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Das Mordkomplott

von Heike
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Aramis Athos Graf Rochefort Porthos
26.11.2005
21.07.2006
7
29.454
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1 Review
 
 
26.11.2005 4.752
 
Hallo ihr, wie ihr seht, habe ich meine Geschichte jetzt auch mal hier hochgeladen. Also, es geht um den bekannten Film "Die drei Musketiere" von Disney, 1993 und die Vorgeschichte Rocheforts zu diesem Film. Beim Alter habe ich mich größtenteils an dem der Schauspieler orientiert und  die Historie habe ich mir so hingebogen, dass es passt. Ich hoffe, es ist nicht all zu unlogisch. Den Film sollte man allerdings kennen, weil meine Geschichte mit dem Buch nicht mehr viel gemein hat. So, jetzt kommen meine Grüße an einige Leute hier:

An die liebe Maren: Ich grüße dich und danke dir für deine unendliche Geduld, deine Hilfen, deine Kritiken und dafür, dass du immer sagst, dass ich ein bisschen selbstbewusster sein soll. Ferner danke ich dir für all deine tollen Geschichten, die einfach nur genial sind.
An unsere Kathi: Höhö... tja, ich hoffe, du liest das hier bald... Ich grüße dich und erinnere dich an DIRK! Ich möchte ein Review von dir!
An Jule: Es ist toll, dass du wieder hier in good old Germany bist, wir haben uns ja ein ganzes Jahr lang in der Schule nur gelangweilt. Endlich mal wieder jemand, mit dem man über Filme und sonstigen Kram reden kann!
Last but not least: Ich grüße UNS, die wir alle toll sind und die beste Seite im Netz haben, auch, wenn ich bezweifle, dass das alle lesen werden. WIR SIND DIE BESTEN!!!

Über Reviews würde ich mich freuen! Viel Spaß beim Lesen!



Paris im Jahre 1623
Der Hauptmann der Königlichen Musketiere Seiner Majestät Henri IV. saß in seinem Arbeitszimmer im Hauptquartier der Musketiere und hatte äußerst schlechte Laune. Man hätte meinen können, diese Gemütsstimmung rührte von der Unaufgeräumtheit des Schreibtisches her, an welchem der Hauptmann, Monsieur de Tréville, saß, doch an solchen Lappalien störte sich ein Gascogner vom Schlage Trévilles nicht. Er hielt einen Bericht in der Hand, einen Bericht vom Wachdienst einem seiner Musketiere und dieser Bericht zeichnete sich vor allem durch Formlosigkeit, Schmiererei und Tintenklekse aus.
Mit einem ordentlichen Fluch, den Monsieur de Tréville höchstwahrscheinlich aus seiner Heimat mitgebracht hatte, knüllte er den Bericht zusammen und warf ihn auf den Schreibtisch, solcherart die Unordnung desselben noch vermehrend. Er überlegte einen Moment, dann rief er in Richtung seines Vorzimmers nach seinem Sekretär. "François!"
Der schon seit vielen Jahren in den Diensten des Hauptmannes stehende Mann öffnete nach nur einem winzigen Augenblick die Tür.
"Monsieur de Tréville?" Dabei deutete er eine Verneigung an, wie stets, wenn er das Arbeitszimmer betrat.
"Holt mir Monsieur de Rochefort her, aber schnell!", befahl Tréville in üblicher Hauptmannsmanier. François nickte und verschwand sofort.
Der Hauptmann wandte sich wieder diesem unordentlichen Bericht zu, nahm ihn vom Tisch, faltete ihn auseinander und las ihn langsam, Wort für Wort, durch.
Er war noch nicht bis zur Hälfte fertig, als es an seine Tür klopfte und nach einem kurzen "Herein!" François die Tür öffnete und Tréville den Grafen de Rochefort meldete. Mit einer kurzen Geste bedeutete Tréville, dass der Herbeigeholte eintreten sollte und François machte dem hinter ihm Stehenden ein Zeichen. Daraufhin trat Rochefort ein. Er war ein dunkel gekleideter Mann, hatte dunkle, braune Haare, die ihm knapp über die Schultern reichten, und einen Lippen- und Kinnbart der gleichen Farbe.
Da sich Monsieur de Tréville wieder seinem Bericht zugewandt hatte, grüßte Rochefort stumm und wartete, dass Tréville ihn ansprach. Er rückte nur an seinem Gürtel, woran die Scheide seines Rapiers, dessen kostbarer Griff gut zu sehen war, hing. Rochefort war zweiunddreißig Jahre alt und seit sieben Jahren Musketier des Königs.
Tréville hatte nun seine Lektüre beendet und sah zu dem Musketier, der seine schwarzen Handschuhe zurechtzupfte.
"Hier, Rochefort, seht Euch das an", sagte Tréville in fast zornigem Tonfalle, während er Rochefort den Bericht reichte, der ihm soviel Ärger bereitete.
Rochefort nahm das Papier an sich und glättete es. Er warf einen kurzen Blick auf die Unterschrift.
"Dies ist der erste Bericht, den Monsieur Porthos geschrieben hat", sagte Tréville im gleichen Tonfall wie eben, während er sich erhob und um den Schreibtisch zu Rochefort ging. "Er besaß auch noch die Frechheit, das abzuliefern."
Rocheforts Blick wanderte über die Tintenflecke. "Sein erster Bericht?", fragte er mit überraschend tiefer und rauchiger Stimme, wobei ein schmales Lächeln auf seinem ansonsten sehr ernsten Gesicht zu sehen war.
"Vermutlich hat er ihn niemandem zum Durchsehen gegeben", bemerkte er dann nüchtern.
"Nein, offenbar nicht. Wahrscheinlich nicht mal einem seiner zwei Freunde, Athos oder Aramis."
"Aber Monsieur Athos und Monsieur Aramis sind doch auch erst seit kurzem in der Kompanie", wandte Rochefort ein.
"Gleichviel", sagte Tréville ungeduldig. "Ich glaube nicht, dass sie es gewagt hätten, solch einen Bericht abzuliefern."
"Nein, sicher nicht. Vielleicht sollte man ihnen noch einmal erklären, wie ein tadelloser Bericht auszusehen hat."
"Ja, wahrscheinlich. Und Ihr, Rochefort, werdet diese Aufgabe übernehmen."
Der Musketier sah überrascht aus. "Wie komme ich zu dieser Ehre?", fragte er mit einem leisen Hauch von Sarkasmus in der Stimme.
"Ihr meint, weil das gewöhnlich d´Artagnan macht?", fragte Tréville, ohne auf Rocheforts Tonfall einzugehen. "Nun, Ihr wisst doch, dass d´Artagnan zum persönlichen Leibwächter Seiner Majestät ernannt wurde."
Rochefort nickte kurz und blickte wieder auf Porthos´ Bericht.
"Nun, und da heute eine Jagd veranstaltet wird, ist d´Artagnan jetzt beim König." Trévilles Mundwinkel zuckten, als er sah, wie angelegentlich Rochefort den Bericht betrachtete. "Nagt es an Euch, dass Ihr nicht derjenige seid, welcher zum Leibwächter ernannt wurde?"
Rochefort zuckte scheinbar gleichgültig mit den Schultern. "D´Artagnan hat eben einfach mehr Glück gehabt", antwortete er ruhig.
"Ihr wisst doch, Rochefort, meinen zweitbesten Musketier brauche ich in der Kompanie..."
Ein Lob Trévilles war etwas sehr seltenes und so zeigte sich auf Rocheforts Gesicht ein kurzes, dankbares Lächeln.
Tréville nickte.
"Also, Rochefort, Ihr geht jetzt zu Porthos und erklärt ihm, dass er solche Berichte nicht abgeben kann. Ach ja, und noch etwas... Ihr könnt ihm und seinen Freunden Athos und Aramis noch mitteilen, dass ihre Probezeit verkürzt wird."
Das Lächeln auf Rocheforts Gesicht verschwand. "Ihre Probezeit wird verkürzt?", fragte er nicht sehr erfreut.
"Ja... Ihr werdet verstehen, dass Seine Majestät tapfere Männer braucht, nicht wahr?" Tréville winkte mit der Hand, dass Rochefort nun gehen könne.
Doch dieser blieb stehen. "Monsieur le Capitaine... Früher hat die Probezeit fünf Monate gedauert..."
"Ja, aber nicht immer, Rochefort. Seitdem es die Garde des Kardinals gibt, gibt es ja zweimal in der Woche Duelle und irgendjemand lässt auf jeden Fall  dabei sein Leben."
Kardinal Richelieu war der Erste Minister Seiner Majestät Henri IV. Er war ein intelligenter, gerissener Politiker und seine wachsende Macht spiegelte sich auch in einer eigenen Garde wieder, die eigentlich nur dem König zukam.
"Wir brauchen also immer tapfere Männer", wiederholte Tréville. " Dass ausgerechnet in der Zeit, als Ihr Musketier werden wolltet, die Probezeit so lange gedauert hat, ist bedauerlich, aber nicht zu ändern. Und immerhin... Ihr seid doch Musketier, oder etwa nicht? Ihr könnt gehen- Ach nein, noch eine Sache. Wenn Ihr d´Artagnan trefft, sagt ihm, er müsse morgen früh erst um acht Uhr zum Dienst kommen, so er von Seiner Majestät nicht anderweitig gebraucht wird."
Nach dieser Rede winkte Tréville kurz und wandte sich wieder seinem überfüllten Schreibtisch zu. Rochefort grüßte kurz und ging.

Das Tor zum Hauptquartier der Musketiere wurde gewöhnlich von ein, zwei, höchstens aber drei Musketieren bewacht. Heute standen fünf oder sechs Soldaten dort, alle dichtgedrängt um den Wortführer, Monsieur Porthos, eben jenen Mann, der diesen Bericht abgegeben hatte, über welchen sich Monsieur de Tréville so hatte ärgern müssen. Porthos jedoch ahnte nichts von diesem Ärger und war auch im Moment zu abgelenkt, um darüber nachdenken zu können, da er seine Zuhörer offensichtlich sehr amüsant unterhielt, denn sie lauschten interessiert seinen Worten. Porthos war ein sehr großer Mann, etwa fünfundzwanzig Jahre alt, dunkelhaarig und hatte ein offenes, rundes Gesicht. Er hatte eine für einen so großen Mann nicht sehr tiefe Stimme und wirkte gutmütig, wenn auch großsprecherisch. Unter seinem Hut trug er eine bunte Schärpe, die er offensichtlich nie abnahm und die ihm ein recht verwegenes Aussehen gab, ebenso eine lange Narbe auf der Stirn. Er wirkte seltsamerweise dicker als er war, denn unter seinem Waffenrock bewahrte der die abenteuerlichsten Waffen auf, zum Beispiel eine Bola oder eine Pistole, die man gleichzeitig auch wie einen Dolch einsetzen konnte.
"Schon als wir dort ankamen", sagte Porthos gerade, "waren die Mägde und alle anderen weiblichen Bediensteten recht angetan von uns allen, so dass es kein Problem werden konnte, unser Vorhaben in die Tat umzusetzen-"
"Unser Vorhaben", unterbrach ihn ein mittelgroßer Mann, einer seiner Freunde, Aramis geheißen, von dem man sagte, er hatte eigentlich Priester werden wollen und war nur durch unglückliche Umstände zu den Musketieren gekommen, "es war doch allein deine Idee, mein Lieber, du kannst dir vorstellen, dass weder Athos noch ich große Lust auf derlei Unternehmungen hatten."
"Gleichviel", meinte Porthos unbekümmert und wandte sich an die anderen, "Ihr hättet Aramis sehen sollen, Messieurs, wie er die Mädchen um die Finger wickelte!"
"Wie, Porthos", fragte ein anderer lachend, "hat Eure Methode etwa keinen Erfolg gehabt?"
"Nein, so wahr ich hier stehe! Athos hat sich natürlich nicht beteiligt, er verzog sich in eine Ecke..." Athos, ein blonder Musketier, der neben Aramis stand, zuckte nur mit den Schultern und warf mit ruhiger Stimme ein: "Wenn ich an solcher Art von Zeitvertreib meine Freude hätte, wäre ich gewiss mit von der Partie gewesen."
"Wie auch immer", meinte Porthos, dem die Lebenslust zu deutlich aus den Augen sprach, als dass er hätte Verständnis für den ruhigen Athos aufbringen können, "Unser verhinderter Priester Aramis nimmt die Festungen nicht wie ich im Sturm..." -Alle Anwesenden sahen sich vielsagend an, man wusste, wie Porthos mit schnelleren Eroberungen umging-
"Sondern, höret und staunet, meine Herren-", wieder machte der junge Mann eine kleine Kunstpause, "...er sagte seiner Auserwählten ein Gedicht auf!"
"Nein!", riefen die Versammelten außer natürlich Athos und Aramis mit einer Stimme und bass erstaunt.
"Doch", bekräftigte Porthos, "und was meint Ihr, wie hat die Schöne reagiert?"
"Mit einem Lachen?", fragte ein älterer Musketier halb lächelnd, halb zweifelnd.
"Nein, das ist ja das Skandalöse", rief Porthos verzweifelt aus. "Sie bot ihm ihre Lippen dar!"
Man kam nicht dazu, seiner Verwunderung und seiner Schadenfreude Porthos gegenüber, der sich brüstete, ein großer Frauenheld zu sein, dem alle Frauen zu Füßen lagen, Ausdruck zu verleihen, denn in eben diesem Moment kam Rochefort, den ja Tréville geschickt hatte, zu der kleinen Gruppe am Tor und hieß  die Männer mit einer Handbewegung schweigen.
"Monsieur, es liegt bestimmt nicht in Eurem Aufgabenbereich als Musketier, die ganze Truppe mit Euren Geschichten zu unterhalten", sagte er kühl an Porthos gewandt.
"Verzeiht", sagte Porthos mit einem Gesichtsausdruck, der zeigte, dass er Rocheforts strenge Worte zwar hörte, sie sich aber nicht zu Herzen nahm.
Zu den anderen drei Herren sagte Rochefort: "Ihr, Messieurs, solltet besser wieder an Eure Arbeit gehen. Und wenn Ihr Dienstschluss habt, geht nach Hause und haltet die anderen nicht vom Arbeiten ab."
Die Musketiere sahen sich an und verabschiedeten sich dann. Es war allgemein bekannt, dass Rochefort ein guter Musktier war, wenn auch nicht so beliebt wie d´Artagnan, und man nahm an, dass seine Weisungen vom Hauptmann kamen. Zurück blieben nur Aramis, Athos und Porthos.
"Nun zu Euch, Messieurs. Ihr, Porthos, habt heute einen Bericht schreiben müssen?"
"Allerdings", bestätigte Porthos.
"Wisst Ihr, wie man Berichte schreibt?"
"Ich verstehe Euch nicht", sagte Porthos erstaunt und hielt seine Schärpe fest, die ihm wegen des Windes ins Gesicht flatterte. "Natürlich weiß ich, wie man Berichte schreibt."
"Offensichtlich nicht", erwiderte Rochefort kalt. "Der Bericht fiel sehr formlos aus und missfiel Monsieur de Tréville gründlich. Er wünscht, dass der nächste Bericht korrekt abgegeben wird, das heißt, er muss ordentlich geschreiben werden, eine klare Struktur enthalten und feherlos sein. Habt Ihr das verstanden?"
Porthos war ob des Tones leicht gereizt. "Ja, ich habe es verstanden, Monsieur le comte", sagte er etwas spöttisch, zu dem Edelmann hinuntersehend, den er fast um Kopfeslänge überragte.
Rocheforts rechte Augenbraue wölbte sich in die Höhe. "Das ist immerhin erfreulich. Und bevor Ihr Eure Berichte abgebt, Monsieur, lasst sie besser noch einmal kontrollieren."
Porthos nickte ergeben, sah aber nicht sehr einsichtig aus.
"Gut. Noch eine Sache, die Euch alle betrifft", fuhr Rochefort fort, ohne seinen Ton zu mildern. "Eure Probezeit wird verkürzt."
Die drei Musketiere sahen sich erfreut an. "Und warum?", fragte Aramis, ohne sich darum zu scheren, dass es so, wie Rochefort es sagte, fast wie eine Strafe klang.
Rochefort zuckte mit den Schultern. "Wegen der allgemeinen Situation. Ihr wisst gewiss, dass der junge Dauphin bald heiraten wird und in solch einer Zeit kann es immer wieder passieren, dass irgendetwas geschieht. Ihr versteht..."
Sie nickten.
"Also, wenn Ihr Euch weiterhin als treue Musketiere beweist und lernt, korrekte Berichte zu schreiben-" Porthos zog die Mundwinkel spöttisch in die Breite, was Rochefort jedoch nicht bemerkte- "dann dauert es nicht mehr lange und Ihr seid richtig in den Kreis der Kompanie aufgenommen. Einen schönen Tag noch."
Mit diesen Worten verließ Rochefort die kleine Gruppe.

Am Abend des gleichen Tages kam d´Artagnan nach beendetem Dienst bei Henri IV. vom Louvre zum Hauptquartier, um seinem Hauptmann Bericht zu erstatten. Allerdings kam er nicht weit. Am Tor, wo heute Vormittag noch Porthos die anderen Musketiere mit seiner Geschichte unterhalten hatte, trat Rochefort ihm in den Weg.
D´Artagnans Gesichtsausdruck verlor seine Freundlichkeit, denn Rochefort sah ihm nicht sehr liebenswürdig entgegen.
"Monsieur le comte", grüßte d´Artagnan höflich.
Rochefort verneigte sich leicht. "Monsieur... Mir scheint, Ihr habt den Dienst bei Seiner Majestät überstanden?"
"Wie Ihr seht", antwortete d´Artagnan kühl.
"Mit Auszeichnung natürlich?", fragte Rochefort mit unverhohlenem Spott.
"Wenn Ihr zur Sache kämt?" D´Artagnan musterte sein Gegenüber gelassen. Niemand in der Kompanie wusste, wie sehr die beiden besten Musketiere sich hassten, nicht einmal Tréville ahnte es. Und doch war es so schon seit dem ersten Tage, an dem Rochefort Musketier hatte werden wollen. D´Artagnan hatte ihn einführen müssen und Rochefort hatte schnell erfahren, dass d´Artagnan zu den besten Musketieren zählte. Rochefort hatte jedoch auch, wie jeder Musketier, der seinen Dienst begann, den Wunsch, schnell aufzusteigen und es schien ihm, als sei dieser Musketier ihm da nur im Wege. Die heftige Abneigung zwischen ihnen setzte sich aus allen möglichen Dingen zusammen und sie konnten beide nicht genau sagen, wo sie ihren Anfang genommen hatte.
"Tréville ist gerade im Louvre bei einem Fest. Er lässt Euch ausrichten, dass Ihr morgen erst um acht Uhr zum Dienst kommen müsst", erklärte Rochefort kurz, um dann mit einem provokanten Lächeln fortzufahren: "Da Ihr sicherlich erschöpft vom Dienste bei Seiner Majestät seid..."
D´Artagnan nickte kurz, ohne auf den Spott einzugehen. "Sonst noch etwas?"
"Ja, eine Frage noch..." Rochefort stand sehr provozierend vor d´Artagnan, hatte die Hand am Rapiergriff und ein Bein leicht vorgestellt, als stände er in Fechtstellung. "Wieviel Bestechungsgeld habt Ihr geben müssen, um zur Leibwache zu gehören? Durch Können habt Ihr es bestimmt nicht erreicht."
D´Artagnan fuhr zurück, als hätte man ihm ins Gesicht geschlagen.
"Ihr seid wahnsinnig", herrschte er Rochefort an. "Diese Beleidigung müsste ich Monsieur de Tréville melden."
Rochefort lächelte spöttisch. "Fällt Euch keine andere Möglichkeit ein, meine Worte zu bestrafen?"
D´Artagnan trat dicht vor Rochefort hin und legte ebenfalls unübersehbar die Hand an seinen eigenen Degengriff, ein Degen, der übrigens einen sehr schön vergoldeten Griff hatte. "Ihr wollt es also wirklich, ja?", fragte er gefährlich ruhig. Doch seine Ruhe täuschte. Beide Musketiere konnten es gut verbergen, doch sie wollten diese Gelegenheit, sich gegenseitig zu beweisen, wer der Stärkere sei, nicht entgehen lassen.
Rochefort nickte. "Ich hoffe, dass Ihr solch eine Aufforderung nicht ablehnen werdet."
"Keinesfalls", erwiderte d´Artagnan sehr gelassen. "Lasst uns keine Zeit mit vielen Worten verschwenden..."
"Wollt Ihr nicht noch einen Brief an die Witwe schicken?", fragte Rochefort spöttisch. D´Artagnan war verheiratet und liebte seine Frau sehr. Sie lebte allerdings mit dem schon recht erwachsenen Sohn in d´Artagnans Heimat, der Gascogne, so dass der Musketier seine Familie selten sah. Rochefort dagegen lebte allein.
"Ich denke nicht, dass dies nötig ist", lächelte d´Artagnan freundlich. "Lasst uns gehen. Welchen Ort wünscht Ihr?"
Weder er noch Rochefort bedachten, dass Duelle verboten waren, vor allem innerhalb der Kompanie.
"Am Prés-aux-clercs, zum Beispiel...", antwortete Rochefort.
Diese reizende Wiese war der übliche Duellplatz in Paris, doch es gab noch viele andere Plätze, wo man sich schlagen konnte und wo die Wachen selten hinkamen, da sie dort immer etwas zu tun fanden.
"Nun, dann kommt bitte. Obwohl, ich habe noch etwas zu erledigen."
"Falls Ihr noch zum Hauptmann wollt, er weilt bei einem Fest", erinnerte Rochefort ihn.
"Ach, ich vergaß, vielen Dank", erwiderte d´Artagnan.
"Wie alt ist Euer Sohn eigentlich?", fragte Rochefort plötzlich.
D´Artagnan sah ihn erstaunt an, doch dann hörte er, dass von hinten mehrere Männer kamen. Es waren Musketiere, die Dienstschluss hatten.
"Danke der Nachfrage", erwiderte d´Artagnan folglich sehr freundlich. "Er wird demnächst siebzehn.
"Ach, so groß schon..."
Die Musketiere waren vorüber.
"Lasst uns gehen", sagte Rochefort ungeduldig.
"Ich folge Euch", sagt d´Artagnan ruhig.

Am Prés-aux-clercs angekommen, zogen die beiden Gegner sofort ihre Waffen.
"Monsieur d´Artagnan", sagte Rochefort höflich.
"Ich erwarte Eure Anweisungen", sagte dieser, mit seiner Klinge Rocheforts kreuzend.
Ohne noch einen Augenblick zu zögern,  griff d´Artagnan mit einer Umgehung an und versuchte, Rocheforts Brust zu durchbohren. Rochefort schlug mit einer Kontersixt d´Artagnans Degen nach rechts und griff seinerseits an. Es entwickelte sich schnell ein Duell, das einen jeden Fechtmeister entzückt hätte. Die beiden Kontrahenten waren von sehr unterschiedlicher Gestalt und trotzdem hätte niemand sagen können, wer der Bessere sei. D´Artagnan, mit seinem breiten Schultern, war sehr kraftvoll. Rochefort hingegen, so dünn, dass man meinen konnte, er könne nie gegen den muskulösen d´Artagnan ankommen, zumal sie beide nur mittelgroß waren, machte durch Wendigkeit wett, wo es ihm an Muskelkraft gebrach. Sie fochten sehr konzentriert, beide auf einen Fehler des anderen lauernd, eine kleine Unachtsamkeit, eine zu große Abwehrbewegung, was man sofort ausnutzen konnte.
Schließlich jedoch wurde Rochefort ungeduldig. Er vernachlässigte seine Deckung, was d´Artagnan sofort ausnutzte. Rochefort wich zurück, bewahrte aber seine Deckung nicht, sondern hielt das Rapier nach unten. D´Artagnan seinerseits fiel erneut aus, doch da Rochefort sich duckte, um diesem Stoß zu entgehen, traf er ihn nicht in die Brust, sondern im Gesicht. Mit einem dumpfen Aufstöhnen ging Rochefort sofort zu Boden, mit der einen Hand noch unbewusst sein Gesicht schützend.
D´Artagnan beugte sich zu dem Verwundeten, steckte dann seinen Degen weg und lief eilig davon.

Die Herren Athos, Porthos und Aramis gingen an diesem Abend, die Sonne war eben im Untergehen begriffen, ein wenig spazieren, dabei über alles und nichts plaudernd. Sie hatten sich über die besten Plätze zum Duellieren unterhalten und Porthos, der auf den Prés-aux-clércs schwor, führte seine Kameraden, die diesen trefflichen Platz noch nicht kannten, dorthin. Noch ehe sie ankamen, hörten sie Waffengeklirr. Porthos, dessen natürliche Neugierde ihn dazu zwang, wollte schon hineilen, doch Athos und Aramis, obwohl nicht weniger neugierig, hielten ihren Freund zurück.
"Porthos, das geht uns nichts an! Deinen Duellplatz kannst du uns auch morgen zeigen", sagte Aramis beschwörend, die schwarzen Augenbrauen, die fast streng wirkten, dabei zusammenziehend.
"Aber Duelle sind verboten. Vielleicht-", Porthos Augen leuchteten auf und er packte Aramis am Arm, "-vielleicht sind es Gardisten und wir könnten es melden."
"Soviel Glück haben wir nie im Leben", meinte Aramis.
"Außerdem", fügte Athos ruhig hinzu, sich dabei die blonden Haare aus dem Gesicht streichend, "können Gardisten nicht so gut fechten, als dass sie sich schlagen würden."
"Wir könnten trotzdem hingehen", bestand Porthos auf seinem Wunsch. "Vielleicht gibt es Verletzte."
Aramis und Athos versuchten, ihren Freund davon abzubringen, doch dieser ließ nicht von seiner Idee abbringen. Als Porthos gerade drohte, er würde allein gehen, hob Aramis die Hand, zum Zeichen, dass sie schweigen sollten. Das Degengeklirr war verstummt.
"Hört ihr? Sie müssen ihr Duell beendet haben."
"Nun, dann nichts wie hin", sagte Porthos begeistert. Ohne dass sie ihn aufhalten konnten, eilte er davon und ihnen blieb nichts anderes übrig, als ihm zu folgen.

Was sie dort sahen, entsetzte sie zutiefst. Porthos stand bei einem Mann, der zusammengekrümmt am Boden lag. Ansonsten war niemand zu sehen.
"Es ist Rochefort", rief Porthos und winkte heftig. Athos und Aramis kamen eilig heran.
"Was hat er?", fragte Aramis unruhig und sichtlich blass geworden. Er sah sich nach Rocheforts Gegner um, der offensichtlich Fersengeld gegeben hatte.
"Ich weiß nicht", bekannte Porthos. "Meint ihr, ich soll ihn umdrehen?"
"Nun ja, selbstverständlich", sagte Athos und kniete bei Rochefort nieder. "Wir müssen nur vorsichtig sein."
Porthos drehte Rochefort um. Was die Herren sahen, ließ ihnen fast das Blut in den Adern gefrieren. Rocheforts Gegner hatte allzu gut im Gesicht getroffen und das linke Auge erwischt. Aramis wurde bei diesem Anblick ganz blass und holte ein Taschentuch aus Batist aus seinem Ärmelaufschlag.
Auch Athos musste sich um Fassung bemühen. "Ist er noch irgendwo verletzt?", fragte er mit gepresster Stimme. Alle drei waren erst seit kurzem Soldaten und der Anblick solcher Verletzungen erschienen ihnen daher äußerst beunruhigend.  
Porthos jedoch bewahrte im Gegensatz zu den anderen beiden einen kühlen Kopf. Rasch tastete er Rocheforts Körper ab. "Anscheinend nicht. Meint ihr, wir sollten ihn wegbringen?"
"Etwas anderes bleibt uns doch gar nicht übrig", sagte Aramis. "Es müssten nur erst Pferde geholt werden."
Porthos sprang sofort auf, da es ihm unangenehm war, Rochefort, den er seit dem Vorfall am Vormittag nicht mehr sehr gut leiden konnte, derart übel zugerichtet zu sehen. Athos und Aramis sahen zu, wie der hünenhafte Porthos in Richtung Hauptquartier davoneilte.
"Wer kann so etwas Entsetzliches", fragte Athos langsam, "tun und den Verletzten dann hier liegen lassen?" Er war sehr bleich, als er das sagte und brachte es kaum fertig, Rochefort anzusehen.
"Ein Mann ohne Ehre", meinte Aramis recht kurz und ohne auf Athos zu achten. "Hast du zufällig Wasser dabei?"
"Nein."
Am Rande der Wiese sah man schon wieder Porthos auftauchen, mit beiden Armen winkend. Hinter ihm tauchten zwei Reiter auf, überholten ihn und kamen auf sie zugesprengt. Athos und Aramis erhoben sich langsam, die Hand am Degen. Es dauerte eine Weile, ehe sie erkannten, dass es Musketiere waren.
"Holla, Messieurs!", rief einer der Musketiere, "Ist er schwer verletzt?" Der Mann sprang mitten im Galopp vom Pferd und legte die letzte Strecke im Laufschritt zurück.
"Nur das Auge", sagte Aramis und vermied es dabei, zu dem Verwundeten zu sehen. "Wir wissen nicht, wie schwer."
Der Musketier kniete sich bei Rochefort hin und sah ihm ins Gesicht. Wie schon Athos, Porthos und Aramis vor ihm, zuckte er zurück.
"Schnell, das Pferd her", sagte er scharf, an seinen Kameraden gewandt. Dieser brachte dessen  Pferd. Der Musketier saß auf und Porthos, der inzwischen herangekommen war, und Athos hoben Rochefort, der noch immer ohnmächtig war, zu ihm hoch. Der Musketier umfasste Rochefort und bemühte sich, dass Gleichgewicht zu halten.
"Also, Messieurs, bringen wir ihn ins Hauptquartier."
Athos, Porthos und Aramis mussten neben ihren Kameraden hergehen, da sie ja keine Pferde dabeigehabt hatten. Wegen Rochefort konnte man ohnehin nur im Schritt reiten.
Aramis, der neben dem Musketier, der Rochefort hielt, ging, fragte ihn: "Monsieur, woher wusstet Ihr, dass es ein Duell gab?"
"Von d´Artagnan", gab der Musketier zur Antwort. "Er hat uns gesagt, dass er sich mit Rochefort geschlagen hatte und dieser nach einem Treffer ohnmächtig geworden war. D´Artagnan hat uns sofort Bescheid gegeben. Er hatte kein Pferd dabei, um Rochefort selbst zurückzubringen."
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