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Splitter eines zerbrochenen Spiegels

GeschichteDrama / P16 / MaleSlash
Ashmael Vaysh
08.01.2006
01.02.2007
4
3.672
 
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08.01.2006 1.028
 
Und hier ist nun - dank Limaras Bemühungen als Beta *Limara mal drück und ganz doll dank* - das letzte Kapitel dieser kleinen Episode in Vayshs und Ashmaels Leben...
Ich danke dann hier auch schonmal allen, die so nett waren und Reviews geschrieben haben - das erfreut das Herz eines Schreiberlings immer!^^


Das  weiche Bett gab unter Vayshs Gewicht kaum nach, als er sich darauf nieder ließ. Ashmael betrachtete, noch immer ergriffen von dem mystischen Moment, die Gestalt seines ehemaligen Chesnaris.
Nie hatte er gewagt, dessen Züge länger als für wenige Sekunden, in denen er wusste, dass Vaysh es nicht bemerkte, zu betrachten.
Jetzt wanderte sein Blick über jedes Detail der markanten Züge, des nahezu perfekten Gesichtes. Das flammenrote Haar hatte sich wie ein feuriger Heiligenschein um ihn gelegt.
Ashmael hielt inne…rotes Haar. Rotes Haar, die gleiche Farbe wie die seines Schöpfers.
Vaysh, der die Augen geschlossen hatte, öffnete sie nun und erwiderte Ashmaels Blick mit einem merkwürdigen, verstehenden Blick.
„Du kannst noch immer zurück, Ash.“, flüsterte er leise. Er wusste, was seinen ehemaligen Chesnari davon abhielt sich zu ihm zu legen.
„…ich sagte dir doch, dass du nicht mehr das finden wirst, was ich früher war…“, der trübe Blick des Rothaarigen fing die blauen Augen des anderen Hars, wie ein Netz aus zerbrechlichen, wabernden Fäden, welche zwar wahrnehmbar präsent waren, jedoch bei der geringsten Bewegung zerreißen würden.

Der blonde Hauptmann zögerte, schüttelte aber leicht den Kopf, was reichte um die Fäden um seinen Geist verschwinden zu lassen.
„Im Innersten bist du noch immer der Har, den ich liebe.“, antwortete er leise und beugte sich über die liegende Schönheit, die Ashmael Aldebaran so lange sein Eigen genannt hatte. Mit dem er Pläne geschmiedet hatte – damals als sie junge Hara gewesen waren und „Aghama“ nicht mehr als ein unbekanntes, bedeutungsloses Wort gewesen war, das man nach wenigen Minuten bereits wieder vergessen hatte.

Langsam begann sich Ashmael seinen Weg von Vayshs Brust, über dessen Hals bis zu seinen Lippen zu küssen. Sein Atem strich wie eine leichte Brise über die weiße Haut und verursachte dort eine Gänsehaut, ließ Vaysh erschaudern, wenngleich er noch immer bewegungslos zu der Decke sah. Ashmael, der seine Augen geschlossen hielt bemerkte es nicht. Zu sehr war er von dem Wunsch beseelt, sich seinen ehemaligen Chesnari so vorzustellen, wie er einst gewesen war. Eine Hand glitt zärtlich durch das weiche Haar – in seinen Gedanken dunkel und unauffällig. Ein Lächeln stahl sich auf die Züge des harischen Hauptmanns.
„…du weißt, dass dein inneres Auge sich nicht vor den anderen Veränderungen verschließen kann, Ashmael.“, flüsterte Vaysh leise und schlug die Augen auf. „…öffne deine Augen, bitte…“, hauchte er dem blonden Har zu.
Und obwohl es ihm widerstrebte tat Ashmael wie ihm geheißen. Doch als wolle er beweisen, dass Vaysh mit seinen Bedenke irrte, suchten seine Lippen die des Rothaarigen.
Ashmaels Atem drang wie ein frischer, vom Frühling beseelter Wind in Vaysh, der nun etwas tat, was er nie zuvor getan hatte: Er ließ die Fassade seines Geistes fallen, erlaubte seinem ehemaligen Chesnari den Blick auf das, was hinter dem gefassten Gesichtsausdruck und dem sicheren Auftreten Vayshs lag.
Jeder andere Har wäre zurück gewichen, hätte sogleich den bedrohlichen Sog der Schwärze und des Gefühls der Verzweiflung verlassen, doch Ashmael tat es nicht.
Er schloss die Augen und hielt seinen Atem so gut er konnte zurück.
Schwärze umfing seinen Geist. Ihm war, als wandere er allein in der Dunkelheit. Selbst die tiefste Nacht nannte das schwache Licht der Sterne ihr Eigen, doch an diesem Ort gab es kein Licht.
Vorsichtig suchte er nach einem Anzeichen von Vayshs Präsenz, einer Stimme, die ihn durch diesen Ort leitete, doch nichts geschah, als würde die Dunkelheit jedes Geräusch und Gefühl verschlucken, das auf seinen Chesnari hindeuten konnte.

Plötzlich schimmerte etwas nicht weit von ihm und sogleich versuchte der Blonde sich ihm zu nähern: Vor ihm lag ein Meer von glitzernden Scherben.
Und obwohl sie hier, in dieser undurchdringlichen Dunkelheit kein Licht reflektieren konnten, schimmerten sie, als wenn ein silbernes Licht wie das des Mondes sie bescheinen würde.
Stumm betrachtete er die Bruchstücke und ging vor ihnen in die Knie, sein Atem stockte als er sie genauer besah: Jede noch so kleine Scherbe war wie der Fetzen einer Erinnerung Vayshs.
Ashmael erkannte in einer Scherbe einen Moment ihrer Zeit kurz nach ihrer Initiation, eine weitere barg die Erinnerung an den Tag, an dem sie sich das erste Mal gesehen hatten. In einer anderen erkannte der Blonde die Zeit, in der sie von den Menschen geflohen waren. Ein recht kleines Bruchstück gab nur den, wie aus einem Bild herausgerissenen, Blick auf zwei miteinander verschlungene Hände preis.
Blind tastete Ashmael nach einer auffällig großen Scherbe, die zu weit von ihm entfernt lag, als dass er sie hätte erkennen können.
Endlich bekam er sie zu fassen und hob sie hoch, doch seine Bewegung schien zu schnell gewesen zu sein, denn er spürte wie das scharfe Glas sich in seine Haut grub. Mit einem scharfen Atemzug ließ er es fallen.
Erst jetzt erkannte er das selbstsichere Lächeln Thiedes, welches ihm von der Scherbe aus entgegen sah.
Weinrot schimmerndes Blut tropfte von Ashmaels Finger, als dieser entsetzt zu Thiedes Portrait sah, und fiel auf eine der kleineren Scherben, tauchte Vayshs damals noch braune Haare, in ein tiefes feuerrot…

In diesem Moment trennte Vaysh ihren Kuss, ließ den blonden Hauptmann wieder in die Realität zurückkehren. Für einige Sekunden herrschte Stille, nur Ashmaels schwer gehender Atem war zu vernehmen. Er hatte die Augen niedergeschlagen, denn er wollte verhindern, dass Vaysh seinen entsetzten Gesichtsausdruck sah.
„Ash…bitte, sie mich an…“, drang es an sein Ohr.
Ashmael Aldebaran zögerte, denn er wusste, dass dies der letzte Schritt zu der furchtbaren Erkenntnis war, die er nie hatte wahr haben wollen. Das Ende all seiner Hoffnungen. Die Besiegelung ihrer Grabinschrift.  
Doch selbst wenn Ashmael das Unvermeidbare für einige Sekunde hatte herauszögern können, so wusste er doch, dass er es nicht verhindern konnte.

Ihre Blicke trafen sich und sie erkannten die Wahrheit…

                                                                Ende
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