Ippo ni Yoko

von MAC01
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P18 Slash
Katsuya Jonouchi / Joey Wheeler Seto Kaiba
10.02.2006
30.06.2020
257
366.003
25
Alle Kapitel
274 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
10.02.2006 1.114
 
Teil: One-Shot (abgeschlossen)

PoV (Sicht): Kaiba Seto

Warnings: ---

Widmung: Herzlichen Dank an LumCheng für s Beta-Readen und für das Experiment!

***** ***** ***** ***** *****          

Ich stehe vor euch und ihr blickt mich nur ungläubig an. Scheinbar hattet ihr das nicht von mir erwartet. Aber warum überrascht mich das. Ich weiß, wie ihr mich seht. Kenne eure Meinung über mich. Und doch - obwohl wir schon seit Jahren miteinander zu tun haben, bin ich mir sicher, dass ihr nur das seht, was ich vorgebe zu sein. Was mich nicht überrascht, schließlich bin ich darauf gut trainiert.

Immer wieder wurde mir eingebläut, wie wichtig es ist, niemanden an sich heran kommen zu lassen. Niemals eine Schwäche zu zeigen. Und vor allem, niemandem zu vertrauen. Aber ein Leben, so einsam und leer, was ist das wert? Wenn man niemanden hat, an den man sich wenden kann. Sich niemals fallen lassen können, weil der Aufschlag einen umbringen könnte.

Nur allzu gern würde ich alles riskieren. Doch ist der Preis nicht zu hoch? Mit meinen Schwächen könnte man zerstören, was ich mühselig aufgebaut habe. Mit dem was ich fühle, könnte man mir das nehmen, was mir mehr als alles andere bedeutet. Und wieder habe ich Angst. Angst davor, dass ich genau dieses Risiko eben eingegangen bin.

Ich spüre eure Blicke auf mir ruhen. Immer noch könnt ihr nicht glauben, was gerade geschehen ist. Doch ich kann es nicht mehr ändern. Ich kann nur noch versuchen, euren Blickwinkel zu ändern, so, dass ihr andere Schlüsse zieht. Das Offensichtliche zu etwas völlig Anderem verbiegen und verleugnen.

Doch ich kann nicht! Ebenso wie ihr, bin auch ich erstarrt. Blicke euch nur kalt an. Würde ich mir selbst gegenüber stehen, ich glaube, ich könnte dem Blick nicht stand halten. Wann habe ich mir so einen vernichtenden Blick angeeignet? Wann bin ich zu so einem Arschloch mutiert?

Auf diese Fragen hab ich keine Antwort. Vielleicht auch besser so. Wahrscheinlich würde mir die Antwort nicht gefallen.

Keiner von euch weiß, wie sehr ich unter der Isolation leide, die ich mir selbst geschaffen habe. Wie schwer es ist, niemanden an sich heran zu lassen. Ein Leben zu leben, was man so nicht wollte. Aber was soll ich machen? Mich ändern? Unmöglich! Das geht nicht! Auf keinen Fall! Wie sollte ich auch?

Einfach stur zurück schauen, bis es euch zu dumm wird. Wie lange kann sich so etwas wohl hinziehen? Eine Minute, zwei? Oder gar Stunden... Tage... Wochen? Und auf einmal fällt mir auf, wie wenig ich eigentlich über euch weiß. Woher auch? Immer wenn ihr mir einen Schritt näher kommt, weiche ich zurück. Auch wenn ich es mit Ignoranz zu verbergen versuche.

Alles in mir steht Kopf. Warum denke ich überhaupt über all das nach? Alles was ich tun müsste, wäre mich abwenden und gehen. Seit wann bin ich irgendwem eine Erklärung schuldig? Schon gar nicht euch. Niemandem von euch! Und doch hält mich irgendetwas hier fest. Hindert mich daran, mich einfach umzudrehen und wegzugehen. Warum?

Warum hab ich es überhaupt getan? Einfach einen Schritt zur Seite. Genau das hätte ich tun sollen. Das hattet ihr doch alle erwartet, nicht wahr? Einen Schritt zur Seite, einen spöttischen Kommentar und dann... einfach weggehen! So, wie ich es schon so oft getan habe! Mit der ewigen Gleichgültigkeit für meine Mitmenschen.

Doch ich konnte nicht. Nicht dieses eine Mal. Dieses eine Mal wollte ich nicht der Arsch sein. Nicht der sein, der sich über den Schaden anderer Leute abfällig äußert. Sie damit noch mehr in den Schlamm drückt, in dem sie liegen. Doch warum nicht? Was war dieses eine Mal anders, als die vielen Male davor?

Und dann... dann blicke ich dir ins Gesicht und sehe deinen dankbaren Blick. Deinen Blick, der so viel mehr als 'Danke' zu sagen scheint. Der mich einlädt. Einlädt einer von euch zu werden. Einer von euch? Was für eine komische Vorstellung. Undenkbar. Dafür habe ich keine Zeit. Wie für vieles andere auch nicht! Für so vieles, was ich auch begehre.

Begehren? Auch? Das klingt schon fast so, als würde ich dich begehren. Absurd. Ich habe alles und noch viel mehr. Mir fehlt es an nichts. Und dennoch. Diese Einladung ist verlockend. Sehr sogar. Sie könnte mir helfen aus meiner Isolation zu fliehen. Wenigstens für eine kleine Weile. Aber sofort verwerfe ich diesen Gedanken wieder. Verwerfe ihn, wie so oft.

Kann nicht. Ertrage die Nähe nicht. Nicht einmal die Nähe dessen, der mir alles bedeutet. Traurig, oder? Aber so ist es. Wie soll ich da erst eure Nähe und Freundlichkeit ertragen? Lieber belasse ich alles beim Alten. Die Sticheleien und kleinen Andeutungen entsprechen doch auch viel eher meinem Charakter.

Und so bin ich gefangen, in den Mauern, die ich selbst errichtete, um mich zu schützen. Vor Schmerz und Enttäuschung. Aber sie sind so dick geworden, dass andere Regungen auch nicht mehr zu mir durchkommen. Freundlichkeit und Wärme. Das alles ist mir in den letzten Jahren so fremd geworden. Habe ich es überhaupt jemals gekannt?

Noch eine Frage, auf deren Beantwortung ich verzichte. Wieder aus Angst. Angst, die Antwort könnte mir wehtun. Mich verletzen. Hinter meinen dicken, unüberwindlichen Mauern. Mich erkennen lassen, was mir im Leben am meisten fehlt. Was ich mir wünsche. Was ich mein nennen will. Und was ich am Dringendsten auf dieser Welt brauche.

Und all das geht mir ausgerechnet in diesem Moment durch den Kopf. Immer noch schaut ihr mich alle an. So tue ich das Einzige, was ich in solch einer Situation im Stande bin zu tun. Vorsichtig stemme ich dich von meiner Brust, so dass du wieder alleine stehen kannst. Dass ich mich von euch lösen kann. Lösen, bevor ich noch mehr gefangen werde, von all diesen Gedanken und Gefühlen.

Ohne ein Wort, drehe ich mich um und gehe fort. Fort, ohne dir zu sagen, dass du in Zukunft besser darauf achten sollst, wohin du läufst. Damit du nicht mehr Gefahr läufst, auszurutschen und hinzufallen. Denn ich bin nicht immer da um dich aufzufangen. Dich aufzufangen und dir Halt zu geben.

Wahrscheinlich werde ich bis zum nächsten Mal ein weiteres Stück meiner Menschlichkeit eingebüsst haben. Eingebüsst durch mein selbst erbautes Exil, das mich nun gefangen hält. Und dann? Dann werde ich einfach einen Schritt zur Seite gehen. So dass du an mir vorbei fällst. Vorbei, in den Dreck, durch den ich gerade gelaufen bin.

Und dann kommt mir eine Frage in den Sinn. Eine Frage, die ich mir so nie wirklich gestellt habe: Muss es denn wirklich so sein? Ich auf der einen Seite und ihr auf der anderen Seite? Und wieder... wieder einmal kenne ich keine Antwort darauf. Und ohne diese Antwort laufe ich weiter. Weiter in das Gefängnis hinein. Mein Gefängnis!

*Ippo ni Yoko - Einen Schritt zur Seite
Review schreiben