seine Eltern waren erst an diesem Abend abgereist und sie sollten natürlich auch weiterhin nichts von seiner „Vorliebe“ fürs männliche Geschlecht erfahren. Maria hatte er kurzfristig ins Hotel ausquartiert. Seit Donnerstagabend stand jedoch Leos Handy nicht mehr still. Nachdem er mehrere Anrufe von Bernd einfach weggedrückt hatte, bombardierte dieser ihn nun fast stündlich mit einer neuen SMS. Er bat um ein Gespräch.
 

                                                                                                     
Als Leo nach der Einweihungsfeier nach Hause gekommen war, konnte er, wie auch in den Nächten zuvor, kein Auge zubekommen. Er sah sich alte Fotos von ihm und Thorsten und von ihm und Bernd an und hing seinen Gedanken nach. Als dann plötzlich, morgens um halb vier, ein Taxi vor dem Haus hielt, schob er die Bilder schnell unter die Couch, auf der jetzt dieser Luca schlief. Noch bevor Nina die Haustüre aufgeschlossen hatte, lag Leo in seinem Bett. Er konnte Nina poltern und fluchen hören. Jetzt wusste Leo auch warum. Sie hatte wohl diesem Typen noch geholfen die Kleider auszuziehen, die nun rund um die Couch verstreut waren und das dürfte, so wie dieser noch immer halb besinnungslos dalag, gar nicht so einfach gewesen sein. Zudem lag der Putzeimer, den sie wohl für den Fall der Fälle hingestellt hatte, glücklicherweise leer, umgekippt auf dem Boden.


Dieser Typ schien sich ganz schön die Kante gegeben zu haben. Ob er wohl auch Probleme mit seinem Freund hatte? Seltsamer Einstand! Leo schüttelte den Kopf. In diesem Moment drehte sich der Übernachtungsgast auf den Rücken und Leos Augen quollen fast über – er schluckte. Vor ihm lag, mit allem drum und dran, eine junge, soweit er das beurteilen konnte, äußerst hübsche Frau. Obwohl er dem weiblichen Körper nicht wirklich etwas abgewinnen konnte, stand er doch da und starrte auf ihre Brüste.
Im gleichen Moment schlug sie die Augen auf und starrte zurück. Als sie Leos Blick folgte, riss sie sich dessen Lieblingsdecke bis unters Kinn. Das eben noch bleiche Gesicht verfärbte sich in kürzester Zeit in knallrot. Leo fasste sich zuerst wieder, grinste sie an und meinte: „Guten Morgen! Na schon ausgeschlafen?“
Sie starrte ihn eine ganze Weile an, bis sie endlich ihre Fassung wieder gefunden hatte: „Wer sind Sie und wie komme ich hierher?“ Sie sah sich orientierungslos im Raum um.
Leo merkte sofort, dass die junge Dame wohl einen größeren Blackout hatte und machte sich seinerseits einen mächtigen Spaß daraus. „Sag nur, Du hast diese wunderbare Nacht vergessen, Luka?“ fragte er und setzte ein gekränktes Gesicht auf.
Diese wechselte erneut die Gesichtsfarbe und wurde richtig blass um die Nase. Als sie sich unbeobachtet fühlte, warf sie einen Blick unter die Decke und schluckte. Sie war nur noch mit ihrem Slip bekleidet und konnte sich an überhaupt nichts mehr erinnern. Stattdessen hämmerte es in ihrem Kopf unaufhörlich. Leo hatte seinen Spaß an diesem Bluff gefunden und setzte noch eins drauf: „Schatz, soll ich uns gleich Frühstück machen oder möchtest Du lieber noch ein bisschen kuscheln?“ Selbst nur mit Shorts und einem T-Shirt bekleidet, trat er einen Schritt auf die Fremde zu.
Diese sprang sofort auf und knotete sich Leos Decke um ihren nackten Körper! „Äh, lass mal! Kann ich mich irgendwo duschen?“
„Das Bad liegt direkt neben dem Schlafzimmer.“ Leo deutete mit der Hand nach oben. „Im Regal findest du frische Duschtücher und an der Tür hängt mein Bademantel. Er ist frisch gewaschen, den kannst Du Dir nachher überziehen!“ rief er ihr hinterher.
„Wie trinkst Du eigentlich Deinen Kaffee, mit Milch und Zucker?“
Luka nickte nur. Bevor sie im Badezimmer verschwand, warf sie noch einen Blick in Leos Schlafzimmer. Dort lagen auf dem Bett zwei zerwühlte Garnituren mit Bettdecken und Kissen. Seit der Trennung von Bernd, rollte Leo sich nachts mehrfach von der einen Bettseite zur anderen.
Endlich trank er seine Medizin und bereitete das Frühstück zu.

Als Luka, nur mit Leos Bademantel bekleidet, aus dem Badezimmer kam, war sie noch verwirrter. Sie hatte dort sämtliche Hygieneutensilien von Nina entdeckt, inklusive Antibabypille. Natürlich glaubte sie, sie habe sich mit einem liierten Typen eingelassen.

Unter anderen Umständen hätte sie diesen gutaussehenden Mann ja auch ganz nett gefunden. Aber wie sollte sie das alles nur Marc erklären?
Am Liebsten wäre sie sofort geflüchtet, aber sie musste zuerst herausfinden, wie und mit wem sie die Nacht verbracht hatte, und zwar bevor dessen Frau hier auftauchte.
Leo sah natürlich, dass Luka litt, wollte sie aber absichtlich noch etwas zappeln lassen. Er hatte beschlossen, ihr einen Denkzettel für den zukünftigen Umgang mit Alkohol zu erteilen. Er mochte es überhaupt nicht, wenn sich Leute, egal ob Männlein oder Weiblein, bis zur Besinnungslosigkeit betranken. Da hatte gerade im Dienst immer wieder die unglaublichsten Dinge erlebt. Zudem konnte unkontrollierter Genuss von Alkohol einem Polizisten auch ohne weiteres den Job kosten!  
Schweigend saßen sich die beiden gegenüber und frühstückten. Hierbei ließ Leo Luka nicht aus den Augen.
Als er sah, wie sie gegen ihre Tränen kämpfte, bekam er fast Mitleid.
Nach dem Frühstück stand die junge Polizistin sofort auf und ging zum Sofa hinüber. Dort suchte sie ihre Kleider zusammen. Plötzlich drehte sie sich zu Leo. „Sag mal, wo hast Du eigentlich meinen BH hingetan?“
Leo, der gerade dabei war, sich den letzten Bissen seines Brotes mit einem Schluck Kaffee herunterzuspülen, verschluckte sich augenblicklich und bekam einen mächtigen Hustenanfall. Sie kam sofort zu ihm herüber und klopfte ihm heftig auf den Rücken.
Insgeheim war das ihre Rache dafür, dass er sie heute Nacht abgeschleppt hatte.
Sehr wohl bemerkte Leo, dass da auch einiges an Frust auf seinem Rücken aufschlug. Doch er war einfach nur froh, dass sie ihn nicht ersticken ließ. Sie hätte sich ja auch ihre Kleider überziehen und das Haus verlassen können. Luka hatte ihm fast das Leben gerettet und somit wollte er nun auch mit diesem Theater aufhören. Vorher musste aber der BH gefunden werden. Sie krochen beide auf Knien um das Sofa herum. Hierbei zog Leo heimlich die Fotos von Bernd und Thorsten unter dem Möbelstück hervor.
Gleichzeitig fragte von oben eine Stimme in einem äußerst herrischen Ton: „ Was macht ihr zwei Hübschen denn da?“
Es war Nina, die mit verschränkten Armen die Treppe hinunter kam.
Leo, der nicht mehr daran dachte, dass er sich gerade mit seinem Kopf unter dem Couchtisch befand, hob denselben erschrocken und schlug ihn, begleitet von einem dumpfen Geräusch, gegen die Unterseite der Tischplatte.
Luka, die eben noch auf allen Vieren um die Couch gekrabbelt war, sprang sofort auf und stotterte: „Nina - Du? Äh, ..... es ist wirklich nicht so wie es aussieht.........!“
Mittlerweile kam Leo unter dem Tisch hervorgekrochen,  unterdessen rieb er sich den schmerzenden Kopf und maulte Nina an. „Sag mal, musst Du mich denn so erschrecken?“
„WAS ist nicht so wie es aussieht?“ Sie kniff die Augen zusammen und ohne den jammernden Leo zu beachten fragte sie weiter: „Was macht Ihr denn da für neckische Spiele? Und Leo, was versteckst Du eigentlich hinter Deinem Rücken?“ Jetzt grinste sie ihn an.
„Leo, wieso Leo, ich dachte, Dein Freund heißt Florian?“, mischte sich nun Luka wieder ein.
Nina blickte von Leo zu Luka und von Luka zu Leo, dann zog sie eine Augenbraue nach oben und fragte lachend: „Sagt mal, bin ich jetzt bescheuert oder seid Ihr es?“
Mit einem Ruck riss sie Leo die Fotos aus der Hand und blätterte diese interessiert durch. „Na, hast Du Luka die Galerie deiner Verflossenen gezeigt? Auch eine phantasievolle Variante! Die Männer, die ich bisher kennen gelernt habe, wollten mir immer nur ihre Briefmarkensammlung zeigen!“ Sie gab Leo den Stapel zurück. „So und jetzt raus mit der Sprache, was sucht Ihr denn?“
„Sie sucht ihren BH! Wo hast Du den denn eigentlich hingetan?“ fragte Leo, als sei dies die natürlichste Frage der Welt.
Nina schüttelte den Kopf: „Wieso BH? Sie hatte doch überhaupt keinen an!“
Luka verstand jetzt überhaupt nichts mehr. Irgendwie glaubte sie in einem Irrenhaus gelandet zu sein. „Sagt mal, kann mir einer von Euch beiden erklären, wovon ihr redet? Wieso hat Nina meinen BH irgendwo, beziehungsweise nirgendwo hingetan?“ wandte sie sich an Leo.
„Och, das soll sie Dir mal selbst erklären! Ich muss ins Bad!“ Leo grinste, wandte sich ab und ging nach oben.

Während er duschte, erklärte Nina Luka, was so während ihres Filmrisses alles passiert war. Sie hatten sich noch ganz normal, bei einem Glas Sekt, unterhalten und auf ihr Wiedersehen angestoßen, als Dr. Löffler, Lukas Dezernatsleiter, diese anrempelte, so dass ihr das Sektglas aus der Hand gefallen war. Er hatte die Scherben eingesammelt, sich bei den beiden Frauen entschuldigt und war nach einiger Zeit, mit einem neuen Glas Sekt zurückgekehrt. Dann hatte er Nina höflich gebeten, ihr Luka wegen einer dienstlichen Angelegenheit, zu überlassen. Er hatte diese in Richtung Aufzug geschoben, was Nina ganz recht gewesen war, da sie noch mit einigen anderen Kollegen anstoßen wollte. Gut eine Stunde später, Leo hatte sich gerade von ihr verabschiedet, sah sie Luka dann erst wieder. Sie musste doch sehr lachen, was Dr. Löffler unter einer „dienstlichen Entführung“ verstand, da Luka mittlerweile total betrunken auf einem Schreibtisch saß und sich noch immer mit Dr. Löffler unterhielt, beziehungsweise er mit ihr.


Nina hatte Luka wegen einer sehr unschönen Vorfall kennen gelernt. Das war nur zwei Tage nach der Sache mit Max gewesen. Da Leo erst einmal krankgeschrieben war, hatte sich Nina, nach Absprache mit Frau Hubrecht, für diese Zeit in den Nachtdienst versetzen lassen, um Leo tagsüber zur Seite stehen zu können. Abends blieb dann Florian bei ihm.

In diesem Nachtdienst wurde Nina von Kollegen aus Nürnberg informiert, dass sich die Mutter einer bei ihnen im Umlauf befindlichen Auszubildenden das Leben genommen hatte. Nina, die als einzigste Frau zu diesem Zeitpunkt im Dienst war, musste Luka diese Todesnachricht überbringen. Obwohl die junge Frau sehr gefasst wirkte, war Nina die ganze Nacht bei ihr geblieben. So lange, bis sie am nächsten Morgen von einem Kollegen Lukas abgelöst wurde. Noch am gleichen Abend, eigentlich hatte Nina ihren freien Tag, war sie nochmals bei Luka vorbeigefahren und hat sich mit ihr unterhalten. Diese hatte ihr damals erzählt, dass ihre Mutter schon seit längerem suizidgefährdet war und sie und ihre kleine Schwester deshalb bei ihren Großeltern in München aufgewachsen sind. Die beiden Frauen hatten sich auf Anhieb gut verstanden, aber dann doch aus den Augen verloren, da Luka auf einem, in einer Außenstelle befindlichen Dezernat im Umlauf war. Mittlerweile war sie zwar, im Rahmen ihrer Ausbildung, aufs Drogendezernat versetzt worden, aber dieses befand sich noch bis gestern, auf der anderen Seite Münchens.
Nina hatte Leo nie von Luka erzählt.

An die Sache mit dem Sektglas konnte sich Luka noch gut erinnern und auch, dass sie mit dem alten Löffler in den Aufzug gestiegen war, doch wohin die Fahrt dann gegangen war, war wie ausgelöscht.

Sie kam erst wieder zu sich, als Leo sie so anstarrte.
Luka versuchte etwas Licht ins Dunkle zu bringen: „Du, Nina, wer ist eigentlich dieser Leo?“
Nina kicherte amüsiert: „Also, das ist eine gute Frage,....... er ist mein Vermieter, Kollege und auch mein Freund!“
„Aber ich dachte, der heißt Florian und ist Staatsanwalt?“ fragte Luka entgeistert.

Nina hatte Luka bei ihrem gestrigen Wiedersehen erstmals von Flori erzählt und ihr auch vorgeschwärmt, wie glücklich sie sei. Da gab es natürlich keinen plausiblen Grund, warum sie nicht zusammen wohnten. Nina kicherte erneut, ja, ihr Verhältnis zu Leo war schon für die meisten Außenstehenden etwas verwirrend.
Es läutete an der Haustüre. Nina ließ einen Panikschrei ab, rannte die Treppe hinauf und verschwand im Badezimmer. „Mist, jetzt kommt Flori schon und ich bin noch immer im Schlafanzug!“ war das letzte, was Luka von ihr hörte.
Leo flüchtete sofort aus dem Bad. Er knotete sich eilig ein Handtuch um die Taille. Anscheinend hatte er eben noch versucht, seine Haare damit trocken zu rubbeln, denn diese standen in sämtliche Himmelsrichtungen ab. Er kam die Treppe herabgeeilt um die Haustüre zu öffnen.
Luka beobachtete das ganze. Sie war selbst gerade schon auf halbem Wege gewesen,  um Florian zu öffnen.
Jetzt stand sie hinter Leo und stellte fest, dass der Mittedreißiger ausgesprochen sexy aussah.
Er gefiel ihr immer besser!
Plötzlich stürmte ein Mann in den Hausflur, von dem Luka dachte, es wäre Florian.
Sie wollte sich gerade, noch immer nur mit Leos Bademantel bekleidet, vorstellen, als dieser sie erblickte. Der blonde Mann kniff beide Augen zu kleinen Schlitzen zusammen und fixierte sie.
Was Luka nicht wissen konnte, der Besucher war nicht Florian, sondern Bernd und der Bademantel, den sie da gerade trug, war sein Weihnachtsgeschenk an Leo gewesen.
„Aha, deshalb hast du mich nicht hereingebeten!“ Noch immer stierte er Luka äußerst unfreundlich an und meinte: „Darf ich mich vorstellen, Bernd Fabrius, Leo hat Ihnen sicher schon viel von mir erzählt. Ich bin sein.......!“
„Nein, das hat Leo nicht! Du bist nicht, sondern Du WARST, vergiss das nicht!“ unterbrach Leo ihn sichtlich gereizt.
Luka war erstaunt, wie wütend und unfreundlich er zu dem Gast geworden war.
“Was willst du hier?“
Bernd ließ sich trotz des scharfen Tones nicht aus der Ruhe bringen: „Leo, ich muss mit Dir reden. Hast Du denn meine SMS’ nicht bekommen?“
„Natürlich habe ich deine hundert SMS’ bekommen. Aber mein Bedarf an Bernd Fabrius ist ein für alle Mal gedeckt. Schluss, Ende, aus.....!“
Luka verstand nur Bahnhof.
Leo verzog sich nach oben und Bernd stapfte ihm, nachdem er Luka noch einmal von oben bis unten eingehend gemustert hatte, hinterher. Kurz darauf flog die Schlafzimmertüre geräuschvoll ins Schloss. Was folgte war ein lautstarkes Stimmengewirr.
Diesen Augenblick nutzte Luka, um sich ihre Kleider in Windeseile anzuziehen. Es musste jetzt einfach ohne BH gehen!

Kurz darauf kam Leo in Jeans und offenem Hemd die Treppe hinuntergeeilt. Während er diese zuknöpfte, drehte er sich noch einmal um und rief nach oben: „Hör zu, ich hatte bisher leider noch keine Zeit Dir Deine Sachen zusammenzupacken. Aber wo Du gerade hier bist, kannst Du das ja selbst erledigen. Schließ dann bitte die Haustüre ab und wirf den Schlüssel einfach in den Briefkasten!“

Er wandte sich an Luka und sprach in einer provokativen Lautstärke: „Schatz, wir gehen!“
Instinktiv wusste Luka, dass es jetzt besser war, die Klappe zu halten und nicht zu protestieren. Sie lief wie ein kleines Hündchen hinter Leo her. Fragen könnte sie später noch stellen. Mit einem lauten Knall flog die Haustüre ins Schloss!
Fast wären sie mit einem jungen Mann zusammengestoßen. Leo begrüßte ihn kurz: „Hallo, Florian! Nina ist noch im Bad, Du kannst ruhig läuten, Bernd ist nämlich auch da!“
Luka beobachtete noch, wie Florian wenig begeistert das Gesicht verzog, während er aufs Haus zuging.
Schon öffnete Leo für sie die Beifahrertüre seines 911ers und ließ sie einsteigen. Als auch er im Wagen saß, blickte sie Leo erwartungsvoll an und hoffte auf eine Erklärung. Doch dieser fragte sie nur: „Wo soll ich Dich rauslassen?“
Sie seufzte: „Am besten an der Dienststelle. Dort steht mein Motorrad.“
„Aber zuerst brauche ich noch frische Luft!“ monologisierte sie mit sich selbst.
Als sie an der Dienstelle ankamen, wurde Leo bewusst, dass er, wollte er nicht gleich wieder auf Bernd treffen, keinesfalls nach Hause fahren durfte. Deshalb fragte er Luka, ob sie etwas dagegen hätte, wenn er sie bei ihrem Spaziergang begleiten würde. Hatte sie nicht. Schließlich erhoffte sie sich, so mehr über die letzte Nacht erfahren zu können.


Kurz darauf schlenderten sie eine ganze Weile schweigend nebeneinander her. Da er bei Bernds Auftritt so sauer reagiert hatte, traute sie sich nicht, ihn danach zu fragen. Und das, obwohl sie überhaupt nichts kapierte.
Endlich unterbrach er nach einer ganzen Zeit das Schweigen: „Wer ist eigentlich Marc?“
Luka schluckte, blieb stehen, sah ihn groß an und brachte kein Wort heraus.
Offensichtlich hatte er einen wunden Punkt getroffen. Jetzt war er noch neugieriger geworden.
„Du hast mich heute Nacht immer wieder Marc genannt!“ flachste er.
Lukas Gesicht  verfärbte sich dunkelrot und ihre Augen füllten sich mit Tränen.
Leo wusste sofort, dass er mit dieser Behauptung, zu weit gegangen war.
„Entschuldige, das war eben bloß ein schlechter Scherz. Ich hatte es nur gelesen!“ wollte er sie beruhigen und tippte mit seinem Zeigefinger auf ihr linkes Schulterblatt.
Luka war zwar weiterhin beunruhigt, doch sie klärte ihn bereitwillig auf: „Also Marc ist so etwas wie mein Verlobter!“
Jetzt war es Leo, der sie ungläubig anblickte.
„Wir haben schon miteinander im Sandkasten gespielt und waren von klein auf fast immer zusammen. Im Moment ist er Stipendiat an der New Yorker Uni. Wir sehen diese zweijährige Trennung als letzte Bewährungsprobe. Ein Jahr haben wir ja auch schon geschafft und wenn wir uns beide nach dem weiteren Jahr noch wollen und lieben, werden wir nach seiner Rückkehr heiraten!“
„Und bis gestern war ja auch noch alles in Ordnung!“ Ergänzte sie und senkte traurig den Blick.
Leo war erstaunt. Luka war schätzungsweise 20 Jahre alt und hatte ihre Zukunftsplanung, im Gegensatz zu ihm, schon fest im Kopf. Aber irgendetwas hatte ihn bei ihrer Aufzählung gestört.
„Wieso denn nur bis gestern?“ fragte er verständnislos. 
„Leo, ich weiß wirklich nicht, was heute Nacht passiert ist...!“ Sie sah ihn traurig an, aber er schien sie nicht verstanden zu haben.
„Haben wir oder haben wir nicht?“
Endlich war es raus - Luka hatte einfach keine Kraft mehr Detektiv zu spielen und die ersten Tränen kullerten ihr übers Gesicht.
Leo sah sie erschrocken an, er wusste nicht, warum Luka ihn das fragte. Plötzlich schien er zu realisieren, dass da etwas schiefgelaufen sein musste. Er schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn. Sie waren ja von Nina, bevor er sein Schauspiel aufklären konnte, gestört worden. „Oh, ich Depp... natürlich haben wir nicht, aber ich dachte... Hat Dich Nina nicht schon längst aufgeklärt?“
„Nein, wir wurden doch von diesem Bernd unterbrochen.“
„Natürlich - und ich habe vor ihm auch noch so getan, als hätten wir tatsächlich...!“ Leo seufzte und sah sie schuldbewusst an. „Entschuldige ich wollte Dich nicht in Verlegenheit bringen oder gar ausnutzen, aber ich dachte du wüsstest schon längst Bescheid!“ Er reichte ihr ein Taschentuch.
Sie wischte sich die Tränen ab und schnäuzte  einmal kräftig hinein.
Danach konnte sie auch schon wieder Lächeln, so erleichtert fühlte sie sich. „Und ich hatte schon befürchtet, ich müsste die Verlobung lösen!“
Leo wusste, dass es jetzt an der Zeit war, Luka auch in Sachen Bernd aufzuklären. Doch irgendwie fiel es ihm schwer, einen geeigneten Anfang zu finden. Mittlerweile waren sie an einem kleinen Cafe angekommen.
Er fragte seine junge Kollegin, ob er sie auf einen Kaffee und Kuchen einladen dürfte, was diese bejahte.

Als Leo und Luka ihre Bestellungen aufgegeben hatten, erhoben sich die beiden jungen und äußerst attraktiven Männer vom Nebentisch, nickten Leo lächelnd zu und verließen händchenhaltend das Lokal.

Er hatte Luka schon die ganze Zeit beobachtet, wie sie von Zeit zu Zeit zu ihnen hinübergeschielt hatte.
Jetzt saß sie mit offenem Mund da und sah den beiden verblüfft hinterher.
Für Leo war der Moment der Wahrheit gekommen. Er schob ihr die Kinnlade nach oben und flüsterte ihr zu: „Na, Vorurteile Frau Kommissarin?“
Mit nur teilweise gespielter Empörung konterte sie: „Nein, aber das ist doch totale Verschwendung! Warum müssen denn die süßesten Typen alle schwul sein? Sag mal, Leo, kanntest Du die Beiden?“
„Das nicht, aber danke für das Kompliment! Warum denkt ihr Frauen eigentlich immer, ihr wüsstet, was das Beste für uns ist?“ Leo grinste.
Für einen kurzen Moment starrte sie Leo ungläubig an, er konnte direkt sehen, wie ihr Hirn arbeitete. Es machte ihm richtig Spaß. War ihm „Kommissarin“ Luka jetzt schon auf die Spur gekommen oder brauchte es noch mehr Hinweise?
Plötzlich lachte sie laut auf: „Also, auf Deine Scherze falle ich heute bestimmt nicht mehr rein! Dass heute Nacht zwischen uns nichts lief, das nehme ich Dir nur zu gerne ab, aber...“
„So, und wie erklärst Du Dir dann Bernds Auftritt?“ unterbrach er sie.
Luka überlegte.
Eigentlich konnte es hierfür tatsächlich nur diese eine Erklärung geben. „Ich will Beweise!“ sie sah ihn triumphierend an.
Mit dieser Antwort hatte er nicht gerechnet. Wie sollte er ihr beweisen, dass er schwul war?
„Was für Beweise denn?“ wollte Leo wissen. „Hast du nicht bemerkt, wie Bernd vor Eifersucht fast an die Decke gegangen ist, als er Dich in „seinem“ Bademantel gesehen hat und ich ihm, nur mit einem Handtuch bekleidet, die Türe geöffnet habe?“
„Wie, ich hatte Bernds Bademantel an?“ Luka schauderte es bei diesem Gedanken, dementsprechend verzog sie angeekelt das Gesicht.
„Quatsch, das war nicht seiner - er gehört mir. Er hat ihn mir zu Weihnachten geschenkt“, erklärte Leo.
„Ja, Bernds Auftritt war wirklich eigenartig, aber ich kann es trotzdem nicht so richtig glauben!“ Sie schüttelte den Kopf. „Und wieso hast Du mich dann heute Morgen so seltsam angesehen, das war doch eher hetero, oder? Kann es sein, dass bei Dir doch nicht Hopfen und Malz verloren ist?“ Luka sah ihn noch immer ungläubig an.
„Oh, nein, nicht schon wieder diese Nummer! Nina wollte mich auch schon bekehren. Könnt ihr Weiber Euch denn nicht einmal mit der Realität abfinden?“ Leo hob die Hände, als müsste er Luka damit abwehren, trotzdem  lachte er.

Als sie den Kaffee ausgetrunken und den Kuchen aufgegessen hatten, bezahlte er die Rechnung und sie machten sich auf den Rückweg.
Plötzlich fing Luka wieder an: „Leo, ich glaube das noch immer nicht! Wie kannst Du behaupten Du wärst schwul, wenn Du das andere noch nicht einmal ausprobiert hast? Vielleicht meinst Du ja nur Du wärst es und... Du solltest es einfach mal probieren!“  
Leo blieb stehen, tat so als müsse er überlegen, dann grinste er und sagte mit rauer Stimme: „Okay, Du hast ja recht, vielleicht sollte ich .....!“ Schnell ging er einen Schritt auf sie zu, packte sie mit seinen starken Armen, hob sie ein Stück vom Boden ab und drückte sie fest an seine Brust.
Luka hatte mit allem gerechnet, nur nicht hiermit. Obwohl sie bereits im Nahkampf ausgebildet war, konnte sie sich seiner starken Umarmung nicht entziehen. „Leo, lass mich sofort los, ich krieg keine Luft mehr!“ schrie sie.
„Warum beschwerst Du Dich jetzt eigentlich, schließlich war es Deine Idee, dass ich es ausprobieren sollte!“
Er zog eine Schnute, doch tatsächlich hätte er sich hinwerfen können vor Lachen. Luka war ihm schon wieder auf den Leim gegangen!
Es war doch immer wieder das gleiche. Er kannte die schlauen Tipps der Frauen nur zu gut! Als wäre Homosexualität eine Krankheit, die „Frau“ durch gute Ratschläge und gezielte Handgriffe, wieder heilen könnte!

Luka sortierte schnell ihre Kleider: „So hatte ich das doch gar nicht gemeint! Ich meinte Du solltest auch andere Erfahrungen sammeln!“
„So, Frau Superschlau, wer sagt Dir denn, dass ich das nicht bereits getan hätte,... hä?“ Leo legte ein wissendes Gesicht auf.
„Was, Du hattest tatsächlich schon einmal was mit einer Frau? Das musst Du mir aber unbedingt erzählen!“ bettelte sie.
Leo schüttelte den Kopf. „Das werde ich nur tun, wenn Du vor mir am Motorrad bist!“
Er rannte sofort los und sie hinter ihm her. Natürlich hatte Luka keine Chance mehr ihn einzuholen, wobei Leo doch erstaunt war, dass sie ihm so dicht an den Fersen klebte.
Atemlos standen sie vor ihrer Enduro. „Tolles Teil, hast Du die schon lange?“
Sie schüttelte den Kopf: „Nein, die habe ich mir erst gekauft, als Marc in die Staaten ging. Hast Du den Motorradführerschein?“
Leo nickte begeistert und lief um die Maschine.
„Aha, beim Thema Auto und Motorrad ist Leo also ein „richtiger“ Mann!“ dachte Luka bei sich.
Die beiden plauderten noch eine Weile belanglos, verabschiedeten sich dann kurz und jeder trat seinen Heimweg an.

Als Leo vor seinem Haus angekommen war, hätte er am liebsten wieder kehrt gemacht.

Bernds Auto stand noch immer in der Auffahrt. Er stellte den Motor ab und überlegte, wo er jetzt noch hinfahren könnte.
Als er noch ganz in Gedanken war, klopfte jemand unsanft an seine Scheibe. Erschrocken zuckte er zusammen. Es war Nina. Sie riss theatralisch die Türe auf. „Leo, wie konntest Du uns das nur antun? Wir wollten heute zum Schwimmen an den See. Wie konntest Du nur Bernd wie ein Häufchen Elend hier zurücklassen? Wir mussten ihn trösten und wo kommst Du jetzt überhaupt her.“
„Halt mal die Luft an, Nina! Ich habe Euch nicht gebeten, für Bernd den Seelentröster zu spielen und wieso kümmerst Du Dich eigentlich um Bernds Befinden und nicht um das meinige?“
„Leo, jetzt hörst Du mir mal zu. So wie Du Dich im Moment aufführst, kann einem Bernd ja auch nur leid tun. So und jetzt steig aus und kümmere Dich gefälligst um ihn. Flori und ich gehen zum Chinesen, das haben wir uns redlich verdient! Nun aber hopp, hopp!!!!!“ Nina ergriff seinen Arm und zog ihn aus dem Auto.
Missmutig trottete er hinter ihr her. Vor der geschlossenen Wohnzimmertür blieben die beiden stehen.
„Los, Leo rein mit Dir!“
Er zögerte. 
„Mann oder Memme?“ Nina wusste wie sie Leo aus der Reserve locken konnte.
Oh, wie er diesen Ausspruch hasste! Er konnte einfach nichts dagegen tun! Wer wollte schon eine Memme sein? Also ging er widerwillig ins Zimmer.
Bernd, der auf dem Sofa, inmitten eines Berges Kleenex gesessen hatte, sprang sofort auf.
„Leo, da bist Du ja, ich wollte...“
„Flori, wir sollten die beiden Hübschen jetzt alleine lassen! Tschüssi und einen schönen Abend noch!“ flötete Nina. Sie zog Florian aus dem Zimmer, der Leo noch einen mitleidigen Blick zuwarf.
„Jetzt sitz ich aber schön in der Falle“ dachte sich Leo.

„Schieß los! Was hast Du mir noch Wichtiges zu sagen?“
Bernd rannte das Zimmer auf und ab, so dass es Leo alleine vom Zusehen fast schon schwindlig wurde.
Nach einer Weile kam er dann endlich zur Sache: „Leo, ich habe Maria gefragt, ob sie ein Kind für uns austrägt!“ platzte es förmlich aus ihm heraus.
Leo, der bislang den Blickkontakt mit Bernd vermieden hatte, starrte diesen jetzt sprachlos an.
„Ich habe mir überlegt, ein Baby könnte unserer Beziehung nicht schaden!“
Seine Augen wurden immer größer und da er schwieg,  erklärte Bernd weiter „Ich dachte, es wäre sinnvoll, wenn ich die Scheidung vorerst zurückziehen würde, Du könntest sofort bei uns einziehen und dürftest somit gleich von Anfang an dabei sein. Maria würde noch ein Jahr bei uns leben - weißt Du - Muttermilch ist im ersten Jahr so wichtig! Danach werden wir uns scheiden lassen und sie wird mir das alleinige Sorgerecht überlassen! Wir könnten unsere Lebensgemeinschaft eintragen lassen und uns dann noch immer überlegen, wer den Erziehungsurlaub nimmt. Ich habe gelesen, dass der Staat Euch Beamte sogar ganz ohne Probleme für mehrere Jahre beurlaubt! Bei uns Piloten ist das schon schwieriger! Na, was meinst du?“ Mit stolz geschwellter Brust und einem Grinsen, welches sich fast von einem Ohr bis zum anderen erstreckte, stand Bernd vor Leo und wollte ihn auch noch umarmen.
Leo stieß ihn sofort weg - ihm war fast schlecht geworden. „Ich glaube, Du gehst jetzt besser!“ er versuchte, so ruhig wie möglich zu bleiben und musterte Bernd, der ihm plötzlich so fremd war, von oben bis unten.
„Aber Leo, was hast Du denn?“ flötete dieser jetzt, als hätte er eben über etwas belangloses, wie den Kauf neuer Schuhe, gesprochen und kam erneut ein paar Schritte näher, um Leo seine Hand beschwichtigend auf die Schulter zu legen.
Dieser wich geschickt der Berührung aus und brüllte ungehalten: „Fass mich bloß nicht an. Verlass sofort mein Haus! Verlass mein Leben! Ich will Dich hier nie, nie wiedersehen, DU EKELST MICH AN!!!!!!“
Leo wollte sich gerade an Bernd vorbeidrängen und das Zimmer verlassen.
„Ja, magst Du denn keine Kinder? Ich dachte, so ein Kind würde wieder neuen Schwung in unsere Beziehung bringen......?“ fragte Bernd arglos.
Leo blieb abrupt stehen und fixierte Bernd mit einem eiskalten Blick. Es waren keine 30 Zentimeter, die sie im Augenblick trennten und doch waren sie sich ferner als jemals zuvor.  
Um seine Wut im Zaum zu halten, biss er seine Backenzähne so fest aufeinander, dass es ihm schon richtig weh tat.. Ohne diesen Biss großartig zu lockern, zischte er Bernd zu: „Ich denke, es ist besser Du gehst jetzt, bevor ich mich noch vergesse! Und wage es bloß nie wieder, mich auch nur anzusprechen. Ich garantiere sonst für Nichts!“
Bernd blickte ihn erschrocken an, so hatte er Leo noch nie erlebt. Eilig zog er seine Jacke von der Stuhllehne, zog den Haustürschlüssel aus der Hosentasche und warf ihn auf den Tisch. Dann schnappte er seine Sporttasche, in die er all seine Utensilien eingepackt hatte, die sich während ihrer Beziehung bei Leo im Haushalt angesammelt hatten und ging zur Tür.
Erst da bemerkte Leo, dass Bernd die Uhr trug, die er ihm zum Geburtstag hatte schenken wollen.
„Nina“ dachte er, „wenn Du heute noch nach Hause kommst, drehe ich Dir eigenhändig den Hals um!“
Als Bernd die Haustüre öffnete, drehte er sich noch einmal um. „Leo, ...!“ Die weiteren Worte blieben ihm im Hals stecken. Hätte Leos Blick töten können, Bernd wäre auf der Stelle tot umgefallen. Dieser ging und Leo drückte eilig die Tür ins Schloss.
Eine ganze Weile stand Leo mit dem Rücken an der Haustüre gelehnt, dann ließ er sich daran herabgleiten, winkelte die Beine an und vergrub sein Gesicht in den Händen . Die ganze Szene von eben ging ihm nochmals durch den Kopf. Es war ihm, als wäre er eben aus einem bösen Traum erwacht und er fühlte plötzlich eine Erleichterung, wie er sie schon Monate nicht mehr gespürt hatte.
Er war sich sicher, Bernd würde ihn endlich in Ruhe lassen. Leo saß noch eine ganze Weile so da, endlich erhob er sich, entledigte sich seinen Kleidern und ging hinauf ins Badezimmer. Nachdem er sich eine Weile im Spiegel betrachtet hatte verschwand er in der Duschkabine.
Er duschte und duschte – fast so, als könne er sich den Ereignissen, der letzten 8 Monate, nur mit Wasser und Seife entledigen.
Irgendwann fühlte er sich richtiggehend aufgeweicht, er schnappte seinen Bademantel, wollte ihn gerade anziehen, stoppte aber sofort in der Bewegung und warf ihn stattdessen zu Boden.
An der Tür hing noch Thorstens Bademantel, den dieser bei seinem überhasteten Auszug vergessen hatte.
Leo zog ihn sich über. Er sah zwar sehr lustig darin aus, da Thorsten etwas kleiner und weniger muskulös war als er, aber das war ihm im Moment absolut egal.
Er hob den am Boden liegenden Bademantel auf, ging hinunter vor die Haustüre und ließ diesen in die Mülltonne fallen. In den Augenwinkeln sah er gerade noch, wie sich die Haustüre von alleine schließen wollte.
Mit einem Hechtsprung konnte er dies gerade noch verhindern. Er hoffte, dass ihn niemand  so gesehen hatte und warf einen verstohlenen Blick hinter sich.
Bernds Auto war verschwunden und auch sonst war die Straße menschenleer.
Er versetzte der Türe einen Stoss, dass sie krachend ins Schloss fiel. Dann ging er sofort nach oben ins Schlafzimmer und das erste Mal, seit Bernds Geburtstag, fiel er sofort in einen traumlosen Schlaf.




(Vielen Dank an Hanyshuana für den Ansporn, das erste Kapitel tatsächlich noch zu überarbeiten und die Hilfe bei der Zeichensetzung.
Großen Dank an AlexW für die Erklärungen zum Plusquamperfekt, wobei mir die Umsetzung nicht immer gelungen ist *g*!)
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