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Gaijin

GeschichteAbenteuer / P6 / Gen
14.01.2006
14.01.2006
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DIE EINSAME ENTSCHEIDUNG
eine Battletechstory
von
Georg Mackowiak

*
2. Teil
Ich lauerte meinem Gegner auf. Ich MUSSTE ihn treffen, nur noch ein
einziges Mal! Aber auch ich selbst war bereits getroffen, ein weiterer
Treffer, den ich erhielt, wuerde auch mich gefaehrden. Mein Gegner stand
mir in direkter Reichweite gegenueber, wir bedrohten uns mit allem, was
wir konnten. Wuerde ich mich bewegen, waere dies gleichbedeutend mit einer
Deckungsschwaeche, in die mein Gegner seinen entscheidenden Schlag setzen
koennte.Ich blieb ruhig und verharrte in meiner scheinbar sicheren Position.
DAS war mein Fehler!
Gerade noch stand mein Gegner mir gegenueber, als er gedankenschnell in
irrwitzigem Tempo links an mir vorbeiflog und mich an meiner Kopfpanzerung
traf. Ich versuchte noch, mich ihm zu zu drehen, aber es war zu spaet.Ich war zum zweiten Mal getroffen und war "tot".
Die drei Kampfrichter erhoben sofort ihre weissen Fahnen, der
Hauptkampfrichter rief erst "MEN ARI" und sogleich "SHOBU ARI", wobei er
erneut die weisse Fahne erhob.
Mein Gegner und ich traten in die Gefechtslinie, die Waffen fast gekreuzt,
nahmen die SONKYO-Position ein, steckten die Waffen zurueck, erhoben uns
und verliessen das Kampffeld.
Ein paar Meter vom Kampffeld entfernt nahmen wir Blickkontakt auf. Meter
voneinander entfernt, knieten wir zueinander in der SEIZA-Position ab,
loesten unseren MEN-Kopfschuetzer, legten sie in der vorgeschriebenen
Weise ab, wie auch unsere TENUGUI-Schweisstuecher und die
KOTE-Unterarmschuetzer. Wir schauten uns in die Augen, bevor wir uns tief
voreinander verbeugten. Es war ein guter Kampf gewesen!
Es war nicht leicht fuer mich, ehemals Captain Thomass von der Leichten
Eridani Reiterei, im Hause KURITA Dienst zu tun. Ich hatte harten
Battlemech-Drill erwartet, als ich mich entschlossen hatte, als Regulaerer
dem Drachen beizutreten. Stattdessen musste ich KENDO erlernen!
Ein Jahr war seit jener Situation auf Maka Hannya vergangen. Seither hatte ich keinen BattleMech von innen gesehen, ich war
ausschliesslich im japanischen Fechten, im KENDO, ausgebildet worden.
Drei Stunden morgens, drei Stunden mittags, drei Stunden abends. Tag fuer
Tag, Woche fuer Woche, Monat fuer Monat.
Unterbrochen wurde diese Routine eigentlich nur durch die recht haeufig
stattfindenden SHIAIs, sportliche Wettkaempfe, bei denen die Kameraden
meines Bataillons untereinander antraten.
Mein Bataillon! Es bestand ausschliesslich aus erprobten Mechkriegern,
zumeist ehemaligen Soeldnern wie ich einer gewesen war, bevor ich mich
entschlossen hatte, dem Kombinat zu dienen. Aber auch einige Regulaere
waren darunter, allesamt Kriegsgefangene, denen "empfohlen" worden war,
die Seite zu wechseln. Sowie einige wenige Mechkrieger des Kombinates, die
strafverweise in das "Gaijin-Bataillon" abkommandiert waren.
Das Ziel der Ausbildung im Gaijin-Bataillon bestand darin, aus exzellenten
Mechkriegern solche Mechkrieger zu bilden, die den hohen Moral- und Ethik-
Anforderungen entsprachen, die einen Kurita-Krieger von einfachen Soldaten
unterschieden.
Wie dem auch sei, ich hatte meine BOUGU, meine Kendo-Ruestung abgelegt und
verfolgte den weiteren Verlauf des SHIAIs, doch mein Interesse erlahmte
bald. Folglich ging ich duschen, zog normale Kleidung an und schaute mir
nur noch das Finale an. Wie ueblich waren die Finalisten Japaner, ich
achtete nicht auf die Namen.
Nach den Kaempfen wollte ich mich in mein Privatquartier zurueckziehen.
Immerhin, unser Bataillon war in einer recht luxurioesen Kaserne
stationiert, es fehlte uns an nichts. Mag sein, dass "normale" Kurita -
Rekruten recht spartanisch leben mussten, wir waren immerhin schon
"fertige" Mechkrieger, "Buso-senshi", wie unsere Ausbilder es nannten, und
dazu noch mit nicht geringem Aufwand "geworben" worden.
Mein Quartier war unweit des Dohyos, der Trainingshalle, gelegen.
Das Quartier unterschied sich nicht von anderen Offiziersunterkuenften
ausserhalb des Kombinates. Es gab keine "Shoji-Tueren", "Tatami-Matten"
oder andere Stilelemente japanisch-folkloristischer Klischeevorstellungen.
Ich hatte ein Einzimmerappartement plus Nasszelle. Die Stube war
ordentlich eingerichtet, ein bequemes Bett, das tagsueber als Couch
diente, eine Kochnische (die ich eher selten benutzte, denn das
Kantinenessen war gut und reichlich), eine Sitzecke sowie ein kleiner
Schreibtisch. Dazu auch noch ein Computerterminal.
Auf dem Weg zu meiner Stube begegnete mir einer der KENDO-Ausbilder. Er
hiess Tetsuhiro Sekiyama und war etwa Mitte vierzig. Ob er einen
militaerischen Rang hatte, war mir nicht klar, es reichte mir, dass er den
siebten DAN Kendo inne hatte. Ich mochte ihn. Offenbar hatte
Sekiyama-Sensei auf mich gewartet, er sprach mich sofort an:"Guten Abend, Thomass-San",freundlich erwiderte ich "Konban wa, Sensei".
Er grinste mich an. "Sie haben ihren Kampf verloren!"Ich zuckte mit den Achseln. "Solche Dinge geschehen, Sensei."
Ich war an meiner Tuer angekommen und hatte den Oeffnungscode eingetippt,
die Tuer zischte zur Seite. "Darf ich Sie zu einem Glas einladen, Sensei?"
Sekiyama nickte und folgte mir in meine Stube.
Offensichtlich wollte er mir etwas Wichtiges mitteilen.
Wir hatten es uns in meiner kleinen Sitzecke bequem gemacht, ich hatte Tee
gekocht; hin und wieder nippten wir an dem guten Sencha-Tee und gossen uns
gegenseitig nach, wenn die Schalen leer geworden waren.
Bald kam er auf den Punkt:
"Warum haben sie vorhin bei Ihrem Kampf aufgehoert zu kaempfen?"
"Wie bitte?" Ich war verbluefft. Ich hatte doch nicht aufgehoert! "Oh doch," insistierte Sekiyama, "Sie haben nur herumgestanden. Sie
glaubten, eine gute Stellung zu haben und nicht getroffen werden zu
koennen. Aber es gibt keine sichere Stellung, jede Position kann
angegriffen werden. Einen KENDO-Kampf koennen Sie niemals durch
Verteidigung gewinnen, nur durch energischen Angriff. Verlassen Sie sich
niemals auf Ihre Deckung, sondern nur auf Ihren Angriff. Niemals wird ein
Mechkrieger einen Gegner durch Panzerung besiegen, es gilt, den Gegner
durch aktiven Waffeneinsatz zu besiegen. Deswegen lernen Sie KENDO! Sie
muessen begreifen, dass Ihr Sieg nur aus dem Angriff heraus erfolgen kann!
Lernen Sie, auch Ihre scheinbare passive Kampfhaltung aktiv einzusetzen,
und sie werden gewinnen." Er goss sich noch einen Tee ein.
Ich staunte! Solch eine lange Unterweisung hatte ich noch nie erhalten.
Zwar war mir keinesfalls klar, was Sekiyama mit seinen Worten meinte, aber
ich sollte diese wenigen Saetze niemals vergessen.

*

Ich glaube nicht an Zufaelle! Am Tag nach Sekiyamas Unterweisung erhielt
ich meinen ersten Einsatzbefehl im Hause Kurita. Jenes Shiai war offenbar
eine Art Abschlusspruefung gewesen, und ich durfte davon ausgehen, dass
mein fruehes Ausscheiden nicht gerade fuer mich sprach.
Tatsaechlich erfuhr ich bald, dass die vier besten dieses KENDO-Turnieres
in Kurita-Elite-Einheiten versetzt wurden.
Ich nicht.
Damit musste ich erst einmal fertig werden.
Ich war gewohnt, als Mechkrieger Fuehrungspositionen inne zu haben; nicht
ohne Grund war ich Hauptmann!
Im Gaijin-Bataillon war ich hingegen ein Nobody, beim Kendo verlor ich
staendig.
Mein Kommando war entsprechend.
Man gab mir den Rang eines Chu-i, eines Leutnants, und ich hatte das
ungewisse Gefuehl, froh sein zu duerfen, ueberhaupt einen Offiziersrang
erhalten zu haben!
Natuerlich hatte ich mir das ganz anders vorgestellt. Nach meiner
freiwillen Meldung zum Dienst bei den Kuritisten hatte ich erwartet,
eingewiesen zu werden, einen Mech zu erhalten und einer kaempfenden Truppe
zugewiesen zu werden. Stattdessen durfte ich monatelang ein voellig
antiquiertes Fechtsystem mit Bambusstoecken ueben, das ich nicht verstand:
was war das fuer ein Kampf, bei dem Treffer nicht gewertet wurden, weil
angeblich "die geistige Haltung nicht rein" war, bei dem hingegen Treffer,
die klar daneben gingen, Punkte einbrachten, weil "die Koerperhaltung
aufrecht" war. Allerdings muss ich zugeben, dass unsere Kendo-Ausbilder
tatsaechlich beim Kampf ein gewisses Etwas hatten; ausserdem gab es ueber
ihre Treffer nie Diskussionen, besonders wenn ich sie als Partner hatte,
konnte ich anschliessend beim Duschen jeden einzelnen Treffer sehen. Ich
verstand es trotzdem nicht.
Wie auch immer, diese Zeit war vorbei. (Das war ein Irtum, was ich aber
erst sehr viel spaeter erfahren sollte. Damals war ich froh, diesem
scheinbar unsinnigen Kendo-Drill entronnen zu sein).
Die Befehlserteilung war uebrigens eine Sache von Minuten. Wir standen
alle wie ueblich frueh auf um zum Fruehtraining zu erscheinen. Im Dohyo
warteten unsere Ausbilder bereits, feierlich angetan im traditionellen
Kamishimo. Auf ein Kommando hin stellten wir uns in Reih und Glied, es gab
eine kurze Ansprache, die ich nur zum Teil verstand (mein Japanisch ist
auch heute noch nicht gut, damals reichte es gerade einmal fuer das
taegliche Allerlei), dann mussten wir einzeln vortreten und erhielten
schriftlich unsere Marschbefehle. Diejenigen, die noch nicht lesen
konnten, so wie ich, erhielten ihre Befehle zweisprachig, in japanisch und
in der Heimatsprache.
Wir wurden entlassen, eilten auf unsere Stuben, lasen unsere Marschbefehle
und packten unsere paar Habseligkeiten zusammen. Ich hatte nicht viel, nur
eine Eridani-Uniform, die ich bestimmt nicht mehr tragen wuerde, die ich
aber aus Nostalgie nicht wegwerfen wollte, sowie etwas Waesche, ein paar
Kleidungsstuecke und einige Buecher, die ich von meinem Sold gekauft
hatte, seitdem ich beim Drachen war. Beim Packen fiel mir ein Karton auf,
den ich in meiner Stube nie zuvor gesehen hatte. Neugierig riss ich die
huebsche Papierverpackung auf, oeffnete den Deckel - und mein Herz machte
einen Sprung! Im Karton lagen, glaenzend und geoelt, meine schwere
Henderley-Automatik sowie die kleine 22er Taruff.

-Fortsetzung folgt
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