Der Virus von Cumbria

GeschichteAbenteuer / P12
24.01.2006
05.07.2006
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DER VIRUS VON CUMBRIA

                                          1. Schlechte Zeiten

Die Uhr auf dem Nachwecker zeigt 3:17 Uhr an. Joeny ein 13jähriges Mädchen liegt im Bett mit offenen Augen. Die Eisblauen Augen huschen durch die Gegend. Von der geschlossenen Zimmertür zum Fenster, wo man die umrisse des Dachs des gegenüberliegenden Hauses in der Dunkelheit erkennen kann.
Die Augen bleiben an einem Familienfoto mit Bergen im Hintergrund hängen, wo man eine Frau und ihren Mann sieht. Dabei steht ein Mädchen und vor dem Mädchen ein halb so großer Junge. unter dem Foto stehen die Namen, angefangen bei der Mutter; Caroline, Tom, Joeny, Jake. ,,Für die Familie Grant".
Joeny dreht den Kopf weg, um das Foto nicht mehr betrachten zu müssen.
,,Warum?", flüstert sie und kneift die Augen zusammen.
Sie schlägt die Bettdecke zur Seite und steigt aus dem Bett. Sie zieht ihre Hausschuhe, eine Stoffjacke an und öffnet die Zimmertür.
Sie geht aus dem Zimmer, einen Flur entlang und steigt eine Holztreppe hoch. Sie versucht leise hinauf zu gehen. Einige Male knirschen die Holzstufen. Am ende ist eine Tür, die sie aufschließt.
Es bläßt ihr ein kühler Wind ins Gesicht. Ihre braunblonden Haare werden durcheinander gewirbelt. Sie muss kurz  die Augen zusammen kneifen, da der Wind in den Augen brennt.
Sie schließt die Tür und befindet sich auf der Dachterrasse eines Reihenhauses. Nur auf der Strasse leuchten die Laternen und der Lichtstreifen unter der Tür. Sie geht in eine Ecke, steigt auf ein Schrägdach und klettert nach oben auf die Spitze des Dachs.Sie setzt sich und schließt die Augen.
Ein Film läuft vor ihren Augen ab. Ihre Familie war am Grand Canyon im Urlaub. Ein Picknick am Rande der Klippen. Joeny ist die letze am Picknicktisch, sie möchte noch ihren Rucksack vom Picknicktisch holen.
Die restliche Familie wartet im Auto. Als Joeny auf dem Weg zum Auto ist, rollt der Wagen tum Rande der Klippe. Joeny steht geschockt da und starrt auf den rollenden Wagen. Der Wagen rollt darüber hinaus. Joeny lässt ihren Rucksack fallen und rennt dort hin, wo gerade das Auto mit ihrer Familie in die Schlucht rollte. Sie schreit, weint und liegt mit den Armen und dem Kopf über dem Rand hängen auf dem Bauch der Klippe und sieht das Auto fallen. Eine Explosion. Alles wird schwarz.

,,Joeny", hört sie ihren Namen rufen. Joeny wird aus ihrem Alptraum befreit. Sie öffnet die Augen und sieht zur Dachterrasse. Ihr Kindermädchen Melanie Stone steht in der Dunkelheit. ,,Komm her", sagt Mel mit ruhiger Stimme. Joeny klettert das Dach runter, zu Mel auf die Dachterrasse. Mel legt ihren Arm auf Joenys Schultern. Beide gehen durch die Tür, die Treppe runter zum Flur.
,,Joeny versuch weiter zu schlafen, du musst morgen zur Schule", sagt Mel. Joeny sagt nichts und geht in ihr Zimmer.
Am nächsten moregan steht Joeny in ihrem Zimmer und bindet den Krawatrenknoten zu ende. Sie nimmt ihren Rucksack und geht aus dem Zimmer, die Treppe runter in den Flur. Sie stellt ihren weißblauen Schulrucksack von Jansport neben die Gardrobe.
,,Joeny komm, es gibt Rührei mit Toast", ruft Mel ihr zu. Joeny geht in die Küche und setzt sich an den fertig gedeckten Frühstückstisch. ,,Und , was machst du heute noch nach der Schule?", fragt Mel, nachdem sie sich mit an den Tisch gesetzt hat.
Joeny, die gerade von ihrem Toast mit Rührei abgebissen ahtte, zuckt mit den Schultern. Sie sieht Mel mit einem gelangweilten und müden Blick an.
,,Ich gehe Fußball spielen", antwortet Joeny. Eigentlich weiß Mel die Antwort, dewegen hat sie auch keine Gegenantwort parat. Sie sieht Joeny nur an und trinkt ihren Kaffee weiter. Joeny sieht auf die Küchenuhr und trinkkt schnell ihren Kakao auf und spring vom Stuhl auf.
Es war 8:15 Uhr, die Zeit, wo Joeny immer zur Schule los fuhr.
Sie nahm ihr dunkelblaues Jackett, zog es an und nahm ihren Rucksack.
Nach der Nacht, wo sie wieder an ihre Familie gedacht hatte, nun hat sie schlechte Laune und auch gar keine Lust auf Schule.
Eine Frage beschäftigte sie immer; Wie kann ein Auto los rollen, wo vorher die Bremsen voll funktioniert haben? Joeny glaubte auf diese Antwort nie eine Antwort zu finden.
Sie fuhr eine Weile auf der Chelsea Embankment, dann weiter auf der Grosvenor über die Vauxhall Bridge und den Kennigton Lane entlang. Sie bog rechts in eine kleine Strasse bis zu ihrer Schule. Sie fuhr durch das Schultor und hielt bei dem Fahrradständer ab.
Im Gegensatz zu den anderen Schulen in London war die Schule, ziemlich modern. Sie wurde vor 7 Jahren gebaut und war eine ganz normale Gesamtschule mit Uniformen und den britischen Traditionen. Das Hauptgebäude war wie ein Rechteck aus Stahl, wobei nach oben hin die Dachecken sich nach aussen wölben.
In der Mitte des Daches, eine Kuppel. Die Schule hatte 3 Etagen einschließlich der Glaskuppel. Die Nachbargebäude der Schule waren um die hälfte so groß und hatten eine runde Glasform. Was mit wenig Fenstern bestickt war, war die Turnhalle, aber in einem moderneren Stil, der Schule angepasst.
Nachdem sie ihr Fahrrad doppelt abgeschlossen hatte, ging sie auf den Schulhof. Ihr kamen Schüler entgegen gestürmt. Der eine hatte kein Jackett an, der andere keine Krawatte. Dann gab es da noch solche die sich in letzter Sekunde noch die Hausaufgaben besorgten. So auch ein Neuer auf der Schule im Alter von 16 Jahren. Joeny wollte eigentlich keinen Ärger anfangen, aber was sie beobachtete, konnte sie nicht ignorieren. Ihr ehemaliger bester Freund David Chadwood wurde geschubst, damit er die Hausaufgaben, dem neuem geben soll, der sich die machen lassen hatte. Der neue war aber nicht allein, es sind noch zwei aus der 11 Klasse dabei. Ron Sale und Greg Barney sind eine der schlimmsten Schüler der Schule und Joeny hoffte immer das sie fliegen. Sie war 13 Jahre und in der 9 Klasse, die noch 2 Monate sein sollte. Bald war Sommer und das Ende des 9 Schuljahres. Joeny ging zu der Gruppe von Elftklässlern und David. ,,Was willst du?", fragte der neue grantig. ,,He Joeny, schon mit deinen Eltern gepicknickt?", sagte Greg und lachte. Joeny merkte, wie in ihre Wut aufstieg. ,,Laßt David in Ruhe, er wird für keinen irgendwelche Hausaufgaben machen", sagte Joeny und sah zu David. Lange hatten Joeny und David nicht miteinander geredet, seit David gemein über die Familie von Joeny geredet hatte. Sie hatten sich gestritten und nicht mehr mit einander geredet. Das ist jetzt 2 Monate her.
Roger der Neue hatte wenig Geduld, da er schon die Faust ausholte zum zuschlagen. Aber dazu kam es glücklicherweise nicht. Ein Lehrer tauche auf und kam auf David zu. Als er dort ankam, grinsten die 3 aus der 11 Klasse und gingen. Roger ging an Joeny vorbei. ,,Wir sehen uns noch!", flüsterte er ihr zu.
Nachdem Joeny Mathematik, Geschichte hinter sich gebracht hatte, war Pause. David und Joeny gingen zusammen auf den Schulhof.
,,Joeny danke, das du mir geholfen hast". Plötzlich tauchten  die drei Jungs auf. Greg und Ron hielten David fest und Roger drückte Joeny gegen die Wand.
,,Du bist erledigt!", fauchte Roger. Er schlägt ihren Kopf seitlich gegen die Wand. Joeny merkte, wie ihr das Blut an der rechten Augenbraue am Auge herunter lief.
Roger schlägt ihr in den Magen, wobei sie sich krümmt.
,,Leg dich nicht mit mir an", warnte er. Ron und Greg schubsten David auf den Boden und gingen mit Roger davon.
,,Joeny, komm wir gehen zur Schulärztin und sagen du bist an eine Kante gestoßen". David und Joeny sind die letzten auf dem Schulhof. Nachdem sie bei der Ärztin waren, die Joeny ein Pflaster über die Augenbraue geklebt hat, sind beide zurück in ihre Klasse gegangen. Die nächsten Stunden hatten sie Biologie und Geologie.
Es regnete sehr stark und es sah auch nicht so aus, als wenn es heute noch aufhörte zu regnen. Mitten in der Geologiestunde, klopfte es an der Klassentür und der Schulleiter kam herein.
,,Entschluldigen sie, Mr.Mannion, aber ich müsste mal mit Joeny Grant sprechen", sagte er und sah zu Joeny. Joeny hatte keine Ahnung wieso sie vom Schulleiter geholt wurde. War es wegen der Jungs aus der 11 Klasse? Der Schulleiter nickte Joeny zu, die aufgestanden war. Sie ging durch die Reihen der Schulbänke und den starrenden Schülern. Sie ging hinaus in den Flur gefolt vom Schulleiter.
Auf dem Flur im zweiten Stock, standen zwei Polizisten. Der Schulleiter stand neben Joeny und sagte nichts. Joeny war am überlegen, was sie angestellt hatte, das die Polizei kam.
,,Joeny wir müssen ....", der eine Beamte, konnte den Satz nicht beenden.
,,Joeny wir müssen dir leider sagen, das dein Onkel Harris Grant gestorben ist. Es tut uns sehr leid", sagte der andere Kollege mit einer behutsamen Stimme und ließ Joeny Zeit es zu verdauen. Der Schulleiter stand nur neben ihr mit gesenktem Kopf.
,,Joeny, wir fahren dich jetzt nach Hause", sagte der Beamte. Joeny konnte es nicht glauben, erst ihre Familie vor 3 Jahren und jetzt ihr Onkel. Sie hatte so viele Fragen und auch Angst. Ihre Beine zitterten und sie glaubte fast sie würde gleich in Ohnmacht fallen. Sie sah die zwei Polizisten an und dann zum Schulleiter.
Ihn ihr kam Angst, Wut und Traurigkeit hoch. Ihr Augen wurden feucht und sie glaubte, sie würde gleich platzen vor Wut, das alle in ihrer Familie sterben müssen. Sie rennt plötzlich los, den Flur entlang zur Treppe. Die Polizisten renne ihr hinterher und rufen ihr zu.
,,Bleib stehen wir wollen dir nur helfen".
Aber Joeny hat garnicht die Absicht stehen zu bleiben und darüber zu reden. Sie rennt über den Schulhof, durch das Schultor und die kleine Strasse herunter. Sie rennt so schnell sie kann, aber auch die Wut treibt sie an.
Einer der Beamten ist etwas korrpulenter und deshalb nimmt er den Wagen, wo inzwischen der andere Beamte Joeny hinterher rennt. Er ist sportlich und ist ungefähr um die 30 Jahre. Bevor Joeny die Hauptstrasse erreichen kann, hält der Polizeiwagen schräg bremsend vor ihr. Jeony ist überrascht und wütent und will am Kühler des Wagens vorbei. Der sportliche Beamte, holt sie am Wagen ein und hält sie fest.
Er packt sie von hinten an ihre Oberarme. Sie tobt und schreit. Der Beamte redet auf sie ein.
,,Joeny, es tut mir sehr leid mit deinem Onkel. Ich kannte ihn. Aber wir haben die Anweisung dich nach Hause zu fahren".
Als Joeny sich beruhigt hat, ließt sie erst das Namenschild des Beamten. ,,Jake Wader".
Nachdem sie bei Joeny zu Hause angekommen sind und fahren wollen, dreht sich Joeny auf der Türschwelle um.
,,Mr.Wader, es tut mir leid wegen der Sache".
,,Schon in Ordnung Joeny", antwortet er und setzt seine Mütze auf und geht zum Polizeiwagen.
Am nächsten Tag sitzen beide am Frühstückstisch und trinken Kaffee und Kakao.
Die ganze Zeit bis Morgens um 6 Uhr konnte sie nicht schlafen. Sie ist dann in die Küche gegangen.
Sie saß einige Zeit allein in der Küche und dachte nach.
Wie gut hatte sie ihren Onkel gekannt? Sie wußte nicht viel über ihn. Ihre Eltern und ihr Bruder waren vor 3 Jahren bei einem tragischen Unfall gestroben, sie war die einzige Überlebene.
Harris Grant, der Bruder von Joeny Grant´s Vater hatte sie bei sich aufgenommen und groß gezogen. Sie durfte nur selten ihn mit seinem Vornamen anreden, sonst sagte sie Sir oder Großvater. Wenn sie sich mit Mel über ihn unterhielt, sagte sie Harris. Seit 3 Jahren wohnte sie nun ihm Reihenhaus ihres Onkels in Chelsea/London. Er hat für eine große Zeitung gearbeitet, so das er auch immer durch die welt reiste. Auch dieses Mal, hatte sie ihren Onkel erst zwei Tage vorher wieder gesehen, wo er von einer Reise durch Schottland und den Norden Englands kam.
Ein ruhiger,etwas kinderscheuer Mann, der Bücher mochte, guten Wein genoss und klassische Musik hörte. Er hatte keine Frau und eigentlich keine Freunde. Er bevorzugte teure Kleidung und hielt sich immer fit. Er nahm beide mal mit auf Reisen nach Italien, Spanien, Mexiko, sogar auch mal nach Kanada um Melanie´s Eltern zu besuchen. Er hatte sportlich viel mit seiner Nichte in den Urlaubsorten unternommen, wenn er mal Zeit hatte.
In Italien hatte sie eine Snowboardausbildung gemacht, in Mexiko und Spanien Tauchen gelernt.
Nur mehr wußte sie auch nicht. Nichts über seine Vergangenheit, Details über seinen Beruf oder was er so plante im Leben, behielt er für sich. Es war eine schöne Zeit so aufzuwachsen, aber Joeny merkte erst jetzt, das sie nie richtig familiär war.
Mel kam und setzte sich mit an den Küchentisch.
,,Wie geht es dir?", fragte Mel.
Melanie Stone hatte kurze blonde Haare und war Mitte 30. Sie war vor 3 Jahren aus Kanada gekommen und hatte sich ein Zimmer im Haus von Harris Grant gemietet. Statt Miete zu bezahlen hatte sie den Haushalt gemacht und auf die damals 10jähige Joeny aufgepasst. Sie war geblieben und gehörte zur Familie.
Jeony nickte leicht, was bedeuten sollte, das es ihr einigermaßen gehe. Sie war ruhig und in Gedanken versunken.
,, Wie geht es jetzt weiter? Mit dem Haus, mit dir und mir?", fragte Joeny verzweifelt.
,,Ich weiß es nicht, aber Harris wird ein Testament gemacht haben". Sie sah Joeny ruhig an, obwohl es ihr auch sehr nahe ging.
,,Wenn der Rechtsanwalt kommt werden wir mehr wissen".
,,Sollen wir nicht mal in seinem Arbeitzimmer nachsehen? Vielleicht finden wir es dort", sagte Joeny mit zittriger Stimme.
,,Wir warten erst mal bis der Rechtsanwalt da ist".
Das Arbeitzimmer war unter dem Dach und seit dem Joeny hier wohnte, war sie nur erst einmal dort hinein gesehen, als ihr Onkel kurz auf der Toilette war. Es befanden sich dort Aktenschränke, ein Schreibtisch, Regale mit Papieren und Büchern.
,,Die Polizei sagt, er hatte das Auto ganz weit weg von der Arbeit geparkt", sagte Joeny. Mel nickt.
,,Stimmt, das sagten sie".
,,Ist das nicht komisch? Du weiß doch auch, das er nicht gerne so weit lief, wenn es schon so nah heran fahren kann. Außerdem hatte er einen reservierten Parkplatz, vor der Agentur". Mel zuckt mit den Schultern.
,,Ja, aber vielleicht dieses mal nicht. Mir hat es die Polizei so erklärt. Die Polizei würde uns doch nicht etwas anderes erzählen!", antwortet Mel.
Joeny wäre gerne zur Schule gegangen, damit sie nicht den ganzen Tag in dem nun leer wirkenden Haus, sich mit den Gedanken qäulen müßte, wie es war als ihr Onkel noch lebte. Eigentlich war sie es ja gewöhnt in einem leeren Haus zu wohnen, aber nicht mit dem Gedanken, dass er nie wieder kommt. Sie wollte in den Alltag, die gwohnten Sachen machen, wie das Pausenklingeln hören oder mit Schulfreunden reden, wenn es geht vielleicht auch ein wenig den Mathematikunterricht stören.
Der Tag zog sich dahin und Joeny musste wie eine Gefangene auf die Besucher warten die zwischen dem Vor- und Nachmittag sich angekündigt haben, wegen dem Todesfall. Es kamen ein Rechtsanwalt, der nichts von einem Testament wußte, aber die Beerdigung erledigen sollte. Ein Leichenbestatter, der fragte wie und wo die Beerdigung sein sollte. Ein Pfarrer der Joeny gut zuredete und ein Mann von der Zeitungsagentur, wo ihr Onkel gearbeitet hatte.
,,Wir von Pictures Times sind geschockt und wollen unser Beileid aussprechen", begann er.
Er war Mitte Vierzig und trug einen Anzug mit Krawatte. Er hatte sich als Mr.Colin von der Personalabteilung vorgestellt.
,,Wenn wir jetzt etwas für dich tun können".
,,Was wird jetzt aus Mel und Mir?", fragte Joeny.
,,Mach dir keine Sorgen, die Zeitungsagentur wird sich darum kümmern. Das ist mein Job. Überlasse das uns".
Den restlichen Tag vertrieb Joeny sich die Zeit im Fernsehn die Programme zu durchlaufen. Was sollte sie sonst machen?
Am Abend rief Mel den Pizzaservice an und bestellte eine Piza mit Thunfisch und eine mit Pilzen. Sie hatte keine Lust gehabt zu kochen. Beim essen sprachen sie nicht viel miteinander.
Joeny dachte fest daran das Mel zurück nach Kanada musste, da ihre Aufenthaltsgenehmigung ablief, da sie kein Einkommen nachweisen konnte.
Die Sachen wie Lebensmittel und Rechnungen bezahlte sie von ihrem gespartem Geld.
Wer würde sich um sie kümmern? Müsste sie in ein Kinderheim? Ihr Zukunft war noch unsicherer als die von Mel. Sie hatte gar keine Lust jetzt darüber nach zudenken oder darüber zu reden.
Nach zwei Tagen ohne viel zu reden und ohne in die Schule zu gehen, kam der Tag der Beerdigung. Joeny trug einen schwarzen Anzug für Mädchen. Es war der gleiche Anzug, den sie auf der Beerdigung ihrer Familie getragen hatte und er passte noch. Damals hatten sie ihn etwas größer gekauft. Sie mochte keine Kleider. Das war nun die zweite Beerdigung in ihrem Leben. Von ihrer Familie konnte sie sich nicht richtig verabschieden, da sie nicht mehr zu indentifiziert werden konnten. So auch nur Särge mit einigen persönlichen Sachen darin.
Ihr Onkel hatte einen schwarzen Anzug an und lag in einem Sarg aus dunkler Buche. Überall waren Blumen und an den Sträuchern waren weiße Bändchen befestigt worden.
Harris Grant wird in der Nähe der St.James Cathedrale beerdigt.
Sie war umgeben von schwarz gekleideten unbekannten Leuten. Die Trauergäste umfaßten ungefähr zwanzig Personen, vielleicht auch mehr. Am Hauptweg des Friedhofs, war das Grab ausgehoben worden. Die Trauerandacht hatte begonnen, als Joeny einen schwarzen Mercedes anfahren sah und ein Mann ausstieg. Der Mann kam näher und bleib in einem Abstand von der Andacht stehen. Joeny beobachtete ihn kurz. Es schien die Sonne und es wurde warm. Der Mann jagte ihr einen Schauer ein. Es zog ihr Kalt den Rücken herunter.
Der Mann sah eigentlich ganz normal aus. Er trug einen schwarzen Anzug, hatte graues Haar und graue Augen in einem ausdruckslosen Gesicht. Seine Augen sahen irgenwie leer aus, als wenn er nicht eine Gefühltsregung gegenüber der Beerdigung zeigte. Vielleicht störten die Augen Joeny an diesem Mann. Jemand tippte ihr auf die Schulter. Sie drehte sich um.
,,Das ist Mr.Jones", flüsterte Colin der Personalchef , ihr ins Ohr, der hinter ihr stand.
,,Er ist Chefredakteur von Pictures Times".
Joeny blickte nach hinten zum Mercedes. Jones wurde von zwei Männern begleitet, von den einer den Wagen chauffierte hatte und einem zweitem der im Wagen neben Mr.Jones gesessen hatte. Sie waren völlig gleich gekleidet und beide machten finstere Mienen. Joeny beobachtete erst das Gesicht von Jones und dann der anderen Trauergäste. Wie gut hatten sie Harris Grant gekannt? Warum hatte Joeny keine von diesen Personen kennengelernt? Sie fing an zu zweifeln, ob diese Leute, Harris Grant überhaupt gekannt hatten. Sie glaubte nicht, das all diese Personen von der Zeitungsagentur kamen.
,,...er war ein guter Mensch. Er wird uns fehlen", sagte der Pfarrer und nickte Joeny zu.
Joeny ging mit einer Blume in der Hand direkt vor den Sarg und legte sie darauf ab.
,,Er war ein sehr gutherziger Mensch der mich aufnahm und großzog, mit dem ich Urlaub machte und spass hatte. Er war mein O......", Joeny unterbrach und ihr liefen Tränen übers Gesicht. Mel kam zu Joeny, legte die Hände auf Joenys Schultern und beugte sich herunter.
,,Komm", sagte Mel sanft und drehte Joeny herum. Mel ging einen Schritt, aber Joeny drehte sich wieder zum Sarg.
,,Harris, Onkel du wirst mir fehlen", sagte Joeny mit verheultem Gesicht. Sie ging zurück zu Mel.
Als alle Gäste gegangen waren, blieb Joeny eine Weile allein stehen. Der Deckel des Sarges war noch offen. Man begrub ihn erste wenn alle weg waren.
Als Joeny durch die Gegend blickte, sah sie Mr.Jones um das frische Grab herum auf sie zu kommen.
,,Du bist bestimmt Joeny".
,,Mein Name ist Walter Jones. Dein Onkel hat oft von dir erzählt".
,,Komisch, von ihnen hat er nie etwas erzählt", sagte Joeny etwas grantig.
,,Er war ein guter Mensch. Wir werden ihn vermissen", sagte Jones.
,,Worin war er gut? Er hat nie über seine Arbeit geredet und ich konnte auch nie einen Zeitungsartikel von ihm lesen".
Colin kommt zu den beiden und erklärt:
,,Im unterstanden alle Auslandsagenturen, so dass er immer mal da war. Aber das weißt du ja".
,,Ich weiß nur das er viel gereist ist und das er bei der Zeitung gearbeitet hatte. Auch, das er nicht gerne weit lief, wenn er mit dem Auto unterwegs war", sagte Joeny.
,,Nun diesmal hatte er es nicht getan", sagte Jones und sieht Joeny tief in die Augen.
,,Ich hoffe das wir uns wiedersehen", sagte er nachdenklich und rieb sich mit dem Finger am Kinn.
,,Ich hoffe es...", wiederholte er. Er drehte sich um und ging zu seinem Wagen.
Sie sah es als Jones schon im Wagen und einer am Steuer saß. Der Beifahrer wollte einsteigen, als sie beobachtete, wie sein aufgeknöpftes Jackett im wind aufflog. Joeny erkannte eine Waffe am Hosengurt stecken. Jones hatte es auch gemerkt und ließ, als sie losfuhren, das Fenster ganz herunter und warf Joeny einen dunklen Blick zu.
Joeny ging zum Grab und stand nun alleine da. Sie sah ihren Onkel so da liegen und plötzlich erkannte sie etwas. Eine frische Narbe an der Seite seines Kopfes. Das ist nicht von dem Unfall, das ist ein Einschussloch, aber etwas keiner.
Joeny hatte es oft in Krimis und Autopsie-Filmen gesehen.
Sie war geschockt und konnte sich nicht mehr rühren. Ihr wurde schlecht, schwindelig und sie musste an die Männer mit den Waffen denken.
Sie hatte beschlossen Mel nichts davon zu erzählen.
Plötzlich stand Mel neben ihr.
,,Wieviel Zeit brauchst du noch?", fragte Mel behutsam.
,,Keine", murmelte Joeny mit dem Blick auf ihrem Onkel.
Sie fuhren nicht mit dem Wagen, der sie zur Beerdigung gebracht hatte, sondern wollten zu Fuß gehen. Frische Luft schnappen.
Sie brauchten vierig Minuten. Als sie in die Strasse bogen, wo sie wohnten, erkannte Joeny einen Lieferwagen. Er stand vor ihrem Haus.
,,Was wollen....", Joeny brach den Satz ab, da der Wagen drehte und davon fuhr. Mel sah den Lieferwagen nicht.
Als sie ins Haus traten, erkannte Joeny, das die Männer im Haus waren. Ein Heft ihrer Schule, was vorher auf dem Telefontisch gelegen hatte, lag nun auf dem Boden. Die Zwischentür war offen, wo sie eigentlich zu sein sollte. Mel war in die Küche gegangen um Tee zuzubereiten. Joeny ging nach oben in den ersten Stock und dann auf den Dachboden zum Arbeitszimmer. Es war leer. Das Arbeitszimmer war immer verschlossen gewesen und nun war es offen und leer. Als Joeny ihren Namen rufen hörte, wurde ihr Schock unterbrochen.
Sie ging aus dem Arbeitszimmer und schloss behutsam die Tür. Sie blieb eine Sekunde ruhig vor der Tür stehen und schloss die Augen. Dann ging sie runter nach Mel. Was ging hier vor sich? Männer mit Waffen, der Lieferwagen und die seltsame Art wie ihr Onkel ums Leben kam.
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