Ippo ni Yoko

von MAC01
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P18 Slash
Katsuya Jonouchi / Joey Wheeler Seto Kaiba
10.02.2006
30.06.2020
257
366.003
24
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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30.06.2020 1.206
 
Teil: 257 / ??

PoV (Sicht): Otogi Ryuji / Duke Devlin

Warnings: ---

Kommentar: Da mein PC am Sonntag spektakulär sein Leben ausgehaucht hat und mein neuer auf sich warten lässt, weiß ich nicht, ob diese oder nächste Woche neue Kapis kommen werden. Sorry :(

***** ***** ***** ***** *****

Lustlos stocher ich mit dem langstieligen Dessertlöffel in dem Eisbecher herum. Das Choclate-Mint-Eis hat mittlerweile eine cremige Konsistenz und taut immer mehr auf. Wirklich Lust hab ich auf das Eis eigentlich nicht. Dennoch schieb ich mir einmal mehr ein Löffelchen in den Mund und lass das Eis auf meiner Zunge zergehen.

Nur gut, dass die Küche - wie fast alle Gemeinschaftsräume - auch nachts gedämpft beleuchtet ist. Das Licht dringt aus den unter den Hängeschränken installierten LEDs und lässt mich nicht im Dunklen sitzen. Sicherlich ist das ein Überbleibsel von Setos Erfahrungen. Oder viel eher wohl ein Resultat seiner Erfahrungen. Sicherlich muss er sofort sehen können, wer alles in seiner Nähe ist.

Anders wie ich. Ich hab fast mein ganzes Leben in Dunkelheit verbracht. Mein Vater hat Licht gehasst. In unserem Stadtanwesen - einem Loft - waren die Räume immer ziemlich hoch - bestimmt vier oder fünf Meter. Dementsprechend hohe Fenster hatten wir. Doch jedes einzelne hat hinter schweren und dicken Vorhängen verborgen gelegen, die nicht ein Fitzelchen Licht durchgelassen haben.

Die wenigen Leuchten in unserem Loft spendeten nur spärlich schummriges Licht. Es gab Phasen in meinem Leben, da durfte ich nicht mal diese anmachen, weil mein Vater es nicht ertrug. Und wenn ich es doch wagte... dann war er immer sofort zur Stelle und hat mich geohrfeigt. Mit seiner Rechten auf meine linke Wange.

Aber auch zu anderen Gelegenheiten hat er das gemacht, vor allem wenn ich sein Missfallen geweckt habe. Und da ich immer sein Missfallen weckte hab ich mehrfach täglich eine Backpfeife kassiert. Schulnoten, Klamottenstyle, wenn ich seiner Meinung nach zu spät nach Hause kam oder frech war. Er war nie verlegen eine Begründung zu finden.

Dieser Mann war immer schon so voller Wut und Hass. Auf mich. Auf die Welt. Das Leben. Das Licht. Er hat mir nie erklärt, warum er so war. Er drillte mich. Schwor mich auf einen Familienfeind ein und hetzte mich dann gegen dessen Enkel. Und ich gehorchte. Aus Angst.

Plötzlich spüre ich, dass ich nicht länger alleine in der Küche bin. Ich blinzle ein paar Mal, um aus meinen Gedanken zurück in die Realität zu wechseln. Es ist mir ein Rätsel wer noch wach ist. Wir alle waren ziemlich erschöpft, vor allem weil wir die letzte Nacht mit Mokuba wach geblieben und vor Setos Schlafzimmer gewartet haben. Der Kleine wollte nicht ins Bett, bis sein Bruder endlich ruhig schlafen würde. Dummerweise haben wir vergeblich darauf gewartet.

Zu meiner Überraschung stell ich fest, dass Seto neben mir sitzt und mich ruhig anschaut. Also frag ich ihn, ob er nicht schlafen kann und er nickt nur bestätigend. Meint, dass er Jonouchi nicht den Schlaf rauben möchte, daher habe er das gemeinsame Schlafzimmer verlassen und sei hier runter gekommen. Dann fragt er mich, warum ich noch wach bin.

Ich zuck mit den Schultern und nehme einen weiteren Löffel vom Eis, den ich mir in den Mund schiebe und die cremige Süßspeise dort zergehen lasse. Danach frag ich Seto, ob er sich nun besser fühlt. Er schaut mich irritiert an, als wüsste er nicht, worauf ich anspiele. Also schieb ich das Stichwort Suizid nach und er versteht, wovon ich spreche. Er zuckt nur nichtssagend mit den Schultern.

Und genau das ist es, was ich nicht verstehe. Warum ist er nicht glücklich darüber, dass dieser Drecksack tot ist? Genau das frag ich ihn auch. Etwas geschockt blickt mich Seto an und fragt, warum er glücklich sein soll, dass sich so ein feiger Arsch selbst umgebracht hat.

Warum? Sollte die Frage nicht eher 'Warum nicht' heißen? Ich meine nach allem, was dieser Typ Seto angetan hat... er wird nie wieder Seto bedrängen, überfallen oder vergewaltigen können. Sich nie wieder an einem anderen vergehen. Wird nicht zu einer lächerlich geringen Haft- oder gar Bewährungsstrafe verurteilt oder viel zu früh aus einer möglichen Haftstrafe entlassen werden.

Seto blickt mich überrascht an. Es dauert einen Moment, dann fragt er mich, ob ich befürchte, dass mein Vater vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen werden könnte. Die Frage schockt mich. Eigentlich hab ich nicht gedacht, dass Seto weiß, dass mein Vater im Gefängnis sitzt. Oder das er weiß, dass dieser in ein paar Wochen eine Anhörung bei der Bewährungskommission hat, das hab ich nicht mal Hiroto erzählt.

Eine Anhörung, in der mein Vater sieben Männer und Frauen davon überzeugen kann, dass er seine Lektion gelernt hat und nun ein besserer Mensch ist. Jemand, der eine zweite Chance verdient. Wenn er sie überzeugen kann, dann wird er auf Bewährung entlassen und dann... Ein Knoten bildet sich in meinem Magen, wenn ich nur daran denke.

Klar, ich hab die Möglichkeit auch vor die Kommission zu treten und ihnen zu sagen, was das für mich bedeuten würde, wenn dieser Mann vorzeitig entlassen werden würde. Doch würde sie das wirklich beeinflussen? Ich denke nicht. Deshalb hab ich die Info-Postkarte, die mir die Justizbehörde zugesendet hat, auch direkt weggeworfen.

Auf einmal spür ich eine Hand, die sich auf meine Schulter legt und ich blicke Seto an, dem die Hand gehört. In seinen Augen seh ich Verständnis für meine Gefühle und Gedanken. Für meine Angst vor diesem Mann. Etwas, was ich niemals laut zugeben werde.

Mit ruhiger Stimme meint er zu mir, dass 'wir' nicht zulassen werden, dass mein Vater vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird. Doch jetzt soll ich mir keine Gedanken darüber machen und zu Hiroto gehen, mich in seinen Arm kuscheln und von ihm halten lassen. Dann würde es mir wenigstens ein Stückchen besser gehen.

Ich schau ihn prüfend an und frage ihn, woher das von der Anhörung weiß. Er nimmt mir fast schon gemächlich die Pappdose mit dem Eis ab, nimmt sich selbst einen Löffel und schiebt ihn sich in den Mund. Erst nachdem das Eis auf seiner Zunge zergangen ist blickt er mich an, lächelt freundschaftlich und antwortet, dass er es nicht wusste.

Kurz erstarre ich. Überlege. Dann muss ich grinsen. Denn tatsächlich hat er mich nur gefragt, ob ich Angst davor habe, dass mein Vater aus dem Gefängnis vorzeitig entlassen werden könnte. Dass er eine Anhörung hat, hab ich ihm dann erzählt, als ich ihn gefragt habe, woher er von dieser weiß. Ich bin eindeutig müde und erschöpft.

Immer noch ist Seto ein gewitzter Fuchs, egal was alles in den letzten Monaten geschehen ist oder wie weit er sich geändert hat. Doch vielleicht ist es ja gut, dass er es nun weiß... immerhin sind wir mittlerweile doch recht gute Freunde geworden. Ich für ihn... und er für mich. Gerade weil wir uns irgendwo doch so ähnlich sind...

Ich gähne herzhaft und er wiederholt nur, dass ich mich endlich zu meinem Freund ins Bett scheren und bei ihm Halt suchen soll. Also nicke ich, steh auf und spüre ein Knacken in meinem Rücken. Diese Stühle sind einfach unbequem, wenn man zu lange darauf sitzt. Also rate ich Seto nicht allzu lange hier unten zu verweilen und seinen eigenen Rat zu beherzigen. Er grinst zurück und nickt, während er sich noch einen Löffel Eis in den Mund schiebt.

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