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Silandunes Tale

von Sila
GeschichteDrama / P12
12.01.2006
25.03.2006
32
49.169
 
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II
EINE NEUE BEKANNTSCHAFT

     Es waren nun einige Jahre vergangen und aus dem kleinen Mädchen war schon fast eine Frau geworden. Silandunes siebzehnter Zeugungstag stand bevor. Natürlich war siebzehn' kein Alter für eine Elbe und bis zur Mündigkeit würden noch viele Sommer vergehen müssen, doch fühlte sie sich nun schon viel wohler in ihrer Haut. Ihr Körper war nun der einer Erwachsenen. Zwar war sie ausgesprochen klein und zierlich, viel kleiner, als andere ihres Geschlecht, doch war sie dennoch flink und geschickt. Sie lachte gern und viel. Immer noch riefen die Leute sie Schmieds Tochter', doch hatte sie nun gelernt, sich nicht mehr so offensichtlich darüber aufzuregen. Sie überhörte derartige Bemerkungen einfach. Ihr Vater, aber vor allem ihre Mutter waren sehr erfreut über diesen Wandel und auch darüber, dass sie einige Freundinnen gefunden hatte, mit denen sie die Zeiterbrachte, aber dennoch bereitete sie ihnen Sorgen. Oft war die Elbe nun mehrere Tage unterwegs.  Sie streifte durch das ganze Land und fühlte sich bei ihrer Sippe immer weniger zuhause.
     Ihr Vater war der Meinung, dass sich das nicht aufhalten ließ und so schmiedete er ihr ein Schwert, Helcatúre, und unterwies sie im Umgang mit dieser Waffe. Besonders ambitioniert erlernte sie auch die Kunst des Reitens. In den Ställen Alqualondes, wo sie nun viel Zeit verbrachte, gab es herrliche Pferde.

     Sie saß gerade in ihrem Zimmer und spielte auf einer kleinen Flöte. Da trat ihre Mutter ein. "Ich gehe nun nach Valdamar. Es wird ein Fest gefeiert, zu Ehren der zwei Bäume Telperion und Laurelin. Ich möchte, dass du mich begleitest." Silandune blickte ihre Mutter unentschlossen an. "Wenn du es so wünschst, Mutter ..." Sie wendete sich wieder ihrer Flöte zu und ignorierte die Anwesenheit Ariens. Diese seufzte und verließ den Raum wieder.
     Sie ging in das Wohnzimmer und fragte traurig ihren Mann: "Was sollen wir mit ihr nur anfangen? Nichts gibt es, was sie zufrieden stellt. Sie hat kein Vertrauen zu uns und würde, so scheint es mir, am liebsten sofort alleine aufbrechen und dieses Land verlassen. Was sollen wir nur tun?" Er nahm sie in seine Arme. "Es obliegt nicht uns, ihren Weg zu finden. Das kann nur sie allein."

     Am frühen Morgen des nächsten Tages machte sich eine große Schar Elben aus der Stadt auf nach Valdamar. Nur Frauen traten die Reise an, die Männer verblieben in der Heimat. Alle hatten weiße Gewänder angelegt und schritten bedächtig durch das Land. Silandune trug über ihrem Gewand einen nachtblauen, schweren Reiseumhang mit feiner Stickerei. Sie fühlte sich ausgesprochen wohl in diesen edlen Kleidern. Zu ihrer Rechten lief ihre Mutter, links führte sie einen Schimmel, der einiges Gepäck, das die Elben auf ihren Marsch mitgenommen hatten, trug.
     Vier Tage waren sie unterwegs, doch dann kamen sie schließlich an dem Hügel Ezellohar an. Einige Elben waren schon da und tanzen vergnügt nach der Musik, die weit über das Land erklang. Als erstes bemerkte Silandune eine Elbe, die gerade zusammen mit einer anderen, die sie gut kannte, nahe der beiden Bäumen kniete und irgendwelche Worte sprach. Bald kamen die beiden Frauen auf sie zu. Die eine war Earwen, ihre Großtante. Schon oft war sie zu besuch in Alqualonde gewesen, denn dies war ihre Geburtsstadt. Nun lebte sie in Tirion, bei ihrem Mann und den vier Söhnen. Außerdem hatte sie noch eine Tochter die sie Nerwen' nannte, doch alle anderen riefen sie Galadriel'. Und dies war auch die junge Elbe an ihrer Seite.
Groß war sie und schön. Ja, gerade zu atemberaubend schön! Silandune war von dem Licht, welches ihr schimmerndes Haar reflektierte fast geblendet. Es schien wie ein Heiligenschein. Während sich ihre Mütter unterhielten, wendeten sich Galadriel und Silandune von der Festgemeinschaft ab. Neugierig beäugte Silandune ihre Verwandte. Älter war sie und größer. So etwas gab es in ihrer Heimat nicht. Zwar waren sie alle Calaquendi, doch schien es ihr, dass die Noldor aus Tirion wohl herrschaftlicher und erhabener, als die verwandten Teleri aus dem Osten sein. Noch lange unterhielten sie sich, weit umherwandernd. Beide Elben schienen sich nach einer derartigen Gesellschaft gesehnt zu haben und wurden sehr gute Gefährtinnen.

Die Festlichkeiten sollten vier Tage lang anhalten und dieser vierte Tag war nun fast vorüber. Alle saßen gerade auf dem Hügel und nahmen ein köstliches Mahl zu sich, als auf einmal ein großes Dunkel sich ausbreitete. Silandune erschrak und auch andere Elben brachen in Panik aus. Bald konnte man ein riesiges Untier erkennen, Ungoliath war der Name dieses Geschöpfes und  Melkor war bei ihm. Er verwundete die Bäume tief und die hässliche Kreatur trank ihren Saft. Telperion und Laurelin verdorrten und verloren ihr Licht. Das Untier aber wuchs und wurde immer größer. Dann verschwanden die beiden Gestalten so schnell, wie se gekommen waren.
Fassungslos hatte Silandune alles mit angesehen. Es ging so schnell und plötzlich. Sie wusste nicht, wer oder was da gerade den Hügel besudelt hatte und konnte sich auch nicht die schlimmen Folgen ausmahlen, die dies haben würde, doch ihr fiel ein Schatten auf ihr Herz. Eine unerträgliche Stille umfing das ganze Land. Die junge Elbe blickte ihrer Gefährtin ins Gesicht. Auch Galadriel war wie versteinert. "Oh weh, oh weh," klagte sie leise, "Nun wird das Übel über uns herein brechen." Silandune warf einen fragenden Blick auf sie. Sie verstand nicht recht, was nun sein würde. Dazu war sie noch zu unerfahren.
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